[Liebe]Ihre Liebhaber und ich

Liebe, Romantik, Sehnsucht

[Liebe]Ihre Liebhaber und ich

Beitragvon Hark » 22.12.2014, 00:15

Überarbeitete Version/11.01.2015:

Auf dem Esstisch in der Küche finde ich neben der kleinen Blumenvase den üblichen Zettel. "Dicker Kuss, Sonja" steht unter den Besorgungen, die ich zu erledigen habe. ich muss das nicht tun, ich will es. Ja, ich gebe zu, dass ich es geradezu erwarte, diese Aufgaben vorzufinden. Sie geben mir die Gewissheit, der beste Freund von Sonja zu sein. Und dieses Gefühl brauche ich. Täglich. Denn Sonja ist eine phantastische junge Frau.

Sie hat langes kupferrotes Haar und unglaublich weiße Haut, welche von zahllosen großen und kleinen Sommersprossen bevölkert ist. Schon lange bewundere ich ihre jungfräulich anmutende Schönheit. Aus ihrem schnalen Gesicht erstrahlen zwei wunderbare tiefbraune Augen und eine spitze Nase, ihr Kopf wird von einem filigranen Hals getragen. Ein wohlgeformter Busen wölbt sich sanft vor ihrer Brust, lediglich das Becken ist vielleicht ein wenig breit geraten für diese ansonsten harmonische Figur. Gerade aber diese scheinbare Unzulänglichkeit verleiht ihr eine besonders weibliche Ausstrahlung. Eine geradezu magische Aura.

Nimmt man nun Gesicht und Körper zusammen, so ergibt sich ein Bild anregendster Schönheit. Kaum ein Mann, dessen Sinne bekanntlich auf äußere Reize ausgerichtet sind, kann sich dieser Anmut entziehen. Wer sie sieht, wird nicht selten von spontanem Jagdfieber befallen. Denn sie scheint, obwohl objektiv ein ganz normales, weibliches Wesen, auf geheimnisvolle Weise besonders begehrenswert zu sein. Vereint mit der Unbekümmertheit eines jungen Erwachsenen und dem lebendigen Temperament ist Sonja ein Mensch, den man geradezu lieben muss.

Nicht selten jedoch führt sie ihre Sorglosigkeit, ihre ungezügelte Neugier, ihre Lust auf Leben und ihre große Offenherzigkeit allem und jedermann gegenüber in Situationen, die sie dann überfordern. Sofort erwacht dann bei mir der Instinkt, welcher ebenso tief im Mann steckt wie der Jagdeifer, und mich zwingt, mich beschützend vor sie zu stellen. Und obgleich sie selbst die Gefahren niemals in derselben Weise wahrgenommen hatte wie ich und sie folglich keine Gefühle dankbarer Zuneigung empfand oder mir eine Geste besonderer Wertschätzung zudachte, war ich ihr verfallen. Ich hatte mich unsterblich in diese fröhliche Schönheit verliebt.

Damit die Liebe zu einem Fest der Freude wird, bedarf es zweier Herzen die füreinander zittern und beben. Noch vor der ersten innigen Begegnung, die üblicherweise durch einen besonderen Kuss gekennzeichnet ist. Eine solche Verliebtheit lässt uns jubeln und wir werden sprichwörtlich blind vor Glück, weil wir nichts anderes fassen können als dieses. Und selbst das gelingt uns kaum.

Jedoch, und das ist die andere Sache; eine, die uns weniger schmeckt, ist es stets notwendig, dass beide Herzen in genau demselben Takt schlagen. Tun sie es nicht, so gerät die Verliebtheit in eine schlimme Not. Dabei ist es möglich, dass das Herz des einen geradezu rast vor Sehnsucht, während das andere sich um nichts aus seinem immer gleichen Takt bringen lässt. Die Sehnsucht des rasenden Herzens verwandelt sich aber, wenn es keinen Gleichklang wahrnimmt, in eine schmerzhafte Begierde.

Und genau die verspüre ich schon eine gewisse Zeit. Denn ich muss gestehen, dass es mir noch nicht gelungen ist, Sonjas Herz so zum Schlagen zu bringen, dass es zusammen mit dem meinen einen Gleichklang des Glücks ergeben hätte.

Es gibt wohl auf der ganzen Welt kein Rezept, um die Liebe in einem bestimmten Menschen zu erwecken. Wie aber konnte ich das Herz dieses kaum erwachsen gewordenen Mädchens dazu bringen, für mich zu zittern, für mich zu rasen, in taktgleicher Verliebtheit zu schlagen?

Nach einigem Nachsinnen schien es mir nur einen Weg zu geben: Ich musste zunächst ihre Freundschaft gewinnen. Die Freundschaft ist der Schlüssel, der die verschlossenen Türen öffnet. Hat man einmal dieses starke Band geknüpft, so lässt sich leicht allerlei daran anbinden. Man ist in alle Ereignisse und Gegebenheiten der Person eingeweiht und erfährt die verborgensten Dinge, wenn man es nur geschickt anzustellen weiß. Mehr noch, das Zutrauen wächst in dieser Person beständig, und damit auch die eigene Macht, das Denken und Fühlen dieser Person zu lenken. Durch kluges Anraten und schlaue Zurückhaltung in günstigen Momenten wird man alsbald ein wichtiger Geheimnisträger und nahezu unersetzbarer Halt in der Wahrnehmung eines solchen Menschen, der noch über wenige Erfahrungen verfügt und den Stürmen des Lebens wenn schon nicht gar hilflos, so doch aber noch sehr orientierungslos ausgeliefert ist.

