[Surr|Spannung|Liebe|Nachd]Geschichte über Träume (1/x)

Gesellschaft, Kritik, Philosophisches

[Surr|Spannung|Liebe|Nachd]Geschichte über Träume (1/x)

Beitragvon Primeltoaster » 10.03.2015, 11:08

Hey, ich bin neu hier und würde euch gerne ohne jegliche Voreingenommenheit einen Text von mir vorstellen. Er besteht bis jetzt aus etwas mehr als 4000 Wörtern, deswegen muss ich ihn auch in mehreren Teilen veröffentlichen. Über einige Feedbacks von geduldigen Lesern zu allem, was euch auffällt, egal ob Stil oder Inhalt, und auch Spekulationen zum Weiterverlauf der Geschichte würde ich mich sehr freuen. (Es existiert in meinem Kopf eine Art Exposé zur Story, würde mich allerdings interessieren, was ein Leser nach Bisherigem erwartet, wie es weitergehen könnte und was im Endeffekt das Thema, der Konflikt etc. ist oder sein wird, falls man dazu Aussagen machen kann).

--- Teil 1 ---

Prolog

Die Tür öffnet sich. „Hey…“, tönt es leise, schüchtern, schallend. Fast etwas zerbrechlich, aber wunderbar. Ich erkenne sie sofort. Nicht, weil ich sie sehe. In dem grellen, weißen Raum kann ich fast nichts sehen. Nur die einsame, hölzerne Tür mitten im Nichts. Plötzlich erkenne ich sie ganz deutlich, sie wird scharf. Das abgesplitterte Holz, die Kratzer. Ich weiß es genau, ich kenne diese Tür. Doch noch weiß ich nicht, woher. Langsam wird der Spalt zwischen Tür und Rahmen größer, knarzend schiebt sich die Tür weiter auf. Der Schatten, den die Türöffnung in dem großen, grellen Raum wirft, wird immer größer und dunkler. Angestrengt starre ich zur Tür, schließe meine Augen nicht ein einziges Mal. Ich muss sie wiedersehen. Darf sie nicht verpassen. Als würde mit jedem Wimpernschlag die Gefahr größer, sie könnte mir entgleiten. Wieder schallt laut und hallend ein einzelnes Geräusch durch die leere Welt. Ein Schritt. Ihr Schritt. Ich erinnere mich, dass sie etwas gesagt hat. „Äh.. Hi.“, verdammt. Nicht einmal hier kann ich ihr vernünftig entgegnen. „Verbesserungswürdig…“, denke ich leise. Doch das stört sie nicht. Ich fühle es. Noch ein Schritt. Allmählich kann ich ihre Konturen aus dem Türrahmen treten sehen, das schwache Knarzen der Tür ist verharrt. Ich habe sie vermisst. Das fühle ich auch, obwohl es keine sonderliche Kunst sein mag. Ihr Gesicht wird deutlich, ihr Körper durch das grelle Licht aufgehellt. Ich erkenne ihre Haare, ihr Gesicht. Endlich kann ich in ihre Augen blicken, um Hoffnung, und trotzdem Angst zu erfahren. Geheimnisvoll und neugierig schaut sie zu mir. Noch nie hat sie ein solches Interesse an mir gezeigt, mich überhaupt begrüßt. Oder beachtet. Nicht einmal im Traum. Ich verfolge weiter, wie sie zum Leben zu erwachen scheint. Ihre Nase, ihre Wangen, ihr Mund, Sommersprossen. „Hilfe!“, fluche ich verzweifelt in mich hinein, ihr Mund… Sie formt ihn zu einem, genau diesem unvergleichbaren Lächeln, wie ich es schon sooft regelrecht gespannt beobachtet habe. Gebannt glotze ich zu ihr, jede Pore, jede Besonderheit, jeden Makel ihres Gesichts erforschend. Ich muss bestimmt aussehen wie ein Hund, der auf sein Fressen wartet, lechzend, hechelnd, die Augen weit hervortretend, aber das spielt hier keine Rolle. Ich muss breit grinsen bei der Vorstellung, und ihr Lächeln wird ein Fünkchen breiter, als müsste sie lachen. Ich kann es gar nicht fassen. Langsam gleitet mein Blick an ihrem Hals herunter, auch wenn eines meiner Augen an ihrem Gesicht und ihrem herausfordernden Blick festzuhängen scheint. Unterhalb ihres Halses wandert mein Blick über ihre Schultern, die leicht angedeuteten Schlüsselbeine in Augenschein nehmend. Bei diesem Anblick könnte ich aufspringen vor Freude, auf enthusiastischste Art und Weise losrennen und Blümchen pflücken gehen. Aber ich bleibe lieber sitzen und starre sie weiter sehnsüchtig an. Dies scheint mir in Anbetracht der Tatsache, dass ich nicht einmal weiß, wo es hier Blümchen zum Pflücken gibt, eine wesentlich vernünftigere Entscheidung. Gut so. Ein Stück weiter unten finde ich noch zwei weitere wunderbare Gründe, um Blumen pflücken zu gehen. Ich rolle mit den Augen als Applaus für meinen eigenen fabelhaft idiotischen Gedanken. Sie versteht, was ich meine. Sonst würde sie wohl nicht so genial grinsen, nehme ich an. Ich verfolge das schwarze Oberteil weiter zu ihrem Bauch, der mir ebenfalls souverän und attraktiv erscheint, um nicht zu sagen perfekt, wie immer. Ihre Taille mit den Augen abmessend frage ich mich, ob ihre Beckenknochen wohl auch ein Wenig hervortreten. Als ich mich gerade ihren Oberschenkeln widmen möchte, verschlucke ich mich gedanklich und unterbreche mich selbst bei meiner Erforschungsorgie. Hat sie etwas gesagt? Eine halbe Ewigkeit muss ich sie schon herauf- und herabgemustert haben, sagt mir mein Gefühl. Naja. Bis jetzt vielmehr nur halb-herab. „Was machst du?“, unterbricht sie genau jetzt meine verworrenen Gedankengänge mit sowohl einfacher, als auch merkwürdig sinnloser Frage. Ich muss mich zurückhalten, nicht mit meiner ironischen Standardantwort der letzten Wochen auf diese Frage zu entgegnen, Spaß haben. Auch wenn es ernsthaft gemeint die wohl treffendste Beschreibung dieser infernalisch wohltuenden Situation gewesen wäre. Ich habe Spaß. Eine ganze Menge sogar. Ich entscheide mich dann auf gewohnt minderbemittelt spontane Weise für „Och… ich sitz hier nur so rum.“ als Antwort. Wie ironisch diese Antwort falsch betont klingen kann, fällt mir natürlich erst auf, nachdem ich sie über die Lippen gebracht habe. Aber sie lacht, Glück gehabt. „Und… du so?“, frage ich kleinlaut nach, während meine Schweißdrüsen schon auf Hochtouren versuchen, das in Schweiß-Sprache für mich zu übernehmen. So herzlich putzig und hilfsbereit, diese kleinen Dinger. „Och… ich steh hier nur so rum.“, erwidert sie humorvoll. Ich muss lachen. Da sag noch einer, Smalltalk sei langweilig.
Plötzlich spüre ich einen kalten Windzug. Ich merke, wie es düster wird um mich herum, und auch um sie. Die kreischende Stille wird unterbrochen, ich höre Wassertropfen. Erst einen einzelnen, dann einen Zweiten. Und einen Dritten. Tropf, tropf, tropf. Ich fühle, wie meine Haare langsam durchnässt werden, wie ich immer mehr Tropfen auffange. Ich sehe mich um. Alles verschwimmt, ich erkenne nur Konturen der regnerischen Innenstadt. Doch ich erkenne die gewaltigen, alten Gemäuer im Hintergrund, der zerfallene Bahnhof, nur eine Silhouette. Ich blicke zum grauen Himmel auf, von wo aus es nun in Strömen regnet, heftig, wie aus Eimern auf uns beide herab. Uns beide. Ich drehe meinen Kopf wieder zu ihr und erfasse unscharf und farblos ihr besorgtes Gesicht. Zum ersten Mal stehe ich auf und bemerke, dass ich nasse, kalte Füße habe. Ich habe die ganze Zeit gesessen? Nachdem ich kurz an mir heruntergeblickt habe, bin ich um die nützliche Erkenntnis bereichert, dass ich knöcheltief in einer Pfütze stehe. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Aber ich bemerke, dass sie etwas sagt, oder vielmehr sagen will. Ihre blassen Lippen bewegen sich langsam, fast wie in einem Rhythmus, wie in Zeitlupe. Obwohl ich genau hinhöre, übertönt der strömende, immer lauter und bedrohlicher werdende Regen alles um uns herum. „Ich verstehe dich nicht!“, schreie ich mit aller Kraft, ohne auch nur einen Laut meiner eigenen Stimme hören zu können. Die Worte scheinen in meiner Kehle stecken zu bleiben. Hoffnungsvoll schaue ich in ihre traurigen Augen, die mir etwas mitteilen wollen. Sie suchen verzweifelt die Umgebung ab, als hätten sie Angst. „Es tut mir Leid…“, dröhnt es auf einmal ohrenbetäubend aus allen Richtungen in einer verzerrten, schroffen Stimme. Asynchron dazu bewegt sie noch immer ihre Lippen, ich sehe an ihrem Gesicht, dass es ihr Leid tut. Aber was? „Ich muss jetzt gehen.“, höre ich nun klar und deutlich ihre einzigartige Stimme. Sie tritt vorsichtig einen Schritt zurück und dreht sich um, sprachlos stehe ich da, in meiner Pfütze, wie versteinert. Ein Spiegelbild zeichnet sich in der Glasscheibe der weißen Tür vor ihr ab. Ihre Haare sind nass, tröpfchenweise fließt der farblose Regen an ihren Wangen hinunter. Langsam und bedacht greift sie die Türklinke und zieht die Tür daran ein Stück weit auf. Jetzt ein Schritt in den Türrahmen hinein, um mir über die linke Schulter noch ein letztes Mal für heute einen magischen Blick zuzuwerfen, bevor sie endgültig in dem grau-weißen, geradezu sterilen Treppenhaus verschwindet. Klack.

