Forumsinterner Wettbewerb "Oma - Nudelholz - Kobolde"

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Re: Forumsinterner Wettbewerb "Oma - Nudelholz - Kobolde"

Beitragvon Freigeborene » 14.06.2015, 13:23

Ich freue mich schon darauf :mrgreen: Wann dürfen wir denn morgen mit den Geschichten rechnen? Schon morgens oder erst gegen Mittag oder Abend? :dasheye:
Wunder geschehen dort, wo alle Hoffung verloren ist. Deshalb werden die stärksten Kämpfer niemals ein Wunder erleben, denn sie würden nicht aufgeben.
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Re: Forumsinterner Wettbewerb "Oma - Nudelholz - Kobolde"

Beitragvon Tsaphyre » 14.06.2015, 14:57

Huhu,

sind es denn immer noch 4 Geschichten oder sind noch welche dazugekommen? :coofee:

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Re: Forumsinterner Wettbewerb "Oma - Nudelholz - Kobolde"

Beitragvon Justin » 14.06.2015, 17:32

Wie die kleine Kinder bei der Bescherung!
You can observe a lot just by watching.
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Re: Forumsinterner Wettbewerb "Oma - Nudelholz - Kobolde"

Beitragvon Alys » 15.06.2015, 12:11

Und jetzt kommt die Bescherung! :xmasgrin:

Es ist bei vier Beiträgen geblieben, was ich innerhalb der kurzen Zeit und in Konkurrenz zum Sommerturnier dennoch eine recht gute Quote finde.
Da es aber genau vier Beiträge sind möchte ich nochmal auf das angedachte Bewertungssystem hinweisen und daran etwas ändern. Hier nochmal das Bewertungssystem, wie ich es ursprünglich gepostet hatte:

Alys hat geschrieben:Das Bewertungssystem:
Die Jury hat ab dem 15.06.2015 eine Woche Zeit, die Geschichten zu bewerten.
Jedes Jurymitglied vergibt 3 Punkte für seinen Favoriten, 2 für die zweitbeste Geschichte, und 1 für den dritten Platz.
Zusätzlich dürft Ihr als Leser einen Publikumspreis vergeben. Schreibt einfach in dem Thread, welche Geschichte Euch am besten gefällt.
Der Fairness halber dürfen Jurymitglieder nicht selbst Geschichten einreichen. Ebenso gilt: wer mitgeschrieben hat darf nicht für den Publikumspreis mitstimmen.


Und zwar: Bei genau vier Beiträgen ist es irgenwie blöd, drei Gewinner auszusuchen. Letztlich geht es hier ja um Spaß an der Sache, und ich weiß genau, mich würde es anfressen, dann als der einzig nicht-plazierte Vierte dazustehen.
Also würde ich vorschlagen, dass wir nur einen ersten und einen zweiten Platz vergeben. Die Jurymitglieder vergeben demensprechend 2 Punkte für die beste Story und 1 Punkt für die zweitbeste Story..
Den Publikumspreis gibt's natürlich trotzdem weiterhin.

And now... I proudly present... four amazing stories about Oma, Nudelholz und Kobolde: :2thumbs:
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Re: Forumsinterner Wettbewerb "Oma - Nudelholz - Kobolde"

Beitragvon Alys » 15.06.2015, 12:13

Hau' den Kobold

Da war es schon wieder, dieses Geräusch. Inge stutzte. „Krrchrkrchrr …“
„Hört ihr das auch?“ Das kam doch aus der Blechbüchse! „Erwin, jetzt hör' doch mal, ich glaube, da ist was in der Keksdose.“
Erwin ließ die Zeitung sinken, so dass sein Glatzkopf bis zur Nase sichtbar wurde. Seine Augen blitzten. „Klar ist da was in der Keksdose. Kekse.“
Hannes kicherte, sah sogar einen Moment von seinem Smartphone auf. „Oma, du hörst wohl die Flöhe husten.“
„Oder das Gras wachsen“, ergänzte Erwin. Beide prusteten los.

„Krrchrkrchrrchrrkrr ...“

Inge ließ sich nicht beirren. Langsam, mit ihrem guten Ohr voraus, näherte sie sich der Arbeitsplatte. „Ich mache sie jetzt auf.“ Erwin und Hannes sahen einander an und erhoben sich beinahe synchron von ihren Stühlen. Jetzt standen alle vor der Blechbüchse mit Blümchenmuster.
„Vielleicht ist es eine Maus?“ Inge rückte ihre Brille zurecht.
„Wenn eine Maus den Deckel der Dose auf- und wieder zumachen kann, sollten wir die behalten“, schlug Erwin vor und grinste.
„Eins ...“, sagte er.
„Zwei ...“, flüsterte Hannes.
„Drei!“, rief Inge und riss den Deckel nach oben.

