[SciFi]Im Zeichen der Motte [1/?]

[SciFi]Im Zeichen der Motte [1/?]

Beitragvon Saftkeks » 08.05.2014, 19:25

Hallo zusammen!

Unten findet ihr eine Szene, die drauf und dran ist, gnadenlos gestrichen zu werden - weil ich vermutlich den Plot radikal ummodel. Nichtsdestotrotz brauche ich mal eine ehrliche Einschätzung, was das Zeug, was da aus meiner Feder fließt, überhaupt taugt. Wenn ich meine Texte lese brüllt mein innerer Kritiker "Buääääää wie kannst du nur" und geht brechen. An schlechten Tagen. An guten rümpft er nur die Nase...
__________________________________________________________


Prolog

2979 AD., Millenniumsstadt

Das Baby lag mit offenen Augen im Dunkeln und blickte ihm entgegen, als er über den Rand des Kastens schaute. Es weinte nicht, wehrte sich nicht, sondern sah ihn nur mit diesem durchdringenden Blick an, sodass er meinte zu spüren wie es die dunkelsten Geheimnisse in seiner Seele mit einem einzigen Wimpernschlag lüftete. Er nahm es aus dem beheizten Kasten, von den Plastikbezügen, auf denen es lag, und presste es an seine Brust. Er spürte den schnellen Schlag des kleinen Herzens an seinem eignen.
„Ruhig“ flüsterte er, mehr zu sich selbst als zu dem Kind. Das umfasste mit einer kleinen Hand einen seiner Finger und legte seinen Kopf gegen seine Brust. Es würde nicht schreien, ihn nicht verraten. Sie waren Verbündete, das wussten sie beide.
Schnell drehte er sich um, zu einem Haufen Papier, der in der Mitte des Zimmers lag, und nahm ein Blatt auf. Es zeigte Diagramme, die ihm unverständlich waren, auch wenn er ihre Bedeutung kannte. Ein Klicken und ein Funken. Er warf das brennende Papier auf den Haufen, das Feuer sprang über, loderte, knisterte. Ansonsten war in dem Zimmer nichts zu hören. Die Sprinkler blieben aus, er hatte sie kurzgeschlossen. Die Unterlagen waren vernichtet, und das Baby wäre bald verschwunden. Es blieb ihnen nichts, als von vorne zu beginnen. Das würden sie, er wusste es, und es erfüllte ihn mit einer dumpfen, machtlosen Wut, weil er auch wusste, dass er sie nicht daran hindern konnte. Alles was er tun konnte, war zu gehen. Mit dem Kind.
„Ich hätte nicht gedacht, dass du so dumm bist.“ Die Frauenstimme war kalt und tonlos. Er fuhr herum, das Baby an die Brust gepresst.
„Gib mir das Kind“ sagte sie, während sie aus dem Schatten trat.
„Niemals“ sagte er.
Sie zog einen Revolver. Das dunkle Metall glänzte golden im Schein des Feuers.
„Gib mir das Kind“ wiederholte sie, eindringlicher.
„Du musst mich erschießen, wenn du sie willst“ sagte er.
„Du weißt, das würde ich.“
„Ich weiß“ sagte er, und in seiner Stimme schwang mehr mit als Abscheu. Es war Enttäuschung, die ihn immer noch innerlich zu zerreißen schien.
„Ich hätte wissen müssen, dass du zu weich bist. Zu mitfühlend.“ Sie sagte das mit aller Verachtung, die sie hatte.
„Die Welt wäre besser, wenn alle so wären“ sagte er leise. An seiner Brust begann das Kind leise zu weinen und zu quengeln.
„Du bist schon immer ein Träumer gewesen.“ Sie machte einen weiteren Schritt auf ihn zu.
„Jetzt gib sie mir.“
„Nein.“ Er strich dem Kind über die dunklen Haare. Sie würden später einmal schwarz werden, so wie die ihrer Mutter. Aber sie hatte seine Augen.
„Sie ist meine Tochter. Du kannst sie nicht haben.“
Mit diesen Worten schoss er mit dem Revolver in seiner Manteltasche durch den dicken Stoff hindurch auf die Frau. Die Kugel traf seine Gegnerin in die rechte Schulter und sie ließ die Waffe fallen.
„Verräter“ schrie sie, während sie eine Hand auf die blutende Wunde drückte. „Wage es nicht, jetzt zu gehen!“
Er wandte sich um und schritt durch die Asche des erlöschenden Feuers hindurch, ohne einen Blick zurück. Ihre Schreie verfolgten ihn, doch erreichen konnten sie ihn nicht mehr.
„Ich finde dich“ kreischte sie. „Ich finde dich, Verräter, Terrorist, und dann wirst du sehen, dass sie zu uns gehört, und dann wirst du sterben, durch die Hand derer, die du heute betrogen hast…!“
Ihre Stimme verhallte, je weiter er ging, durch Flure und Treppenhäuser, irgendwann hörte er nur noch seine eignen Schritte. Das Kind war an seiner Brust eingeschlafen.
Ohne aufgehalten zu werden betrat er das Dach auf dem sein Aerovolar stand. Der Wachmann, der das Kind unter seinem Mantel nicht bemerkte, nickte ihm respektvoll zu.
„Gute Nacht, General!“
„Gute Nacht.“
Es würde nicht einmal 24 Stunden dauern, bis dieser Mann ihn nicht mehr als General kannte, sondern als den meistgesuchten Terroristen der Gegenwart.
Er stieg in sein Aerovolar, das Kind auf dem Schoß, und startete. Kurz bevor er den Steuerknüppel nach unten senkte, um in die Untiefen der Stadt abzutauchen, blickte er zu den Sternen auf und nahm Abschied.
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Re: Im Zeichen der Motte [1/?]

