[Fanty] In den Wäldern jenseits der Zeit IV

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[Fanty] In den Wäldern jenseits der Zeit IV

Beitragvon Heribertpolta » 22.10.2015, 18:17

In den Wäldern jenseits der Zeit


IV


„Warum hilft ihm keiner!“, schrie Margot, „Man muss ihm doch helfen!“ Jetzt bemerkte auch die Allgemeinheit, dass etwas nicht stimmte. Zunächst sahen die Tiere nur verwundert zu, aber schon standen einige auf und andere riefen: „Der König, der König! Irgendetwas stimmt nicht mit dem König!“ Jetzt wollte Margot dem Frosch zu Hilfe eilen, aber ehe sie sich versah, versperrte das haarige Schwein den Rettungsweg.
Der Frosch indessen bebte. Ersticktes Keuchen drang aus ihm hervor und seine glitschige Haut wurde gräulich, die Augen traten hervor und man konnte glauben, dass sie jede Sekunde aus den Höhlen schießen würden.

Der Todeskampf des Frosches schien ewig zu dauern. Er griff nach dem Uhu, flehte um Hilfe, aber das gemeine Tier wich einen Schritt zurück. Auch das Schwein ging Rückwärts; auch der Rabe. Seine schwarzen Augen sprachen: stirb, stirb endlich! Die ängstlichen liefen und flogen davon: Rehe, Hasen, Sperlinge.

Schließlich war es vorbei. Der Frosch, der sich in einem letzten Aufbäumen aus dem Thron gehoben hatte, lag am Fuße des Hügels tot im Weinlaub. Aus seinem Maul ragte das Hinterteil einer für ihn viel zu großen Mahlzeit.

Mehr gerüstete Wildschweine kamen gelaufen; sie trieben das Volk hier auseinander, kreisten es da wieder ein. Alles rannte kreuz und quer, flatterte auf und ab. Margot, die im Tumult unbeachtet geblieben war, flüchtete sich zunächst hinter einen Baum, bestieg ihn dann und versteckte sich in seinem Laub. Von dort oben aus hörte sie, wie sich der Uhu zum König ausrief, vernahm aber auch, dass der Rabe dagegen protestierte. Der Keiler bekam von Minister Berathraban Befehl, den Uhu festzunehmen, aber der Uhu schrie ins tobende Volk, dass der Rabe den König ermordet hätte. Dann schien es, dass das Schwein sich auf die Seite des Uhus schlug und befahl einigen Keilern, den Raben in Gewahrsam zu nehmen.

Irgendwo über Margot, brach Lärm über den Wald herein: es war ein Geschwader Krähen mit eisernen Schnäbeln und Krallen; sie attackierten den Uhu und die Schweine; alle mussten schwer in Deckung gehen. Minister Berathraban, auf dessen Befehl die Krähenflotte offenbar gekommen war und der nun scheinbar den Sieg um den Thron davongetragen hatte, nahm dem toten Pogg die Krone vom Kopf, ging dann zum kleinen Thron mit der Schale, pickte das Frosch-Ei mit dem sich darin befindlichen Pogg II. heraus, verschluckte es und lachte daraufhin schäbig. Margot indessen, wagte es nicht, sich zu rühren; sie lag auf ihrem Ast und hoffte, nicht entdeckt zu werden. Sie hoffte, dass dieser Albtraum bald ein Ende haben würde, und dass sie endlich, endlich Peter suchen könne.

Margot war kalt. Als sie meinte, dass alles ruhig war, kletterte sie aus dem Geäst und lief in die Richtung, aus der sie am Abend zuvor gekommen war. Sie rutschte das Hügelchen wieder hinab und entschied, dem Bachlauf weiter zu folgen, denn irgendwann und irgendwie, so dachte sie, musste das Wasser aus dem Gehölz hinauslaufen, hinab in ein Tal, womöglich in eine Ortschaft, wo sich Menschen befinden.

Nach einiger Zeit machte der Bach eine Biegung und sie sah, dass sich hinter der Kurve eine Brücke übers Wasser beugte. Sie überquerte den Übergang und wurde auf einen hölzernen Wegweiser aufmerksam, der an einen Baumstamm geschlagen war. „Zum Lichterwald“, stand darauf. Zum Lichterwald, dachte Margot, das klingt freundlich, also machte sie sich auf den Weg und wurde kurze Zeit später direkt in einen Hohlweg geführt, der links und rechts von hellen Birken überdacht war. Sie folgte dem Pfad, der immer bergauf führte.

Geschafft!, dachte sie, als sie oben angekommen war. Die Spitze des Berges war weitgehend unbewaldet und Margot hatte einen klaren Blick über ein Tal, das sich unter ihr ausbreitete. Es war eine weite Senke und dahinter zeichneten sich in Blau- und Grautönen mehrere neue Hügelketten ab. Das Mädchen sank auf die Knie, ließ den Kopf hängen und schluchzte: „Schon wieder Wald. Überall Wald. Wald, Wald, Wald“ Wie soll ich da nur Peter finden? Tatsächlich waren bis zum Horizont nichts als Bäume zu sehen; einer neben dem anderen; bis weit hinter zur Kimmung. Dicke Tränen kullerten über ihre runden Wangen. Sie rollte sich eng zusammen und verbarg sich unter ihrer hennaroten Haarmatte, so wie sie es immer machte, wenn sie traurig war.

Diesmal war es ein fester Schlaf gewesen, aus dem sie schwer aufwachte und anfangs nicht wusste wo sie war. Doch dann fiel ihr alles wieder ein. Abermals war es Abend geworden uns als sie in den Himmel schaute, sah ihr eine Lichtkuppel, die sich überm Wald aufwölbte. Sie stand auf, blickte hinab ins Tal und staunte. – „Lichter. Überall Lichter. Eine Stadt!“

Sie lief den Berg hinunter so schnell sie konnte und es das Gelände zuließ. Nein, man könnte sogar sagen, sie stürzte hinunter. „Eine Stadt! Menschen! Peter!“

Es war ein heller Wald. Die Blätter der Bäume leuchteten in kräftigem Grün und es gab Sträucher, an denen weiße Stern-Blüten leuchteten und überall tanzten Glühwürmchen. Außerdem schneite es glitzernden Staub, der überall im Walde haften blieb und alles erstrahlen ließ. Margot staunte, als sie auf den Bäumen putzige Eichelwesen sah; Eichelmännlein und –weiblein mit lustigen Eichelkäppchen und alle hielten kleine Laternen in den Händen. Sie tanzten auf den Ästen und verschwanden manchmal hinter kleinen Türchen im Baum.
Am Wegrand standen Pilze mit bunten Hüten, die manchmal so groß waren wie Margot selbst; manchmal sogar größer, und einige von ihnen hatten lustige Gesichter mit langen Nasen. „Elfen!“, rief Margot, „Elfen, richtige Elfen!“ Tatsächlich schwebten überall Alben-Wesen, kicherten und lachten, drehten Pirouetten in der Luft, klatschten in die Hände und sangen piepsige Lieder. Ihre Flügel schillerten in Regenbogenfarben und wenn sie ganz dicht beieinander flogen, dann malten sie Licht-Muster in die laue Waldluft.
„Waldkinder sind das“, sagte plötzlich eine freundliche Stimme hinter ihr, „Keine Elfen“
Grüße,

Heribert Polta
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