[Spannung]Jagd im Zug (1/2)

Krimi, Thriller, Horror, Geistergeschichten, Abenteuer und alles andere, was die Nackenhaare zu Berge stehen lässt.

[Spannung]Jagd im Zug (1/2)

Beitragvon Aikaterini » 18.08.2015, 02:12

Hallo, liebe Autorenkollegen und Kritikwütige :wink:

Hier der Anfang meiner Thriller-Kurzerzählung, ich freu mich über jede Anmerkung.


Endlich ...
Mit einem Seufzer ließ sich Cia in den dunkelblauen Sitz fallen, während die anderen Fahrgäste an ihr vorbeiströmten. Sie verkroch sich sogleich dicht ans Fenster und kühlte ihre heiße Stirn an der Scheibe. Nur knapp hatte sie den Eurocity-Zug eingeholt. Nochmal Glück gehabt.
Ruckelnd setzte sich die Bahn in Bewegung. Nachdem die letzten Passagiere ihr Gepäck verstaut und einen Platz gefunden hatten, klang auch das Stimmengewirr ab. Cia sah auf den Monitor am Bahnsteig und las die vorbeigleitenden Lettern: München Hbf 9:38. Sie lehnte sich in den Sitz zurück und beobachtete die Regenperlen, die dicht neben ihrem Gesicht auf dem Glas vorbeirollten. Bloß eine Stunde, dann bin ich in Kufstein bei Mama.
Bei dem Gedanken streifte sie unwillkürlich mit den Vorderzähnen über ihr Ring-Piercing in der Unterlippe. Mamas schneidende Stimme geisterte durch ihren Kopf. Wer wird dich mit diesem Metall im Gesicht als Musiklehrerin ernst nehmen?
Cia verzog den Mund, als das Gewissen ihr einen Stich durch die Brust verpasste. Seit einem Jahr schon studierte sie in München und ließ Mama im Glauben, dass sie anschließend ins Lehramt überwechseln würde. In Wahrheit verbrachte sie ihre ganze Freizeit im Keller des Studentenwohnheims und übte mit ihrer Band. Als Leadsängerin durch Deutschland zu touren, war mittlerweile nicht mehr nur ein Traum, sondern ein festes Ziel.
Wie soll ich es ihr bloß sagen? Cia folgte mit der Fingerspitze der Tränenspur eines Regentropfens. Bislang hatte Mama noch nicht ein einziges ihrer selbstkomponierten Lieder gehört.
Zum Teil konnte Cia sie verstehen. Papa hatte sie verlassen, da war sie selbst noch in den Kindergarten gegangen. Als alleinerziehende Mutter wollte Mama bloß das Beste aus ihr herausholen, damit sie niemals von einem Mann abhängig war. Sie hatte bereits schlucken müssen, als Cia ihr von ihrer Studienwahl erzählte hatte und sich damit die jahrelange Algebra- und Goethe-Büffelei als vergebliche Mühe erwiesen hatten.
Cia kramte aus ihrem Rucksack die Thermoskanne hervor, klappte das Kunststofftablett herunter und schenkte sich eine Tasse dampfenden Kaffee ein. Allein der Gedanke einzuschlafen und sabbernd im Sitz zu hängen, ließ sie frösteln. Sie hasste jeglichen Kontrollverlust. Aus dem Grund saß sie auch immer in einen der hinteren Reihen, so dass sie freie Sicht auf den Gang des Wagons hatte.
Mit einem leisen, maschinellen Sausen öffnete sich die Glastür neben ihr. Cia drehte den Kopf zur Seite und blickte entlang ihres schrägen Ponys zum Kontrolleur auf. Unter dichten Brauen und Schlupflidern sahen sie grünbraune Augen an. Die Falten in dem Gesicht wurden tiefer, als sich ein Schmunzeln unter dem Schnurrbart ausbreitete.
Cia erwiderte es und reichte ihm den Fahrschein zusammen mit der Bahnkarte. Seit Beginn ihres Studiums kannte sie den Kontrolleur. Ganz gleich wie voll der Zug war, er begegnete ihr stets mit unveränderter Freundlichkeit. In all der Zeit hatte er nur einmal einen persönlichen Kommentar abgegeben, als sie ihr Lippenpiercing frisch hatte stechen lassen. Das passt nicht zu deinen Rehaugen, gingen ihr die Worte nochmals durch den Kopf.
Gedankenverloren sog Cia ihre Unterlippe ein und genoss den Geschmack des Metalls auf der Zunge. Weder der Kontrolleur noch Mama wussten, dass dieses Piercing das geheime Emblem ihrer Rebellion war. Ihr Versprechen nicht als Mamas Vorzeigepuppe innerlich zu vermodern, sondern dem Schrei ihres Herzens zu folgen.
Plötzlich fiel dem Kontrolleur ihre Bahnkarte aus der Hand auf den Teppichboden. Gleichzeitig bückten sie sich danach und stießen sich beinahe die Köpfe an.
Lächelnd sah er sie an und streckte ihr die Karte entgegen. »Entschuldige, Cia.«
»Danke ...« Sie wollte seinen Namen sagen, als ihr zum ersten Mal auffiel, dass sie ihn nicht kannte, obwohl sie sich seit einem Jahr jede zweite Woche sahen. Ihr Blick hastete zu seinem Namensschild: Heinrich Kuhn. Bevor sie ihn aussprechen konnte, hatte er sich aufgerichtet und der Moment war vorbei.
Während sich der Kontrolleur an einen anderen Fahrgast wandte, umfasste Cia die Tasse ihrer Thermoskanne und schüttete den noch viel zu heißen Kaffee hinunter. Natürlich kannte Heinrich Kuhn ihren Namen, er las ihn schließlich jedes Mal auf ihrer Bahnkarte. Und dennoch ... Irgendwie war er seltsam fließend über seine Lippen gekommen. Fast als würde er ihn jeden Tag aussprechen.
Cia verzog das Gesicht beim bitteren Geschmack, der sich in ihrem Rachen ausbreitete. Mit verkniffener Miene sah sie in die leere Tasse. Hab es wohl etwas zu gut gemeint heute.
Heinrich Kuhn drehte sich um und sie beeilte sich ihre Grimasse zu glätten. Sein Blick ruckte zu ihrer Tasse. Das bekannte Schmunzeln breitete sich unter seinem Schnurbart aus, dann widmete er sich dem nächsten Fahrgast.
Cia klemmte die kalten Hände unter ihre Achseln und schmatzte, um die Bitterkeit in ihrem Mund loszuwerden. Naja. Zumindest werde ich nicht einschlafen.