Gebannt starrten sie in die Büchse. Zwei grüne Augen blickten überrascht zurück. Ein Wesen mit Knollnase, Segelohren und blauer Zipfelmütze knabberte gierig an einem Keks, der fast so groß war wie es selbst. „Hmpf hmpf, hmpfpfhmpf!“, machte das Männchen mit vollen Backen. „Wie bitte?“, fragte Inge mit einem Unterton, der Hannes und Erwin leicht zusammenzucken ließ. Das Ding kaute schneller, schluckte und beeilte sich zu lächeln. „Seid gegrüßt, ihr guten Leute! Ich bin der Kobold des Glücks und ihr habt drei Wünsche frei!“

Mit spitzen Fingern hob Inge das angebissene Gebäck aus der Dose. Das Männchen klammerte sich daran fest und strampelte mit kurzen Beinchen. Nachdem sie den seltsamen Besucher kurz gemustert hatte, ließ Inge Keks samt Kobold auf die Arbeitsplatte fallen. Das Wesen landete unsanft auf seinem dicken Hintern. „Ist das der Dank?“, zischte es.

„Erstens: Man spricht nicht mit vollem Mund. Und zweitens: Finger weg von den Keksen!“, schrie Inge, schnappte sich das Nudelholz und ließ es auf den Kobold niedersausen, dass es nur so knallte. Als sie die Kuchenrolle wieder hochnahm, war das Ding verschwunden. „Kobolde in meiner Küche kann ich nicht gebrauchen“, brummte Inge und wusch sich gründlich die Hände. Erwin wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. „Inge, du bist der Hammer!“, brüllte er und sank lachend auf einen Stuhl. Auch Hannes wieherte, schnappte nach Luft und hielt sich den Bauch. „Krass, Oma! Ich würde ja gerne bleiben und sehen, was noch so passiert, aber ich muss leider zur Uni. Und ich glaube, das nächste Mal sollten wir beim Haschkekse-Backen nicht ganz so großzügig dosieren.“
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Re: Forumsinterner Wettbewerb "Oma - Nudelholz - Kobolde"