Beitragvon Lougana » 09.05.2014, 00:00

Hallo Saftkeks!

Dann möchte ich mich mal mit einem Kommentar an deinem Werk beteiligen.. :wink:
Hierzu möchte ich kurz anmerken, dass ich totale Anfängerin bin, was das Kommentieren, interpretieren und auch korrigieren angeht. Es ist daher nur meine Meinung und es muss auch nicht unbedingt alles richtig sein, von dem was ich vorschlage.. :D

Dein vergebener Titel hat mir hier leider nicht so gefallen. Ich musste ersteinmal an den Film "Im Zeichen der Libelle" denken (aber den hat ja bestimmt nicht jeder gesehen) und hatte direkt Auszüge der Handlung im Kopf, sodass ich leider nicht ganz unvoreingenommem an deinen Prolog herangehen konnte. Im Nachhinein jedoch, konnte ich keine Parallelen erkennen. :)

Ob ich allein anhand deines geschriebenen Prologs deine Geschichte weiterlesen würde? Ja!
Es bleiben viele Fragen offen, auf die ich gerne eine Antwort hätte :lol: :
Wer ist er und was hat er für Geheimnisse?
Wer ist die Frau? Woher kennen sie sich? Könnte es die Mutter des Kindes sein?
Wo genau befindet sich das Kind? Eine Art Krankenhaus oder bei einer Organisation, bei der Mutter?
Falls die Frau nicht die Mutter des Kindes ist: Wo ist die Mutter, was ist passiert?
Was hat es mit dem Kind auf sich? Wohin wäre es verschwunden? Warum?
In was für einer Welt leben sie? In einer kalten und gefühllosen Welt?
Warum ist er so enttäuscht?
Wird es im weiteren Verlauf der Geschichte um Zeitreisen gehen? (Warum ich auf Zeitreisen komme, werde ich weiter unten noch kurz erklären)

Weiter würde ich persönlich dir folgende Verbesserungen vorschlagen (für Verständnis, Kommasetzung etc - hoffe es ist auch richtig, mit noch Neuling :oops: ):

Saftkeks hat geschrieben: Es weinte nicht, wehrte sich nicht, sondern sah ihn nur mit diesem durchdringenden Blick an, sodass er meinte zu spüren, wie es die dunkelsten Geheimnisse in seiner Seele mit einem einzigen Wimpernschlag lüftete. Er nahm es aus dem beheizten Kasten, von den Plastikbezügen, auf denen es lag, und presste es an seine Brust.


- Das "wehrte sich nicht", würde ich streichen, da er das Kind bis dahin noch nicht auf dem Arm hielt.
- Zwischen "spüren" und "wie" würde ich ein Komma setzen.
- Die letzten beiden markierten Kommata würde ich streichen.

Saftkeks hat geschrieben: „Ruhig“ flüsterte er, mehr zu sich selbst als zu dem Kind. Das umfasste mit einer kleinen Hand einen seiner Finger und legte seinen Kopf gegen seine Brust. Es würde nicht schreien, ihn nicht verraten. Sie waren Verbündete, das wussten sie beide.


