[Humor]Früh Morgens in der Nachbarschaft

Komödie, Satire, Parodie

[Humor]Früh Morgens in der Nachbarschaft

Beitragvon vic24 » 16.02.2015, 12:36

Während die Stadt noch schläft, war ich schon wach. Während alle noch in ihren Betten lagen und sich im Traum um die eigenen Sorgen und schöne Frauen mit den perfekten Hintern kümmerten, hatte ich bereits Morpheus' Reich verlassen und mich den realen Problemen gewidmet. Aber was waren meine realen Probleme? Etwa die Nachbarin, die immer am Balkon hing und vorsichtig bei Westwind rauchte? Die Frau mit dem rosa Bademantel rauchte nur, wenn es nicht windstill war und der Wind aus Westen um die sauberen, gelbgestrichenen Häuser strich, damit sich der Rauch ihrer Selbstgedrehten nicht in ihrer perfekt geputzten Wohnung festsetzen konnte und wenn sie glaubte, unbeobachtet zu sein.
Sie war die fleischgewordene Perfektion. Nichts war dem Zufall überlassen, wenn sie, mit ein paar bunten Putzlappen bewaffnet, auf die Jagd nach Staubflocken ging. Jeden Tag und zur selben Zeit zelebrierte sie dasselbe Ritual. Zuerst legte sie eine alte, zerknitterte Schürze an, die noch aus einer anderen Zeit stammen musste. Neben ihrer Dederonschürze war es auch ein Kopftuch, dass sie über ihren üppigen Haaren zusammenband und ihr das Aussehen einer Trümmerfrau verlieh. Zum Schluss warf sie einen prüfenden Blick in den stets geputzten Spiegel. Ihre Wangen waren geschminkt, der Lidstrich perfekt und auch die Lippen ergaben einen perfekten, geraden Strich. Sie hasste volle Lippen, die konnte sie nicht effektiv genug schminken, deswegen kniff sie die immer zusammen, auch auf die Gefahr hin, als verkniffene, humorlose Hexe zu gelten. Aber was wussten schon die Anderen? Sie waren nur dumme Schwätzer.
Eine Wohnung unter ihr lebte der "Dicke". Ein schweigsamer Frührentner mit listigen, kleinen Augen, der den ganzen Tag auf Balkonien verbachte, sich stets in Feinripp kleidete und Sonne auf seinen mächtigen Bauch scheinen ließ. Der Dicke tat gewöhnlich dasselbe. Früh beizeiten, noch bevor seine Nachbarin ihr perfekt gestylte Reinigungsrobe anlegte, steckte er seinen Kopf zwischen den üppigen Geranien hindurch und musterte lange und ausgiebig die Strasse vor seinem Balkon. Dann wanderte sein Blick prüfend die gegenüberliegenden Hausfassaden entlang. Seine Augen fixierten voller Neugier jedes Fenster und jeden Balkon. Der Kopf mit der Halbglatze verschwand erst, wenn er alle Fenster in seinem Sichtbereich inspiziert hatte. Dann beugte er sich zurück und die Halbglatze verschwand hinter einer wallenden Wand aus roten Geranien.
Der Dicke war dann still. Ich sah nur die Halbglatze zwischen den Geranien hervorscheinen. Nach ein paar Augenblicken begann sie zu wackeln. Die Bewegungen wurden langsam heftiger und endeten schlagartig. Dann erschien ein entspanntes, zufriedenes Gesicht zwischen den Geranien und er genoss die Sonnenstrahlen.
Nebenan leben auch einige Araber. Sie waren lauter und impulsiver als der Rest der ehrenwerten Nachbarschaft. Mutter, Vater und vier Kinder, die man immer dann hören konnte, wenn man es nicht erwartete. Vater Achmed stand morgens zuerst auf. Das war daran zu merken, dass sein Schnarchen, das eher an das nächtliche Töten eines riesigen Waldes erinnerte, um halb sieben jäh endete und durch das stets geöffnete Fenster das Klappen zweier Türen zu hören war. Vier Minuten später folgte das leise Geräusch einer Klospülung und Achmed weckte seine Familie mit lauten Rufen, die ich nie verstehen konnte, wahrscheinlich, weil mir seine Sprache nicht vertraut war. Dann schlossen sich die Fenster geräuschvoll.
Eine halbe Stunde später verließ Achmed das Haus, kramte umständlich die Schlüssel zu seinem Opel aus der linken Hosentasche und setzte sich ächzend in das alte Gefährt. Er brauchte stets zwei Anläufe, um den Motor des alten Kadetts zu starten, doch dann ließ er den Motor aufheulen und brauste davon. Kaum war das gelbe Auto an der nächsten Ecke verschwunden, drehte der Dicke seinen Kopf verstohlen zwischen seinen Geranien hindurch und versuchte, einen Blick in Achmeds Wohnzimmer zu erhaschen, aber meist vergeblich denn Achmeds Frau Udina zog hastig die Gardinen zu, sobald ihr Göttergatte verschwunden war. Der Dicke zog dannenttäuscht seinen Kopf zurück. Wahrscheinlich würde er gar zu gern wissen, was sich unter dem Gewand von Frau Kioloss befand. Es war also einfach anzunehmen, dass er seine Phantasie anstrengte, denn seine Halbglatze begann wieder zu wackeln.
Zehn Minuten später brauste Achmed wieder heran und der alte Opel bog mit quietschenden Reifen um die Ecke. Zuerst öffnete sich die Tür, dann stieg er ächzend aus. Er drehte sich wieder um und sein Oberkörper verschwand erneut in dem kleinen Gefährt. Nach ein paar Augenblicken zog er ihn wieder heraus und richtete sich auf, in jeder Hand zwei Tüten voller Brötchen. "Müllerbäcker" konnte ich auf den Tüten lesen. Achmed stellte die Tüten auf das Dach seines Wagens, schloss schwungvoll die Türe und verschwand, leise brabbelnd, mit den Tüten im Haus.
Danach hatte auch ich mein tägliches Ritual. Ich zog mich an, stellte die Kaffeemaschine an und ging auch zum "Müllerbäcker", Brötchen holen. Der Bäcker war keine drei Minuten zu Fuß entfernt und wenn ich zurück kehrte, war der Kaffee fertig. Manchmal, nicht immer, war ich nicht der Einzige im Laden. Dann murmelte der dicke Nachbar mit der Halbglatze ein leises "Moin", sobald er mein freundliches "Guten Morgen" hörte. Nur die Nachbarin mit den schmalen Lippen und dem Putzfrauenschmuck antwortete nie, sie starrte mich lediglich mit verkniffenem Mund und großen Augen an. Sie kaufte immer dasselbe, Ein Stück Schoko- und zwei Stück Sahnetorte. Wahrscheinlich nur deshalb, weil sie weniger Krümel hinterließ als der leckere Streuselkuchen.
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Re: Früh Morgens in der Nachbarschaft

