Frische Brötchen zum Frühstück

Komödie, Satire, Parodie

Frische Brötchen zum Frühstück

 
[b]Irgendwie schreibe ich am liebsten über mich selbst, das ist am einfachsten![/b]

Die Eingangstür zum Bäckerladen lässt sich kaum öffnen. Dahinter staut sich eine kleine Gruppe Grundschüler, die sich mit ihren übergroßen Schulranzen zum Teil selbst im Wege stehen und auch diesen Morgen wieder nicht wissen wie viel Schleckereien sie genau für 1 Euro bekommen.

Wie ungesund am frühen Morgen. Ein ordentliches Frühstück wäre in diesem Alter wohl angebrachter, denke ich, als mir gerade ein kleiner Dreikäsehoch mit seiner rot- schwarz gestreiften Weingummischlange gegen meinen Mantel schlägt.
Muss ich mich jetzt entschuldigen, weil ich zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort bin?

Die Verkäuferin beantwortet, bewundernswerterweise immer noch geduldig, die unzähligen Fragen der Kinder nach Preis und Menge der Süßigkeiten, die sie sich jeden Morgen auf dem Weg zur Schule, wohl als Nervennahrung, mitnehmen.
Irgendwie kann man das sogar verstehen. Nervennahrung, das braucht der kleine wie der große Mensch, als Trost für das, was ihn tagtäglich erwartet.

Heute Morgen, nach meinem vierten und letzten Nachtdienst, freue ich mich auch auf frische Brötchen, Honig, Marmelade und auf heißen Kaffee.
Die Kinder schieben mich in ihrem Pulk mit nach draußen. Es ist frisch, herbstlich feucht vom Regen der letzten Tage.
Das Wetter soll heute schön werden, das habe ich in den letzten Tagen im Radio immer wieder versprochen bekommen. Gott sei Dank, der November ist ein schlimmer Monat. Saure Gurkenzeit! Wenig Licht sorgt für depressive Stimmung. Frauen sind davon meist stärker betroffen als Männer, wie von so vielen Dingen.

Auch das noch! Ich höre, wie mein Handy in der Handtasche klingelt. Beim Bäcker war der Tumult zu groß, aber jetzt ist es eindeutig zu hören.
Bestimmt mein Freund Wolfgang, sonst fällt mir niemand ein, der so früh schon an mich denkt. Natürlich ist mein Guthaben wieder so abtelefoniert, dass ich ihn hier nicht zurückrufen kann. Außerdem habe ich die Hände voll und es ist kalt.
Jetzt muss er halt warten, bis ich zuhause bin.

Oben angekommen stürze ich noch im Mantel, bepackt mit Brötchen und Tasche zum Festnetz, nachdem er mich schon zum 2. Mal angeklingelt hat.
Außer Atem und leicht genervt, frage ich: „Was gibt’s?“

Er erwidert ganz erfreut. „Guten Morgen mein Schatz! Bist du schon zuhause? Hast du schon gefrühstückt?“

„Nein, Wolfgang, ich stehe hier noch im Mantel mit den Brötchen in der Hand und freue mich auf Kaffee. Was gibt es denn jetzt schon bei dir so Dringendes?“

„Willst du gleich frühstücken oder später und dich erst ins Bett legen, oder was hast du vor?“ Umständlich versucht er herauszufinden, was genau meine Pläne sind.

Ich werde jetzt ein wenig ungeduldig und antworte ihm:
„Natürlich werde ich gleich gemütlich und ausgiebig frühstücken, das ist das Schönste nach dem letzten Nachtdienst, das weißt du doch. Sag schon, was du willst?“

„Na, dann würde ich jetzt gerne auf eine Tasse Kaffee mit meinem Kaffeestückchen vorbeikommen, wenn du nichts dagegen hast.“, sagt er forsch, aber durchaus auf Ablehnung gefasst, wohlwissend, dass ich wieder nichts da habe.

Beinahe höre ich mich sagen: Wenn’s sein muss!
Eigentlich sind wir für heute zum Mittagessen verabredet und gegen Abend zum Sex. Auf etwas anderes bin ich momentan gar nicht vorbereitet. Hat der Mann denn gar nichts zu tun heute?
Eigentlich wollte ich ein bisschen Schreiben zum Frühstück, das ist die schönste Tageszeit dafür, darauf habe ich mich gefreut.
Aber nach kurzem Zögern, sage ich dann doch:
„Ja komm vorbei, kein Problem, aber lass mich erst einmal Mantel und Schuhe ausziehen!“

„Jaaaaaaaaa, ich bin ja noch auf der Autobahn. Bis gleich!“, höre ich ihn sich freuen.

