[Surr|Spannung|Liebe|Nachd]Geschichte über Träume (2/x)

Gesellschaft, Kritik, Philosophisches

[Surr|Spannung|Liebe|Nachd]Geschichte über Träume (2/x)

Beitragvon Primeltoaster » 15.03.2015, 19:00

Hey, ich möchte heut gerne den zweiten Teil meiner angefangen Geschichte über Träume veröffentlichen.

Über einige Feedbacks von geduldigen Lesern zu allem, was euch auffällt, egal ob Stil oder Inhalt, und auch Spekulationen zum Weiterverlauf der Geschichte würde ich mich sehr freuen. (Es existiert in meinem Kopf eine Art Exposé zur Story, würde mich allerdings interessieren, was ein Leser nach Bisherigem erwartet, wie es weitergehen könnte und was im Endeffekt das Thema, der Konflikt etc. ist oder sein wird, falls man dazu Aussagen machen kann).

Erster Zum ersten Teil

... bevor sie endgültig in dem grau-weißen, geradezu sterilen Treppenhaus verschwindet. Klack.

--- Teil 2 ---
(noch Prolog)

Es donnert heftig, ich schrecke auf. Alles ist plötzlich viel leiser, als ich mir die Augen reibe und mich verdutzt umschaue. Das Fenster ist offen. Von draußen rasselt der beruhigende Nieselregen. An meinen nackten Füßen spüre ich den kalten Wind, genauso wie die eisigen Regentropfen, die durch sanfte Böen schwallweise herein geschoben werden. Wütend wühle ich so lange in meiner Bettdecke herum, bis meine Füße wieder bedeckt sind und trockne meine schockgefrosteten Extremtitätenenden bei der Gelegenheit gleich ab. Gedämpft, mit neugierig lachendem Unterton dringt es aus dem Wohnzimmer an mein Ohr: „Wen hast du nicht verstanden?“
Ich spüre es jetzt schon. Heute ist ganz mein Tag. Mal wieder.

Kapitel 1

Ein Jahr zuvor.
Ich stand noch immer alleine an der Bushaltestelle, als die Sonne sich wieder mal blicken ließ. Es war ein strahlend blauer Himmel, September, nachmittags, die Schule hatte vor zwei Wochen wieder begonnen. Ich würde nicht sagen, dass mich die Sonne gestört hätte, aber sie passte wie so oft nicht zu meiner Stimmung. Regen, ein grauer Himmel und kalter Wind passten da schon eher, auch wenn es etwas pessimistisch angehaucht klingt. Mit anderen Worten, ich hätte lieber wie ein nasser Sack im Regen gestanden, als mit zusammengekniffenen Augen in die Sonne zu schauen, schon aus dem einfachen Grund, dass ich von Letzterem fast immer Kopfschmerzen bekam.

Unabhängig davon hätte Tom schon vor 10 Minuten da sein wollen, um nach dem Unterricht mit mir auf den Bus zu warten. Planmäßig hätte ich ihn dann nämlich fragen wollen, ob ich ihn an diesem Nachmittag besuchen könne, da ich keine Lust hatte, mich von meinen Eltern plagen zu lassen. Aber Tom hatte womöglich mal wieder besseres zutun. Sich mit Leuten unterhalten oder solche Sachen. Mit diesen Leuten, von deren bloßer Anwesenheit ich nach einem Schultag schon mehr als genug hatte, weil sie fast alle komisch waren. Sie verstanden mich genauso wenig wie ich sie, ein einfaches, auf Gegenseitigkeit beruhendes Prinzip. Deshalb stand ich also lieber hier draußen an der Bushaltestelle, und hoffte, dass Tom mir noch irgendwie die Möglichkeit gab, zu ihm zu flüchten. Die Gnädigkeit meines grausam gefristeten Schicksals konnte dies selbstverständlich nicht zulassen. Und um auf gar keinen Fall das Risiko eingehen zu müssen, auf der Suche nach meinem besten Freund in der Schule noch andere Menschen zu treffen, stieg ich ohne ihn gedankenversunken in den ersten Bus, der an der Haltestelle hielt. Wider Erwarten war er bis auf eine alte Dame mit Krückstock vorne und einen jungen Mann in schwarzem Anzug ganz hinten komplett leer. Gemächlich und bedröppelt schlürfte ich also in den hinteren Teil des Busses, um mir, nachdem ich beim ruckartigen Anfahren des mir unbekannten Busfahrers fast den Boden geküsst hätte, einen Platz am Fenster zu suchen. Ich schaute aus dem Fenster. Laterne, Baum, Haus, Busch, Baum, Laterne… Es dauerte nicht lange, bis mir meine starr in die Landschaft gerichteten Augen allmählich zufielen.

Als ich durch ein plötzliches Hupen erschrocken aufwachte, schaute ich reflexartig auf meine Armbanduhr. Es waren kaum zehn Minuten vergangen waren, seit ich mich in den Bus gesetzt hatte. „Du hast eindeutig Schlafstörungen. Wir sollten mal zum Neurologen gehen. Oder eher zum Psychologen?“, schwirrte es mir nun auf einmal durch den Kopf. Ich verdrehte automatisch meine Augen und atmete genervt tief ein, als hätte sie gerade vor mir gestanden. Ein wenig Frustration und Ärgernis über diese derartig sinnlose Feststellung kam in mir auf, doch ich atmete tief durch und vergaß sie schnell wieder. Ich schaute mich im Bus um und realisierte, dass ich nun der einzige Fahrgast war. Ich riss die Augen weit auf. Erst aus dem Fenster und anschließend auf die Haltestellenanzeige im Bus schauend erklärte sich das Mysterium des leeren Schulbusses für mich plötzlich ganz einfach und pragmatisch, da ich im falschen Bus saß.

An der nächsten Haltestelle ausgestiegen, dachte ich gereizt darüber nach, wie viel finanziellen Verlust die Busgesellschaft wohl im Monat zu verzeichnen gehabt hätte, wäre die Linie in „X6 – Arsch der Welt“ umbenannt worden. „Sehr geehrte Fahrgäste, Sie erreichen nun die Endhaltestelle ‚Arsch der Welt‘. Von hier aus haben Sie Umsteigemöglichkeiten dahin, wo der Pfeffer wächst oder in die gottverlassene Pampa. Dieser Bus wird in 20 Sekunden über eine Klippe fahren und explodieren, da die Welt hier leider zuende ist und Straßen am Ende der Welt nie sonderlich gut ausgebaut sind.“ Naja, wenn man bedenkt, dass ich zu diesem Zeitpunkt offensichtlich der einzige Vollidiot war, der bis hierhin in diesem Bus gesessen hatte, hätte es ein so großer Verlust wohl auch nicht gewesen sein können. Schade eigentlich. Ich drehte mich genügsam die Landschaft und diesen merkwürdigen Teil der Stadt absuchend drei Mal um die eigene Achse in der Hoffnung, die Haltestelle der Linie zurück irgendwo in Reichweite erblicken zu können - Fehlanzeige. Welch schwieriges Unterfangen!

Ich trottete also ein paar Meter entgegen der Fahrtrichtung meines vermeintlichen „Nach-Hause- Busses“, der sich ungezogenerweise als „Zum-Arsch-Der-Welt-Bus“ entpuppt hatte, auf dem Gehweg entlang. Irgendwann stieß ich dann zwischen Bäumen, Büschen und Plattenbauten auf etwas, das man mit ein wenig Fantasie durchaus hätte Bushaltestelle nennen können. Zumindest der zerrissene, ausgeblichene und kaum lesbare Zettel mit einigen Abfahrtszeiten ließ darauf schließen. Ich musste zurück zur Haltestelle vor meiner Schule, da nur von dort aus der Bus zu mir nach Hause fuhr. Die Linie „X6 – Zurück vom Arsch der Welt“ fuhr das nächste Mal in weiteren elf Minuten. Ich zog in Erwägung, mich auf die Bank im Bushaltestellenhäuschen zu setzen, doch ein kurzer Blick und der euphorisierende Geruch von Urin und Erbrochenem hielten mich aus irgendeinem Grund davon ab. Also stand ich lieber vorne an der Gehwegkante und hielt nach dem Bus Ausschau. Als dieser fast pünktlich ankam und ich einstieg, erkannte ich denselben Busfahrer wie bei meiner vorherigen Hinfahrt. Er grinste mich sogar noch dreist an und sagte nett „Guten Tag“. Ich murmelte im Weitergehen irgendetwas Undeutliches in seine Richtung, von dem ich selber nicht einmal hätte sagen können, was es vernünftig artikuliert hätte bedeuten sollen. „Was für ne Frechheit“, dachte ich. Der Bus war noch immer leer.