Beitragvon KleinLiz » 18.02.2015, 16:26

Hallöchen!

Also erstmal möchte ich sagen, dass mich diese kurze Geschichte sehr zum Schmunzeln gebracht hat. :D Ich kenne das mit den komischen Nachbarn und ihren Eigenheiten nur zu gut (ich glaube, ich gehöre auch dazu), deshalb kann ich mich gut mit dem Erzähler indentifizieren.

vic24 hat geschrieben:Während die Stadt noch schläft, war ich schon wach. Während alle noch in ihren Betten lagen und sich im Traum um die eigenen Sorgen und schöne Frauen mit den perfekten Hintern kümmerten, hatte ich bereits Morpheus' Reich verlassen und mich den realen Problemen gewidmet.

Zum einen wechselst du hier vom Präsens ins Präteritum und das sogar innerhalb eines Satzes. Ich denke "Während ich noch schlief" wäre angemessener.
Dieser kleine Fehler ist dir später nochmal unterlaufen:
"Nebenan leben auch einige Araber. Sie waren lauter und..." Besser: "Nebenan lebten auch..."

Und zum anderen finde ich es nicht so schön, dass du direkt beide Sätze mit "Während" beginnst. Du könntest den ersten Satz auch zu "Die Stadt schlief noch, ich war jedoch schon wach" umändern oder den zweiten zu "Alle anderen lagen noch in ihren Betten und kümmerten sich im Traum um die eigenen Sorgen und schöne Frauen mit den perfekten Hintern, ich jedoch hatte bereits...", sodass trotzdem der Unterschied zwischen dem Ich-Erzähler und den anderen zur Geltung kommt.

vic24 hat geschrieben:...und der Wind aus Westen um die sauberen, gelbgestrichenen Häuser strich...

Hier stört mich die Wiederholung von "strich". Das Verb würde ich hier durch "streifte", "streichelte" oder "fuhr" ersetzen.

vic24 hat geschrieben:Nichts war dem Zufall überlassen, wenn sie, mit ein paar bunten Putzlappen bewaffnet, auf die Jagd nach Staubflocken ging.

Das hier kann ich mir richtig schön bildlich vorstellen. Die Jagd nach den Staubflocken - sehr genial! :'D

vic24 hat geschrieben:Neben ihrer Dederonschürze war es auch ein Kopftuch, dass sie über ihren üppigen Haaren zusammenband und ihr das Aussehen einer Trümmerfrau verlieh.

"Das" hier ohne Doppel-s, da es sich auf das Kopftuch bezieht und keinen Nebensatz einleitet!
Ich weiß auch nicht, ob der bildhafte Vergleich mit einer Trümmerfrau hier passend ist, zumindest wenn es darum geht, dass für diese Nachbarin hier alles perfekt und sauber sein muss, ich aber mit dem Wort "Trümmerfrau" gleichzeitig an Schmutz denken muss... Sollte dieser Widerspruch aber so gewollt sein, habe ich nichts gesagt!

vic24 hat geschrieben:Aber was wussten schon die Anderen? Sie waren nur dumme Schwätzer.

Im zweiten Satz würde ich auch nochmal "Die waren nur dumme Schwätzer" schreiben. Das klingt wieder eine Spur abwertender und passt meiner Meinung nach besser zu dieser besonderen Dame :wink:

vic24 hat geschrieben:Eine Wohnung unter ihr lebte der "Dicke". Ein schweigsamer Frührentner mit listigen, kleinen Augen, der den ganzen Tag auf Balkonien verbachte, sich stets in Feinripp kleidete und Sonne auf seinen mächtigen Bauch scheinen ließ.

Sehr genial! Mir drängt sich unweigerlich das klischeebehaftete Bild eines griesgrämigen Frührentners auf, der nur noch zu meckern hat... Vor allem, wie er hier nur "der Dicke" genannt wird :twisted: :D

vic24 hat geschrieben:Der Dicke tat gewöhnlich dasselbe.

Der Satz klingt für mich irgendwie so, als würde er dasselbe machen, wie seine Nachbarin: nämlich wie ein Irrer putzen. Zwar wird das direkt im nächsten Satz näher erklärt, aber ich habe hier erstmal kurz gestockt und gedacht "Hm? Aha...?"
Deshalb würde ich das anders ausführen, z.B. mit "Der Dicke tat jeden Tag dasselbe" oder wenn du ihn etwas mit der Frau vergleichen möchtest: "Der Dicke hatte wie die gute Frau ebenfalls seine Routine" o.Ä.

vic24 hat geschrieben:Früh beizeiten, noch bevor seine Nachbarin ihre perfekt gestylte Reinigungsrobe anlegte, steckte er seinen Kopf zwischen den üppigen Geranien hindurch und musterte lange und ausgiebig die Strasse vor seinem Balkon. Dann wanderte sein Blick prüfend die gegenüberliegenden Hausfassaden entlang. Seine Augen fixierten voller Neugier jedes Fenster und jeden Balkon. Der Kopf mit der Halbglatze verschwand erst, wenn er alle Fenster in seinem Sichtbereich inspiziert hatte. Dann beugte er sich zurück und die Halbglatze verschwand hinter einer wallenden Wand aus roten Geranien.
Der Dicke war dann still. Ich sah nur die Halbglatze zwischen den Geranien hervorscheinen. Nach ein paar Augenblicken begann sie zu wackeln. Die Bewegungen wurden langsam heftiger und endeten schlagartig. Dann erschien ein entspanntes, zufriedenes Gesicht zwischen den Geranien und er genoss die Sonnenstrahlen.