--- Zum zweiten Teil... Nächster ---

P.S.: Darf man die 1000-Wörter-Regel ein bisschen überschreiten, wenn es besser zu den Absätzen passt? Ok :)
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Re: Geschichte über Träume (1/x) [Surr|Spannung|Liebe|Nachd]

Beitragvon Sasskia » 10.03.2015, 21:21

Huhu Primeltoaster!

Welch martialischer Nick. :-|
Nachdem ich sowas von einem mörderischen Daumen (im Gegensatz zum "Grünen Daumen") hab, fall ich jetzt, völlig unvoreingenommen, über deinen Text her. :reading:

Bitte bedenke, dass die mein persönlicher Eindruck ist und voller Respekt für dein "Baby" vorgetragen wird.
Und jetzt geht's los:

Leider hast du darauf verzichtet, deinen Text zu gliedern. Das würde ich als ersten Schritt vorschlagen.

„Hey…“, tönt es leise, schüchtern, schallend.


Leise, schüchtern und dann schallend? Meinst du, das Wort hallt in der Leere des Raumes?

„Äh.. Hi.“, verdammt. Nicht einmal hier kann ich ihr vernünftig entgegnen. „Verbesserungswürdig…“, denke ich leise.


"Äh ... hi." Verdammt. wäre mein Vorschlag dazu.
Ihr vernünftig antworten? Entgegnen bedeutet doch, du widersprichst ihr.
Und ich gehe davon aus, dass du leise denkst. Oder schreist du dich normalerweise an?

... das schwache Knarzen der Tür ist verharrt


Ähm. :thinking:
Was soll das bedeuten?
Hat es aufgehört? Steht es reglos im Raum?

Ich habe sie vermisst. Das fühle ich auch, obwohl es keine sonderliche Kunst sein mag.

Ich denke, du hast das Mädchen vermisst, nicht das verharren des Knarzens.
Aber was meinst du mit "obwohl es keine sonderliche Kunst sein mag"?

Geheimnisvoll und neugierig schaut sie zu mir


Darunter kann ich mir nichts vorstellen.

Nicht einmal im Traum


Ich dachte, das wäre ein Traum? Jetzt bin ich verwirrt.

„Hilfe!“, fluche ich verzweifelt in mich hinein, ihr Mund ...


Wieso fluchst du in dich hinein? Wieso "hilfe"?

Und ab jetzt hab ich ein Problem. Es geschieht nichts.
Ich weiß nicht, weshalb dich leicht angedeutete Schlüsselbeine in Ekstase versetzen können.
Es irritiert mich, dass ein Auge auf ihrem Gesicht kleben bleibt, während das andere Auge auf besagte Schlüsselbeine reagiert.
Im Prinzip benennst du das, was du da beschreibst, sehr treffend in einem Wort: Erforschungsorgie
Nur, weshalb sollte mich das interessieren?

Dann regnet es, du erkennst, dass du sitzt, nasse Füsse hast und sie geht wieder.
Nein, Moment. Da war noch der magische Blick und das grau-weiße, geradezu sterile Treppenhaus.

Mir ist klar, dass ein Traum verworren und durchaus abstrakt abläuft.
Doch bisher hab ich keine Ahnung, worauf du hinauswillst.
Sehr wahrscheinlich wäre ich als "unbedarfter" Leser über die ersten Zeilen nicht hinausgekommen.

Vor allem beginnst du mit einer "hölzernen Tür" mitten im Nichts, die am Schluß eine Glastür wird.
Ja, ich bin verwirrt :XD:

Teilweise spricht mich dein Schreibstil schon an, nur den Sarkasmus kann ich nicht einordnen.
Soll das witzig sein? Die Unsicherheit deines Prota unterstreichen?

Vielleicht wird mit dem 2. Teil deiner Geschichte einiges klarer :wink: , sonst würde ich dir vorschlagen, den Text ein wenig zu straffen.

Liebe Grüße aus Wien

Sasskia :girl:
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Re: Geschichte über Träume (1/x) [Surr|Spannung|Liebe|Nachd]

Beitragvon JimPhrasenlaus » 12.03.2015, 01:01

Hallo Primeltoaster.

Ich finde den Titel ansprechend, daher habe ich angefangen zu lesen. Ich finde deinen Schreibstil im übrigen sehr ansprechend. Aber als ich auf die Geschichte sah, da war mein erster Gedanke in der Tat "Wo sind die Absätze?" Ich finde es ein wenig überfordernd, wenn man einen so langen Text sieht, der keine Absätze aufweist. Mit mehr Gliederung wird der Text sicher einladender aussehen.
Nun zum Inhalt. Ich kann deinen Gedanken darin sehr gut folgen. Ich finde es eine bisher wirklich schöne Geschichte, und kann dazu nur sagen, dass ich selber auch manchmal solche Gedanken habe.

Ich erinnere mich, dass sie etwas gesagt hat. „Äh.. Hi.“


Von meiner Person aus, finde ich das sehr Realitätsnah. Eine wirklich treffende Formulierung! Es kommt zwischendurch tatsächlich vor, wenn mich das Aussehen einer Person überwältigt, dass ich als entgegnende Grussformel nicht mehr zustande bringe als "Ähh..." :mrgreen:

„Verbesserungswürdig…“, denke ich leise.


Hier würde ich mich dem vorangegangenen Kommentar von Sasskia anschließen. In verschiedenen Lautstärken denken ist mir bisher nicht untergekommen. Ich weiß aber, was du damit sagen willst, wie wäre es stattdessen mit:
" [...], denke ich stammelnd." Ich weiß nicht inwieweit das sonst vielleicht jemand kennt, aber manchmal haben meine Gedanke in einer solchen Situation Brüche, wie wenn ich stottern würde.

, um Hoffnung, und trotzdem Angst zu erfahren.


Ich finde, dass man doch eher trotz der Angst Hoffnung erfährt. Ich würde den Satz einfach umdrehen: " [...], um trotz meiner Angst Hoffnung zu erfahren." In diesem Zusammenhang würde ich die Angst auf deinen Prota personalisieren.

„Hilfe!“, fluche ich verzweifelt in mich hinein, ihr Mund…


Fluchen finde ich ein zu negatives Wort für die Situation. Außerdem würde ich anstatt ein Komma einen Punkt setzen, um von dem Hilfegedanken besser zu ihrem Mund überzuleiten. Wie wäre es mit:
" "Hilfe!" tönt es aus all meinen Gedanken. Ihr Mund..."

auf enthusiastischste Art und Weise losrennen und Blümchen pflücken gehen.


Ich verstehe leider nicht den Zusammenhang zwischen der Freude über die Schlüsselbeine und die Blümchen... Vielleicht liegt das nur an meinen Mangel an Pflanzenkunde, aber da habe ich länger überlegt.

Aber ich bleibe lieber sitzen und starre sie weiter sehnsüchtig an. Dies scheint mir in Anbetracht der Tatsache, dass ich nicht einmal weiß, wo es hier Blümchen zum Pflücken gibt, eine wesentlich vernünftigere Entscheidung. Gut so.


Da musste ich lachen! Sehr schön und lebensnah formuliert.

Sie versteht, was ich meine. Sonst würde sie wohl nicht so genial grinsen, nehme ich an.


Das "nehme ich an" würde ich streichen. Ich finde, wenn es nur eine Annahme ist, dann sind Zweifel vorhanden. Aber gerade wenn man sich etwas wünscht, sei es in Träumen oder der Wirklichkeit, dann finde ich jedweden Zweifel störend. So, finde ich, würde der Wunsch nach der tiefen Verbundenheit, wenn man doch beinahe schon die Gedanken des anderen lesen kann durch den puren Augenkontakt, perfekt dargestellt werden.

„Och… ich steh hier nur so rum.“, erwidert sie humorvoll. Ich muss lachen. Da sag noch einer, Smalltalk sei langweilig.


Auch wieder ein sehr schöner, komischer Moment. Genau was ich erwarten würde, wenn einer der Gesprächspartner offenbar schüchtern wirkt.

Asynchron dazu bewegt sie noch immer ihre Lippen


Lippen ist plural, deswegen "bewegen".

Jetzt ein Schritt in den Türrahmen hinein, um mir über die linke Schulter noch ein letztes Mal für heute einen magischen Blick zuzuwerfen, bevor sie endgültig in dem grau-weißen, geradezu sterilen Treppenhaus verschwindet.


Mit gefällt das sterile Treppenhaus. Das erscheint mir schon wie ein plötzlicher Bruch, wenn man vorher mit der "rosaroten Brille" gesehen hat, und durch den Regen und die Entschuldigung (wofür nun auch immer) das alles an "Farbe verliert" und in einem Treppenhaus endet, welches man vielleicht in einem Krankenhaus erwarten würde. Oder bei einer Behörde.

Das war es von meiner Seite. Ich hoffe doch auf mehr, dein Text gefällt mir soweit gut. Ich bin gespannt wie es weiter gehen wird. Bisher habe ich den Eindruck, dass es sich hier um einen Traum handelt, vielleicht von einer bereits bekannten Situation, oder auch ein völlig neues, im Traum wirr gestaltetes Umfeld.
Ich vermute der Protagonist erinnert sich an eine schöne, aber auch eine unangenehme Situation mit "ihr". Einerseits schön, weil es am Anfang doch sehr liebevoll ist, andererseits traurig durch den Regen und den abrupten Abschied. Was daraus wird, kann ich nicht erraten, aber ich freue mich auf die Fortsetzung! :)
"Hast du Spaß?"
"Ja..."
"Dann sag das doch auch deinem Gesicht!"
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Re: Geschichte über Träume (1/x) [Surr|Spannung|Liebe|Nachd]

Beitragvon beatrice » 05.06.2015, 00:23

Hallo Primeltoaster!