Kurz bevor wir beide, der Busfahrer und ich, die Haltestelle vor der Schule erreichten, kam uns ein anderer Bus entgegen, dessen Busfahrer mir allerdings bekannt war. Das mochte eventuell daran gelegen haben, dass es der Bus war, den ich hätte nehmen müssen. Nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich nach Hause und nicht ins Niemandsland hätte fahren wollen. Als ich dann noch Toms grinsendes Gesicht im vorbeirumpelnden Bus wahrnahm und sah, wie bescheuert und rotzfrech er mir zuwinkte, als er mich erkannt hatte, war ich mit den Nerven endgültig am Ende. „Das kann doch nicht wahr sein...“, zischte ich leise wutentbrannt zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und drückte den roten „Stop“-Knopf mit meinem Daumen so fest und so lange, bis es plötzlich knackte und ich mir nicht sicher war, ob mir mein rot angelaufener Daumen oder der nun durch meine Gewalteinwirkung von jeglicher Funktion befreite Knopf etwas mitteilen wollte.

--- [url]Teil 3[/url] ---
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Re: Geschichte über Träume (2/x) [Surr|Spannung|Liebe|Nachd]

Beitragvon Merlus » 18.03.2015, 18:22

Hallo Primeltoaster,

ich habe mich mal mit deiner Geschichte auseinandergesetzt und habe ein paar Stellen kommentiert. Lass dich davon aber nicht abschrecken, das ist nur meine Meinung und meine persönliche Schreibstilvorliebe. Das soll nicht heißen, dass ich deine Story schlecht finde, ganz im Gegenteil, ich finde sie sehr gelungen und macht Lust auf die weiteren Teile! 8)

Es donnert heftig, ich schrecke auf.

Diese Sätze würde ich zu einem verbinden: Es donnert heftig und ich schrecke auf.
Alles ist plötzlich viel leiser,

Anstatt dem "ist" würde ich ein "wirkt" schreiben.
Von draußen rasselt der beruhigende Nieselregen.

Ich finde, der Satz hört sich so besser an: Irgendwie finde ich das leise, rasselnde Geräusch des Nieselregens beruhigend.
Wütend wühle ich so lange in meiner Bettdecke herum, bis meine Füße wieder bedeckt sind und trockne meine schockgefrosteten Extremtitätenenden bei der Gelegenheit gleich ab.

Das Wort liest sich sehr holprig. Auch wenn es den Sarkasmus deines Protagonisten unterstreicht, würde ich ein anderes Wort auswählen.
Gedämpft, mit neugierig lachendem Unterton dringt es aus dem Wohnzimmer an mein Ohr: „Wen hast du nicht verstanden?“
Neugierig lachen? Ich kann mir darunter nichts vorstellen. Meinst du vielleicht spöttisches Lachen oder ungläubiges Lachen?
Ich spüre es jetzt schon. Heute ist ganz mein Tag. Mal wieder.

Die letzten beiden Sätze würde ich zusammenfassen: Ich spüre es jetzt schon. Heute ist mal wieder ganz mein Tag.

Ich würde nicht sagen, dass mich die Sonne gestört hätte, aber sie passte wie so oft nicht zu meiner Stimmung. Regen, ein grauer Himmel und kalter Wind passten da schon eher, auch wenn es etwas pessimistisch angehaucht klingt. Mit anderen Worten, ich hätte lieber wie ein nasser Sack im Regen gestanden, als mit zusammengekniffenen Augen in die Sonne zu schauen, schon aus dem einfachen Grund, dass ich von Letzterem fast immer Kopfschmerzen bekam.

Diese Sätze finde ich etwas überflüssig, da das nur eine Wiederholung von dem ist, was du schon zuvor geschrieben hast.
Unabhängig davon hätte Tom schon vor 10 Minuten da sein wollen, um nach dem Unterricht mit mir auf den Bus zu warten.

Vielleicht ist hier ein innerer Monolog ausdrucksstärker „Wo ist Tom? Er sollte doch schon längst da sein! (...)“
Planmäßig hätte ich ihn dann nämlich fragen wollen, ob ich ihn an diesem Nachmittag besuchen könne, da ich keine Lust hatte, mich von meinen Eltern plagen zu lassen.

Vorschlag: "Ich hätte ihn gern gefragt, ob ich an diesem Nachmittag mit zu ihm könnte. Ich hatte nicht die geringste Lust, mich wieder mit meinen Eltern rumplagen zu müssen."
Aber Tom hatte womöglich mal wieder besseres zutun. Sich mit Leuten unterhalten oder solche Sachen.

Bezieht sich das auf das Treffen am Nachmittag oder das gemeinsame Warten? Falls es sich auf die Tatsache bezieht, dass Tom nicht an der Bushaltestelle erscheint, dann kann ich ihn voll und ganz verstehen. Wieso sollte er denn seine Freizeit mit Warten an der Bushaltestelle verbringen? :shock: :D Ausnahme: Er fährt im selben Bus wie dein Protagonist oder sie haben es vorher abgesprochen, dass sie gemeinsam warten wollen. Dann solltest du das aber noch mal vorher im Text erwähnen.
Mit diesen Leuten, von deren bloßer Anwesenheit ich nach einem Schultag schon mehr als genug hatte, weil sie fast alle komisch waren.

Komisch ist eine sehr vage Definition, sie kann alles von seltsamer Kleidung bis hin zu absoluter Dummheit sein. Wenn du hier schreiben könntest, was genau an diesen Leuten so seltsam/anders ist, dann kann dein Leser das besser nachvollziehen.
Sie verstanden mich genauso wenig wie ich sie, ein einfaches, auf Gegenseitigkeit beruhendes Prinzip.

Diese Textstelle ist dir gut gelungen, ich musste schmunzeln, als ich sie gelesen habe 8)
Deshalb stand ich also lieber hier draußen an der Bushaltestelle, und hoffte, dass Tom mir noch irgendwie die Möglichkeit gab, zu ihm zu flüchten.

Das hört sich mit den „also“ so an, als ob ihm JETZT erst einfällt, wieso er lieber an der Bushaltestelle steht: „Ah. Deshalb stehe ich ALSO lieber an der Bushaltestelle rum! Ich habe den Grund gefunden!“ Nichts für ungut, aber so kommt das bei falscher Betonung rüber :wink:
Die Gnädigkeit meines grausam gefristeten Schicksals konnte dies selbstverständlich nicht zulassen.

Auch wenn dieser Satz sarkastisch und humorvoll sein sollte: Mich hat er erst ziemlich verwirrt und ich musste ihn mehrfach lesen, um zu verstehen, wie du das mit deinem „grausam gefristeten“ Schicksal meinst.
Und um auf gar keinen Fall das Risiko eingehen zu müssen, auf der Suche nach meinem besten Freund in der Schule noch andere Menschen zu treffen, stieg ich ohne ihn gedankenversunken in den ersten Bus, der an der Haltestelle hielt.

Der Satz hat satte 40 Wörter! Ich denke, er würde sich besser anhören, wenn du ihn aufteilen würdest.
Gemächlich und bedröppelt schlürfte ich also in den hinteren Teil des Busses, um mir, nachdem ich beim ruckartigen Anfahren des mir unbekannten Busfahrers fast den Boden geküsst hätte, einen Platz am Fenster zu suchen.

Ich denke, dass auch hier der Humor besser rüber kommen würde, wenn du den Satz in zwei Teile teilen würdest.
Es waren kaum zehn Minuten vergangen waren

das „waren“ muss weg, das ist doppelt-gemoppelt 8)
Ich schaute mich im Bus um und realisierte, dass ich nun der einzige Fahrgast war. Ich riss die Augen weit auf.

Anstatt dieser Formulierung fände ich es besser, wenn du etwas über seine Gefühle aussagst, zum Beispiel: „Beunruhigung stieg in mir auf. Ich war noch nie der einzige Passagier in dem meist überfüllten Schulbus. Was war hier bloß los?“
Erst aus dem Fenster und anschließend auf die Haltestellenanzeige im Bus schauend erklärte sich das Mysterium des leeren Schulbusses für mich plötzlich ganz einfach und pragmatisch, da ich im falschen Bus saß.

Ich würde nach dem pragmatisch anstatt dem Komma ein Doppelpunkt hinmachen und dann: Ich saß im falschen Bus.
Sehr geehrte Fahrgäste, Sie erreichen nun die Endhaltestelle ‚Arsch der Welt‘. Von hier aus haben Sie Umsteigemöglichkeiten dahin, wo der Pfeffer wächst oder in die gottverlassene Pampa.

Diese Formulierung finde ich sehr humorvoll :lol:
Dieser Bus wird in 20 Sekunden über eine Klippe fahren und explodieren, da die Welt hier leider zuende ist (Hier würde ich den Satz enden lassen und den Rest wegstreichen, da das ja irgendwie klar ist) und Straßen am Ende der Welt nie sonderlich gut ausgebaut sind.“

Ich drehte mich genügsam die Landschaft und diesen merkwürdigen Teil der Stadt absuchend drei Mal um die eigene Achse in der Hoffnung, die Haltestelle der Linie zurück irgendwo in Reichweite erblicken zu können - Fehlanzeige. Welch schwieriges Unterfangen!