(im Zitat habe ich mal einen Tippfehler mit Rot verbessert)
Ich kann mir die Szene wirklich gut vorstellen :'D Zuerst dachte ich ja, der Dicke ist einfach nur paranoid/misstrauisch, wie er so die umliegenden Fenster inspiziert, aber als dann herauskommt, dass er sich nur unbeobachtet vergnügen wollte... neiiiin :lol: einfach herrlich!
Allerdings hast du hier eine kleine Wiederholung drin und zwar erwähnst du zweimal seine verschwindende Halbglatze, das kann man sicherlich zusammenfassen.

vic24 hat geschrieben:Das war daran zu merken, dass sein Schnarchen, das eher an das nächtliche Töten eines riesigen Waldes erinnerte, um halb sieben jäh endete und durch das stets geöffnete Fenster das Klappen zweier Türen zu hören war.

Statt "merken" würde ich hier das Wort "erkennen" benutzen, da "merken" irgendwie... unpassend und zu ungangssprachlich wirkt.
Und ist das "Töten" ein Tippfehler, bei dem du eher "Tröten" meintest? Aber selbst, wenn es so ist, kann ich mir darunter kein Geräusch vorstellen... Vielleicht wäre der Vergleich mit dem Röhren eines Hirsches treffender? :wink:

vic24 hat geschrieben:Kaum war das gelbe Auto an der nächsten Ecke verschwunden, drehte der Dicke seinen Kopf verstohlen zwischen seinen Geranien hindurch und versuchte, einen Blick in Achmeds Wohnzimmer zu erhaschen, aber meist vergeblich, denn Achmeds Frau Udina zog hastig die Gardinen zu, sobald ihr Göttergatte verschwunden war. Der Dicke zog dann enttäuscht seinen Kopf zurück.

(Komma und fehlendes Leerzeichen in Rot ergänzt)

vic24 hat geschrieben:Wahrscheinlich würde er gar zu gern wissen, was sich unter dem Gewand von Frau Kioloss befand. Es war also einfach anzunehmen, dass er seine Phantasie anstrengte, denn seine Halbglatze begann wieder zu wackeln.

Neiiiiiiin, nicht schon wieder X'DD :lol: :lol:

vic24 hat geschrieben:Nach ein paar Augenblicken zog er ihn wieder heraus und richtete sich auf, in jeder Hand zwei Tüten voller Brötchen. "Müllerbäcker" konnte ich auf den Tüten lesen. Achmed stellte die Tüten auf das Dach seines Wagens, schloss schwungvoll die Türe und verschwand, leise brabbelnd, mit den Tüten im Haus.

Viermal das Wort "Tüte" innerhalb von drei Sätzen...
Zumindest im letzten Satz könntest du stattdessen schreiben "verschwand ... mit den Brötchen im Haus".
Ansonsten gibt es ja auch noch ein paar Synonyme für das Wort "Tüte": Verpackung, Beutel, ... :wink:

vic24 hat geschrieben:Nur die Nachbarin mit den schmalen Lippen und dem Putzfrauenschmuck antwortete nie, sie starrte mich lediglich mit verkniffenem Mund und großen Augen an. Sie kaufte immer dasselbe, Ein Stück Schoko- und zwei Stück Sahnetorte. Wahrscheinlich nur deshalb, weil sie weniger Krümel hinterließ als der leckere Streuselkuchen.

Hier finde ich es interessant, dass wir ja schon wissen, warum ihre Lippen so schmal und ihr Mund damit so zusammengekniffen aussieht und es ist gut, dass du die Wirkung von diesem Verhalten nochmal darstellst!
Und die Vermutung mit den wenigen Krümeln, die die Torte im Vergleich zum Streuselkuchen hinterlässt, ist auch gut, haha :D


Ich hoffe, die Kritik (positiv wie negativ) ist so in Ordnung und hilfreich, ich habe versucht, alles, was mir aufgefallen ist, anzumerken.
Jetzt nochmal meine persönliche Meinung zu deiner kurzen Geschichte:
Wie ich schon am Anfang erwähnt habe, finde ich allein das Thema schon für mich persönlich sehr interessant und in dieser Form vor allem unterhaltsam^^ Die Eigenheiten der Charaktere sind schön überzeichnet und witzig dargestellt, gefällt mir also sehr gut!
Was ich auch interessant finde, ist die Tatsache, dass der Erzähler ja eine ebenso komische Morgenroutine hat: er beobachtet erstmal alle seine Nachbarn und macht sich dann selbst auf den Weg, um sich seine Frühstücksbrötchen zu holen. Also sind dementsprechend nicht nur die Nachbarn komisch, sondern auch er selbst^^