So ich habe dir ganz unten eine kleine Zusammenfassung geschrieben, ich fange jetzt einfach direkt an zu kommentieren:

Die Tür öffnet sich.


Dass die Tür sich öffnet, ist ein schöner Anfang. Hat etwas von "der Vorhang geht auf".

„Hey…“, tönt es


Dass als nächstes ein akustischer Reiz kommt, passt dazu. Das ist in etwa so, als würde die Musik des Orchesters einsetzen und das Stück beginnen. Das "Hey..." an dieser Stelle klingt als sei sich jemand nicht ganz sicher, ob er eintreten soll, denn du setzt Punkt dahinter. Gleichzeitig tönt die Stimme, wenn eine Stimme aber tönt, ist sie voller Kraft und trägt eine Melodie in sich. Ich finde das passt nicht zusammen.

„Hey…“, tönt es leise, schüchtern, schallend.


Hier erneut: tönt und schallend passen zusammen; leise und schüchtern passen zusammen; ich bin verwirrt, wie denn jetzt die Stimme eigentlich klingt. Zusätzlich finde ich, dass die Adjektive das Verb tönen ein wenig abschwächen. Unter tönen kann ich mir etwas vorstellen, eine Stimme, die tönt, trägt Fröhlichkeit in sich und zeugt von Selbstvertrauen, eine Stimme die "schallend" tönt, ist entweder eine Wortdopplung oder das schallend ist auf die Räumlichkeit bezogen. Die Stimme kommt von außerhalb der Tür, vielleicht klingt sie in einem Gang und dort hallt es, deshalb könnte sie "schallend" sein. Aber wie kann sie gleichzeitig leise und schüchtern sein?
Mein Vorschlag:
Entscheide dich in welcher Art und Weise die Stimme klingen soll, wenn du betonen willst, dass es eine melodische Stimme ist, dann würde ich die Punkte bei dem "Hey" weglassen, vielleicht ein Ausrufezeichen setzen, das Verb tönen lassen und dir entweder anstatt der Adjektive einen Vergleich ausdenken, der die Stimme näher beschreibt, oder darauf eingehen, aus welcher Richtung die Stimme kommt. Das wäre vielleicht sowieso gut, weil dann klar ist, dass nicht jemand in dem Raum denjenigen hinter der Tür begrüßt.
zB: "Hey!", tönt es aus dem Spalt.

Willst du auf das Leise und Schüchterne eingehen, dann nutze ein anderes Verb, wie zum Beispiel flüstern, wispern, hauchen, säuseln, raunen...
"Hey..." , wispert es in den Raum hinein.

Vielleicht ist Person ein wenig schüchtern und traut sich nicht so ganz einzutreten, dann könntest du ihr auch einen fragenden Charakter verleihen:
"Hallo?" , fragt eine Stimme

Fast etwas zerbrechlich, aber wunderbar.

Hier kann ich mir nichts darunter vorstellen, anscheinend freut sich der Erzähler darüber, oder ist es eine klangvolle Stimme? Aber sie ist zerbrechlich, wie hört sich denn eine zerbrechliche Stimme an? Meinst du zerbrechlich im Sinne von "darauf muss man aufpassen, denn es ist wertvoll", wie zu Beispiel teures Porzellangeschirr oder willst du eine brüchige Stimme beschreiben, willst du die Feinfühligkeit und Zartheit der Person dahinter charakterisieren, oder ihre Nervosität?
Vielleicht könntest du hier eine genauere Beschreibung der Stimme durch einen Vergleich erreichen:
Nur ein Beispiel in eine Richtung, die möglich wäre, ich glaube aber, du hattest eine andere Intention:
"Hey..." , flüstert es und jemand horcht in den Raum hinein, bereit sich wieder zurückzuziehen, sollte etwas darin lauern.

Ich erkenne sie sofort.


Aha, der Erzähler kennt also die Stimme, deshalb klingt sie für ihn "wunderbar". Aber ich weiß nicht, was für ihn wunderbar bedeutet, an was genau er die Stimme wiedererkennt. Deshalb könntest du die Stimme mit etwas Besonderem zu vergleichen, sodass sie Wiedererkennungswert besitzt. Was macht ihre Stimme einzigartig?
Ein Versuch:
     "Hey..." , fragt eine Stimme. Allein dieses Wort klingt wie ein Gedicht. Ich erkenne sie sofort.

Nur die einsame, hölzerne Tür mitten im Nichts. Plötzlich erkenne ich sie ganz deutlich, sie wird scharf. Das abgesplitterte Holz, die Kratzer.


Anstatt zu sagen, dass sie scharf wird, könntest du den Vorgang darstellen:

     Nur die Tür mitten im Nichts. Plötzlich nehme ich ihre Maserung wahr, einzelne Kratzer. An manchen Stellen ist das Holz bereits abgesplittert.

Ich weiß es genau, ich kenne diese Tür.


Mit dieser Aussage hast du mich verwirrt. Da ich ja aus deiner Beschreibung wusste, dass es um Träume geht und Surreales durchaus im Traum vorkommt, dachte ich es geht ihm jetzt um die Tür, dass es gar keine weitere Person gibt. Dass die Tür für ihn von Bedeutung ist, ich fand das ziemlich kreativ. Auch hätte das "Hey" eigentlich das Knarzen der Tür sein können, das auf ihn wie eine Begrüßung wirkt. Wie wäre es, wenn du um Missverständnisse zu vermeiden schreibst:
Auch diese Tür kenne ich.


Aber ich muss einräumen, meine Fantasie ist in diesem Moment ein bisschen mit mir durchgegangen, ich glaube nicht, dass davon noch mehr Leute ausgegangen sind, :mrgreen: trotzdem könntest du den satz umstellen, um nicht wieder mit "Ich" anzufangen, wie du es vier Sätze zuvor getan hast.

Langsam wird der Spalt zwischen Tür und Rahmen größer, knarzend schiebt sich die Tür weiter auf. Der Schatten, den die Türöffnung in dem großen, grellen Raum wirft, wird immer größer und dunkler.


Auch hier, Verben sind oftmals aussagekräftiger als Adjektive, sie sind Worte des Tuns. Versuche doch mal so wenig Adjektive wie möglich zu verwenden und dafür Verben und Substantive zu finden, die die Eigenschaften, die du beschreiben willst, bereits in sich tragen.
Ein Versuch:

     Die Tür schiebt sich mit einem Knarzen weiter auf. Aus dem Spalt kriecht ein Schatten in den Raum hinein, als würde jemand ein Loch in das Weiß des Zimmers schneiden, und er hört erst auf zu wachsen, als er fast meine Füße erreicht hat.

