Geschichten, die nie erzählt wurden

Hier findest du haufenweise Übungsaufgaben, um immer frisch und in Schreibform zu bleiben.
Forumsregeln
Hier keine Übungen/Werke posten, nur in den Werkebereich linken!

FÜs darf jeder gerne selbst erstellen. Regeln gibt es eigentlich keine.
Vorschläge für DÜs können an den aktuellen DÜ-Ansprechpartner Lykos geschickt werden.

Geschichten, die nie erzählt wurden

Beitragvon Lykos » 11.11.2013, 23:21

Hi :D
Habs mal hier gepostet, wenns nicht passt bitte verschieben...
Im Buch "Kreatives Drehbuchschreiben" stellt Christina Kallas eine sehr interessante These auf: Struktur entsteht unbewusst. Wir können das mit einem lustigen kleinen Spielchen rausfinden :mrgreen:
Das Spielchen wird wie folgt gespielt: Man nehme eine Person und eine festgelegte Reihenfolge von ja, nein und fast/vielleicht/so ungefähr (z.B.: ja, nein, ja, fast, ja, nein).
Dann sagt man: "Ich hab eine Geschichte erfunden, du musst versuchen, sie mit Ja-Nein-Fragen herauszufinden!"
Man muss irgendwie hinbekommen, dass keine Nachfragen gestellt werden. Denn dann geht das Spiel nicht. Der andere beginnt also zu Fragen, und man arbeitet einfach seine Ja/Nein/Fast-Kette ab. Wenn man am Ende ist, fängt man wieder von vorne an. Man hat sich gar keine Geschichte ausgedacht sondern der Fragende erfindet sie unbewusst. Deshalb nennt Kallas diese GEschichten "Geschichten, die nie erzählt wurden".
Ich wollt euch einfach mal einladen, das auszuprobieren und die Ergebnisse hier zu posten! Ich fang mal an mit einem, was ich geschwind aus dem Büchlein rauskopier :wink:

Christina Kallas hat geschrieben:Die vierjährige Lydia ist einsam, ihre Eltern sind gestorben, als sie klein war, und sie lebt bei ihrer Tante. Und obwohl die Tante sich sehr um sie kümmert, kann sie die Liebe der Mutter nicht ersetzen. In ihrer Einsamkeit erschafft Lydia eine phantastische Figur, die sie Justlin nennt. Mit ihr teilt sie ihre Gedanken, ihre Gefühle, ihre Erfahrungen. Mit wenigen Worten lebt sie eingeschlossen in ihrer Welt. Bis sie älter wird und zur Schule geht. Bald hat sie echte Freundinnen und irgendwann hat sie genügend Vertrauen, um ihnen ihr Geheimnis zu verraten. Ihre Freundinnen lachen sie aus und Lydia fühlt sich schlecht. Sie trifft sich mit Justlin und fragt sie: Existierst du eigentlich? Die anderen sagen, du würdest gar nicht existieren. Justlin wird sauer, sie ist eifersüchtig – vielleicht ist sie schon vorher eifersüchtig gewesen, und weil sie es ist, fordert sie Lydia auf, ihren Freundinnen die Wahrheit zu sagen, um zu sehen, ob sie wirkliche Freundinnen sind. Die beiden streiten sich und Justlin geht. Lydia versucht, sie zu vergessen. Sie wird älter. Die Freundinnen verschwinden, das Leben nimmt seinen Lauf. Eines Tages, Lydia ist nun eine reife Frau, entscheidet sie sich Justlin zu suchen. Wird sie sie finden?

Lg,
Lykos

PS: Gebt den Figuren bitte Namen, denn Geschichten wie "die Person geht dalang" lassen sich nicht gut lesen :D
Hier geht es zu den Heldenreise-Tutorials
Benutzeravatar
Lykos
 
Beiträge: 1050
Registriert: 01.10.2013, 21:30
Blog: Blog ansehen (5)

Re: Geschichten, die nie erzählt wurden

Beitragvon Robin Schreibt » 24.02.2015, 20:50

Fand das Experiment so interessant, dass ich des gleich mit meiner Freundin ausprobiert habe. Die Geschichte die herausgekommen ist... Naja, seht selbst :D.
Aber sehr interessantes Ding. Da sieht man wie einfach das mit der großen, heiligen Inspiration sein kann. Werde ich bestimmt nochmal machen.

Nebraska, USA, 2018. Robert Buddley ist der amtierende Gouverneur. Er ist beliebt. Ein Mann von unten, der sich hochgekämpft hat. Jude. Er weiß, was es bedeutet angefeindet zu werden. Seine politische Richtung würde man jedoch eher als konservativ und arbeitgeberfreundlich bezeichnen. Ausser ein paar komplizierten Formulierungen ist seine Ablehnung Ausländern gegenüber eher unbekannt. Keiner weiß, dass er sich jeden Samstagabend mit seinen Jungs trifft. Sie sind nicht viele, aber alle von klein auf bekannt und eingeschworen bis aufs Blut. Buddley ist der Anführer. Jeden Samstag schickt er seine Jungs los "einen von denen" zu holen. Dann sperren sie einen Migranten oder manchmal auch einfach einen Amerikaner, der nicht das Glück hat weiß zu sein in einen Keller und Buddley schaut zu wie sie ihn foltern und ermorden. Er selbst macht sich die Hände nicht schmutzig. Es erregt ihn auch nicht. Es ist einfach notwendig in seinen Augen. Sie stehen zwischen ihm und seinem Ziel: Weltherrschaft. Aus der kleinen Bande wird nach und nach eine Organisation, bis Buddley irgendwann sein Ziel erreicht hat. Er steht als absoluter Herrscher an der Spitze der Welt. Doch als ihm klar wird welche Welt er da nun unter sich hat, richtet er sich mit einer großen symbolischen Geste selbst.
Robin Schreibt
 
Beiträge: 22
Registriert: 09.09.2011, 22:14


Zurück zu Fingerübungen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste