Hauptplot, Nebenplot und Handlungsstränge

Diskussion zum Schriftsteller-werden.de Blog

Hauptplot, Nebenplot und Handlungsstränge

Beitragvon Jacky » 05.02.2008, 10:10

Nutze dieses Thema um über folgenden Beitrag aus meinem Blog zu diskutieren:
Hauptplot, Nebenplot und Handlungsstränge

Welche Art von Absetzung benutzt du um einen neuen Abschnitt zu beginnen?
Wieviele Handlungsstränge verfolgst du?
Du hast in jedem Augenblick die Freiheit zu entscheiden was wichtig ist und wie du darauf reagierst.

Die Schreibwerkstatt kommt wieder! Sag mir Bescheid!
Benutzeravatar
Jacky
 
Beiträge: 9353
Registriert: 28.02.2007, 13:20
Wohnort: jacky@schreibwerkstatt.de (PNs deaktiviert - noch einen Posteingang schaffe ich nicht ^^;)
Blog: Blog ansehen (50)

Beitragvon zorro » 25.03.2008, 15:28

Einen Wechsel zwischen den einzelnen Plots mache ich immer auch durch das Layout deutlich: zwei Leerzeilen, der folgenden Absatz beginnt mit einer Initiale. Inhaltlich folgt kurz etwas für den Plot Charakteristisches (z.B. ein Schauplatz), damit der Leser umgehend weiss, wo er sich befindet. Ich halte nichts davon, die Leser die längste Weile im Dunkeln zu lassen.

Und zum Cliffhanger-Effekt: Wird zuviel damit gearbeitet, trivialisiert das einen Text. Soll er wirkungsvoll sein, muss es knallen. Beim Wunsch, subtiler vorzugehen, halte ich es für besser, keinen Cliffhanger zu verwenden. Es gibt genug andere, durchaus pointierte Methoden, ein Kapitel, eine Szene, oder wie auch immer, zu beenden.

zorro
zorro
Inaktiv
 
Beiträge: 172
Registriert: 26.02.2008, 20:39

Beitragvon Jacky » 27.03.2008, 15:28

Welche Methoden meinst du im speziellen bzw. welche benutzt du am liebsten?
Du hast in jedem Augenblick die Freiheit zu entscheiden was wichtig ist und wie du darauf reagierst.

Die Schreibwerkstatt kommt wieder! Sag mir Bescheid!
Benutzeravatar
Jacky
 
Beiträge: 9353
Registriert: 28.02.2007, 13:20
Wohnort: jacky@schreibwerkstatt.de (PNs deaktiviert - noch einen Posteingang schaffe ich nicht ^^;)
Blog: Blog ansehen (50)

Beitragvon zorro » 30.03.2008, 12:37

Liebe Jackie,

Du fragst mich näher nach dem, was ich "pointierte Methode" genannt habe, ein Kapitel bzw. Szene zu beenden. Also grundsätzlich neige ich wie wahrscheinlich 99,5% aller anderen Schreibfreunde dazu, zu enden, wenn die Handlung dies nahelegt. Solange etwas geschieht, ist eine Geschichte da und das wollen wir erzählen. Das heißt vice versa, wenn nichts geschieht (und das ist in praktisch jedem Text, der einen gewissen Umfang übersteigt, zwischendurch der Fall) sollten wir die Klappe halten. Mithin stellt sich die Frage nach dem Ende.

Allerdings halte ich nichts davon, wenn ein Kapitel mit einem harmlosen Trallala endet. Natürlich kann man das machen, aber das ist eben nichts "Pointiertes". Ich bin vielmehr bemüht, über das formale Ende des Textes hinaus einen nachhaltigen Eindruck beim Leser zu erzielen. Ein Beispiel: In meinem Roman ("Ein Hund tritt in den Saal") schreibe ich in einem Subplot von einer Wäschereiarbeiterin namens Sabine, die mit dem Dämon Odrammiel schläft. Als Gegenleistung verspricht dieser ihr den Zugang zu der Welt der reichen Leute. Der Schluss liest sich so:

"Im nächsten Augenblick war die Welt in magisches Blau getaucht. Sabine merkte, dass sie sich in einer horizontalen Lage befand, nackt, die Schenkel weit geöffnet. Odrammiel schien verschwunden. Ein unsichtbares Wesen beugte sich machtvoll über sie und drang in sie ein.
Unendliche Wollust überströmte Sabine ... Doch zugleich eröffneten sich ihr Visionen unbekannter Welten, einge­taucht in Schwermut und Düsternis. Sie folgte ihrem Liebhaber in steile, neblige Schluchten, in Sümpfe, über denen giftige Methanschwaden zogen. Sabine schwebte zwischen bizarren Felsformationen, die von weitem an versteinerte Ungeheuer in der Stunde ihres Todes gemahnten, vorbei an verkrüppelten Bäumen. Bedrohlich reckten diese ihre Äste grotesken Fingern gleich in die Luft ... Es war wie zum Zeichen: Das Böse ist hier!
Sabine hörte dort ihre eigenen Atemzüge, wie der Wind, der über eine menschenleere Einöde streicht oder zwischen verlassenen Häusern in der Tiefe der Nacht. Sie nahm ihr eigenes Stöhnen wahr, wie es einmal näher, das andere Mal ferner langgezogen durch diese Welten geisterte.
Sabine hatte längst jedes Zeitgefühl verloren ... Sabine wurde ohnmächtig ... "

Darauf folgen zwei Leerzeilen, der Beginn der folgenden Szene ist zusätzlich durch eine Initiale gekennzeichnet. Total relaxt wende ich mich einem anderen Plot zu.

Der Hauptplot handelt von Prinzessin Agnes, die eines Tages mit einem fremden Gesicht aufwacht und von den Palastwachen hinausgeschmissen wird. Von nun an muss sie sich als Verkäuferin am Trödelmarkt, inmitten der untersten sozialen Schichten, ihr Brötchen verdienen. Das Ende einer der typischen Begebenheiten, mit denen sie fortan konfrontiert ist, liest sich so:

"Manchmal schlenderten die Leute mit ih­ren Kin­dern von Stand zu Stand und machten sich über die Beschäftigten lustig. Einmal warf ein verzogener Bengel Agnes einen ganzen Stapel alter Post­karten vom Tisch und lief auflachend davon. Sein Papa meinte nur achselzuckend: „Ist ja nichts pas­siert. Dann sammeln Sie die Karten halt wieder auf. Dazu sind Sie ja da oder etwa nicht?“
Da wurde die Prinzessin sehr nachdenklich ..."

Es gibt insgesamt 6 oder 7 Szenen, die mit exakt diesen Worten enden. Das wirkt verstärkend. Der Sinn liegt auf der Hand: Der Leser soll nachdenken, er soll idealerweise in seiner Gedankenwelt genau die Schlussfolgerungen ziehen, die mein Text "nur" nahelegt. So ist er über die Szene hinaus befasst. Er ist eingebunden, er denkt mit. Und das zu einem Zeitpunkt, wo er schon keine Worte mehr liest!

Beim Wechsel zwischen den einzelnen Plots finde ich es darüber hinaus wichtig, dass wir uns Gedanken machen, wann das geschieht und auf welche Weise ein Subplot in den Hautplot eingebunden ist.

Beispiel: Die Frage, warum Prinzessin Agnes seinerzeit mit einem falschen Gesicht aufgewacht ist, wird erst im letzten Drittel des Textes beantwortet: Die (ehemalige) Wäschereiarbeiterin Sabine, nunmehr Gattin des Prinzen Heinrich, meint in ihrer Schwägerin Agnes eine potenzielle Gefahr erkennen zu müssen. Mithilfe der magischen Artefakte Odrammiels gedenkt sie, diese zu bannen. Diese Szene liest sich (gekürzt) am Ende so:

"Sie nahm das „Buch der ultimativen magischen Rezeptu­ren“ zur Hand und suchte sich etwas Passendes aus. Dem Spiegel schenkte sie bereits keine Aufmerksamkeit mehr, als dieser sie eindringlich warnte: „Wähle deine Feinde mit Bedacht!“
Im Vorwort stand, dass ein Rezept, welches einmal verwen­det worden war, für immer sowohl aus dem Buch als auch aus dem Gedächtnis des praktizierenden Magiers ver­schwinden würde.
Nach einigen Minuten intensiven Blätterns hatte Sabine es gefunden. Sie nahm ein gusseisernes Gefäß zur Hand, stellte es über einen Bunsenbrenner und braute darin ein unheilvolles Gebräu gemäß den Anweisungen. Als nach zehn Minuten schwarz-grü­ner Dampf aufstieg, tat Sabine einen grausamen Fluch. Abschließend noch ein halbes Gramm getrocknete Alraunwurzel hineinrühren, das würde bestimmen, wie lange der Fluch wirken würde. Halt! Wie war das doch gleich gewesen? War das jetzt die Angabe für ein Jahr, ein Jahrzehnt oder ein Jahrhundert? Schnell nachsehen ... Zu spät, die Schrift war schon verschwunden, die Seite des Buches war unbeschrieben, das Rezept damit ein für alle Mal Geschichte! So ein Pech ...
Am nächsten Morgen wachte Agnes mit einem anderen Gesicht auf ... "

Durch dieses Ende ist der kausale Zusammenhang mit dem Hauptplot hergestellt. Es wird eine wichtige Frage gegen Ende des Romanes beantwortet, die am Anfang aufgeworfen worden war.