Ich habe also mit großem Eifer daran gearbeitet, Sonjas Freund und Vertrauter zu werden. Ich war stets freundlich zu ihr, egal in welcher Laune sie sich befand. Ich habe ihr alle Unfreundlichkeiten, Schmähungen und Demütigungen alsbald verziehen. Mehr noch, waren sie Ansporn für mich, ihre Wünsche besser zu verstehen und schneller zu erfüllen. Jede kleine Verletzung, die sie mir zufügte, nahm ich zum Anlass, ihr ein noch besserer Ratgeber und Helfer zu sein.

Längst schon habe ich eine ganze Reihe fester Aufgaben übernommen, die ihr das Leben leichter machen. Ich nehme ihr die lästige Korrespondenz mit Ämtern, Versicherungen und dergleichen mehr ab. Ich erledige allfällige Reparaturen in ihrer Wohnung, kümmere mich darum, dass ihr kleiner PKW immer in Schuss und vollgetankt ist, und lasse es niemals zu, dass sie um ihre Zigaretten verlegen ist. Nein, ich gebe ihr nicht die geringste Gelegenheit, auch nur schlecht von mir zu denken.

Mit einigem Stolz kann ich heute behaupten, derjenige in Sonjas Leben zu sein, dem sie sich nahezu vorbehaltlos anvertraut. Ich kenne ihre Sorgen, kenne ihre Launen. Sie beschenkt mich von Zeit zu Zeit dafür mit einem Lächeln und ein paar freundlichen Worten.

Seit einiger Zeit besitze ich sogar einen Schlüssel zu ihrer Wohnung. Den hat sie mir anvertraut, damit ich selbständig nach dem Rechten sehen kann. So groß ist ihr Vertrauen zu mir. Wenn ich dort gleich nach Feierabend noch vorbei fahre, dann finde ich sie zumeist gar nicht selbst vor, sondern einen Zettel mit einer Nachricht für mich. Häufig ist es ein lieber Gruß, verbunden mit ein, zwei Bitten um Erledigung. Manchmal schreibt sie „Ich küsse Dich“; zumeist dann, wenn eine größere Arbeit für mich anfällt, oder ich für eine unbezahlte Rechnung aufkommen soll.

Zuallermeist finde ich aber eine Liste von kleinen Besorgungen, die ich zu machen habe. Natürlich nur, wenn sie selbst nicht dazu gekommen ist, was allerdings mindestens einmal die Woche vorkommt. Manchmal liegt für die Einkäufe etwas Geld dabei. Die Zettel habe ich alle aufgehoben. Sogar den, auf dem unter den zu besorgenden Artikeln „Kondome, extra feucht“ stand. Da hatte sie vergessen, mir das Einkaufsgeld bereit zu legen.

(1037)

Hier endet die Leseprobe, weil...1000 Worte erreicht sind. :lol:

Wer mag, kann mir gerne mitteilen, was er davon hält. Vor allem würde mich interessieren, wie Ihr den Stil einstuft. Empfindet ihr ihn als altmodisch? Für wie alt haltet ihr den Ich-Erzähler?

Gruß,
Hark
Zuletzt geändert von Hark am 12.01.2015, 20:53, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Ihre Liebhaber und ich

Beitragvon julia89 » 24.12.2014, 11:07

Hallo Hark,

ich habe mich mal an deiner Geschichte ausgetobt... :wink:
Thematisch finde ich sie eigentlich ganz interessant, denn sie birgt einiges an Konfliktpotenzial. Dein Prota weckt bei mir nicht gerade Sympathien, aber ich vermute, das ist vielleicht auch gewollt? Es ist so ein Schwanken zwischen Ablehnung, da er von "Macht" und "schmerzhafter" Begierde spricht und Mitleid, da er sich von Sonja geradezu ausnutzen lässt. Genau das macht für mich den Reiz an der Geschichte aus, denn sie könnte sich in jedwede Richtung entwickeln. Daher würde ich vermutlich - wäre das jetzt ein Buch in der Buchhandlung - weiterlesen. Rein vom Thema her. Stilistisch ist der Einstieg ehrlich gesagt nicht mein Ding. Ich bin etwas zwiegespalten. Ich verstehe, dass es die lange Beschreibung von Sonja und ihren Eigenarten braucht, um die Gefühle des Protas für sie zu begründen, aber insgesamt zieht sich die Einleitung doch sehr lange hin, bis mal etwas wirklich Interessantes kommt. Ich fürchte, dass einige Leser da schon früher abschalten würden. Vielleicht kannst du also einen Weg finden, um den Einstieg mitreißender zu machen. Wäre es nicht denkbar, eine kleine Szene in Sonjas Wohnung als Einstieg zu nehmen? Vielleicht genau dieser Moment, wenn dein Prota den Zettel mit "Kondome, extra feucht" findet...

