[Reiseb] Höllentrip nach Mombasa [2]

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[Reiseb] Höllentrip nach Mombasa [2]

Beitragvon rental » 10.06.2015, 10:11

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Die Fahrt mit dem Boda Boda - so nennt man die Motorradtaxis in Uganda - führt uns auf einer staubigen, von Schlaglöchern durchsäten Piste aus der Stadt hinaus. Bald ist es nur noch ein Weg, auf dem das Motorrad entlangrumpelt. Am Straßenrand stehen vereinzelte Hütten und Barracken, teilweise notdürftig aus Holz und Wellblech zusammengebaut. Einige Kinder winken uns zu und rennen dem Motorrad hinterher. „Mzungu! Mzungu!“, rufen sie. Weißer Mann! Weißer Mann!
Nach ungefähr einer Viertelstunde biegen wir links ab und fahren einen schmalen, behelfsmäßig angelegten Pfad entlang, er führt uns durch einen Palmenwald und danach über ein Feld mit hohem Gras. Schließlich erreichen wir den Ort, an dem Mark vor einunddreißig Jahren das Licht der Welt erblickt hat. Zwischen knorrigen Bäumen stehen vier braune Lehmhütten. Wir bezahlen den Boda-Fahrer und dieser tuckert davon. Brüder, Schwestern, Tante, Onkel, Neffen und Nichten schauen uns neugierig entgegen. Was ist das für ein sonderbarer Gast, den Mark da mit sich bringt?, fragen ihre erstaunten Gesichter. Die Begrüßung fällt herzlich aus, Händeschütteln, lachen, nicken, Knickse.
Marks Tante trägt ein wallendes, ausladendes Kleid von schreiend gelber Farbe, es ist gesprenkelt mit einem sonderbaren Muster, als hätte jemand schwarze Tintenkleckse darauf gemalt. Solche Kleidung gehört hier zur Tradition. Vater und Mutter meines Begleiters sind nirgends zu sehen, ich habe ihn einmal nach seinen Eltern gefragt, doch darüber redet Mark nicht.
Die Unterhaltung mit den Verwandten fällt schwer, niemand spricht Englisch, weshalb er als Übersetzer fungieren muss. So kommt zumindest stockend ein Gespräch in Gang, man will wissen woher ich komme, wieso ich hier bin und was ich tue. Mein mittlerweile knallroter Arm wird ebenfalls zum Thema, man zeigt darauf und sagt Dinge wie: „Oh, die Sonne greift deine Haut an!“ oder „Das muss bestimmt weh tun.“ und „Ihr Weiße seid wie Chamäleons.“
Nach dem kurzen Schwätzchen bietet Marks jüngste Schwester an, mein T-Shirt zu waschen, es ist völlig durchgeschwitzt. Aus einem schiefen, verrosteten Hahn füllt sie Wasser in einen großen Zuber. Zumindest dieser Komfort ist hier vorhanden, Strom gibt es keinen.
Mark und ich setzen uns unter einen Baum in den Schatten, rauchen Zigaretten und dösen vor uns hin. Am späteren Nachmittag wird das Abendessen zubereitet. In einem typisch ugandischen Grill aus Ton werden mehrere kleine Zweige zum Brennen gebracht und danach die Holzkohle eingefüllt. Darauf kommt ein blecherner Kessel. Um meine Anwesenheit zu ehren, wird extra ein Huhn geschlachtet, Mark behauptet das zumindest. Dabei zusehen will ich nicht, das Tier sieht schon vor seinem Tod ziemlich elend aus.
James, der Autohändler aus Tororo, ruft an und teilt uns mit, dass er wieder zurück in der Stadt ist. Wir sollen doch nach dem Essen vorbeikommen, damit wir den Mietpreis für das Fahrzeug besprechen können, er melde sich gleich noch mal.
Zu dem Huhn gibt es trockenen Reis und eine dünnflüssige Soße, serviert auf farbigen Plastiktellern. Hühner-, Kuh- oder Ziegenfleisch gelten als Delikatesse in Uganda, diese fremden Leute haben sich wirklich ins Zeug gelegt für mich! Gastfreundschaft wird groß geschrieben und man will mich verwöhnen. Doch als ich das Fleisch sehe, fühle ich mich, als hätte mir jemand einen Schlag in die Magengrube verpasst. Es ist sehnig und zerrupft, der gräuliche Farbton lässt es nicht appetitlicher erscheinen. Ich ringe mit mir selbst: Ob ich es fertigbringe, auch nur einen einzigen Bissen davon hinunterzuschlucken?
