[NonFik]Gekreuzte weiße F-Lügen / Lady in Black

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[NonFik]Gekreuzte weiße F-Lügen / Lady in Black

Beitragvon 11efish » 26.11.2014, 21:26

Hallo, hier ein Auszug aus einer experimentellen Kurzgeschichte:
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"Nacht war, mitten im Skorpion und Carlos spielte, zu Steffie’s Geburtstag, später. Noch etwas anderes schwang mit, tiefer, unergründlich, wie die Zeit, die dem Herbst folgt, etwas suchte nach sich, rang gelebt zu sein. Wer will schon sagen, was der rechte Platz ist und die rechte Zeit, für einen, der es wissen will? Heute traf es das Savoy. Etwas, wie eine umgekehrte Walpurgisnacht, ein Fieber, das sich ausleben wollte, für heute noch blind, für die, die noch suchten, unterwegs.
Auf der Bühne war Carlos, wie üblich in schwarz und als Single, mittendrin, und schloss die Truhe auf, in denen die ganzen alten Lieder, wie festlicher Kleider abgelegt waren und noch darauf warteten, heute losgelassen zu werden, wie feurige Drachen, angelegt, wie die Roben alter Zauberer und Feen, die aufgebrochen waren in das Reich der Herzen.
Für heute blind für heute schon am Ziel aller Sehnsucht.
Er kannte sie alle, ganz genau, hatte jedes von ihnen getragen, wie eine zweite Haut, mit all ihren Schmerzen und der Kraft, die notwendig war, wieder aus ihnen auszusteigen. Wieder einmal die Augen aufzuschließen, für einen grauen Tag. Er kannte sie alle, so langsam und so tief und so genau wie wir, wenn wir uns trafen, um gemeinsam die Stufen hoch zu klettern, die man nur alleine sieht und fühlt so inwendig sehnend, wie ein Ziel, das sonst nur provisorisch und vorübergehend in den Tag sich traute.
Carlos begann einfach, sachte, sang von einer Lady in schwarz, die eines Morgens zu ihm kam, mitten im Winter:

I know not how she found me,
for in darkness I was walking,
and destruction lay around me
from a fight I could not win.

Umgeben von einem Krieg, der schon viel zu lange dauerte, solange es Menschen gab und die Söhne Kains, einem Winter, in dessen gefrorener Erde die Gebeine zermahlen wurden und dessen Schnee, wie ein feiner Schleier mild herab rieselte und die Schädel verhüllte, die so lange schon mitsummten und in die erdige Leere starten. So bleich und schmutzig, wie der Krieg selbst. Wann wird man je verstehen?
Wer im warmen, lichten Raum war, sang mit, einige von ungefähr, andere, wie schwere, reife, wogende Getreidehalme im Wind, lange vor der Ernte:

Daa da da - dada daa - dada daa
Daa - dada da - dada daa

She asked me name my foe then.
I said the need within some men
to fight and kill their brothers
without thought of love or god.

Es war weniger der Zauber, als die Sehnsucht, die, für die wenigen, die es spüren konnten, zwischen all den Nebeln, wie ein heiliger Schauer in der Luft lag. Der Ritus wprkte nachhaltiger, als all der frommen Worte tiefer Schall. Geräumig genug, weit, mit Gänsehautfeeling, der Schauer, nicht mehr länger trauern zu wollen, lachen, weil es keine Tränen mehr gab, nicht mehr länger den giftigen Geschmack der F…lügen auf den Lippen.
Der Funke, der in allen brannte, flackerte grell auf, gepeinigt, heraus gepeitscht und doch vereinend, treffend, aus straff gespannten stählernen Saiten, heulte auf, wie ein unersättlicher, weißer Wolf, auf der Schwelle.
Druide war er, weil er, wie wir, vor dem Spiegel gestanden hatte, bevor er sie anzog, die alten Lieder und sie ausprobierte in seinem Herzen, ihren Geschmack auf den Lippen spürte, und das zarte, alles durchdringende Streicheln auf der Haut, weil er das eine oder andere Make-up dazu ausprobierte, ein Lächeln, ein Blick von der Seite. Einen Ausruf, den wir sonst nur aus dem Halbschlaf kennen und kaum so offen auszusprechen wagen, wenn, dann vorsichtig, wie feines Porzellan oder ein Rätsel, dessen Wert wir noch erschließen müssten.
Er lockte und flirtete, reizte und sie spiegelten alles zurück, fordernd, mehr, magis, lüstern, begierig und jetzt, diesseitig, saugend, was er versprach: I came for you – für die Warteten, die viel zu lange schon warteten und die ganze Energie in flimmernden Wellen zurückwarfen, wie eine singende Wand:

Get your carpet baggers off my back
Girl give me time to cover my tracks
You said, "Here's your mirror and your ball and jacks"
But they're not what I came for
so much more - I came for you
Crawl into my ambulance
Your pulse is getting weak
Reveal yourself all to me now -I came for you!

…und immer weiter, getrieben von Pan, dem lockenden Pfeifer:

Yes, there are two paths you can go by, but in the long run
There's still time to change the road you're on
And it makes me wonder - Ow-ow-o-ow

Your head is humming and it won't go,
in case you don't know
The piper's calling you to join him

And she’s buying a stairway to heaven…
11efish
 
Beiträge: 8
Registriert: 24.11.2014, 17:34

Re: Gekreuzte weiße F-Lügen / Lady in Black

Beitragvon feepz » 06.01.2015, 22:51

hi 11efish!

Vorweg mal ich finde deinen Auszug durchaus interessant, anfangs vielleicht etwas schwer hineinzukommen, aber wenn man sich erst einmal eingelesen hat, macht es richtig Spaß. Besonders der Text des Liedes gefällt mir.
11efish hat geschrieben:und schloss die Truhe auf, in denen die ganzen alten Lieder, wie festlicher Kleider abgelegt waren und noch darauf warteten, heute losgelassen zu werden

Die Stelle finde ich absolut toll!

Meine Anregungen:

11efish hat geschrieben:Roben alter Zauberer und Feen
tragen Feen wirklich Roben? Hier würde es mir besser gefallen wenn du entweder die Roben in Gewandungen oä umänderst oder die Feen weglässt.

11efish hat geschrieben:Für heute blind für heute schon am Ziel aller Sehnsucht.
nach dem ersten blind würde ich einen Punkt machen. Für heute blind. Für heute schon am Ziel aller Sehnsucht.

11efish hat geschrieben:wie ein feiner Schleier mild herab rieselte und die Schädel verhüllte, die so lange schon mitsummten und in die erdige Leere starten.

passender wäre finde ich um die Schädel zu verhüllen, die... sind sonst ein bisschen gar viele unds in einem Satz.

Wobei ich zugeben muss, ich liebe solche Schachtelsätze heiß! :)

11efish hat geschrieben:Wer im warmen, lichten Raum war, sang mit
Würde den Satz hier beenden und dann mit Einige von ungefähr... als neuem Satz beginnen.

11efish hat geschrieben:wie schwere, reife, wogende Getreidehalme im Wind, lange vor der Ernte:

Sind Getreidehalme wirklich schon lange vor der Ernte reif und wogend? Impliziert Reife nicht die bald bevorstehende Ernte?

11efish hat geschrieben:für die wenigen, die es spüren konnten
Ich denk Wenigen schreibt man in dem Fall groß.

11efish hat geschrieben: Geräumig genug, weit, mit Gänsehautfeeling,
Geräumig genug. Weit. Mit Gänsehautfeeling. Würde für mich stimmiger klingen, da die drei meinem Empfinden nach nicht direkt zusammenhängen.

11efish hat geschrieben:wie ein unersättlicher, weißer Wolf, auf der Schwelle.
Auf der Schwelle zu was? Der Vergleich irritiert mich etwas. Ich kann zwar so einiges hineininterpretieren, aber der Satz wirkt für mich dadurch unvollkommen.

Ich hoffe du kannst meinen Anregungen etwas abgewinnen. Ich fand deinen Auszug spannend, teilweise etwas überarbeitungswillig aber auf jeden Fall sehr interessant.
Lg
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