Angestrengt starre ich zur Tür


Ich glaube wenn er auf die Türe starrt, brauchst du das angestrengt nicht mehr zu erwähnen, denn Starren ist anstrengend.

Ich muss sie wiedersehen. Darf sie nicht verpassen.


Ich würde die Sätze nur durch ein Komma trennen.

Als würde mit jedem Wimpernschlag die Gefahr größer, sie könnte mir entgleiten.


Irgendwie finde ich "entgleiten" nicht so passend, denn er sieht sie ja noch nicht, vielleicht eher etwas in die Richtung
"dass ich mir ihre Stimme nur eingebildet habe."

Wieder schallt laut und hallend ein einzelnes Geräusch durch die leere Welt.


Erneut viele Adjektive. Das bläht den Text ein wenig auf. "laut und hallend" sind ja bereits im Wort "schallt" verankert. Vielleicht könntest du eher darauf eingehen, woher das Geräusch kommt, dass es aus der Schwärze oder aus dem Gang/Raum hinter der Tür kommt. Dass die Welt "leer" ist, ist eine Vorraussetzung dafür, dass etwas hallen kann.

Vielleicht:
     Ein einzelnes Geräusch hallt aus der Schwärze.

Ein Schritt. Ihr Schritt.


Irgendwie glaube ich nicht, dass man an einem einzigen Schritt erkennen kann, wer da läuft. Vielleicht erkennt er sie an ihrem Gang, dann müsste sie aber mehrere Schritte laufen.

Ich erinnere mich, dass sie etwas gesagt hat. „Äh.. Hi.“, verdammt. Nicht einmal hier kann ich ihr vernünftig entgegnen.


Es ist schöner, wenn man direkt mitbekommt, dass sie etwas sagt. Auch könnte sie anstatt sich noch einmal vorzustellen, vielleicht diesmal etwas anderes sagen? Vielleicht könnte sie seinen Namen sagen, woraufhin er etwas erwidern müsste oder du könntest hier mehr Inhalt einbauen, ein Erlebnis aus der Vergangenheit, dass er mit ihr hatte und jetzt ist er erstaunt darüber, dass sie sich daran erinnert und weiß nichts darauf zu antworten. Dass er ihr auf das "Hi" nichts antwortet und ihm dazu nichts einfällt und er sich im gleichen Moment dafür Vorwürfe macht ist doch eher unglaubwürdig. Es ist schön, dass du darauf anspielst, dass er normalerweise in ihrer Gegenwart verlegen ist, aber wäre es nicht gerade spannend wenn das im Traum so gar nicht der Fall wäre? Wenn er hier plötzlich eloquen und selbstsicher auftritt? Mich hat an dem Moment als sie zum zweiten Mal nur "Hi" gesagt hat irgendwie ein bisschen die Gespanntheit verlassen.
„Verbesserungswürdig…“, denke ich leise.


Ich gehe davon aus, dass er leise denkt. Dass ich es ein wenig unrealistisch finde, dass er sich in diesem Moment Vorwürfe macht, habe ich dir ja schon gesagt.

Doch das stört sie nicht.


Oder du lässt sein "verbesserungswürdig" weg und schreibst so etwas in die Richtung:
     Doch mein Schweigen stört sie nicht

Allmählich kann ich ihre Konturen aus dem Türrahmen treten sehen, das schwache Knarzen der Tür ist verharrt.


Ich dachte in diesem Moment sind nur ihre Schritte zu hören und die Tür ist bereits verstummt. Auch kann eine Tür verharren, ein Knarzen aber nur verstummen.

Ich habe sie vermisst.


Mir fällt auf, dass du oft kurze ich-Sätze verwendest, wenn du von den Gefühlen und Wahrnehmungen des Erzählers sprichst. Auf der einen Seite, kann das dein Stil sein oder auch die Art des Erzählers, sich mitzuteilen, auf der anderen Seite wirkt es auf mich etwas einfallslos. Vielleicht könntest du mehr darauf achten, verschiedene Satzanfänge zu verwenden?

Das fühle ich auch, obwohl es keine sonderliche Kunst sein mag.

Den Satz verstehe ich nicht ganz. Wenn der Erzähler sie vermisst, dann hat das doch nichts mit einer Fähigkeit zu tun, sondern dann empfindet er das einfach. Warum ist es denn eine Kunst, dass er das fühlt? (oder besser gesagt, keine sonderliche Kunst?) Wenn du den Satz trotzdem so lassen willst, würde ich das "sein mag" streichen und durch "ist" ersetzen. Ich glaube aber, dass du den Satz auch komplett herausstreichen könntest, denn er hat ja bereits gesagt, dass er sie vermisst und du brauchst das nicht noch zu erklären.

Ihr Gesicht wird deutlich, ihr Körper durch das grelle Licht aufgehellt. Ich erkenne ihre Haare, ihr Gesicht.


Und an dieser Stelle habe ich keine Ahnung, wie sie denn nun aussieht. Wie wäre es, wenn du auf wichtige Merkmale in ihrem Gesicht und an ihrem Körper eingehst? Was ist charakteristisch für sie? Irgendwann später schreibst du von Sommersprossen, nutze die doch hier schon! Noch ein kleiner Tipp: Versuche es wieder mit Verben und Substantiven zu umschreiben, damit kannst du viele Beschreibungen aufpeppen! Ich habe auch immer viel zu viele Adjektive und Füllwörter verwendet, irgendwann habe ich dann mal einen Schreibratgeber gelesen, der meinte, einfach mal so wenig Adjektive wie möglich zu verwenden und damit einen Text zu schreiben. Ich war erst ein bisschen skeptisch, habe es aber ausprobiert und plötzlich gefielen mir meine Texte von einem Tag auf den anderen viel besser!

Endlich kann ich in ihre Augen blicken, um Hoffnung, und trotzdem Angst zu erfahren.


Liegt in ihren Augen Hoffnung und Angst? So verstehe ich das nämlich. Aber gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass das eigentlich seine Empfindungen sind, seine Hoffnung und seine Angst.

Geheimnisvoll und neugierig schaut sie zu mir.


Auch darunter kann ich mir wenig vorstellen, könntest du das irgendwie umschreiben? Durch Vergleiche, durch etwas was sie vielleicht auch noch tut?

Noch nie hat sie ein solches Interesse an mir gezeigt, mich überhaupt begrüßt. Oder beachtet.

Hierunter kann ich mir was vorstellen, das ist dir gut gelungen und gefällt mir!

Nicht einmal im Traum.

Das wiederum finde ich weniger passend, da er sich ja in einem Traum befindet.

Ich verfolge weiter, wie sie zum Leben zu erwachen scheint. Ihre Nase, ihre Wangen, ihr Mund, Sommersprossen.


Ich hatte eigentlich nicht den Eindruck, dass sie vorher tot war. Was meinst du damit? Macht sie jetzt irgendetwas bestimmtes? Eigentlich steht sie ja immer noch nur da. Die Sommersprossen sind leider das Einzige, womit ich sie bisher verknüpfe, denn Nase, Mund und Wangen hat jeder Mensch.

„Hilfe!“, fluche ich verzweifelt in mich hinein, ihr Mund… Sie formt ihn zu einem, genau diesem unvergleichbaren Lächeln, wie ich es schon sooft regelrecht gespannt beobachtet habe.


"Hilfe!" ist kein Fluch. Auch glaube ich, dass er etwas anderes sagen würde. Ich denke aber diese Situation hat Potenzial. Stell sie doch um! Beginne damit, dass sie lächelt und beschreibe dann wie ihm der Atem stocken bleibt. Wie er Schweißhände bekommt, was mit ihm passiert.

Gebannt glotze ich zu ihr, jede Pore, jede Besonderheit, jeden Makel ihres Gesichts erforschend.


"glotze" und "erforschen" sind Verben mit Kraft, gefällt mir! Was genau ist an ihrem Gesicht besonders? Beschreibe doch, wie ihre Augen strahlen, wenn sie einen Makel hat, dann geh genau auf diesen Makel ein. Hat sie eine Sommersprosse in besonderer Farbe? Ein Feuermal? Unterschiedlich farbige Augen? Besitzt sie Grübchen? Was findet er an ihr anziehend?

Ich muss bestimmt aussehen wie ein Hund, der auf sein Fressen wartet, lechzend, hechelnd, die Augen weit hervortretend, aber das spielt hier keine Rolle.

Darunter kann ich mir etwas vorstellen, schön!

Ich muss breit grinsen bei der Vorstellung, und ihr Lächeln wird ein Fünkchen breiter, als müsste sie lachen.


Das "breit" ist eine Wortwiederholung. Schreib doch vielleicht nur davon, wie er grinst und lass sie dann als Reaktion darauf zurücklachen oder ihr Lächeln zu einem Lachen werden. Versuche doch mal die beiden in Interaktion treten zu lassen. Deine Beschreibungen sind bisher sehr statisch, du gehst langsam vor, was dazu passt, dass er jeden Moment aufzusaugen und zu genießen versucht, aber pass auf, dass es sich nicht zu sehr in die Länge zieht.

Ich kann es gar nicht fassen.

Das zum Beispiel ist eigentlich auch eine Wiederholung. Wenn du es dem Leser noch einmal vorkaust, traust du ihm nicht zu sich in den Erzähler hineinversetzen zu können. Alleine dass sich der Erzähler schon so viel Zeit nimmt, sie zu betrachten, zeugt davon, dass er von ihr begeistert ist.

Langsam gleitet mein Blick an ihrem Hals herunter, auch wenn eines meiner Augen an ihrem Gesicht und ihrem herausfordernden Blick festzuhängen scheint.


Zwei Dinge: Ich habe jetzt den Eindruck, dass er schielt. Ich finde es besser, wenn du beschreiben würdest, wie er erst den Blick nicht von ihrem Gesicht abwenden will, sich innerlich dagegen sträubt, aber seine Neugier am Ende siegt. Sie blickt herausfordernd? Das ist neu und gehört in die Beschreibung von oben. Daran könntest du ihren Charakter darstellen, vielleicht ist der herausfordernde Blick typisch für sie? Und um vom Adjektiv wegzukommen, auf Welche Weise fordert sie ihn heraus? Bringt sie sein Herz zum klopfen? Bestimmt. Liegt Trotz in ihrem Blick? Oder ist sie einfach pfiffig und gewitzt?

Unterhalb ihres Halses wandert mein Blick über ihre Schultern, die leicht angedeuteten Schlüsselbeine in Augenschein nehmend.


Durch dieses Verb ist die Beschreibung nicht mehr so statisch

Bei diesem Anblick könnte ich aufspringen vor Freude, auf enthusiastischste Art und Weise losrennen und Blümchen pflücken gehen.


Zunächst einmal ist losrennen bereits enthusiastisch, daher brauchst du "auf enthusiastischste Art und Weise" gar nicht mehr. Ich sehe, dass du hier einen Vergleich suchst und versuchst, das finde ich gut! Nur leider kommt das Blümchen pflücken bei mir persönlich irgendwie nicht richtig an. Was meinst du damit? Will er ihr einen Strauß Rosen pflücken? Ihn ihr vor die Füße legen? Oder tanzt er wie ein Elf über die Blumenwiese und freut sich seines Lebens? Ich fand irgendwie, dass dieser Vergleich den Text ein wenig ins ungewollt Komische zieht. Besonders weil dies als Reaktion auf ihre Schlüsselbeine geschieht. Also ich persönlich wollte noch nie aufspringen und Blümchen pflücken, nur weil ich entblößte Schlüsselbeine von jemandem gesehen habe. Meiner Meinung nach könntest du einen anderen Vergleich finden und/oder diese Passage an einer anderen Stelle einfügen, zum Beispiel direkt nach dem Lächeln.

Dies scheint mir in Anbetracht der Tatsache, dass ich nicht einmal weiß, wo es hier Blümchen zum Pflücken gibt, eine wesentlich vernünftigere Entscheidung. Gut so. Ein Stück weiter unten finde ich noch zwei weitere wunderbare Gründe, um Blumen pflücken zu gehen.


Du führst den Vergleich nun weiter fort, an sich ein schöner Gedanke. Leider konnte ich mich hier kaum in ihn hineinversetzen, was vermutlich daran liegt, dass mir der Vergleich nicht zusagt, wie ich dir oben schon erklärt habe. Ab dem Punkt, dass er von "zwei wunderbaren Gründen, um Blumen zu pflücken" spricht, ist mir dein Erzähler unsympathisch geworden. Er hat bisher noch nichts über ihren Charakter erzählt, sondern bleibt bei Äußerlichkeiten. Gut, anscheinend kennt er sie kaum, ist aber von ihr begeistert. Aber mag er wirklich nur ihre äußere Hülle? Das lässt den Erzähler oberflächlich erscheinen. Vielleicht fügst du ein, warum er außerdem von ihr beeindrückt ist?