Erstmal nehme ich mir eine große Portion Reis, träufle etwas von der Soße darauf und beginne zu essen. Besteck gibt es keines, Handarbeit ist gefragt. Man erkundigt sich, ob ich Vegetarier sei. Ich verneine, füge an, dass ich nicht sehr Hunger hätte. Mark sieht mich verkniffen an, er weiß ganz genau, dass ich schon zu Mittag rumgedruckst habe. Also überwinde ich mich, um diese herzlichen Menschen nicht zu enttäuschen, ich muss das tun, schließlich wurde das Huhn extra für mich gekocht. Es wäre falsch und eine tiefe Beleidigung, keinen Bissen davon zu probieren.
Ich angle mir eine Keule aus dem Kessel und knabbere vorsichtig daran. Schmeckt ja gar nicht schlecht! Viel besser als es aussieht! Ich komme mir blöd vor und schäme mich dafür, das Fleisch zuerst abgelehnt zu haben. Die anderen lachen und Mark klopft mir auf die Schulter. „Siehst du, wir vergiften dich doch nicht!“, grinst er und beißt herzhaft in seine eigene Hühnerkeule.
Nach dem Essen unterhalten wir uns über unseren bevorstehenden Roadtrip nach Mombasa. Allzu einfach würde es nicht werden, ich hege meine Bedenken, schließlich besitzen weder ich noch Mark einen Führerschein. Auf diversen Strecken gibt es Wegelagerer und Banditen, wenn man den Seiten des Auswärtigen Amtes Glauben schenkt. Doch Mark versichert mir, dass sei alles kein Problem. Auch in Afrika führen viele Wege nach Rom.
Es ist schon dunkel, als wir uns auf den Weg zurück nach Tororo machen. In den Lehmhütten sind alle Schlafplätze besetzt. Mir ist aufgefallen, dass die Leute nicht unter Moskitonetzen schlafen, das habe ich zwar auch schon getan, aber eine Malaria tropica möchte ich mir trotzdem nicht einfangen. Auf dem Land ist das Risiko höher als in der Großstadt, besonders hoch ist es in der Nähe von stehenden Gewässern, weil die Stechmücken dort ihre Eier ablegen.
Wir erreichen die Stadt erneut auf einem Boda Boda, das wir unterwegs aufgegabelt haben. Wir treffen Emma und begeben uns zu einer lokalen Bar, einem kleinen Holzschuppen, nicht mehr als ein beleuchteter Bretterverschlag, aus dem lauter Ugandischer Rap dröhnt. Mark und ich bestellen uns ein Nile Special, bekannt als Touristenbier, aber auch unter der lokalen Bevölkerung nicht verpönt. Sein Bruder ordert ein Mirinda Fruity. Seit acht Jahren sei er schon trocken, erklärt er mir, deshalb trinke er nur noch Softgetränke, nie wieder wolle er dem Alkohol verfallen. Ich bewundere seine konsequente Art, in Uganda trinkt man gerne und sehr viel, es ist eines der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Konsum der Welt und wurde auch schon als „der betrunkenste Ort der Erde“ bezeichnet. Nach ein paar Bier und Mirindas verlassen wir die Bar und Emma macht sich auf den Weg nach Hause, er geht zu Fuß, das Geld für ein Boda Boda will er sich sparen. Morgen muss er wieder arbeiten, obwohl Sonntag ist. Keinen einzigen Tag in der Woche hat er frei, damit genug Essen für seine Familie auf den Tisch kommt.
Mark und ich machen uns auf den Weg zu unserer Unterkunft, es ist nicht weit von der Bar. Im Empfangsbereich, einem offenen Platz unter dem Sternenhimmel, sitzen einige Leute auf Plastikstühlen, trinken Bier und schauen sich einen Match der Premier League auf einem alten Fernseher an. Die Besitzerin des Hostels führt uns zu unseren Zimmern. Diese machen auf mich den Eindruck einer Gefängniszelle. Die eiserne Tür mit dem Schieberiegel, das steinharte Bett und die Toilette, die nur ein Loch im Boden ist, erinnern mich an eine Dokumentationsreihe über einen Knast in Südamerika. Zumindest gibt es ein Moskitonetz, die Viecher schwirren mir schon um den Kopf herum, angezogen von der nackten Glühbirne an der Decke dieses trostlosen Raumes.
Afrika ist eine Schule für den Charakter, aber auch ein Friedhof der Illusionen.
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Re: [Reiseb] Höllentrip nach Mombasa [2]

