Ist jemand Experte für die Highland Clearances?

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Ist jemand Experte für die Highland Clearances?

Beitragvon KatiaBenego » 28.08.2015, 17:02

Liebe Community

Für meinen teilweise historischen, teils fiktiven Roman recherchiere ich gerade echt viel und intensiv. An einer Stelle beisse ich mir aber ein wenig die Zähne aus: Und zwar bei der Stelle, wo es um die Clearances geht. Kann mir da jemand helfen?

Und zwar sind meine beiden Protas im Jahr 1883 aus diversen Gründen darauf angewiesen, zu Fuss durch die Highlands zu stapfen.

WICHTIGER HINWEIS: Es darfen auch Abweichungen und fiktive Orte sein. Selbst heute leben in den meisten Dörfern in den Highlands kaum mehr als 1000 Leute. Ich denke darum, dass da relativ locker auch das eine oder andere Örtchen weg-, beziehungsweise hinzugedichtet werden kann.

Die vorgesehene Route wäre demnach in etwa so:
Start: Kurz vor Inverness in der Nähe von Loch Moy, dann über Farr nach Dores und von dort aus mit einem Boot über den Loch Ness (der Breite durch, nicht die Länge) und von da aus ziemlich geradewegs nach Norden, bis ca. Carbisdale Castle in der Nähe von Lairg.

Frage 1: Wäre es wirklich möglich, dass die beiden Protas abgesehen von einem Schäfer keiner einzigen Menschenseele begegnen? Das wäre nämlich gut für meine Story. Aber waren die Clearances wirklich so gnadenlos, dass in den Highlands nur noch gespenstisch leere Gehöfte vorzufinden waren?

Frage 2: Wäre es dennoch möglich, dass die Protas in der Höhe von Lairg einige ehemals vertriebene Highlander antreffen, die für mehrere Generationen als Crofters unterwegs waren und nun Dank einem grosszügigen Laird wieder zu ihrer alten Heimat zurückkehren durften? 1883 wäre ja 3 Jahre vor der Gründung der Crofter Holding Acts. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt ja schon länger eine politische Sensibilisierung gegenüber den Crofters im Gange, so dass dies doch theoretisch wirklich möglich sein könnte?

Danke schonmal im Voraus für eure Hilfe!

Liebe Grüsse
Tabea
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Re: Ist jemand Experte für die Highland Clearances?

Beitragvon Tinki » 28.08.2015, 19:03

Hi,

Ich kann dir bei deiner Frage zwar leider nicht helfen, aber vllt die gute Dame hier. Wohnhaft Schottland. Vllt. kennt sie die Gegend & kann dir da behilflich sein. Viel Erfolg, Highlander. 8)
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Re: Ist jemand Experte für die Highland Clearances?

Beitragvon Badabumm » 28.08.2015, 21:07

Was bedeutet in diesem Zusammenhang "Clearance"? Alle sechs Bedeutungen, die im Longman stehen, kann ich nicht zuordnen. Und ein Fachbegriff aus dem Flugverkehr ist nicht gemeint, oder?
.
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Re: Ist jemand Experte für die Highland Clearances?

Beitragvon KatiaBenego » 28.08.2015, 21:41

Hallo Tinki
Jaa genau sie habe ich auch schon gefragt in ihrem "Stell dich vor"-Thread. Habe nur noch keine Antwort ;)

Hey Badabumm
Wenn du den Begriff "Highland Clearances" suchst, dann findest du die Art von Clearance, die ich meine.
Damit ist die Räumung der Highlands in Schottland im 18. und 19. Jahrhunder gemeint. Damals haben die Grossgrundbesitzer (Lairds) die Bauern vertrieben, damit die Schaftzucht intensiviert werden konnte. Nur konnte ich noch nicht ganz herausfinden, ob 1. wirklich die ganzen Highlands geräumt wurden und 2. die Bauern auch irgendwann wieder zurückkommen durften.
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Re: Ist jemand Experte für die Highland Clearances?