Ich würde den Satz so schreiben: „Ich drehte mich drei Mal um die eigene Achse, um den merkwürdigen Teil dieser Stadt nach der entgegengesetzten Haltestelle abzusuchen. Fehlanzeige. Wieder zurück zu kommen war anscheinend ein schwierigeres Unterfangen, als ich es gedacht hatte. "
Ich trottete also ein paar Meter entgegen der Fahrtrichtung meines vermeintlichen „Nach-Hause- Busses“, der sich ungezogenerweise als „Zum-Arsch-Der-Welt-Bus“ entpuppt hatte

Der „Nach-Hause-Bus reicht völlig aus, den Nebensatz mit “, der sich ungezogenerweise als „Zum-Arsch-Der-Welt-Bus“ entpuppt hatte“, würde ich streichen.
Ich zog in Erwägung, mich auf die Bank im Bushaltestellenhäuschen zu setzen, doch ein kurzer Blick und der euphorisierende Geruch von Urin und Erbrochenem hielten mich aus irgendeinem Grund davon ab.

„euphorisierend“ ist für den Gestank von Kotze und Urin wohl kaum die passende Beschreibung...
Also stand ich lieber vorne an der Gehwegkante und hielt nach dem Bus Ausschau. Als dieser fast pünktlich Das würde ich streichen ankam und ich einstieg, erkannte ich denselben Busfahrer wie bei meiner vorherigen Hinfahrt.

„Was für ne Frechheit“, dachte ich.

Wieso Frechheit? Er ist ja in den falschen Bus gestiegen, da kann der Fahrer ja nichts dafür.
Kurz bevor wir beide, der Busfahrer und ich, die Haltestelle vor der Schule erreichten, kam uns ein anderer Bus entgegen, dessen Busfahrer mir allerdings bekannt war. Das mochte eventuell daran gelegen haben, dass es der Bus war, den ich hätte nehmen müssen. Nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich nach Hause und nicht ins Niemandsland hätte fahren wollen. Als ich dann noch Toms grinsendes Gesicht im vorbeirumpelnden Bus wahrnahm und sah, wie bescheuert und rotzfrech er mir zuwinkte, als er mich erkannt hatte, war ich mit den Nerven endgültig am Ende.

Was? Tom ist der Busfahrer? Oder habe ich dort etwas falsch verstanden, schließlich hast du geschrieben: „dessen Busfahrer mir allerdings bekannt war.“
.“ „Das kann doch nicht wahr sein...“, zischte ich leise wutentbrannt zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und drückte den roten „Stop“-Knopf „Stopp“ wird meines Erachtens mit „Doppel-P“ geschrieben mit meinem Daumen so fest und so lange, bis es plötzlich knackte und ich mir nicht sicher war, ob mir mein rot angelaufener Daumen oder der nun durch meine Gewalteinwirkung von jeglicher Funktion befreite Knopf etwas mitteilen wollte.

Erstens: den Satz würde ich in mehrere Aufteilen, er ist etwas lang.
Zweitens: Wieso sollte dein Protagonist jetzt so wutentbrannt sein? Immerhin ist er in den früheren Bus und nicht den wie abgesprochen gestiegen. Außerdem: was bringt es, wenn er aussteigt? Bis er an der anderen Haltestelle angekommen ist, ist der Bus mit Tom längst weg… :?:
Die Stelle mit dem knackenden Knopf und ob er deinem Protagonisten etwas mitteilen wollte, finde ich sehr gelungen :lol:

So, ich hoffe sehr, dass ich dir weiterhelfen konnte! Und bitte stell bald den nächsten Teil rein, ich bin schon gespannt, wie es weitergeht! 8)

Liebe Grüße, Merlus
"I am lost in time. I am lost on the Camino." ~ Sergio, Columbia
A paso de formiga
Merlus
 
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Re: Geschichte über Träume (2/x) [Surr|Spannung|Liebe|Nachd]

Beitragvon beatrice » 24.06.2015, 14:41

Lieber Primeltoaster,

es ist schon ein wenig her, aber endlich finde ich auch die Zeit, mich um deinen zweiten Teil zu kümmern. Wichtig ist mir, dass du weißt, dass das nur meine Meinung ist und nichts allgemeingültiges. Ich hoffe, ich kann dir einfach ein paar Anregungen geben, aber was du letztendlich übernimmst, ist allein deine Sache und da solltest du auch nach deinem Bauchgefühl gehen. Schließlich kann es vorkommen, dass ich deinen Text an manchen Stellen einfach falsch interpretiert habe. Übernimm das, was dir gefällt und ignorier den Rest! Und das wichtigste: einfach immer weiterschreiben ;-)

Also los geht's:

Es donnert heftig, ich schrecke auf.

Donnern, aufschrecken, das sind beides dynamische Verben, Verben voller Kraft. Um diese Kraft auch zu nutzen, würde ich sie nicht nur in zwei Haupsätzen aneinander reihen, sondern sie zueinander in Verbindung setzen. Denn ich finde, die Aneinanderreihung wird den Verben nicht gerecht und nimmt auch Spannung aus dem Text. Wie wäre es, wenn du schreibst:

    Als es donnert, schrecke ich auf.
oder auch
    Donner reißt mich aus dem Schlaf.

Alles ist plötzlich viel leiser, als ich mir die Augen reibe und mich verdutzt umschaue.


Hier machst du es genau richtig, denn du reihst diesmal die Sätze nicht aneinander, sondern setzt sie zueinander in Verbindung! Schön!

Trotzdem verwirrt mich der Übergang vom Donnern zum "leise sein". Ich kenne das, wenn Geräusche aus der Realität sich mit dem Traum vermischen. Im Traum beschreibst du ja auch ein Unwetter. Kommt der Donner denn jetzt von draußen oder vom Traum? Denn wenn er von einem echten Gewitter kommt, wäre es super, wenn du den Donner noch etwas nachhallen lässt und die Spannung dadurch deutlicher aufbaust.

Er wird aus dem Schlaf gerissen, also ist er vermutlich zunächst einmal orientierungslos. Ich glaube nicht, dass seine erste Reaktion das Augenreiben ist. Anstatt, dass du sagst, dass er sich verdutzt umschaut, könntest du den Vorgang beschreiben, also "Show, don't tell" anwenden, falls dir das etwas sagt.

Was springt ihm als erstes ins Auge? Das aufgerissene Fenster? Oder hat er die Augen noch geschlossen, fröstelt aber plötzlich durch einen Windstoß? Dann erst bemerkt er, dass er in einem fremden Raum ist, hat vielleicht kurze Zeit Angst, bis er seinen Wecker (oder seinen Teddybären oder sein Schlagzeug oder irgendetwas, was ihm wichtig ist) auf dem Nachttisch stehen sieht und sich wieder beruhigt.

Ich glaube, die gesamte Aufwachsituation hat Potenzial und du könntest ihr mehr Spannung verleihen.

Das Fenster ist offen. Von draußen rasselt der beruhigende Nieselregen.


Müsste es nicht "prasselt" heißen? Meiner Meinung nach passt "von draußen" nicht so gut zu diesem Satzbau. Entweder würde ich:

Draußen prasselt der Nieselregen.

oder

Von draußen ist das Prasseln des Nieselregens zu hören.

schreiben.

Das "beruhigende" würde ich vielleicht auf deinen Protagonisten beziehen. Nach dem Donner ist das sicherlich ein angenehmes Geräusch und anstatt des "beruhigenden Nieselregens", beruhigt der Nieselregen vielleicht deinen Protagonisten. Ich bin mir nicht sicher, ob der Unterschied klar wird. Weiter unten habe ich mich noch an ein Beispiel gewagt, wie du den gesamten Absatz vielleicht dramatischer aufbauen könntest.

An meinen nackten Füßen spüre ich den kalten Wind, genauso wie die eisigen Regentropfen, die durch sanfte Böen schwallweise herein geschoben werden.


Schön, dass du auf die Sinneswahrnehmungen eingehst! Du könntest das vielleicht als ersten Eindruck verwenden, nachdem er aufgewacht ist. Schließlich realisiert er vielleicht erst die Kälte an seinen Füßen, bevor er sich die Augen reibt. Ich würde dann als Übergang noch deutlicher herausstellen, dass ihn das ärgert, sonst ist das "wütend" im nächsten Satz so plötzlich.

Sprachlich finde ich, wird der Text durch die vielen Adjektive aufgebläht und du nimmst die Dynamik. Der Satz kam mir beim Lesen sehr lange und schachtelig vor. Ich bin ein wenig ins Stocken geraten, auch wenn du glaube ich ein genaues Bild vor Augen hattest, als du das geschrieben hast.

Ich teile den Satz nochmal auf:

An meinen nackten Füßen spüre ich den kalten Wind


Ich glaube das "nackt" könntest du dir fast sparen, ich denke ein Großteil der Menschen schläft ohne Socken und von daher wäre das logisch. Insbesondere, wenn er an den Füßen Kälte wahrnimmt, ist es eigentlich klar, dass sie nackt sind oder dein Prota nur dünne Söckchen trägt.