Beitragvon Diavolo » 19.06.2015, 07:11

Hallo rental

Auch deinen zweiten Teil will ich noch kommentieren und vielleicht kannst mit meinen Anregungen und Bemerkungen etwa anfangen.

Ich lege auch gleich los:

rental hat geschrieben:Die Fahrt mit dem Boda Boda - so nennt man die Motorradtaxis in Uganda - führt uns auf einer staubigen, von Schlaglöchern durchsäten Piste aus der Stadt hinaus.


Durchsät hat so den Touch wie wenn es nur ein Schlagloch gäbe. Wäre hier übersät nicht besser?

rental hat geschrieben:Bald ist es nur noch ein Weg, auf dem das Motorrad entlangrumpelt.


Hier würde mich interessieren, wie breit oder schmal der Weg ist, ob gepflastert oder erdig.

rental hat geschrieben:Am Straßenrand stehen vereinzelte Hütten und Barracken, teilweise notdürftig aus Holz und Wellblech zusammengebaut.


stehen passt irgendwie nicht zu den Hütten und Baracken in deren Zustand.

rental hat geschrieben:Einige Kinder winken uns zu und rennen dem Motorrad hinterher.


Wie viel sind einige? Könnte man das weglassen? Nur Kinder dann kann ich mir selber ein Bild machen, wie viele ich sehen will.

Danach würde ich einen Absatz machen, denn es kommt eine wörtliche Rede.

rental hat geschrieben:Nach ungefähr einer Viertelstunde biegen wir links ab und fahren einen schmalen, behelfsmäßig angelegten Pfad entlang, er führt uns durch einen Palmenwald und danach über ein Feld mit hohem Gras.


Hier könntest du das schmal weglassen, denn ein Pfad weißt schon daraufhin, dass er schmal ist.

er führt uns , das habe ich schon im ersten Satz gelesen. Vielleicht so:

und fahren auf einem behelfsmässig angelegten Pfad, entlang an einem Palmenwald und einem mit hohem Gras bewachsenen Feld.

rental hat geschrieben: Schließlich erreichen wir den Ort, an dem Mark vor einunddreißig Jahren das Licht der Welt erblickt hat.


Hier statt schließlich, vielleicht endlich. Das hat mehr Bezug zu der Länge der Fahrt.

rental hat geschrieben: Was ist das für ein sonderbarer Gast, den Mark da mit sich bringt?, fragen ihre erstaunten Gesichter.


Hier wieder einen Absatz davor und danach.

rental hat geschrieben:Händeschütteln, lachen, nicken, Knickse.


Gefällt mir so nicht besonders, aber mir fällt auch kein Vorschlag ein, aber vielleicht vor Knickse ein und
statt dem Komma.

rental hat geschrieben:Marks Tante trägt ein wallendes, ausladendes Kleid von schreiend gelber Farbe, es ist gesprenkelt mit einem sonderbaren Muster, als hätte jemand schwarze Tintenkleckse darauf gemalt.


erst gesprenkelt und dann darauf Tintenkleckse gemalt. Wäre hier nicht besser gespritzt?

Das sonderbare Muster könntest du weglassen, denn die Tintenkleckse sagen das schon aus.

rental hat geschrieben:Solche Kleidung gehört hier zur Tradition.


Kannst du das als traditionelles Kleid in den vorigen Satz einbauen? Es steht so einsam im Raum.

Vielleicht den Satz so: Marks Tante trägt ein traditionelles, wallendes Kleid. Die schreiend gelbe Farbe übersät mit einem gesprenkelten Muster, als hätte man schwarze Tintenkleckse darauf gespritzt.

Ist auch nicht das beste Beispiel, aber dir fällt sicher was besseres ein. Da bin ich mir sicher.

rental hat geschrieben: Vater und Mutter meines Begleiters sind nirgends zu sehen, ich habe ihn einmal nach seinen Eltern gefragt, doch darüber redet Mark nicht.


Hier würde ich im ersten Satz Eltern schreiben und danach Vater und Mutter.

Und auch wieder einen Punkt.

rental hat geschrieben:Die Unterhaltung mit den Verwandten fällt schwer, niemand spricht Englisch, weshalb er als Übersetzer fungieren muss.


Hier vielleicht so:

Eine Unterhaltung mit den Verwandten, kommt nur mühsam zustande, da sie kein Englisch sprechen. Mark fungiert als Übersetzer.

rental hat geschrieben:So kommt zumindest stockend ein Gespräch in Gang, man will wissen woher ich komme, wieso ich hier bin und was ich tue.


Hier wieder einen Punkt nach Gang und dann würde ich statt man, sie wollen schreiben, denn sie sind dir ja vorgestellt worden.

rental hat geschrieben:Mein mittlerweile knallroter Arm wird ebenfalls zum Thema, man zeigt darauf und sagt Dinge wie: „Oh, die Sonne greift deine Haut an!“ oder „Das muss bestimmt weh tun.“ und „Ihr Weiße seid wie Chamäleons.“


Auch hier wieder das man durch sie zeigen darauf und sagen ersetzen.

