FÜ Buchstabenverbot und Sprachstil

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FÜ Buchstabenverbot und Sprachstil

Beitragvon Lelaihah » 13.05.2011, 11:21

In einem verstaubten Deutschbuch aus der Oberstufe habe ich neulich zwei Methoden gefunden mit denen man lernen soll Texte mit anderen Worten aufzuschreiben ohne den Sinn zu entstellen. In wie fern diese jetzt jedem einzelnen helfen können weiß ich nicht, aber es macht auf jeden Fall einen Heidenspaß. Also wenn ihr Lust habt probiert es ruhig mal aus.

1. Buchstabenverbot
Man nimmt sich einen Text oder eine Geschichte, egal woher. Entweder eine eigene, eine vom Lieblingsautor oder einfach nur einen Artikel aus der Zeitung und schreibt den Text in anderen Worten auf. Die Schwierigkeit besteht darin sich beim Schreiben einen oder mehrere Buchstaben zu verbieten. Dabei muss natürlich nicht jeder einzelne Satz umgeschrieben werden, aber die Kernbedeutung sollte erhalten bleiben.

2. Änderung des Sprachstils
Man nimmt sich wieder einen beliebigen Text und verfasst diesen in einer anderen Sprachstil ohne die Bedeutung zu verändern. Wie das gemeint ist zeigt folgender Text ganz gut: http://www.witze-welt.de/index.php?page=view_texte.php&kat=24 Natürlich muss es nicht Beamtendeutsch sein. Ein paar weitere Vorschläge sind:
mittelalterliche Sprache
Jugendsprache
Wissenschaftssprache
Lasst eurer Fantasie einfach freien Lauf ;)
Lelaihah
 
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Re: FÜ Buchstabenverbot und Sprachstil

Beitragvon Suki » 15.05.2011, 18:20

Hallo,
ich werde mal das mit dem Sprachstil ausprobieren^^
Ich finde die Geschichte von Rotkäppchen auf Beamtendeutsch echt cool!!!

Lg
Suki
Ein Mensch ist nur so groß wie seine Phantasie...also bin ich sehr groß^^
Suki
 
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Re: FÜ Buchstabenverbot und Sprachstil

Beitragvon Liberty » 13.07.2011, 18:31

Lustige Übung! Ziemlich gut, um ein paar Synonyme zu lernen...Hier ist der Anfang aus "In 80 Tagen um die Welt". Ohne den Buchstaben "t". Etwas unsauber an einigen Stellen...

Vor ungefähr zehn Jahren war Phileas Fogg Inhaber des Haus Nr. 7 in der Saville-Row in London. Er war ein regelmäßiger Besucher des Reformklubs und es war wahrscheinlich, dass er reich sein müsse. Außerdem gab er auch gerne und reichlich, wenn es darum ging, eine seiner Meinung nach vielversprechendes Firma oder ein Werk zu ermöglichen und zu fördern. Aber wie er zu diesem großen Vermögen gekommen war, das war im Dunkeln geblieben. Bei reichen und vornehmen Engländern war es üblich, große Reisen zu machen. Aus manch einer Äußerung war zu schließen, dass auch Herr Fogg viel von der Erde zu kennen schien, aber es war klar, dass er nun schon jahrelang London nie verließ.
Das Lesen der zahlreichen Magazine, die im Klub auflagen, und sein Lieblingsspiel waren sein einziges Vergnügen. Im Spiel, das wie für ihn geschaffen schien, gewann er häufig und viel, aber jeden Gewinn bekam das Armenhaus.

Und hier im Vergleich das Original:

Vor ungefähr zehn Jahren wurde das Haus Nr. 7 in der Saville-Row in London von Phileas Fogg bewohnt. Von Fogg wusste man nichts, als dass er Mitglied des Reformklubs war. Dass er reich sein müsse, glaubte man, mit Sicherheit annehmen zu können. Man wusste auch, dass er von seinem Reichtum den besten Gebrauch machte, denn er gab gern und reichlich, wenn es galt, ein gutes und nützliches Unternehemen zu ermöglichen und zu fördern. Aber wie er zu diesem großen Vermögen gekommen war, das wusste niemand. Bei reichen und vornehmen Engländern ist es Sitte, große Reisen zu machen. Aus gelegentlichen Äußerungen konnte man entnehmen, dass auch Herr Fogg viel von der Welt kannte und reiche Erfahrungen gesammmelt haben musste, aber man wusste auch, dass er London seit einer Reihe von Jahren nicht verlassen hatte.
Sein einziger Zeitvertreib war die Lektüre der zahlreichen Zeitungen, die im Klub auflagen, oder eine Partie Whist. Im Spiel, das wie für ihn geschaffen schien, gewann er oft und viel, aber jeder Gewinn wanderte in die Armenbüchse...

Liberty

PS: Mir ist zu spät aufgefallen, dass man für das deutsche Imperfekt andauernd das "t" braucht...Dafür finde ich meinen Text aber gut :D
Liberty
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Buchstabenverbot: Buchbeispiel

Beitragvon Zauberzunge » 12.07.2012, 23:10

Kennt ihr das Buch/Hörbuch "Sehr erfreut, meine Bekanntschaft zu machen" von Steve Martin (ja, der Schauspieler soweit ich weiß)? Darum geht es um einen Mann mit verschiedenen, etwas verrückten Angewohnheiten (Wattzahl der Glühbirnen in Wohnung muss immer gleich sein, nicht über Bordsteinkanten gehen,...).

Um sich bei einer aufregenden Reise zu beruhigen, beschließt er, während er weg ist, kein Einziges Mal den Buchstaben a zu verwenden. Problem: Da es um den Tod seiner Großmutter geht, braucht er sicher das Wort Vater, seine Schwester heißt Ida, seine Begleiterin Clarissa, er selbst Daniel Cambridge...
Aber er hat es geschafft. (Ist mein Erzeuger hier gewesen?; meine Schwester; meine Teuerste; DC. Der Enkel.)

Wenn das mal keine Motivation ist... :mrgreen:
Jung genug, um an Magie zu glauben und alt genug, um zu verstehen, wie sie funktioniert. (Artemis Fowl, Eoin Colfer)
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Re: FÜ Buchstabenverbot und Sprachstil

Beitragvon Leo_Nord » 27.07.2012, 20:24

Das is ja mal ne klasse Fingerübung :D . Dann will ichs auch mal probieren und zwar mit den ersten Sätzen aus "Die vergessene Welt" von Arthur Conan Doyle. Ich versuchs dann auch gleich mal ohne a...

Original: Mr. Hungerton, ihr Vater, war wirklich der taktloseste Mensch auf Erden - ein fusseliger, flaumiger Kakadu von Mann, ungepflegt, gutartig und ausschließlich auf sein eigenes einfältiges Ich bedacht. Wenn überhaupt etwas mich von Gladys hätte abbringen können, dann wäre es der Gedanke an einen solchen Schwiegervater gewesen. Ich bin überzeugt, dass er wirklich ehrlich glaubte, ich käme seiner sympathischen Gesellschaft wegen dreimal in der jeder Woche nach Chestnuts; und vor allem, um mir seine Ausführungen über Goldlegierungen anzuhören - ein Gebiet, auf dem er eine Art Kapazität war.

Mit ohne a: Mr. Hungerton, ihr greiser Herr, muss wohl der unsensibelste Mensch auf Erden gewesen sein - ein fusseliger, flusiger Nymphensittich von Mensch, ungepflegt, spießig und einzig um sein eigenes einfältiges Ich besorgt. Der einzige Grund, wegem dem ich Gladys nicht mehr umworben hätte, hätte die Zukunftsvision sein können dieses Herrn Schwiegersohn zu werden. Wie ich es sehe, meinte er ehrlich, ich käme seiner vorzüglichen Existenz wegen zu den drei Gelegenheiten in der Woche in sein Heim nach Chestnuts; zudem, um seinen Erörterungen über Goldlegierungen beizuwohnen - ein Themengebiet, bei dem er eine Korifeé gewesen sein muss.

Hm, es gibt einfach kein Synonym für "Gladys", aber sonst dürfts passen... :wink:
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Re: FÜ Buchstabenverbot und Sprachstil

Beitragvon Papyrussphaere » 10.09.2012, 21:00

Ich versuche mich mal an den ersten beiden Absätzen aus "Das Schloss" von Franz Kafka

Originaltext:
Es war spät abends, als K. ankam. Das Dorf lag in tiefem Schnee. Vom Schlossberg war nichts zu sehen, Nebel und Finsternis umgaben ihn, auch nicht der schwächste Lichtschein deutete das große Schloss an. Lange stand K. auf der Holzbrücke, die von der Landstraße zum Dorf führte, und blickte in die scheinbare Leere empor.

Dann ging er ein Nachtlager suchen; im Wirtshaus war man noch wach, der Wirt hatte zwar kein Zimmer zu vermieten, aber er wollte, von dem späten Gast äußerst überrascht und verwirrt, K. in der Wirtsstube auf einem Strohsack schlafen lassen. K. war damit einverstanden. Einige Bauern waren noch beim Bier, aber er wollte sich mit niemandem unterhalten, holte selbst den Strohsack vom Dachboden und legte sich in der Nähe des Ofens hin.

Ohne den Buchstaben a:
K. erschien zu fortgeschrittener Stunde. Tiefer Schnee hüllte sich um die kleine Gemeinde. Nebel und Finsternis legten sich um den Schlossberg, kein Lichtschein erleuchtete die Festung. K. blickte von der Brücke empor zur Festung und ließ viel Zeit vergehen.

Schließlich beschloss K. sich ein Bett für die Stunden der Finsternis zu suchen; im der Spelunke schliefen die Menschen noch nicht, der Wirt vermietete kein Zimmer, doch er wollte, von dem Besuch zu fortgeschrittener Stunde verblüfft und verwirrt, K. in der Wirtsstube genügend Stroh zum Niederlegen zur Verfügung stellen. K. zeigte sich zufrieden mit dieser Offerte. Einige Ökonomen genossen noch ihr Bier, doch K. wollte mit keiner Menschenseele mehr diskutieren, holte selbst ein Strohbündel vom Speicher und legte sich beim Ofen nieder.

Hey, das macht süchtig!

LG
Papyrus
"Solange die Gedanken eines Menschen ausgesprochen oder aufgeschrieben werden, führt er ein zweites Leben und geht nicht zusammen mit seinem Leib unter." Bei Dao (chin. Dichter)
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