Beitragvon Tinki » 28.08.2015, 22:22

Aah ups, das hat ich überlesen. XD Habs vorhin nur überflogen & als ich deinen Post hier las, direkt daran gedacht.^^
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Re: Ist jemand Experte für die Highland Clearances?

Beitragvon Badabumm » 28.08.2015, 22:41

Ernst Moritz Arndt aus zeno.org:

Ich habe früher oft reizende Schilderungen gelesen von den Verhältnissen der schottischen Schirmherren und ihres Gebietes; sie sind mir wie rechte Patriarchen erschienen und ihre Untergebenen wie ebensoviele Kinder und Kindeskinder, die gern unter dem freundlichen Vater und Großvater standen. Der schottische Laird ist der Herr, der Richter, Beschützer und Vater des Klans, er ist das Haupt einer großen Familie, deren Kleinster und Ärmster doch sein Kind ist und nimmer von ihm gemißhandelt, verstoßen und verlassen werden kann; denn er führt ja seinen Namen, und niemand entehrt doch gern sein Geschlecht. Wenn der geborne Herr, wie die Verteidiger des Lehnwesens uns sagen, seine Unterthanen lieben lernt durch eine Verbindung, welche schon seit undenklichen Zeiten zwischen den beiderseitigen Vorfahren bestand, wenn die Gewohnheit dieser Verbindung endlich eine Art Verwandtschaft und Rücksichten dieser Verwandtschaft erzeugt, so muß er, dessen Namen seine Leute und Mannen führen, mit ihnen in ein wahrhaft väterliches Verhältnis kommen: es muß das Gefühl einer Blutsfreundschaft entstehen, wo der eine sich als Vater und die andern sich als Kinder fühlen. So meinen wir gern, weil wir Gerechtigkeit und Tugend von Natur lieben. Aber gar anders steht auch hier die Wirklichkeit. Die schottischen Lairds waren vor ein paar Jahrhunderten bei roherer und genügsamerer Einfalt der Sitten vielleicht freundlichere und mildere Herren als ihre jetzigen Urenkel. Jetzt muß man die Klagen der edleren Britten und die Berichte der Reisenden hören, welche in dem letzten Halbjahrhundert Nordschottland und die westlichen und nördlichen Inseln besucht und sich um das Schicksal ihrer Bewohner bekümmert haben. Die Herren bringen in London, in den Bädern, bei den Wettrennen, in den schönen Südländern jenseits des Meers ihre Zeit und ihr Vermögen in Üppigkeit durch, und Rentmeister und Verwalter sind die herzlosen Stellvertreter des Patriarchen des Klans; jedes Jahrzehend bringt[284] neue Plackereien und erhöheten Pachtzins der Ländereien, die als des Lairds Eigentum betrachtet werden; ja die Inhaber werden auch wohl von den kleinen Höfen abgetrieben, um spanischen Schafherden, deren Wolle mehr einbringt, Platz zu machen, und dem Druck und der bittern Armut zu entfliehen segeln jährlich Tausende in einen andern Weltteil, wo sie wenigstens keine solche patriarchalische Schutzherrschaft zu fürchten haben.

So bist du, o Mensch, und so bin ich Mensch, so sind die meisten unsers Geschlechts, daß es im Staate nimmer wohl bestellt steht, wenn das mit Beilen und Ruten bewaffnete und um das Scepter des Herrschers geflochtene Gesetz das ungeschriebene Gesetz in unsrer Brust, welches uns von selbst alle Pflichten der Menschlichkeit zu üben befiehlt, nicht ergänzt und verstärkt. Ich habe eben gesagt, daß es was Schönes und Erhebendes ist um den poetischen Glauben, der immer unwillkürlich aus unserm Innersten hervordringt, als sei in den Zeiten vor uns alles glücklicher, besser und gerechter gewesen. Außer diesem poetischen Glauben, der in der Brust des Königs wie des Tagelöhners wohnt und ein mattes Bild des hellen Urbildes der Gottheit ist, giebt es einen andern poetischen Glauben, den poetischen Glauben der Poeten selbst, den Glauben der Dichter, der uns ebenso heilig ist als jener erste.