Beitragvon Alys » 15.06.2015, 12:14

Helden

„Hugh Everett ist ein Idiot. Und Stephen Hawking sowieso. Und der größte Vollidiot ist mein Bruder Grepin. Absolut talentfrei und Unbeteiligter in Sachen Intelligenz. Ausgerechnet der musste mir erzählen von wegen Held sein. ‚Als Kobold bist du immer der Depp‘, hat er gesagt. ‚Und in Herne wirst du eh nie ein Held.‘
Weiß ich auch ohne ihn. Klar wäre Held-sein toll. Einmal wenigstens. So ein bisschen wenigstens? Und dann hat Grepin angefangen mit diesem Paralleluniversum. ‚Hier und jetzt sind wir nichts als hässliche, kleine Verlierer. Aber in einem anderen Universum, da können wir die Könige sein. Da geht‘s richtig ab für uns.‘ Dieser Everett hätte das irgendwie mal entdeckt und Hawking hat es sogar bewiesen.
Ich hab ihm gesagt, er soll nicht rumspinnen, aber dann hat er gesagt, er wisse, wo so ein Paralleldingsbums ist. ‚Hertha Ludike‚ Recklinghausen‘, hat er geflüstert. Straße wusste er auch, hab ich aber vergessen.
Er nicht. Dieser Vollpfosten hat mich überredet zur >Operation Heldenleben<. ‚Komm‘, hat er gesagt, ‚da fängt unser neues Leben an.‘
Erstes Problem: Wie schafft man es als Kobold von Herne nach Recklinghausen? Klar, sind nur zwölf Kilometer. Aber auf kurzen Koboldbeinen ist‘ trotzdem ‘ne Schinderei. Dazu die Straßen voll von Menschen und Schalke-Fans. Gut – war Fasching. Da ging das. Man kriegte ab und zu mal ‘nen Schnaps und machte ansonsten, dass man vorwärtskommt. Aber he! Ich bin Kobold, nicht der Marathonmann. Irgendwann ist es dann aber auch egal und man spürt die Flossen eh nicht mehr. Und irgendwann ist man in Recklinghausen.
Altes Backsteinhaus, ziemlich runtergekommen, Abfall im Garten, überall Graffitis … Ich hätte mich auf Anhieb wohlfühlen können. ‚Und hier wohnt kein Kollege?‘ Ich konnte mir das nicht vorstellen. Wenn ein Koboldbruder in Recklinghausen ‘ne Bude sucht, dann würde er hier einziehen. Grepin schaute so blöd, wie eben nur Grepin schauen kann, wenn er etwas nicht wusste. Spätestens da war klar, dass ich besser hätte im Bett bleiben sollen. Aber der Mist, den Grepin nicht noch kurzerhand schlimmer machen kann, muss erst noch erfunden werden: Der Depp hatte keinen Schimmer, wie‘s jetzt weitergeht. Ich dachte, er hätte vielleicht einen Trick, wie wir dieses Parallelteil finden oder so was. Nee, hatte er natürlich nicht. ‚Hier muss es sein‘, sagte er nur. Ich hätte ihn am liebsten auf der Stelle … Aber das darf man als Kobold ja nicht mal denken. Statt Heldenleben hatte ich Blasen an den Flossen und Sodbrennen von dem Fusel, den uns unterwegs ‘ne Menschentussi mit Merkel-Maske verabreicht hat. Scheiß-Fasching. Und ich außerdem hatte den allerdämlichsten Bruder, den man als Kobold nur haben kann.
Für mich gab es jetzt zwei Möglichkeiten. Erstens: Sofort wieder nach Hause. Zweitens: Noch fünf Minuten die Flossen ausruhen und dann nach Hause. Während ich gerade zu Möglichkeit zwei tendierte, kam dieser Apfelstrudel durch die Tür. Also, sein Geruch. Ich wünschte mir, ich hätte wegriechen können. Aber wegriechen geht nicht. Nicht bei Apfelstrudel mit Zimt.
Also sind wir rein. Wenn wir schon im Verliereruniversum festhängen, dann wenigstens mit vollem Magen. … außerdem war die Tür offen.
Ich wollte ja Grepin vorschicken, schließlich war das alles seine Idee. Irgendein schmieriger Schamane hatte ihn im Fröhlichen Wichtel angequatscht. Zwei Honigbiere reichen bei Grepin ja, dann glaubt der alles. Auch, dass es Paralleluniversen gibt. Klar, die liegen einfach so rum. Wahrscheinlich da hinten, bei den dreckigen Socken. Mal ehrlich: Ich könnte ja glauben, dass es sowas gibt. Aber dass dort Kobolde mal nicht die Fußabtreter der Welt sind … Spätestens daran hätte selbst ein Trollkopf wie Grepin merken müssen, dass der Schamane lügt. So richtig Held könnte man dort sein, hat der Typ ihn vollgequatscht. Mit Drachen töten, Schätze finden, Prinzessinnen retten … Ja, träum weiter, du grüne Dumpfbacke.
Was hab ich davon? Ne Beule an der Birne und Kopfweh. Und nicht mal für einen Bissen Apfelstrudel hat’s gereicht. Gut, war ich selbst schuld. Hätte zubeißen sollen und runter damit. Hab ich aber nicht. Stattdessen musste ich schauen, ob die Luft rein ist. Grepin ist ja gleich los auf das Teil. Klappe auf und reingeschaufelt. Hat der sich die Zunge verbrannt …! Hahaha … Auauau … Ich darf nicht lachen, mein Kopf ist immer noch ‘ne einzige Matschbirne.
Und dann – Finale Furioso. Kann man ja nicht mit rechnen, dass der Kuchen bewacht wird. Von einer Ausgeburt der Hölle. Von einem bis an die dritten Zähne bewaffneten Ungeheuer. Von einem Monster, vor dem jeder Teufelstroll die Flucht ergreifen würde. Allein schon der Schlachtruf: ‚Pfoten weg von Herthas Apfelstrudel!‘ Und dann war sie schon über mir. Dabei hatte ich ja gar nicht … Ach, sagte ich schon. Egal. Also, die hatte eine Keule, dagegen ist die 1000-jährige Eiche in Helheim ein Zahnstocher. Und gegen das, was die abgezogen hat, da war die Schlacht am Schwarzen Tor ‘ne Sandkastenrauferei. Bin ja gerade froh, dass ich da lebend rausgekommen bin. Keine Ahnung wie. Irgendwie halt durchs Fenster. Glaub ich jedenfalls. Dann die zwölf Kilometer wieder zurück nach Herne. Und dieser Orcfurz von einem Bruder war weg. Besser so für ihn. Wenn ich den erwischt hätte ... Von mir hätte der ein Paralleluniversum gekriegt, das sich gewaschen hat. Aber wahrscheinlich ist er hinüber. Erschlagen von diesem Monster. Oder aufgefressen. Ist mir auch egal. Wenn die ihn nicht umgebracht hat, ich mach’s.
Ach ja, hat jemand mal ’n Aspirin?“