Das mit dem Vergleich mit dem Chamäleon verstehe ich nicht, sorry.

Nach Thema wieder einen Punkt und einen neuen Absatz.

rental hat geschrieben:Nach dem kurzen Schwätzchen bietet Marks jüngste Schwester an, mein T-Shirt zu waschen, es ist völlig durchgeschwitzt.


War das Schwätzchen wirklich so kurz? Vielleicht: Nachdem ich ihre Fragen beantwortet hatte…..

Das fett markierte, könnte man auf den Punkt bringen: mein völlig durchschwitzes T-Shirt zu waschen.

rental hat geschrieben:Zumindest dieser Komfort ist hier vorhanden, Strom gibt es keinen.


Zumindest, finde ich hier auch nicht gerade passend. Vielleicht hier: Dieser Komfort ist hier vorhanden, aber Strom gibt es keinen.
rental hat geschrieben:Um meine Anwesenheit zu ehren, wird extra ein Huhn geschlachtet, Mark behauptet das zumindest.


Statt dem Komma einen Punkt und den nächsten Satz würde ich so schreiben:

Das behauptet zumindest Mark.

rental hat geschrieben:Dabei zusehen will ich nicht, das Tier sieht schon vor seinem Tod ziemlich elend aus.


Willst du nicht zusehen, weil das Tier schon elend aussieht, oder geht es dir um das schlachten?

Könntest das auch weglassen.


rental hat geschrieben:James, der Autohändler aus Tororo, ruft an und teilt uns mit, dass er wieder zurück in der Stadt ist. Wir sollen doch nach dem Essen vorbeikommen, damit wir den Mietpreis für das Fahrzeug besprechen können, er melde sich gleich noch mal.


Hier sollte es sollte heißen.

Ich frage mich aber, warum sich der Autohändler gleich noch einmal melden will?

rental hat geschrieben:Zu dem Huhn gibt es trockenen Reis und eine dünnflüssige Soße, serviert auf farbigen Plastiktellern. Hühner-, Kuh- oder Ziegenfleisch gelten als Delikatesse in Uganda, diese fremden Leute haben sich wirklich ins Zeug gelegt für mich!


Hier fehlt ein Übergang vom Autohändler zum Essen.

farbig hört sich ein bisschen wie ungesund an, das würde ich durch bunt ersetzen.

Der zweite Satz ein Bandwurm. Nach Uganda einen Punkt.

Kuh- und Ziegenfleisch, statt oder.

Wenn du noch ein Komma vor für mich machst, ist das Ausrufezeichen passend.

rental hat geschrieben:Gastfreundschaft wird groß geschrieben und man will mich verwöhnen


Das würde ich weglassen, denn das kommt schon durch den vorherigen Satz zum Ausdruck. Es ist doppelt gemoppelt.

rental hat geschrieben:Doch als ich das Fleisch sehe, fühle ich mich, als hätte mir jemand einen Schlag in die Magengrube verpasst. Es ist sehnig und zerrupft, der gräuliche Farbton lässt es nicht appetitlicher erscheinen.


Das Doch kannst du streichen.

Wo siehst du das Fleisch noch im Topf oder schon auf deinem Teller? Vielleicht wäre hier auch besser Huhn.

vielleicht statt der Magengrube: steigt Übelkeit in mir auf oder wird mir schlecht.

Der nächste Satz vielleicht so: Das Fleisch wirkt sehnig, ist zerrupft und die gräuliche Farbe macht es nicht appetitlicher.

rental hat geschrieben:Ich ringe mit mir selbst: Ob ich es fertigbringe, auch nur einen einzigen Bissen davon hinunterzuschlucken?


Die Einleitung zu der Frage würde ich weglassen. Dafür einen Absatz und dann so: "Bringe ich es fertig auch nur einen Bissen davon hinunterzuschlucken?"

Dann wieder einen Absatz.

rental hat geschrieben:Erstmal nehme ich mir eine große Portion Reis, träufle etwas von der Soße darauf und beginne zu essen


Erstmal würde ich weglassen und vielleicht so schreiben: ich nehme mir nur eine große Portion Reis,…..

rental hat geschrieben:Man erkundigt sich, ob ich Vegetarier sei


Hier wieder satt man: sie erkundigen sich

rental hat geschrieben: Ich verneine, füge an, dass ich nicht sehr Hunger hätte


Ist nicht gut zum Lesen, vielleicht so: dass ich nicht sehr hungrig sei.

rental hat geschrieben:Mark sieht mich verkniffen an, er weiß ganz genau, dass ich schon zu Mittag rumgedruckst habe.


verkniffen finde ich hier nicht passend, vielleicht: schräg an oder ähnlich

statt rumgedruckst vielleicht: rumgestochert

Rumdrucksen tut man eher, wenn man mit der Sprache nicht rausrücken will.

rental hat geschrieben:Also überwinde ich mich, um diese herzlichen Menschen nicht zu enttäuschen, ich muss das tun, schließlich wurde das Huhn extra für mich gekocht. Es wäre falsch und eine tiefe Beleidigung, keinen Bissen davon zu probieren.