Sieht ganz so aus, als ob die Vertreibung bleibend beschrieben wurde. Allerdings lese ich auch, dass die Besitztümer der Lairds an englische Besitzer ebgetreten werden mussten:
Noch sind die Tlans (s.d.) bei den Bergschotten nicht ganz vergessen, obgleich die meisten Güter seit 1746 aus den Händen der ursprünglichen Häuptlinge (Lairds) in die anderer Besitzer übergegangen sind.
Pierers Universal-Lexikon 1857

Jaja, Recherche kann spannend sein...
.
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Re: Ist jemand Experte für die Highland Clearances?

Beitragvon Arminius » 28.08.2015, 23:09

Badabumm hat geschrieben:Was bedeutet in diesem Zusammenhang "Clearance"? Alle sechs Bedeutungen, die im Longman stehen, kann ich nicht zuordnen. Und ein Fachbegriff aus dem Flugverkehr ist nicht gemeint, oder?

Schau mal hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Highland_Clearances
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Re: Ist jemand Experte für die Highland Clearances?

Beitragvon KatiaBenego » 28.08.2015, 23:40

Danke für das posten des interessanten Zeitzeugnis. Leider ist es nich das, was ich suche:
1857 waren die Clearances wirklich noch im vollen Gange.

Aber ab den späten 1870ern wurde die Bevölkerung auf die Situation immer mehr sensibilisiert. Das hat in Irland mit den Home-Rules begonnen. Dann schrieben erste Journalisten darüber, 1882 war in Skye sogar eine kleine Schlacht (Battle of Braes) und ab 1886 wurde es mit den neuen Acts verboten, dass Bauern vertrieben wurden. Meine Geschichte spielt nun in dieser Zeit.

Was ich wissen will:

Waren die Highlands komplett leer vorallem in oben beschriebener Gegend?
Kehrten je welche Highlander zurück? Wann begann denn wieder die Besiedelung dort?

Vielleicht weiss jemand ja auch, wo ich da gute Infos erhalten? Einem Museum dort anrufen?
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Re: Ist jemand Experte für die Highland Clearances?

Beitragvon Ballater » 28.08.2015, 23:54

Hey KatiaBenego,
du bist ja noch ganz frisch hier, mein herzliches Willkommen erstmal :flowers:

Ich war schon öfter in Schottland, bin auch schon durch den hohen Norden gefahren und kann dir versichern, dass man auch heute noch (zumindest außerhalb der regen Tourizeiten) noch ewig durch die Gegend fahren kann, ohne eine Menschenseele zu begegnen. Selbst die einzigen Hauptverbindungsstraßen im hohen Norden sind heute noch einspurige Wege. Skye ist allerdings so touristenlastig heute (danke der Verbindung über die SkyeBridge und man von Skye sagt, dass es die Landschaften Schottlands "en miniatour" darstellt), dass ich mir völlige Menschenleere dort nicht wirklich vorstellen kann. Obwohl ich auch dort auf einspurige Straßen gestoßen bin... und den Menschenschlag der Schotten durchaus auch als "vorgebliche Loyalisten" vorstellen kann und im tiefen Inneren doch noch die wahre Highland-Seele schlummert ... aber ok, sind gerade alles nur Mutmaßungen, tut mir Leid, die bringen dir natürlich nichts weiter :oops:

Ich bin jetzt leider nicht zu Hause, aber ich meine, ich hätte Zuhause Literatur über die Highland-Clearances druckfrisch aus Schottland... und leider auch noch ziemlich ungelesen, weil mein Englisch dann doch wieder zu schwach ist, um es als entspanntes Lesevergnügen zu genießen.
Wenn du warten kannst, schaue ich nächste Woche mal nach.
Deine Fragen machen mich gerade sogar selbst neugierig, wie es zu der Zeit zuging. Ich bin ja eher infiziert, dank Diana Gabaldon, für die Zeit vor den Highland Clearances, aber soviel habe ich auch noch in Erinnerung, wie Badabumm, dass die schottischen Lairds durch englische "Freiherren" ersetzt wurden und ziemlich wenig Verbindung mit dem gemeinen schottischen Volk verspüren dürften...