***

„He Chef! Wir haben wieder ‘nen Antrag auf Universumsprung. Einmal darfste raten von wem.“
„Schon klar – unsere Freundin Hertha.“
„Bingo. Nummer 97 inzwischen – die hat bald Jubiläum. Und beschwert hat sie sich auch.“
„Beschwert …?“
„Jep. Sie hatte diese Koboldnummer gebucht. Hat auch voll reingehauen, schreibt sie. Aber seit ihrer Rückkehr ins Neutraluniversum hat sie einen Kobold an der Backe. Der ist wohl irgendwie mit durchgeschlüpft.“
„Aha, da ist der gelandet. Alles klar. Das war so geplant, der sollte mit. Koboldklatschen ist gerade angesagt. Wir haben uns gedacht, drehen wir’s mal um und bringen den Klatschkopf direkt zu den Kunden. Der ist aber irgendwie falsch angeliefert worden beim Universumsprung. Kümmere ich mich gleich drum. Die Leute stehen mit ihren Nudelhölzern ja Schlange.“
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Re: Forumsinterner Wettbewerb "Oma - Nudelholz - Kobolde"

Beitragvon Alys » 15.06.2015, 12:16

Eine Lügengeschichte

„Guten Morgen, Lukas. Du bist wieder einmal zehn Minuten zu spät. Möchtest du uns vielleicht den Grund verraten?“

„Herr Meier, sie werden mir nicht glauben, was heute passiert ist.“

„Was denn? Hatte die Straßenbahn wieder einen Platten?“ Der Lehrer schaute Lukas‘ fragend an und die Klasse lachte. Sie alle wussten, dass der brünette Junge jeden Morgen zu spät kam.

„Nein, heute ist etwas Merkwürdiges passiert. Das müssen sie mir einfach glauben!“

„Ja, dann erzähl‘ uns allen doch einmal, was los war. Was so wichtig war, dass du erst zehn Minuten nach Unterrichtsbeginn hier auftauchst.“

„Heute Morgen um sieben Uhr bin ich ganz normal aufgestanden. Als ich dann in die Küche ging, um zu frühstücken stand dort meine Oma, um mir Frühstück zu machen. Meine Oma! Ich hatte keine Ahnung, wo die auf einmal herkam. Sie wohnt doch fast eine Stunde Fahrt von uns entfernt. Aber heute Morgen stand sie bei uns in der Küche und hat mir meine Toast gemacht. Die waren übrigens köstlich. Schön gold-braun getoastet mit genau der richtigen Menge Nutella, so dass es schon schmolz, aber nicht herunter tropfte. Einfach perfekt. Das knusperte so.“

„Lukas, du schweifst ab. Du wolltest erzählen, wieso du zu spät gekommen bist und nicht, wie dein Frühstück war.“

„Ach ja, stimmt. Genau, also meine Oma war auf einmal da und als ich sie fragte, wo denn meine Mutter sei. Antwortete sie nur ‚Deine Mama gibt es doch schon lange nicht mehr‘. Sie hat mir wirklich gesagt, dass meine Mutter gestorben sei. Das geht doch gar nicht! Die hat mich doch gestern noch ins Bett gebracht. Auf meine weiteren Fragen hat Oma mir allerdings keine Antworten mehr gegeben. Ich war schon ganz verzweifelt, deshalb habe ich erstmal unser Haus abgesucht. Sie glauben es mir bestimmt nicht, aber es war nichts mehr da. Die Fotos aus unserem Sommerurlaub letztes Jahr hingen nicht mehr an der Wand, stattdessen waren überall Bilder von mir und meiner Oma. Das Schlafzimmer meiner Mutter war anders eingerichtet und nichts erinnerte an sie. Alles sah so aus, als ob dort eine alte Frau wohnt. Meine Mutter war weg!“ Nach einem verzweifeltem Blick von Herr Meier wiederholte Lukas es nochmal: „Meine Mutter war weg!“