Wie wäre es, wenn du "spüren" und "kalt" in ein Wort packst?

Kälte spüren, also frieren, zittern, schlottern, eine Gänsehaut bekommen

oder vielleicht sind die Füße schon zu Eiszapfen geworden?

Damit könntest du deinem Text mehr Dynamik verleihen.

So und jetzt versuche ich das mal alles umzusetzen, es ist jetzt wirklich nur ein Beispiel, damit du vielleicht besser verstehst, auf was ich hinauswollte:

Erste Version:

Donner lässt mich aus dem Schlaf schrecken. [i]Wo bin ich denn jetzt? Für einen Moment glaube ich, in einem fremden Zimmer aufgewacht zu sein, doch dann entdecke ich die Uhr auf dem Schreibtisch. Schwarzes Lederarmband, schlicht, und das Ziffernblatt teilt ein Kratzer. Ja, das ist definitiv meine.
Es ist viel stiller als im Traum. Von draußen höre ich das Prasseln des Regens, irgendwie beruhigt mich das. [/i]

Zweite Version:

Aus dem Nichts ertönt ein Knall, auf den das Knurren einer Bestie folgt. Der Donner reißt mich aus dem Schlaf. Wind peitscht mir ins Gesicht und über die Zehen, die ich vor Kälte schon gar nicht mehr spüren kann. Einen Moment starre ich auf die Wand gegenüber(vielleicht auch auf ein Poster oder Bild?) von mir, bis ich mich vom Schock erholt habe. Mit einer weiteren Böe prasselt ein Regenschwall in mein Zimmer hinein, direkt auf mich. Verdammt, ich habe das Fenster offen gelassen. Ich strampele die Decke weg, damit ich aufstehen kann, um das Fenster zu schließen.


Wie gesagt, die Texte sind jetzt nicht besonders ausgefeilt, sondern nur zur Veranschaulichung gedacht.

Ich würde hier am Anfang wirklich versuchen noch mehr Spannung aufzubauen, die Emotionen, die er durchlebt, noch deutlicher darstellen. Mit Empfindungen und Sinneseindrücken spielen. Die Ansätze dafür hast du ja schon im Text.

Auch könntest du deinen Protagonisten durch ein paar einzelne Gegenstände aus seinem Zimmer charakterisieren. Seine Zimmereinrichtung erzählt ja bestimmt schon einiges über ihn. Du könntest ein oder zwei Gegenstände herauspicken und sie nebenbei in die Geschichte mit einbinden. So würde dein Text und auch dein Protagonist noch eine zusätzliche persönliche Note bekommen. Ich hätte dann außerdem als Leser einen genaueren Eindruck von seinem Zimmer.

Wütend wühle ich so lange in meiner Bettdecke herum, bis meine Füße wieder bedeckt sind und trockne meine schockgefrosteten Extremtitätenenden bei der Gelegenheit gleich ab.


Inhaltlich gut und nahe an der Realität. Ich konnte mich gut hineinversetzen, wie er da eben erst aufgewacht ist und dann sich versucht so schnell es geht wieder einzumummeln.

Wütend wühle ich so lange in meiner Bettdecke herum


Ich finde das "wütend" kommt zu plötzlich. Ich glaube, ich kann verstehen, was du ausdrücken möchtest. Mich würde es auch nerven, wenn alles nass und klamm ist, nur weil es die ganze Nacht hereingeregnet hat.
Trotzdem bereitest du es nicht wirklich vor, denn du beschreibst nur die Situation, gehst aber vorher nicht auf seine Gefühlslage ein. Er "spürt" den "kalten Wind" und die "eisigen Regentropfen", das sagt aber noch nichts über seine emotionale Befindlichkeit. Vielleicht könntest du dazu ein paar Bezüge herstellen, Ärger und Wut kommen ja häufig nicht plötzlich, sondern stauen sich mit der Zeit auf.
Am Anfang steht ein Auslöser, den hast du, der Wind, der Regen, der Donner, seine Orientierungslosigkeit. Vielleicht spielt auch noch hinein, dass seine Angebetete im Treppenhaus verschwunden ist und er nicht mehr in den Traum zurück kann.

Von all diesen Dingen ist er genervt, vielleicht als er aufschreckt auch ein wenig verängstigt, der Schock sitzt ihm noch in den Knochen. Jetzt regnet es auch noch ins Zimmer, er ärgert sich, ist noch viel zu verschlafen und müde und will nicht aufstehen, um das Fenster zu schließen. Irgendetwas muss er aber tun, also mummelt er sich einfach in die Bettdecke ein und versucht weiterzuschlafen.

Der Audruck "wühlt" gefällt mir nicht so gut, denn für mich hört sich das an, als würde er nach etwas Suchen. Vielleicht ist "einmummeln", "kuscheln", "herumrutschen", "verkriechen", "herumrollen" treffender?

trockne meine schockgefrosteten Extremtitätenenden bei der Gelegenheit gleich ab.



Dieser Teil macht den Satz sehr lang. Auch finde ich "schockgefrostet" nicht ganz so treffend, denn zuvor schreibst du nur, dass er den "kalten Wind an den Füßen spürt", nicht dass seine Füße bereits Eiszapfen geworden sind. Wenn du allerdings oben bereits ausdrucksstärkere Wörter benutzt, dann würde "schockgefrostet" wieder passen.

"Extremitätenenden", ich bin bei diesem Ausdruck ins Stocken geraten. Was gemeint ist, ist klar, jedoch erzählst du in der ich-Perspektive, würdest du deine Füße als "Extreminätenenden" bezeichnen? Das hört sich für mich persönlich eher nach einem Fachbegriff für Tierbeine an, auf jedenfall sehr unpersönlich und distanziert. Wenn du einfach nur nach einem Synonym für Füße gesucht hast, könntest du auch einfach
auf bestimmte Fußteile eingehen, vielleicht frieren ja nur seine Zehen, oder die Füße als Eiszapfen beschreiben, dann hättest du wieder das "schockgefrostet" drinnen.

Da der Satz aber wie gesagt sehr lang ist, könntest du ihn auch auftrennen oder den zweiten Teil komplett weglassen.


Gedämpft, mit neugierig lachendem Unterton dringt es aus dem Wohnzimmer an mein Ohr:


An sich ist das eine gute Idee, hier noch jemand anderen miteinzubeziehen.

Ich war nur ein wenig verwirrt, da ich erst davon ausgegangen bin, dass er mitten in der Nacht aufgewacht ist.

Vielleicht könntest du auf die Helligkeit oder den Morgen eingehen? Auf seine Unlust aufzustehen?
Hier ist auch der einzige Bezug zu deinem Traum in diesem Absatz und er kommt von außen. Oft ist es doch so, dass man mit den Gedanken noch einige Zeit in einem Traum festhängt. Wie wäre es denn, wenn dein Protagonist bereits in diesem Absatz noch einmal auf den Traum zu sprechen kommt? Er könnte sich wieder zurückwünschen oder du könntest einfach den Vergleich zur Realität ziehen und damit auch schon die Vorbereitung liefern, dass es ihm peinlich ist, darauf angesprochen zu werden. Außer dem Sarkasmus, könnte sich dein Protagonist auch ertappt fühlen.

Gedämpft, mit neugierig lachendem Unterton


Das ist eine sehr lange Beschreibung. Um ehrlich zu sein fände ich es spannender zu erfahren, wer das sagt. Ist es seine Mutter, seine Schwester, sein Vater? Warum ist es ihm peinlich? Könntest du vielleicht seine Wut von gerade eben verwenden und ihn etwas in die Richtung denken lassen:

Muss er/sie seine Nase immer in alles stecken?

dringt es aus dem Wohnzimmer an mein Ohr:


Eigentlich ist es gar nicht so wichtig aus welchem anderen Zimmer es kommt, sondern, dass es von draußen kommt. Ist seine Zimmertür einen Spalt auf? Vielleicht dringt das Geräusch durch den Türspalt? Oder jemand steckt den Kopf durch die Tür?

„Wen hast du nicht verstanden?“


Noch bevor du einleitest, wer das sagt, könntest du das gesagte vorne anstellen.

Also in etwa so:

     "Wen hast du nicht verstanden?" Meine Schwester steckt den Kopf durch die Tür.
     Mit hochrotem Gesicht gebe ich ihr zu verstehen, dass sie verschwinden soll.
     Muss sie ihre Nase immer in alles stecken? Hoffentlich habe ich nicht noch mehr preisgegeben.      Es wäre ein Alptraum, wenn ich auch ihren Namen erwähnt hätte. Ich spüre es jetzt schon, heute ist ganz mein Tag.

Das "Mal wieder." kannst du meiner Meinung nach auch herauslassen.



Kapitel 1

Ich stand noch immer alleine an der Bushaltestelle,


Es gibt sicher fetzigere Kapitelanfänge. Vielleicht könntest du hier schon auf Tom eingehen? Vielleicht sogar mit einem Gedanken deines Protagonisten, etwas in die Richtung:

Wie lange will er mich denn noch warten lassen?

als die Sonne sich wieder mal blicken ließ.