- Den ersten Satz würde ich so "Ruhig", flüsterte er mehr zu sich selbst als zu dem Kind. oder so "Ruhig", flüsterte er - mehr zu sich selbst als zu dem Kind. abändern.
- Anstatt "Das.." würde ich "Es.." oder "Dieses..." schreiben. Liest sich für mich etwas flüssiger.
Weiter finde ich, kommen in diesem Satz zu viel "seine" vor bzw. musste ich kurz überlegen, welches "seine" zu wem gehört. Mein Vorschlag: Es umfasste mit einer Hand einen seiner Finger und legte den kleinen Kopf gegen seine Brust. ("kleine Finger" würde ich nur schreiben, wenn du anstatt des "einen" "seine" schreibst. Aber dann wäre wieder ein "seine" zu viel.) - :mrgreen: Hm... irgendwie bin ich jetzt von mir selbst verwirrt...
- , dass

Saftkeks hat geschrieben: Schnell drehte er sich um, zu einem Haufen Papier, der in der Mitte des Zimmers lag, und nahm ein Blatt auf. Es zeigte Diagramme, die ihm unverständlich waren, auch wenn er ihre Bedeutung kannte. Ein Klicken und ein Funken. Er warf das brennende Papier auf den Haufen, das Feuer sprang über, loderte, knisterte.


- Bei dem ersten Satz würde ich anstatt "Haufen" lieber "Stapel" schreiben. Gegebenenfalls könnte man den Satz etwas umstellen. Zum Beispiel: Schnell drehte er sich zu einem Stapel Papier um, der in der Mitte des Zimmers lag, und nahm ein Blatt auf Hört sich meiner Meinung nach etwas schöner an.
- Ein Klicken und ein Funken - wovon, woher, von Ihm? Ist hier gemeint Ein Klicken seines aus der Tasche gezogenen Feuerzeugs und ein Funke, der auf das Papier übersprang? Könnte man gegebenenfalls etwas weiter oder anders ausführen, diese mich diese Stelle kurz denken ließ: "Hä? Was für Klicken und Funken.." :? :wink:
- In dem letzten Satz würde ich aufgrund des Vorgenannten auch zwischen ".. warf das" und "brennende Papier" ein nun einsetzen.

Saftkeks hat geschrieben: Die Unterlagen waren vernichtet, und das Baby wäre bald verschwunden.


- Das Komma würde ich streichen.

Saftkeks hat geschrieben: Sie zog einen Revolver. Das dunkle Metall glänzte golden im Schein des Feuers. ...... Er stieg in sein Aerovolar...


- Da es in dem Prolog um eine Handlung geht, die von uns aus gesehen in der Zukunft spielt, würde ich hier gegebenenfalls - im Hinblick auf das für mich eher "neumodisch klingende" Aerovolar - schreiben: Sie zog einen altmodisch aussehenden Revolver. Aerovolar habe ich noch nie gehört. Selbst erfunden oder kenne ich es einfach nicht? :lol:

Saftkeks hat geschrieben: "Die Welt wäre besser, wenn alle so wären“ sagte er leise. An seiner Brust begann das Kind leise zu weinen und zu quengeln. ..... Das Kind war an seiner Brust eingeschlafen.


- Diesen Satz würde ich etwas umschreiben, damit er sich etwas flüssiger liest sowie im Hinblick darauf, dass das Kind - weiter unten im Text - eingeschlafen ist. So in etwa: An seiner Brust begann das Kind leise an zu wimmern, sodass er seinen Körper ein wenig hin und her schaukelte.

Saftkeks hat geschrieben:„Gib mir das Kind“ wiederholte sie, eindringlicher.
„Du musst mich erschießen, wenn du sie willst“ sagte er.
„Du weißt, das würde ich.“
„Ich weiß“ sagte er, und in seiner Stimme schwang mehr mit als Abscheu. Es war Enttäuschung, die ihn immer noch innerlich zu zerreißen schien.
„Ich hätte wissen müssen, dass du zu weich bist. Zu mitfühlend.“ Sie sagte das mit aller Verachtung, die sie hatte.
„Die Welt wäre besser, wenn alle so wären“ sagte er leise. An seiner Brust begann das Kind leise zu weinen und zu quengeln.


- Das erste Komma würde ich streichen.
- anstatt "das" "dass"
- Der Satz in der vierten Zeile würde ich der Verständnishalber so umschreiben: "...sagte er und in seiner Stimme schwang mehr (schlimmeres?) als Abscheu mit.
- Weiter frage ich mich schon die ganze Zeit, ob nach einer wörtlichen Rede nicht ein Komma muss?!? Dies müsste ich selbst nochmals nachlesen. :D

Saftkeks hat geschrieben: Mit diesen Worten schoss er mit dem Revolver in seiner Manteltasche durch den dicken Stoff hindurch auf die Frau..


- Hier würde ich für den besseren Lesefluss auch etwas umschreiben: Mit diesen Worten schoss er mit seinem Revolver, den er in seiner Manteltasche mit sich trug, durch den dicken Stoff hindurch auf die Frau.

Saftkeks hat geschrieben: „Ich finde dich, Verräter, Terrorist, und dann wirst du sehen... ..


- Aus dem "Terrorist" werde ich nicht ganz schlau. Aber dies würde sich wahrscheinlich im Laufe der Geschichte aufklären.. :)

Saftkeks hat geschrieben: Es würde nicht einmal 24 Stunden dauern, bis dieser Mann ihn nicht mehr als General kannte, sondern als den meistgesuchten Terroristen der Gegenwart.


- Hier meinte ich übrigens, wie oben erwähnt, ob dies gegebenenfalls ein Hinweis darauf sein könnte, dass im Laufe deiner Geschichte Zeitsprünge vorkommen werden. Fall dies nicht der Fall sein sollte, würde ich hier vielleicht an anderes Wort verwenden.

Sooo... Im Großen und Ganzen kann ich eigentlich nur sagen, liest sich dein Prolog für mich relativ flüssig. Er macht mir Lust auf mehr. :girl:

Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiterhelfen. :wink:

Liebe Grüße
Lougana
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Re: Im Zeichen der Motte [1/?]

Beitragvon FrozenBambi » 09.05.2014, 10:36

Hallo!

Dann will ich mal meinen ehrlichen Saft zu deinem Keksgeschreibe geben… :D
Eines vorneweg – ich versuche prinzipiell möglichst hart mit dir ins Gericht zu gehen. Womöglich werde ich hier und da geradezu übertrieben drauf einhacken. Versuch das bitte nicht persönlich zu nehmen. Es ist ein teils subjektiver Eindruck und aus ‚Fehlern‘ lernt man am meisten.


Es weinte nicht, wehrte sich nicht, sondern sah ihn nur mit diesem durchdringenden Blick an, sodass er meinte zu spüren wie es die dunkelsten Geheimnisse in seiner Seele mit einem einzigen Wimpernschlag lüftete.


Zwei Dinge:
a) ‚es wehrte sich nicht‘ – in welcher Form sollte es sich auch wehren? Er berührt es ja nicht mal.
b) Der Satz ist verdammt lang. Nach ‚Blick an‘, könntest du einen Punkt setzen.
c) ‚die dunkelsten Geheimnisse in seiner Seele‘ – du kannst es stehen lassen aber die Wirkung auf den Leser ist folgende:
• Das Kind wirkt schon mal irgendwie überdrüber.
• Der Protagonist (?) erweckt schon gleich den Eindruck ‚böse‘ zu sein. Ich ordne die Charaktere lieber selber in eine Schublade ein. Mir wäre es lieber, du würdest dunkelsten durch tiefsten ersetzen.


Er nahm es aus dem beheizten Kasten, von den Plastikbezügen, auf denen es lag, und presste es an seine Brust.


Dreimal ‚es‘ in einem Satz. Das geht eleganter. Den Mittelteil würde ich streichen. Das wirkt nach Infodump. Der beheizte Kasten mag noch eine sinnvolle Information sein, aber auf was für Bezügen das Kind liegt, wird nicht gerade wichtig sein?


„Ruhig“ flüsterte er, mehr zu sich selbst als zu dem Kind.


Die Interpunktion bei wörtlicher Rede solltest du dir mal bei Wikipedia o.ä. ansehen.
In diesem Fall gehört nach dem zweiten Anführungszeichen ein Komma.


Das umfasste mit einer kleinen Hand einen seiner Finger und legte seinen Kopf gegen seine Brust.


Das klingt, als hätte das Kind eine Hand in seiner Hand, welche wiederum seinen Finger greift. Du wolltest das doppelte ‚seiner‘ wohl vermeiden.
Das/Dieses umfasste einen seiner Finger und lehnte den Kopf an die schützende Brust.
(Das es mit der Hand den Finger umfasst, sollte jedem Leser klar sein)


Es zeigte Diagramme, die ihm unverständlich waren, auch wenn er ihre Bedeutung kannte.


Das mag jetzt Auslegungssache sein, aber ich finde der Satz widerspricht sich.


Ein Klicken und ein Funken. Er warf das brennende Papier auf den Haufen, das Feuer sprang über, loderte, knisterte.


Ich fände ‚loderte knisternd auf‘ schöner. Solche Aufzählungen gefallen mir nur, wenn eine Steigerung vorliegt. Bspw ‚Er schlug ihm ins Gesicht, verdellte, zertrümmerte es.‘


„Ich hätte nicht gedacht, dass du so dumm bist.“ Die Frauenstimme war kalt und tonlos. Er fuhr herum, das Baby an die Brust gepresst.


Dass er das Baby an die Brust gepresst hat, wurde schon erwähnt. Würde ich auslassen.


„Gib mir das Kind“ sagte sie, während sie aus dem Schatten trat.
„Niemals“ sagte er.
Sie zog einen Revolver. Das dunkle Metall glänzte golden im Schein des Feuers.
„Gib mir das Kind“ wiederholte sie, eindringlicher.
„Du musst mich erschießen, wenn du sie willst“ sagte er.
„Du weißt, das würde ich.“
„Ich weiß“ sagte er, und in seiner Stimme schwang mehr mit als Abscheu. Es war Enttäuschung, die ihn immer noch innerlich zu zerreißen schien.
„Ich hätte wissen müssen, dass du zu weich bist. Zu mitfühlend.“ Sie sagte das mit aller Verachtung, die sie hatte.
„Die Welt wäre besser, wenn alle so wären“ sagte er leise. An seiner Brust begann das Kind leise zu weinen und zu quengeln.
„Du bist schon immer ein Träumer gewesen.“ Sie machte einen weiteren Schritt auf ihn zu.
„Jetzt gib sie mir.“
„Nein.“ Er strich dem Kind über die dunklen Haare. Sie würden später einmal schwarz werden, so wie die ihrer Mutter. Aber sie hatte seine Augen.
„Sie ist meine Tochter. Du kannst sie nicht haben.“
Mit diesen Worten schoss er mit dem Revolver in seiner Manteltasche durch den dicken Stoff hindurch auf die Frau. Die Kugel traf seine Gegnerin in die rechte Schulter und sie ließ die Waffe fallen.
„Verräter“ schrie sie, während sie eine Hand auf die blutende Wunde drückte. „Wage es nicht, jetzt zu gehen!“


Gähhhhhhhn – leider reizte dieser Dialog dazu, sich ein gutes Buch zu nehmen, um die Zeit zu überbrücken. ;)
Es geht immer so hin und her. ‚Gib es mir‘ ‚Ne‘ ‚Gib es mir‘ ‚Ne‘ ‚Du bist ein Weichei‘ ‚Jeder sollte nen Weichei sein‘ ‚Gib es mir‘ ‚Ne‘.
Dann ballert er ihr in die Schulter und sie ist völlig wehrlos? Hat die nur einen Arm? Klar wird sie erstmal vor Schmerz gelähmt sein. Aber nachdem der seelenruhig an ihr vorbeiwatschelt …

Also meine Tipps zu diesem Dialog.

- Lass deine Charaktere weniger, bzw. flüssiger quatschen
Bsp: „Du musst mich erschießen, wenn du sie willst“ sagte er.
‚Schieß doch!‘
„Ich hätte wissen müssen, dass du zu weich bist. Zu mitfühlend.“
‚Du verdammtes Weichei!‘

- Minimiere die langwierigen Erklärungen, wie sie etwas aussprechen. Das kannst du auch durch ihr Handeln ausdrücken.
Bsp: Sie sagte das mit aller Verachtung, die sie hatte.
‚Sie spuckte vor ihm aus‘

- Was du einfach selber durch Erfahrung lernen musst, ist deine Charaktere raffinierter sprechen zu lassen.
„Du weißt, das würde ich.“
„Ich weiß“ sagte er, und in seiner Stimme schwang mehr mit als Abscheu. Es war Enttäuschung, die ihn immer noch innerlich zu zerreißen schien.


Für diese Antwort deines Protas bekämst du bspw. den Blumentopf für die lahmst mögliche Entgegnung. ;)


Es würde nicht einmal 24 Stunden dauern, bis dieser Mann ihn nicht mehr als General kannte, sondern als den meistgesuchten Terroristen der Gegenwart.


Das ist so ne unschöne Vordeutung. Schreib doch einfach ‚ihn nicht mehr General nennen würde‘


Er stieg in sein Aerovolar, das Kind auf dem Schoß, und startete.


Das Wort Aerovolar ist mMn zu ‚stark‘, um es sooft zu wiederholen. Wechsel mal auf ‚Fluggerät‘ o.ä.



Fazit:


Die Geschichte beginnt schon mal spannend. Der Leser stellt sich sofort einige Fragen, die er natürlich beantwortet haben will. Zunächst ist dir also ein Weiterlesen gesichert.
Nebenbei weiß auch der Titel zu gefallen.

An den Dialogen musst du aber arbeiten. Wenn sowas häufiger vorkommt, verliert der Leser schnell die Lust. Deine Idee mag noch so toll sein, aber langweilige Charaktere sind trotzdem dein Tod.
Ansonsten bist du stilistisch schon ganz in Ordnung. Hier und da könntest du dich gewählter ausdrücken, die Sache mehr auf den Punkt bringen. Bin zuversichtlich, dass du das hinbekommst.

Viel Erfolg noch!

Lg
Bambi
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Re: Im Zeichen der Motte [1/?]

Beitragvon Saftkeks » 09.05.2014, 12:16

Hallo ihr beiden! Danke für die ausführliche Kritik!
Ich werd mal versuchen, mein Werk nicht zu verteidigen, sondern höchstens stellenweise zu erklären...^^

@Lougana:
Ich musste ersteinmal an den Film "Im Zeichen der Libelle" denken (aber den hat ja bestimmt nicht jeder gesehen) und hatte direkt Auszüge der Handlung im Kopf...

Den kenne ich tatsächlich nicht - vielleicht sollte ich mal recherchieren O_O

Das "wehrte sich nicht", würde ich streichen

Jo. Sehe ich ein :D (genauso wie die anderen Punkte in dem Abschnitt)

„Ruhig“ flüsterte er, mehr zu sich selbst als zu dem Kind. Das umfasste mit einer kleinen Hand einen seiner Finger und legte seinen Kopf gegen seine Brust. Es würde nicht schreien, ihn nicht verraten. Sie waren Verbündete, das wussten sie beide.

Jaa... jetzt wo du ihn so zerpflückst sehe ich, warum der Abschnitt immer so komisch klang...

Da es in dem Prolog um eine Handlung geht, die von uns aus gesehen in der Zukunft spielt, würde ich hier gegebenenfalls - im Hinblick auf das für mich eher "neumodisch klingende" Aerovolar - schreiben: Sie zog einen altmodisch aussehenden Revolver. Aerovolar habe ich noch nie gehört. Selbst erfunden oder kenne ich es einfach nicht?

Hinsichtlich des Revolvers verstehe ich deinen Einwurf. Allerdings habe ich mich beim Schreiben bewusst dafür entschieden, dass die Damen und Herren noch mit Munitionsgeschützen rumhantieren und nicht mit so Piu-Piu-Laserkanonen durch die Gegend laufen. Einen praktischen Grund gibt es auch dafür: Ein so heftiger Laserstrahl, der sich durch menschliches Gewebe brennt, ist enorm heiß und würde die Wunde sofort kautarisieren. Nicht umsonst benutzt man Laser in der Medizin. Sofern man also nicht lebenswichtige Organe an der falschen Stelle durchbohrt ist so ein Schuss nicht einmal eine richtige Fleischwunde, die schön aus- und verbluten kann...
Aerovolar ist eine Wortschöpfung für ein Fluggerät, das mit einem Gravitationsabschirmungsfeld arbeitet.^^ Von Aero und Volare.

Der Satz in der vierten Zeile würde ich der Verständnishalber so umschreiben: "...sagte er und in seiner Stimme schwang mehr (schlimmeres?) als Abscheu mit.

Das klingt wirklich besser...

Weiter frage ich mich schon die ganze Zeit, ob nach einer wörtlichen Rede nicht ein Komma muss?!? Dies müsste ich selbst nochmals nachlesen.

Ich glaube auch :D Allerdings kreidet mein Schreibprogramm es mir jedes Mal an, und ich hasse diese roten Kringel auf dem Bildschirm wie die Pest. Deswegen habe ich mir gesagt, dass ich sie ggf. nachträglich einfüge (auf 400 oder 500 Seiten ein ordentliches und dämliches Unterfangen, ich weiß...)

Aus dem "Terrorist" werde ich nicht ganz schlau. Aber dies würde sich wahrscheinlich im Laufe der Geschichte aufklären.. :)

Das könnte ich erklären...
Spoiler: Anzeigen
Aber dann würde ich mir ja in die Karten gucken lassen :D


Es würde nicht einmal 24 Stunden dauern, bis dieser Mann ihn nicht mehr als General kannte, sondern als den meistgesuchten Terroristen der Gegenwart.

Naja, Gegenwart im Sinne von seiner Gegenwart. Für ihn ist das, was wir hier haben, längst passé. Er ist in dieser Szene der Point-Of-View. Für ihn ist es die Gegenwart. Ich bin unschlüssig, wie man das elegant ändert...

Vielen Dank für deine Bemerkungen, sie haben wirklich weitergeholfen! :girl:

@FrozenBambi: Okay, dann versuche ich mal, das nicht persönlich zu nehmen :D
a) ‚es wehrte sich nicht‘ – in welcher Form sollte es sich auch wehren? Er berührt es ja nicht mal.
b) Der Satz ist verdammt lang. Nach ‚Blick an‘, könntest du einen Punkt setzen.
c) ‚die dunkelsten Geheimnisse in seiner Seele‘ – du kannst es stehen lassen aber die Wirkung auf den Leser ist folgende:
• Das Kind wirkt schon mal irgendwie überdrüber.
• Der Protagonist (?) erweckt schon gleich den Eindruck ‚böse‘ zu sein.

a) sehe ich ein
b) hmmm...
c) Er betrachtet sich selbst als Schuldigen und Sünder, deswegen holt er das Kind ja da raus. Und ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mich gruseln manche Babys wirklich... O_O

Dreimal ‚es‘ in einem Satz. Das geht eleganter. Den Mittelteil würde ich streichen. Das wirkt nach Infodump. Der beheizte Kasten mag noch eine sinnvolle Information sein, aber auf was für Bezügen das Kind liegt, wird nicht gerade wichtig sein?

Es - stimmt. Die Plastikbezüge hatte ich eingebaut, um die Sterilität und die Lieblosigkeit der Situation zu beschreiben, aus der er das Kind rausholt. Es hat nicht einmal eine Schnuffeldecke! :(

Die Interpunktion bei wörtlicher Rede solltest du dir mal bei Wikipedia o.ä. ansehen.
In diesem Fall gehört nach dem zweiten Anführungszeichen ein Komma.

Richtig. Mein Schreibprogramm kreidet mir das jedes Mal an, deswegen habe ich es - vorläufig - weggelassen um es später ggf. zu korrigieren. Vielleicht sollte ich aber auch einfach meinem Programm beibringen, wie wörtliche Rede heutzutage interpunktiert wird...

Das/Dieses umfasste einen seiner Finger und lehnte den Kopf an die schützende Brust.
(Das es mit der Hand den Finger umfasst, sollte jedem Leser klar sein)

Joa, was soll ich da groß sagen... :oops:

Es zeigte Diagramme, die ihm unverständlich waren, auch wenn er ihre Bedeutung kannte.

Naja - wenn ich mir eine elektrische Schaltung ansehe, hab ich keine Ahnung, was da abgeht. Wenn mir jemand sagt "Das ist der Schaltplan für eine Hifi-Anlage" kenne ich die Bedeutung, auch wenn mir das Gekrizel noch unverständlich ist. So in dem Sinne. Trotzdem ändern?

Es geht immer so hin und her. ‚Gib es mir‘ ‚Ne‘ ‚Gib es mir‘ ‚Ne‘ ‚Du bist ein Weichei‘ ‚Jeder sollte nen Weichei sein‘ ‚Gib es mir‘ ‚Ne‘.
Dann ballert er ihr in die Schulter und sie ist völlig wehrlos? Hat die nur einen Arm? Klar wird sie erstmal vor Schmerz gelähmt sein. Aber nachdem der seelenruhig an ihr vorbeiwatschelt …

Also zunächst musste ich erstmal furchtbar lachen, als ich das gelesen habe, auch wenns ja meine Arbeit ist, die du da ins lächerliche ziehst.^^ Wahrscheinlich denk ich da zu sehr in Hollywood-Dialogen (die sind ja auch eher auf lange, breite Epik ausgelegt an diesen Stellen als auf pointierten Schlagabtausch)... Da muss ich nochmal hart sinnieren. Irgendwie hänge ich auch an dem Gelaber, zugegeben, aber wenn es zu leblos erscheint... muss ich wohl nochmal ran.

Es würde nicht einmal 24 Stunden dauern, bis dieser Mann ihn nicht mehr als General kannte, sondern als den meistgesuchten Terroristen der Gegenwart.

Naja, naja... Die Handlung geht dann 19 Jahre in der Zukunft mit - du kannst es dir denken - dem Kind weiter, das bis dahin natürlich ein bisschen gewachsen ist. Ein Kapitel später wird ihr Vater festgenommen - als Terrorist. So schließt sich der Kreis an der Stelle. Trotzdem streichen?

Deine Idee mag noch so toll sein, aber langweilige Charaktere sind trotzdem dein Tod.

Der Erzähler dieser Szene überlebt in dem Buch nicht allzulange - um ihn geht es auch nicht. Die Tussi hingegen, nun... aber ich sehe, worauf du hinaus willst. :)

Vielen Dank für deine Anmerkungen! Du hattest Recht, teilweise haust du ganz schön drauf, aber ich mach das mit anderen nicht anders, und manchmal muss man halt die Dinge so aussprechen, wie sie sind. ;)

LG, Saftkeks
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Re: Im Zeichen der Motte [1/?]

Beitragvon Ojinaa » 12.05.2014, 17:16

Hallo Saftkeks,

viel Zeit hab ich nicht, deshalb nur ein paar wichtige Dinge:

Du hast überall die Kommas hinter der Rede "vergessen"

"Das dunkle Metall glänzte golden im Schein des Feuers."

Das Gold des Feuers kann sich nur auf hellem Metall spiegeln.

„Du weißt, das würde ich.“
„Ich weiß“ sagte er, …

Das ist so völlig ok, auch wenn Frey-Jünger auf "raffinierte Dialoge" abfahren. Das wäre in der Situation aber völliger Blödsinn, denn wenn der Figur hier nach einem nicht der Sinn steht, dann sind das raffinierte Wortwechsel.

„Ich weiß“ sagte er, und in seiner Stimme schwang mehr mit als Abscheu. Es war Enttäuschung, die ihn immer noch innerlich zu zerreißen schien.

Ds finde ich aber schwächer, als das sprachliche Umfeld vermuten lassen würde. Zu einem: Versuch mal, Abscheu und Enttäuschung gleichzeitig in Worten klingen zu lassen! Das geht nicht. Zum anderen: "Mehr als Abscheu" ist eher der Code für "Abscheu in allerhöchstem Maße" und das wiederrum ist eher mit Hass als mit Enttäuschung gepaart.

Mit diesen Worten schoss er mit dem Revolver in seiner Manteltasche durch den dicken Stoff hindurch auf die Frau.

Das ist ein Satz, den ich Lektoraten kommentieren würde mit: Der Satz ist so lang, in der (Lese-)Zeit könnte er fünfmal schießen. Nun ist das keine "echte Action" (er schießt halt nur), aber "durch den dicken Stoff hindurch" ist sicher entbehrlich.

Ihre Schreie verfolgten ihn, doch erreichen konnten sie ihn nicht mehr.

An sich mag ich solche Sätze, aber nur, wenn der erzeugte Klang glaubhaft ist. Dieser Klang ist eher wie "er ist geistig schon so raus aus der Welt, dass die Schreie nur Hintergrundgeräusch sind". Ich sehe den Helden im Rest des Textes zwar innerlich völlig auf den Neuanfang gerichtet, aber nicht "aus der Welt" - nicht nach der Szene, in der die Frau zwar an der Schulter verletzt, aber durchaus noch fähig ist, ihn in den Rücken zu schießen. EIn Tiel von dem Mann ist noch mit der Fluch beschäftigt, erst, wenn er in Sicherheit ist, kann er sich "aus der Welt nehmen".


Inhalt: Am Anfang (bei "es würde ih nicht verraten") hatte ich den Eindruck, das Kind sei bereits erwachsenen-intelligent (also "klug"). Dann aber fängt es an zu quengeln - und das ist in der Lage nun alles andere als klug. Auch ein Widerspruch: Eben noch wird der Akt als "feindlich" eingestuft - das Kind wehr sich aber nicht –, dann plötzlich "wissen beide, dass sie Verbündete sind". – Du musst etwas besser aufpassen, stringent/in sich stimmig zu bleiben.

Ansonsten finde ich das Ganze recht gut: Rhythmisch mit genug innerer Spannung ohne dabei zu überdrehen; szenisch nicht ganz stimmig („Wenn sie zu schießen bereit ist, warum tut sie es dann auf einmal nicht mehr?“ und „er dürfte ruhig angespannter auf die plötzliche große Bedrohung - für sich und das Kind! – reagieren.") aber ok, manchmal haarscharf am Kitsch (das mit den Herzen oder dem Griff der Babyhand; oder dass die Böse klischeekonform kreischt) entlang, aber dabei doch noch auf der sicheren Seite. Im Großen und Ganzen klingt es, als ob du getrost erstmal so weitermachen könntest.
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt. (Klaus Klages)
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