Da unsere Beziehung etwas kompliziert ist und wir aus persönlichen Gründen nicht beieinander übernachten können, ist es immer etwas Besonderes, wenn wir mal frühmorgens zusammen frühstücken können.
Wenn es im Voraus geplant wird, kann ich leckere Sachen einkaufen, wie Lachs, Tomaten mit Mozzarella, frischen Käse. Das macht mir Spaß und dann wird es festlich.
Spontan habe natürlich nur das Nötigste vorrätig und das lässt mich zögern. Es ist mir unangenehm, weil ich das Gefühl habe, ich kann nicht perfekt sein.

Das letzte Mal hatte Wolfgang mich überraschend gefragt: „Sag mal, freust du dich überhaupt, wenn ich zum Frühstück komme?“

„Äh, ja..“, zögerte ich, wie sollte ich mich ausdrücken?
„Manchmal mehr, manchmal weniger!“, antwortete ich ehrlich und direkt, wie immer.
„Manchmal passt es mir, manchmal nicht so, aber natürlich freue ich mich mit dir zu frühstücken. Du weißt doch, wie gerne ich esse!“

Er schien irgendwie nicht überzeugt zu sein.
„Du bist unmöglich!“, sagte er etwas enttäuscht.

„Aber du weißt doch, wie ich das meine.“, versuchte ich ihn aufzumuntern.


Und so versuche ich heute, obwohl es meine Pläne etwas durchkreuzt, ein leckeres versöhnliches Frühstück zu machen mit den einfachen Zutaten, die sich in meinem halb leeren Kühlschrank befinden. Das Schöne am Leben ist ja, das es immer anders kommt, als man denkt. Deshalb lohnt es sich auch gar nicht vorbereitet zu sein!
Und mit meinem einfachen schwarzen Kaffee der EXTRAKLASSE kann ich immer wieder punkten.
Und schon freue ich mich, als es an der Tür klingelt!

von sonny

Re: Frische Brötchen zum Frühstück

 
Hallo sonny,
ich habe mich an Deinen Frühstückstisch gesetzt. Ich habe Deine ruhige, schöne Erzählung konsumiert und ich habe mich gefreut. Über eine schöne Sprache, gut klingende Sätze, passende Dialoge, saubere Grammatik, klare Gliederung um nicht im Wortverhau unterzugehen, ohne Rechtschreibfehler, und mit logischer Interpuntion... Ein Eins+ Kandidat für ein Zeugnis...aber dennoch fehlt mir etwas. Zuerst dachte ich, mir fehlt Action, aber jetzt meine ich, es liegt an etwas Anderem.
Die Erzählung ist unter "lustigen" abgelegt. Das muss nicht Schenkelklopfen sein. Aber ich habe einiges in Deiner Erzählung gefunden, das ich Dir mal aus meiner Sicht deuten möchte.

Du schreibst:
Wie ungesund am frühen Morgen. Ein ordentliches Frühstück wäre in diesem Alter...
Sehr vernünftig gedacht. Ich hätte (griesgrämig) vielleicht gedacht: Das hätte ich mal in meiner Jugend machen sollen...
Komisch, daß wir beide nicht denken: Das haben sich die Eltern bestimmt nicht so gedacht, aber wie herrlich muss das für die Kinder sein....

Irgendwie kann man das sogar verstehen. Nervennahrung, das braucht der kleine wie der große Mensch, als Trost für das, was ihn tagtäglich erwartet.

Wieder so eine vernünftige Feststellung, jetzt aber mit so einem resignierenden Beigeschmack. Brauchen wir wirklich Trost, für das was uns täglich erwartet? Ist das nicht zumindest zeitweise ein Geschenk, das wir genießen können?

Wenig Licht sorgt für depressive Stimmung. Frauen sind davon meist stärker betroffen als Männer, wie von so vielen Dingen.

Jetzt ist es weniger vernünftig, aber mehr Klage.

Jetzt folgt ein, wie ich meine, prima Dialog. Auch etwas grämelig, aber hier ist es situationsgerecht.

Spontan habe ich natürlich nur das Nötigste vorrätig und das lässt mich zögern. Es ist mir unangenehm, weil ich das Gefühl habe, ich kann nicht perfekt sein.

Der Dialog ist vorbei, und schon gibt es (wieder) etwas, das nicht perfekt ist.

„Manchmal passt es mir, manchmal nicht so, aber natürlich freue ich mich mit dir zu frühstücken. Du weißt doch, wie gerne ich esse!“

Er schien irgendwie nicht überzeugt zu sein.

Es geht mir auch so, ich bin irgendwie nicht überzeugt.

„Aber du weißt doch, wie ich das meine.“, versuchte ich ihn aufzumuntern.

