[Fanty] In den Wäldern jenseits der Zeit III

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[Fanty] In den Wäldern jenseits der Zeit III

Beitragvon Heribertpolta » 20.10.2015, 16:47

Hallo zusammen. Zwei Teile hatte ich ja insgesamt schon hier eingestellt. Jetzt habe ich mir fest vorgenommen, den Rest auch noch hier zu lassen. Falls ihr euch noch erinnert - ich hatte die Absicht eine Kindergeschichte daraus zu machen; was mir aber missglückte.
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In den Wäldern jenseits der Zeit


III


Vor lauter Ärger darüber, dass dem König die größte Schabe des Waldes entkommen war, schnappte er sich im Nu eine der kleineren. Er ließ seine Zunge hervorbrechen und zog und sog sie – schnapp - augenblicklich in sein breites Maul ein. Stück für Stück verschwand das Insekt im Schlund des Lurchs, bis am Ende nur noch ein Flügel hervorschaute. Als der Frosch auch den noch vertilgt hatte, wischte er sich mit der Zunge zufrieden über seine gallertigen Augen und stieß ein grobes Örk auf.
„Ihr esst eure Gefangenen? Das ist gemein!“, sagte Margot erschrocken. Ihr war ganz schlecht vom Anblick geworden. Sie hatte noch nie einen König Schaben essen sehen.

„Du hast keine Ahnung“, sagte der Frosch, „Warum sollte ich das gute Fleisch, uäh, im Kerker verderben lassen? Möchtest du die vielleicht Fliege? Sie gehört dir!“ Der Hüpfer lachte vulgär.
„Niemals!“, winkte Margot ab, „Was haben die Gefangenen überhaupt getan?“, fragte sie den Frosch. „Sie haben Wahlen gefordert, freie Wahlen. Diese Verräter!“
„Wahlen gibt es bei uns auch“, bemerkte Margot.
„Ja, und mein missratener Vetter Lork hat sie ebenfalls eingeführt. Aber nichts für mich das, uäh! Solange mich der Klapperstorch nicht holt, wählt hier niemand außer mir; und ich wähle mich! Mich!“
„Seine Majestät haben recht, huh. Wo kommen wir hin, wenn jede kleine Arbeitsbiene, jeder gemeine Wurm etwas zu entscheiden hat, huh; das geht so nicht“, hatte der Uhu dazu gesagt und seine Augengläser auf dem Schnabel zurechtgerückt.

Schnalz – schon im nächsten Augenblick hatte der König nach der zweiten Schabe geschnappt und sie in einem heruntergeschlungen. Margot bekam eine große Schüssel mit Waldkräutersalat und Nüssen serviert. Dazu gab es Saft von süßen Beeren. Gleich sechs kleine Maus-Kellner mussten die Schale und den Becher tragen. Aber der Appetit war ihr gründlich vergangen; Pogg hatte ihn ihr genommen.


Das Fest wurde ausgelassener; der Wald funkelte. Die Musik spielte flotter und viele Tiere vergnügten sich auf dem Tanzboden. Es wurde gelacht, gegessen, getrunken und es gab Rangeleien. Ein Igel schlug mit einem Krug nach einem andren, weil der dessen Frau zu nahe gekommen war, und ein paar Füchse scheuchten Waldhühner auf, offenbar weil ihnen das Spaß machte. Margot saß indessen auf ihrem Schemel und verhielt sich ruhig. Ich muss hier weg, muss Peter finden.
Immer wieder und von Zeit zu Zeit, kamen Neugierige gelaufen, gekrabbelt oder geflogen, sahen sie an, beschnüffelten sie und kicherten. Die meiste Zeit aber, hörte sie dem Frosch und seinen Ministern zu. Und plötzlich, nachdem der Froschkönig schon einige Becher Beerenwein getrunken hatte, bemerkte Margot, dass er ungehalten wurde:
„Seht sie euch an, wie sie alle fressen. Und ich? Meine Hauptmalzeit, mein Leibgericht – getürmt!“ Der Uhu versuchte ihn zu beruhigen; wohl bemerkte er, dass sein Herr sich da in etwas hineinsteigerte. „Wir haben noch etliche Fliegen im Kerker, Euer Gnaden, Fliegen, Käfer, Spinnen... ich brauche nur, wenn Ihr es wünscht, sie kommen lassen“ Der Frosch rückte aufgeregt in seinem Thron hin und her. „Fliegen, Fliegen... - Fliegen sind etwas für gemeine Schlammkröten, aber nicht für einen König! Ich verfluche diese flüchtige Schabe und schwöre, wenn sie gefunden ist, dann verschlinge ich sie nicht mit einem Male, sondern ich lasse sie vorher zerfetzen; bei den Flügeln angefangen!“ Der Frosch ballte sein Gesicht zur Faust.