Soviel zum Gesamteindruck... Ich habe deinen Text noch ein wenig auseinander genommen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit :wink: ). Nimm, was dir hilft, den Rest ignoriere einfach.


Hark hat geschrieben:Ich bin der beste Freund von Sonja, einer phantastischen jungen Frau.

Dieser erste Satz gefällt mir nicht wirklich. Mit "ich" anzufangen finde ich immer nicht so ideal. Vor allem aber scheint es in deiner Geschichte ja beinahe mehr um Sonja zu gehen, als um deinen Protagonisten. Daher wäre mein Vorschlag, den Satz umzudrehen, sodass Sonja noch mehr ins Zentrum gerückt wird. Denn sie scheint ja sehr zentral in den Gedanken deines Protas zu sein.
Vorschlag: Sonja ist eine phantastische junge Frau und ich bin ihr Freund. Ihr bester Freund.

Insgesamt ist mir auch der Übergang vom ersten zum zweiten Satz zu abrupt. Du knallst dem Leser gleich eine äußerliche Beschreibung von Sonja hin (was ja Sinn macht, denn man schaut nunmal zuerst aufs Äußere), aber diese steht für mich zu wenig in Beziehung zu der Aussage, sie sei phantastisch. Ist verständlich, was ich meine? ... "Sie ist eine phantastische junge Frau!" - "Warum?" - "Sie hat langes kupferrotes Haar." - "Na und? Haben viele." ... Da müsste für mich eine aussagekräftigere Beschreibung her. Vielleicht könnte die weiße Haut mit den Sommersprossen ein besonderes Kriterium sein, wenn du es schaffst, das noch außergewöhnlicher wirken zu lassen.


Hark hat geschrieben:Ihr Gesicht trägt zwei wunderbare tiefbraune Augen und eine schmale Nase, ihr Kopf wird von einem filigranen Hals getragen.



Hark hat geschrieben:Sie hat langes kupferrotes Haar und unglaublich weiße Haut

Hark hat geschrieben:Sie werden gekleidet von besonders weißer Haut, wie sie rothaarigen Menschen oft zu eigen ist.

Das weiß der Leser bereits...


Insgesamt muss ich sagen, dass sich die äußerliche Beschreibung Sonja ziemlich dahinschleppt. Ich gehe davon aus, dass du ein detailliertes Bild von ihr zeichnen und die Bewunderung des Protas für sie sichtbar machen willst. Das gelingt dir meiner Meinung nach aber nur teilweise, denn auch wenn du die Beschreibung mit allerlei Adjektiven schmückst, die Bewunderung ausdrücken (z.B. unglaublich, wunderbar, herrlich, ausgezeichnet), so bleibt deine Beschreibung doch eher allgemein. Ich nehme an, dass es da draußen tausend andere Frauen gibt, auf die genau diese Beschreibung auch zutrifft. :wink: Versuch vielleicht, das Besondere an Sonja herauszukitzeln. Etwas in dieser Art:
Sie hat langes kupferrotes Haar, welches in sich in den Spitzen in einem kleinen Wirbel verliert. Ihre helle Haut wird von zahllosen Sommersprossen bevölkert, manche klein, manche etwas größer. Wie diese eine direkt in ihrem Augenwinkel, welche die Aufmerksamkeit sofort auf ihre tiefbraunen Augen lenkt. Deren Blick ist - unter dichten Wimpernkränzen hinweg - so seelenvoll und manchmal beinahe melancholisch. Und manchmal blinzelt sie mich über ihre schmale Nase hinweg verschwörerisch an.
Ich hoffe, es wird klar, was ich meine... :)


Hark hat geschrieben:In einem Wort: Sie ist begehrenswert.

Das sind aber drei Wörter... :wink:


Hark hat geschrieben:dem lebendigen Temperament, welches die erlesene äußere Form mit vollem Leben ausfüllt

Sorry, aber bei "erlesener Form" musste ich unwillkürlich an eine Weinprobe denken. :lol: Vielleicht kannst du statt "erlesen" ein anderes Wort finden.


Hark hat geschrieben:Nicht selten jedoch führt sie ihre Sorglosigkeit, ihre ungezügelte Neugier, ihre Lust auf Leben und ihre große Offenherzigkeit allem und jedermann gegenüber oft in Situationen,

Das ist irgendwie doppelt.


Hark hat geschrieben:in Situationen, die sie dann überfordern. Sofort erwacht dann bei mir der Instinkt



Hark hat geschrieben:Dies widerfuhr mir an ihrer Seite schon so manches Mal.

Dieser Satz ist für mich überflüssig, da Sonja "oft" in solche Situationen kommt und dann "sofort" der Beschützerinstinkt in deinem Prota erwacht.


Hark hat geschrieben:Nun hat es aber mit der Liebe so eine sonderbare Bewandtnis...

Dieser Absatz hört sich für mich ein wenig nach Moralkeule an. :wink: Vielleicht kannst du das eleganter formulieren.


Hark hat geschrieben:Noch vor der ersten innigen Begegnung, die üblicherweise durch einen besonderen Kuss gekennzeichnet ist.