Das ist ein merkwürdiger Aufmunterer.

Und jetzt wieder so ein vernünftiger Spruch:
Das Schöne am Leben ist ja, das es immer anders kommt, als man denkt. Deshalb lohnt es sich auch gar nicht vorbereitet zu sein!

Mir fallen folgende Widerworte zum "nicht vorbereitet sein" ein: Vorfreude, Erwartung, Hoffnung, schöne Aussicht, Zuversicht, Glaube, Sicherheit...und das sind nur die Substantive

Und zum Ende:
Und schon freue ich mich, als es an der Tür klingelt!

Ausrufezeichen. Also ich weiß nicht, freust Du Dich, oder redest Du Dir ein: Jetzt freue ich mich?

Ich weiß, das was ich darstelle ist alles keine Schreibhilfe für Deinen obigen Text.
Aber vielleicht für Deinen nächsten Text. Dieser klingt (in den Passagen, wo ich es nicht erwarten würde) etwas zermürbt. Am Besten zu belegen...mit einem weiteren Schnipsel Deines Textes:

„Sag mal, freust du dich überhaupt...?“
„Äh, ja..“, zögerte ich, wie sollte ich mich ausdrücken?
„Manchmal mehr, manchmal weniger!“...
:wink:

Liebe Grüße

von brehb

Re: Frische Brötchen zum Frühstück

 
Danke Brehb,
ich freue mich wieder über deinen Kommentar! Natürlich ist das keinText zum lachen. Die Kategorie ist immer schwer einzuordnen. Aber es ist eine Geschichte über mich selbst. Vielleicht eher zum Schmunzeln. Ich glaube, ich bin so! Genau, wie du es empfunden hast. Die Situation war einfach so und ich dachte, scheiß, warum bin ich so oder wie sollte ich lieber oder eher sein. Wenn ich das aufschreibe, kann ich darüber reflektieren. Ich bin ein Mensch mit vielen Widersprüchen. Als Sternzeichen Zwilling. Und ich übe im Moment noch alle Stilrichtungen, komme aber immer wieder auf mich heraus. Ehrlich und direkt. Ich erwarte nicht so zu viel. Ich bin kein ehrgeiziger Typ, es macht Spaß, aber es hat auch Grenzen, die ich im Leben immer wieder spüre. Möchte aber alles mal ausprobieren.
Ich finde unsere Texte geben ziemlich viel preis über uns selbst, selbst wenn sie nicht in Ich-Form geschrieben sind. Das finde ich interessant.
liebe Grüße
Sonny
PS: Ich habe jetzt einen Duden- Korrektor! :wink:

von sonny

Re: Frische Brötchen zum Frühstück

 
Hallo Sonny,
ich finde es gut, dass Du verschiedene Stilrichtungen ausprobieren möchtest. Und Du hast auch recht, nicht jede Geschichte muss lustig sein. Dann sollte sie aber spannend oder dramatisch sein, ansonsten langweilt der Leser sich. Und leider habe ich mich beim lesen ein wenig gelangweilt. Deine Geschichte ist im Grunde gut, aber noch ausbaufähig. Sie könnte wirklich etwas Humor gebrauchen. Etwas mehr Witz und sie ist klasse. Es würde schon reichen, wenn Du Deine Gefühle mehr beschreibst und dabei etwas übertreibst. Dann kommt gleich mehr Witz hinein. Zum Beispiel die Szene wo das Kind Dir die Weingummischlange gegen den Mantel haut. Der folgende Satz mit der Entschuldigung ist wirklich gut. Man könnte aber noch schreiben, das Du den Mantel erst vor 3 Tagen aus der Reinigung geholt hast und jetzt prangt ein großer rot-schwarzer Fleck auf dem hellen Teil. Dann wird es noch lustiger. Natürlich nur für den Leser. Auch wenn Du Geschichten aus dem Alltag schreibst, kannst Du ja einige Dinge dazu erfinden. Merkt ja eh keiner. Oder folgende Szene

sonny hat geschrieben:Eigentlich sind wir für heute zum Mittagessen verabredet und gegen Abend zum Sex. Auf etwas anderes bin ich momentan gar nicht vorbereitet. Hat der Mann denn gar nichts zu tun heute?
Eigentlich wollte ich ein bisschen Schreiben zum Frühstück, das ist die schönste Tageszeit dafür, darauf habe ich mich gefreut.

Vielleicht so: Eigentlich sind wir für heute zum Mittagessen verabredet und gegen Abend zum Sex. Aber vielleicht kann er es gar nicht mehr bis heute abend abwarten und möchte deshalb unbedingt jetzt schon vorbeikommen. Ich wollte beim Frühstück ein bisschen an meiner neuen Geschichte schreiben, das ist die schönste Tagezeit dafür. Darauf habe ich mich gefreut. Aber ein Frühstück im Bett und ein Quickie sind noch besser. Auch dafür ist es die beste Tageszeit.