Das ist zu lang, bringe es auf den Punkt, irgendwie so: Letztendlich überwinde ich mich. Ich will die Leute nicht enttäuschen und damit beleidigen.

rental hat geschrieben: Schmeckt ja gar nicht schlecht! Viel besser als es aussieht!


Den zweiten Ausrufesatz würde ich streichen, denn du hast ja zuvor lang und breit über das Aussehen geschrieben.

rental hat geschrieben: „Siehst du, wir vergiften dich doch nicht!“, grinst er und beißt herzhaft in seine eigene Hühnerkeule.


Hier wieder zuvor und danach einen Absatz.

Isst Mark nur Hühnerkeule? vielleicht hier so: grinst und lässt es sich schmecken.
rental hat geschrieben:Allzu einfach würde es nicht werden, ich hege meine Bedenken, schließlich besitzen weder ich noch Mark einen Führerschein.


Das allzu schmälert die Probleme, die es geben könnte. Danach wieder einen Punkt. oder das ich heg meine Bedenken weglassen.

Also nur: Einfach wird es nicht werden.

Dann würde ich Mark zuerst nennen, denn er ist ja Einheimischer und kommt eher an einen Führerschein.

Auch schließlich ist nicht die beste Wahl.

Vielleicht so: Einfach würde es nicht werden, denn weder Mark noch ich besitzen einen Führerschein.

rental hat geschrieben:Es ist schon dunkel, als wir uns auf den Weg zurück nach Tororo machen. In den Lehmhütten sind alle Schlafplätze besetzt.


Kommt ihr noch mal zurück, um das zu entdecken? Verwirrt mich ein bisschen.

rental hat geschrieben:Mir ist aufgefallen, dass die Leute nicht unter Moskitonetzen schlafen, das habe ich zwar auch schon getan, aber eine Malaria tropica möchte ich mir trotzdem nicht einfangen. Auf dem Land ist das Risiko höher als in der Großstadt, besonders hoch ist es in der Nähe von stehenden Gewässern, weil die Stechmücken dort ihre Eier ablegen.


Das hier klingt, wie eine Belehrung, vielleicht geht es auch anders oder an einer anderen Stelle.

Ihr seid ja jetzt schon auf dem Heimweg. Es unterbricht deine Geschichte.

rental hat geschrieben:Wir erreichen die Stadt erneut auf einem Boda Boda, das wir unterwegs aufgegabelt haben.


Hier und im nächsten Satz hat es mir zu viele wir.

Vielleicht so: Auf einem unterwegs aufgegabelten Boda Boda erreichen wir die Stadt.

rental hat geschrieben: Wir treffen Emma und begeben uns zu einer lokalen Bar, einem kleinen Holzschuppen, nicht mehr als ein beleuchteter Bretterverschlag, aus dem lauter Ugandischer Rap dröhnt.


Wer ist Emma?

Vielleicht kannst du das an den ersten Satz anhängen, denn das hier ist wieder ein Bandwurm.

also: Stadt und treffen Emma. Dann die Erklärung wer Emma ist.

Dann vielleicht so: Aus einem kleinen Holzschuppen, nicht mehr als ein beleuchteter Bretterverschlag dröhnt Ugandischer Rap. Dort zieht es uns hin.

laut kannst du streichen, denn das besagt schon dröhnen.

rental hat geschrieben:Ich bewundere seine konsequente Art, in Uganda trinkt man gerne und sehr viel, es ist eines der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Konsum der Welt und wurde auch schon als „der betrunkenste Ort der Erde“ bezeichnet.


Hier wieder ein Bandwurm. Probiere mal die Sätze kürzer zu machen.

rental hat geschrieben: Nach ein paar Bier und Mirindas verlassen wir die Bar und Emma macht sich auf den Weg nach Hause, er geht zu Fuß, das Geld für ein Boda Boda will er sich sparen.


hier frage ich mich, ob Emma ein Mann ist. Mit Punkten kann man die Verwechslung umgehen oder den Bruder beim Namen nennen.

rental hat geschrieben:Morgen muss er wieder arbeiten, obwohl Sonntag ist. Keinen einzigen Tag in der Woche hat er frei, damit genug Essen für seine Familie auf den Tisch kommt.


Das unterbricht wieder den Lesefluss und falls du es drin lassen willst würde ich hier umstellen und mit: Damit genug…, anfangen.

rental hat geschrieben:Mark und ich machen uns auf den Weg zu unserer Unterkunft, es ist nicht weit von der Bar.


Hier vielleicht: Nach ein paar Metern erreichen auch wir unsere Unterkunft, statt es ist nicht weit von der Bar.

rental hat geschrieben:Im Empfangsbereich, einem offenen Platz unter dem Sternenhimmel, sitzen einige Leute auf Plastikstühlen, trinken Bier und schauen sich einen Match der Premier League auf einem alten Fernseher an.


Wieder ein Bandwurm.

Die Beschreibung von dem Empfangsbereich ist nicht sehr glücklich.

rental hat geschrieben:Diese machen auf mich den Eindruck einer Gefängniszelle


Kannst du weglassen, denn danach schreibst du ja von der Dokumentation über den Knast.

rental hat geschrieben:Zumindest gibt es ein Moskitonetz, die Viecher schwirren mir schon um den Kopf herum, angezogen von der nackten Glühbirne an der Decke dieses trostlosen Raumes.


Hier statt zumindest besser, wenigstens

Danach einen Punkt nach Moskitonetz.

Angezogen von der Glühbirne passt auch nicht, dann würden sie dort sein, wie Motten. Also vielleicht nur:

angezogen von dem Licht

die Viecher schwirren mir schon um den Kopf herum, geht das ein bisschen anders?

Vielleicht summen sie mir die Ohren voll.

So hiermit bin ich fertig. Was mir an deinen Texten auffällt sind die Bandwurmsätze, dann die Anhänge mit Komma um noch etwas zu erklären und dann noch das Abschweifen deiner Gedanken zum Beispiel zu den Moskitos. davor war schon von Heimweg die Rede. Ich hoffe, du verstehst was ich meine.

Ich hoffe, ich konnte dir ein paar Anregungen geben und ein paar Denkanstösse. Falls nicht, ab in den Großen Kübel.

Liebe Grüße

Diavolo
Wie viele Leute schreiben und schreiben und auf dem Papier steht immer nichts!
(Johann Friedrich Freiherr Cotta von Cottendorf)
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Re: [Reiseb] Höllentrip nach Mombasa [2]

Beitragvon EmmaR » 18.09.2015, 19:37

Ah, da ist ja die Fortsetzung.....

Die Fahrt mit dem Boda Boda - so nennt man die Motorradtaxis in Uganda - führt uns auf einer staubigen, von Schlaglöchern durchsäten Piste aus der Stadt hinaus.

Durchsät würde ich in Bezug auf ein Feld schreiben, wenn z.B. viel Unkraut zwischen dem Getreide steht.
Durchbrochen oder übersät mit Schlaglöchern wäre meine Wahl, wenn es um eine Straße geht.

Bald ist es nur noch ein Weg, auf dem das Motorrad entlangrumpelt. Am Straßenrand stehen vereinzelte Hütten und Barracken, teilweise notdürftig aus Holz und Wellblech zusammengebaut. Einige Kinder winken uns zu und rennen dem Motorrad hinterher.

Entlang rumpelt sind glaub ich zwei Worte. Baracken mit einem r.
Gut beschrieben!

Schließlich erreichen wir den Ort, an dem Mark vor einunddreißig Jahren das Licht der Welt erblickt hat.

Das Licht der Welt erblicken finde ich, in Anbetracht deines sonstigen Schreibstils „altbacken“. Geboren wurde reicht glaub ich.

Brüder, Schwestern, Tante, Onkel, Neffen und Nichten schauen uns neugierig entgegen.Was ist das für ein sonderbarer Gast, den Mark da mit sich bringt?, fragen ihre erstaunten Gesichter.

Würde ich etwas umformulieren. Die ganze/zahlreiche Verwandschaft schaut uns neugierig und erstaunt entgegen. Den Satz Was ist das für ein sonderbarer Gast, den Mark da mit sich bringt?, fragen ihre erstaunten Gesichter.
Würde ich streichen. So bremst es bei mir unnötig den Lesefluss.

Marks Tante trägt ein wallendes, ausladendes Kleid von schreiend gelber Farbe, es ist gesprenkelt mit einem sonderbaren Muster, als hätte jemand schwarze Tintenkleckse darauf gemalt. Solche Kleidung gehört hier zur Tradition.

Transportiert ein sehr schönes Bild. Ich kann sie sogar singen hören (auch wenn sie es nicht tun). Sehe sie Mais stampfen. Dazu noch eine Info von dir. Sehr schön. Du schaffst es wirklich gut, komplette Stimmungen zu erzeugen. Durch deine Art zu schreiben ergänzt mein Hirn aus seinem "Erfahrungskästchen", bis es Kurzfilmsequenzen in meine Kopf gibt.

Vater und Mutter meines Begleiters sind nirgends zu sehen, ich habe ihn einmal nach seinen Eltern gefragt, doch darüber redet Mark nicht.

Falls da nicht noch irgendwann eine Erklärung kommt, weswegen Mark nicht darüber redet, würde ich diesen Zusatz weg lassen. Ich bin geistig sehr an diesem Satz hängen geblieben, weil ich wissen wollte wieso?

Die Unterhaltung mit den Verwandten fällt schwer, niemand spricht Englisch, weshalb er als Übersetzer fungieren muss. So kommt zumindest stockend ein Gespräch in Gang, man will wissen woher ich komme, wieso ich hier bin und was ich tue. Mein mittlerweile knallroter Arm wird ebenfalls zum Thema, man zeigt darauf und sagt Dinge wie: „Oh, die Sonne greift deine Haut an!“ oder „Das muss bestimmt weh tun.“ und „Ihr Weiße seid wie Chamäleons.“

Nach Gespräch in Gang würde ich einen Punkt machen. Ebenso nach zum Thema.

Nach dem kurzen Schwätzchen bietet Marks jüngste Schwester an, mein T-Shirt zu waschen, es ist völlig durchgeschwitzt. Aus einem schiefen, verrosteten Hahn füllt sie Wasser in einen großen Zuber. Zumindest dieser Komfort ist hier vorhanden, Strom gibt es keinen.
Mark und ich setzen uns unter einen Baum in den Schatten, rauchen Zigaretten und dösen vor uns hin. Am späteren Nachmittag wird das Abendessen zubereitet. In einem typisch ugandischen Grill aus Ton werden mehrere kleine Zweige zum Brennen gebracht und danach die Holzkohle eingefüllt. Darauf kommt ein blecherner Kessel. Um meine Anwesenheit zu ehren, wird extra ein Huhn geschlachtet, Mark behauptet das zumindest. Dabei zusehen will ich nicht, das Tier sieht schon vor seinem Tod ziemlich elend aus.


Schön! Ein Wechselbad der Gefühle, gepaart mit Informationen in genau der richtigen Mischung für meinen Geschmack. Das angenehme dösen, damit es dem Leser (und dir damals vermutlich) nicht zu wohl wird kommt das Huhn ins Spiel.

James, der Autohändler aus Tororo, ruft an und teilt uns mit, dass er wieder zurück in der Stadt ist. Wir sollen doch nach dem Essen vorbeikommen, damit wir den Mietpreis für das Fahrzeug besprechen können, er melde sich gleich noch mal.

Das würde ich glaub ich nicht dazwischen quetschen. Zwischen Hühnermord und dem Essen. Wenn es doch sein soll, dann würde ich nur den ersten Satz stehen lassen bis in der Stadt ist. Den Rest streichen. Da ist nix drin, was für den Leser wichtig oder interessant wäre. Natürlich ist das nur meine Meinung!

Zu dem Huhn gibt es trockenen Reis und eine dünnflüssige Soße, serviert auf farbigen Plastiktellern. Hühner-, Kuh- oder Ziegenfleisch gelten als Delikatesse in Uganda, diese fremden Leute haben sich wirklich ins Zeug gelegt für mich! Gastfreundschaft wird groß geschrieben und man will mich verwöhnen. Doch als ich das Fleisch sehe, fühle ich mich, als hätte mir jemand einen Schlag in die Magengrube verpasst. Es ist sehnig und zerrupft, der gräuliche Farbton lässt es nicht appetitlicher erscheinen. Ich ringe mit mir selbst: Ob ich es fertigbringe, auch nur einen einzigen Bissen davon hinunterzuschlucken?

Da würde ich auch den letzten Satz streichen. Nach deiner Beschreibung ist klar, dass du das nicht unbedingt essen willst, aber die Gastfreundschaft auch nicht mit Füßen treten möchtest. Wenn doch, dann eventuell: mich ringe mit mir (selbst weglassen, dass du mit dir ringst beinhaltet das selbst) Auch würde ich es dann nicht als Fragesatz formulieren sondern Aussage: Ich weiß nicht, ob ich es fertig bringe auch nur einen einzigen Bissen davon hinunter zu schlucken. Du machst gerne Bandwurmworte. Würde ich etwasauseinanderpfriemeln <---- :lol:

Erstmal nehme ich mir eine große Portion Reis, träufle etwas von der Soße darauf und beginne zu essen. Besteck gibt es keines, Handarbeit ist gefragt. Man erkundigt sich, ob ich Vegetarier sei. Ich verneine, füge an, dass ich nicht sehr Hunger hätte. Mark sieht mich verkniffen an, er weiß ganz genau, dass ich schon zu Mittag rumgedruckst habe. Also überwinde ich mich, um diese herzlichen Menschen nicht zu enttäuschen, ich muss das tun, schließlich wurde das Huhn extra für mich gekocht. Es wäre falsch und eine tiefe Beleidigung, keinen Bissen davon zu probieren.

Klare gute Beschreibung. Klar auch, dass nachgefragt wird. Warum sagst du da nicht einfach, du seist Vegetarier, dann kommst elegant aus der Sache raus. Nur so ein Gedanke, wie ich es gemacht hätte, wenn ich Vorort gewesen wäre. Der Geschichte schadet es nicht. Nicht sehr Hunger hätte...das würde ich umformulieren. Keinen großen Hunger habe, oder, nicht sehr hungrig bin.

Ich angle mir eine Keule aus dem Kessel und knabbere vorsichtig daran. Schmeckt ja gar nicht schlecht! Viel besser als es aussieht! Ich komme mir blöd vor und schäme mich dafür, das Fleisch zuerst abgelehnt zu haben.
Mit etwas Glück geht das als „anfängliche Bescheidenheit“ durch. :wink:

Nach dem Essen unterhalten wir uns über unseren bevorstehenden Roadtrip nach Mombasa. Allzu einfach würde es nicht werden, ich hege meine Bedenken, schließlich besitzen weder ich noch Mark einen Führerschein.

?? Ich denke du hast ihn als Fahrer angeheuert? Da hätte ich auch Bedenken. Woher und seit wann weist du, dass er gar keinen Führerschein hat? Diese Frage hat mich etwas aufgehalten beim weiterlesen.

Auf diversen Strecken gibt es Wegelagerer und Banditen, wenn man den Seiten des Auswärtigen Amtes Glauben schenkt. Doch Mark versichert mir, dass sei alles kein Problem. Auch in Afrika führen viele Wege nach Rom.

Doch Mark versicher mir, DAS sei....


Die folgende Beschreibung des Rückweges und der Fliegenplage sowie die Sache mit dem Alohol: Gut und schlüssig. Als Leser sehe, schmecke und fühle ich mit. Und wieder sind sehr gut Fakten integriert, die nicht störend sondern ergänzend auf mich wirken.

Mark und ich machen uns auf den Weg zu unserer Unterkunft, es ist nicht weit von der Bar. Im Empfangsbereich, einem offenen Platz unter dem Sternenhimmel, sitzen einige Leute auf Plastikstühlen, trinken Bier und schauen sich einen Match der Premier League auf einem alten Fernseher an. Die Besitzerin des Hostels führt uns zu unseren Zimmern. Diese machen auf mich den Eindruck einer Gefängniszelle. Die eiserne Tür mit dem Schieberiegel, das steinharte Bett und die Toilette, die nur ein Loch im Boden ist, erinnern mich an eine Dokumentationsreihe über einen Knast in Südamerika. Zumindest gibt es ein Moskitonetz, die Viecher schwirren mir schon um den Kopf herum, angezogen von der nackten Glühbirne an der Decke dieses trostlosen Raumes.

Da würde ich kürzere Sätze schreiben. Die Schilderungen sind schön, aber ich halte mich hin und wieder damit auf, einen Satz zwei Mal zu lesen um ihn ihn Gänze zu erfassen.
z.B. Weg zu unserer Unterkunft Punkt. Sie ist nicht weit...
Im Empfangsbereich sitzen einige Leute auf Plastikstühlen Punkt
Über dem offenen Platz nur der Sternenhimmel Punkt
Sie schauen...
….Gefängniszelle. An der eisernen Tür ein Schieberiegel. Das Bett ist steinhart. Die Toilette nur ein Loch im Boden. Es erinnert mich an eine.....
Durch die kurzen Sätze mit knackigem Inhalt wird es für meinen Geschmack noch etwas drastischer, klarer.
Ebenso würde ich nach Moskitonetz einen neuen Satz beginnen.

Der zweite Teil ist jetzt für meinen Geschmack ein Reisebericht mit persönlicher Note. Gut zu lesen, gut formuliert, informativ und mit Stil!
Klarer und informativer als der erste Teil, wo du dich meiner Meinung nach zu sehr in eigenen Befindlichkeiten ergehst. Uganda kommt wieder auf meine „mögliches Reiseziel-Liste“.

Gruß EmmaR
EmmaR
 
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