„Ja, gut. Deine Mutter war also weg. Was ist dann passiert?“

„Meine Oma rief, dass ich mich auf den Weg machen müsste, also griff ich mir meine Schultasche und machte mich auf den Weg. Als ich meine Jacke dann anzog, kam meine Oma in den Flur mit einem Nudelholz in der Hand. Sie gab es mir und meinte, ich wüsste ja wie ich mich damit verteidigen müsste. Ich muss sie wohl sehr verwirrt angeschaut haben, denn sie erklärte mir, dass es eine weitere Invasion gegeben hatte und sie überall durch die Straßen streifen würden. Bevor ich fragen konnte, wer Sie sind, schob meine Oma mich zur Tür hinaus. Draußen passierte dann die nächste komische Sache. Herr Meier, sie werden mir nicht glauben, was da für Wesen herumliefen!“

„Ja, das glaube ich auch. Willst du mir denn sagen, was für Wesen es waren?“

„Kobolde!“

„Kobolde?“

„Ja, Kobolde! So kleine, grüne Männer mit roten Bärten und langen, zerzausten Haaren auf dem Kopf. Sobald sie mich erblickten, bleckten sie ihre Zähne und rannten auf mich zu. Ihre Zähne waren echt ekelig. So lang und spitz, wie die von Haien.“ Obwohl Herr Meier sein Kopf verzweifelt auf seine Hände gestützt hatte, nickte er, um Lukas zu signalisieren, dass er weiter reden kann. „Die Kobolde rannten also auf mich zu und griffen mich an. Da ich ja nur das Nudelholz in der Hand hatte, schlug ich damit um mich und schaffte es die Kobolde abzuwehren. Auf dem Weg zur Schule bin ich dann andauernd angegriffen worden. Immer wieder haben die kleinen Männer versucht mich zu beißen und zu zerfleischen.“

„Und deshalb hast du so lange gebraucht, um hier her zu kommen?“

„Ja genau!“ Lukas nickte selbstsicher.

„Wo ist denn dein Kampf-Nudelholz?“

„Draußen. Ich habe es verloren bei einem Angriff. Zum Glück war ich da schon so nah an der Schule, dass ich mich mit einem Sprint ins Gebäude retten konnte. Das war echt knapp. Könnte ich nicht so schnell rennen, wäre ich jetzt tot! Aber so bin ich nur zehn Minuten zu spät zum Matheunterricht gekommen. “

„Dann müssen wir jetzt aber froh sein, dass du in einem Stück an der Schule angekommen bist.“ Lukas nickte bestätigend. „Wegen deiner außerordentlichen Kreativität erspare ich dir heute den Eintrag ins Klassenbuch. Aber jetzt setz dich hin, damit wir endlich mit dem Unterricht beginnen können.“

Mit einem selbstgefälligen Grinsen im Gesicht ging Lukas zu seinem Platz. Sein Plan war aufgegangen!
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Re: Forumsinterner Wettbewerb "Oma - Nudelholz - Kobolde"

Beitragvon Alys » 15.06.2015, 12:17

Agathe, der Kobold und das Nudelholz

Am Fuße des Riesengebirges, wo jener launische Berggeist sein Unwesen treibt, dessen Namen auszusprechen, der Erzähler tunlichst unterlässt, wohnte am Rande des Städtchens Trautenau die alte Agathe. Ihr Haus hatte Fenster mit grünen Läden, war aus Balken gezimmert und trug ein graues Schindeldach. Wer die Ohren spitzte, konnte das Plätschern der Aupa vernehmen, die hinter dem Garten, von dichtem Buschwerk verborgen, entlang floss.

Agathe hackte gerade die feste Erde im Kräuterbeet, als die Turmuhr mit hellem Klang die vierte Stunde nach Mittag verkündete. Die Alte richtete sich auf. Sie stand mit geradem Rücken, jedoch weit nach unten gebeugtem Kopf, um den sie Sommer wie Winter ein schwarzes Tuch hüllte, und versuchte mit einem Blick auf die Turmuhr, das Gehörte zu überprüfen. Seit Jahren schon, taugte ihr Hals nicht mehr dazu, den Kopf zu heben. So blieb ihr nichts weiter übrig, als ihn zur Seite zu legen, und so nach der Uhrzeit zu schauen. Sie hatte recht gehört, es war vier Uhr.
Agathe räumte die Hacke in den kleinen Schuppen, schlurfte in die Küche und rieb sich die Hände. Heute, so wie jeden Samstag, backte sie einen Streuselkuchen. Mochten die Zeiten gut sein, mochten die Zeiten schlecht sein – am Samstag wurde gebacken.

