Hauptcharakter zu oberflächlich für die Geschichte?

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Re: Hauptcharakter zu oberflächlich für die Geschichte?

Beitragvon Milch » 02.05.2015, 14:11

wing13 hat geschrieben:Meine Güte, hier haben sich die Commenter aber ausgetobt.
Also 1.: Lass Dir nichts einreden. Die meinen das nicht so, die lesen sich nur selbst gerne schreiben ;-) So wie wir alle.
Aber kauf Dir bloß nicht Psychologie heute. Und nicht alle Ärzte sind zynisch.

2. Ich finde den Charakter noch nicht zu oberflächlich. Er hat janoch nichts getan, was nach Rechtfertigung verlangt. Aber vielleicht hilft es Dir, wenn Du, wie hier schon empfohlen, nacH dem Persönlichkeitskern suchst. Ggf. Auch geschichtlich: Welches Erlebnis (auch mehrere) definiert den Charakter? Hat Mama ihn einmal an der Bushaltestelle vergessen? Hat sich sein Opa nach Aktienspekulationen umgebracht? Warum ist die Fassade, der Erfolg nach außen so wichtig?


Es gibt keinen reinen Persönlichkeitskern.
Und die Psychologie heute ist für Autoren generell empfehlenswert, so erfährt man, wie unterschiedlich Menschen ticken können. Ich weiß nicht, ob die Emotions genauso gut ist.
Und ja, der Figur fehlt das Individuelle und ich glaube, daran krankt es.
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Re: Hauptcharakter zu oberflächlich für die Geschichte?

Beitragvon HannahRiddle » 19.05.2015, 18:26

Ich glaube, Alexander fehlt etwas, das ihn antreibt so perfekt zu sein. Er brauch noch irgendetwas dunkles, nicht "perfektes" das ihm vielleicht den Anreiz gibt, perfekt zu sein. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen dass seine Vergangenheit eventuell nicht ganz so perfekt war, dann müsste er aber aus einer nicht ganz so "perfekten" Familie kommen ... Oder aber er kommt aus einer "schein perfekten" Familie, in der es doch nicht ganz so perfekt zu ging.
Die Idee mit seinem, ich sag jetzt mal grob, "Menschenproblem" finde ich ganz gut und auch weiter ausbaufähig, man könnte dieses Menschenproblem eventuell auch auf seine dunklere Vergangenheit beziehen, von der der Leser nach und nach erfährt.
Ich weiß nicht. Eventuell baust du dir aber auch mit der perfekten Familie ein bisschen etwas zu, wie wäre es wenn beide zwei Söhne haben aber eigentlich lieber Töchter hätten / gar keine Kinder / nur eins?
Ich finde den Charakter für mich ein bisschen zu "Dr. Sonnenschein", aber letzten Endes ist es natürlich deine Entscheidung!
HannahRiddle
PS: Noch so eine Frage zwischendurch und ein weiterer Anreiz für einen "Tintenklecks" in der Vergangenheit ... Warum ist er eigentlich Kinderarzt? Hat er eventuell mal das Leben eines Patienten gefährdet in dem er versehentlich falsche Mittel verschrieb oder ihm ein Fehler passierte? Okay, das war's dann jetzt aber auch wirklich ^^
It's LeviOsa, not LeviosAR! ~ Hermione Granger
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Re: Hauptcharakter zu oberflächlich für die Geschichte?

Beitragvon Latika » 01.06.2015, 00:51

Maggi1417 hat geschrieben:
Spoiler: Anzeigen
Schritt1:
Es beginnt damit, dass man darüber nachdenkt, welche Wunden die Figur hat. Welches Ereignis (oder Ereignisse) in der Vergangenheit hat bleibende Narben in der Psyche des Charakters hinterlassen.
Der writershelpingwriters-Blog zählt sieben Kategorien auf: Physische Verletzungen oder Behinderungen, Opfer von Ungerechtigkeit, Verbrechen, etc. , Fehler oder Versagen der Figur selbst, Verrat und Enttäuschung, Isolation und Ausgrenzung, Im Stich gelassen- oder Abgelehnt werden, Desillusionierung.
(Es muss sich nicht immer um die obligatorische tragische Vergangenheit handeln. Nicht jede Figuren brauchen tote Eltern oder Misshandlungen in der Kindheit. Aber niemand geht auf Wolken durchs Leben. Narben trägt eigentlich fast jeder ab einem bestimmten Alter. Kreativität ist angesagt.)