Allerdings habe ich auch eine Frage:
Der Text ist ja in der Ich-Perspektive geschrieben, wie wohnt denn der Erzähler, dass er diese Nachbarn so gut im Blick hat? Wenn er nebenan wohnt, kann er schlecht erkennen, was die putzvernarrte Dame in ihrer Wohnung macht, ebensowenig kann er darüber wohnen, aus den gleichen Gründen und weil er dem Dicken dann ja von oben auf den Balkon gucken könnte, was jedoch scheinbar nicht der Fall ist... Wenn er gegenüber wohnt, läuft er allerdings Gefahr, dass er von dem Dicken entdeckt wird, wenn der seinen misstrauischen Adlerblick über die umliegenden Fenster schweifen lässt, während der Erzähler ihn beobachtet. Deshalb ist mir die Wohnsituation vom Ich-Erzähler nicht so ganz klar... Vielleicht übersehe ich auch irgendetwas oder habe einen Knick in meiner Denkweise, sodass dieses kleine Detail nicht ganz stimmig auf mich wirkt, ich wäre auf jeden Fall froh, wenn du mich da aufklären könntest^^

Ansonsten gefällt mir dein Text verdammt gut, mach weiter so! :wink:

Viele Grüße
Liz

P.S.: ich sehe jetzt erst, wie lang mein Kommentar geworden ist... sorry für diese "wall of text" :oops:
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Re: Früh Morgens in der Nachbarschaft

Beitragvon vic24 » 18.02.2015, 19:17

Na aber sicher doch ist die Kritik positiv angekommen. Das ist wie beim Mahjongg.. alleine sucht man sich fast irre nach dem passenden Stein aber wenn viele hinschauen.. dann fällt es wie Schuppen von den Augen und in diesem Fall warens ganze Berge davon. 8)
Man ist halt manchmal betriebsplint.

Zur Geschichte, mich haben ein paar Dinge inspiriert. Zum einen war das Udo Jürgens mit dem Ehrenwerten Haus und zum anderen eine Figur aus den Olsenbandenfilmen.. (wer sie kennt)
Über die Umgebung der Geschichte selbst habe ich mir beim Schreiben keine großen Gedanken gemacht, in diesem Moment war sie für mich nicht das Wichtigste. Du hast jedoch recht, ich sollte sie ein wenig plausibler gestalten.
Im Grunde sind die Charaktere zufällig gewählt, für diese Szene fand ich die Kombination jedoch passend.

Das sind die Geschichtchen, wegen denen ich früh morgens halb sechs aufstehe, um sie zu notieren.. mehr oder weniger perfekt. Irgendwo ist ein Datenträger mit Dutzenden solcher Stories, mal sehen,ob ich die noch finde..

In diesem Sinne, vielen Dank für die Kritik, ich werde das Geschichtchen demnächst umschreiben. Vielleicht kommen ja noch andere Kritiken :shock:

Ein Nachtrag.

Etwas fällt mir dann doch noch zu dieser geschichte ein, etwas Grundsätzliches.

Mag sein, dass mir irgend jemand mal sagen wird, »die Geschichte ist sehr oberflächlich«.. Sicherlich, danach betrachtet, manches »hätte« man anders machen können und dann fällt mir wieder der Spruch eines Arztes ein, der mir einmal sagte, dass es die kleinen, unscheinbaren Deteils sind, die den Charakter von "etwas" ausmachen.. Ich habe den Menschen lange gekannt und mich mit seiner Sichtweise beschäftigt und ich muss sagen, er hat unbedingt recht..
Die Tragik ist, dass man nicht immer hinschaut und die Details bewusst oder unbewusst.. wissentlich oder unbeabsichtigt übersieht.. Ich erzähle hier niemanden etwas neues..

Deine Kritik wird mich eine weile beschäftigen.. ich bin kein mensch, der so etwas ad acta legt, ich bin mitunter sehr nachtragend :twisted: , im positiven sinne.
einige deiner anregungen werde ich in meinem buch verarbeiten bzw es u.a. auch daran ausrichten.


