[Liebe]Fremde Farben

Liebe, Romantik, Sehnsucht

[Liebe]Fremde Farben

Beitragvon MariaMagdalena » 06.04.2014, 20:02

Nein, sie hatte noch nie zuvor eine Frau geküsst. Noch nicht einmal daran gedacht.
Oder vielleicht doch? Sie konnte sich nicht daran erinnern, hatte es nicht geplant, nicht provoziert.
Gerade hatten sie noch geredet, gelacht, über die Ereignisse des Tages gegackert wie junge Hühner und sich gegenseitig mit den Kuscheltieren aus der Sofaecke beworfen. Doch plötzlich schlug ihre Freundin die Augen nieder.

Als sie wieder aufschaute, war ihr Blick verändert. Ihre Iris schimmerte in fremden Farben und warf ein neues Licht auf alles, was sie bisher verband. Wieder schaute die Freundin zu Boden und streichelte wie fern von dieser Welt die Ohren des grauen Plüschhundes in ihren Händen. Langsam. Und zart. Freundin. Hannah schloss die Augen. Während sie das Blut in ihren Schläfen pulsieren spürte, wünschte sie sich in ihre alte Welt zurück. In die Vertrautheit, die Gewissheit, die sie bis vor wenigen Momenten noch so fest getragen hatte. Freundin. Vielleicht hatte sie sich nur geirrt.

Langsam öffnete sie die Augen, vorsichtig. Als könnte nur ein einziger Atemzug den Moment zerspringen lassen wie Kristall auf groben Steinen. Noch immer streichelten die schmalen Hände ihrer Freundin das graue Fell. Wie zart sie waren. Das Pulsieren in ihren Schläfen wanderte auf Hannahs Wangen und brachte ihr Gesicht zum Glühen. Wieder schloss sie die Augen, diesmal fest und entschlossen. Presste Lieder und Lippen zusammen und nahm einen tiefen Atemzug. Das Pulsieren glitt ihren Hals hinab und legte sich schwer auf ihre Lungen. Schlug sich durch ihre Rippen, und ließ sie beide Hände fest auf den Brustkorb pressen. Verwirrung durchströmte sie, stellte ihre Welt auf den Kopf und ließ sie kreiseln. Unter den geschlossenen Augenlidern sah Hannah noch immer die Finger auf dem weichen Plüsch. Die sorgsam gefeilten Fingernägel, die sich wie verloren Strähne für Strähne in das graue Fell gruben und es wieder freigaben. Sie wünschte sich die kühlen Hände auf ihrem Gesicht, wünschte, sie nähmen ihr die Hitze. Dass sie sich in ihnen verstecken, verbergen könne.

Wieder öffnete sie die Augen, heftete ihren Blick fest auf die sanften Bewegungen, und wagte sich langsam voran. Über das zarte Spiel der Finger hinauf zu den Knöcheln, den Sehnen, die die Haut leicht spannten. Über die Handgelenke, vorbei an dem kleinen Armband aus Silber zu den Ellenbogen. Noch einmal einen tiefen Atemzug nehmend ließ sie ihren Blick über den Oberkörper ihrer Freundin gleiten, die sanfte Rundung der Brüste hinauf bis zu der kleinen Kuhle zwischen den Schlüsselbeinen. Weiter über Kinn, Lippen und Nasenspitze, bis zu den Augen, die sie so verwirrend angeschaut hatten. Vor einem langen Moment. Fragend ließ Hannah ihre Augen auf dem Gesicht der Freundin ruhen, kaum atmend, während diese den Blick hob, und ihr fest in die Augen sah.

Während sie die Hand aus dem Fell des Hundes löste, und sanft an das Gesicht der Freundin führte. Ja, ihre Fingerkuppen waren kühl. Kühler noch als sie es erwartet hatte. Sanft fuhren sie an Hannahs Stirn entlang, strichen ihr eine Strähne aus dem Gesicht, verbargen sie sorgsam hinter ihrem Ohr. Berührten dann den Hals, das Kinn und legten sich vorsichtig auf ihren Mund, als wollten sie die fragenden Lippen versiegeln. Noch immer schimmerten die sich langsam nähernden Augen in einem fremden Glanz. Der nächste Luftstrom füllte Hannahs Körper ganz. Ihre Brust straffte sich, machte Platz für das rasende Herz und schob die Hände und die Zweifel hinweg. Ihr Atem vereinigte sich, als sich die Lippen endlich trafen, und aus der Frage eine Antwort machten.
Freundin.
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Re: Fremde Farben

Beitragvon FrozenBambi » 08.04.2014, 07:18

Also bevor ich jetzt zum inhaltlichen komme, muss ich dich fragen: Was ist daran eine Geschichte? MMn ist das eine Szene, ohne große Aussagekraft.

Nein, sie hatte noch nie zuvor eine Frau geküsst. Noch nicht einmal daran gedacht.


Den Einstieg finde ich leider sehr schwach. Im Endeffekt ist damit die 'Geschichte' fertig erzählt. Ab diesem Punkt hab ich den Rest automatisch nur noch runtergerattert, denn das Ergebnis stand fest.


Doch plötzlich schlug ihre Freundin die Augen nieder.