Also nimm es hier gerade mal als Erinnerung an mich selbst :girl:
Lg Betty
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Re: Ist jemand Experte für die Highland Clearances?

Beitragvon KatiaBenego » 29.08.2015, 00:31

Liebe Tinki

Kein Problem, danke trotzdem :wink:

Liebe Betty

Danke fürs nachträgliche Willkommen heissen :girl:
Oh, das wäre ja echt super! Auch cool, dass du soviel über schottische Wege bescheid weisst!
Ja vorm Recherchieren auf englisch graue ich mich auch ein wenig. Aber wenn ich nicht drum herumkomme, dann ist das eben so.
Wir waren auf einem interessanten Freilicht-Heimatmuseum über die Highlands. Leider hat uns die Reiseführerin viel zu wenig Zeit gegeben, als das ich darüber was erfahren hätte. Gut, es war damals auch noch nicht mein Thema. Aber dieses Museum könnte ich bestimmt kontaktieren.
Ja das mit Skye finde ich auch wirklich grauenhaft. :|

Oje mit der Gabaldon kannst du mich jagen. Das nimmst du mir hoffentlich nicht persönlich und bist trotzdem gewillt, mir noch zu helfen :girl:

Aber super! Dann kann ich meine erste Frage immerhin schon mit "plausibel" beantworten.
Dann bin ich gespannt, ob wir da noch was rausfinden. Die Leute dort müssen auch nicht unbedingt Crofters sein. Für die Geschichte ist nur wichtig, dass die Protas nach tagelangem Umherirren in den Highlands auf Hilfe stossen und einen Ort finden, bei welchem sie den Winter über bleiben können. Es darf allerdings kein allzu grosser Ort sein. Inverness fällt auf alle Fälle weg. Mit Ullapool könnte ich mich noch anfreunden, war ich auch schon. Müsste dazu aber auch nochmal über die Bücher, bzw. durchs Netz. Habe nur gedacht, wäre doch mal schön, wenn in meinem sonst eher düsteren Roman auch mal erfreulichere Dinge vorkommen. Z.B. ein lieber Laird, der sein Volk gerne wieder zurückholen und unterstützen will. Ein professioneller Sozialarbeiter-Laird :XD: haha

Und jetzt wünsche ich eine gute Nacht :wink:
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Re: Ist jemand Experte für die Highland Clearances?

Beitragvon Minna » 29.08.2015, 02:28

Hallo Tabea,
dann schaue ich mal, inwiefern ich dir helfen kann.