Ich rolle mit den Augen als Applaus für meinen eigenen fabelhaft idiotischen Gedanken.


Und damit erzeugst du bei mir das Bild eines Stalkers, der sie nur ins Bett bekommen möchte - tut mir leid wenn das jetzt unhöflich klingt. Es war mein Eindruck und ich will dir das einfach ehrlich sagen.

Sie versteht, was ich meine. Sonst würde sie wohl nicht so genial grinsen, nehme ich an.


Das heißt, sie stimmt ihm zu? Sie möchte von ihm begafft werden? Es könnte jetzt sein, dass er das Ganze einfach falsch interpretiert. Mit dieser Aussage wirfst du aber meiner Meinung nach ein schlechtes Bild auf sie.

Ich verfolge das schwarze Oberteil weiter zu ihrem Bauch, der mir ebenfalls souverän und attraktiv erscheint, um nicht zu sagen perfekt, wie immer.


Das sind wieder sehr viele Adjektive. Ich kann mir nichts darunter vorstellen. Hat sie einen durchtrainierten Sixpack? Eine Wespentaille? Oder steht er vielleicht eher auf ein paar Pfunde mehr?

Ihre Taille mit den Augen abmessend frage ich mich, ob ihre Beckenknochen wohl auch ein Wenig hervortreten.


Wieder bekomme ich diesen Stalkereindruck, was leider einen Schatten auf den Charakter deines Erzählers wirft. Möchtest du das erreichen? Es kann ja auch sein, dass du hier ihm absichtlich einen negativen Charakterzug verpassen willst.

Als ich mich gerade ihren Oberschenkeln widmen möchte, verschlucke ich mich gedanklich und unterbreche mich selbst bei meiner Erforschungsorgie. Hat sie etwas gesagt? Eine halbe Ewigkeit muss ich sie schon herauf- und herabgemustert haben, sagt mir mein Gefühl. Naja. Bis jetzt vielmehr nur halb-herab.


Nun ja auf meinen Eindruck vom Erzähler bin ich ja bereits eingegangen. Mit dieser Einleitung ihrer Frage, die jetzt folgt, nimmst du dem Text die Spannung. Wie wär's, wenn sie ihn einfach unterbricht?

„Was machst du?“, unterbricht sie genau jetzt meine verworrenen Gedankengänge mit sowohl einfacher, als auch merkwürdig sinnloser Frage.


Nun, anscheinend ist es von dir gewollt, dass sie so etwas einfaches fragt. Ich glaube aber, es wäre auch eine Überlegung wert, wenn sie ihm eine tiefgründigere Frage stellt, wenn sie in ihm einen Konflikt erzeugt oder ihn tatsächlich zum Nachdenken anregt. Es ist ein Traum, deiner Fantasie sind also keine Grenzen gesetzt.

Ich muss mich zurückhalten, nicht mit meiner ironischen Standardantwort der letzten Wochen auf diese Frage zu entgegnen, Spaß haben. Auch wenn es ernsthaft gemeint die wohl treffendste Beschreibung dieser infernalisch wohltuenden Situation gewesen wäre. Ich habe Spaß. Eine ganze Menge sogar. Ich entscheide mich dann auf gewohnt minderbemittelt spontane Weise für „Och… ich sitz hier nur so rum.“ als Antwort. Wie ironisch diese Antwort falsch betont klingen kann, fällt mir natürlich erst auf, nachdem ich sie über die Lippen gebracht habe.


Dieser Abschnitt charakterisiert deinen Protagonisten. Mein Eindruck von ihm jetzt: Er möchte gut dastehen, reagiert daher eigentlich abweisend und kühl und als hätte er die Lage im Griff, versperrt sich so aber im Alltag jeden Zugang zu ihr. Sie ist ihm sehr wichtig, weshalb er lange über die Antwort nachdenkt, trotzdem nicht sehr redegewandt antwortet, sich dabei aber seiner Tollpatschigkeit erst bewusst wird, als es schon zu spät ist. Irgendwie fand ich es ein wenig mühselig diese Passage zu lesen, denn es ist eine sehr alltägliche Konversation. ich glaube du könntest das Ganze ruhig ein wenig mehr zuspitzen und einen Dialog mit mehr Würze schreiben. Trotzdem habe ich jetzt einen besseren Eindruck von ihm, was ich gut finde.

Aber sie lacht, Glück gehabt. „Und… du so?“, frage ich kleinlaut nach, während meine Schweißdrüsen schon auf Hochtouren versuchen, das in Schweiß-Sprache für mich zu übernehmen. So herzlich putzig und hilfsbereit, diese kleinen Dinger. „Och… ich steh hier nur so rum.“, erwidert sie humorvoll. Ich muss lachen. Da sag noch einer, Smalltalk sei langweilig.


Gut sie scheint das zu überspielen. Aber ich habe mich gefragt, ob sie es vielleicht auch einfach nicht versteht? Das wäre für ihre Darstellung wiederum unvorteilhaft. Das mit dem Schweiß ist an sich ein guter Gedanke, nur hat der Vergleich nicht so recht gewirkt bei mir. Was übernehmen seine Schweißdrüsen in Schweißsprache? Dass er kleinlaut reagiert? Ich verstehe das nicht so ganz. Um ehrlich zu sein, fand ich diese Passage ein wenig lang, dein Witz kam bei mir leider nicht wirklich durch, es entstand der Eindruck, dass sich die beiden Protagonisten eigentlich kaum etwas zu sagen haben. Gut, er springt über seinen Schatten und redet mit ihr, aber prinzipiell sagen sie nichts Wesentliches, nichts was mich als Leser gefesselt hat.

Plötzlich spüre ich einen kalten Windzug. Ich merke, wie es düster wird um mich herum, und auch um sie. Die kreischende Stille wird unterbrochen, ich höre Wassertropfen.


Das fand ich interessant, jetzt ein Szenenwechsel. Das hat mich wieder gepackt. Was meint du mit kreischende Stille? Wolltest du damit ausdrücken, dass die Stille irgendwann störend war? Oder dass sich die Protagonisten nichts zu sagen hatten?

Ich fühle, wie meine Haare langsam durchnässt werden, wie ich immer mehr Tropfen auffange.


Das seine Haare durchnässt werden ist eine schöne Beschreibung! Er steht da und fängt Tropfen auf? Das ist ein wenig missverständlich. Ich stelle mir gerade vor, wie er mit einem Eimer durch die Gegend rennt und die Tropfen einzeln auffängt, aber das hast du sicherlich nicht sagen wollen. Vielleicht lässt du das einfach weg? Oder ersetzt das Wort auffangen durch: "auf mich einregnen"

Ich sehe mich um. Alles verschwimmt, ich erkenne nur Konturen der regnerischen Innenstadt. Doch ich erkenne die gewaltigen, alten Gemäuer im Hintergrund, der zerfallene Bahnhof, nur eine Silhouette.


