[Fanty]In den Wäldern jenseits der Zeit I

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[Fanty]In den Wäldern jenseits der Zeit I

Beitragvon Heribertpolta » 07.06.2015, 13:02

Das sollte zuerst eine Kindergeschichte werden. Ich habe mich aber entschieden, das Stück unter "Fantasy" einzustellen. Wollte mal wissen, ob der Text Lust auf mehr macht. Wenn ja, dann habe ich nämlich noch einen Teil. :wink:

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Im Fabelwald I

Es musste Abend gewesen sein, als sie aufwachte, oder auch Nacht, sie wusste es nicht, konnte es nicht sagen. Sie lag im Moos unter einem Baum, das Köpfchen auf einen seiner Wurzelstöcke gelegt. „Peter?“ Die Tränen waren in der Zwischenzeit getrocknet und hatten salzige Krümel in den Augenwinkeln hinterlassen. Der Mond schaute durchs Blätterdach und er sah wie ein reifer Käse aus.
Margot hatte Angst vor der Dunkelheit; daran war nur Peter schuld, er erzählte ihr vorm Einschlafen Geistergeschichten, von Hexen im Moor und eingemauerten Menschen im Keller... Aber wo war Peter nur? „Peter!“ Aber vom Bruder war nichts zu sehen, nichts zu hören.

Der Steig war kaum zu erkennen; immer wieder verfing sich einer ihrer Füße in aufstehenden Wurzeln; sie ragten wie dürre Finger oder Arme aus der Erde. Jeden Moment erwartete sie, dass der Bruder auftauchen würde, lachend, wie er es immer tat, wenn er ihr auflauerte, beim Versteckspiel.
War der Mond wieder einmal hinter Wipfeln verschwunden, tastete sie sich an den Bäumen entlang; ihre Rinden waren so runzelig, dass Margots Hände in die Furchen passten. Einmal flatterte irgendetwas dicht an ihrem Kopf vorbei; sie erschrak, quietschte kurz auf und begann zu laufen, so lange, bis sie über einen Ast fiel, der schallend unter ihr zerbarst.

Wieder kauerte sie im Moos und heulte. Am Saum des Kleides, spürte sie einen Riss, und da eine offene Naht; in ihrer Locken-Mähne hatten sich Laub und kleinere Äste verfangen.
„Peter?“ Aber nichts, keine Antwort. Ihr Ruf verhallte im Tann.
Ich erinnere mich an das Haus im Wald. Die Leute im Dorf nannten es Wüstung. Drei kniehohe Grundmauern und im Innern ein Loch in der Erde, sicher früher ein Keller; außerdem war alles von Baumwurzeln umrankt und durchdrungen. Ihr Onkel hatte einmal erzählt, dass Bäume sogar Häuser in ihrer Nähe angreifen würden, nach ihnen fassen und sie würgen könnten; nur dass das sehr, sehr, sehr lange dauern kann.

Jedenfalls, und das war das Letzte an das sie sich entsinnen konnte, hatte Margot mit ihrem Zwillingsbruder Peter in der Wüstung gespielt. Sie waren in das Kellerloch gestiegen, Margot als erste. Dann rutschte sie aus und... Dann erinnere ich mich nicht mehr.
Plötzlich hörte sie Wasser plätschern. Ein Bach musste sich in der Nähe befinden.

Tatsächlich, unter den Bäumen befand sich eine Kaskade. Zwischen Felsgestein fiel das Wasser ein stückweit in einen Gumpen hinab und von da aus lief es in ein flaches Kiesbett. Silbern funkelte es im Mondschein. Margot kniete sich ins Moos und trank aus ihren Händen, als sie plötzlich ein Treiben vernahm. Musik, war ihr erster Gedanke; Stimmen. Die Töne kamen von oberhalb des Falls und sie meinte auch, dass dort zwischen dem Gehölz etwas Licht hervorscheinen würde. Peter? Also machte sie sich auf den Weg, um zu sehen, was sich dort hinterm Gestrüpp abspielte. Sie kletterte, seitlich am Wasserlauf vorbei, den Mugel hinauf und folgte dem Klang.

Zunächst hielt sie sich hinter einem Baum versteckt, dessen mächtiger Strunk derart verdreht war, als hätte ihn eine riesige Hand nach obenhin verzwirbelt. Von hier aus wagte sie vorsichtig einen Blick. Dann einen zweiten.
Laternen waren zwischen den Bäumen aufgehängt; bunte Laternen, rote, gelbe, grüne und orangefarbene; manche mit aufgemalten Gesichtern, schön gefaltet und gefüllt mit weichem Licht. Darunter standen Tische und auf den Tischen Kerzen, die lustig mit den Flamm-Köpfchen wackelten.
Aber was für Leute waren da! „Das sind ja Tiere an den Tischen!“, flüsterte Margot, "Sowas habe ich aber noch nie gesehen!" Sie reckte ihr Köpfchen noch ein Stück weit mehr hervor.

Da saßen Rehe in Kleidern mit aufgesetzten Volants und mit Schuten-Hauben auf ihren Köpfen, Hirsche in Gehrock und Zylinder, aber auch Rotfüchse im Frack, Hasen mit seidenen Bindern und Häsinnen in Compèren aus Satin. Auf manchen Tafeln befanden sich weitere, kleinere Tische, an denen unter Kerzenlüstern Borken- und Hirschkäfer, Kiefernrüssler und Maikäfer Platz genommen hatten, Nektar aus Eichelhülsen tranken oder Pfeife rauchten. Igel in ledernen Latzhosen aßen aus Schneckenhäusern und ihre Frauen hatten Blüten-Gebinde angesteckt. Die Regenwürmer, allesamt geschmückt mit Schals, Krawatten und Fliegen, hatten ebenfalls einen Tisch, und Vögel, Drosseln, Spechte, Eichelhäher, mit Kastorhüten und Blumenhauben, saßen an Bänken auf hölzernen Stangen und tranken aus schlanken Vasen.

Über allem, auf einem Hügel ganz aus wildem Wein, auf einem Thron aus funkelnden Steinen, saß ein Frosch im purpurnen Mantel und einer rotgoldenen Krone auf dem Kopf. Neben ihm, auf einem kleineren Thron, stand ein Gefäß, dessen Inhalt Margot nicht erkennen konnte und gegenüber, ganz in ihrer Nähe, spielte auf einem Podium eine Kapelle; ein lustiges Grüppchen, bestehend aus Grashüpfern in braunen Westen, mit Geigen, Bässen und Flöten. Eine Schabe im schwarzen Anzug sang und schlug dazu die Pauke.
„Wir haben einen Gast, Eure Hoheit“, ertönte eine Stimme über ihr. Ein Vogel, eine Schwalbe, hatte sie entdeckt und verraten.
Zuletzt geändert von Heribertpolta am 11.06.2015, 20:24, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: In den Wäldern jenseits der Zeit I

Beitragvon Becca » 07.06.2015, 18:18

So dann versuche ich mich mal an einer Einschätzung.
Also zuerst einmal gefällt mir die Grundidee sehr gut. Vor allem der sehr fantastisch angehauchte Teil mit den Tieren erinnert mich stark an "Alice im Wunderland" oder "Der Wind in den Weiden" (zwei meiner Lieblingsgeschichten).

Nun komme ich mal zu den Dingen, die mir bis jetzt so aufgefallen sind und hoffe meine Vorschläge helfen dir weiter.

Sie lag im Moss

Kleiner Tippfehler. ;) Ich denke du meintest Moos.

„Peter?“ Die Tränen

Hm vielleicht könntest du hier noch etwas einbauen wie "schluchzte/rief/wimmerte sie."
Dann vielleicht noch "Ihre Tränen...".

Die Tränen waren in der Zwischenzeit getrocknet und hatten salzige Krümel in den Augenwinkeln hinterlassen. Der Mond schaute hier und da durchs Blätterdach und er sah wie ein reifer Käse aus.

Lass hier lieber ein paar "und´s" weg.
Z.B.: Die Tränen waren in der Zwischenzeit getrocknet und hatten salzige Krümel in ihren Augenwinkeln hinterlassen. Der Mond, der aussah wie ein reifer Käse, lugte hier und da durch das Blätterdach.

Aber vom Bruder

Wieso nicht "ihrem" Bruder? Wirkt vielleicht ein wenig persönlicher. Hier auch:
dass der Bruder auftauchen

An der Stelle könntest du auch schon Peter schreiben. Wir wissen ja mittlerweile wer er ist. :)

der schallend unter ihr zerbarst

Ich finde schallend nicht ganz passend. Eventuell: lautstark/ krachend

Ihr Ruf verhallte im Tann.

Verstehe ich nicht ganz. xD Meinst du "in den Tannen"?

Dann weiß ich nichts mehr.

Entweder müsstest du da kennzeichnen, dass sie das selber sagt und nicht der Erzähler oder etwas schreiben wie: "Dann wusste sie nichts mehr" / "An alles, was danach passierte, konnte sie sich nicht mehr erinnern."

Mugel hinauf

Den "Hügel" hinauf?

Von hier aus wagte sie vorsichtig einen Blick. Dann zwei.

Vorschlag: "Von hier aus wagte sie einen vorsichtigen Blick, dann sogar einen zweiten." (Oder vielleicht ganz den zweiten weg lassen.)

Vögel, Drosseln,

Besser "Vögel: Drosseln, ..."

Über allem, auf einem Hügel ganz aus wildem Wein, auf einem Thron aus funkelnden Steinen, saß ein Frosch im purpurnen Mantel und einer rotgoldenen Krone auf dem Kopf.

Vermutlich fällt es dem Leser nicht gleich auf, aber mich stört es ein kleines bisschen, dass hier dreimal "auf" in dem Satz ist. Ein Vorschlag wäre: "Über allem, auf einem Hügel ganz aus wildem Wein, mit einem Thron aus funkelnden Steinen, saß ein Frosch im purpurnen Mantel. Oberhalb seiner runzligen Stirn prangte eine rotgoldene Krone." Den ersten Satz könnte man auch noch teilen.

und verraten.

Lieber weg lassen. Dass er sie entdeckt hat, reicht schon.

Eine Frage habe ich noch zum Verständnis. Ist sie jetzt in dem Loch oder doch noch außerhalb, irgendwo im Wald? Denn in einem Loch könnte sie doch keine Bäume und auch keinen Mond sehen oder?

Dies sind alles nur Vorschläge, die in anderen Augen genauso verkehrt sein können, aber vielleicht helfen sie dir ja weiter.
Ich würde gern mehr von deiner Geschichte lesen. :)
LG Becca
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Re: In den Wäldern jenseits der Zeit I

Beitragvon beatrice » 07.06.2015, 19:25

Lieber Heribert,

Du möchtest wissen, ob der Text zum Weiterlesen anregt? Mich hat er sowohl angesprochen, als auch neugierig auf mehr gemacht, gerne würde ich einen zweiten Teil lesen. Meiner Meinung nach hast du das Genre "Kindergeschichte" oder auch "Märchen" gut getroffen. Als ich deinen Text gelesen habe, hatte ich sofort den ein wenig verstaubten, aber vertrauten Geruch eines ledergebundenen Buches in der Nase, zusammen mit der Stimme meiner Oma, die mir eine Geschichte vorliest. In die kleine Margot konnte ich mich gut hineinversetzen, sehr schön ist es, dass du die Welt aus ihren Augen beschreibst, gerade jetzt fällt mir dein Satz - "ihre Rinden waren so runzelig, dass Margots Hände in die Furchen passten.
" - dazu ein. Das hat mich zum Lächeln gebracht.

Einige Kleinigkeiten habe ich entdeckt, auf manche ist Becca bereits eingegangen, wie das "Moss", das mit zwei "o" geschrieben wird, was sicherlich ein Tippfehler war. Deshalb hier die Dinge, die mir sonst noch aufgefallen sind:

immer wieder fing sich ihr Fuß in aufstehenden Wurzeln


Müsste es hier nicht "verfing" heißen?

wenn er ihr auflauerte, beim Versteckspiel


Ist es gewollt, dass der Fokus aufs "Auflauern" gelegt wird? Dann würde ich den Satz so lassen, ansonsten würde ich "wenn er ihr beim Versteckspiel auflauerte" schreiben, denn ich bin beim Lesen kurz ins Stocken geraten.

Am Saum des Kleides, spürte mit den Fingern einen Riss, dort eine offene Naht und in ihrer roten Locken-Mähne, hatten sich Laub und kleinere Äste verfangen.


Dieser Satz kam mir nicht ganz logisch vor, ich würde "spürten ihre Finger einen Riss" schreiben, auch würde ich das "dort" durch ein "entdeckten" ersetzen.

Jedenfalls hatte Margot mit ihrem Zwillingsbruder Peter in der Wüstung gespielt; daran erinnerte sie sich. Sie sind in das Kellerloch gestiegen, Margot als erste, dann rutschte sie aus und... Dann weiß ich nichts mehr.


Zuvor kennzeichnest du ihre Gedanken durch Kursivschrift, auch das würde ich hier tun, eventuell würde ich auch noch ein ",dachte das Mädchen." hinzufügen.

Die Töne kamen von oberhalb des Falls und sie meinte auch, dass dort zwischen dem Gehölz etwas Licht hervorscheinen würde.


Ich würde hier "hervorschien" schreiben.

Doch bis auf diese Kleinigkeiten gefällt mir dein Text, du nutzt Beschreibungen mit Ausdruck unter denen ich mir etwas vorstellen kann. Auch besitzt die Geschichte ein schönes Ende, das mich auf einen zweiten Teil hoffen lässt.

Liebe Grüße,
Bea
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Re: In den Wäldern jenseits der Zeit I

Beitragvon Avunculus » 07.06.2015, 23:01

Hallo Heribertpolta!

Ich meine, dir ist da eine sehr hübsche Geschichte gelungen (bzw. der Anfang dazu); schön, dass du sie in der SWS eingestellt hast.

Der Titel macht neugierig.

In einem Wald, tief in der Nacht.
Margot sucht ihren Bruder und wird Zeuge eines Festes, so scheint es, dass die Tiere des Waldes feiern. Eine Schwalbe entdeckt Margot und verrät ihre Anwesenheit ...
Klar. Da möchte ich sehr gern wissen, wie es weitergeht. :wink:

Was mir aufgefallen ist: Bei Aufzählungen stellst du verschiedentlich den zugehörigen 'Sammelbegriff' voran (Farben: rot, blau, gelb, grün; Vögel: Amsel, Drossel, Fink, Star), was m.E. zu Redundanz führt. - Verwendest du das als Stilmittel?

Teilweise verwendest du wenig gebräuchliche Begriffe: Wüstung, Gumpen, Kastorhut etc. Auch wenn ich die teilweise googeln muss – mir gefällt es gut, dass du diese Begriffe verwendest. Sie vermitteln den positiven Eindruck: Der Autor weiß Bescheid, kennt sich gut aus, ist souverän etc.

Heribertpolta, der Kommentar zeigt dir meine Sicht auf deinen Text. Wenn du Brauchbares darin findest, freut mich das, ansonsten, ab damit in die Tonne.

Blau markierte Stellen in deinem Text, halte ich für entbehrlich.

Alles in allem betreffen meine Anmerkungen Kleinkram.

Ich habe deinen Text gern gelesen.

LG
Avunculus :wink:



Es musste Abend gewesen sein,

Hier ist mir nicht ganz klar, ob du mit einer Rückblende beginnst, oder ob das hier die aktuelle Erzählzeit ist?



als sie aufwachte, oder auch Nacht, sie wusste es nicht, konnte es nicht sagen. Sie lag im Moss unter einem Baum, das Köpfchen auf einen seiner Wurzelstöcke gelegt. „Peter?“

'Wurzelstock' bezeichnet m.W. die Gesamtheit von Baumstumpf und zugehörigem Wurzelwerk.
Vielleicht eher:
… auf einen seiner Wurzeln gelegt …



Der Steig war kaum zu erkennen; immer wieder fing sich ihr Fuß in aufstehenden Wurzeln;

Da Margot ja nicht einbeinig ist,
vielleicht eher:
… fing sich ein Fuß …



sie ragten zum Teil wie dürre Finger oder Arme aus der Erde. Jeden Moment erwartete sie, dass der Bruder auftauchen würde, lachend, wie er es immer tat, wenn er ihr auflauerte, beim Versteckspiel.
War der Mond wieder einmal hinter Wipfeln verschwunden, tastete sie sich an den Bäumen entlang; ihre Rinden waren so runzelig, dass Margots Hände in die Furchen passten. Einmal flatterte irgendetwas dicht an ihrem Kopf vorbei; sie erschrak, quietschte kurz auf und begann zu laufen, so lange, bis sie über einen Ast fiel, der schallend unter ihr zerbarst.



Wieder kauerte sie im Moos und heulte. Am Saum des Kleides, spürte mit den Fingern einen Riss,

Hier fehlt etwas:
Am Saum des Kleides spürte sie



dort eine offene Naht und in ihrer roten Locken-Mähne,

Ich meine:
Im dunklen Wald dürfte es selbst für den Erzähler sehr schwer sein, die Farbe von Margots Haaren zu erkennen.



Ich erinnere mich nur an das alte Haus im Wald, dachte sie.

Das finde ich nicht so gelungen.
Sie dachte, ich erinnere mich … - ein wenig doppelt gemoppelt, meine ich.
Vorschlag:
Das alte Haus im Wald, dachte sie … oder …
Sie erinnerte sich an das alte Haus im Wald …



Jedenfalls hatte Margot mit ihrem Zwillingsbruder Peter in der Wüstung gespielt; daran erinnerte sie sich. Sie sind in das Kellerloch gestiegen,

sind … gestiegen
Warum du hier das Perfekt verwendest, leuchtet mir nicht ganz ein. Ich meine, entweder Vorvergangenheit (Plusquamperfekt) oder Erzählzeit (Präteritum).



Margot als erste, dann rutschte sie aus und... Dann weiß ich nichts mehr.

… weiß ich nicht ...
Wieso Präsens?



Plötzlich hörte sie fern Wasser plätschern. Ein Bach musste sich in der Nähe befinden.

Logelei:
Wenn von fern Wasser plätschert, sollte auch der Bach fern sein (und nicht in der Nähe).
Ich meine, du solltest die Distanzen vereinheitlichen.



Tatsächlich, unter den Bäumen befand sich eine Kaskade.

Hier ist nach meinem Leseempfinden ein kleiner Sprung.
Damit das Folgende logisch passt, sollte sich Margot diesem Ort ein wenig nähern.
Zum Beispiel:
Margot schlich zu dem Geräusch. Tatsächlich, unter den Bäumen … oder sonst etwas.



Zwischen Felsgestein fiel das Wasser ein Stückweit in einen Gumpen hinab und von da aus lief es in ein flaches Kiesbett. Silbern funkelte es im Mondschein. Margot kniete sich ins Moos und trank aus ihren Händen,

Ich meine, du solltest hier noch erwähnen, dass Margot mit ihren Händen Wasser aus dem Fluss schöpft.



als sie plötzlich ein Treiben vernahm. Musik, war ihr erster Gedanke; Stimmen. Die Töne kamen von oberhalb des Falls und sie meinte auch, dass dort zwischen dem Gehölz etwas Licht hervorscheinen würde. Peter?

Hier wüsste ich gern, warum Margot bei einem Lichtschein an ihren Bruder Peter denkt. Hat der denn (im Gegensatz zu Margot) eine Laterne / Taschenlampe bei sich?



Zunächst hielt sie sich hinterm Rücken eines Baumes versteckt, dessen mächtiger Strunk derart verdreht war, als hätte ihn eine riesige Hand nach obenhin verzwirbelt. Von hier aus wagte sie vorsichtig einen Blick. Dann zwei.

Vielleicht eher:
... einen Blick. Dann einen Zweiten.



Laternen waren zwischen den Bäumen aufgehängt; bunte Laternen, rote, gelbe, grüne und orangefarbene; manche mit aufgemalten Gesichtern, schön gefaltet und gefüllt mit weichem Licht.

Tolles Bild!

Falls du gewillt bist, auf eine 'Laterne' zu verzichten, könntest du
„Bunte Laternen waren zwischen den Bäumen aufgehängt: rote, gelbe, grüne … „
schreiben.
[Falls du die Wiederholungen als Stilmittel eingesetzt hast – vergiss meine Einlassung!]



Darunter standen Tische und auf den Tischen Kerzen,

… Tische … Tischen …
Vorschlag:
… standen Tische mit Kerzen (darauf) ….



Aber was für Leute waren da!

Diesen Satz finde ich ein wenig verwirrend. - Es sind doch überhaupt keine Leute da?
Ich meine, du könntest diesen Satz problemlos weglassen.



„Das sind ja Tiere an den Tischen!“, flüsterte Margot, sowas habe ich aber noch nie gesehen, gestand sie sich ein

'gestand sie sich ein' könntest du m.E. weglassen.
Wenn jemand (sich) etwas eingesteht, bedeutet dies doch, mit einer gewissen Überwindung irgendetwas 'Unangenehmes' zuzugeben. - Ich meine, hier gibt es nichts, was Margot sich eingestehen müsste /könnte.



Da saßen Rehe in Kleidern mit aufgesetzten Volants und mit Schuten-Hauben auf ihren Köpfen, Hirsche in Gehrock und Zylinder, aber auch Rotfüchse im Wrack,

Amüsanter Tippfehler. :wink:



Hasen mit seidenen Bindern und Häsinnen in Compèren aus Satin. Auf manchen Tafeln befand

befanden


Die Regenwürmer, allesamt geschmückt mit Schals, Krawatten und Fliegen, hatten ebenfalls einen Tisch, und die Vögel, Drosseln, Spechte, Eichelhäher, mit Kastorhüten und Blumenhauben,

Das ist m.E. ein bisschen knapp formuliert.
Ich nehme an: Die Vogelherren tragen Kastorhut und die Damen die Blumenhaube? Oder?



„Wir haben einen Gast, Eure Hoheit“, ertönte eine Stimme über ihr. Ein Vogel, eine Schwalbe, hatte sie entdeckt und verraten.

Wieso erklärst du hier, dass eine Schwalbe ein Vogel ist? - Stilmittel?
Ich meine, du könntest diese Information problemlos weglassen.
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Re: In den Wäldern jenseits der Zeit I

Beitragvon Alys » 08.06.2015, 09:53

So, nicht beißen, bitte. Das wird mein erster Kommentar hier in der SWS. :)

Insgesamt hat mir die Geschichte sehr gut gefallen. Sie macht neugierig und ich würde gerne weitere Teile lesen. Obwohl ich sonst eingetlich kein Fan von solchen Märchenwelten bin, in denen Tiere menschliche Kleidung tragen - hier hat's mich nicht gestört. Ich war schon zu sehr im Bann der Geschichte. Kompliment!

Diese Grundstimmung finde ich das gelungenste an der Geschichte. Sie wird durch viele Kleinigkeiten genährt, wie z.b. die Beschreibung der Baumrinde, des silbrigen Wassers, Margot Erinnerung an Hexengeschichten oder die Geschichte von ihrem Onkel, in der die Bäume bedrohlich sind. Alles weckt den Eindruck, dass Margot zwar in einem normalen Wald sein könnte, aber dass sie eben mit jedem Schritt weiter in eine Welt geht, in der der Wald fremd und bedrohlich ist.

Mit dem Genre tue ich mich schwer. Märchen ja, aber defintiv kein Kindermärchen.
Die letzten Worte ("Wir haben einen Gast") haben mir das Gefühl vermittelt, dass Margot zwar ein willkommener Gast ist, aber dass das nicht unbedingt für Margot selbst etwas Gutes bedeuten muss. Die Formulierung "entdeckt und verraten" hat mir in diesem Zusammenhang sehr gut gefallen.

Abgesehen davon ist es für eine Kindergeschichte zu "schön" geschrieben.
Du bemühst Dich (erfolgreich) um eine eigene Poesie der Sprache, die Kinder noch nicht würdigen können. Es liest sich für mich wie eine Mischung aus Brüder Grimm (v.a. wegen typischen Märchen-Vokabeln wie Margots "Köpfchen") und Neil Gaiman.
Zu dieser Poesie gehört auch, dass Du viele Worte benutzt, die Kinder meist nicht in ihrem Wortschatz haben (Kaskade, Mugel, Compère, Treiben, Gumpel, Schute...). Ich denke, die meisten Kinder wären damit überfordert und würden die Geschichte eher aufgrund ihrer schönen Sprache als anstrengend empfinden.
Bevor jemand empört ist: mit Kindern meine ich jetzt mal grob Kinder bis 10 oder 12.
Also ist es für mich eher ein Märchen oder eine fantastische Geschichte für Erwachsene.

Noch etwas detaillierte Manöverkritik:

Heribertpolta hat geschrieben:Jeden Moment erwartete sie, dass der Bruder auftauchen würde, lachend, wie er es immer tat, wenn er ihr auflauerte, beim Versteckspiel.
War der Mond wieder einmal hinter Wipfeln verschwunden, tastete sie sich an den Bäumen entlang; ihre Rinden waren so runzelig, dass Margots Hände in die Furchen passten. Einmal flatterte irgendetwas dicht an ihrem Kopf vorbei; sie erschrak, quietschte kurz auf und begann zu laufen, so lange, bis sie über einen Ast fiel, der schallend unter ihr zerbarst.


Diesen Absatz habe ich deshalb markiert, weil mir hier ein Fehler aufgefallen ist, den ich selbst beim Schreiben ständig mache. Ich liebe es auch, Nebensätze durch Kommas und Strichpunkte aneinandergereit zu einer langen Kette zu machen, weil sie dann beim Lesen so schön jeder für sich dahergeschwebt kommen. Aber man übertreibt es damit doch leicht.
Im konkreten Beispiel würde ich bei "lachend, wie er es immer tat, wenn er ihr auflauerte, beim Versteckspiel." entweder "wenn er ihr auflauerte" oder "beim Versteckspiel" streichen. Der Satz wird sonst zu lang.

Genauso vertragen die folgenden Sätze es, zu ein paar kürzeren Sätzen zerhackt zu werden. Mein Vorschlag wäre:
"... an den Bäumen entlang. (PUNKT) Ihre Rinden waren..."
"... an ihrem Kopf vorbei. (PUNKT) Sie erschrak, ..."

Heribertpolta hat geschrieben:Wieder kauerte sie im Moos und heulte. Am Saum des Kleides, spürte mit den Fingern einen Riss, dort eine offene Naht und in ihrer roten Locken-Mähne, hatten sich Laub und kleinere Äste verfangen.


... spürte sie mit den Fingern...

und ich würde sagen: "hier einen Riss, dort eine offene Naht"

und ich würde die Beschreibung der Haare in einen eigenen Satz packen und das Komma vor "hatten" weglassen.


Heribertpolta hat geschrieben:Jedenfalls hatte Margot mit ihrem Zwillingsbruder Peter in der Wüstung gespielt; daran erinnerte sie sich. Sie sind in das Kellerloch gestiegen, Margot als erste, dann rutschte sie aus und... Dann weiß ich nichts mehr.


"Sie waren in das Kellerloch gestiegen." und strenggenommen müsste dann folgen "dann war sie ausgerutscht".
Der aprupte Wechsel im Satz von Beschreibung aus der Autorenperspektive zu Margots Gedanken gefällt mir gut. Allerdungs würde ich den Gedanken dann kursiv machen, so wie Du es weiter unten im Text auch gemacht hast.

Sonst habe ich wirklich nichts zu meckern. Im Gegenteil, ich muss noch anmerken, dass mir die normalen, deutschen Namen Margot und Peter für diese Geschichte ausnehmend gut gefallen.
Und dass es einmal ein Frosch ist, der auf dem Königsthron sitzt (und nicht der ewige Löwe oder Hirsch) gefällt mir ebenfalls sehr gut.
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Re: In den Wäldern jenseits der Zeit I

Beitragvon Heribertpolta » 10.06.2015, 19:13

Hallo, liebe Kommentatoren,

zunächst einmal vielen Dank für das rege Interesse, das ihr meiner Geschichte entgegengebracht habt. Ich hatte damit nicht gleich gerechnet. Offenbar habe ich in diesem Stil Nachholbedarf, denn so leicht ist mir das nicht von der Hand gegangen - und - eine Kindergeschichte zu schreiben, habe ich ohnehin scheinbar nicht im Kreuz. Das ist auch eine Sache für sich.

Ich bin alle eure Punkte durchgegangen und habe nahezu jeden Vorschlag umgesetzt, von euch allen Vieren. Obwohl ich den Text oft korrigiert habe, sind mir scheinbar einige Sachen entgangen.

Danke also für eure Hilfe!

PS - Ach, Becca, Tann ist ein anderer Ausdruck für Wald, für den es ohnehin nicht viele Synonyme gibt. Da nimmt man was man bekommt. :)
Grüße,

Heribert Polta
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Re: In den Wäldern jenseits der Zeit I

Beitragvon Belle » 20.06.2015, 17:58

Hallöchen erstmal! :>
Ich kommentiere das ganze jetzt vielleicht etwas spät, aber wenn ich schonmal was zu sagen habe,
möchte ich die Chance nutzen und Kommentieren. :lol:

Also deine Geschichte an sich hat mir gut gefallen , nichts komplett neues, aber ich denke für Kinder ist das wirklich super.
Der Schluss macht bestimmt Lust auf mehr , nur mir nicht unbedingt , weil ich offene Enden sehr gerne habe. ^^
Mir sind dennoch ein paar sachen aufgefallen , das ein oder andere ist zwar Geschmackssache , aber ich merke es dennoch an. ^^
Allgemein zu deinem Stil:
Ich finde deinen Stil ein wenig schwierig.
Einerseits Benutzt du sehr gewähltes und eher schwieriges Vokabular , was für eine Kindergeschichte zu "hochgesteckt" wäre , sag ich mal. ^^
Im Gegensatz dazu benutzt du einen sehr einfachen Aufbau im Satz , was ziemlich im Konrast zum oben genannten steht.
aber gut , ich gehe dann lieber mal auf das ein oder andere näher ein. ^^

Es musste Abend gewesen sein, als sie aufwachte, oder auch Nacht, sie wusste es nicht, konnte es nicht sagen.


Ich muss schon sagen, dass ich so meine Probleme mit dem Satz habe.
Ich habe zwar oben gesagt , deine Sätze sind recht einfach aufgebaut , was ich auch im Großteil so empfinde, wiederum hast du zwischendrin vereinzelt sehr komplizierte , verschachtelte Sätze , die auch für eine Kindergeschichte viel zu kompliziert sind.
Ich musste sie zwar nicht zweimal lesen , aber ich habe dabei gehackt und musste dreimal überlegen , wieso du die so kompliziert gestaltet hast.
Denn direkt am Anfang wirkt so ein Satz eher ausladend.

Der Steig war kaum zu erkennen; immer wieder verfing sich einer ihrer Füße in aufstehenden Wurzeln; sie ragten wie dürre Finger oder Arme aus der Erde.


das "oder Arme" würde ich streichen, dann wirkt der Satz stimmiger.

Jeden Moment erwartete sie, dass der Bruder auftauchen würde, lachend, wie er es immer tat, wenn er ihr auflauerte, beim Versteckspiel.


also erstens würde ich "dass ihr Bruder auftauchen würde.." schreiben , wirkliche Begründung kann ich dafür auch nicht liefern, ich finde einfach dass es sich schöner anhört.
Desweiteren ist das wieder so ein verschachtelter Satz den ich vom Aufbau einfach unschön zu lesen finde.
"Jeden Moment erwartete sie, dass ihr Bruder lachend auftauchen würde, wie er es immer tat wenn er ihr beim Versteckspielen auflauerte."
Fände ich schon um einiges schöner , oder du teilst den Satz , das würde den Lesefluss vereinfachen.

Einmal flatterte irgendetwas dicht an ihrem Kopf vorbei; sie erschrak, quietschte kurz auf und begann zu laufen, so lange, bis sie über einen Ast fiel, der schallend unter ihr zerbarst.


dieses "Einmal" hat etwas von "ich erzähle jetzt eine Geschichte" und nicht von "jetzt passiert etwas" (ich hoffe man versteht was ich damit ausdrücken will)
Ich finde, dass das Wort nicht so schön in den Kontext passt.
"im nächsten Moment" wäre vielleicht eine Alternative.

Wieder kauerte sie im Moos und heulte. Am Saum des Kleides, spürte sie einen Riss, und da eine offene Naht; in ihrer Locken-Mähne hatten sich Laub und kleinere Äste verfangen.


"heulte" ist so Umgangssprachlich und passt gar nicht zu deiner sonstigen Wortwahl.
Im darauf folgenden Satz ist ein Komma zu viel und sorgt für eine unnötige "Sprechpause".

Zunächst hielt sie sich hinter einem Baum versteckt, dessen mächtiger Strunk derart verdreht war, als hätte ihn eine riesige Hand nach obenhin verzwirbelt. Von hier aus wagte sie vorsichtig einen Blick. Dann einen zweiten.
Laternen waren zwischen den Bäumen aufgehängt; bunte Laternen, rote, gelbe, grüne und orangefarbene; manche mit aufgemalten Gesichtern, schön gefaltet und gefüllt mit weichem Licht. Darunter standen Tische und auf den Tischen Kerzen, die lustig mit den Flamm-Köpfchen wackelten.
Aber was für Leute waren da! „Das sind ja Tiere an den Tischen!“, flüsterte Margot, "Sowas habe ich aber noch nie gesehen!" Sie reckte ihr Köpfchen noch ein Stück weit mehr hervor.


Ich zitere jetzt einfach mal diese Stelle , meine Worte beziehen sich aber auf den gesamten Rest deiner Geschichte.
Ich möchte das jetzt mal nutzen um zu sagen , das ich deine Erzählweise ganz ganz toll finde.
Das kann ich mir wirklich gut als Kindergeschichte vorstellen , auch wenn ich manche Wörter für ein wenig zu schwierig halte.
Beim ersten durchlesen kam mir deiner Schreibweise sehr simpel vor , aber jetzt beim verfassen der Kritik, in der ich auch auf das "Kindgerechte" mehr beachte, sind sie doch nicht so einfach gehalten.
Ein gutes Beispiel wie man den ersten Eindruck widerlegen kann :'D
Was ich noch anmerken wollte, dass du zwischendrin sehr viele Kommas setzt, die ich eigentlich für unnötig halte, da sie den Lesefluss beeinflussen.
Viellecht gehst du nochmal genau durch den Text und streichst ...jedes dritte Komma oder so xD
Kleiner Scherz , so viele sind es auch nicht , aber mein Tipp war ernst gemeint, also sreich das ein oder andere Komma. ^^
Belle
 
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Re: In den Wäldern jenseits der Zeit I

Beitragvon TheRanch90 » 25.06.2015, 08:02

Hey, hier mein Feedback zu deinem Text :)

Der Mond schaute durchs Blätterdach und er sah wie ein reifer Käse aus.

Vielleicht kenne ich den Ausdruck auch nicht aber was ist ein "reifer Käfer"? Außerdem würde ich das "er" in dem Satz weglassen.

Am Saum des Kleides, spürte sie einen Riss, und da eine offene Naht; in ihrer Locken-Mähne hatten sich Laub und kleinere Äste verfangen.

Hier verstehe ich das "da" nicht so ganz. "Locken-Mähne" sagt mir hier in dieser düsteren und angsterfüllten Stimmung auch nicht so zu..

Jedenfalls, und das war das Letzte an das sie sich entsinnen konnte, hatte Margot mit ihrem Zwillingsbruder Peter in der Wüstung gespielt. Sie waren in das Kellerloch gestiegen, Margot als erste. Dann rutschte sie aus und... Dann erinnere ich mich nicht mehr.
Plötzlich hörte sie Wasser plätschern. Ein Bach musste sich in der Nähe befinden.

Bisher fand ich alles logisch aber das verstehe ich jetzt nicht mehr.
Sie ist also in diesem Haus ohnmächtig geworden und hat da ihren Bruder verloren? Da wäre irgendwie am Anfang, wenigstens ein Nebensatz nett gewesen, um anzudeuten, dass sie nicht weiß wo sie ist (als sie aufwacht).

Zwischen Felsgestein fiel das Wasser ein stückweit in einen Gumpen hinab und von da aus lief es in ein flaches Kiesbett.

"[...], von wo aus es in ein flaches Kiesbett lief"


Zunächst hielt sie sich hinter einem Baum versteckt, dessen mächtiger Strunk derart verdreht war, als hätte ihn eine riesige Hand nach obenhin verzwirbelt. Von hier aus wagte sie vorsichtig einen Blick. Dann einen zweiten.

Das gefällt mir richtig gut. Toll beschrieben!

Da saßen Rehe in Kleidern mit aufgesetzten Volants und mit Schuten-Hauben auf ihren Köpfen, Hirsche in Gehrock und Zylinder, aber auch Rotfüchse im Frack, Hasen mit seidenen Bindern und Häsinnen in Compèren aus Satin. Auf manchen Tafeln befanden sich weitere, kleinere Tische, an denen unter Kerzenlüstern Borken- und Hirschkäfer, Kiefernrüssler und Maikäfer Platz genommen hatten, Nektar aus Eichelhülsen tranken oder Pfeife rauchten. Igel in ledernen Latzhosen aßen aus Schneckenhäusern und ihre Frauen hatten Blüten-Gebinde angesteckt. Die Regenwürmer, allesamt geschmückt mit Schals, Krawatten und Fliegen, hatten ebenfalls einen Tisch, und Vögel, Drosseln, Spechte, Eichelhäher, mit Kastorhüten und Blumenhauben, saßen an Bänken auf hölzernen Stangen und tranken aus schlanken Vasen.

Ganz ganz toller Absatz!

Über allem, auf einem Hügel ganz aus wildem Wein, auf einem Thron aus funkelnden Steinen, saß ein Frosch im purpurnen Mantel und einer rotgoldenen Krone auf dem Kopf. Neben ihm, auf einem kleineren Thron, stand ein Gefäß, dessen Inhalt Margot nicht erkennen konnte und gegenüber, ganz in ihrer Nähe, spielte auf einem Podium eine Kapelle; ein lustiges Grüppchen, bestehend aus Grashüpfern in braunen Westen, mit Geigen, Bässen und Flöten.

Auch wieder toll beschrieben aber hier würde ich vielleicht aus den ganzen Kommas einen Punkt machen. Lieber ein Satz mehr, als zu lang und verschachtelt.

So, also mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Toller Schreibstil, sehr anschaulich und bildlich beschrieben und ich liebe es, wenn ungewöhnliche Worte eingebaut werden :)
Ein paar kleinere Anmerkungen gab es meinerseits aber das sind alles Geschmackssachen schätze ich. Um das flüssige Lesen zu erleichtern.
Was ich mir noch wünschen würde, wären noch mehr Zeilensprünge.

Musik, war ihr erster Gedanke; Stimmen. Die Töne kamen von oberhalb des Falls und sie meinte auch, dass dort zwischen dem Gehölz etwas Licht hervorscheinen würde. Peter?

ZB, dass diese kursiven Worte eine eigene Zeile bekommen. Das reißt den Leser meiner Meinung nach noch mehr mit, wie wenn alles nacheinander aufgereiht ist. Ansonsten ganz toll! :)
Freue mich auf den zweiten Teil!

LG
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Re: In den Wäldern jenseits der Zeit I

Beitragvon Bardenlied » 24.07.2015, 10:57

Hallo. Da dies mein erster Kommentar ist vorneweg mal folgender Hinweis: Ich habe mir die vorangegangenen Kommentare und Kritiken mit voller Absicht Nicht durchgelesen, da ich mich nicht durch die schon geäußerten Meinungen beeinflussen lassen wollte. Ich schreibe also nur das was mir persönlich beim 1. Lesen ins Auge gesprungen ist. Es kann natürlich gut sein, dass meine Kritik (oder mein Lob) so oder so ähnlich schon geäußert wurde aber ich denke gerade das könnte nützlich sein da man dann Gelegenheit hat zu sehen ob vielleicht mehreren Personen das Gleiche auffällt. Falls so eine vielleicht schon geäußerte Meinung generell unerwünscht ist weist mich bitte am besten per PM drauf hin.
… Und nehmt das was ich hier vom Stapel lasse bitte nicht persönlich – ich selbst bin absoluter Anfänger.

„Margot hatte Angst vor der Dunkelheit; daran war nur Peter schuld, er erzählte ihr ...“


„Nur“ würde ich hier weglassen. Es klingt für meinen Geschmack zu kindisch und ich glaube man sollte auch in Kindergeschichten „Erwachsenensprache“ verwenden wo es möglich ist, besonders weil du später ja eine sehr geschliffene und exakte Ausdrucksweise verwendest mit vielen schönen Wörtern wie „Gumpen“ oder „Compèren aus Satin" – ist Geschmackssache aber auf jeden Fall sind kurze Konstruktionen oft besser.
„Der Steig war kaum zu erkennen; immer wieder verfing sich einer ihrer Füße in aufstehenden Wurzeln; sie ragten wie dürre Finger oder Arme aus der Erde. Jeden Moment erwartete sie, dass der Bruder auftauchen würde, lachend, wie er es immer tat, wenn er ihr auflauerte, beim Versteckspiel.“


1. Muss es nicht „werde“ heißen?
2. Dass du schreibst „wenn er ihr auflauerte, beim Versteckspiel.“ schreibst liest sich zwar holprig aber – falls diese Stelle jemand kritisieren sollte: Ich würde es unbedingt so stehen lassen. Die flüssige Alternative „wenn er ihr beim Versteckspiel auflauerte“ würde unsinniger weise das Auflauern betonen (weil es am Ende des Satzes steht). Ich bin mir aber sicher das der Fokus auf dem Versteckspiel liegen soll. Also: Gut gemacht.
3. ...Und hier habe ich doch einen Kommentar gelesen – würde ich mich hüten bei: „sie ragten wie dürre Finger oder Arme aus der Erde.“ ein „zum Teil“ einzufügen, dies würde die Beschreibung unnötig abschwächen – Wortbalast. Auch: Gut gemacht, dass es nicht da steht.

„Am Saum des Kleides, spürte sie hier einen Riss, und da eine offene Naht; in ihrer Locken-Mähne hatten sich Laub und kleinere Äste verfangen.“

1. Ich würde „Am Saum ihres Kleides“ schreiben – Geschmackssache
2. Entweder das „da“ weglassen oder vorher ein „hier“ einfügen – klingt sonst komisch.
3. Lass bloß das vorgeschlagene „Mit den Fingern“ - ich finde man kann auch überverbessern und dabei unnötiges mit reinbauen.

„Tatsächlich, unter den Bäumen befand sich eine Kaskade. Zwischen Felsgestein fiel das Wasser ein stückweit in einen Gumpen hinab und von da aus lief es in ein flaches Kiesbett. Silbern funkelte es im Mondschein“


Sooo, der erste wirkliche Kritikpunkt.
1. „befand“ Wenn ich meine eigenen Texte korrigiere wende ich etwas an, dass ich den „Befinden-Tod“ nenne. Kurz gesagt versuche ich immer da wo es sinnvoll ist schwache, d.h. allgemeine, nichtssagende Verben durch „starke“ d.h. spezifische, aussagekräftige zu ersetzen. „In der Nähe musste sich ein Bach befinden“ kann man stehen lassen aber bei „befand sich eine Kaskade“ stehen dir alle wunderbaren Verben die fliesendes Wasser beschreiben zur Verfügung: quoll, rauschte, gluckerte, murmelte, spritze, toste, brandete, flutete, stürzte, rann, gluckerte, gurgelte, sprühte, schoss, sang, spielte, brauste... - ganz abgesehen davon das es eine Wortwiederholung ist.
„lief“ finde ich ähnlich allgemein wie befand.
2. Das Wort „Gumpen“ finde ich sehr gut – bereichert den Wortschatz aller Kinder (und der meisten Erwachsen möchte ich meinen – ich kannte es nur weil bei uns am Bach ein Schild steht auf dem „Gaulsloch/Gumpen“ erklärt ist)
3. Du beschreibst die Bäume an mehreren Stellen aber warum nennst du sie nicht beim Namen? Auch „Felsgestein“ könnte man ohne weiteres noch Bildhafter machen.
Vorschlag: Ich in meiner Stümperei hätte den Absatz vielleicht so geschrieben:
„Tatsächlich, unter stillen Uferbäumen rauschte eine Kaskade. Eingezwängt zwischen Granitwänden und Kalksteinblöcken gischtete das Wasser über Felsstufen hinweg und stürzte in einen Gumpen. Danach beruhigte es sich, dämpfte seine Donnerstimme zu einem Murmeln und flüsterte schließlich über ein Kiesbett. Silbernes Mondlicht schuf eine Szenerie aus Quecksilberrinnen und schattendunklen Weiden. [Absatz]“
(still und rauschte, Quecksilberrinnen und schattendunkel sollen hier Gegensätze sein – keine Ahnung ist nur eine Idee)

Plötzlich hörte sie Wasser plätschern. Ein Bach musste sich in der Nähe befinden....
Moos und trank aus ihren Händen, als sie plötzlich ein Treiben vernahm.“

1. Plötzlich würde ich einmal durch „auf einmal“ ersetzen.
2. Ein Treiben … ich weiß was gemeint ist aber ist der Ausdruck hier korrekt?

„Musik, war ihr erster Gedanke; Stimmen. Die Töne...“

Würde hier zur Verdeutlichung vielleicht folgendes einfügen: Musik, war ihr erster Gedanke, doch Nein: Stimmen.
„Die Töne kamen von oberhalb des Falls und sie meinte auch, dass dort zwischen dem Gehölz etwas Licht hervorscheinen würde

Etwas holprig, vielleicht so:
...und sie meinte auch zwischen dem Gehölz etwas Licht hervorscheinen zu sehen.
„Zunächst hielt sie sich hinter einem Baum versteckt, dessen mächtiger Strunk derart verdreht war, als hätte ihn eine riesige Hand nach obenhin verzwirbelt.“

Da du den Baum hier nicht einfach als nebensächliches Waldinventar abtust sondern ihn im Gegenteil mit einer schönen Beschreibung beehrst würde ich ihn auch klassifizieren (Esche, Buche, Espe, Eiche, Erle, Kopf- Trauer- oder Silberweide, Kastanie, Ahorn, Pappel, Weichselkirsche, Linde Fichte, Föhre, Pinie, Tanne, Byzantinische Hasel- oder Wahlnuss... was eben der Wuchsform am Nächsten kommt.

Laternen waren zwischen den Bäumen aufgehängt;

Sehr gut, sinnvoller Kopula/ Passiv-einsatz, viel besser als „Laternen hingen zwischen den Bäumen“ weil man sich so automatisch fragt: Wer hat die wohl da hingehängt.

...und gefüllt mit weichem Licht

Sehr schön.

Das sind ja Tiere an den Tischen!“, flüsterte Margot, "Sowas habe ich aber noch nie gesehen!" Sie reckte ihr Köpfchen noch ein Stück weit mehr hervor.


1. Das Ausrufezeichen und das Flüstern beißt sich irgendwie – wie wäre es mit "wunderte sich Margot"
2. "Sowas habe ich aber noch nie gesehen!" Glaubst du dass Jemand wirklich so was sagt? Ich glaube du lässt Margot das hier nur für den Leser sagen – In einer Kindergeschichte vielleicht noch zu verschmerzen aber aufgesetzte Dialoge haben mich eigentlich schon als Kind gestört. Vielleicht auf die Wörtliche Rede verzichten und einfach: „So etwas hatte sie noch nie gesehen“ verwenden?

Auf manchen Tafeln befanden sich weitere

befanden sich → standen; ist nicht viel spezieller, klingt aber besser.

und Vögel, Drosseln, Spechte, Eichelhäher, mit...


„Und die Vögel Drosseln, Spechte und Eichelhäher …“ klänge in meinen Ohren noch besser. - Geschmackssache
saßen an Bänken auf hölzernen Stangen und tranken aus schlanken Vasen. ...

Über allem, auf einem Hügel ganz aus wildem Wein, auf einem Thron aus funkelnden Steinen, saß ein Frosch im purpurnen Mantel und einer rotgoldenen Krone auf dem Kopf.


„Sitzen“ ist hier 1. eine Wiederholung und 2. ebenfalls so allgemein wie „befinden“ „sagte“ oder „ging“ wie wäre es mit: „residierte ein Frosch“ ?

Liebe Heribertpolta, auf jeden Fall würde ich weiterlesen! Die Beschreibung der Tierversammlung ist ganz wunderbar und ich musste sofort an Alice im Wunderland denken. Besonders die Teils altmodischen und Teils sehr genauen Begriffe wie "Gumpen" oder "Compèren aus Satin, Volants, Schuten-Hauben" usw. Haben mir sehr gut gefallen. Es gibt in deinem Text keinerlei schwer lesbare Schachtel- oder Kettensätze, alles ist gut verständlich, bildhaft und detailreich – ich hoffe für uns und deine Kinder dass du weiterschreibst - und wer weiß, „Der Hobbit“ war ja ursprünglich auch „nur“ als Kindergeschichte gedacht...
"Viel Wunderdinge melden die Mähren alter Zeit;
Von preiswerten Helden, von großer Kühnheit, von Freud und Festlichkeiten,
Von Weinen und von Klagen,
Von Kühner Recken Streiten, mögt ihr nun Wunder hören-sagen“

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Re: In den Wäldern jenseits der Zeit I

Beitragvon Heribertpolta » 25.07.2015, 10:40

Hallo Bardenlied,

ich habe nachgesehen und festgestellt, dass das wirklich dein allererster Kommentar ist. Dass der meinem Text gewidmet ist, sehe ich schon fast als Ehre an.

Zunächst will ich sagen, dass dein Kommentar sehr ernst zu nehmen ist. Deine Vorschläge sind überlegt und klug. Besonders der hier, ist ein kleines Werk für sich. Dass ich selbst nicht auf soetwas komme, macht mich sogar ein klitzeklein wenig neidisch...

Tatsächlich, unter stillen Uferbäumen rauschte eine Kaskade. Eingezwängt zwischen Granitwänden und Kalksteinblöcken gischtete das Wasser über Felsstufen hinweg und stürzte in einen Gumpen. Danach beruhigte es sich, dämpfte seine Donnerstimme zu einem Murmeln und flüsterte schließlich über ein Kiesbett. Silbernes Mondlicht schuf eine Szenerie aus Quecksilberrinnen und schattendunklen Weiden


Yeah!

Dein Kommentar zeigt mir, dass du dich mit unserer Sprache, die ja gegenwärtig ganz schön gebeutelt wird, ernsthaft auseinandersetzt:

quoll, rauschte, gluckerte, murmelte, spritze, toste, brandete, flutete, stürzte, rann, gluckerte, gurgelte, sprühte, schoss, sang, spielte, brauste...


... von einer solchen Vielfalt können Briten, Spanier, Russen nur träumen.

Ich werde bald einen weiteren Teil dieser Geschichte hier einstellen; allein ich habe momentan keine Zeit dazu. Bin ja schon ganz froh, dass ich mir zeitlich diese Antwort leisten kann.

Danke und beste Grüße,

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