Was wir zuletzt schreiben, wirkt am längsten nach. Mit einem gelungenen Anfang gewinnen wir einen Leser, mit einem guten Ende erhalten wir uns diesen.

zorro
zorro
Inaktiv
 
Beiträge: 172
Registriert: 26.02.2008, 20:39

Re: Hauptplot, Nebenplot und Handlungsstränge

Beitragvon Biene » 12.05.2009, 17:32

Also, bei meinem neuen Projekt verfolge ich die sehr unterschiedlichen Leben einer jugendlichen Stricherin und eines Dämons in Menschengestalt, deren Schicksale sich immer weiter verflechten (natürlich nicht zufällig) und sie sich gegenseitig immer tiefer in einen Abgrund hinabziehen, der unter Umständen ihrer beiden Tod beideuten kann.
Ich schreibe immer abwechselnd aus ihrer und seiner Sicht, und jede Perspektive hat ihre Pros und Cons, vor allem weil ich noch je nach Charakter meine Ausdrucksweise verändern muss.
Subplots und Handlungsstränge sind unter anderem die Vorgeschichten der beiden, er lebt ja schon seit Jahrtausenden auf der Erde, und sie als Straßenmädchen hat auch ein bewegtes Leben hinter sich. Dann hat er ja eigentlich den Auftrag sie zu töten, er führt ein Doppelleben als überirdische Killermaschine, von dem sie kaum etwas ahnt. Es gibt auch noch andere Dämonen, die von einer Beziehung zu seinem Opfer nichts mitkriegen dürfen. Es sind ein ganzer Haufen Handlungsstränge.

Mein Problem dabei ist, dass ich mich zu sehr in Details verrenne. Ich habe gestern die ersten zwei Szenen geschrieben, die relativ spannend beginnen, aber ehe man sichs versieht findet man sich in einer Hintergrundgeschichte wieder, die ich so gar nicht geplant hatte. Sie ist jetzt nicht soo langweilig, aber absolut nichts für den Anfang, sondern eben für Tiefpunkte des Hauptplots gedacht. Außerdem nimmt sie die ganze Spannung. Jetzt hab ich sie da und krig sie nicht mehr weg - da haben wir wieder das Problem mit den festgefahrenen Ideen, nur verrenne ich mich grundsätzlich vor allem in unwichtigen Details.
Da werde ich mich demnächst mal dahinterklemmen.

LG,
Biene
Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du nicht scheitern könntest?
Benutzeravatar
Biene
 
Beiträge: 373
Registriert: 29.05.2008, 14:48
Wohnort: Wem "Bickensohl" etwas sagt, bitte bei mir melden!
Blog: Blog ansehen (4)

Re: Hauptplot, Nebenplot und Handlungsstränge

Beitragvon Jacky » 12.05.2009, 17:39

Spontane Idee:
Nimm den Teil (den der die Spannung rausnimmt) und kopier ihn in - beim yWriter - in eine neue Szene (sonst in eine neue andere Datei).

Vorher:
Durchwachsene Szene 1
Szene 2

Nachher:
1. Spannender Teil der Szene 1
Langweiliger Teil der Szene 1
2. Spannender Teil der Szene 1
Szene 2

Tu für den Augenblick so, als wäre sie eben da, ignorier sie aber und schreibe weiter. Sobald du dazu bereit bist (also meinetwegen auch sofort), schiebst du "Langweiliger Teil der Szene 1" in ein anderes Kapitel dem du den Status "unused" gibst. Dadurch hast du Platz in deinem Kopf.

Jetzt schreib die Geschichte einfach so weiter, als würde es diese Szene nicht geben. Dadurch hast du nicht das Gefühl du würdest etwas wegwerfen (du kannst sie, wenn du sie später brauchst auch wieder aus der Mottenkiste holen) und kannst trotzdem ungehindert weiterschreiben.

lg
Jacky ;)
Du hast in jedem Augenblick die Freiheit zu entscheiden was wichtig ist und wie du darauf reagierst.

Die Schreibwerkstatt kommt wieder! Sag mir Bescheid!
Benutzeravatar
Jacky
 
Beiträge: 9353
Registriert: 28.02.2007, 13:20
Wohnort: jacky@schreibwerkstatt.de (PNs deaktiviert - noch einen Posteingang schaffe ich nicht ^^;)
Blog: Blog ansehen (50)

Re: Hauptplot, Nebenplot und Handlungsstränge

Beitragvon Elia » 13.05.2009, 10:33

Hallo!
Mmh...liegt bestimmt an mir, aber so ganz hab ich das noch nicht kapiert. Ich versuche gerade krampfhaft, dieses Prinzip auf meine Geschichte anzuwenden. Manchmal gelingt es mir (wenn die Handlung eine Art "Schlenker" und "Ausflug in eine andere Richtung" macht, bevor alles weitergeht) aber an anderen Stellen...