In diesem Sinne
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Re: Früh Morgens in der Nachbarschaft

Beitragvon Cloud » 21.02.2015, 13:10

Hallo vic24!

Auch ich habe deinen Text gelesen, weil ich das Beobachten von Nachbarn interessant finde. All die Marotten und Rituale befriedigen mein voyeuristisches Bedürfnis - unbemerkt Details festzustellen - und mich, in welcher Form auch immer, daran auszurichten.

Dein Text hat neben der Wahl der Thematik noch weitere Stärken. Bspw. empfinde ich den Anfang erzählt aus der Ich-Perspektive als melancholisch treffend. Die Sicht fängt einen besonderen Moment vom Tag ein. Auch die reflektierten Fragen an sich selbst spenden eine angenehme, aber auch unbehagliche Stimmung. Es geht ja schließlich um Probleme - Probleme des Selbst, die sich im Verhalten der anderen Menschen spiegeln. Der Ich-Erzähler scheint eben erst erwacht, aus dem phantastischen Reich der Träume entflohen, nun angekommen in der realen Welt, der oft so phantasiearmen Wirklichkeit. Der erste Absatz verrät außerdem über den Erzähler, dass er genau hinschaut:
Etwa die Nachbarin, die immer am Balkon hing und vorsichtig bei Westwind rauchte? Die Frau mit dem rosa Bademantel rauchte nur, wenn es nicht windstill war und der Wind aus Westen um die sauberen, gelbgestrichenen Häuser strich, damit sich der Rauch ihrer Selbstgedrehten nicht in ihrer perfekt geputzten Wohnung festsetzen konnte und wenn sie glaubte, unbeobachtet zu sein.

Allein die komplex beschreibende Struktur des Satzes lässt erahnen, wo die Reise bei deiner Geschichte hingeht. Ich werde daher jetzt nicht wie mein Vorredner einzelne Passagen zerpflücken, sondern eher auf die Gesamtstruktur eingehen.

Dein Setting ist klar umrissen. Jetzt warte ich als Leser darauf, dass etwas passiert. Sei es etwas Ungewöhnliches, vielleicht aber auch etwas Alltägliches - egal - nur muss diese Handlung irgendeinen Effekt auf deinen gewählten Ich-Erzähler haben. Das Ich muss sich mit dem, was er beobachtet, auseinandersetzen. Ansonsten erfährt dein Text das Schicksal so viel anderer Geschichten.

Ich lese nicht weiter.

Als geübter Leser erkenne ich schnell, wann ein Text Entwicklungspotential hat. Ich bin ehrlich, ich habe deinen Text zu Ende gelesen, weil ich gehofft habe, dass gleich - im nächsten, nächsten, nächsten Satz - ein Knaller kommt. Eine Sache, die nüchtern und trocken alles bisherige auf den Kopf stellt. Ein Moment des Humors, der schwarzen Belustigung über die Belanglosigkeit der Gesellschaft - oder so. Das zeigt, dass dein Sprachfluss einen interessanten Klang, der zum Weiterlesen animiert.
Aber dieser Moment kam nicht. Schlimmer noch, eine Beschreibung folgte der nächsten, ohne einen Fokus zu setzen. Dadurch entstand das, was mein Vorredner bemerkte: Die Perspektive des Ich-Erzählers ist räumlich unklar. Dadurch wirkt er leider unglaubwürdig, weshalb ich ab dem dicken klischeebehafteten Unterhemdträger eigentlich schon keine Lust mehr hatte, weiterzulesen.