Von der Küchendecke baumelte eine Glühbirne und erhellte den Tisch, auf dem Agathe den Teig mit einem Nudelholz rollte. Der Holzherd knisterte, das Ofenrohr erwärmte sich und verriet, oben am Dachboden, einem dort Schlummernden, dass die alte Agathe unten in der Küche hantierte.
Das kleine Kerlchen stand auf und gähnte. Es trug ein beigefarbenes Fell, hatte riesige Ohren und ein freches Gesicht. Selbst jetzt, wo es sich streckte, war es kaum länger als eine Spanne. Als junger Kobold hatte er oben in Spindlermühle gewohnt, mitten im Riesengebirge. In der Baude gab es unzählige Touristen zum Beobachten und Necken; sogar Skiläufer. Doch Neugier und Abenteuerlust trieben ihn um und er wanderte talwärts. Bei der alten Agathe bezog er Quartier. Die nahm sein Dasein ohne Murren zur Kenntnis und ließ ihn gewähren.
Gelegentlich backte Agathe Buchteln, mit Äpfeln und Zimt gefüllt; die waren seine Lieblingsspeise. Dann stellte sie ihm einen Teller mit diesem herrlichen Gebäck auf die Treppe zum Dachboden. Dafür jagte er Mäuse, nicht etwa um sie zu verspeisen, pfui Spinne!, nein. Es machte ihm einfach Riesenspaß, die flinken Nager zu erschrecken und hinter ihnen herzujagen. So oder so. Agathe war froh darüber.
Durch ein Astloch spähte der Kobold hinab in die Wohnküche. Wenn die Alte weiche, duftende Buchteln zubereitete, brauchte sie das dumme Nudelholz nicht. Da schnitt sie den Teig in viele kleine Klumpen, die sie mit der Faust flachdrückte, fertig. Aber ach! Auf dem Tisch lag das mehlige Nudelholz, daneben ein flaches Rechteck aus Teig, auf das die Alte Reihe um Reihe Zwetschgen legte. „Gemeinheit!“, zischte der Kobold. „Böse, alte Agathe. - Bist überhaupt keine liebe Oma!“ Er knirschte mit seinen kleinen Zähnen. Das Koboldblut kochte und er brüllte aus Leibeskräften in das Astloch: „Ich will Buchteln!“

Eine Woche später, schlurfte die alte Agathe wieder in die Wohnküche, rieb sich voll Vorfreude die Hände, zog die Tischschublade auf und stutzte. Wo war das Nudelholz? Sie hatte es hier hineingelegt; das wusste sie bestimmt. Und natürlich wusste das auch … Agathe blickte mit schief gelegtem Kopf zur Decke.
Die Treppe war steil, der Aufstieg mühsam. Durch das schmutzige Fenster sickerte Licht und tauchte den Dachboden in düsteres Grau. Seit Jahren war sie nicht mehr hier gewesen. Drüben beim Kamin stand die Seemannskiste, darauf, ach ja, der leere Vogelbauer. Dahinter lag ein Stapel alter Zeitungen, obenauf saß er, der Nichtsnutz, und rieb sich verwundert den Schlaf aus den Augen. Oma Agathe trat nah an den Kobold heran und blickte streng zu ihm hinab.
„Ich hab es nicht aus der Schublade genommen. Ganz bestimmt nicht.“ Der Kleine kicherte. „Vielleicht war's der Berggeist.“ Er lachte. „Nur böse alte Hexen backen die ganze Zeit Streuselkuchen für sich allein und sind so undankbar wie du ...“
Agathe hatte genug gehört. Kurzerhand packte sie das Lästermaul beim Schlafittchen, steckte es in den Vogelbauer und verschloss die Käfigtür. Der Kobold war dermaßen verdutzt, dass er schwieg. Im Schuppen stellte sie den Vogelbauer auf den alten Hackklotz, klappte die Käfigtür wieder auf, schob die Schuppentür hinter sich zu und schlurfte davon.
„Ja, aber … aber. Soll ich hier in dem kalten, dunklen, feuchten … oder, oder soll ich … hier mal nach dem Nudelholz suchen ...?“