Zu erstens: Wollen deine Charaktere niemandem begegnen? Wenn ja, dann haben sie gute Chancen, dass zu schaffen. Oder wollen sie schnell reisen? Dann dürften sie sich an die größeren Straßen halten und durch größere Siedlungen kommen. Selbst in kleineren Siedlungen sind nach meinen Informationen immer noch 1-5 Familien geblieben. Oft wurden auch die ursprünglichen Bewohner vertrieben und neue Farmer aus den Lowlands angesiedelt
Das heißt theoretisch müsstest du die Route sehr genau und für jede Station einzeln recherchieren. Ich halte es zum Beispiel für unwahrscheinlich, dass die Black Isle unbewohnt war. Sie gilt ja immer noch als eine der fruchtbarsten Gegenden in Nordschottland und hat, würde ich vermuten, Nahrung für die Umgebung geliefert, allem voran natürlich Inverness. Aber wahrscheinlich lebten auch dort nicht mehr die ursprünglichen Bewohner, sondern Siedler aus den Lowlands. Das Gebiet darüber dürfte relativ leergefegt gewesen sein, da besonders die Sutherlands als besonders brutal und gründlich bei den Clearances beschrieben wurden. Ich schätze mal, wenn du von Dingwall aus direkt nach Norden wanderst, dürftest du auch heute niemandem begegnen.
Wie es zwischen Moy und Dores ausgesehen hat weiß ich nicht genau. Ich bin mir aber sicher, dass zumindest Dores als Fischerort bewohnt gewesen seien dürfte. Wenn man sich eine Karte der Gegend ansieht, würde ich schätzen, dass zwischen Moy und Farr nur Schafe gelebt haben, da es dort überwiegend Moor und Hügel zu geben schein. Die Gegend zwischen Farr und Dores sieht flacher aus, dort könnte auch weiter Landwirtschaft betrieben worden sein.

Oh und die OS Explorer Karten zeigen ziemlich genau Ruinen (Hut Circles) an. Damit sollte man auch rausfinden können, wo sich früher Dörfer und Gehöfte befunden haben.

Außerdem solltest du nochmal die Stops der Inverness and Ross-shire Railway und der Sutherland Railway bei Wikipedia nachschlagen. Lairg zum Beispiel war auf Grund seines Bahnhofes ein durchaus wichtiger Ort. Die Haltestellen dürften also alle besiedelt gewesen sein.

Diese Seite hier gibt ziemlich viele Informationen zu den Clearances: http://www.cranntara.org.uk/clear.htm

Zu Frage 2: Aufgrund der schon erwähnten Mentalität der Sutherlands glaube ich nicht, dass um diese Zeit Menschen zurückkehren durften. Das wäre meines Erachtens nach sehr unrealistisch. Ja die Öffentlichkeit begann langsam sich mit dem Problem zu befassen, aber sämtliche Besichtigungen wurden so gestaltet, dass die Armutsprobleme und die Entvölkerung gar nicht bemerkt wurden und die unabhängigen Gutachter kamen alle zu dem Schluss, dass nur die Faulheit der Bewohner an deren Armut schuld sei. Diejenigen, die sich damit befassten waren vor allem Journalisten, die dann auch mal nach Frankreich fliehen mussten, wenn sie zu kritisch gegenüber den Landbesitzern wurden.

Ich hoffe das hilft ein bisschen weiter.
Liebe Grüße
Minna
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Re: Ist jemand Experte für die Highland Clearances?

Beitragvon KatiaBenego » 31.08.2015, 18:09

Liebe Minna!

Danke für deine sehr ausführliche Antwort. Das hat mir sehr weitergeholfen. Hab leider schon befürchtet, dass es unrealistisch wäre, dass Crofters zurückkehren durften. Ich hatte nur die Vorstellung so schön gefunden. Nun muss ich mir andere Leute ausdenken, die den Protas helfen.
Ullapool und Lairg sind gerade beim Rennen des neuen Ortes an der Spitze, aber ganz festlegen will ich mich da noch nicht. Könnte auch was fiktives sein.
Zu deiner Frage, ob meine Protas wollen, dass sie niemandem begegnen:
Sagen wir es so:
Sie müssen von Edinburgh mit dem Zug fliehen. Der Zielort spielt weniger eine Rolle. Vorerst wollen sie einfach schnellstmöglich die Stadt verlassen und untertauchen. Da habe ich sehr viele Freiheiten, welche Richtung sie einschlagen wollen. Das Sekundäre Ziel wäre dann an die Nordküste an einen fiktiven Ort zwischen Sutherand und Caithness zu gelangen, weil sie dort auf Hilfe hoffen. Mein bisheriger Plan ist, dass sie auch bei der ersten Destination nicht in Sicherheit sind, bzw. dass sie den Zug noch vor Erreichen des Bahnhofes ungesehen verlassen müssen und mehr oder weniger in der Pampa landen. Sie kennen sich in den Highlands auch nicht sonderlich gut aus, d.h. ich werde auch keine kleinere Ortsnamen nennen. Nun wäre es für die Charackterenentwicklung wunderbar, wenn sie vorerst zwar auf Hilfe hoffen aber mehrere Tage keine finden. Nach einigen Tagen werden sie gerettet und können an diesem Ort auch gleich den Winter verbringen. Es sollte ein Ort sein, bei dem sie sich gut aufgehoben und wohl fühlen, ein Ort bei dem sie sich auch vorstellen könnten, sesshaft zu werden (wäre da nicht, dass...) Nach dem Winter geht die Reise in den Norden dann weiter.
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Re: Ist jemand Experte für die Highland Clearances?