Die Sonne ließ sich mal wieder blicken, für mich hört sich das an, als sei der Himmel bewölkt und die Sonne spitzt ab und zu am Tag durch die Wolken. Doch gleich im nächsten Satz schreibst du von strahlend blauem Himmel. Ich würde mich da auch etwas festlegen.

Es war ein strahlend blauer Himmel, September, nachmittags, die Schule hatte vor zwei Wochen wieder begonnen.


Das ist gut zu wissen, baut aber keine Spannung auf. Diese Information würde ich eher nebenbei einfließen lassen. Wie wäre es, wenn du erst einmal beim Wetter bleibst?
Deine Idee mit der Stimmung im nächsten Abschnitt ist schließlich ziemlich interessant!

Ich würde nicht sagen, dass mich die Sonne gestört hätte, aber sie passte wie so oft nicht zu meiner Stimmung. Regen, ein grauer Himmel und kalter Wind passten da schon eher, auch wenn es etwas pessimistisch angehaucht klingt.


Wie gesagt, die Idee ist gut. Ich finde aber, du nimmst mit diesen Erklärungen die Dynamik aus dem Text. Ich habe ihn beim Lesen etwas langwierig empfunden. Doch in den letzten beiden Sätzen des Abschnitts bringst du dann alles auf den Punkt:

Mit anderen Worten, ich hätte lieber wie ein nasser Sack im Regen gestanden, als mit zusammengekniffenen Augen in die Sonne zu schauen, schon aus dem einfachen Grund, dass ich von Letzterem fast immer Kopfschmerzen bekam.


Genial! Und hier zeigst du genau das, was du vorher umständlich mit der Stimmung zu erklären versuchst.
Dieser Abschnitt ist dir supergut gelungen, du schreibst witzig und baust Spannung auf und man bekommt ein Gefühl für den Protagonisten, ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen.


Unabhängig davon hätte Tom schon vor 10 Minuten da sein wollen, um nach dem Unterricht mit mir auf den Bus zu warten.


Ich finde das "Unabhängig davon" hier nicht so passend.
Du versuchst damit überzuleiten, um wieder zurück zum Warten zu kommen. Auf mich persönlich hat es wie ein Sprung gewirkt, der mich ein wenig aus dem Text gerissen hat.
Wie wäre es, wenn du Tom direkt mit in die Anfangsszene integrierst? Du könntest die gesamte Situation ein wenig zuspitzen, vielleicht ist dein Protagonist genervt, dass Tom noch nicht da ist?
Vielleicht denkt er deshalb über das Wetter nach und ärgert sich über die Sonne? Dann bräuchtest du die ganzen Erklärungen gar nicht, dass er lieber Regen mag, denn durch diese eine Situation wird das schon klar.
Und anstatt eines Gedankensprungs hättest du eine Überleitung oder einen Kontext geschaffen.

Mein Vorschlag daher:
Ich würde den Abschnitt kürzen, die Erklärungen herausnehmen und stattdessen in dem Stil von vorhin schreiben, den du mit "mit anderen Worten" eingeleitet hast. Vielleicht so:

Wie lange will er mich denn noch warten lassen?
Schon seit einer halben Stunde gammelte ich an dieser Bushaltestelle, Tom immer noch nicht in Sicht. Die Sonne prallte erbarmungslos, es war viel zu heiß für einen Septembertag.
Viel lieber hätte ich wie ein nasser Sack im Regen gestanden, als mit zusammengekniffenen Augen diese Helligkeit ertragen zu müssen.
Schon aus dem einfachen Grund, dass ich davon immer Kopfschmerzen bekam. Außerdem hätte das
besser zu meiner Stimmung gepasst.

Planmäßig hätte ich ihn dann nämlich fragen wollen, ob ich ihn an diesem Nachmittag besuchen könne, da ich keine Lust hatte, mich von meinen Eltern plagen zu lassen.


Zwei Dinge sind mir hier aufgefallen:
Erstens erzählt er hier im Plauderton, ihn scheint es also gar nicht so sehr zu stören, dass Tom noch nicht da ist, zumindest wirkt der Tonfall so auf mich.

Zweitens bin ich am Wort "plagen" hängen geblieben, irgendwie fand ich das nicht ganz passend, denn plagen verbinde ich mit Stechmücken oder Hausaufgaben, vielleicht wäre "ärgern" treffender? Oder du nennst einen konkreten Grund, quetschen ihn seine Eltern regelmäßig aus? Hat er eine schlechte Note geschrieben und will sich davor drücken, es seinen Eltern zu sagen? Oder sind seine Eltern einfach generell total nervig, weil seine Mutter einen Putzfimmel hat und sein Vater andauernd schlechte Witze reißt?
Das sind jetzt alles nur Beispiele, aber je konkreter du werden würdest, desto besser könnte ich mich in deinen Protagonisten hineinversetzen.

Den gesamten Satz würde ich vielleicht noch emotionaler gestalten. Du nennst den Grund, warum er Tom brauchst, er hat eigentlich keine Lust auf seine Eltern und sucht nach einer Ausrede. Also würde er vielleicht den Grund als erstes nennen und darauf aufbauend auf Tom sauer sein. Vielleicht ist er aber gar nicht von Tom genervt, sondern bemitleidet sich jetzt eher selbst, weil er wohl doch nicht darum herumkommt heimzugehen.

Aber Tom hatte womöglich mal wieder besseres zutun. Sich mit Leuten unterhalten oder solche Sachen.


Tom ist für deinen Protagonisten einen wichtige Bezugsperson, anscheinend versteht er sich mit ihm besser, als mit allen anderen in der Schule. Doch dein Protagonist scheint für Tom nicht so wichtig zu sein, denn er lässt ihn an der Bushaltstelle warten.

Würde dein Protagonist hier nicht noch emotionaler werden und so etwas wie Ansprüche an Tom stellen?
So etwas wie, Tom müsste doch wissen, dass ich keine Lust habe nach Hause zu gehen. Warum lässt er mich hier warten? Langsam werde ich echt sauer. Na der kann etwas erleben, wenn er hier auftaucht.

Das wäre dann die "beleidigt bis wütend" - Schiene.

Oder du lässt deinen Protagonisten entspannt bleiben, weil er ein Einzelgänger ist, der sich einfach nicht mit den Leuten in der Schule abgeben will. Tom wäre eben nur eine Option, auf die er hofft, um seinen Eltern aus dem Weg zu gehen, aber nichts worüber man sich aufregen müsste. Dann würde ich aber nicht sagen, dass Tom "besseres" zu tun hat, sondern deinen Protagonisten in eine Position über allem stellen.

Mit diesen Leuten, von deren bloßer Anwesenheit ich nach einem Schultag schon mehr als genug hatte, weil sie fast alle komisch waren. Sie verstanden mich genauso wenig wie ich sie, ein einfaches, auf Gegenseitigkeit beruhendes Prinzip.


Das hier passt übrigens dazu! Mir gefällt dieser Abschnitt sehr gut, du charakterisierst deinen Protagonisten damit.

Mein Vorschlag:
Also ich würde eine Richtung wählen und den Absatz dann verdichten,
In etwa so:

Große Lust jetzt nach Hause zu fahren hatte ich nicht. Meine Eltern würden mich nur wieder über die Schule ausquetschen und mir meine Stimmung vermiesen. Doch anscheinend kam ich heute nicht darum herum, Tom hatte sich wahrscheinlich verquatscht. Mit diesen Leuten, von deren bloßer Anwesenheit ich nach einem Schultag schon mehr als genug hatte, weil sie fast alle komisch waren. Sie verstanden mich genauso wenig wie ich sie, ein einfaches, auf Gegenseitigkeit beruhendes Prinzip.


Deshalb stand ich also lieber hier draußen an der Bushaltestelle, und hoffte, dass Tom mir noch irgendwie die Möglichkeit gab, zu ihm zu flüchten.


Hier begründest du wieder, was du eigentlich schon erklärt hast. Ich fand, das hat dem Text den Fluss genommen. Für mich liest es sich wie eine Wiederholung, die letztendlich die Position des Protagonisten sogar schwächt. Tom ist sein einziger Rettungsanker. Was ist aber mit anderen Möglichkeiten? Wenn er wirklich unbedingt nicht nach Hause will, könnte er genauso gut einfach irgendwo in der Gegend herumstreunern oder zu einem anderen Freund gehen. Er tut aber nichts, außer an der Bushaltestelle zu stehen und zu warten, auf mich wirkt es also, dass es ihm eigentlich gar nicht so wichtig ist, nicht nach Hause zu gehen. Es ist zwar doof, dass Tom nicht kommt, aber er findet sich letztendlich damit ab. Meinst du das so?
Okay, du versuchst eine Überleitung zu den Leuten zu finden. Deine Sätze vorher fand ich sehr gelungen, denn er charakterisiert sich dort als Einzelgänger. Aber jetzt extra noch zu erwähnen, dass er deshalb an der Bushaltestelle steht, lässt es auf mich so wirken, als ob er eher Angst vor sozialen Interaktionen hat und nicht, dass ihn die Leute und der Trubel eigentlich einfach nur nervt. Ich würde diesen Satz also vielleicht einfach weglassen.
Bei Tom letztendlich nur auf eine Hoffnung zu gründen, sagt mir noch nichts über die emotionale Befindlichkeit deines Protas. Wieso will er nicht nach Hause? Es wäre super, wenn du das konkret begründest und dann baut er natürlich auf Tom, erwähne also vielleicht seine Enttäuschung oder seinen Ärger. Ich bin an diesem Punkt einfach ein bisschen verwirrt, wie ernst es deinem Protagonisten ist zu Tom zu flüchten. Aber das könntest du alles in den Absatz oben packen und dann bräuchtest du diesen Satz gar nicht.

