FÜ:Raumbeschreibung und Details ins Auge fassen

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FÜ:Raumbeschreibung und Details ins Auge fassen

Beitragvon anflo » 09.08.2015, 21:04

Such dir einen Raum z.B. dein Zimmer und beschreibe jedes Detail. Beschreibe z.B. einen kleinen Kratzer an deinem Schrank. Dadurch lernst du mit Worten besser umzugehen.
Wenn du dies geschafft hast, kannst du einen virtuellen Raum beschreiben. Und man muss bedenken: Manchmal ist das kleinste Detail wichtig für eine Geschichte.
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Re: FÜ:Raumbeschreibung und Details ins Auge fassen

Beitragvon Tulipina » 11.08.2015, 18:53

Tja, dann versuche ich das mal.
Also ...


Das Licht flutet tagüber durch die beiden großen Fenster und lässt die weiße Küchenfront leuchten.
Die Arbeitsplatte ist in Olivenholzoptik, was sehr angenehm warm wirkt.
Einige Gegenstände sind naturbelassen, wie zum Beispiel das hölzerne Schneidebrett hinten neben dem Wasseerkocher. Oder die tönerne Salatschüssel daneben.
Die klaren Linien der Küchenfront mit ihren langen, glänzenden Griffen werden durch die Pflanzen auf dem Fensterbrett und den großformatigen Blütenbildern an der Wand aufgelockert.
Über dem Tisch gegenüber der Zeile hängt eine einzelne, kugelförmige Lampe in deren Oberflache sich der gesamte Raum spiegelt.
Sie hängt relativ niedrig über dem Tisch. Das gibt ein angenehmes Licht wärend des Essens.
Jetzt gerade beleuchtet sie ...
... einen Kratzer.
Einen krakelkreisförmigen, hellen Kratzer.
In Desserttellergröße.
Und das auf meinem dunklen Ikeaküchentisch.
Nicht, dass dieser Tisch sonst von Macken und Kratzer verschont geblieben wäre!
Kleiner Dellen rechts von mir in der Platte, eine Kerbe links von mir am Rand. Blöde Stelle. Da bleibt man beim Tischabwischen so oft hängen. Alles normale Gebrauchsspuren. Besonders in einer Familie mit Kind.
Aber dieser Krakelkratzer ... echt häßlich.
Egal bei welchem Licht, egal aus welcher Perspektive, man sieht ihn einfach immer.
Ok, mal mehr, mal weniger gut. Aber schon aufgund seiner ungewöhnlichen Form springt er einem direkt ins Auge. Deckchen drüber? Das wäre eine elegante Lösung. Aber auch zu einfach. Der Kratzer befindet sich nämlich auf der Kerbenseite unten in der Ecke. Das störrt dann doch beim Essen.
Also: Kopf hoch, und so tun, als wäre er überhaupt nicht da.
Dieses Sch... ding.


; )
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Re: FÜ:Raumbeschreibung und Details ins Auge fassen

Beitragvon YingNi » 11.08.2015, 23:08

Dann will ich auch mal.

Sobald man die schwere Holztür geöffnet hat fällt der Blick sofort auf das einzige Fenster im Raum. Der Ausblick auf den dahinter liegenden See wird nur durch ein Fliegengitter getrübt. Der Rest des Zimmers ist in hellen Holztönen gehalten. Ein persischer Teppich auf dem Boden und einer an der Wand direkt neben der Türe sorgen für die nötige orientalische Atmosphäre, welche das Bett und der Kleiderschrank fast wieder zu Nichte machen. In der Mitte des Raums befindet sich eine Deckenlampe, die alles in ein kühles Licht taucht sobald sie eingeschaltet wird. Ansonsten wirkt der Raum sehr karg. Doch wenn kein Licht brennt und es dunkel ist, man mit offenen Augen auf dem Bett liegt und an die Decke schaut, erblickt man dort viele kleine leuchtende Punkte. Ein Überbleibsel aus Kindertagen. Meine Mutter hatte sie dort befestigt um mir schöne Träume zu bescheren und mich an die vielen anderen Sterne dort draußen zu erinnern. Und so wird aus dem kargen Raum ein Schlafzimmer unter freiem Himmel, zumindest in meinen Träumen.

Teils wahr, teils erfunden. Aber Danke an meine Mutter für die Sternensticker :wink:
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Re: FÜ:Raumbeschreibung und Details ins Auge fassen

Beitragvon magico » 12.08.2015, 15:28

anflo hat geschrieben:Such dir einen Raum z.B. dein Zimmer und beschreibe jedes Detail.


Ehrlich gesagt ist das doch kompletter Blödsinn. Wenn ich jedes Detail beschreiben wollte, würde ich über ein Zimmer 100 Normseiten schreiben können und den Leser damit nur langweilen.

anflo hat geschrieben:Manchmal ist das kleinste Detail wichtig für eine Geschichte.


Du sagst es: manchmal!
Manchmal eben auch nicht. Wenn das Detail für die Geschichte oder die Stimmung irrelevant ist, lasse ich es weg. Kennst du Chekhov's Gun ?
Hier nochmal auf Deutsch: Tschechows Gewehr

Noch ein Hinweis: Details kommen meist nur dann beim Leser an, wenn sie eine etwas andere Sicht der Dinge zeigen. Ein befreundeter Schreiber hat es einmal sehr schön formuliert:
Und wenn man z.B. einen Sonnenuntergang beschreibt, empfiehlt es sich vielleicht, den Fokus nicht auf die Sonne zu legen, weil es eigentlich ganz andere, viel kleinere Dinge sind, die die Stimmung erzeugen.


Genau das ist der Punkt bei Details. Einen Sonnenuntergang kennt jeder und ich gehe davon aus, dass jeder erwachsene Mensch auch schon mindestens einem beigewohnt hat. Daher macht es viel mehr Sinn, die anderen Dinge während des Sonnenuntergangs zu beschreiben: Wie sich die leicht wiegenden Schilfhalme langsam rötlich färben, während auf der glatten Oberfläche des Sees ein Wasserläufer eine klitzekleine, kreisrunde Welle verursacht. Wie diese kleine Welle gegen das grasgesäumte Ufer plätschert. Wie kalt und nass der Saum des Hosenbeins wird, als die Welle auch die ins Wasser baumelnden Beine erreicht. Die Libelle, die sich auf dem Schilfhalm neben deiner Schulter niederlässt und den Sonnenuntergang mit dir zusammen zu genießen scheint ...
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Re: FÜ:Raumbeschreibung und Details ins Auge fassen

Beitragvon Ankh » 12.08.2015, 22:03

Zustimmung. Mann darf um Himmels Willen nicht jedes Detail beschreiben. Man sollte aber die Details beschreiben, die den Raum, die Person, die Szenerie besonders machen. wenn ich schreibe "Die Schreibtischplatte zog sich an zwei Wänden entlang und war überladen mit staubiger Elektronik", dann habe ich vermutlich ein einprägsameres Bild erzeugt als aufzuzählen "Links stand der Samsung- Flachbildmonitor, daneben der Desktoptower, beide in schwarz. Dann kam ein blauer Lötkolben mit eingetrocknetem Schwämmchen, eine ältere Sony-Stereoanlage und ein grauer Laserdrucker, in dessen Einzug vierzehn Blatt weißes Papier lagen ..."
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Re: FÜ:Raumbeschreibung und Details ins Auge fassen

Beitragvon Badabumm » 12.08.2015, 22:44

Ankh hat geschrieben:Zustimmung. Mann darf um Himmels Willen nicht jedes Detail beschreiben. Man sollte aber die Details beschreiben, die den Raum, die Person, die Szenerie besonders machen. wenn ich schreibe "Die Schreibtischplatte zog sich an zwei Wänden entlang und war überladen mit staubiger Elektronik", dann habe ich vermutlich ein einprägsameres Bild erzeugt als aufzuzählen "Links stand der Samsung- Flachbildmonitor, daneben der Desktoptower, beide in schwarz. Dann kam ein blauer Lötkolben mit eingetrocknetem Schwämmchen, eine ältere Sony-Stereoanlage und ein grauer Laserdrucker, in dessen Einzug vierzehn Blatt weißes Papier lagen ..."

Hier möchte ich Dir widersprechen: die 2. Aufzählung als solche ist zwar handwerklich nur mittelmäßig gelöst (dadurch liest sie sich mühsam), wirkt aber viel eindrucksvoller als die banale Beschreibung "Elektronik". Du hast die Regel "besser ist es, konkrete Dinge zu beschreiben" angewandt, so dass diese viel stärker im Gedächtnis bleiben. Am wirkungsvollsten ist der "blaue" Lötkolben mit dem" eingetrockneten" Schwämmchen. Die Elektronik hingegen wirkt auf mich "flach" und zwar wortwörtlich (bestehend aus platten Platinen usw.), während der Tower Deine Szene hügelig belebt. Es geht hoch und runter auf Deinem Tisch.

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Re: FÜ:Raumbeschreibung und Details ins Auge fassen

Beitragvon Ankh » 12.08.2015, 22:54

Das waren jetzt anderthalb Meter von vier, die meinen Schreibtisch beschreiben. Willst du wirklich einen ganzen Absatz davon lesen, nachdem ich beschreibe, dass ich zur Tür hereinkomme? Es kommt doch darauf an, kurz eine Stimmung und eine Szene zu setzen, nicht darum, dass jeder weiß, welche Farbe mein Lötkolben hat und wann er zuletzt benutzt wurde.
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Re: FÜ:Raumbeschreibung und Details ins Auge fassen

Beitragvon Badabumm » 12.08.2015, 23:21

OK, einigen wir uns darauf, dass weder die eine noch die andere Methode sinnvoll ist, wenn man sie bis zum Exzess treibt. Die FÜ ist als solche sicherlich für "echtes" Schreiben nicht geeignet, aber sie sollte es wohl auch nicht sein. Sie kann durchaus dazu beitragen, mit möglichst abwechslungsreichen Beschreibungen ein Bild zu erzeugen - auch wenn man das in einem Roman so nie tun würde. Um einen Akt in Bewegung zu malen, muss man ja auch erst jedes Müskelchen kennenlernen (auch die, welche man nie wahrnimmt) und kann danach reduzieren, um das "große Ganze in Aktion" darzustellen.
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Re: FÜ:Raumbeschreibung und Details ins Auge fassen

Beitragvon Ankh » 13.08.2015, 09:38

Okay. Ich hab nur halt schon öfter Fanfiction/ Schreibversuche gelesen, wo entweder über zwei Seiten jedes Detail eines Kleides beschrieben war oder so Charakterbeschreibungen wie "er war mittlegroß, hatte kurze braune Haare, braune Augen und trug Jeans und ein T-shirt." Was ich gerne üben würde ist ein Blick für interessante, charakterisierende Details, und die Fähigkeit, diese knackig zu beschreiben.
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Re: FÜ:Raumbeschreibung und Details ins Auge fassen

Beitragvon magico » 13.08.2015, 09:42

Ich denke, man kann sich zumindest auf "die Mischung macht's" einigen.

Ankh hat geschrieben:Was ich gerne üben würde ist ein Blick für interessante, charakterisierende Details, und die Fähigkeit, diese knackig zu beschreiben.


Auch hier kann ich nur meinen befreundeten Schreiberling zitieren:

Und weil das so ist und mich das nervt, habe ich irgendwann angefangen, Details zu sammeln. Zum Beispiel bei der Arbeit, beim Spazierengehen oder beim Einkaufen. Ich sammle Fußspuren, Sonnenflecken, Geräusche, Gerüche, Staub, Satzfetzen, Lebensgefühle, Steine, Blicke, Gräser, Momente, Stille usw.


Ich glaube, damit fängt es an. Man muss seine Sinne schärfen und wieder lernen auf eben diese Dinge zu achten.
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Re: FÜ:Raumbeschreibung und Details ins Auge fassen

Beitragvon Badabumm » 13.08.2015, 12:22

Dann müsste anflo die FÜ dahingehend ändern, dass man sich ein knackiges Detail heraussucht und damit den ganzen Raum "beschreibt". Aber eine Detailbeschreibung als solche darf ja ruhig auch die anderen Sinne mit einbeziehen, insofern übt es immer.
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Re: FÜ:Raumbeschreibung und Details ins Auge fassen

Beitragvon Paisley » 31.08.2015, 20:56

Ich mach das gern mit fiktiven Räumen. Wenn das für euch also okay ist ...

Die Tür ging mit einem leisen Knarren auf. Während er sie weiter aufschob und seine Hand dabei über das zerfurchte Holz fuhr, ließ er den Blick in dem bescheiden eingerichteten Zimmer umherwandern. Dort waren die schwarzen Rußflecken der Kerzen, die sonst in ihren einst glänzenden Haltern an der Wand brannten, stumme Zeugen vergangener Zeiten. Und dort der vertraute alte Schreibtisch mit dem Stuhl aus hellem Ahornholz, der neben dem Fenster stand, voll unzähliger Tinten- und Wachsflecken. Ein alter, verblichener Flickenteppich lag vor seinem Bett und nur er wusste, wie farbenfroh er einst gewesen war. Am Fußende des Bettes stand der massive Holzschrank, den sein Onkel einst für ihn gefertigt und mit fröhlichen Mustern bemalt hatte. Er tat einen Schritt hinein und das vertraute Zwielicht umfing ihn. Die dunklen Holzdielen auf denen eine dicke Staubschicht lag, knarzten unter seinen Füßen, während er selbige aufwirbelnd langsam auf das einzige Fenster zuging. Er legte eine Hand auf den rissigen Fensterrahmen und konnte den Wind spüren, der durch die Ritzen pfiff. Hier hatte sich kaum etwas verändert. Er sog die zugleich staubig und vertraut riechende Luft ein und sah sich um. Sein Zimmer war einst ärmlich gewesen, doch hier hatte er die schönsten Zeit seiner Kindheit verbracht. Fast schien es ihm, als wäre die Zeit an diesem Ort stehen geblieben, doch er war schon lange kein Kind mehr.
Geduld, Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen, erzählerisches Talent und Sprachgefühl - die Heilige Fünffaltigkeit der Schriftstellerei. Andreas Eschbach
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