Beitragvon Ballater » 01.09.2015, 20:28

Hey Tabea,

bin wieder daheim angekommen und gleich meine "Bibliothek" auf Kopf gesetzt.

Ich habe dieses Büchlein gerade in der Hand... leider tatsächlich, wie der Titel schon vermuten lässt auf Englisch ... ziemlich kleingedrucktem und kompliziertem Englisch. :ugeek:

Wenn du Interesse hast, kann ich es dir ausleihen, einfach per Büchersendung hin und her geschickt, kostet ein Euro. Dann schreib mir einfach eine PN mit deiner Adresse. Wenn du nicht magst, auch kein Problem ... :mrgreen:

Der Inhalt ist nach den Regionen Schottlands eingeteilt, Sutherland, Ross-shire, Inverness-shire ...

Dann will ich mir mal deine Route anschauen ... ob ich da schon mal war 8) ...
(Fortsetzung folgt)

Edit: Ah, ich sehe gerade, du kommst aus Basel. Na, da kommen wir wohl nicht mit dem Euro hin, aber wenn ich dir dadurch verhelfe, einen Bestseller zu schreiben, kriegen wir das auch noch hin :XD:
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Re: Ist jemand Experte für die Highland Clearances?

Beitragvon Ballater » 01.09.2015, 21:54

Loch Moy, sagt mir schon mal nichts, dort ist es schon ziemlich flach wenn man aus den Grampian Mountains kommt (dort gibt es im Übrigen einen Ort namens "Ballater" ;-) )
In diesem Zusammenhanng (...weil in Ballater die königlichen Hoflieferanten ansässig sind, die seit Queen Victoria die Royals auf Balmoral Castle beliefern): Auch die Liebe Queen Victorias zu Schottland hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Schottland wieder "salonfähig" wurde und wachsender Beliebtheit unter den Engländern für den rauen Norden erwuchs. - Genau zeitlich einordnen kann ich es nicht, aber so etwa 1860er / 70er würde ich es einschätzen. Vielleicht findest du in diese Richtung auch noch brauchbares Material, gute Gründe ...

Zu dem Weg vom Loch Moy nach Dores kann ich dir wenig sagen, über den Loch Ness wird es aber bestimmt kleine Boote mit "verschwiegenen" Fährmännern geben, wenn man ihnen den passenden Argumente liefert. Dann hoch Richtung Beauly, würde ich sagen, den hatte früher eine Priory, und dort ging schon früh eine Brücke und die Eisenbahn lief / läuft auch dadurch.