Die Gnädigkeit meines grausam gefristeten Schicksals konnte dies selbstverständlich nicht zulassen.


Hier bemitleidet er sich selbst, das passt eigentlich nicht wirklich zu diesen "Einzelgänger" und "ich stehe über allem". Diesen Satz würde ich also vorher vorbereiten, vielleicht schreibst du schon einige Kommentare in die Richtung, wie doof sein Leben ist und dass nie das passiert was er will. Dann würde ich aber den gesamten Text in diese Richtung auslegen. Auf mich hat es sonst sehr "schwammig" gewirkt, ich kann nicht richtig einschätzen, was für ein Typ Mensch der Protagonist denn nun ist.

Du könntest den Satz auch herauslassen, denn er nimmt ein wenig die Spannung, weil er meiner Meinung nach vorweg nimmt, dass dem Protagonisten generell schlechtes passiert. Und deshalb nimmt dieser Satz irgendwie voreg, dass er in den falschen Bus einsteigen wird.

Und um auf gar keinen Fall das Risiko eingehen zu müssen, auf der Suche nach meinem besten Freund in der Schule noch andere Menschen zu treffen, stieg ich ohne ihn gedankenversunken in den ersten Bus, der an der Haltestelle hielt.


Ich finde die Idee sehr gut, dass er Menschen aus dem Weg gehen will. Du begründest damit, warum er nichts anderes tut, als an der Bushaltestelle zu stehen, gefällt mir. "in den nächsten Bus, der an der Haltestelle hielt" nimmt allerdings die gesamte Spannung heraus. Mir war jetzt schon klar, dass es der falsche Bus ist. Wie wäre es, wenn du einfach seine Erleichterung beschreibst, dass zumindest der Bus kommt? Natürlich steigt er ein, obwohl Tom noch gar nicht da ist, weil er auch keine Lust hat ihn zu suchen und dabei in Kontakt mit Menschen zu kommen.

Also in etwa:

Zumindest kam endlich der Bus. Ich beschloss, nicht mehr auf Tom zu warten, sondern einfach doch nach Hause zu fahren.

oder

Weder hatte ich Lust darauf zurückzugehen und ihn zu suchen, noch weiter hier zu stehen. Zum Glück kam der Bus gerade in diesem Moment. Ich stieg ein, sollte Tom doch mit seinen neuen Freunden abhängen, ich würde mich heute den Nachmittag zum Zocken nutzen. Schon der Gedanke daran, ließ mich zufrieden grinsen. Dafür musste ich mich nur an meiner Mutter vorbeischleichen, aber das würde ich schon hinbekommen.

oder

...ein einfaches, auf Gegenseitigkeit beruhendes, Prinzip. Auf keinen Fall wollte ich das Risiko eingehen, diesen Menschen heute nochmal zu begegnen. Deshalb beschloss ich, nicht noch einmal zuückzugehen, um Tom in der Schule zu suchen.
Glücklicherweise kam jetzt auch endlich der Bus.


Wider Erwarten war er bis auf eine alte Dame mit Krückstock vorne und einen jungen Mann in schwarzem Anzug ganz hinten komplett leer.


Mit dem "wider Erwarten" gibst du einen erneuten Hinweis darauf, dass dies nicht der richtige Bus ist. Ich würde es weglassen und nur beschreiben, dass der Bus komplett leer ist.
Vielleicht freut sich dein Protagonist ja auch über den leeren Bus? Schließlich mag er keine Menschen. Vielleicht könntest du das noch einbauen?

Gemächlich und bedröppelt schlürfte ich also in den hinteren Teil des Busses


Meiner Meinung nach, hat das Wort "schlürfen" schon die Bedeutungen "gemächlich und bedröppelt" in sich. Ich würde das also weglassen. Wenn du die Satzanfänge abwechslungreich gestalten willst, kannst du auch mit

Den hinteren Teil des Busses im Visier, schlürfte ich durch den Gang

anfangen.

um mir, nachdem ich beim ruckartigen Anfahren des mir unbekannten Busfahrers fast den Boden geküsst hätte, einen Platz am Fenster zu suchen.


Okay, er schlürft gemächlich vor sich hin, fällt dann aber fast um? Reißt ihn das nicht aus seinen Gedanken und lässt ihn wach werden? Du nutzt hier wieder den Plauderton, dabei hast du hier eine super Vorlage, um Spannung aufzubauen. Wie wäre es, wenn du hier mehrere Sätze machst?

"den Boden geküsst" finde ich übrigens eine gelungene und schöne Umschreibung.

"des mir unbekannten Busfahrers" ist ein erneuter Hinweis darauf, dass er im falschen Bus sitzt. Würde ich auch herauslassen!

Mein Vorschlag: Du könntest noch mehr Spannung hereinbringen, ihn nicht nur durch die Gegend schlürfen lassen, sondern genauer auf die Geschehnisse eingehen und sie Auswirkungen auf sein Verhalten haben lassen.

In etwa so:

Den hinteren Teil des Busses im Visier, schlürfte ich durch den Gang. Doch beim Anfahren machte der Bus einen Ruck, dass es mir den Boden unter den Füßen wegzog. Im letzten Moment konnte ich mich noch an der Schulter der alten Dame abfangen, sonst hätte ich den Boden geküsst. Wie peinlich! Eine Entschuldigung stammelnd, hastete ich weiter und verdrückte mich in die dunkelste Ecke der Bridge.

Ich schaute aus dem Fenster. Laterne, Baum, Haus, Busch, Baum, Laterne… Es dauerte nicht lange, bis mir meine starr in die Landschaft gerichteten Augen allmählich zufielen.

Ich finde, dass es klar ist, dass er nach draußen starrt. Wie wäre es, wenn du das Unterstrichene herauslässt und stattdessen das "schaute" durch "starren" ersetzt. Übrigens gefällt mir deine Auflistung sehr gut.

Also so:

Ich starrte aus dem Fenster. Laterne, Baum, Haus, Busch, Baum, Laterne… Von dieser Eintönigkeit fielen die Augen allmählich zu.

oder

Ich starrte aus dem Fenster. Laterne, Baum, Haus, Busch, Baum, Laterne… Von dieser Eintönigkeit wurde ich in den Schlaf geschaukelt.

Als ich durch ein plötzliches Hupen erschrocken aufwachte, schaute ich reflexartig auf meine Armbanduhr. Es waren kaum zehn Minuten vergangen waren, seit ich mich in den Bus gesetzt hatte.


Hier schreibst du meiner Meinung nach, fast zu lang für einen Schreckmoment. Dadurch entfaltet der Schreck, der durch das Hupen kommt, nicht seine Wirkung.

Das erste was er tut ist auf die Armbanduhr zu schauen, okay, du beschreibst es hier als Reflex. Wenn es aber ein Reflex ist, warum steigt er dann eigentlich in den falschen Bus ein? Er müsste es doch, wenn er sehr sóft auf seine Uhr schaut, die Zeit sehr gut kennen. Dann dürfte er doch auch nicht in den falschen Bus einsteigen, da dieser wohl zur falschen Uhrzeit kommt.

Aber das nur am Rande, ich kann mich auch täuschen, vielleicht war er in diesem Moment einfach zu sehr in seinen Gedanken versunken.

Das refleartig hat mich trotzdem ein wenig gestört. Ich weiß nicht wie realistisch es ist, dann direkt auf die Armbanduhr zu schauen. Unter einem Reflex stelle ich mir eher vor, dass er sich beispielsweise irgendwo abfängt, weil er fast vom Sitz gefallen wäre oder so.


Vielleicht eher

Das Hupen des Busfahrers riss mich aus dem Schlaf. Verwirrt blickte ich mich um.


Nun könnte er sich als nächstes fragen, wie lange er geschlafen hat und schon kannst du die Uhr wieder ins Spiel bringen.

Das Hupen des Busfahrers riss mich aus dem Schlaf. Verwirrt blickte ich mich um. Wie spät war es? Meine Armbanduhr zeigte bereits...


Es waren kaum zehn Minuten vergangen waren, seit ich mich in den Bus gesetzt hatte.


