[Reiseb] Gelobt seist du, weisser Mönch!

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[Reiseb] Gelobt seist du, weisser Mönch!

Beitragvon Joleen » 12.10.2011, 11:51

Eine weisse Villa irgendwo in Frankreich. Irgendwo? Naja, es war in der Nähe von Caro. Und Caro liegt etwa 50 Minuten entfernt von Marseille. Vielleicht auch ein bisschen mehr.
Es war etwa im Jahre 2008, als ich mit meiner Familie durch Frankreich Richtung Meer fuhren. Es war noch vor dem Cole de Catasso als wir zu dieser Villa kamen. Ein Mann stand da. Er kam gerade aus diesem Haus. Weiss gekleidet stand er da und in der einen Hand lag eine Kette. Vielleicht war sie silbern, vielleicht auch braun. Ich weiss es nicht mehr.
Er schien Mönch zu sein. Ein weisser Mönch. Seine Kleider waren lange und sauber. Er hatte ein Kleid an. Aber sollte vielleicht au so sein.
Als ich nun mit meiner Familie an diesem Mönch vorbeifuhr, hob er grüssend die Hand mit der Kette. Nur für einen Moment. Dann kam die Kurve und der Mönch verschwand aus unserem Blickfeld.
Es war eine heilige Minute. Für uns alle.
Jedes Jahr im Herbst fahren wir an diesem Haus vorbei. Als es in Sicht kam, fragte mein Bruder:
„Ob wir ihn heute wohl wieder sehen werden?“
Er stand nicht da. Aber letztes Jahr stand er auch nicht mehr da. Ich weiss, dass dieser Moment uns irgendwie zusammenbrachte. Der erhobene Arm mit der Kette.
Dieser heilige Moment.
Vielleicht ist der Mönch tot. Und er wollte noch etwas Gutes tun. Vielleicht war es auch eine höfliche Geste gegenüber den Ausländern, die wir ja waren.
Vielleicht lebt er auch noch. Er sitzt gerade am Tisch und isst mit seinen Mitbrüdern. Oder er schläft und freut sich über das Leben. Und doch wird er niemals erfahren, was dieser Arm für uns bedeutet hat. Denn auch wir wissen es noch nicht ganz.
Aber wenn er tot ist, wird Gott ihn zu diesem Jahre zurückführen, und ihm zeigen, was das für uns bedeutet hat.
Gelobt seist du, weisser Mönch!
Zuletzt geändert von Joleen am 19.03.2014, 14:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Gelobt seist du, weisser Mönch!

Beitragvon Cornelius » 13.10.2011, 17:04

Hi Joleeen,

so als Anekdote find ich solche Texte klasse, sie greifen eine Situation aus dem Leben und schildern diese in vielen farben, sowas find ich immer klasse....
Trotzdem habe ich einige kleine Unstimmigkeiten entdeckt( du findest bei mir ja auch immer was :D )
Es war etwa im Jahre 2008,

Äh das etwa passt hier nicht, würde vor 2-3 Jahren schreiben u.ä
als ich mit meiner Familie durch Frankreich Richtung Meer fuhren

....ich...fuhr...
Seine Kleider waren lange

es müßte heißen seine Kleider waren lang-eben Singular,
heißt das bei Mönchen nicht Soutane?
hob er grüssend die Hand mit der Kette

Kette? Rosenkranz oder so eine richtige Silberkette
wie diese Räucherfässer haben?

Jedes Jahr im Herbst fahren wir an diesem Haus vorbei. Als es in Sicht kam, fragte mein Bruder:

Zwei Zeiten in einem Satz, finde ich sehr verwirrend.Mach doch einen Satz mit einer Zeit daraus, ließt sich dann glaube auch besser :D

Er stand nicht da. Aber letztes Jahr stand er auch nicht mehr da

Äh ja- würde schreiben:
Wir sind jetzt einige Male wieder an diesem Haus vorbei gefahren,der Mönch war nicht da.
ber wenn er tot ist, wird Gott ihn zu diesem Jahre zurückführen

Ich vermute Gott in seiner Allwissenheit wird ihm nicht nur zu 2008 zurückführen, sondern genau zu diesem Punkt, wo eure leben sich gekreuzt haben, für wenige Sekunden.

PS: In Frankreich gibt es einige Orden wo Mönche weiß tragen, hab auch schon welche gesehen, in der Bretagne allerdings...
Grüsse

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Re: Gelobt seist du, weisser Mönch!

Beitragvon DrBuch » 23.12.2011, 15:39

Die Geschichte hat mein Vorredner zwar schon umfassend geschildert, jedoch will auch ich noch etwas dazu schreiben. Für mich ist das kein typischer Reisebericht, aus dem einfachen Grunde, da die Reise selbst eigentlich nur am Rande steht, und die Begegnung mit dem Mönch vordergründig ist. Das muss ja nicht während einer Reise gewesen sein, kann auch auf dem Weg zur Arbeit, Tagesausflug oder ähnliches geschehen sein. Zudem fehlt mir ein wenig die Beschreibung der Gegend, was für einen Reisebericht wesentlich wäre, z.B. "Wir fuhren gerade die Bergpässe hinab, da kam sie die Kurve, wir wussten genau was hinter ihr liegen würde, nämlich das von Zitronenbäumen umgebene Anwesen, direkt am Rande eines Sees" Verstehst du was ich dir sagen will ?, also ein kleiner Blick auf die Umgebung, wenn auch nur in 2,3 Sätzen fehlt der Geschichte noch.
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Re: [Reiseb] Gelobt seist du, weisser Mönch!

Beitragvon Traveline » 17.04.2015, 16:44

Hallo Joleen,

Dein Beitrag gefällt mir gut. Meiner Meinung nach drückst Du anschaulich aus, wie sehr Dich die kurze Begegnung mit dem Mönch berührt hat. Das zeigt eine Offenheit für die Magie mancher Momente und das finde ich schön.
Ansonsten fiel mir beim Lesen folgendes auf:

Eine weisse Villa irgendwo in Frankreich. Irgendwo? Naja, es war in der Nähe von Caro. Und Caro liegt etwa 50 Minuten entfernt von Marseille. Vielleicht auch ein bisschen mehr.


Den ersten Satz finde ich schön und geheimnisvoll, er rief bei mir Bilder hervor. Finde die Beschreibung des Ortes dann aber etwas zu langatmig, besonders wenn einem Caro nichts sagt. Fände "in der Nähe von Marseille" ausreichend.

Es war noch vor dem Cole de Catasso als wir zu dieser Villa kamen. Ein Mann stand da. Er kam gerade aus diesem Haus. Weiss gekleidet stand er da und in der einen Hand lag eine Kette. Vielleicht war sie silbern, vielleicht auch braun. Ich weiss es nicht mehr.


Interessanter dagegen fände ich eine genauere Beschreibung des Mönches, um ihn dreht es sich ja in der Hauptsache. Lese heraus, dass er ein älterer Mann war. Was für einen Gesichtsausdruck hatte er? War seine Haut eher dunkel oder hell? Fände Informationen solcher Art hilfreich für die "inneren Bilder".

Als ich nun mit meiner Familie an diesem Mönch vorbeifuhr, hob er grüssend die Hand mit der Kette. Nur für einen Moment. Dann kam die Kurve und der Mönch verschwand aus unserem Blickfeld.
Es war eine heilige Minute. Für uns alle.


Diese Sätze lesen sich für mich spannend und anschaulich. Sie enthalten genau die richtige Anzahl von Informationen, nicht zu viel und nicht zu wenig. Somit lesen sie sich flüssig und spannend gleichzeitig.

[quoteJ]edes Jahr im Herbst fahren wir an diesem Haus vorbei. Als es in Sicht kam, fragte mein Bruder:
„Ob wir ihn heute wohl wieder sehen werden?“[/quote]

Hier verdeutlichst Du nochmals wie Euch die Begegnung mit dem Mönch nach hing. So wie ein Ausrufezeichen hinter den vorangegangenen Sätzen. Bloß die Zeiten sind durcheinander, da irritiert etwas. Glaube aber, dass darauf schon andere hingewiesen haben :D

Ich weiss, dass dieser Moment uns irgendwie zusammenbrachte. Der erhobene Arm mit der Kette.
Dieser heilige Moment.


Finde ich einen wunderschönen Satz. Er scheint die Kernaussage in leichten Worten auf den Punkt zu bringen. Diese besteht für hauptsächlich im Berührt sein und Staunen. Staunen darüber, dass zwischen fremden Menschen-mit sehr unterschiedlichen Hintergründen- in einer Sekunde solch eine Verbindung entstehen kann, noch dazu völlig ohne Worte. Eine der Sekunden in denen alles andere ausgeblendet ist und die Zeit still zustehen scheint. Ich denke jeder von uns kennt solche Momente, Momente die man zeitlebens nicht mehr vergessen wird. Die dem Leben eine wohltuende Intensität verleihen.
Hab ich die Kernaussage richtig interpretiert?

Vielleicht lebt er auch noch. Er sitzt gerade am Tisch und isst mit seinen Mitbrüdern. Oder er schläft und freut sich über das Leben. Und doch wird er niemals erfahren, was dieser Arm für uns bedeutet hat. Denn auch wir wissen es noch nicht ganz.


Auch das liest sich schön und verleiht dem Text Tiefe. Lediglich"dieser Arm"passt nicht ganz rein, das klingt etwas abgehackt. Fände zum Beispiel "Geste" treffender.

Gelobt seist du, weisser Mönch!


Gefällt mir gut da Du viel Achtung vor dem Mönch damit ausdrückst. Im übrigen finde ich, dass dieser einen sehr sympathischen Eindruck macht- sogar ohne ihn gesehen zu haben. Du vermittelst Deine Faszination für ihn also sehr gut.

Hoffe mein Kommentar bringt Dir bisschen was. :)

Grüßle Traveline
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Re: [Reiseb] Gelobt seist du, weisser Mönch!

Beitragvon Nadim22 » 31.05.2015, 00:25

Hallo Joleen!

Bevor Du anfängst zu lesen: Ich möchte klarstellen, dass das Folgende rein subjektiv ist. Nimm Dir nicht alles zu Herzen. Kritik ist dazu da, um besser zu werden.

Joleen hat geschrieben:Irgendwo? Naja, es war in der Nähe von Caro. Und Caro liegt etwa 50 Minuten entfernt von Marseille. Vielleicht auch ein bisschen mehr.


Mmh. Vielleicht besser: "Es war in der Nähe von Caro, etwa 50 Minuten entfernt von Marseille."
Den Rest empfinde ich als überflüssig.

Joleen hat geschrieben:Es war etwa im Jahre 2008, als ich mit meiner Familie durch Frankreich Richtung Meer fuhr. Es war noch vor dem Cole de Catasso als wir zu dieser Villa kamen.


Besser: "Noch vor dem Cole de Catasso kamen wir zu dieser Villa. Vielleicht ergänzt man vor "Villa" noch ein Adjektiv, um es anschaulicher zu machen.

Joleen hat geschrieben:Ein Mann stand da. Er kam gerade aus diesem Haus. Weiss gekleidet stand er da und in der einen Hand lag eine Kette. Vielleicht war sie silbern, vielleicht auch braun. Ich weiss es nicht mehr.
Er schien Mönch zu sein. Ein weisser Mönch.


Stell um. "Da stand ein Mann. Er kam gerade heraus. Weiß gekleidet, mit einer Kette in der Hand."
Was für eine Kette eigentlich? Eine zum tragen? Eine um nen Fahrrad zu sichern? Sei genauer.
Und lass die letzten beiden Sätze weg. Du wirst merken, dass sie nichts beitragen.

Joleen hat geschrieben:Ein weisser Mönch. Seine Kleider waren lange und sauber.


War der Mönch weiß, oder seine Kleider?? Zumindest waren sie sauber haha

Joleen hat geschrieben:Er hatte ein Kleid an.


Der Mönch würde antworten: "Kutte". Wie in "Mönchskutte" :D

Joleen hat geschrieben:Aber sollte vielleicht au so sein.


Ähhh. Weglassen.

Joleen hat geschrieben:Als ich nun mit meiner Familie an diesem Mönch vorbeifuhr, hob er grüssend die Hand mit der Kette. Nur für einen Moment. Dann kam die Kurve und der Mönch verschwand aus unserem Blickfeld.


Ok. Also. Erster Satz: WEGLASSEN! Wir wissen schon noch, dass sich weder das Auto noch die darinsitzende Familie von einer Sekunde auf die andere aufgelöst hat. Falls Stephen King das hier lesen sollte...gerngeschehen! Aber ich will in den Credits genannt werden!