Ich glaube das hat sie öfters getan - wir nennen das Blinzeln ;)
Führ das weiter aus. Doch plötzlich hielt ihre Freundin mitten im Spiel inne, ihr Blick veränderte sich, wurde merklich ernster. Sie schloss die Augen, schien einen Moment nachdenklich. Als sie wieder aufschaute ...
nur so als Bsp.

Ihre Iris schimmerte in fremden Farben und warf ein neues Licht auf alles, was sie bisher verband.


Das mag ein nettes Bild sein, aber du bringst es so rüber, als wäre es tatsächlich so geschehen. Und ich wage zu bezweifeln, dass sich ihre Augenfarbe verändert hat. Davon abgesehen finde ich das ein wenig unrealistisch. Der Blick mag sie unsicher machen, über ihre Absichten nachdenken lassen. Aber mit einem Blick erkennt sie nach - scheinbar langer Zeit - plötzlich das ihre Freundin schon die ganze Zeit über Gefühle für sie hegte? Hat sie denn dabei die Zunge raushängen lassen und leise gestöhnt?

Wieder schaute die Freundin zu Boden und streichelte wie fern von dieser Welt die Ohren des grauen Plüschhundes in ihren Händen.


Sie hat doch noch gar nicht nach unten geschaut, sondern lediglich die Augen geschlossen.

Presste Lieder und Lippen zusammen und nahm einen tiefen Atemzug.


Lieder -> Lider

Schlug sich durch ihre Rippen, und ließ sie beide Hände fest auf den Brustkorb pressen.


Diese Formulierung klingt mir ein wenig seltsam. Das Pulsieren schlug durch ihre Rippen. Vllt erzeugt es einen scheinbaren Druck auf ihren Rippen. Bei dir klingt es, als würde ihr gleich der Brustkorb zerreißen.


Wieder öffnete sie die Augen, ...


Du beginnst gefühlt unheimlich viele Sätze mit 'wieder'. Schreib doch zwischendurch einfach mal 'Sie öffnete die Augen'.


Über das zarte Spiel der Finger hinauf zu den Knöcheln, den Sehnen, die die Haut leicht spannten.


Hast du tatsächlich mal bei einem Menschen dezidiert die Sehnen gesehen? Ich denke du meinst eher die Muskeln, die man bei den Händen gut sehen kann. Allerdings spannen die die Haut nicht wirklich, zumindest meine Haut wirkt nicht unter Spannung. Vllt sollte ich mal liften gehen...

Edit: Hab recherchiert. Du hast tatäschlich recht, da vorne bei den Händen sieht man die Sehnnen. Aber trotzdem spannt das nich ! :D

Noch einmal einen tiefen Atemzug nehmend ...


Das würde ich aktiv formulieren, so klingt es unheimlich gewollt. 'Sie nahm noch einmal einen tiefen Atemzug'


Während sie die Hand aus dem Fell des Hundes löste, und sanft an das Gesicht der Freundin führte.


Warte mal, die Hände der Freundin waren ja im Hundefell. Soll das heißen sie nimmt deren Hände um sie zu derem Gesicht zu führen? Wer tut denn sowas? Also ich streiche meiner Frau schon selber durch das Gesicht - alles andere käme i'wie komisch.

Ja, ihre Fingerkuppen waren kühl. Kühler noch als sie es erwartet hatte. Sanft fuhren sie an Hannahs Stirn entlang, strichen ihr eine Strähne aus dem Gesicht, verbargen sie sorgsam hinter ihrem Ohr.


Ah nein okay ist das jetzt doch ihre Freundin, die da Hannah berührt? Das kommt überhaupt nicht raus. Allgemein bin ich von den ganzen 'sie's' schon unheimlich verwirrt - evtl könntest du der Freundin mal 'n Namen geben.

Ihr Atem vereinigte sich, als sich die Lippen endlich trafen, und aus der Frage eine Antwort machten.
Freundin.
Geliebte.


Joar das Ende ergab sich wie gesagt aus dem Anfang - ich war jetzt nicht unbedingt überrascht.


Fazit:
Ich bin mal beinhart, die Geschichte hat mich leider gelangweilt. Mal davon abgesehen, dass sie nicht unbedingt innovativ ist - weder durch Idee, noch durch faszinierende Charakter - ist sie inhaltslos. Ich fasse in einem Satz zusammen: 'Zwei Freundinnen erkennen ihre Homosexualität und küssen sich'.

Mir fehlt die Spannung, der Reiz, der Kitzel - ich weiß was passiert, bevor ich es lese. Wenn die Geschichte einen erotischen Faktor hätte, könnte man ihr ja noch etwas abgewinnen, aber auch das fehlt. Also entweder ausbauen oder u.U. als Szene in einem größeren Werk verwenden.

Die kleinen stilistischen Mäkeleien wären eigtl. nicht weiter störend, aber nachdem einen die Geschichte nicht fesselt, überliest man sie leider nicht einfach. Wahrscheinlich wäre mir nur halb so viel aufgefallen, wenn mich der Inhalt mehr berührt hätte.

Ich habe deine anderen Geschichten nicht gelesen - aber es scheint, als hättest du hier binnen kurzer Zeit ziemlich viele Ergüsse rausgeballert. Ich empfehle dir, weiter wütend drauflos zu schreiben. Das ist gut zum Lernen des Handwerks. Aber Geschichten, die du veröffentlichst - egal in welcher Form - sollten überlegter sein. Gerade Kurzgeschichten brauchen eine unheimlich gute Idee dahinter, um innerhalb so kurzer Zeit beim Leser Gefühle zu erzeugen.
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Re: Fremde Farben

Beitragvon MariaMagdalena » 08.04.2014, 21:16

Hallo FrozenBambi,

erst mal vielen Dank für Deine klaren Worte.

Du liegst mit Deiner Einschätzung vollkommen richtig.

1. Das ist tatsächlich nur eine Szene und keine durchgeplottete Kurzgeschichte, und 2. Ja, ich habe hier in den letzten Tagen einige noch wenig ausgefeilte Entwürfe eingestellt. Es sind meine allerersten Gehversuche in Sachen Fiktion, und ich dachte mir, ich setze sie gleich am Anfang mal den Augen anderer aus, damit ich mich nicht verrenne. Daher freue ich mich sehr über Deine ausführliche Kritik, und bin auch jetzt schon auf die Überarbeitung gespannt. ... Für die ich mir aber ein wenig mehr Zeit nehmen werde.

Wär' schön, wenn Du mir dann dazu auch noch einmal Deine Meinung schreiben könntest.

Lieben Dank
Maria.
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Re: Fremde Farben

Beitragvon LiaPetterson » 10.04.2014, 16:27

Hallo Maria,

die Idee dieser Szene finde ich sehr schön. Ich mag Geschichten, die sich plötzlich verändern und damit Verunsicherung in die Protas bringt und den Leser zum Nachdenken zwingen. Wie würde ich mich verhalten und wie reagiert die Umwelt auf eine unkonventionelle Beziehung.





MariaMagdalena hat geschrieben:Nein, sie hatte noch nie zuvor eine Frau geküsst. Noch nicht einmal daran gedacht.
Oder vielleicht doch? Sie konnte sich nicht daran erinnern, hatte es nicht geplant, nicht provoziert.
Gerade hatten sie noch geredet, gelacht, über die Ereignisse des Tages gegackert wie junge Hühner und sich gegenseitig mit den Kuscheltieren aus der Sofaecke beworfen. Doch plötzlich schlug ihre Freundin die Augen nieder.

Der Anfang verwirrt mich. Haben sie sich schon geküsst? Ist die Freundin über sie hergefallen? Wenn eine Frau eine andere Frau nicht nur freundschaftlich küsst, dann kann sie sich mit Sicherheit daran erinnern. Also diesen Teil würde ich weglassen. ... hatte es nicht geplant, nicht provoziert ....würde ich dageben drin lassen. Denn hier liegt ja die Spannung. Welche Signale habe ich meiner Freundin vermittelt.

MariaMagdalena hat geschrieben:Als sie wieder aufschaute, war ihr Blick verändert. Ihre Iris schimmerte in fremden Farben und warf ein neues Licht auf alles, was sie bisher verband. Wieder schaute die Freundin zu Boden und streichelte wie fern von dieser Welt die Ohren des grauen Plüschhundes in ihren Händen. Langsam. Und zart. Freundin. Hannah schloss die Augen. Während sie das Blut in ihren Schläfen pulsieren spürte, wünschte sie sich in ihre alte Welt zurück. In die Vertrautheit, die Gewissheit, die sie bis vor wenigen Momenten noch so fest getragen hatte. Freundin. Vielleicht hatte sie sich nur geirrt.

Hier habe ich das gleiche Problem. Ist der Kuss schon geschehen, oder bahnt er sich gerade an. Wenn sich die Augen der Freundin verändern, die Schläfen der Prota pulsieren, dann knistert es gewaltig. Den Plüschhund würde ich in diesem Zusammenhang weglassen. Die Unsicherheit kannst du anders beschreiben. Durch aneinanderreiben der Handflächen oder ähnlich. Schaut die Freundin auf, nach dem Kuss oder nach der Plüschtierschlacht?

MariaMagdalena hat geschrieben:Langsam öffnete sie die Augen, vorsichtig.

Das viele aufschauen, öffnen der Augen - nimmt das Tempo raus. Ich habe das Gefühl die beiden saßen sich die ganze Zeit mit geschlossenen Augen oder gesenktem Blick gegenüber. Du willst damit die Unsicherheit ausdrücken. Das würde ich anders ausdrücken. Konsequenter. Die beiden fühlen scheinbar mehr füreinander als bisher. Es geht hier um sexuelle Gefühle. Die solltest du beschreiben. Was erregt sie an der Freundin. Der Mund, die Haut, der Geruch.....Aber mit geschlossenen Augen und gesengtem Blick sieht sie die Lippen, den Mund, die zarte Haut nicht. Wie sehen die Lippen aus, die Haut, beschreibe ihren Geruch. Warum ist er auf einmal anders.


