Ich mag meinen Antagonisten ...

In diesem Unterforum findest du Hilfe bei jeglicher Art von Plot-Problemen.

Ich mag meinen Antagonisten ...

Beitragvon Akirai » 17.05.2015, 16:05

Hallöchen
(ich hoffe, ich bin in dem Teil des Forums richtig :mrgreen: ).

Mein Problem ist: Mein Anta nimmt am Anfang meines Plots viel zu viel Raum ein. Er muss (von mir so gewollt) an einem Ort X landen, um dort auf meinen Prota zu treffen. (= relativ lange Einführung zu Beginn des Plots)
Mein Prota weiß für knapp ein Drittel des Buchs nicht, dass der Anta da ist und gerade ein ziemlich böses Spiel mit ihm spielt :mrgreen: Also für eine ziemlich lange Zeit ist mein Anta die handlungstreibende Figur. Also einfach die Anta-Szenen wegkürzen, würde auch nicht gehen (zumindest sehe ich gerade nicht, wie das funktionieren kann).

So, und jetzt mein Problem:

Gemäß den 100.000 Schreibratgebern auf dieser Welt soll der Leser doch dem Prota folgen, aber nicht dem Anta! *Haare rauf*
Ich meine, ich fänds interessant, z.B. den ersten Teil von LOTR aus der Perspektive der Ringgeister zu lesen, aber ... damit wären auch die Ringgeister für mich die "Helden", denen ich folgen würde. und nicht der arme Frodo. Was aber auch nicht Sinn und Zweck von LOTR ist ...
*grmpf*
Sehe ich jetzt nur eine Überdominanz meines Antas? Sollte ich auf die Hinweise der Schreibratgeber pfeifen?
Für Kommentare aller Art wäre ich sehr dankbar ^^

:hug: *Kekse hinstell*

LG
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Re: Ich mag meinen Antagonisten ...

Beitragvon schreiberling » 17.05.2015, 16:07

Ist denn der Antagonist einer der Charaktere aus deren Perspektive du erzählst? Das würde ich mir sehr genau überlegen. Und es stellt sich auch die Frage, ist es für deine Geschichte irgendwie notwendig? Wenn nein, schmeiss es raus. In Harry Potter gibt es auch keine Kapitel aus der Sicht von Voldi, auch wenn es Szenen gibt in denen beschrieben wird was er gerade tut.

Lass den Anta da einfach auftauchen und fertig. Wie er da hingekommen ist ist egal, so lange gewährleistet ist, dass sein Auftauchen dort logisch schlüssig erklärbar ist.
Zuletzt geändert von schreiberling am 17.05.2015, 16:11, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Ich mag meinen Antagonisten ...

Beitragvon BlinkyBill » 17.05.2015, 16:08

Wenn der Antagonist wichtig ist, dann kann der ruhig auch mal etwas mehr bekommen.
Bei mir ist der Antagonist im 4 Buch mal fast komplett weg und taucht mitte des 5 Buches erst wieder auf.
Es gibt da keine Feste Regel. Wenn der Antagonist viel Platz in dem Buch braucht, dann ist dem eben so.
Olli Bossalos erer wenk Gluba sain correkt bigila Bungadennen temoral lachla ulto kopra pi mobbalda ader pi spürada tiu brota gampu
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Re: Ich mag meinen Antagonisten ...

Beitragvon schreiberling » 17.05.2015, 16:32

BlinkyBill hat geschrieben:Wenn der Antagonist viel Platz in dem Buch braucht, dann ist dem eben so.



Die Frage ist, braucht er ihn.

Man will als Leser ja auch von den Aktionen des Antagonisten gruselig überrascht werden.
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Re: Ich mag meinen Antagonisten ...

Beitragvon Milch » 17.05.2015, 17:07

Akirai hat geschrieben:Gemäß den 100.000 Schreibratgebern auf dieser Welt soll der Leser doch dem Prota folgen, aber nicht dem Anta! *Haare rauf*
Ich meine, ich fänds interessant, z.B. den ersten Teil von LOTR aus der Perspektive der Ringgeister zu lesen, aber ... damit wären auch die Ringgeister für mich die "Helden", denen ich folgen würde. und nicht der arme Frodo. Was aber auch nicht Sinn und Zweck von LOTR ist ...
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Kümmere dich nicht um die Schreibratgeber.
Solange es funktioniert, ist alles okay.
Vielleicht kannst du ihn ja auch gute Seiten geben, so dass die Leser ihn bis zu einem bestimmten Grad auch mögen.
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Re: Ich mag meinen Antagonisten ...

Beitragvon anby77 » 17.05.2015, 17:20

Das Begriffspaar "Protagonist" und "Antagonist" finde ich generell ziemlich unpraktisch. Es legt beide Figuren sehr stark auf ihre Beziehung zueinander und ihre Funktion für den Plot fest. Das verführt dazu, sie jede ihrer Handlungen auf den jeweils anderen beziehen zu lassen, aber so funktionieren Menschen nicht.
Sie die beiden einfach als gleichberechtigte Hauptfiguren mit teilweise aber eben nicht ausschließlich entgegenlaufenden Interessen.
Je größer der Dachschaden, desto schöner der Ausblick zum Himmel.
(Karlheinz Deschner)
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Re: Ich mag meinen Antagonisten ...