Neben dem Küchentisch stand das Sofa. Ein schwerer dunkelgrüner Überwurf schützte es vor Staub und Flecken. Am Rand saß die alte Agathe und stopfte. Auf ihrer Nase trug sie eine Brille mit dicken Gläsern. Die Küchenuhr tickte. Eine Fliege summte um das gekippte Fenster, schlug gegen die Scheibe, summte weiter und verschwand. Eine Weile brummte der Kühlschrank, bevor auch er mit kurzem Zittern und Rumpeln sein Schweigen verkündete. Mit schief gelegtem Kopf lauschte die Alte zur Decke.

Nadel und Socken lagen im Schoß, die Brille war auf die Nasenspitze gerutscht: Agathe war eingenickt. - Wisperte da nicht eine dünne Stimme? Und was war das für ein Geklapper? Sie öffnete ihre Augen, schob die Brille zurück auf die Nase und orientierte sich.
„Habs gefunden. Es hat doch tatsächlich hinter der Kohlekiste gelegen.“ Der Kobold kicherte verlegen. Auf dem Küchentisch, direkt vor der alten Agathe saß er und wies voll Stolz auf das Nudelholz. „Es war ein bisschen schmutzig. Aber ich habe es gewaschen. Blitzblank sauber.“ Erwartungsvoll blickte er zu Agathe.
Die nickte.
„Wenn ich dir helfe, haben wir den Streuselkuchen ruck, zuck fertig. Ich hole schon mal das Mehl.“
„Es war so ruhig ohne dich, dass ich eingeschlafen bin.“ Die Alte stand auf. „Ich habe dich vermisst.“
Der Kobold strahlte wie ein Honigkuchenpferd und sauste los.
„Wir brauchen Mehl und Zucker und Eier und Butter und Zwiebeln und ...“ Der Kleine keuchte mit einer Tüte Mehl zum Tisch, während Agathe das Nudelholz in die Tischschublade legte und sie zuschob.
„Wieso räumst du das Nudelholz weg?“
„Na, heute backe ich Buchteln.“
„Buchteln?“
Agathe nickte und der kleine Kobold schlug vor Freude einen Purzelbaum.
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Re: Forumsinterner Wettbewerb "Oma - Nudelholz - Kobolde"

Beitragvon Tsaphyre » 15.06.2015, 17:15

Hach, schön... Ist wie Märchenstunde...

Entscheiden kann ich mich aber heute noch nicht, das fällt mir mal wieder verdammt schwer.

Bis bald, Tsaphyre
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Re: Forumsinterner Wettbewerb "Oma - Nudelholz - Kobolde"

Beitragvon gargamel111 » 15.06.2015, 19:10

Ja, ein richtiges Geschichten-Weihnachten. Allerdings muss ich zugeben, fiel mir die Entscheidung leicht. Meine Punkte sind vergeben.
forumsinterner-wettbewerb-oma-nudelholz-kobolde-t54030.html
Kreativ sein, schreiben, Kekse gewinnen! Der forumsinterne Schreibwettbewerb zum Thema: "Oma, Nudelholz und Kobold" läuft!
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Re: Forumsinterner Wettbewerb "Oma - Nudelholz - Kobolde"

Beitragvon unkompliziert » 15.06.2015, 20:21

Meine Stimme für den Publikumspreis geht an:
Hau den Kobold

Der Schreibstil war sehr angenehm zu lesen, die Charaktäre waren liebenswert und das Ende überraschend. Perfekt :)

Bei "Agathe" gefielen mir die Charaktäre und bei "Helden" der Perspektivenwechsel am Schluss.

Vielen Dank an alle vier Teilnehmer für die schönen Geschichten!
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Re: Forumsinterner Wettbewerb "Oma - Nudelholz - Kobolde"

Beitragvon Alys » 16.06.2015, 14:06

Unsere Jury ist richtig fleißig, kann ich verraten. Einige Stimmen sind schon eingegangen.
Und als kleiner Teaser vorab: jeder der Wettbewerbsbeiträge hat schon Stimmen bekommen. ;-)

Ich hoffe noch auf rege Beteiligung beim Publikumspreis.
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Re: Forumsinterner Wettbewerb "Oma - Nudelholz - Kobolde"

Beitragvon magico » 18.06.2015, 08:51

Es ist eine wahnsinnig schwierige Entscheidung, denn alle 4 Geschichten haben das Thema unterschiedlich behandelt und eine absolute Daseinsberechtigung.
Letztendlich habe ich mich daher für die (meiner Meinung nach) stilistisch gefälligste Geschichte entschieden. Auch hier schwankte ich stark zwischen dem Kobold aus Herne (eine großartige Vorstellung, dass Kobolde im Ruhrpott wohnen) und der liebenswert erzählten Geschichte um Agathe.
Vorher muss ich noch erwähnen, dass ich den Schluss von "Hau' den Kobold" sehr gelungen finde und die Lügengeschichte sehr sympathisch fand, da sie mich sehr an das Lied "Der späte Fred" von Gerhard Schöne erinnert.

Nun aber mein persönlicher Sieger: Agathe, der Kobold und das Nudelholz

Ich mag einfach, wie locker leicht dieses "Märchen" daherkommt und wie die Beziehung zwischen dem kleinen frechen Kobold und der alten Agathe dargestellt wird. Außerdem mag ich den Schauplatz im Riesengebirge (als alter Rübezahl-Fan).
Es ist nicht gerade die kreativste Geschichte, aber eben sehr schön erzählt.


Danke an alle Teilnehmer und weiterhin viel Erfolg!
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Re: Forumsinterner Wettbewerb "Oma - Nudelholz - Kobolde"

Beitragvon Sofian » 18.06.2015, 16:10

Wie, hier in Herne gibt es Kobolde? *nervös umherschau* Muss ich etwa schon wieder umziehen? :XD:

(Publikumspreis: Helden. Alleine, weil Herne und Schalke erwähnt werden. :D )

Erstes Problem: Wie schafft man es als Kobold von Herne nach Recklinghausen? Klar, sind nur zwölf Kilometer.


Nicht zu vergessen der Rhein- Herne- Kanal, der im Grunde die beiden Städte voneinander trennen tut. :P

Altes Backsteinhaus, ziemlich runtergekommen, Abfall im Garten, überall Graffitis … Ich hätte mich auf Anhieb wohlfühlen können.


Spontanerweise habe ich direkt mehrere Gegenden in Herne und Recklinghausen vor Augen :XD:
Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag.

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Re: Forumsinterner Wettbewerb "Oma - Nudelholz - Kobolde"

Beitragvon Tsaphyre » 18.06.2015, 19:08

Hallo,

ja, alle vier Geschichten sind gelungen und machen richtig viel Spaß!

Die Lügengeschichte ist schön turbulent, allerdings fand ich es ein bisschen schade, dass ich durch den Titel ja vorher schon wusste, dass es sich um eine Lügengeschichte handelt.

Der Keksräuber hat sich sofort in mein Herz geknuspert und ich war ein bisschen erschrocken, mit welcher Vehemenz Inge dem kleinen Wesen zu Leibe rückte. Machen solche Kekse nicht eher friedlich? :XD: Ein schönes Ende zum Schmunzeln.

Agathe ist so schön wie ein Märchen und hat mein Herz im Sturm erobert. Ich liebe die Details, die mir alles sofort ganz klar und deutlich vor Augen zaubern, ohne dass sie die Geschichte überlasten, sondern sie im Gegenteil noch zerbrechlicher und feiner wirken lassen. Zwiebeln im Streuselkuchen? Das ist einfach koboldisch süß. :girl:

Und schließlich der kleine Held, der durch Paralleluniversen hüpft, nicht etwa, weil er ein Kobold ist und das kann, sondern weil der Paralleluniversentourismus auch bei den Kobolden Schlagzeile zu machen beginnt. Mir gefallen die Erzählweise, der Humor und vor allem das einfallsreiche Ende. :mrgreen:

Es fällt mir sehr schwer, mich zwischen Agathe und Grepin zu entscheiden. Irgendwie hat es mir dieses Mal auch nicht geholfen, ein paar Tage mit der Entscheidung zu warten. Beim Sommerturnier hat das doch immer so gut geklappt! :wary:

Also gut, es muss sein: Meine Wahl für den Publikumspreis ist "Helden".

Tsaphyre
Mein Blog: Musenselig Sirenenberauscht - Verborgene Gärten der Sehnenden Lust

Das kreative Chaos ist ein Trancezustand angenehmster innerer Verwirrung und seltsam zusammenhangloser Verwunderung. (Tsaphyre Ziegenfuß)
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Tsaphyre
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