Bei eingebundenen Geschichten wird sich das nahezu von selbst ergeben, besonders Nebenplots, die dein Hauptcharakter erledigen muss um sein eigentliches Ziel zu erreichen.

Da fängt es schon an...meine Protagonistin wird in eine andere Welt entführt. Ihr Entführer verlangt etwas von ihr, dass sie erledigen soll. Erst dann darf sie vielleicht wieder nach Hause. Darauf setzt sie ihre Hoffnung und sich an die Aufgabe, die ihr der Entführer gestellt hat. So. Und nun geht die Verwirrung los. Ihr Ziel ist also zunächst, wieder nach Hause zu können.
1. Sie kommt zwar wieder nach Hause, aber erst irgendwo 30 Seiten vor dem Schluss. Jetzt ist es aber so, dass eher der Schluss selbst eine Nebenhandlung ist bzw. das, was er ist: der Schluss. Eine "Art" Epilog, nachdem die schlimmste Action vorbei ist. Klar, auch im Schluss gibt es noch Action. Aber auch diese ist eher ein Nebenplot und gehört nicht mehr zum großen Hauptplot. Also würde der Hauptplot doch dort enden, wo sie ihr Ziel erreicht? Aber dann wäre doch alles, was sie dafür tut, nur ein Nebenplot? Der Punkt ist, dass sie die ganze Geschichte hindurch die Aufgabe ausführt. Soll das jetzt alles der Nebenplot sein? Wahrscheinlich nicht, aber wie gesagt, ich steh gerade auf dem Schlauch.
2. Ihre Ziele ändern sich. Klar, sie will irgendwie schon noch nach Hause. Aber mitten im Roman sagt sie dann auch, dass ihr neues Zuhause jetzt dort ist, wo sie ist, weil sie sich verliebt und dort bleiben will. Am Ende passiert ziemlich viel Mist und sie will doch wieder nach Hause. Aber sobald sie wieder zu Hause ist, hat sie ein neues Ziel: wieder zurück. Tja...??? Was ist das denn dann? Wenn die Frau sich einfach nicht entscheiden kann, was ihr Ziel ist? Wie soll ich armer Autor denn dann rausfinden, was Haupt - und Nebenplot ist? :wink: Ich mag es, wenn ich meine Geschichte strukturell aufs Korn nehmen kann, das gibt mir ein Gefühl von Durchblick. Aber irgendwie...mmh.

Perspektivenwechsel habe ich auch drin. Warum das so tricky sein soll, versteh ich auch nicht so ganz:
Haben die beiden Charaktere dasselbe Geschlecht wird es schon etwas trickreicher. Aber meist reicht eine (für den Protagonisten) ungewöhnliche Umgebung aus um deinen Leser hellhörig zu machen. Oder aber ein spezifisches Merkmal, das einfach nicht zu deinem Protagonisten passt.

Vielleicht bin ich da gemein zum Leser, weil er nicht lange rätselraten darf, aber ich erwähne einfach schon im ersten Satz den Namen desjenigen, aus dessen Perspektive ich schreibe und damit ist der Kuchen für mich gegessen. (warum soll man denn auch ewig und drei Tage die Merkmale beschreiben, wenn man einfach den Namen nennen könnte?) Ich machs sogar noch gemeiner: Zweimal habe ich neue Charaktere eingeführt, in dem ich einfach aus ihrer Perspektive erzählt habe, ohne, dass sie je zuvor irgendwie erwähnt worden sind. (Können also noch gar kein Merkmal haben) Erst danach lernt meine Protagonistin jene Charaktere (nun wieder aus ihrer Perspektive) kennen und beschreibt sie von Außen. (jetzt bekommen sie ihre Merkmale)
Ich schreibe auch nicht immer aus denselben Perspektiven, sondern meist aus der meiner Protagonistin, hin und wieder , wenn sie bewusstlos/nicht anwesend ist, aus einer anderen. Aber aus jeder anderen höchstens zweimal.
Bei neuen Perspektiven mach ich einfach eine Leerzeile dazwischen, kein neues Kapitel. Die werden ausschließlich von meiner Protagonistin gestartet. Tja...vielleicht kannst du meine Fragen ja beantworten, das wär echt lieb, das wurmt mich nämlich. Ich fass nochmal zusammen.
1. Ist wirklich alles von Start bis Erreichen des Ziels Nebenhandlung? Also alles, was getan werden muss, um das Ziel zu erreichen?
2. Was, wenn sich die Ziele ändern?
3. Warum kann ich bei geänderten Perspektiven nicht einfach den Namen nennen?
Ein Buch ist wie ein Spiegel, aus dem kein Apostel herausgucken kann, wenn ein Affe hineinguckt.
- Georg Christoph Lichtenberg
Benutzeravatar
Elia
 