Hoch oben in der Gegend um Lairg ist ... Ich bin da nur einmal durchgefahren, ist auch schon zehn Jahre her aber ich meine mich noch zu erinnern, dass die Straße von da entlang des Loch Shin so ziemlich die einsamste Strecke ist, die ich dort je gefahren bin, von dort weiter nach Norden, Richtung Durness wird die Landschaft sehr felsig und rau, weit und breit nichts und ich kann mir gut vorstellen, dass es dort schwierig gewesen ist, eine Menschenseele auszumachen. Hast du dir schon mal Google StreetView angeschaut, um dir ein Bild von der Gegend zu machen?
Zudem werden deine Protas mit Sicherheit auch zu Fuß unterwegs sein und wenn sie die Gegend nicht kennen und das Wandern in unwegsamen Gelände nicht gewohnt sind, werden sie sich nicht nur schwer orientieren können, sondern auch an herbstlichen Tagen, wenn die Wolken schon mal gerne tief hängen, und der Untergrund arg rutschig und steinig ist, werden sie dort nur wenige Meilen am Tag vorankommen und wer weiß, ob nicht im Kreis? :twisted:

Die Herrensitze werden auch weiterhin von kleinen Siedlungen umgeben sein, schließlich will so ein Laird ja auch versorgt und bedient werden. Und gerade ganz hoch im Norden, vielleicht dichtest du dir einen Laird zurecht, der vielleicht aus dem alten Geschlecht stammt und nur den Eid auf die Englische Krone schwor, um sein Anrecht auf das Land zu bewahren... oder ist die Schwester des Lairds mit so einen raubeinigen Schotten durchgebrannt und in ihrem Andenken hat er vielleicht ein Herz für zwei verirrte Seelen.
Oder gib ihm einen anderen Grund, sie aufzunehmen. Besitzen deine Protas vielleicht irgendwelche Informationen, die er ausnutzen möchte? Können deine Protas ihn vielleicht irgendwomit erpressen?
Die Schotten sind im Übrigen auch heute noch sowas von gastfreundlich, sie helfen, laden ein, so unbekümmert, dass unsereins schon ganz misstrauisch wird. Wir waren in einem kleinen Ort im Norden, wo ein Geschäft/Café ziemlich zuckersüße Fudges anbot und gegessen hat man es bei Opa im Wohnzimmer, nur mal so als Beispiel. :XD:
Ich würde zumindest glauben, dass deine Protas dort oben im Norden Unterschlupf geboten bekommen, passe nur die Gegebenheiten an, ein klein bisschen die Wahrheit verbiegen und ich denke, da wird niemand einen Gedanken drüber verschwenden, ob das realistisch ist.

Ich hoffe, ich konnte dir etwas weiterhelfen ....?

LG Deine Betty

P.S. Und nein, natürlich verüble ich dir nicht die Abneigung gegen DIE Highlandsaga schlechthin ;-)
Ich mag i. Ü. auch eher die Bücher, von der Serie bin ich noch nicht über die erste Folge hinaus gekommen.
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Re: Ist jemand Experte für die Highland Clearances?

Beitragvon KatiaBenego » 04.09.2015, 19:57

Liebe Betty

Danke für dein Nachforschen. Das ermutigt mich sehr, dass die Gegend da oben so ist, wie ich es mir für meinen Roman erhofft habe. Die Idee mit dem im Kreis laufen gefällt mir *Wie Mr. Burns die Hände aneinander falt* ausgezeichnet :twisted: Wuhuu

Genau! Für den fiktiven Laird im Norden hat es durchaus seine Gründe, wieso sie ausgerechnet zu ihm wollen. Allerdings wäre das ein viel zu grosser Spoiler, wenn ich die Gründe dafür hier einfach so kund tue 8) 8) 8) Falls dich meine Pläne aber interessieren, können wir sonst auch gerne über PN weiter schreiben :mrgreen:

Also suche ich jetzt nach einer liebevollen Familie auf dem Land, die irgendwelche Städte beliefern und sich den Winter über um die Protas sorgen könnten und recherchiere noch ein wenig. Dann brauche ich mich ehrlich gesagt momentan auch nicht mehr weiter über die Clearances einzulesen. Aber falls doch, dann wende ich mich nochmals gerne an dich.

Dir ein fetter Schmatzer für deine Hilfe! :girl:

Liebe Grüsse
Tabea
Zuletzt geändert von KatiaBenego am 04.09.2015, 22:58, insgesamt 1-mal geändert.
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