Diesen Satz nutzt du als Überleitung zu den Schlafstörungen. Ich glaube aber, dass zehn Minuten dann fast ein bisschen zu wenig sind. Könnte er nicht länger schlafen? Eine halbe Stunde? Auf mich würde es dan plausibler wirken, dass er an Schlafstörungen leidet. Ein zehn Minuten langes Nickerchen kann schließlich jedem mal passieren.

„Du hast eindeutig Schlafstörungen. Wir sollten mal zum Neurologen gehen. Oder eher zum Psychologen?“, schwirrte es mir nun auf einmal durch den Kopf.


Finde ich interessant, etwas aus seiner Vergangenheit zu erfahren. Ich bin jetzt neugierig, wer das gesagt hat, seine Eltern? Den Satz kannst du so lassen, dass du wörtliche Rede einbaust gefällt mir. Ich würde nur einen Absatz davor und danach einfügen. "Nun auf einmal" finde ich, kannst du herauslassen.

Ich verdrehte automatisch meine Augen und atmete genervt tief ein, als hätte sie gerade vor mir gestanden. Ein wenig Frustration und Ärgernis über diese derartig sinnlose Feststellung kam in mir auf, doch ich atmete tief durch und vergaß sie schnell wieder.


Wen genau meinst du mit "sie" und wieso benennst du das nicht?
Es wäre der Spannung glaube ich nicht abträglich, wenn du die Person benennst außer es ist noch ein Geheimnis und du kommst später wieder darauf zurück. Dann würde ich es so lassen.
Ist es denn seine Mutter? Dann würde das einen weiteren Grund liefern, warum er nicht nach Hause gehen will und dann würde ich benennen.

Ich glaube du meinst anstatt dem "Ärgernis" seinen eigenen "Ärger".

"derartig sinnlose Feststellung" auf was beziehst du dich hier? Auf die Vorstellung von "ihr", wie sie gerade vor ihm steht? Warum ist das sinnlos? Es ist doch völlig normal - denke ich zumindest - dass man sich auch an die Person erinnert, die etwas zu einem gesagt hat und da kann es schon vorkommen, dass man dann auch reagiert, als stünde die Person vor einem.

Ich glaube seine Reaktion käme fast noch besser durch, wenn du nicht nur das Augen verdrehen beschreibst, sondern noch mehr auf seine inneren Gedanken und Empfindungen eingehen würdest.

Etwas in der Art:

Ihre Mahnung regte mich auf. Ich war doch kein Freak oder so etwas. Was konnte ich denn dafür, wenn ich in letzter Zeit ein paarmal tagsüber eingenickt war? Das gleich als Schlafstörung zu bezeichnen war übertrieben! Ich verdrehte die Augen, als stünde sie direkt vor mir. Genau deshalb wollte ich nicht anch Hause, weil sie mich wieder in diese Diskussion verwickeln würde.


Ich schaute mich im Bus um und realisierte, dass ich nun der einzige Fahrgast war.


Das könnte vielleicht sogar besser passen, wenn ihm das schon auffällt, als er aufwacht. So als erste Orientierung.

Zum Beispiel:

Das Hupen des Busfahrers riss mich aus dem Schlaf. Verwirrt blickte ich mich um, ich saß vollkommen alleine in diesem Bus. Wie spät war es? Meine Armbanduhr zeigte bereits drei Uhr an. Ich hatte also eine ganze halbe Stunde geschlafen? Verdammt.

Und danach erst auf die Schlafstörungen eingehen, das wäre meiner Meinung nach die bessere Reihenfolge.

Ich riss die Augen weit auf. Erst aus dem Fenster und anschließend auf die Haltestellenanzeige im Bus schauend erklärte sich das Mysterium des leeren Schulbusses für mich plötzlich ganz einfach und pragmatisch, da ich im falschen Bus saß.


Vielleicht hat er ein komisches Gefühl im Bauch und reißt nicht die Augen auf? Denn Augen aufreißen verbinde ich mit einer Angstreaktion. Oder er gähnt und streckt sich vielleicht und realisiert dann, dass er seine Haltstelle schon verpasst haben muss. Darüber regt er sich erstmal auf. Zu allem Überfluss entdeckt er dann aber, dass er in den falschen Bus eingestiegen ist. Noch schlimmer!

Sprachlich erreichst du das durch knackigere Sätze, vielleicht auch Gedanken des Protagonisten. Anstatt Adjektiven würde ich ausdrucksstarke Verben und Substantive benutzen, Vergleiche einbauen. Die Miene des Busfahrers vielleicht beschreiben oder dein Proatgonist stellt fest, dass ihm die Gegend draußen so gar nicht bekannt vorkommt. Vielleicht gehst du auf die Panik die sich in ihm ausbreitet ein. Fallen ihm vielleicht noch mehr Dinge ein, die heute schon schiefgelaufen sind?

Oder das Gegenteil davon, freut er sich, es möglichst lange hinausgezögert zu haben, nach Hause zu kommen?

Anstatt zu erklären, dass er in den falschen Bus eingestiegen ist und die Situation aufzulösen, würde ich ihn hier handeln lassen, die Reaktion des Protagonisten noch mehr zuspitzen.

Im nächsten Abschnitt lässt du den Protagonisten über den "Zum-Arsch-der-Welt-Bus" schimpfen, das ist ein super Aufhänger! Da liegt die Wut des Protagonisten verborgen, genau damit würde ich an deiner Stelle arbeiten.

An der nächsten Haltestelle ausgestiegen, dachte ich gereizt darüber nach, wie viel finanziellen Verlust die Busgesellschaft wohl im Monat zu verzeichnen gehabt hätte, wäre die Linie in „X6 – Arsch der Welt“ umbenannt worden.


Das ist ein sehr langer Satz. Und er ist sauer. Ich glaube, wenn man sauer ist, brnigt man auf den Punkt, was man zu sagen hat. Auch, was man denkt.

Vielleicht könntest du diesen Satz aufteilen? Auch würde ich das mit dem "finanziellen Verlust" weglassen, denn es kommt doch eigentlich auf das "Am Arsch der Welt" an. Das würde ich deutlicher betonen.

Ein Versuch:

Gereizt steige ich an der nächsten Bushaltestelle aus. Diese Linie sollte in "X6 - Arsch der Welt" umbenannt werden!
„Sehr geehrte Fahrgäste, Sie erreichen nun die Endhaltestelle ‚Arsch der Welt‘. Von hier aus haben Sie Umsteigemöglichkeiten dahin, wo der Pfeffer wächst oder in die gottverlassene Pampa. Dieser Bus wird in 20 Sekunden über eine Klippe fahren und explodieren, da die Welt hier leider zuende ist und Straßen am Ende der Welt nie sonderlich gut ausgebaut sind.“


Übrigens ist dir deine wörtliche Rede sehr gut gelungen und hat mich zum Grinsen gebracht!

Naja, wenn man bedenkt, dass ich zu diesem Zeitpunkt offensichtlich der einzige Vollidiot war, der bis hierhin in diesem Bus gesessen hatte, hätte es ein so großer Verlust wohl auch nicht gewesen sein können. Schade eigentlich.


Das würde ich dann vielleicht auch herauslassen, denn damit stellt sich dein Protagonist nur in ein schlechtes Licht. Er richtet doch seine Wut mehr auf den Bus, als auf sich selbst oder?

Ich drehte mich genügsam die Landschaft und diesen merkwürdigen Teil der Stadt absuchend drei Mal um die eigene Achse in der Hoffnung, die Haltestelle der Linie zurück irgendwo in Reichweite erblicken zu können - Fehlanzeige.


Wow, ebenfalls ein echter Schachtelsatz. Ich musste ihn dreimal lesen, um zu verstehen, was du damit meinst. Die Idee dahinter ist aber gut! Klar, in der Pampa, findet sich auch die Haltestelle zurück nicht, logisch.

Was das genügsam da zu suchen hat, verstehe ich nicht. Genügsam bedeutet doch, sich mit dem zufrieden geben, was man hat. Das passt nicht richtig zur Stimmung deines Protas.

Hier würde ich auch wieder die Sätze kürzen und auf das Wesentliche reduzieren.

Meiner Meinung nach, wäre das Wesentliche hier die unauffindbare Bushaltstelle.

"Fehlanzeige" finde ich gut, das würde ich vielleicht mit einbauen.

Vielleicht so(ich hab Fehlanzeige etzt nicht miteingebaut, kannst du aber gerne tun!):

Wo war diese verdammte Haltestelle mit dem Bus zurück? Ich drehte mich dreimal um die eigene Achse und hatte sie immer noch nicht entdeckt. Zu allem Überfluss kannte ich mich in diesem Teil der Stadt kein bisschen aus.

Welch schwieriges Unterfangen!


Da du bereits schreibst, dass er sich dreimal um die eigene Achse dreht und sie trotzdem nicht entdeckt, empfinde ich diese Aussage als Dopplung. Vielleicht lässt du ihn in seinen Gedanken lieber seinen Ärger ausdrücken?

Ich trottete also ein paar Meter entgegen der Fahrtrichtung meines vermeintlichen „Nach-Hause- Busses“, der sich ungezogenerweise als „Zum-Arsch-Der-Welt-Bus“ entpuppt hatte, auf dem Gehweg entlang.


Das mit den Bussen empfinde ich hier ebenfalls als Wiederholung Wie wär's wenn du einfach schreibst, dass er sich jetzt zu Fuß auf dem Heimweg macht? Oder einfach entgegen der Fahrtrichtung läuft? Das mit den beiden Bussen musst du gar nicht noch einmal erklären.

Irgendwann stieß ich dann zwischen Bäumen, Büschen und Plattenbauten auf etwas, das man mit ein wenig Fantasie durchaus hätte Bushaltestelle nennen können.



Wieder nutzt du die Ironie, das scheint ja seine Art und Weise zu sein mit Dingen umzugehen. Ich würde das auch so lassen und nur das "irgendwann" ersetzen. Vielleicht beschreibst du, dass er erst Ewigkeiten laufen musste, bis er diese Haltestelle gefunden hat? Das spitzt das ganze etwas zu und du kannst seiner Frustration Ausdruck verleihen.

Zumindest der zerrissene, ausgeblichene und kaum lesbare Zettel mit einigen Abfahrtszeiten ließ darauf schließen.


Gefällt mir sehr gut!

Ich musste zurück zur Haltestelle vor meiner Schule, da nur von dort aus der Bus zu mir nach Hause fuhr.


Eigentlich ist das fast eine Dopplung, irgendwie bin ich davon schon ausgegangen, kannst du auch weglassen, denke ich.

Die Linie „X6 – Zurück vom Arsch der Welt“ fuhr das nächste Mal in weiteren elf Minuten. Ich zog in Erwägung, mich auf die Bank im Bushaltestellenhäuschen zu setzen, doch ein kurzer Blick und der euphorisierende Geruch von Urin und Erbrochenem hielten mich aus irgendeinem Grund davon ab.


Der erste Satz ist gut! "euphorisierend" finde ich fast schon übertrieben, damit ziehst du seine Ironie meiner Meinung nach ins lächerliche, als müsste er zwanghaft ironisch sein. Ich glaube du könntest es einfach herauslassen und der Text würde seine Aussage dadurch nicht verlieren.

Wieso aus irgendeinem Grund? Du nennst doch den Grund schon. Das kannst du auch einfach herauslassen, denke ich.

Als dieser fast pünktlich ankam und ich einstieg, erkannte ich denselben Busfahrer wie bei meiner vorherigen Hinfahrt.


Ich würde fast pünktlich herauslassen, denn es ist eigentlich dann schon wieder egal, ob der Bus jetzt eine Minute Verspätung hat oder nicht.

Geniale Idee mit dem Busfahrer!

Ich murmelte im Weitergehen irgendetwas Undeutliches in seine Richtung, von dem ich selber nicht einmal hätte sagen können, was es vernünftig artikuliert hätte bedeuten sollen. „Was für ne Frechheit“, dachte ich. Der Bus war noch immer leer.


Ich würde das ganze umstellen. Die Erklärung braucht es nach dem "Undeutlichen" meiner Meinung nach nicht mehr.
Also ungefähr so:

„Was für ne Frechheit“, dachte ich und murmelte etwas Undeutliches in seine Richtung. Der Bus war immer noch leer.

Kurz bevor wir beide, der Busfahrer und ich, die Haltestelle vor der Schule erreichten, kam uns ein anderer Bus entgegen, dessen Busfahrer mir allerdings bekannt war.


Ich glaube, da du vorher geschrieben hast, dass er leer war, würde ich das nicht mehr erwähnen. Um ein bisschen die Zeit zu verkürzen könntest du

Der Bus war außer mir und dem Fahrer leer und blieb es auch den Rest der Fahrt.

schreiben.

Es ist kompliziert zu schreiben, dass er den anderen Busfahrer wiedererkennt. Wie wär's wenn du direkt schreibst, dass es der Bus ist, den er hätte nehmen sollen? Oder du gibst auch diesem Bus einen originellen Namen wie dem "X6-Zum Arsch der Welt"?

Das mochte eventuell daran gelegen haben, dass es der Bus war, den ich hätte nehmen müssen. Nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich nach Hause und nicht ins Niemandsland hätte fahren wollen.


Hier fand ich seine ironischen Erklärungen langwierig und zu viel. Aber das ist nur mein persönicher Eindruck! Ab und an ist die Ironie gut, aber ich würde sparsamer damit umgehen, denn sonst verliert sie mit der Zeit ihre Wirkung. Als Stilmittel an einigen pointierten Stellen, verleiht sie dem Text mehr Würze.
Ich würde sie hier herauslassen und stattdessen gleich auf Tom eingehen.

Dass er im Bus sitzt und ihn angrinst gefällt mir sehr gut.

Als ich dann noch Toms grinsendes Gesicht im vorbeirumpelnden Bus wahrnahm und sah, wie bescheuert und rotzfrech er mir zuwinkte, als er mich erkannt hatte, war ich mit den Nerven endgültig am Ende.


Könntest du fast in mehreren Sätzen schreiben, ist inhaltlich aber sehr gut!

„Das kann doch nicht wahr sein...“, zischte ich leise wutentbrannt zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor


Bei der Kombination bin ich ins Stocken geraten. Ich würde nur zischen schreiben, es beinhaltet sowohl wutentbrannt, als auch leise. Dass er das nicht durch den ganzen Bus brüllt, passt auch zu seinem Charakter.

Auch zusammengebissen könntest du herausnehmen. Aber zwischen den Zähnen hervorzischen, passt auch nicht so richtig. Vielleicht beschreibst du besser seinen Gesichtsausdruck? Oder vielleicht streckt er Tom die Zunge heraus? Vielleicht könntest du auch einfach nur „Das kann doch nicht wahr sein...“ schreiben, denn es ist klar, wer das sagt.

und drückte den roten „Stop“-Knopf mit meinem Daumen so fest und so lange, bis es plötzlich knackte und ich mir nicht sicher war, ob mir mein rot angelaufener Daumen oder der nun durch meine Gewalteinwirkung von jeglicher Funktion befreite Knopf etwas mitteilen wollte.


Und der letzte Schachtelsatz.

Dass er seinen Ärger am Stoppknopf auslässt, ist eine gute Idee. Aber die Logik im Satz fehlt mir ein bisschen. Warum will der Knopf oder der Daumen ihm etwas mitteilen?

Vielleicht besser:

...und drückte den roten „Stop“-Knopf mit meinem Daumen so fest und so lange, bis es plötzlich knackte. Hatte ich ihn kaputt gemacht? Das war mir jetzt auch egal. Sollte sich der Busfahrer mit dem dämlichen Grinsen später damit herumschlagen!

So, das war's. Ich habe echt lange an dem Kommentar gesessen und hoffe ich konnte dir ein paar Anregungen geben! Wenn dir etwas nicht passt, wie gesagt, hör auf dein Bauchgefühl und dann änder das einfach nicht! Und bleib am Ball und schreib weiter!

Falls du vor hast den ersten Teil oder den zweiten nochmal verbessert hereinzustellen, schaue ich mir das gerne nochmal an.

Am Anfang hast du noch ein paar Fragen gestellt, auf die ich jetzt eingehen will:

Ich hatte mir ehrlich gesagt, ab dem Punkt, an dem er eingeschlafen ist oder du von Schlafstörungen gesprochen hast noch einmal einen Traum erhofft.
Im ersten Kapitel geht es aber nur um die Busfahrt.

Du solltest definitiv daran arbeiten Spannung aufzubauen und den Text zu verdichten, denn im Prinzip passiert nicht viel, es ist eine alltägliche Situation, die du da beschreibst. Trotzdem finden sich gute Ideen im Text wieder. Es wäre toll, wenn du daraus noch mehr machst.

Meine Spekulation zu deiner Geschichte:

Vermutlich trifft er irgendwann noch auf das Mädchen und verliebt sich in sie, sie taucht in seinen Träumen auf. Er hat Streit mit seinen Eltern, weil diese ihn zum Psychiater schicken wollen. In der Schule ist er vielleicht wegen seiner Schlafstörungen ein Außenseiter? Seine Schlafstörungen verfestigen sich noch und es passiert ihm immer häufiger, dass er wegnickt und träumt.

Viel Konflikt besitzt dein Text eigentlich nicht, es wäre vielleicht toll, wenn du ihn durch seine Schlafstörung vielleicht sogar noch in eine brenzligere Situation hereinreitest, als dass er in den falschen Stadtteil fährt.

Aber wer weiß, vielleicht kommt das später noch!

So, das war's von mir!

Ist das eigentlich ein Roman oder eine Kurzgeschichte oder was genau? Du scheinst ja schon einiges geschrieben zu haben!

Liebe Grüße,

Bea
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Albert Einstein
beatrice
 
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Registriert: 30.05.2015, 16:01


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