Umso lustiger das Volk tanzte, umso finstrer wurde es um den Frosch.
„Seht ihr den Kerl auf der Bühne? Die Schabe? Den fetten Schaberich mit der Trommel?“ „Ja, Eure Majestät“, sagte Minister Berathraban, „Was ist mit ihm?“ Der Frosch fingerte nachdenklich an seinen Lippen herum. „Er ist fett; nicht wahr? Jede Wette, dass der Kerl mit dem Flüchtigen unter ein und demselben Blatt steckt – jede Wette!“ Margot wurde unwohl und selbst die Höflinge wussten nicht, was sie hätten auf die Mutmaßungen des Frosches antworten sollen. Schließlich traf das ein, was man befürchtet hatte; der König rückte sich in seinem Thron gerade und befahl:
„Holt mir den Kerl mit der Trommel her; ich will ihn fressen! Huark“
„Aber Euer Gnaden“, gab der Uhu zu bedenken. „Ihr werdet damit den Volkszorn heraufbeschwören“ Der Frosch aber: „Volkszorn hin oder her, uäh; ich habe Hunger. Ich bin der Herrscher!“ Also schickte der Rabe im Namen des Königs das Schwein hinüber zur Musikkapelle, um die Schabe abholen zu lassen. „Muss das wirklich sein, Eure Majestät?“, flehte Margot den Frosch, aber den interessierten Margots Worte nicht; die gelbe Fressgier funkelte in seinen Augen.

Die arme Schabe wusste nicht, wie ihr geschehen sollte. Sie stand da, mit dem Ausdruck der Ahnungslosigkeit auf ihrem Gesicht und wie ein Gewitter brach es über sie herein, als der bösartige Frosch ihr eröffnete:
„Meine Minister hier haben mir berichtet, dass du ein Spion meines Vetters Lork, und damit also ein Rebell bist“ Der Uhu sah zunächst verwundert den Raben an und der Rabe den Uhu; ebenfalls verwundert. Schließlich sahen beide baff auf den Frosch.

„Aber ich...“, waren die letzten Worte der Schabe und schon im nächsten Augenblick wurde sie von der Zunge des Frosches gefasst und in dessen Beuteschacht gezogen.

Aber siehe da, der Frosch hatte sich übernommen. Da saß er und bekam das Insekt nicht hinunter; und heraus kam es auch nicht mehr. Wohl war sein Kopf schon im Magen des Lurchs, aber sein Hinterteil ragte noch weit über den Rand von Poggs Maul hinaus. Vergeblich versuchte der Tyrann mit seinen kurzen Ärmchen die Beute zu fassen und schon bald sahen alle Umstehenden, dass der bösartige Wasserpatscher sich im Todeskampf befand. Merkwürdigerweise – darüber wunderte sich Margot sehr – war niemand seiner Minister und der Wachen im Begriff, dem König zu helfen. Im Gegenteil: als ein Mundschenk des Königs Anstalten machte zu helfen, wurde er vom Raben mit Schnabelhieben verjagt.
Grüße,

Heribert Polta
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Re: In den Wäldern jenseits der Zeit III

Beitragvon Nebulös » 20.10.2015, 18:58

Hallo, ich bin ganz neu hier, darum nur eine kurzer, bescheidener Kommentar von mir ;)

Generell finde ich, hast du die Charaktere gut getroffen und die Stimmung kommt gut rüber und alles ist flüssig und angenehm lesbar. Nur ein paar Kleinigkeiten sind mir aufgefallen, die mir persönlich nicht ganz so gut gefallen haben:

Er ließ seine Zunge hervorbrechen und zog und sog sie – schnapp - augenblicklich in sein breites Maul ein.


Hervorbrechen empfinde ich als zu stark dramatisiert, das wirkt fast schon unangenehm beim Lesen, wie "Zunge erbrechen". Ein einfaches "Hervorschnellen" hätte mir besser gefallen.

Ihr war ganz schlecht vom Anblick geworden.


Bei "vom Anblick" bin ich beim Lesen gestolpert. "Von dem Anblick" hätte auf mich weniger störend gewirkt.

Ich weiß nicht, ob das in Kinderbüchern so gemacht wird, aber du schreibst ja auch, dass es doch keine Kindergeschichte werden soll: Mir persönlich (andere mögen das anders sehen) gefällt es nicht, wenn da solche "Geräusche" wie "uäh", "huh" , "schnapp" einfach so in Sätzen auftauchen. Das wirkt auf mich als wolle man einen Comic nachahmen. Viel besser finde ich es so, wie du es oben gemacht hast:

wischte er sich mit der Zunge zufrieden über seine gallertigen Augen und stieß ein grobes Örk auf.


Da schreibst du ja auch nicht einfach nur:

...wischte er sich mit der Zunge zufrieden über seine gallertigen Augen. Örk.
Nebulös
 
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Re: [Fanty] In den Wäldern jenseits der Zeit III

Beitragvon Heribertpolta » 05.11.2015, 10:14

Hallo Nebulös,

habe mich über deinen Komentar gefreut. Werde mir as alles noch einmal genau ansehen!

Grüße!
Grüße,

Heribert Polta
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