Schreib einfach: "Er hob grüßend die Hand, bevor er nach der Kurve aus unser aller Blickfeld verschwand."
Das hier soll anscheinend den einen Moment darstellen, der die Erzählung hat erst entstehen lassen. Deshalb: Wenn Du wo ausholen willst, dann hier.

Joleen hat geschrieben:Jedes Jahr im Herbst fahren wir an diesem Haus vorbei. Als es in Sicht kam, fragte mein Bruder:
„Ob wir ihn heute wohl wieder sehen werden?“


Unzulässiger Zeitsprung. Versuchs mal so: "Jeden Herbst fahren wir an diesem Haus vorbei. Und immer dann, wenn es in Sicht kommt, fragt mein Bruder erneut: "Ob wir ihn wohl wiedersehen?"

Joleen hat geschrieben:Er stand nicht da. Aber letztes Jahr stand er auch nicht mehr da.


Ich...ähm...na schön. Wo soll ich anfangen? Vielleicht eher: "Er stand nicht da, wie auch letztes Jahr und das Jahr zuvor."

Joleen hat geschrieben:Ich weiss, dass dieser Moment uns irgendwie zusammenbrachte. Der erhobene Arm mit der Kette.


Fang mit "Der erhobene Arm (...)" an. Danach den ersten Satz.

Joleen hat geschrieben:Dieser heilige Moment.


Streich das "heilig". Der Leser hat die Bedeutung des Moments durch die "heilige Minute" von oben bereits verinnerlicht.

Joleen hat geschrieben:Vielleicht war es auch eine höfliche Geste gegenüber den Ausländern, die wir ja waren.


"(...) gegenüber uns Ausländern."

Joleen hat geschrieben:mit seinen Mitbrüdern


"Brüdern"

Joleen hat geschrieben:Oder er schläft und freut sich über das Leben.


Im Schlaf freue ich mich auch immer am meisten über das Leben :p

Joleen hat geschrieben:Und doch wird er niemals erfahren, was dieser Arm für uns bedeutet hat. Denn auch wir wissen es noch nicht ganz.


Der Arm??? Nicht der Moment? Also weiß keiner von euch, was dieser "Arm" genau bedeutet? Naja, ich weiß es auch nicht, also daher...

Joleen hat geschrieben:Aber wenn er tot ist, wird Gott ihn zu diesem Jahre zurückführen, und ihm zeigen, was das für uns bedeutet hat.


Also weiß keiner der Beteiligten, was dieser "Arm" an bedeutungsträchtiger Symbolik mit sich bringt, aber Gott weiß es? Für solche Fälle ist er vermutlich auch allwissend.

Joleen hat geschrieben:Gelobt seist du, weisser Mönch!


An sich habe ich hier nichts dran auszusetzen, außer, dass es recht sakral ist und vom rein Sprachlichen her mit dem Zuvorgeschriebenen bricht.
Anmerken möchte ich nur, dass mir die Formulierung etwas Angst macht :/ Das haben Menschen an anderer Stelle in der Geschichte ("Südstaaten" *hust*), bestimmt genauso gesagt...aber ich schweife ab.

Also Joleen, ich weiß nicht wie alt Du bist, aber der Text an sich braucht - wie Du selbst wohl ebenso zugeben musst - trotz aller Kürze, eine Menge Nachbearbeitung. Du solltest Dich jedoch, egal was Du hier in den Kommentaren zu lesen bekommst, niemals davon abhalten lassen weiter zu schreiben. Denn wie auch bei so vielen anderen Dingen gilt hier: Übung macht den Meister!

Das Positive am Text ist genau dieses Naive, das gleichsam sympathisch ist. Man merkt auf jeden Fall, das der Moment eine besondere Bedeutung für Dich hat, und das wolltest Du ja auch vor allem mitteilen ;)

Beste Grüße,

Nadim

P. S.: Ich merke gerade, dass Du das vor 4 Jahren hochgeladen hast...jetzt wird mir einiges klar. Nichts für ungut! :) Oh, und "Mein Leben als Kaugummi" ist nebenbei richtig gut! Wollt ich nur mal gesagt haben.
“Nothing of me is original. I am the combined effort of everyone I've ever known.”

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