Beitragvon Akirai » 17.05.2015, 18:46

Das ging ja fix! Schon mal vielen lieben Dank für die Antworten! :hug:

Ich sehe zweigeteilte Meinungen, wobei die Mehrheit bei "hauptsache es funzt" ist :lol: .

@ Schreiberling: Das ist es ja gerade - braucht der Kerl soviel Platz? Ich fühle mich momentan nicht in der Lage, dass zu beurteilen, denn ich mag ihn. Und potentielle Betaleser mögen ihn auch :lol: Obwohl er der Anta ist (oder gerade, weil ...). Schwierig, schwierig. Dein Einwand mit der Überraschung ist auch gut, aber eigentlich nicht das, was ich wollte - Spannung sollte sich daraus ergeben, dass der Leser weiß, was passiert, und die Figuren ins Unglück rennen sieht. Von daher wäre es vielleicht gar nicht so schlimm, wenn man die Sicht des Antas einnimmt? *grübel*

@ Milch: Oh, lustigerweise ist mein Anta wesentlich beliebter als mein Prota. Aktiv, dynamisch und herrlich böse. Eigentlich brauchts keine guten Seiten bei ihm :XD:

@ Anby: Vielleicht hast du Recht, und ich hänge mich gerade zu sehr an den Begriffen auf.

*seufz*

Ich stell wohl einfach ein paar Kapitel hier probeweise hoch und warte die Reaktionen ab. Mal sehen, was rauskommt.

In jedem Fall aber vielen Dank für all eure Antworten! :hug:

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Re: Ich mag meinen Antagonisten ...

Beitragvon schreiberling » 17.05.2015, 18:59

Akirai hat geschrieben:
@ Schreiberling: Das ist es ja gerade - braucht der Kerl soviel Platz? Ich fühle mich momentan nicht in der Lage, dass zu beurteilen, denn ich mag ihn. Und potentielle Betaleser mögen ihn auch :lol: Obwohl er der Anta ist (oder gerade, weil ...). Schwierig, schwierig. Dein Einwand mit der Überraschung ist auch gut, aber eigentlich nicht das, was ich wollte - Spannung sollte sich daraus ergeben, dass der Leser weiß, was passiert, und die Figuren ins Unglück rennen sieht. Von daher wäre es vielleicht gar nicht so schlimm, wenn man die Sicht des Antas einnimmt? *grübel*i



Dann dreh das ganze doch um. Schreib eine Geschichte über diesen Typen als Antiheld-Figur und kicke den Proagonisten als Hauptfigur raus.

So wie du das beschreibst ergibt das den besseren Text, da er einfach ein interessanterer Charakter ist und du auch mehr Lust hast seine Abenteuer zu schreiben.
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Re: Ich mag meinen Antagonisten ...

Beitragvon magico » 18.05.2015, 10:57

Hallo Akirai,

ich denke, dass ich weiß, auf welche deiner Geschichten du anspielst. :mrgreen:
Und allein daher muss ich vor allem anby Recht geben. Protagonist und Antagonist sind einfach zwei Begriffe, die in vielen Texten sicher funktionieren, aber bei Weitem nicht in allen.
Bei meinem eigenen Hauptprojekt gibt es den längsten Teil des Buches überhaupt keinen klar definierten Antagonisten und schon gar nicht nur den einen.

Ergo: Wenn dein Text so funktioniert, dann immer her mit dem Pösen Purchen!


Grüße - magico
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Re: Ich mag meinen Antagonisten ...

Beitragvon Desperado » 18.05.2015, 11:09

Davon leben doch viele Geschichten, dass der Böse trotz seiner Bosheit immer noch eine gewisse Sympathie
ausstrahlt. Meinen bösen Buben mochten die Leser auch am liebsten, obwohl er ein mordender Satanist war.
(Irgendwann werde ich ihm ein eigenes Buch widmen :rosetintedglasses: )
"Heartbeatclub: 17 heiße Rhythmen" 2015 - "Erwarte mich in Paris" 2013 - "Engelsgesang" 2011 - "Einmal Sinti und zurück" 2010
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Re: Ich mag meinen Antagonisten ...

Beitragvon Dingelchen » 18.05.2015, 11:18

schreiberling hat geschrieben:
Lass den Anta da einfach auftauchen und fertig. Wie er da hingekommen ist ist egal, so lange gewährleistet ist, dass sein Auftauchen dort logisch schlüssig erklärbar ist.

Aber andererseits kanns doch auch spannend sein, wenn man mehr weiß als der Prota, und sich schon die Ganze Zeit gegenüber des Protas denkt: "Verdammt, mach endlich die Augen auf! Du bist in Gefahr!", der Prota aber seelenruhig ins Messer läuft^^ - oder?
"Im Mondlicht drehten sich die Paare. Die Feigheit mit der Tugend, die Lüge mit der Gerechtigkeit, die Erbärmlichkeit mit der Kraft, die Tücke mit dem Mut.
Nur die Vernunft tanzte nicht mit."

(Horváth - Jugend ohne Gott)
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Re: Ich mag meinen Antagonisten ...

Beitragvon Akirai » 18.05.2015, 22:31

Noch mehr Antworten! Danke sehr! :girl: :hug:

magico hat geschrieben:ich denke, dass ich weiß, auf welche deiner Geschichten du anspielst. :mrgreen:

Argh, erwischt! :XD:

magico hat geschrieben:Ergo: Wenn dein Text so funktioniert, dann immer her mit dem Pösen Purchen!

Kannst du / wirst du / darfst du haben :P :lol:

Desperado hat geschrieben:Davon leben doch viele Geschichten, dass der Böse trotz seiner Bosheit immer noch eine gewisse Sympathie
ausstrahlt. Meinen bösen Buben mochten die Leser auch am liebsten, obwohl er ein mordender Satanist war.


Das könnte ich geschrieben haben :hug: Ja, irgendwie sind gut gemachte Bösewichter einfach tausend mal interessanter als aalglatte Good Guys :ugeek:

Dingelchen hat geschrieben:Aber andererseits kanns doch auch spannend sein, wenn man mehr weiß als der Prota, und sich schon die Ganze Zeit gegenüber des Protas denkt: "Verdammt, mach endlich die Augen auf! Du bist in Gefahr!", der Prota aber seelenruhig ins Messer läuft^^ - oder?

Auf den Effekt setze ich. Hoffentlich klappts ...

:hug:

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Re: Ich mag meinen Antagonisten ...

Beitragvon Arynah » 18.05.2015, 22:38

Ich persönlich liebe Geschichten, in denen der Antagonist übersympathisch ist :D Da kann ich mich nie entscheiden, wem ich die Daumen drücken soll und bin im Wechsel der Gefühle. Und wenn der geliebte Antagonist dann verliert, habe ich das Ende viel besser im Kopf, als wenn es ein Standard "Der Böse hat verloren, der gute gewonnen." So erinnere ich mich zB kaum, wie Voldemort in Harry Potter verloren hat, bei Eragon musste ich erst mal nachlesen, wann eigentlich Galbatorix jetzt ins Gras gebissen hat und wäre Star Wars als Buch in meinen Händen, hätte ich jeden Tod vom bösen Gegner auch erst mal nicht gerafft bzw später einfach wieder vergessen. Aber die Tode von den liebsten Antagonisten weiß ich noch bis heute. Oder zumindest deren Niederlagen.
Am besten ist es natürlich, wenn die Geschichte offen lässt, wer nun gut oder böse ist und der Leser selbst entscheiden kann. (Das mach ich in meiner einen Geschichte. Ironie: Antagonist und Protagonist sind sozusagen Zwillinge :D)
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Re: Ich mag meinen Antagonisten ...

Beitragvon SmilingSeth » 19.05.2015, 12:40

Kannst Du uns mal verraten um welche Geschichte es geht?
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Re: Ich mag meinen Antagonisten ...

Beitragvon psynonym » 23.05.2015, 11:58

schreiberling hat geschrieben:Dann dreh das ganze doch um. Schreib eine Geschichte über diesen Typen als Antiheld-Figur und kicke den Proagonisten als Hauptfigur raus.

So wie du das beschreibst ergibt das den besseren Text, da er einfach ein interessanterer Charakter ist und du auch mehr Lust hast seine Abenteuer zu schreiben.


Ich stimme schreiberling zum Großteil zu! Man muss den Protagonisten nicht gleich rausschmeißen, aber anscheinend ist der Anti-Held die Hauptfigur ;)
Lass dich von den "Bezeichnungen" für die jeweiligen Rollen nicht irriteren! Das interessiert den Leser später eh nicht mehr, sondern nur die Charaktere an sich, die Geschichte und den Handlungsverlauf! ;)

Ich gebe dir ein kleines Beispiel, warum ich das so sehe:
Jeff Lindsay, der Autor von "Des Todes dunkler Bruder", dessen Buch auch als Serie "Dexter" gedreht wurde, hat einen Cop aus Hauptfigur, der nebenberuflich Serienmörder ist. Wenn das kein absoluter Sympathie-Anti-Held ist, dann weiß ich auch nicht. ;) Und eigentlich müsste der Polizist, der nach ihm jagt, der absolute Held und Sympathieträger sein - ist er aber nicht.

Es gibt genug Geschichten über Helden, aus der Sicht eines Bösewichts zu schreiben hat etwas frisches und neues! Also lass dich nicht durch Ratgeber beirren, wenn sie dir auf diese Art von Storyline gar nicht helfen können. ;)
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