Beiträge: 124
Registriert: 06.03.2009, 22:49

Re: Hauptplot, Nebenplot und Handlungsstränge

Beitragvon Jacky » 13.05.2009, 19:27

Also, bevor ich mich an die Beantwortung deiner Frage mache noch ein kleiner Einwurf:
Namen sind Schall und Rauch und mein Versuch diese Begriffe zu differenzieren ist nur eine Möglichkeit um sich einen Überblick zu verschaffen. Wenn es dir hilft die Worte anders zu benutzen, dann bitte tu das ;)

Einfach der Übersichtlichkeit halber, fasse ich deine Geschichte mal kurz zusammen, wie ich sie verstanden habe und taufe deine Protagonisten jetzt der Kürzehalber "Anna" (nicht schreien, ich weiß, dass sie sicher einen viel tolleren Namen hat :P) und was sie machen soll ist eine Banane finden (ich weiß, ich war auch schonmal kreativer, aber das wird mir hier sonst alles zu viel Umschreiberei)

Anna wird entführt
Anna wird erpresst: besorg mir die Banane und ich lass dich (vielleicht) nach Hause
Anne sucht die Banane
Anna verliebt sich in den Entführer
Viele üble Dinge geschehen
Anna will doch wieder nach Hause
Anna findet die Banane
Anna geht nach Hause
Anna möchte wieder zum Entführer zurück

Anna ist die Protagonistin, also rankt sich der Hauptplot um sie herum. Alles was sie tut um die Banane zu finden, gehört genauso zum Hauptplot wie die Tatsache, dass sie sich in den Entführer verliebt, wieder entliebt, nach Hause geht und wieder zurück kommt.

Alle diese Dinge sind Essenziell für ihre Geschichte, ihre Entwicklung und den Ausgang der Geschichte. Der Hauptplot hängt immer an Anna dran. Wenn sich ihre Ziele ändern, dann auch der Hauptplot.

Ein Subplot oder Nebenplot, sind kleine Dinge nebendran, ....

Nehmen wir mal Herr der Ringe: Der Hauptplot ist "vernichte den Ring", auch wenn Frodo das am Anfang noch nicht weiß.
Am Anfang hat er nämlich "nur" das Ziel, den Ring zu den Elfen zu bringen, dann gibt es einen Rat, dann erst soll er den Ring vernichten, das Ziel ändert sich und mit ihm der Hauptplot.

Die Nebenhandlungen in dieser Geschichte sind so zahlreich, dass es mir schon schwer fällt ein Beispiel auszusuchen, Quasie jeder Kriegsschauplatz bei dem Frodo nicht dabei ist, ist ein Nebenplot - klar - aber auch der Kampf mit der Riesenspinne ist ein Subplott. Ich glaub das ist ein ganz gutes Beispiel. Frodo befindet sich auf dem Weg zu seinem eigentlichen Ziel, aber um dieses Ziel zu erreichen muss er an Tantra vorbei. "Tantra besiegen" ist also ein Zwischenziel und damit ein Subplot, auch wenn es völlig in den Hauptlot integriert ist, weil es ja ein Teil davon ist. Aber es ist ein eigenes kleines Teilziel, das erreicht werden kann.

So würde ich das zumindest jetzt auslegen ... hilft dir das weiter?


Elia hat geschrieben:1. Ist wirklich alles von Start bis Erreichen des Ziels Nebenhandlung? Also alles, was getan werden muss, um das Ziel zu erreichen?
2. Was, wenn sich die Ziele ändern?
3. Warum kann ich bei geänderten Perspektiven nicht einfach den Namen nennen?

Zu 1. und 2.
Wenn du willst kannst du es "Nebenhandlungen die Teil der Haupthandlung sind" nennen, oder wenn dir das besser gefällt, dann kannst du nur Dinge, die nicht deinem Protagonisten geschehen Nebenplot nennen, oder nur Dinge, die nichts mit der Erreichung des Hauptziels zu tun haben. Das kommt ganz auf dich und die Sichtweise an, bzw. darauf, wozu du diese Erkenntnis am Ende benutzen möchtest.
Wörter sind nur Werkzeuge, wenn sie ihren Zweck nicht erfüllen müssen wir sie einfach ändern :ugeek:

Zu 3.
Kannst du gerne machen :D Es ging mir nur darum, wie kann ich es "anders" machen, ... weil immer und immer und immer wieder ein Kapitel mit dem Namen anfangen zu lassen wurde mir irgendwann langweilig. Außerdem kann es Teilweise auch zur Spannung beitragen, wenn der Leser sich denken muss, aus wessen Perspektive er gerade schaut ;)

Ich hoffe ich habe deine Fragen zur Genüge beantwortet, wenn nicht, weiter bohren
lg
Jacky ;)
Du hast in jedem Augenblick die Freiheit zu entscheiden was wichtig ist und wie du darauf reagierst.

Die Schreibwerkstatt kommt wieder! Sag mir Bescheid!
Benutzeravatar
Jacky
 
Beiträge: 9353
Registriert: 28.02.2007, 13:20
Wohnort: jacky@schreibwerkstatt.de (PNs deaktiviert - noch einen Posteingang schaffe ich nicht ^^;)
Blog: Blog ansehen (50)

Re: Hauptplot, Nebenplot und Handlungsstränge

Beitragvon Elia » 13.05.2009, 23:25

Hallo!
Ich hoffe ich habe deine Fragen zur Genüge beantwortet, wenn nicht, weiter bohren
lg

Nö, ich pack den Bohrer mal wieder weg. Ich glaub, ich habs soweit kapiert. Letztendlich ist eine Geschichte dann ja eine möglichst spannende Aneinanderreihung von Subplots, die den Hauptplot bilden und auf ein bestimmtes Ziel hinsteuern. (wenn das schon wieder falsch ist, bitte nicht hauen und auch den Bohrer weglassen. :wink: )
Das kommt ganz auf dich und die Sichtweise an, bzw. darauf, wozu du diese Erkenntnis am Ende benutzen möchtest.

Hab schon eine Erkenntnis. :D
Was ich nämlich noch ganz interessant finde, ist dass mir gerade aufgefallen ist, dass meine Figur gleich zwei große Ziele hat. Das heißt, während sie sich um das eine Ziel kümmert (Banane finden :mrgreen: ) beschäftigt sie sich auch mit einem anderen Ziel...was beträchtlich den Hauptplot verändert hat, man könnte die Szenen also auch gleich von zwei Hauptplotzielen betrachten... noch so was tolles, was man untersuchen kann...deshalb gehe ich übrigens gerne strukturell an Geschichten ran, da findet man viel mehr raus. (Außerdem ist das wahrscheinlich "Berufsleidenschaft", sonst würd ich das ja wohl kaum studieren :D )
Anna wird entführt
Anna wird erpresst: besorg mir die Banane und ich lass dich (vielleicht) nach Hause
Anne sucht die Banane
Anna verliebt sich in den Entführer
Viele üble Dinge geschehen
Anna will doch wieder nach Hause
Anna findet die Banane
Anna geht nach Hause
Anna möchte wieder zum Entführer zurück

Ganz ehrlich, ich krieg mich kaum noch ein vor lachen, das ist einfach zu köstlich! Und Glückwunsch! Du hast meinen Wälzer zu einem kleinen einfachen Strukturschema verarbeitet, bei dem ich immernoch total kringelig lache.( Ich liege übrigens immernoch kraftlos auf dem Boden und schreibe von hier aus, weil der Lachanfall mich völlig fertig gemacht hat.) Echt genial. :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: Hey, wie kommst du eigentlich darauf, dass sie sich in den Entführer verliebt? (ist ganz schön stereotyp, was? Aber verflixt, du hast nämlich Recht...es ist tatsächlich der Entführer, hast voll ins Schwarze getrofffen... :? und irgendwie auch doof, dass man einen ganzen Roman überhaupt derart einfach strukturieren kann :? Aber das funktioniert ja eigentlich bei allen Romanen...oder?)
Kannst du gerne machen :D Es ging mir nur darum, wie kann ich es "anders" machen, ... weil immer und immer und immer wieder ein Kapitel mit dem Namen anfangen zu lassen wurde mir irgendwann langweilig.

Ach, ich schreibe ja nicht: "Anna wachte auf und dachte an ihre Banane" sondern sowas wie: "Am nächsten Morgen hing die Banane immernoch am Baum. Obwohl Anna wusste, dass sie nicht von alleine herunterfallen würde, hatte sie trotzdem gleich nach dem Aufwachen einen hoffnungsvollen Blick aus dem Fenster geworfen."
Verstehst du, sooooo langweilig fang ich dann doch nicht an, dass der Name gleich als erstes da steht...das wäre tatsächlich blöd, da hast du Recht.
Hab ich übrigens schon meine Meinung zu dem Thema gesagt? Nein? Ok, dann hol ich das mal nach: Es ist ein wirklich tolles Thema und wirklich gut umgesetzt. Will gar nicht wissen, wieviel Arbeit dahinter steckt. Also, um es mal mit den Worten eines Mario Barth zu sagen: RESPEKT!!!
Ein Buch ist wie ein Spiegel, aus dem kein Apostel herausgucken kann, wenn ein Affe hineinguckt.
- Georg Christoph Lichtenberg
Benutzeravatar
Elia
 
Beiträge: 124
Registriert: 06.03.2009, 22:49

Re: Hauptplot, Nebenplot und Handlungsstränge

Beitragvon Soul » 05.02.2012, 14:11

So, hier mal mein erster Beitrag in diesem Forum. ^^
Dein Blog ist wirklich super gut und hat mir schon viel weitergeholfen. Auch dieses Thema war wieder sehr bereichernd und doch stellt sich mir eine Frage:
Kann man sagen, dass jeder Charakter einen eigenen Plot besitzt?
Ich stelle mir das nämlich immer so vor. Der Hauptcharakter besitzt den Hauptplot und die Nebenplots (der Nebencharaktere) verweben sich dann mit dem Hauptplot. So kann es sein, dass manche stellen der Nebenplots unsichtbar bleiben und andere aber sichtbar sind.

Ich nehme mal das Beispiel Harry Potter. Harry Potter hat seinen Hauptplot und z.B. Severus Snape den Nebenplot. Manchmal sieht die Handlungen von Severus Snape
Spoiler: Anzeigen
(wie z.B. am Anfang des "Halbblutprinz" Buches, wo Nazissa und Bellatrix Snape aufsuchen)
und manchmal sieht man die Handlung eben nicht
Spoiler: Anzeigen
(z.B. Wenn Snape zu den Todessentreffen geht).

Kann man das so sehen?? Kann das auf Dauer funktionieren oder ist es zu viel Aufwand für jeden wichtigeren Charakter einen Plot auszuarbeiten??

GLG
Soul
Zuletzt geändert von Jacky am 07.02.2012, 15:46, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Spoiler eingefügt
Soul
 
Beiträge: 2
Registriert: 28.01.2012, 12:51
Wohnort: Bayern

Re: Hauptplot, Nebenplot und Handlungsstränge

Beitragvon Jacky » 07.02.2012, 15:45

Ja und nein und .... okay, von vorne.

Nebenplot und Charakterplot ist nicht unbedingt dasselbe.
Jeder Charakter hat seinen eigenen Plot (egal ob du ihn aufschreibst/durchplottest oder nicht). Das würde ich Charakterplot nennen.

Also Charakterplots:
Georg Sandman: Geht in eine Bar und reißt ein paar Blondinen auf, lernt eine hübsche Nonne kennen, verliebt sich, wehrt sich gegen die Gefühle, ... küsst die Nonne, heiratet die Nonne.

Nonne: Macht einen Fehler, wird bestraft, trifft einen taffen Geschäftsmann, verliebt sich, wehrt sich gegen die Gefühle, trifft sich mit ihrer Freundin Mimi zum Stricken, ... küsst den Geschäftsmann heiratet den Geschäftsmann.

Abhängig davon, aus wessen Sichtweise die Geschichte erzählt wird, werden bestimmte Dinge dem Leser erzählt, andere bekommt er am Rande mit, wieder andere kriegt er gar nicht mit (die Strickstunde mit Mimi wahrscheinlich).

Der Hauptplot ist hier auf jeden Fall, dass Georg und die Nonne sich verlieben.

Ein Nebenplot ist nicht unbedingt etwas, das an einen bestimmten Charakter gebunden ist (obwohl das häufig der Fall ist). Es ist sozusagen eine Geschichte innerhalb der Geschichte, die das ganze Geschichtenerlebnis "reicher" macht.

Gletscher: Er schmilzt, erzeugt eine Überflutung, dadurch wird das Kloster überschwemmt und muss restauriert werden.

Das wäre ein Nebenplot, der einfach nur Hintergrund für eine einzelne nette Mit-Farbe-Spritz-Und-Spaß-Hab-Restaurierungsszene sein kann oder aber auch ein echter Nebenplot, wenn nämlich ein Spannungsbogen innerhalb diesen Nebenplots existiert die Nonne z.B. auch noch bei der Restaurierung helfen muss und am Ende der Geschichte ein merklicher Fortschritt vorhanden ist oder die Restauration sogar abgeschlossen wird.

Öhm ... hab ich mich verständlich ausgedrückt? *schreibt zwischen Tür und Angel*
lg
Jacky ;)
Du hast in jedem Augenblick die Freiheit zu entscheiden was wichtig ist und wie du darauf reagierst.

Die Schreibwerkstatt kommt wieder! Sag mir Bescheid!
Benutzeravatar
Jacky
 
Beiträge: 9353
Registriert: 28.02.2007, 13:20
Wohnort: jacky@schreibwerkstatt.de (PNs deaktiviert - noch einen Posteingang schaffe ich nicht ^^;)
Blog: Blog ansehen (50)

Re: Hauptplot, Nebenplot und Handlungsstränge

Beitragvon Soul » 11.02.2012, 23:24

Ahh, ok gut danke, ich denke ich habe es jetzt verstanden ^^
Ein Plot ist die Haupthandlung, der rote Faden, der sich durch die ganze Story zieht und ein Nebenplot währe dann z.B.in Harry Potter
Spoiler: Anzeigen
die Beziehung die er langsam zu Ginny aufbaut
oder?
Soul
 
Beiträge: 2
Registriert: 28.01.2012, 12:51
Wohnort: Bayern

Re: Hauptplot, Nebenplot und Handlungsstränge

Beitragvon Jacky » 12.02.2012, 18:14

Aye 8)
Du hast in jedem Augenblick die Freiheit zu entscheiden was wichtig ist und wie du darauf reagierst.

Die Schreibwerkstatt kommt wieder! Sag mir Bescheid!
Benutzeravatar
Jacky
 
Beiträge: 9353
Registriert: 28.02.2007, 13:20
Wohnort: jacky@schreibwerkstatt.de (PNs deaktiviert - noch einen Posteingang schaffe ich nicht ^^;)
Blog: Blog ansehen (50)

Re: Hauptplot, Nebenplot und Handlungsstränge

Beitragvon Samira-Jessica » 29.08.2015, 22:05

In meinem derzeitigen Projekt möchte ich gerne drei Handlungsstränge verbinden...
Ich versteh das aber gerade nicht ganz.

Was ist ein Nebenplot? Ein zweiter (,dritter, ect.) Handlungsstrang, den man auch plottet, oder hab ich da was falsch verstanden?
Schöne Grüße Samira-Jessica
Die Bauchschreibwerkstatt - Jetzt in neuem Design!
Benutzeravatar
Samira-Jessica
 
Beiträge: 435
Registriert: 10.01.2012, 18:09
Wohnort: Rosenheim, Bayern
Blog: Blog ansehen (22)

Re: Hauptplot, Nebenplot und Handlungsstränge

Beitragvon Minna » 30.08.2015, 00:55

Hallo Samira-Jessica,

Der Hauptplot ist für mich das, was du bei der Schneeflockenmethode in deinem 1 Satz zusammenfassen würdest. Zum Beispiel „Ein menschenfressender Drache rettet die Welt vor einem bösen Zauberer.“

Als Subplot betrachte ich jedes Element der Geschichte, dass einen eigenen Spannungsbogen besitzt. Diese Subplots sollten immer mit dem Hauptplot zusammen hängen. Bei obigem Beispiel könnte das sein:

Der Drache ist hungrig, hat aber vor kurzem die letzte Jungfrau verschlungen.
1. Subplot: Er bricht auf zu neuen Jagdgründen, kämpft gegen die Wächter und frisst die Jungfrau- doch das wirkt sich auf den Hauptplot aus, denn die Jungfrau war die einzige, die reinherzig genug war um das Schwert der Schwarzmagierenthauptung zu benutzen. Nun bedroht ein böser Magier die Welt. Das will der Drache verhindern, schließlich sind das ja seine Menschen.
2. Subplot: Er sucht einen reinherzigen Menschen, der für ihn die Welt rettet, findet jemanden und bildet ihn aus. Aber der Junge war ein Fehlgriff und versagt beim Kampf gegen den Magier.
3. Subplot: Der Drache versucht etwas anderes, bis er schließlich selber genug Edelmut entwickelt hat um das Schwert nutzen zu können- die Charakterentwicklung des Drachen zum edelmütigen Kämpfer ist also auch ein Subplot, den sie ist ja schon vor Ende des Hauptplottes abgeschlossen.

ich plotte mein Projekt gerade nach Dan Wells 7 Punkte Struktur und habe im Moment ca 9 Subplots. 5 davon sind die Charakterentwicklungen meiner Protas und Anthas, der Rest sind Rätsel, Intrigen und Hintergrundgeschichten, die gelöst werden wollen um die Welt retten zu können. Die sind alle nach der Punktestruktur gegliedert und jeder Punkt hat einen Zettel bekommen. Im Moment versuche ich jetzt festzulegen in welcher Szene welcher Punkt von welchem Handlungsstrang weiterentwickelt werden soll.

Liebe Grüße
Minna
Minna
NaNoWriMo 2015
NaNoWriMo 2015
 
Beiträge: 114
Registriert: 29.06.2015, 14:39

Nächste

Zurück zu Schriftsteller-werden.de-Forum

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste