[Reiseb] Höllentrip nach Mombasa [1]

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[Reiseb] Höllentrip nach Mombasa [1]

Beitragvon rental » 09.06.2015, 20:19

Liebe/r Leser/in,
ich bin ein sehr reisebegeisterter Mensch und kam deshalb auf die Idee, mein Schreiben und das Reisen zu kombinieren, nämlich in dem ich das Erlebte zu Papier bringe. Dies hier ist mein erster Reisebericht, ich bin deshalb sehr gespannt, was du darüber denkst. Ist es mir gelungen, die Atmosphäre einzufangen, Land und Leute mit den richtigen Worten zu beschreiben? Selbstverständlich nehme ich auch ernstgemeinte Kritik an Stil und Grammatik gerne an. Viel Spass beim Lesen und Kommentieren!
Anm.: Teilweise beinhaltet der Bericht gefährliche und/oder kriminelle Handlungen. Ich will niemanden zum Nachahmen animieren.





1

In der Gluthitze flimmert der Tororo-Rock.
Es ist Mittagszeit, die Stadt kocht unter der knallenden Sonne. Keine zwanzig Kilometer entfernt liegt die Ugandisch-Kenianische Grenze. Obwohl das Kaff laut meinem Begleiter fast 50’000 Einwohner hat, sind nicht viele Leute unterwegs, die meisten scheinen sich im Schatten ihrer Häuser verkrochen zu haben. Hier ist man nicht so geschäftig wie in der Hauptstadt Kampala, alles geht einen gemächlicheren Gang. Leute schlendern umher, als hätten sie an diesem Tag nichts anderes zu tun. Motorradtaxis warten am Straßenrand auf Kunden, doch die meisten Fahrer dösen vor sich hin, sie liegen langgestreckt auf den zerschlissenen Satteln. In einer Werkstatt wird gearbeitet, Metall schlägt auf Metall und zerstört die Stille. Von weit her vernehme ich leise das Rumpeln der Tororo-Zementfabrik, die in ganz Uganda berühmt ist. Roter Staub tanzt im Wind über den spröden, durchlöcherten Teer, meine Jeans haben längst dessen Farbe angenommen.
An der Nagongera Road betreten wir ein kleines Restaurant - nach europäischem Empfinden eher einen Imbiss - über dem Eingang prangt der Name Sheperd’s in schrägen Lettern. Fliegen summen herum, der Raum ist schattig und es riecht nach einer Mischung aus gebratenem Fleisch und Schweiß. Drei weiße Plastiktische stehen auf dem rissigen Betonboden, die darüber ausgebreiteten Tücher sind fleckig. Zwei Weiße sitzen im Raum und unterhalten sich auf Deutsch. Ansonsten ist niemand zu sehen.
Das ist doch wieder typisch!, denke ich mir. Selbst im hinterletzten Kaff in Afrika trifft man noch auf Deutsche! Nicht das jetzt jemand denkt, ich hätte ein Problem damit. Schließlich bin ich selbst deutscher Staatsbürger, zumindest zur Hälfte, wie ich immer sage. Aufgewachsen bin ich in der Schweiz. Bereits nach vier Monaten Afrika erscheint mir das Leben in Europa so fern, dass ich meinen gewohnten westlichen Alltagstrott vergessen habe. Als ich jedoch diese beiden Herren hier am Ende der Welt Deutsch reden höre, wird mir bewusst, wie lange ich diese Sprache schon nicht mehr gesprochen habe. Vier Monate sind nicht viel, mögen manche vielleicht denken, doch in Uganda ist die Zeit stehen geblieben.
Wir setzen uns an einen der wackeligen Tische. Mark, mein Fahrer, handelt eigentlich mit Fahrzeugteilen in Kampala, aber die Gelegenheit, zusammen mit mir ein Abenteuer in Kenia zu bestehen, wollte er sich nicht entgehen lassen. Dafür quittierte er sogar seinen Nachtwächterposten, er hatte es satt, die Hotels der Weißen zu bewachen. Ich kann es ihm nicht verdenken. Wer will schon 24 Stunden am Tag arbeiten? Bei seinem Hungerslohn von 650 Dollar im Monat, in einem Staat, dessen Bürger im Durchschnitt mit 500 Dollar pro Jahr überleben müssen, kann er sich trotzdem glücklich schätzen. Er stammt aus diesem Ort - Tororo - weit im Osten von Uganda.
Wir unterhalten uns über Zigarettenmarken. Britische seien ihm zu schwach auf der Brust, die Kenianischen, das ist richtiger Tobak, sagt er. Nach mehreren Minuten kommt eine kleine Frau auf uns zu, die Bedienung des Ladens. Sie trägt eine schmutzige Schürze und die typischen Flip-Flops, mit denen hier alle rumlaufen.
„Willkommen. Was darf ich Ihnen bringen?“, fragt sie in gebrochenem Englisch.
Ich habe mir die Speisekarte noch gar nicht angesehen, doch ein Blick darauf genügt mir. Es stehen sowieso nur fünf Gerichte darauf und alle haben afrikanische Namen. Posho kenne ich, aber Lust auf den Getreidebrei aus Maismehl habe ich im Moment nicht. Deshalb nicke ich Mark zu, die Entscheidung über unser Essen liegt bei ihm.
Er setzt seine Brille auf und studiert die Karte, als stünden dutzende Köstlichkeiten zur Auswahl. Dann gibt er der Uganderin Bescheid, die unbeweglich wie eine Statue neben uns steht und die Information mit einem „Sawa“ (Anm.: Swahili für okay, alles klar, in Ordnung) zur Kenntnis nimmt. Sie trollt sich davon, durch eine Tür nach hinten in die Küche. Wenige Minuten später wird unser Essen serviert. Bohnen mit Erdnusssoße, Reis und mehrere Klumpen Fleisch. Die Deutschen reden über die Einwanderungspolitik ihres Landes, über das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer. Ich finde das Gesprächsthema etwas deplatziert.
Mark haut sich den Bauch voll, ich stochere nur lustlos in meinem Teller herum, denn es schmeckt mir nicht. Verwöhnte Europäer gewöhnen sich nicht so einfach an das typische afrikanische Essen. Für mich schmeckt alles gleich, fad, beinahe geschmacklos. Das Fleisch riecht nach nasser Kuh und mir ist nicht danach, meine Zähne in eines der zähen Stücke zu schlagen, an denen teilweise mehr Knochen als etwas Essbares dran ist. Dafür kostet der Fraß nur knapp einen Euro.
Mit immer noch knurrendem Magen trete ich in das blendende Sonnenlicht hinaus und setze mir die Sonnenbrille auf die Nase. Mein linker Arm hat sich im Laufe des Restaurantaufenthalts stark gerötet. Während der Fahrt von Kampala nach Tororo, die wir in einem der Sammeltaxis zurückgelegt haben, die es in Ostafrika wie Sand am Meer gibt, hielt ich lässig den Arm aus dem offenen Fenster. Im frischen Fahrtwind spürte ich die Hitze nicht, die Beobachtung der faszinierenden Landschaft, dichter Dschungel, endlose Zuckerrohrfelder und imposante Bananenwälder, ließ mich die gnadenlose Sonne Afrikas vergessen. Nun bereue ich es, mich nicht eingecremt zu haben.
Wir wollen uns einen Wagen mieten, um mit diesem nach Mombasa an der Küste Kenias zu fahren. Mark hat schon Kontakt mit einem Autovermieter aufgenommen, doch der ist noch nicht in der Stadt. Deshalb geht es nun erst zu Marks Familie, die etwas außerhalb von Tororo wohnt. Bevor wir uns auf den Weg dorthin machen, besuchen wir seinen Bruder, der in der Nähe arbeitet. Mark führt mich zu einer Art Reparaturstätte, die gleichzeitig Apotheke ist. Hier wird geschweißt, gehämmert, gezimmert. Alte Röhrenfernseher und Radios werden repariert, für mich nicht mehr als Elektroschrott. An einer Karosserie steht ein Schweißer mit Sonnenbrille als Augenschutz und die Funken sprühen in alle Richtungen. Vier oder fünf Leute wuseln umher und scheinen sehr beschäftigt. In der Apotheke, die im Raum neben dieser Garage liegt, gibt es einen bunten Cocktail an Medikamenten zu kaufen. Immer wieder erstaunt es mich, wie viele Inder einen Supermarkt oder Elektronikshop in Uganda führen. Auch hier ist der Inhaber des Geschäfts indischer Abstammung. Lächelnd heißt er uns mit dem für seine Landsleute typischen Akzent willkommen.
Dann kommt Emmanuel, Marks Bruder aus der Werkstatt herüber. Er ist ein hagerer, drahtiger Kerl, mindestens ein Meter neunzig groß und sein blauer, verdreckter Arbeitsoverall schlackert um seinen Körper wie ein Segeltuch. Nach einer herzlichen Begrüßung gehen wir kurz nach draußen und unterhalten uns. „Yes please“ scheinen die Lieblingsworte von Emmanuel zu sein, der sich selbst Emma nennt. Er wiederholt sie ständig, praktisch auf jeden Satz folgt dieser Ausruf, das ist amüsant, klingt aber teilweise, als leide er an einer Zwangsstörung. Wir verabreden uns zu einem Bier später am Tag.
Also brechen wir auf zu Marks restlicher Familie. Ich spreche einen der Motorradtaxifahrer an, doch lasse Mark über den Preis verhandeln, da ich gelernt habe, dass Weiße praktisch immer über den Tisch gezogen werden. So kostet uns die Fahrt nur 3’000 Ugandische Shilling, was nicht ganz einem Euro entspricht, ich allein hätte bestimmt das Doppelte bezahlt. Wir setzen uns beide hinten auf das Motorrad, der Platz ist beschränkt, reicht aber gerade noch knapp aus, damit niemand herunterfällt. Einen Helm trägt hier niemand. Zum Glück hatten wir unser Gepäck kurz nach der Ankunft in Tororo schon in unserer Unterkunft deponiert.

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Re: [Reiseb] Höllentrip nach Mombasa [1]

Beitragvon Diavolo » 15.06.2015, 05:21

Hallo rental

Na, dann will ich mich mal an deinem Reisebericht versuchen :) und lege auch gleich los.

rental hat geschrieben:In der Gluthitze flimmert der Tororo-Rock.
Es ist Mittagszeit, das Nest kocht, die Sonne knallt.


Das der Torero-Rock ein Berg ist, kann man sich denken.
Aber welches Nest ist gemeint? Für jemanden der noch nicht dort war, wird nicht klar, dass das die Stadt mit gleichem Namen ist.
Vielleicht wäre es hier auch hilfreich einzufügen, dass du dich in Uganda befindest und nicht erst am Ende des ersten Absatzes.

rental hat geschrieben:Drinnen sitzen zwei Weiße, ansonsten ist niemand zu sehen.


Hier würde ich auch umstellen. Ich würde zuerst das Lokal beschreiben und nach den drei Tischen, die Weißen platzieren, dann wirkt es flüssiger.

rental hat geschrieben:Mark, mein Fahrer, handelt eigentlich mit Fahrzeugteilen in Kampala, aber die Gelegenheit, zusammen mit mir ein Abenteuer in Kenia zu bestehen, wollte er sich nicht entgehen lassen. Dafür quittierte er sogar seinen Nachtwächterposten, er hatte es satt, die Hotels der Weißen zu bewachen.


Hier würde ich wieder nach Kampala einen Punkt setzen. Dann das aber weglassen.

Dann nach entgehen lassen ein Komma und eine Punkt nach Nachtwächterposten

rental hat geschrieben:Ich kann es ihm nicht verdenken, wer will schon 24 Stunden am Tag arbeiten?


Hier würde ich statt einem Komma einen Punkt setzen.

rental hat geschrieben:Nach mehreren Minuten kommt eine kleine Frau auf uns zu, sie trägt eine schmutzige Schürze und ist die Bedienung des Ladens.


Finde ich ein bisschen unflüssig zu lesen. Vielleicht so:

Nach mehreren Minuten kommt eine kleine Frau mit einer schmutziger Schürze auf uns zu, sie ist die Bedienung des Ladens.

rental hat geschrieben:Deshalb nicke ich Mark zu, die Entscheidung über unser Essen liegt bei ihm.


Auch hier würde ich wieder einen Punkt statt einem Komma setzen.

rental hat geschrieben:Dann gibt er der kleinen Uganderin Bescheid


Das sie klein ist, hast du schon angedeutet, vielleicht hat sie ja noch andere Eigenschaften an sich gehabt.

rental hat geschrieben:Bohnen mit Erdnusssoße, Reis und mehrere Klumpen Fleisch. Die Deutschen reden über die Einwanderungspolitik ihres Landes, über das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer. Ich finde das Gesprächsthema etwas deplatziert.


Hier würde ich auf jeden Fall nach Klumpen Fleisch einen Absatz machen. Und vielleicht so weiter
schreiben: Am Nebentisch unterhalten sich die Deutschen…..

rental hat geschrieben:Mark haut sich den Bauch voll, ich stochere nur lustlos in meinem Teller herum, es schmeckt mir nicht wirklich.


Auch hier wieder einen Punkt nach voll.

dann vielleicht so: herum, denn es schmeckt mir nicht.

Das wirklich würde ich weglassen.

rental hat geschrieben:An das typische afrikanische Essen gewöhnt sich der verwöhnte Europäer nicht einfach so.


Der Satz ist mir nicht flüssig genug. Vielleicht so:

Verwöhnte Europäer gewöhnen sich nicht so einfach an das typische afrikanische Essen.

rental hat geschrieben:Das Fleisch riecht nach nasser Kuh und mir ist nicht danach, meine Zähne in eines der zähen Stücke zu schlagen, an denen teilweise mehr Knochen als etwas Essbares dran ist.


Das mit den Zähnen und schlagen, finde ich persönlich überflüssig. Dass an dem Knochen nur wenig zähes Fleisch ist, kann man anders formulieren. Davor waren es aber noch Klumpen. Ist das stimmig?

rental hat geschrieben: Im frischen Fahrtwind spürte ich die Hitzenicht, die Beobachtung der faszinierenden Landschaft, dichter Dschungel, endlose Zuckerrohrfelder und imposante Bananenwälder, ließ mich die gnadenlose Sonne Afrikas vergessen.


nicht, die Beobachtung Hier wieder einen Punkt, der Satz wird ansonsten zu lang.

rental hat geschrieben: Alte Röhrenfernseher und Radios werden repariert, für mich nicht mehr als Elektroschrott, an einer Karosserie steht ein Schweißer mit Sonnenbrille als Augenschutz und die Funken sprühen in alle Richtungen.


Hier auch wieder ein Endlossatz, der auf Punkte statt Kommas wartet. Das und ist überflüssig, vielleicht stattdessen auch einen Punkt.

rental hat geschrieben:Immer wieder erstaunt es mich, wie viele Inder einen Supermarkt oder Elektronikshop in Uganda führen.

Dass der Geschäftsinhaber Inder ist, sollte vorher klar sein, denn ich habe an eine afrikanische Begrüßung gedacht, als ich den Satz davor las.

rental hat geschrieben:verdreckter Arbeitsoverall schlackert um seinen Körper wie ein Segeltuch.


schöne Beschreibung, das kann ich mir gut vorstellen. Vielleicht baust Du solche Beschreibungen auch bei der Bedienung ein.

rental hat geschrieben:Er wiederholt sie ständig,


Wäre vielleicht besser mit sich danach einen Punkt.

rental hat geschrieben:praktisch auf jeden Satz folgt dieser Ausruf, das ist amüsant, klingt aber teilweise, als leide er an einer Zwangsstörung.


Hier versuchst du ja zu erklären, wie sich das auf dich auswirkt. Nach Ausruf würde ich einen Punkt machen.

rental hat geschrieben:Ich spreche einen der Motorradtaxifahrer an, doch lasse Mark über den Preis verhandeln, da ich gelernt habe, dass Weiße praktisch immer über den Tisch gezogen werden.


Auch der Satz ist wieder zu lang.

rental hat geschrieben: So kostet uns die Fahrt nur 3’000 Shilling, was nicht ganz einem Euro entspricht, ich allein hätte bestimmt das Doppelte bezahlt.


Hier würde ich um keine Missverständnisse entstehen zu lassen, Kenianische Shilling schreiben und nach entspricht wieder einen Punkt.
Ich habe im Wechselkursrechner nachgesehen, aber vielleicht hat der Shilling ja zugelegt, denn die 3000 Shilling sind siebenundzwanzig Euro. Aber das nur nebenbei.

rental hat geschrieben:Wir setzen uns beide hinten auf das Motorrad, der Platz ist beschränkt, reicht aber gerade noch knapp aus, damit niemand herunterfällt


Geht das ein bisschen spannender und die Sätze kürzer?

rental hat geschrieben:Zum Glück haben wir unser Gepäck kurz nach der Ankunft in Tororo schon in unserer Unterkunft deponiert.


Ist ja in der Vergangenheit passiert, also müsste es hatten heißen.

Ich hoffe, dass du mit meinen Anregungen und Bemerkungen etwas anfangen kannst. Ich habe den Reisebericht gerne gelesen, vielleicht kannst du noch ein paar Beschreibungen einführen, dass sich der Leser auch ein Bild machen kann, wie es dort aussieht. Und achte darauf, deine Sätze kürzer zu machen, liest sich besser.

Wenn es nicht hilfreich war, kannst du es in den großen Papierkorb wandern lassen. :oops:

Den Rest werde ich mir dann, wenn es genehm ist, auch noch in den nächsten Tagen zu Gemüte führen.

Liebe Grüße
Diavolo
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Re: [Reiseb] Höllentrip nach Mombasa [1]

Beitragvon EmmaR » 18.09.2015, 17:58

Hallo,
ich will es mal versuchen. Bin relativ neu hier, daher, nix für ungut, wenn es für dich nicht hilfreich oder sogar ärgerlich ist, was ich schreibe. Habe auch die anderen Bewertungen vorher nicht angesehen.

Hätte ich deine Einleitung nicht gelesen, wäre ich mir nach dem ersten Abschnitt sehr sicher, dass es sich bei deiner Geschichte/deinem Reisebericht um einen Krimi oder um Horror handelt. Ist dies so gewollt von dir, dann hast du zumindest bei mir das Ziel erreicht, dass ich weiter lesen möchte.
Es hat mich schnell gefesselt.

Obwohl das Kaff laut meinem Begleiter fast 50’000 Einwohner …..

Kaff als Ausdruck für einen Ort, den man bereisen möchte, finde ich etwas abwertend. Zumindest bei uns benutzt man das so. Für mich klingt es dadurch, als ob du schon etwas gestresst wärst, weil es eben so ein Kaff ist. Für einen Krimi saugut, weil man eben schon damit rechnet, dass da irgend was faul ist oder so.
Für einen Reisebericht hätte ich mir im ersten Abschnitte etwas mehr „Landschaft“ drum herum gewünscht. Bewuchs, Berg, wie geformt. Wie war eigentlich die Anreiste in dieses Ort? Flieger und dann? Auto, Bus. Wie war die Fahrt? Was gab es da schon zu sehen und zu erleben?

Roter Staub tanzt im Wind über den spröden, durchlöcherten Teer, meine Jeans haben längst dessen Farbe angenommen.

Sehr guter Satz, ich kann es mir genau vorstellen. Deine Schilderung von den Jeans runden das Bild gut ab. Ich persönlich würde nach Teer einen Punkt machen und als extra Satz, das mit den Hosen.

An der Nagongera Road betreten wir ein kleines Restaurant - nach europäischem Empfinden eher einen Imbiss - über dem Eingang prangt der Name Sheperd’s in schrägen Lettern. Fliegen summen herum, der Raum ist schattig und es riecht nach einer Mischung aus gebratenem Fleisch und Schweiß. Drei weiße Plastiktische stehen auf dem rissigen Betonboden, die darüber ausgebreiteten Tücher sind fleckig. Zwei Weiße sitzen im Raum und unterhalten sich auf Deutsch. Ansonsten ist niemand zu sehen.

Sehr schönes Beispiel für show, don't tell! Ich kann es beim lesen riechen und sehen. Allerdings ertappe ich mich schon wieder dabei, dass ich auf den Bösewicht warte oder so. Kann aber auch an mir liegen.

Das ist doch wieder typisch!, denke ich mir. Selbst im hinterletzten Kaff in Afrika trifft man noch auf Deutsche!

Schon wieder „Kaff“. Warst du zuvor schon lange unterwegs? Müde? Enttäuscht? Der Satz an sich passt so gar nicht zu deinem schönen, fühlbaren Schreibstil finde ich.

Aufgewachsen bin ich in der Schweiz. Bereits nach vier Monaten Afrika erscheint mir das Leben in Europa so fern, dass ich meinen gewohnten westlichen Alltagstrott vergessen habe.

Aha, da kommt es! Du bist schon länger unterwegs. Das macht es für mich klarer.

Vier Monate sind nicht viel, mögen manche vielleicht denken, doch in Uganda ist die Zeit stehen geblieben.

Hmmm, da komm ich inhaltlich etwas aus der Bahn. Die Zeit ist stehengeblieben in Zusammenhang mit einem Ort, definiere ich für mich so, als ob man dort in der Entwicklung zig-Jahre zurück wäre. Für mein Verständnis passt das nicht so ganz zu den vier Monaten und bringt mich aus dem Lesefluss. Es gibt anschließend keine Erklärung, wieso für dich die Zeit stehen geblieben ist oder bezüglich was?

Dafür quittierte er sogar seinen Nachtwächterposten, er hatte es satt, die Hotels der Weißen zu bewachen. Ich kann es ihm nicht verdenken. Wer will schon 24 Stunden am Tag arbeiten? Bei seinem Hungerslohn von 650 Dollar im Monat, in einem Staat, dessen Bürger im Durchschnitt mit 500 Dollar pro Jahr überleben müssen, kann er sich trotzdem glücklich schätzen. 

Nach Nachtwächterposten würde ich einen Punkt machen. HungerSlohn, da muss das S raus.
Also wenn ich das richtig verstanden habe, handelt er tagsüber mit den Fahrzeugteilen und nachts war er Wächter im Hotel. Was mich etwas raus bringt: er hat, wenn man es mal umrechnet mehr als 12 x soviel Geld im Monat, wie andere Menschen dort? Natürlich immer noch echt spärlich, außer man muss hier von Hartz 4 leben. Bringt mich in sofern raus, weil ich immer noch versuche zu verstehen, wieso man das verstehen kann? Klar, ne Menge Arbeit, es sei denn, er konnte nachts bei seinem Hoteljob ein paar Stunden schlafen. Wenn nicht, wann schlief er dann? Wollte damit nur aufzeigen, welche Gedanken ich nach diesem Abschnitt habe und mich nicht gleich wieder auf den Bericht konzentrieren konnte. Ich war mit rechnen beschäftigt! :wink:

„Willkommen. Was darf ich Ihnen bringen?“, fragt sie in gebrochenem Englisch.
Ich habe mir die Speisekarte noch gar nicht angesehen, doch ein Blick darauf genügt mir. Es stehen sowieso nur fünf Gerichte darauf und alle haben afrikanische Namen. Posho kenne ich, aber Lust auf den Getreidebrei aus Maismehl habe ich im Moment nicht. Deshalb nicke ich Mark zu, die Entscheidung über unser Essen liegt bei ihm.


Schön beschrieben. Trotzdem kommt für mich z.B. durch das: ein Blick darauf genügt mir und sowieso wie auch im nächsten Abschnitt: mehrere Klumpen Fleisch wieder das Gefühl auf, der Schreiber denkt „alles Scheiße hier“. :shock:

 Die Deutschen reden über die Einwanderungspolitik ihres Landes, über das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer. Ich finde das Gesprächsthema etwas deplatziert.

Warum deplatziert? Wenn ich jetzt böse wäre :twisted: (was ich nicht bin) bewegen sich deine Gedanken oft um das, was in dem „Kaff“ nicht nach deinem Geschmack ist. Die beiden reden über Dinge, die in ihrer Heimat grade aktuell sind....hmmm..da fehlt mir ein Satz dazu, weswegen du das deplatziert findest.

Mark haut sich den Bauch voll, ich stochere nur lustlos in meinem Teller herum, denn es schmeckt mir nicht. Verwöhnte Europäer gewöhnen sich nicht so einfach an das typische afrikanische Essen. Für mich schmeckt alles gleich, fad, beinahe geschmacklos. Das Fleisch riecht nach nasser Kuh und mir ist nicht danach, meine Zähne in eines der zähen Stücke zu schlagen, an denen teilweise mehr Knochen als etwas Essbares dran ist. Dafür kostet der Fraß nur knapp einen Euro.

Für einen Roman wird die Stimmung gut beschrieben. Da könnte man direkt ins schmunzeln kommen, wegen der nassen Kuh.
Als Reisebericht: Jetzt hat vermutlich auch der letzte bemerkt, dass dem Schreiber grade alles stinkt. Da spätestens wäre für mich klar, dass ich dort nicht unbedingt gewesen sein muss. Bis jetzt konnte ich noch nicht einen Satz lesen, der etwas schönes, angenehmes transportiert.

Mit immer noch knurrendem Magen trete ich in das blendende Sonnenlicht hinaus und setze mir die Sonnenbrille auf die Nase. Mein linker Arm hat sich im Laufe des Restaurantaufenthalts stark gerötet. Während der Fahrt von Kampala nach Tororo, die wir in einem der Sammeltaxis zurückgelegt haben, die es in Ostafrika wie Sand am Meer gibt, hielt ich lässig den Arm aus dem offenen Fenster. Im frischen Fahrtwind spürte ich die Hitze nicht, die Beobachtung der faszinierenden Landschaft, dichter Dschungel, endlose Zuckerrohrfelder und imposante Bananenwälder, ließ mich die gnadenlose Sonne Afrikas vergessen. Nun bereue ich es, mich nicht eingecremt zu haben.

Endlich mal was, was dir gefallen hat. Trotz Sonnenbrand! Und da wird nun auch klar, wie du dort überhaupt hin gekommen bist.

An einer Karosserie steht ein Schweißer mit Sonnenbrille als Augenschutz und die Funken sprühen in alle Richtungen.

Das finde ich jetzt gut beschrieben, weil du NICHT extra darauf hinweist, dass da eine Sonnenbrille nicht taugt. Das lässt die Sache tiefer gehen, als wenn man es unnötig auswalzt.

Dann kommt Emmanuel, Marks Bruder aus der Werkstatt herüber. Er ist ein hagerer, drahtiger Kerl, mindestens ein Meter neunzig groß und sein blauer, verdreckter Arbeitsoverall schlackert um seinen Körper wie ein Segeltuch. Nach einer herzlichen Begrüßung gehen wir kurz nach draußen und unterhalten uns. „Yes please“ scheinen die Lieblingsworte von Emmanuel zu sein, der sich selbst Emma nennt. Er wiederholt sie ständig, praktisch auf jeden Satz folgt dieser Ausruf, das ist amüsant, klingt aber teilweise, als leide er an einer Zwangsstörung. Wir verabreden uns zu einem Bier später am Tag.


Total gut beschrieben!

Ich spreche einen der Motorradtaxifahrer an, doch lasse Mark über den Preis verhandeln, da ich gelernt habe, dass Weiße praktisch immer über den Tisch gezogen werden.

Der Satz „holpert“ irgendwie. Da fehlt mir ein doch lasse ich Mark oder ein lasse jedoch Mark verhandelt.

So kostet uns die Fahrt nur 3’000 Ugandische Shilling, was nicht ganz einem Euro entspricht, ich allein hätte bestimmt das Doppelte bezahlt. Wir setzen uns beide hinten auf das Motorrad, der Platz ist beschränkt, reicht aber gerade noch knapp aus, damit niemand herunterfällt. Einen Helm trägt hier niemand. Zum Glück hatten wir unser Gepäck kurz nach der Ankunft in Tororo schon in unserer Unterkunft deponiert.

„Beschränkt“ sind für mich manche Menschen, „begrenzt“ würde ich hier besser finden.
Was mich innerlich etwas die Nase rümpfen lässt: vorhin hast du dich mitfühlend darüber geäußert,, dass Mark so wenig verdient. Hier aber ist es für dich wichtig, zumindest erwähnenswert, dass du vermutlich einen ganzen Euro gespart hast. Das passt für mich nicht zusammen!

Alles in allem finde ich, es ist eine interessante Geschichte. Will wissen, wie es weiter geht. Was du noch so alles erlebst. Als Reisebericht wäre es für mich nicht geeignet, weil es teilweise etwas herablassend und „motzig“ geschrieben ist.
Vermutlich bin ich gefühlte tausend Jahre älter als du und hab da noch meinen alten Deutschlehrer im Genick sitzen, der sehr wert auf die Wortwahl legte, darauf, dass man niemandem (es sei denn er hat es verdient) auf den Schlips tritt, oder sich abwertend äußert, wenn es ein Tatsachenbericht sein soll. Das alles würde entfallen, wenn man es eben nicht als „Reisebericht“ ansieht.
Hilf mir mal bitte weiter. gibt’s einen Roman?
Dann sehr gut geschrieben!
EmmaR
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