Schritt 2:
Als nächstes macht man sich Gedanken darüber, wie diese Erlebnisse das Denken der Figur geprägt haben. Einige Autoren nennen das "die Lüge, die die Figur glaubt". Es handelt sich dabei um verallgemeinerte (falsche) Annahmen über sich selbst, Menschen, die Welt, etc. Eine Figur, die von der Gesellschaft immer wieder ausgegrenzt wird, kommt vermutlich irgendwann zu dem Schluss "Ich bin anders. Ich gehöre nicht dazu". Eine Figur, die einmal schwer betrogen wurde, kommt zu dem Schluss "Man darf niemandem trauen, außer sich selbst". Je nach Figur kann das ganze auch ganz unterschiedliche Wege nehmen. Eine Figur, der Gewalt angetan wurde kommt eventuell zu dem Schluss "Es ist am beste unauffällig und unterwürfig zu bleiben, dann ist man sicher." Genauso gut könnte sie aber auch anfangen zu glauben "Du musst härter sein, als alle anderen. Dann bist du sicher."
Wenn man sich klar gemacht hat, welche Lügen die Figur glaubt, dann hat man schon einen ziemlich guten Kompass zur Hand um zu entscheiden, wie sie in bestimmten Situationen fühlt und handelt.

Schritt 3:
Ängste. Das ist ja so ein Punkt der eigentlich immer in diesen Profilen auftaucht. Man muss sich da nichts aus den Fingern saugen. Die Antwort findet man in Schritt 1. Die Figur hat Angst davor, die Erfahrungen aus Schritt 1 in der selben oder einer anderen Form noch einmal zu erleben. Auch hier kann man daraus wieder gut ableiten, wie ein Charakter fühlt und handelt.
Eine Figur, die einmal im Stich gelassen wurde, wird Angst haben, dass es noch mal passiert und sich gar nicht erst auf andere verlassen. Jemand der immer ausgegrenzt wurde, wird gar nicht erst versuchen, dazuzugehören, um die Erfahrung nicht noch einmal machen zu müssen. Eine Figur, die einmal einen großen Fehler gemacht hat, wird versuchen, sich verantwortungsvollen Aufgaben zu entziehen, weil sie nicht noch einmal versagen will.

Schritt 4:
Schwächen.Nach den ersten drei Schritten springen die einem eigentlich fast ins Gesicht. Es sind die Ansichten, die sich aus der Lüge ableiten, die die Figur glaubt. Die Verhaltensweisen und Mechanismen, die die Figur davor schützen sollen, die selben Schmerzhaften Erfahrungen noch einmal zu machen.
Natürlich funktioniert das nicht (wo wäre da der Spaß?). Diese Schwäche/Schwächen wird der Figur immer wieder im Weg stehen und sie daran hindern, ihre Ziele zu erreichen. Der sogenannte fatal flaw. Erst wenn der Charakter die Lüge enttarnt und seine Schwäche überwindet, kann das Ziel erreicht werden (mehr dazu unten).

Das ganze funktioniert übrigens auch rückwärts: Wenn ich zum Beispiel gerne einen Charakter hätte der Arrogant, Feige oder Selbstsüchtig ist, dann muss ich mir nur die Frage stellen "Welche schmerzhaften Gefühle versucht meine Figur durch dieses Verhalten zu vermeiden?" Und dann noch einen Schritt zurück "Bei welchem traumatischen Ereignis hat die Figur diese Gefühle zum ersten Mal erlebt?" Voilà.

Entwicklung: Wenn man einen Charakter möchte, der sich entwickelt (und wer möchte das nicht), dann orientiert man sich an der Lüge aus Schritt 2. Die Figur beginnt diese Annahme in frage zu stellen, stellt fest das sie falsch ist, und schafft es, die erlernten Verteidigungsmechanismen (aka Schwächen) zu überwinden. Zum Beispiel: Der Protagonist, der in seiner Kindheit verlassen wurde und sich deshalb nur auf sich selbst verlässt. Das schadet ihm. Es kommt ihm bei der Lösung von Problemen immer wieder in die Quere. Doch dann, im Laufe der Handlung, findet er Leute, die ihm zu Seite stehen. Er beginnt die Annahme "ich kann mich nur auf mich selbst verlassen" in Frage zu stellen,schafft es letztendlich seine Schwäche (nicht vertrauen können) zu überwinden und kann sein Problem lösen.



Vielen DANK für den Spoiler, Maggi! Nichts hat mir so sehr geholfen die Charaktere meiner Protas zu entwickeln, wie die 4 obigen Schritte!! :2thumbs:
~ Ich bin nur ein großer Träumer, doch mit Träumen fängt es ~
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