Es fehlte ein zentraler Konflikt, den du eigentlich direkt zu Beginn hervorragend initiiert hast. Dein erster Absatz ist gut - er eröffnet mir als Leser einen Blick auf einen Menschen, der einen Blick auf andere wirft. Ein Ich-Erzähler, der hinterfragt, der die Dinge nicht einfach so stehen lässt, sondern kommentiert. Aber gerade das macht dein Erzähler nicht. Er beschreibt nur. Er wertet nicht. Er bekennt keine Farbe. Er handelt nicht.
Bis auf..
Ja, bis auf das Ende. Am Ende geht dein Erzähler Brötchen holen und entlarvt sich selbst als Normalo, der eigentlich nur extra früh aufgestanden ist, um Leute zu begaffen und Brötchen zu holen. Als Zeitvertreib während der Kaffee durchläuft. Naja. Und dann kommt auch noch ein zynischer Kommentar in Richtung der Nachbarin. Es wirkt einfach nicht wie ein Showdown - da am Ende, beim Bäcker. Die Situation hätte bis dahin zugespitzt sein müssen. Dinge hätten passiert sein müssen, die jetzt wichtig werden. Der Spruch des Erzählers ist ja gar nur ein Kommentar, der nicht ausgespochen wird. Im schlimmsten Fall unterstelle ich deinem Erzähler Feigheit - Feigheit vorm Leben, Scham vor jedweder Auseinandersetzung - nur um im geschützten, luftleeren Raum der Reflexionen zu verharren.

Also. Meine Kritik klingt vielleicht schlimmer als sie ist, und nein, sie zielt nicht auf die von dir erwähnte Oberflächlichkeit ab. Dein Erzähler ist und bleibt das Herz deiner Geschichte. Ein Ich-Erzähler ist schwierig, da er immer die ganze Geschichte trägt. All seine Beobachtungen müssen im Laufe der Geschichte Teil seiner Geschichte werden, weil sie ihn prägen. Aber in deinem kurzen Textabschnitt wird dein Ich nicht geprägt.
Du sagst selbst, dass du ihn sehr gut kennst. Davon bemerke ich sehr sehr wenig in dieser Geschichte - ich als Leser habe ja nur die paar Worte, die du mir spendierst. Dein Herzstück der Geschichte wirkt auf mich elitär, von oben herab. (Ich habe mir auch vorgestellt, dass er hoch oben wohnt) Er behauptet von sich indirekt, die Details zu durchleuchten, indem er Gedanken äußert, die aber nie Teil der wirklichen Welt werden, weil er sie nicht ausspricht. Dein Erzähler spricht zwei Worte: "Guten Morgen", in einem freundlichen Ton. Das wirkt auf mich falsch. Mag er etwa doch den Dicken?
Ich empfinde das als nicht ehrlich. Dadurch bleibt bei mir als Leser auch ein fader Beigeschmack hängen. Ich bin auf deinen Text schließlich aufmerksam geworden, weil ich etwas Lustiges, gerne auch etwas schwarz Lustiges, lesen wollte. Nachbarn sind lustig. Doch in deinem Text werden sie nur als Spielball missbraucht, sie tun mir eher leid. Und ich glaube, das ist mein Problem mit dem Text. Ich fände es schön, wenn der Ich-Erzähler einen Konflikt, einen echten Konflikt mit seinen Nachbarn erhält, damit er mir sympathischer wird. Dann könnte er diesen Konflikt mit seiner Smartness lösen. Dann wäre er ein ehrlicher Charakter.

Beste Grüße,
Cloud
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Re: Früh Morgens in der Nachbarschaft

Beitragvon vic24 » 24.02.2015, 07:37

Das ist eine Betrachtung, mit der ich nicht gerechnet habe und sie hat mich einige Tage beschäftigt.
Auch wenn das weiter oben nur eine Kurzgeschichte ist, die ich unbedacht und schell in die Tasten gehämmert habe (ja, bei meiner Tastatur bedarf es eines gewissen, stärkeren Anschlages), merke ich doch, dass mir jetzt eine menge Details nicht eingefallen sind. Ich wollte es bei dieser Geschichte ursprünglich belassen und nur einige Verbesserungen vornehmen aber ich denke, die Geschichte insgesamt sollte noch einmal aufs Reißbrett.

weil ich gehofft habe, dass gleich - im nächsten, nächsten, nächsten Satz - ein Knaller kommt. Eine Sache, die nüchtern und trocken alles bisherige auf den Kopf stellt. Ein Moment des Humors, der schwarzen Belustigung über die Belanglosigkeit der Gesellschaft - oder so. Das zeigt, dass dein Sprachfluss einen interessanten Klang, der zum Weiterlesen animiert.


Das gibt Anlass zur Hoffnung, es ist also noch Hopfen und Malz vorhanden. Bisher und damit meinte ich niemandem aus diesem Forum, hat noch niemand meinen Stil zu schreiben auf diese Weise bewertet. ich schätze, dass ich da noch mehr herausholen kann.

Ich will jetzt (im Moment) nicht konkreter auf dein Posting eingehen aber ich werde deine Worte bei zukünftigen Geschichten wohl beachten und hoffe auf ähnliche Kritiken!!

:shock:
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Re: Früh Morgens in der Nachbarschaft

Beitragvon thereshavo » 25.05.2015, 20:04

Hallo =)Da ich noch nicht lange hier tätig bin entschuldige ich mich schonmal für eventuelle Fehler beim zitieren, da ich mich auf der Seite eben noch nicht so auskenne.
Jetzt zu deinem Text: Ich habe ihn von vorne bis hinten gelesen, was bedeutet, dass mich irgendetwas daran interessiert haben muss. Du hast da eine kleine Welt kreiert, die wahrscheinlich jeder von uns kennt und ich konnte mir diese einzelnen Personen aus der Nachbarschaft bildlich vorstellen.
Mir ist jedoch folgendes aufgefallen, worüber ich beim Lesen ein wenig gestolpert bin:

1. Du verwendest kurz hintereinander den Begriff "stets", was den Text an diesen Stellen ein wenig sperrig erscheinen lässt:
und durch das stets geöffnete Fenster das Klappen zweier Türen zu hören war

und
Er brauchte stets zwei Anläufe, um den Motor des alten Kadetts zu starten


2. Du beschreibst Subjektive des Umfeldes oder bestimmte Körperteile einer Person usw. mit Adjektiven, was sich ja auf jeden Fall anbietet um den Charakter der Personen so realitätsgetreu wie möglich zu gestalten. Leider wiederholst du dich dabei manchmal... z.B:
steckte er seinen Kopf zwischen den üppigen Geranien hindurch

und
Dann beugte er sich zurück und die Halbglatze verschwand hinter einer wallenden Wand aus roten Geranien.

...also dass die Geranien zahlreich vorhanden sind, dürfte jetzt auf jeden Fall klar sein :D

Aber genug der Kritik, denn ich habe deine Geschichte ja aus einem bestimmten Grund zu Ende gelesen und zwar weil sie an manchen Stellen wirklich lustig war. Das liegt, denke ich,daran dass du die einzelnen Charaktere miteinander verbindest, obwohl sie ja an sich nicht viel miteinander zu tun haben, z.B:
Kaum war das gelbe Auto an der nächsten Ecke verschwunden, drehte der Dicke seinen Kopf verstohlen zwischen seinen Geranien hindurch und versuchte, einen Blick in Achmeds Wohnzimmer zu erhaschen

und
Der Dicke zog dannenttäuscht seinen Kopf zurück. Wahrscheinlich würde er gar zu gern wissen, was sich unter dem Gewand von Frau Kioloss befand

...super :D
Was ich auch sehr gut fand war, dass du das Ende des Textes mit derselben Person abgeschlossen hast, mit der du deine Geschichte auch angefangen hast....das macht die ganze Sache rund =)

Lange Rede, kurzer Sinn: Deine Geschichte ist an sich sehr amüsant, aber wenn du dir nochmal die Zeit nehmen würdest, und ein paar Kleinigkeiten ändern würdest, dann könnte der Text vielleicht flüssiger und lockerer erscheinen ;)
Lg
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Re: Früh Morgens in der Nachbarschaft

Beitragvon vic24 » 23.07.2015, 00:53

Nach längerer Pause ist meinereiner zurück. Davonstehlen wollte ich mich nicht aber es gab ein paar technische Gründe.

Wie dem auch sei.
@ thereshavo, danke für den Kommentar zur Geschichte.
Ja, ein paar sperrige Stolpersteine gibt es in der Tat und wenn ich, nach Monaten, die Geschichte noch einmal lese, dann würde ich einige Passagen völlig anders schreiben. (Da geht noch was!!)

Stets dieselben Wiederholungen, eine Krankheit, die mir immer wieder begegnet, ich denke jedoch, damit bin ich nicht alleine. Ich will mich aber mal herausreden, ADSler müssen so sein, mehr oder weniger . :mrgreen:
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