MariaMagdalena hat geschrieben:Als könnte nur ein einziger Atemzug den Moment zerspringen lassen wie Kristall auf groben Steinen. Noch immer streichelten die schmalen Hände ihrer Freundin das graue Fell. Wie zart sie waren. Das Pulsieren in ihren Schläfen wanderte auf Hannahs Wangen und brachte ihr Gesicht zum Glühen. Wieder schloss sie die Augen, diesmal fest und entschlossen. Presste Lieder und Lippen zusammen und nahm einen tiefen Atemzug. Das Pulsieren glitt ihren Hals hinab und legte sich schwer auf ihre Lungen. Schlug sich durch ihre Rippen, und ließ sie beide Hände fest auf den Brustkorb pressen. Verwirrung durchströmte sie, stellte ihre Welt auf den Kopf und ließ sie kreiseln. Unter den geschlossenen Augenlidern sah Hannah noch immer die Finger auf dem weichen Plüsch. Die sorgsam gefeilten Fingernägel, die sich wie verloren Strähne für Strähne in das graue Fell gruben und es wieder freigaben. Sie wünschte sich die kühlen Hände auf ihrem Gesicht, wünschte, sie nähmen ihr die Hitze. Dass sie sich in ihnen verstecken, verbergen könne.

Dieser Absatz ist eigentlich ganz schön. Doch ich hätte die Prota lieber erzählen lassen, was sie sich wünscht, was diese zarten Hände ihrer Freundin mit ihr machen sollen.
-Presste Lieder und Lippen zusamen- Das habe ich gemacht, als ich mit zwölf beim Spiel, Tat oder Warheit den pickeligen Streber küssen musste. Du presst die Lippen defenitiv nur zusammen, wenn du dein Gegenüber auf keinen Fall küssen willst.

MariaMagdalena hat geschrieben:Wieder öffnete sie die Augen, heftete ihren Blick fest auf die sanften Bewegungen, und wagte sich langsam voran. Über das zarte Spiel der Finger hinauf zu den Knöcheln, den Sehnen, die die Haut leicht spannten. Über die Handgelenke, vorbei an dem kleinen Armband aus Silber zu den Ellenbogen. Noch einmal einen tiefen Atemzug nehmend ließ sie ihren Blick über den Oberkörper ihrer Freundin gleiten, die sanfte Rundung der Brüste hinauf bis zu der kleinen Kuhle zwischen den Schlüsselbeinen. Weiter über Kinn, Lippen und Nasenspitze, bis zu den Augen, die sie so verwirrend angeschaut hatten. Vor einem langen Moment. Fragend ließ Hannah ihre Augen auf dem Gesicht der Freundin ruhen, kaum atmend, während diese den Blick hob, und ihr fest in die Augen sah.

Während sie die Hand aus dem Fell des Hundes löste, und sanft an das Gesicht der Freundin führte. Ja, ihre Fingerkuppen waren kühl. Kühler noch als sie es erwartet hatte. Sanft fuhren sie an Hannahs Stirn entlang, strichen ihr eine Strähne aus dem Gesicht, verbargen sie sorgsam hinter ihrem Ohr. Berührten dann den Hals, das Kinn und legten sich vorsichtig auf ihren Mund, als wollten sie die fragenden Lippen versiegeln. Noch immer schimmerten die sich langsam nähernden Augen in einem fremden Glanz. Der nächste Luftstrom füllte Hannahs Körper ganz. Ihre Brust straffte sich, machte Platz für das rasende Herz und schob die Hände und die Zweifel hinweg. Ihr Atem vereinigte sich, als sich die Lippen endlich trafen, und aus der Frage eine Antwort machten.
Freundin.
Geliebte.

Den Rest fasse ich kurz zusammen. Also sie öffnet schon wieder die Augen. :? Es wird zwar ein bisschen heiß, doch irgendwie erfasst mich diese Stimmung nicht. Vielleicht liegt es bei mir auch an dem blöden Stofftier. :mrgreen:
Ausserdem weiß ich nie genau, von wem die Initiative ausgeht. Von der Freundin oder von der Prota.
Welche Motivation steckt hinter dieser Szene. Willst du sie erregend oder tiefsinnig, am besten beides zusammen.

Ein oder zwei Bearbeitungen und es kann eine richtig heiße und doch tiefgründige Szene werden.

Auf jeden Fall solltest du dran bleiben.

LG Lia
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Re: Fremde Farben

Beitragvon Chevvy » 12.04.2014, 12:10

Hallo Maria!

Genau wie Lia mag ich Geschichten, in denen sich ein Protagonist (oder eben die Protagonistin) in einer neuen Situation befindet und gar nicht so recht weiß, wie er/sie sich verhalten soll, vor allem wenn es darum geht, dass etwas Vertrautes plötzlich mit ganz anderen Augen gesehen wird, weil sich da die Wahrnehmung von eigentlich bekannten Dingen total verändern kann.

Kommen wir also mal zu deiner Szene:

Nein, sie hatte noch nie zuvor eine Frau geküsst. Noch nicht einmal daran gedacht.
Oder vielleicht doch? Sie konnte sich nicht daran erinnern, hatte es nicht geplant, nicht provoziert.


Den Einstieg finde ich nicht ganz so gelungen. Wahrscheinlich wolltest du mit dem zweiten Satz darauf hinaus, dass sie sich nicht erinnern kann, schon einmal daran gedacht zu haben, eine Frau zu küssen, oder? Ich finde nicht, dass das hier deutlich rüberkommt. Beim ersten Lesen habe ich gedacht, sie kann sich nicht daran erinnern, ob sie jemals eine Frau geküsst hat, und das war ja eher nicht so geplant, denke ich. Außerdem nimmt der erste Satz sehr viel Spannung aus der gesamten Szene, weil man genau weiß, was gleich passieren wird. Du könntest versuchen, den Anfang "allgemeiner" zu halten, dass man vielleicht nicht direkt weiß, dass es um das Küssen einer Frau geht. Dann würde mehr Spannung aufkommen, denke ich.

Gerade hatten sie noch geredet, gelacht, über die Ereignisse des Tages gegackert wie junge Hühner und sich gegenseitig mit den Kuscheltieren aus der Sofaecke beworfen.


Ich mag dieses "gegackert wie junge Hühner" irgendwie gar nicht an dieser Stelle. Irgendwie klingt es zu hart, zu umgangssprachlich und zu kindlich. Ich weiß zwar nicht wie alt deine Protagonistin und ihre Freundin sind, aber für mich klingt das, als ob eine reife Frau im Alter von 70 Jahren eine Rückblende hat und von sich als 12 Jährige erzählt.

Doch plötzlich schlug ihre Freundin die Augen nieder.


Das klingt aber sehr drastisch :lol: Du willst damit wahrscheinlich ein ganz anderes Bild erzeugen, aber ich habe da im Kopf, wie sie sich selbst schlägt. Unfreiwillig komisch also. An der Formulierung würde ich noch etwas herumfeilen.

Ihre Iris schimmerte in fremden Farben und warf ein neues Licht auf alles, was sie bisher verband.


Das ist auch sehr irritierend. Hat sie plötzlich eine andere Augenfarbe? Allerdings mag ich den Teil, dass es ein neues Licht auf das wirft, was sie bisher verband.

Langsam. Und zart. Freundin.


Durch das Ende weiß ich jetzt, was es mit diesem "Freundin" auf sich hat, aber beim ersten Lesen fand ich das nicht so gut. Mitten im Text ist da auf einmal ein Wort, das ziemlich fehl am Platz wirkt.
Hannah schloss die Augen.


Sei mir nicht böse, aber ich kann dir jetzt auf Anhieb nicht sagen, wer Hannah ist? Die Protagonistin, nehme ich an. Aber weil ich nachdenken musste, wer jetzt gemeint ist, war ich erst einmal total raus aus dem Text.

Während sie das Blut in ihren Schläfen pulsieren spürte, wünschte sie sich in ihre alte Welt zurück. In die Vertrautheit, die Gewissheit, die sie bis vor wenigen Momenten noch so fest getragen hatte.


Da bin ich zwiegespalten. Ich mag es, dass hier der Unterschied ganz klar wird, dass man weiß, dass da gerade etwas passiert in der Protagonistin. Aber mir geht das zu schnell. Ihre Freundin hat nur die Augen geschlossen und sieht sie jetzt anders an, streichelt ein Stofftier. So viel ist da noch nicht passiert und ich kann jetzt nur für mich sprechen, aber: für mich stand die Welt nicht sofort auf dem Kopf, als ich meine beste Freundin geküsst habe - das kam erst nachher ;)

Als könnte nur ein einziger Atemzug den Moment zerspringen lassen wie Kristall auf groben Steinen.


Schöner Satz! :)

Noch immer streichelten die schmalen Hände ihrer Freundin das graue Fell. Wie zart sie waren.


Woher weiß sie, dass die Hände zart sind? Etwas kann zart aussehen, ja, aber das hier klingt eher, als ob sie sich zart anfühlen würden und sie spürt ihre Hände doch noch gar nicht?!

Das Pulsieren in ihren Schläfen wanderte auf Hannahs Wangen und brachte ihr Gesicht zum Glühen.


Da denk ich eher daran, wie das Pulsieren mit Stock und Hut wandern geht. ;) Für mich keine gelungene Personifizierung, würde vielleicht ein weicheres Wort nehmen wie "wich" oder so etwas.

Das Pulsieren glitt ihren Hals hinab und legte sich schwer auf ihre Lungen.


Hier ist dir das zum Beispiel besser gelungen und der Satz ruft keine seltsamen Bilder auf.
Schlug sich durch ihre Rippen, und ließ sie beide Hände fest auf den Brustkorb pressen.


Das hier klingt eher, als ob sie eine Herzattacke hat und ich denke, dass wolltest du nicht bezwecken. Die Wörter sind zu hart für so eine Situation, leider kann ich dir gerade keine besseren nennen, weil ich ehrlich nicht weiß, was du mit diesem Bild ausdrücken willst. Ich verstehe den Sinn nicht, warum sie sich in so einer Situation die Hände auf den Brustkorb pressen sollte.

Wieder öffnete sie die Augen, heftete ihren Blick fest auf die sanften Bewegungen, und wagte sich langsam voran


Ich finde das "heftete" hier nicht besonders gut gewählt, da würde ich ein anderes Wort für nehmen. Ich nehme an, du möchtest das Prickeln rüberbringen, die Vertrautheit der Beiden und wie sie etwas neues entdecken, oder? Dafür ist das Wort zu kühl und steril, das klingt in meinen Ohren nicht. Vielleicht eher "ließ ihren Blick fest auf den sanften Bewegungen", das klingt für mich weicher und angemessener.
Noch einmal einen tiefen Atemzug nehmend ließ sie ihren Blick über den Oberkörper ihrer Freundin gleiten, die sanfte Rundung der Brüste hinauf bis zu der kleinen Kuhle zwischen den Schlüsselbeinen.


Diese passive Satzkonstruktion finde ich an der Stelle auch nicht so gut gewählt. Ich würde den Satz eher ins aktive umsetzen, aber der Rest gefällt mir sehr gut.

Weiter über Kinn, Lippen und Nasenspitze, bis zu den Augen, die sie so verwirrend angeschaut hatten. Vor einem langen Moment.


Der zweite Satz passt gar nicht, finde ich. Wenn er sich auf den ersten Satz beziehen soll, wovon ich einfach mal ausgehe, würde ich ein "noch" hinten anhängen oder an den Anfang setzen. Oder ihn irgendwie in den ersten Satz unterbringen. "[...] bis zu den Augen, die sie vor einem Moment noch so verwirrend angeschaut hatten."

Der nächste Luftstrom füllte Hannahs Körper ganz.


Das "ganz" würde ich weglassen, das ist mir an der Stelle zu viel.

Ihre Brust straffte sich, machte Platz für das rasende Herz und schob die Hände und die Zweifel hinweg.


Beim Straffen der Brust spiele ich ja noch mit, platzmachen für das rasende Herz klingt aber wieder holprig. Und dann schob die Brust (?) irgendwelche Hände weg? Welche Hände? Etwa die, die sie sich auf den Brustkorb gepresst hatte? Hat mich leider wieder rausgeworfen.

Ihr Atem vereinigte sich, als sich die Lippen endlich trafen, und aus der Frage eine Antwort machten.


Finde ich ganz gut, vor allem den Teil mit der Frage und der Antwort. Allerdings würde ich dann dieses eingeworfene "Freundin" am Anfang des Textes auch mit einem Fragezeichen kennzeichnen, dann würde es besser zum Schluss passen.


Was mich beim Lesen sehr gestört hat, vor allem am Anfang der Szene, war, dass ich gar nicht wusste, wer jetzt was macht. Die Freundin hat keinen Namen, den könntest du ihr verpassen, sodass man eher durchblickt.

Ich weiß, dass Augen ganz faszinierende Dinge sind ;) aber ich finde, du hast es damit etwas übertrieben. Der Großteil der Handlung besteht darin, dass irgendwer die Augen schließt, sie wieder öffnet und sie plötzlich anders aussehen - um es mal übertrieben darzustellen. Plötzliche Veränderungen können auch anders dargestellt werden und man starrt auch nicht durchgehend auf die Augen des Gegenübers.

Mein Vorschlag wäre, dass du vielleicht alle Sinne deiner Protagonistin benutzt. Als Beispiel: der Geruch. Wenn man einen Menschen lange kennt (und das ist hier ja der Fall) weiß man, wie der andere riecht, ganz unterbewusst. Vielleicht nimmt sie in diesem Moment zum ersten Mal richtig wahr, wie ihre Freundin riecht? Das muss nicht unbedingt ihr Parfum sein. Eine Creme, ihr Haarshampoo oder ihr ganz eigener Geruch, der sie vielleicht an etwas erinnert.

Oder such dir ein markantes Merkmal der Freundin raus und setz es kurz in den Mittelpunkt. Vielleicht hat sie etwas an sich, dass deiner Protagonistin vorher nie so direkt aufgefallen ist, aber ihre Freundin jetzt in dieser neuen Situation plötzlich auffällt und sie zum ersten Mal richtig hinsieht und die kleinen Haare im Nacken sieht, die durch das Licht schimmern, oder Sommersprossen, die wie gesprenkelt auf ihren Wangen aussehen. Dadurch könntest du deutlich machen, dass sie ihre Freundin eigentlich jahrelang ansieht, ihr aber diese kleinen Details noch nie so bewusst waren, genau wie die plötzliche Zuneigung zu ihr.

Außerdem würde ich versuchen, die insgeheimen Wünsche deiner Protagonistin deutlicher zu machen. Momentan beobachtet sie eher und denkt ganz kurz, wie sich die Finger ihrer Freundin anfühlen. Mach klarer, was sie sich wünscht. Sie sieht die Lippen, denkt sie daran, wie sie schmecken könnten? Sie sieht die Hände, möchte sie an bestimmten Stellen angefasst werden? Sie sieht, wie sie das Stofftier streichelt, wünscht sie sich, dass ihre Freundin auch so über ihren Körper streichelt?
Lass mehr Sehnsucht aufkommen, lass sie richtig fühlen! In so einem Moment schießen einem doch tausend Gedanken durch den Kopf. Man sieht den Körper, stellt sich vor, wie er sich wohl anfühlen, riechen und schmecken würde, ob es ein vertrautes Gefühl ist oder doch eher etwas ganz neues. Man wünscht sich, berührt zu werden, das kommt hier leider nicht so gut rüber und das ist schade.

Ich denke, wenn du noch ein bisschen an der Szene arbeitest, könnte sie richtig gut werden, weil das Thema doch sehr spannend ist und man sehr viel aus diesem machen kann!
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Re: Fremde Farben

Beitragvon Coprophage » 14.04.2014, 14:16

Hallo MariaMagdalena,

Deine Geschichte gefällt mir aber sie ist gelegentlich etwas schwer zu visualisieren.
MariaMagdalena hat geschrieben:Nein, sie hatte noch nie zuvor eine Frau geküsst.
Das Schlimmste vorweg ist Dein erster Satz: Er fasst die Geschichte zusammen, greift das Ende vorweg und sät falsche Erwartungen. Er ist nicht originell und erzeugt keine Spannung. Du beschreibst eine intime Szene mit Figuren, die keinen klaren Plan haben, wie sich verhalten sollen. Alles lebt von dieser Unsicherheit. Da der Erfolg bereit in Aussicht gestellt ist, gibt es keine unsichere Situationen bei denen man mitfiebern könnte. Bei Frau assoziere ich Frauen, die älter als fünfundzwanzig, vielleicht um die dreißig sind. Daher erwartete ich eher ein Geschichte von einer Frau, die mitten im heterosexuellen Leben steht, für die das ganz andere Konsequenzen hätte. Die Kissenschlacht erinnert allerdings mehr an Fünfzehnjährige, was den Konflikt abschwächt sofern man nur diese Szene kennt.
Zudem geht man davon aus, dass der Kuss bereits stattgefunden hat. Ist es eine gedachte Antwort auf eine vor Textbeginn gestellte Frage? Ob sie mal eine Frau geküsst hat?
MariaMagdalena hat geschrieben:Doch plötzlich schlug ihre Freundin die Augen nieder.
Im Gegensatz zu FrozenBambi verstehe ich darunter nicht, dass sie die Augen schließt, sondern dass sie zu Boden sieht.
MariaMagdalena hat geschrieben:die Ohren des grauen Plüschhundes
Die verschenkten Zärtlichkeiten an den gefühlskalten Plüschhund gefallen mir. Vielleicht sollte es etwas abstrakter sein, einfach ein Plüschtier mit blauem Fell. Denn
MariaMagdalena hat geschrieben:Während sie die Hand aus dem Fell des Hundes löste
muss ich kurz von Hund zum Plüschhund umdenken. Aber das kein Kritikpunkt, nur ein Gedanke.
MariaMagdalena hat geschrieben:Presste Lieder und Lippen zusammen und nahm einen tiefen Atemzug.
@LiaPetterson: Hier wird kein pickeliger Streber geküsst, hier küsst niemand. Vielmehr fasst sie sich.
MariaMagdalena hat geschrieben:Schlug sich durch ihre Rippen, und ließ sie beide Hände fest auf den Brustkorb pressen.
Das verstehe ich nicht, Du beschreibst eine Situation, die jede falsche Handlung zerstören kann. Diese Handlung kann ich mir nicht geschmeidig vorstellen, das dichte beieinander Sitzen und plötzlich presst einer der beiden seine Hände an seine Brust.
Der Rest und das Ende sind schön. Beim zweiten Lesen stolperte ich auch über das häufige Augenöffnen und -schließen, doch das habe ich beim ersten Mal nicht so wahrgenommen. Insgesamt mag ich Deine Geschichte, aber bitte ändere den ersten Satz :wink: Und der namensgebende Satz mit der farbwechselnden Iris ist perfekt und Du solltest ihn nicht ändern!

Liebe Grüße,
Coprophage
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Re: Fremde Farben

Beitragvon MariaMagdalena » 14.04.2014, 20:33

Liebe Lia, Chevvy und liebe(r?) Corophage,

ich bedanke mich bei Euch ganz herzlich für Eure tollen, ausführlichen Kommentare. Puh, da habt Ihr mir ja viele Anregungen gegeben, die ich auch sehr gut nachvollziehen kann. Vor allem aber auch den Ansporn, diese Szene nicht einfach im Papierkorb verschwinden zu lassen. Also, auf ein Neues. Tatsächlich handelte es sich um eine wahre Begebenheit, die natürlich auch eine Vor- und Nachgeschichte hatte. Ihr habt mir gezeigt, dass ich diese beim Schreiben nicht einfach außer Acht lassen kann, da dadurch sowohl die Handelnden als auch die Prämisse unscharf werden. Zeigen, zeigen, zeigen, ist hier wohl das Motto, und nicht im Vagen umherdümpeln.

Dank Eurer schönen Kommentare werde ich mich noch einmal an das Thema wagen. Bin schon gespannt, wohin es führen wird.

Herzlichst
Eure Maria
:girl:
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Re: Fremde Farben

Beitragvon Blacksad » 05.05.2014, 12:55

Zuallererst muss ich mich anschließen und sagen der erste Satz ist nicht wirklich gelungen und außerdem unnötig. Eine Information, die dem Leser hingeworfen wird wie ein rohes Stück Fleisch - Hier iss! Dafür folgt darauf ein herrlich sensibel und intim geschilderter Moment.

Als sie wieder aufschaute, war ihr Blick verändert. Ihre Iris schimmerte in fremden Farben und warf ein neues Licht auf alles, was sie bisher verband. Wieder schaute die Freundin zu Boden und streichelte wie fern von dieser Welt die Ohren des grauen Plüschhundes in ihren Händen. Langsam. Und zart. Freundin. Hannah schloss die Augen. Während sie das Blut in ihren Schläfen pulsieren spürte, wünschte sie sich in ihre alte Welt zurück. In die Vertrautheit, die Gewissheit, die sie bis vor wenigen Momenten noch so fest getragen hatte. Freundin. Vielleicht hatte sie sich nur geirrt.