Muss diese erste intime Begegnung ein Kuss sein? Könnte es nicht auch ein Augenblick sein, in dem man sich vertraut in die Augen sieht, in dem sich die Hände wie zufällig berühren...?


Hark hat geschrieben:Es gibt wohl auf der ganzen Welt kein Rezept, um die Liebe



Hark hat geschrieben:Wie aber konnte ich das Herz dieses kaum erwachsen gewordenen Mädchens dazu bringen, für mich zu zittern, für mich zu rasen, in taktgleicher Verliebtheit zu schlagen?

Müsste es nicht "könnte" heißen? Denn offenbar hat dein Prota es ja bislang nicht geschafft.


Hark hat geschrieben:Man ist in alle Umstände der Person eingeweiht

"Umstände" passt für mich nicht. Vielleicht eher "Gefühlslagen"?


Hark hat geschrieben:und damit auch die eigene Macht, das Denken und Fühlen dieser Person zu lenken.

An dieser Stelle bekommt die Geschichte für mich einen latent bedrohlichen Unterton. Ist das gewollt? Geht es deinem Prota wirklich um die Macht, seine Begierde irgendwie zu stillen?


Hark hat geschrieben:Durch kluges Anraten und schlaue Zurückhaltung in günstigen Momenten wird man alsbald ein wichtiger Ratgeber



Hark hat geschrieben:Ich habe also mit großem Eifer daran gearbeitet, Sonjas Freund und Vertrauter zu werden. Ich war stets freundlich zu ihr, egal in welcher Laune sie sich befand. Ich habe ihr alle Unfreundlichkeiten, Schmähungen und Demütigungen alsbald verziehen.

"Freundlich" klingt mir hier zu allgemein. Vielleicht eher: Ich war stets für sie da, egal...


Hark hat geschrieben:Jede kleine Verletzung, die sie mir zufügte,



Hark hat geschrieben:Ich nehme ihr die die lästige Korrespondenz mit Ämtern, Versicherungen und dergleichen mehr ab.



Hark hat geschrieben:Den hat sie mir anvertraut, damit ich selbständig nach dem Rechten sehen kann. So groß ist ihr Vertrauen zu mir.




Zuletzt noch zu deinen Fragen...

Hark hat geschrieben:Vor allem würde mich interessieren, wie Ihr den Stil einstuft. Empfindet ihr ihn als altmodisch? Für wie alt haltet ihr den Ich-Erzähler?


Der Stil... ja... habe ich oben bereits erwähnt, ist für mich eher geschwollen und zu Beginn ein wenig zu viel beschreibendes Bla Bla (nicht böse gemeint). Ich bräuchte mehr Handlung, mehr tatsächliche Emotion, um richtig in den Text zu finden.
Das Alter des Protas finde ich schwer zu schätzen. Tendenziell - vom Stil her - eher gegen Mitte Dreißig, wobei für mich das Alter weniger ausschlaggebend ist, sondern eher die psychische Befindlichkeit. :lol: Seine Bewunderung und Begierde für Sonja scheint ja nicht ganz "normale" Maße angenommen zu haben. Wie bereits erwähnt ist für mich genau das der Punkt, der die Geschichte interessant macht.


So nun genug von mir. Ich hoffe, meine Anmerkungen helfen dir weiter.

Frohe Weihnachten wünsche ich dir! :xmasgrin:

Liebe Grüße
Julia
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Re: Ihre Liebhaber und ich

Beitragvon Hark » 24.12.2014, 12:27

Hallo Julia,
ich danke Dir für Deine ausführliche Beurteilung, die ich in den nächsten Tagen gründlich durcharbeiten werde.

Dir ist auch die generelle Widersprüchlichkeit des Protagonisten aufgefallen. Das liegt daran, dass eigentlich zwei Geschichten hier durchschimmern. In der Urform war es nur ein verliebter Dummkopf. Ich fand es aber reizvoll, ihn auch berechnend und gierig zu beschreiben.Die Konsequenz ist leider, dass man als Leser vielleicht nicht mehr mitleidet, sondern beide Figuren mit gemischten Gefühlen betrachtet. Das hat zur Folge, dass die Geschichte ausschließlich von der Spannung aus dem Dauerkonflikt lebt. Ob man das als Leser durchgehen lässt? Ich schätze, ich werde eine Entscheidung treffen müssen, wer gut und wer böse ist...


Nochmals danke und ein schönes Weihnachtsfest,
Hark
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Re: Ihre Liebhaber und ich

Beitragvon julia89 » 24.12.2014, 17:43

Nur noch ganz kurz...

Hark hat geschrieben:Die Konsequenz ist leider, dass man als Leser vielleicht nicht mehr mitleidet, sondern beide Figuren mit gemischten Gefühlen betrachtet. Das hat zur Folge, dass die Geschichte ausschließlich von der Spannung aus dem Dauerkonflikt lebt. Ob man das als Leser durchgehen lässt?


Gute Frage, die ich anhand dieses kurzen Textausschnittes auch nicht beantworten kann. Aber ganz generell finde ich die Ambivalenz, mit der du deinen Prota zeichnest, durchaus spannend und könnte mir vorstellen, dass sie eine ganze Geschichte tragen könnte. Ich persönlich brauche in einem Buch keinen Prota, der Sympathien weckt, um das Buch zu mögen. Aber natürlich muss die Geschichte dann umso mehr tragen, wenn es schon keinen "Liebling" gibt. :wink:
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Re: Ihre Liebhaber und ich

Beitragvon Cookie2609 » 11.01.2015, 23:26

Hallo Hark,

ich will jetzt keinen ewig langen Kommentar mehr verfassen, das hat Julia ja schon gemacht und ich stimme ihr soweit zu.
Deshalb nur ein paar kleine Dinge, die mir beim Lesen aufgefallen sind.

Eine klitzekleine Verbesserung zu Beginn:
ihr noch ein besserer Ratgeber und Helfer zu sein.

ihr ein noch besserer Ratgeber und Helfer zu sein.

Dein Schreibstil ist mal etwas anderes aber ich denke, dass man sich darauf einlassen muss (und auch will) wenn man deine Geschichte liest.
Die Hauptperson ist eben furchtbar verliebt und kann an nichts anderes denken als an seine Geliebte.
Ich weiß ja nicht, was im Kopf eines Mannes so vorgeht, ich glaube nicht jeder denkt so, es gibt aber eben solche und solche :wink:

Ein paar Fragen die während dem Lesen aufkommen und ein paar kleine Unklarheiten:

Denkt die Hauptperson immer so von Sonja oder gab es in letzter Zeit ein besonderes Ereignis, das ihn dazu veranlasst, sich Hoffnungen zu machen? Wenn er doch schon lange in sie verliebt ist, ist er da noch so zuversichtlich? (bzw. wie lange ist er schon in sie verliebt?) Oder ist er von Zweifeln geplagt? (Angesichts der Tatsache, dass er für sie nur ein guter Freund ist.)

Außerdem: Wie steht Sonja zu ihm? Du hast sie ewig lange beschrieben, als eine unglaubliche, perfekte Frau, es stellt sich aber die Frage: Ist sie wirklich so? Oder nutzt sie ihn nur aus? Dann wäre sie nämlich nicht so perfekt und eigentlich ziemlich egoistisch.

Mit einigem Stolz kann ich heute behaupten, derjenige in Sonjas Leben zu sein, dem sie sich nahezu vorbehaltlos anvertraut. Ich kenne ihre Sorgen, kenne ihre Launen. Sie beschenkt mich von Zeit zu Zeit dafür mit einem Lächeln und ein paar freundlichen Worten.


Ihr bester Freund wird ab und zu mit einem Lächeln und ein paar freundlichen Worten beschenkt? Ist das nicht ein bisschen wenig dafür? Das "nahezu vorbehaltlos vertrauen" ist etwas knapp und oberflächlich. Hier könntest du zum Beispiel schreiben, dass sie ab und zu weinend vor seiner Tür steht und sich dann zu ihm auf die Couch kuschelt um sich von ihm aufmuntern zu lassen. Oder bildet er sich das alles nur ein? Das macht den Protagonisten wieder zu dem verzweifelten, furchtbar naiven Liebenden. Finde ich an sich sehr gut aber das solltest du dann doch noch ein klitzekleines bisschen deutlicher machen (vielleicht auch mit einem Dialog zwischen den beiden), denn so kann sich der Leser nicht entscheiden, wie es eigentlich um die Freundschaft steht.

Ein Beispiel:
Schon als ich die Türklingel vernehme beginnt mein Herz schneller zu schlagen. Schnell springe ich auf und laufe zur Tür um sie zu öffnen. Ich blicke in Sonjas wunderschöne Augen und bin aufs Neue fasziniert von ihr.
"Hey, kannst du mir vielleicht einen Gefallen tun?", fragt sie mich.
"Natürlich, gerne, was gibt's?"
"Ich muss noch ein Paket zur Post bringen, es ist sehr wichtig aber ich habe heute wirklich keine Zeit mehr. Würdest du das übernehmen?"
Sie hält ein kleines Päckchen in der Hand und strahlt mich an. Wie kann man da nein sagen?
Ich nehme das Päckchen entgegen und lächle sie an.
"Vielen Dank und einen schönen Tag noch", ruft sie schon im Gehen.
Ich beobachte sie bis sie aus meinem Blickfeld verschwindet.
Ich freue mich, dass sie mir zutraut, so eine wichtige Aufgabe zu übernehmen. Sie scheint mich sehr zu schätzen.


Ich weiß, der Schreibstil ist jetzt ganz anders als deiner und total mies weil ich mir das grade einfach aus den Fingern gezogen habe aber die wesentlichen Aspekte die ich dir klarmachen will sind folgende:
-Es interessiert sie nicht wie es ihm geht, ob er gerade Zeit hat, sondern sie geht davon aus, dass er das Paket so oder so zur Post bringt.
-Er merkt es nicht, wie sie ihn sieht und fühlt sich bei einer relativ kleinen Aufgabe schon so wichtig (da gibt es bestimmt noch bessere Beispiele als ein Paket.
-Sie nimmt sich keine Zeit für ihn.

ALSO, wenn er wirklich so naiv ist, dann vielleicht so etwas einbringen, ansonsten das mit dem abends zu ihm kommen und sich ausheulen :wink:

sie folglich keine Gefühle dankbarer Zuneigung empfand oder mir eine Geste besonderer Wertschätzung zudachte, war ich ihr verfallen.


An dieser Stelle klingt der Protagonist nämlich überhaupt nicht naiv. Ich finde das aber an sich besser, denn verliebt sein macht nunmal naiv, da verdrängt man unschöne Gedanken gerne einmal.

Noch eine Frage: Woher kennen sich die beiden überhaupt? Vielleicht hat er sich ja schon in sie verliebt als er sie das erste Mal gesehen hat? Dann würdest du gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen :wink:

Jetzt eine letzte stilistische Sache:
Deine Beschreibungen von Sonja sind im Prinzip ein ganzer Haufen an Informationen, die der Leser da verarbeiten muss. Vielleicht könntest du eher zwischendrin einmal einbauen. Allgemein ist da doch schon ganz schön viel an solchen Beschreibungen, die vielleicht nicht alle nötig sind, der Leser kann sich in gewissen Punkten auch ein eigenes Bild von ihr schaffen.
Also ein Beispiel wie man so etwas besser verarbeiten könnte:

Während ich den Einkaufszettel in meinen Geldbeutel stecke kommt mir ein Bild von Sonja in den Kopf, wie sie diesen Zettel verfasst. Ich stelle mir vor, wie sie an dem großen Esstisch sitzt und einen Stift in ihrer schmalen Hand hält, das lange, kupferfarbene Haar fällt ihr sanft über die Schulter und sie streicht es in einer fließenden Bewegung zurück.
Kopfschüttelnd beende ich meinen Tagtraum. Ich sollte mich auf die Aufgabe konzentrieren, die sie mir aufgetragen hat.


Und so weiter...

So, das ist jetzt doch etwas mehr geworden als erwartet.
An sich finde ich deine Geschichte gut, der Leser will mehr erfahren (die Vorschläge von mir könntest du natürlich auch später noch umsetzen) und Sonja selbst einmal kennenlernen.
Schreib weiter so und bleib bei dem Schreibstil, er verdeutlicht sehr schön den Charakter der Hauptperson.

Liebe Grüße, Cookie :girl:
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Re: Ihre Liebhaber und ich

Beitragvon julia89 » 12.01.2015, 12:50

Hallo Hark,

ich habe eben erst gesehen, dass du eine überarbeitete Version eingestellt hast... Ich finde, die Überarbeitung ist dir gut gelungen. Durch den aktiveren Einstieg komme ich besser in den Text hinein - gefällt mir sehr gut. Nur noch ein paar kleine Anmerkungen:

Hark hat geschrieben:Aus ihrem schmalen Gesicht erstrahlen zwei wunderbare tiefbraune Augen und eine schmale Nase,

Doppelung


Hark hat geschrieben:ein ganz normales, weiliches Wesen

Da fehlt ein "b".


Hark hat geschrieben:Es gibt wohl auf der ganzen Welt kein Rezept um die Liebe in einem bestimmten Menschen zu erwecken.

Komma vor "um".


Also insgesamt ist dein Text - wie ich schon gesagt hatte und wie auch Cookie angemerkt hat - sicher mal was anderes (rein stilistisch) und vielleicht nicht jedermanns Geschmack. Ich finde ihn aber eigentlich recht interessant (thematisch und stilistisch) und finde nach wie vor, dass es dir sehr gut gelingt, beide Figuren ambivalent zu zeichnen. Von daher denke ich, dass deine Geschichte durchaus Potenzial hat. Ich würde weiterlesen... :D

Liebe Grüße
Julia
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Re: Ihre Liebhaber und ich

Beitragvon Hark » 12.01.2015, 21:04

Hallo Cookie,
hallo Julia,

ich habe mich über Eure Anmerkungen sehr gefreut und wiederum im Text verarbeitet. Vielen dank dafür.

Was soll es werden? Die Geschichte einer unerfüllten obesessiven Liebe, die eine überraschende Wendung erfährt. Er: Wenngleich nicht dumm, so doch naiv und überfordert im Umgang mit seinen Gefühlen und völlig auf dem Holzweg bei der Annäherung. Sie: Mit seinen Sehnsüchten überfordert, doch pragmatisch genug, sich die Annäherungsversuche zu nutze zu machen. Ihre Leidenschaft bekommen aber die anderen (s. Titel).

"Doch am nächsten Tag stürzt sich der Protagonist voller Optimismus in seine nächste Niederlage." (So hätte ich es gerne im Klappentext stehen :D )

Nochmals danke & Grüße,
Hark
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Re: Ihre Liebhaber und ich

Beitragvon julia89 » 13.01.2015, 15:27

Hark hat geschrieben:"Doch am nächsten Tag stürzt sich der Protagonist voller Optimismus in seine nächste Niederlage." (So hätte ich es gerne im Klappentext stehen :D )


Mit diesem Klappentext würde ich zumindest mal Reinlesen, wenn nicht sogar einen Kauf tätigen. :wink:
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Re: Ihre Liebhaber und ich

Beitragvon neska » 04.03.2015, 14:49

Hallo Hark,

ich habe die überarbeitete Version deiner Geschichte gelesen und ich fand sie interessant. Es gibt zwar im Grunde genommen nichts an Handlung, dennoch ist es dir gelungen mein Interesse zu wecken, denn du bietest viele Konfliktmöglichkeiten an. :D

Ich habe nur noch einige Verbesserungsvorschläge, denn alles Relevante wurde bisher ja schon genannt:

Sie geben mir die Gewissheit, der beste Freund von Sonja zu sein.

Gut, dass du das einbaust, denn hier merkt man bereits, dass dein Protagonist ein wenig verzweifelt ist und um jeden Preis an Sonjas Seite stehen will.

Sie hat langes kupferrotes Haar und unglaublich weiße Haut, welche von zahllosen großen und kleinen Sommersprossen bevölkert ist. Schon lange bewundere ich ihre jungfräulich anmutende Schönheit. Aus ihrem schnalen Gesicht erstrahlen zwei wunderbare tiefbraune Augen und eine spitze Nase, ihr Kopf wird von einem filigranen Hals getragen. Ein wohlgeformter Busen wölbt sich sanft vor ihrer Brust, lediglich das Becken ist vielleicht ein wenig breit geraten für diese ansonsten harmonische Figur. Gerade aber diese scheinbare Unzulänglichkeit verleiht ihr eine besonders weibliche Ausstrahlung. Eine geradezu magische Aura.


Du benutzt zwar ausdrucksstarke, fast kitschige und übertriebene Worte, aber das ist in Ordnung, denn wenn der Protagonist wirklich so verliebt ist, dann wird er wohl so über Sonja denken und somit darf er es so audrücken. :D
Mit den letzten zwei Sätzen (rot) kann ich mich nicht so ganz anfreunden. Ich finde sie sind eher störend als hilfreich. Du hast Sonja deutlich genug beschrieben und ich finde es gut, dass du sie durch diesen Makel der etwas zu breiten Hüften "unperfekt" machst. Nachdem du das geschrieben hast, weiß der Leser, dass Sonja nicht makellos ist und kein Engel, an dem man keine Fehler finden kann. Dazu braucht man nicht noch diesen vorletzten Satz, der das erklärt (Ich hoffe, ich habe das verständlich ausgedrückt).

Das mit der "magischen Aura" finde ich schon ein bisschen zu viel und würde es einfach weglassen.

Nimmt man nun Gesicht und Körper zusammen, so ergibt sich ein Bild anregendster Schönheit. Kaum ein Mann, dessen Sinne bekanntlich auf äußere Reize ausgerichtet sind, kann sich dieser Anmut entziehen. Wer sie sieht, wird nicht selten von spontanem Jagdfieber befallen. Denn sie scheint, obwohl objektiv ein ganz normales, weibliches Wesen, auf geheimnisvolle Weise besonders begehrenswert zu sein. Vereint mit der Unbekümmertheit eines jungen Erwachsenen und dem lebendigen Temperament ist Sonja ein Mensch, den man geradezu lieben muss.


Noch ein Absatz "Sonja-Beschreibung"...
An dieser Stelle ist der Text zu langatmig: Zu viel Geschnulze. Wenn du von der Beschreibung aus den vorherigen Absätzen etwas kürzt, reicht hier auch etwas wie:
"Ein Mann könnte sich Sonjas Anmut kaum entziehen. Wer sie sieht, verfällt ihr, denn auf besondere Weise ist sie begehrenswert, auch wenn sie wie ein normales, weibliches Wesen zu sein scheint."

Ich hatte mich unsterblich in diese fröhliche Schönheit verliebt.


Das "fröhlich" passt für mich nicht in diesen Satz. Es stört irgendwie den Klang. Ich finde Schönheit reicht vollkommen aus.

Sie beschenkt mich von Zeit zu Zeit dafür mit einem Lächeln und ein paar freundlichen Worten.


Finde ich gut, denn hier bekommt man wieder einen Einblick in Sonjas Persönlichkeit, ohne sie zu kennen. Man erfährt, dass sie ihn mit einem Lächeln oder freundlichen Worten belohnt .

Seit einiger Zeit besitze ich sogar einen Schlüssel zu ihrer Wohnung. Den hat sie mir anvertraut, damit ich selbständig nach dem Rechten sehen kann. So groß ist ihr Vertrauen zu mir. Wenn ich dort gleich nach Feierabend noch vorbei fahre, dann finde ich sie zumeist gar nicht selbst vor, sondern einen Zettel mit einer Nachricht für mich. Häufig ist es ein lieber Gruß, verbunden mit ein, zwei Bitten um Erledigung. Manchmal schreibt sie „Ich küsse Dich“; zumeist dann, wenn eine größere Arbeit für mich anfällt, oder ich für eine unbezahlte Rechnung aufkommen soll.


Obwohl dem Leser völlig klar ist, dass Sonja den Protagonisten ausnutzt, schaffst du es, diese Tatsache so zu verpacken, dass man dem Prota glaubt, er sei tatsächlich der festen Überzeugung, Sonja hätte gute Absichten.


Wie du siehst ist das schon meckern auf hohem Niveau. Ich finde, du hast eine gute Geschichte geschrieben und vielleicht überdenkst du ja meine Kritik und findest etwas, das dir gefällt. :)

Liebe Grüße, neska
if people were rain, I was drizzle and she was a hurricane
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Re: Ihre Liebhaber und ich

Beitragvon Heribertpolta » 01.04.2015, 16:45

Hallo Hark,

zunächst einmal möchte ich sagen, dass der Stil in keinster Weise zu altmodisch ist. Sich in der Literatur an irgendwelche Moden zu hängen, finde ich so oder so schlimm. Ich bemerke ohnehin, dass Kurzsatzschreibereien bis zu 13 Wörter gerade modern zu sein scheinen und wenn ich sowas lese, dann muss ich kotzen.

Zum Alter des Protas muss ich sagen, dass er, außer dem Greisenalter, jedes haben könnte. Ich habe in deinem Profil nachgesehen und entdeckt, dass du scheinbar 47 bist, also nur ein wenig älter als ich, und da fiel mir ein, dass Mann gerade in diesem Alter ganz schnell einer jungen Liebe verfallen kann - aller Vernunft zum Trotze!

Allerdings möchte ich sagen, dass, egal wie verfallen ich einer Frau bin, nie eine solch sklavische Rolle spielen würde, aber ich weiß, welche Männer das so wollen oder sogar brauchen. Meist sind es Muttersöhne (das soll nicht negativ gewertet werden) mit einigen Schwestern und einer Katze im Haushalt. :twisted:

Sie hat langes kupferrotes Haar und unglaublich weiße Haut, welche von zahllosen großen und kleinen Sommersprossen bevölkert ist. Schon lange bewundere ich ihre jungfräulich anmutende Schönheit. Aus ihrem schnalen Gesicht erstrahlen zwei wunderbare tiefbraune Augen und eine spitze Nase, ihr Kopf wird von einem filigranen Hals getragen. Ein wohlgeformter Busen wölbt sich sanft vor ihrer Brust, lediglich das Becken ist vielleicht ein wenig breit geraten für diese ansonsten harmonische Figur. Gerade aber diese scheinbare Unzulänglichkeit verleiht ihr eine besonders weibliche Ausstrahlung. Eine geradezu magische Aura.


Die Beschreibung finde ich größtenteil gelungen. Ich vermute, dass du "schmales" Gesicht schreiben wolltest. Ich kann mir die Frau jedenfalls vorstellen. Eine schöne Person - und noch etwas - ich liebe, liebe, liebe Frauen mit weißer Haut. Und ich liebe, liebe, liebe und vergöttere Frauen mit einem breiten Becken. Das ist in meinen Augen ganz gewiss keine Unzulänglichkeit, wie du es hier nennst. Die Beschreibung von Busen und Brust, finde ich etwas unglücklich; tatsächlich ist es nämlich, nicht im medizinischen, sondern im allgemeinen Sinne, richtig, wenn man beim Busen auch von Brust oder den Brüsten redet. Ich persönlich hätte im Zusammenhang von Gesicht und Sommersprossen nicht von einer bevölkerung gesprochen.

Vereint mit der Unbekümmertheit eines jungen Erwachsenen und dem lebendigen Temperament ist Sonja ein Mensch, den man geradezu lieben muss.


Ein Schlüsselsatz und im späteren Text findet man heraus, dass Sonja tatsächlich etwas zu sonnig auf die Welr zugeht. Sie geben Männern das Gefühl, dass man etwas von ihnen will - Liebe. Ein oft falsch vermitteltes Gefühl.
Falls es Sonja tatsächlich gibt, so möchte ich sagen, dass es das Mädchen Julia in meiner Geschichte (die ich in Kürze hier einstelle) ebenfalls gibt, und dass Julia ein ganz ähnlicher Fall von Weiblein ist: wunder- wunderschön, zu allen nett, schlagfertig und ungeheuer sexy. Aber der Rest meines Textes ist erlogen und erstunken.

Im Ganzen muss ich sagen, dass der Text klar verfasst ist; er lässt sich sauber lesen und ist gut aufgeteilt. Das Thema finde ich interessant, sicher auch, weil ich in ein ähnliches Alter gerutscht bin und feststelle, dass in Bezug auf junge Mädchen, gerade etwas schreckliches mit mir passiert. Sie entfernen sich. Aber egal - ich stand so wie so immer auf Ältere...
Die Botschaften im Text, wie zum Beispiel:
Damit die Liebe zu einem Fest der Freude wird, bedarf es zweier Herzen die füreinander zittern und beben.
finde ich recht interessant, zumal auch das nur eine hormongesteuerte Sache ist. In vielen Kulturen gibt es das Wort Liebe nicht einmal und auch bei uns ist es erst seit dem 16Jh gebräuchlich. Die Liebe ist eine reine Erfindung des Theaters und die Sucht, ihr nachzulaufen, macht Ehen und Beziehungen kaputt. Das Gefühl, das wir Liebe nennen, hält nur wenige Wochen an und dann ist es weg.

Also, ich habe deinen Text gern gelesen!
Grüße,

Heribert Polta
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