Auf jedem Fall solltest Du das zweite "Eigentlich" weglassen. Klingt auf jeden Fall besser.

Mir sind auch noch ein paar "Fehler" aufgefallen.

sonny hat geschrieben:Die Kinder schieben mich in ihrem Pulk mit nach draußen. Es ist frisch, herbstlich feucht vom Regen der letzten Tage.

Vorher hast Du beschrieben wie Du in der Bäckerei stehst und die Kinder ihren Süßkram kaufen. Als nächstes wirst Du von den Kindern aus der Bäckerei geschoben. Ich habe es so verstanden, dass Du keine Brötchen gekauft hast. Nachher hast Du aber eine Brötchentüte in der Hand. Es ist ein wenig verwirrend.

sonny hat geschrieben:„Na, dann würde ich jetzt gerne auf eine Tasse Kaffee mit meinem Kaffeestückchen vorbeikommen, wenn du nichts dagegen hast.“, sagt er forsch, aber durchaus auf Ablehnung gefasst, wohlwissend, dass ich wieder nichts da habe.

Wer oder was ist ein Kaffeestückchen? Meint er Dich damit? Wenn das Dein Spitzname ist, dann erwähne es. Ich habe noch nie gehört, dass jemand seine Partnerin Kaffeestückchen nennt.

Ich hoffe, Du nimmst meine Kritik mit der nötigen Portion Humor.

Weiterhin viel Spaß beim Schreiben

Steffie

von Ginger-Ale

Re: Frische Brötchen zum Frühstück

 
Hallo Ginger-Ale,

danke für deine Tipps. Ja, du hast Recht ,ein bisschen mehr Witz kann die Geschichte sicherlich vertragen.
Der Vorschlag mit der Weingummischlange ist gut, aber die Stelle mit dem Sex gefällt mir nicht, da wollte ich das Gewicht nicht drauflegen.
Im Bäckerladen bin ich natürlich parallel zu den Kindern bedient worden.
Das Kaffeestückchen ist natürlich der Klopfer. Manche sagen auch Plunderstückchen oder Hefeteilchen. Nein, da bin ich nicht gemeint!
Das ist tatsächlich die Nervennahrung der älteren Männer. :lol:

von sonny

Re: Frische Brötchen zum Frühstück

 
Hey Sonny

Also. Deine Sprache ist schön, der Einstieg versprach sehr viel, Du verstehst es wirklich gut, eine besondere Stimmung aufzubauen. Ich dachte am Anfang, das wird ne lustige Geschichte über einen Griesgram und Kinder, die sich nicht benehmen.
Dann dachte ich, es wird eine lustige Geschichte über einen Griesgram, der einen doofen Tag hat.
Dann war ich ehrlich gesagt ein wenig enttäuscht.
Ich, als totale Romantikerin, fand es schon mal schlimm, dass sie sich gar nicht darüber freut, dass ihr Freund anruft. Danach hab ich gehofft, dass es vielleicht, wie du ja selber unten kommentierst, eine Eigenkarikatur wird.
Aber für Karikatur, ist es glaub ich nicht überzogen genug.
Was wiederum vielleicht ‚lustig’ wäre, oder zum schmunzeln, wenn Du das ganze ein wenig mehr überziehen würdest. Das klar wird: eigentlich passieren ihr schöne Dinge, aber sie findet grade alles nur zum kotzen. Oder mehr, genauer: Eigentlich passieren ihr schöne Dinge, aber genau die, die sie nicht kontrollieren kann.
Also ich finde deine Intension und Idee eigentlich super und sie könnte auch lustig werden, aber dafür müsstest Du vielleicht auch mehr Abstand zum Text gewinnen?

Ich hoffe Du nimmst mir meine Kritik nicht übel.

Liebe Grüße
Susu

von Susu

Re: Frische Brötchen zum Frühstück

 
Danke Susu,
du hast mit allem Recht. Ich glaube die Eigenkarikatur ist mir nicht ganz gelungen. Mit dem Abstand zum Text liegst du sicher auch richtig. Dein letzter Satz hat mir sehr gefallen.
Einen bestehendenText umschreiben lohnt sich in diesem Fall nicht, da wird es meist noch schlechter, aber ich werde beim nächsten Mal versuchen mehr zu Fantasieren - mich mehr von der Realität zu entfernen, damit es nicht so nüchtern wirkt. Das fällt mir oft schwer!
lG Sonny

von sonny