Auch wenn es ein bisschen übertrieben erscheint mag ich das Bild mit der Iris die in fremden Farben schimmert. Der Moment ist vielleicht etwas ungünstig gewählt. Die Freundin schlägt die Augen nieder und wieder auf und - Plopp! Plötzlich ist alles anders.
Freundin. <- Toll! Ich mag es, wie du das einfach so stehen lässt.
Ich denke die Sache mit den Augen muss ich nicht weiter ausführen, weil es meine Vorredner schon zu genüge erwähnt haben. Ein Gesicht besteht nicht nur aus Augen und es gibt tausend Möglichkeiten um Nervosität und auch dieses "in sich kehren" darzustellen. Ich bin mir sicher das du das noch besser kannst.

Das Pulsieren in ihren Schläfen wanderte auf Hannahs Wangen und brachte ihr Gesicht zum Glühen.


Klingt irgendwie holperig. Vielleicht breitet das Pulsiern (bzw. Pochen?) sich eher aus, als das es wandert. Nur als Beispiel.
Ansonsten finde ich die Idee wie sich das Pulsieren im ganzen Körper ausbreitet und sich letztendlich sogar bildlich brutal durch die Rippen schlägt sehr gut. Hat was kraftvolles. Wie etwas, das sie nicht aufhalten kann, was von ihr Besitz ergreift. Ich würde da dranbleiben und das ruhig noch etwas stärker ausarbeiten.

Wieder öffnete sie die Augen, heftete ihren Blick fest auf die sanften Bewegungen, und wagte sich langsam voran. Über das zarte Spiel der Finger hinauf zu den Knöcheln, den Sehnen, die die Haut leicht spannten. Über die Handgelenke, vorbei an dem kleinen Armband aus Silber zu den Ellenbogen. Noch einmal einen tiefen Atemzug nehmend ließ sie ihren Blick über den Oberkörper ihrer Freundin gleiten, die sanfte Rundung der Brüste hinauf bis zu der kleinen Kuhle zwischen den Schlüsselbeinen. Weiter über Kinn, Lippen und Nasenspitze, bis zu den Augen, die sie so verwirrend angeschaut hatten. Vor einem langen Moment. Fragend ließ Hannah ihre Augen auf dem Gesicht der Freundin ruhen, kaum atmend, während diese den Blick hob, und ihr fest in die Augen sah.


An sich schön gemacht. Es wirkt auf mich wie ein spiegel zu dem Absatz davor. Nachdem das Pulsieren (ich interpretiere es gewissermaßen als Verlangen) sich eine Weg nach außen gekämpft hat nimmt deine Prota (zwar nur mit den Augen) langsam Besitz von ihrem Gegenüber. Für mich gilt hier das gleiche wie Oben schon. Intensiviere das ganze noch mehr. Beschreibe genauer. Werde intimer. Handwerklich gesehen: Mehr Adjektive.

Während sie die Hand aus dem Fell des Hundes löste, und sanft an das Gesicht der Freundin führte. Ja, ihre Fingerkuppen waren kühl. Kühler noch als sie es erwartet hatte. Sanft fuhren sie an Hannahs Stirn entlang, strichen ihr eine Strähne aus dem Gesicht, verbargen sie sorgsam hinter ihrem Ohr. Berührten dann den Hals, das Kinn und legten sich vorsichtig auf ihren Mund, als wollten sie die fragenden Lippen versiegeln. Noch immer schimmerten die sich langsam nähernden Augen in einem fremden Glanz. Der nächste Luftstrom füllte Hannahs Körper ganz. Ihre Brust straffte sich, machte Platz für das rasende Herz und schob die Hände und die Zweifel hinweg. Ihr Atem vereinigte sich, als sich die Lippen endlich trafen, und aus der Frage eine Antwort machten.
Freundin.
Geliebte
,

Hier schwächet das ganze wieder. Wirkt mir zu oberflächlich. Gerade an der Stelle sollte der Text an Tiefe gewinnen.
"Ihre Brust straffte sich, machte Platz für das rasende Herz und schob die Hände und die Zweifel hinweg." <- Lichtblick!
Wie du die zwei letzten Worte stehen lässt gefällt mir auch wieder sehr gut.ä

Um es nochmal zusammen zu fassen. Die Szene ist schön beschrieben da sind gute Ansätze und wenn du die weiter ausarbeitest, kann das meiner Meinung nach richtig gut werden. Was fehlt ist ein spannender rahmen. Momentan ist es einfach ein gut geschilderte Szene, ein Ausschnitt. Mehr nicht aber dafür recht gut erzählt.
Die Welt ist eine Bühne, aber das Stück ist schlecht besetzt.
Oscar Wilde
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Blacksad
 
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Re: Fremde Farben

Beitragvon MariaMagdalena » 05.05.2014, 17:43

Liebe Blacksad,

auch Dir einen ganz herzlichen Dank für Deine ausführliche und ermutigende Rückmeldung. Ich werde auf jeden Fall dranbleiben.

Ganz liebe Grüße
Maria
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