Oft nutzt du das Wort "erkennen", vielleicht findest du eine Alternative? Vielleicht könntest du das sich umsehen vom ersten Satz in diesen zweiten Satz hineinsehen. Synonyme ansonsten: mir fällt auf, ich bemerke, mein Blick bleibt an... hängen

Wieder nutzt du viele Adjektive, aber ich kann mir trotzdem keine Szenerie vorstellen. Wo liegen die Besonderheiten? Was ist am Bahnhof zerfallen? Das Gebäude? Ist es von Rissen zerfurcht, dass man Angst hat, dass es bald einstürzt? Er erkennt und kennt die Stadt. Woran? Gibt es einen Ort, der ihm besonders wichtig ist? An dem er vielleicht sie immer sieht? Oder steht er vor seiner Lieblingsbar und erkennt deshalb die Stadt? Wohnt er in der Nähe? Oder hat er das Graffiti, das das alte Gemäuer des Bahnhofs ziert, vielleicht selbst gemalt?

Ich blicke zum grauen Himmel auf, von wo aus es nun in Strömen regnet, heftig, wie aus Eimern auf uns beide herab.


"aus dem es" in Strömen regnet. Eine anschauliche Beschreibung. Für denselben Vorgang brauchst du aber keine zwei Beschreibungen, finde ich, vielleicht wählst du eine der beiden aus? In Strömen regnen oder aus Eimern regnen?

Ich drehe meinen Kopf wieder zu ihr und erfasse unscharf und farblos ihr besorgtes Gesicht.



Unter dem unscharf und dem farblos kann ich mir nichts vorstellen. Ist sie zu einem Farbklecks verschwommen oder blass wie eine Leiche? Ihre Mimik hat sich verändert! Vielleicht könntest du darauf schon im Moment der Veränderung eingehen?


Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Aber ich bemerke, dass sie etwas sagt, oder vielmehr sagen will.


Wieder leitest du es zunächst ein, dass sie eine Handlung macht oder etwas sagt. Ist es aber eigentlich nicht so, dass jemand etwas tut und man im Anschluss darauf reagiert? Außerdem baut es Spannung auf, wenn du ihr zugestehst ohne Einleitung etwas zu tun.

schreie ich mit aller Kraft, ohne auch nur einen Laut meiner eigenen Stimme hören zu können. Die Worte scheinen in meiner Kehle stecken zu bleiben. Hoffnungsvoll schaue ich in ihre traurigen Augen, die mir etwas mitteilen wollen. Sie suchen verzweifelt die Umgebung ab, als hätten sie Angst.


Schön! Hier hast du Spannung aufgebaut!

„Es tut mir Leid…“, dröhnt es auf einmal ohrenbetäubend aus allen Richtungen in einer verzerrten, schroffen Stimme. Asynchron dazu bewegt sie noch immer ihre Lippen, ich sehe an ihrem Gesicht, dass es ihr Leid tut. Aber was? „Ich muss jetzt gehen.“, höre ich nun klar und deutlich ihre einzigartige Stimme. Sie tritt vorsichtig einen Schritt zurück und dreht sich um, sprachlos stehe ich da, in meiner Pfütze, wie versteinert. Ein Spiegelbild zeichnet sich in der Glasscheibe der weißen Tür vor ihr ab. Ihre Haare sind nass, tröpfchenweise fließt der farblose Regen an ihren Wangen hinunter. Langsam und bedacht greift sie die Türklinke und zieht die Tür daran ein Stück weit auf. Jetzt ein Schritt in den Türrahmen hinein, um mir über die linke Schulter noch ein letztes Mal für heute einen magischen Blick zuzuwerfen, bevor sie endgültig in dem grau-weißen, geradezu sterilen Treppenhaus verschwindet. Klack.


Das asynchron hat mir sehr gefallen, hat etwas surrealistisches! Dass es ihr irgendetwas leid tut, weckt Spannung, denn ich frage mich auch, was ihr leid tut. Diese Passage passt so gar nicht zu deinen Anfangsdialogen, ich könnte mir also vorstellen, dass du in die Anfangsdialoge mehr handlung und mehr Konflikt einbauen könntest und dieses "Es tut mir leid." vorbereiten könntest. Oder tut es ihr nur leid, dass sie gehen muss?
Anstatt dem sprachlos stehe ich da, könntest du einfach "wie versteinert stehe ich in der Pfütze". Er sagt ja nichts, also ist er sprachlos.
Die weiße Tür hat mich irritiert, schließlich dachte ich, es sei zuvor eine Holztür gewesen. Oder ist das eine andere Tür? Dann würde ich diese in der Stadtszenerie vorher erwähnen.

Magischer Blick, einzigartige Stimme, das ist für mich nichtssagend. Wo liegt die Magie in ihrem Blick? Was ist daran magisch? Wie wäre es, wenn du das beschreibst und den Blick dadurch zu etwas Magischem machst? Genauso ihre Stimme!

Deine surrealistische Beschreibung und dein Schritt für Schritt Vorgehen hat mir gefallen. In dem Text steckt einiges an Potenzial! Ich finde, dass er eine gelungene Beschreibung eines Traums darstellt, ich kann mir gut vorstellen, dass er so etwas wirklich träumt.
Mein Vorschlag ist, dass du deinen Charakteren ruhig ein wenig mehr Substanz geben darfst, mach ihre Dialoge lesenswert, lass sie etwas sagen, dass aus dem Rahmen fällt, dass interessant ist. Lass sie vielleicht etwas machen, was sie noch nie gemacht haben oder etwas zusammen erleben. Es ist ein Traum, dass du die Szenerie verändern kannst, hast du bewiesen. Vielleicht verändert der Traum auch deinen Protagonisten? Lass ihn aus sich herausgehen und handeln. Spannend ist auch, ob du ihn letztendlich zu einem Sympathie oder gar einem Antipathieträger werden lassen willst. Ich würde aber eine Richtung vollständig einschlagen. Und lass die beiden miteinander in Interaktion treten! Nun, das sind alles nur Vorschläge von mir und ich möchte auch betonen, dass das nur meine Meinung ist. Ich hoffe ich konnte dir ein paar Anregungen geben. Ich denke, dass du aus dem Text einiges machen kannst und gute Ideen darin zu finden sind!

Liebe Grüße, Bea :wink:
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Albert Einstein
beatrice
 
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