Eine Schwere drückte sich auf Cia nieder und ließ sie nur mühsam die Lider öffnen. »Hm?«
Ihr Sichtfeld war verschwommen, wurde einzig durchzuckt von grellen Lichtstreifen. Mit leisem Brummen rieb sie sich die Augen und schluckte. Meine Zunge ist ganz pelzig. Oh, dieser widerliche Kaffee! Blinzelnd spähte sie in den Gang – und erstarrte am ganzen Körper.
Alle Sitze waren verlassen. Nicht einmal ein einzelnes Gepäckstück lag auf den Eisenstangen über den Rückenlehnen. Der leere Gang schien wie ein Abgrund zu gähnen und sich immer weiter in die Länge zu ziehen. Cias Atem und Herz stockten, als wagten sie es nicht die Stille zu durchbrechen.

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Re: Jagd im Zug (1/2)

Beitragvon Diavolo » 18.08.2015, 07:23

Hallo Alkaterini

Ich habe deine Thriller-Kurzgeschichte gelesen, wenigstens den ersten Teil. Fand ihn sehr spannend und gut erzählt und habe auch nur ein paar Kleinigkeiten, die ich hier erwähnen möchte, die mir aufgefallen sind.

Aikaterini hat geschrieben:Nur knapp hatte sie den Eurocity-Zug eingeholt.


Hier klingt es als würde sie auf den fahrenden Zug aufspringen, aber wenn der abfährt sind die Türen ja bereits geschlossen. Vielleicht erreicht oder etwas anderes?

Aikaterini hat geschrieben: Cia sah auf den Monitor am Bahnsteig und las die vorbeigleitenden Lettern


Hier würde ich statt Lettern, vielleicht Anzeige schreiben, denn so, wie du es schreibst habe ich das Gefühl, dass die Lettern in Fahrtrichtung zu lesen sind.

Aikaterini hat geschrieben:Sie lehnte sich in den Sitz zurück und beobachtete die Regenperlen, die dicht neben ihrem Gesicht auf dem Glas vorbeirollten.


Finde ich eine gute Doppeldeutigkeit: Der Zug rollt und auch die Regenperlen.

Aikaterini hat geschrieben:Wagons


Diese Schreibweise war mir bisher nicht bekannt, aber ich habe gegoogelt, dass man Waggon auch so schreiben kann.

Aikaterini hat geschrieben:schüttete den noch viel zu heißen Kaffee hinunter.


Hier kam mir der Gedanke, dass sie ihn auf den Boden schüttet, obwohl ich schon verstehe, was du damit meinst. Vielleicht gibt es eine andere Möglichkeit, das auszudrücken.

Aikaterini hat geschrieben:Sein Blick ruckte zu ihrer Tasse.


Wie kann ein Blick rucken? Vielleicht hier nur einfach: Sein Blick fiel kurz auf ihre Tasse.

So, das war es schon, viel war es ja nicht, aber vielleicht ein paar Denkanstöße, ansonsten in die runde Tonne. Den zweiten Teil werde ich auch demnächst lesen, der erste Teil hat mich neugierig gemacht, wie es weitergeht.

Liebe Grüße und weiter so
Diavolo
Wie viele Leute schreiben und schreiben und auf dem Papier steht immer nichts!
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Re: Jagd im Zug (1/2)

Beitragvon Aikaterini » 18.08.2015, 10:12

Vielen Dank, Diavolo, für deine Anmerkungen :D

Werde sie auf jeden Fall umsetzen. :)
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Re: [Spannung]Jagd im Zug (1/2)

Beitragvon AlexB » 19.08.2015, 09:56

Guten Morgen Aikaterini :-)

Gleich vorweg: Der Text las sich für mich sehr flüssig und wirkte sehr unverkrampft und natürlich. Angenehm. Und ich hatte gleich Bilder vor Augen. Und man erfährt auch gleich sehr viel über die Protagonistin, wie sie "tickt".

Und ich finde es schön, wie Du die Sache mit dem Kaffee ausrollst, das ist eigentlich eine Nebensächlickeit, aber eben auch noch ein Teil der Normalität, der sie dann wohl bald entrissen wird.


Ich versuche, nicht zuviel zu doppeln, was oben schon angemerkt wurde.

Sie benutzt oft "Mama" was an sich die Richtige Stimmung rüber bringt, aber ein oder zweimal vielleicht "ihre Mutter" würde es etwas auflockern, ohne die Perspektive zu sehr zu verlassen, denke ich.

... vorbeiströmten. Sie verkroch sich sogleich dicht ans Fenster und kühlte ihre heiße Stirn an der Scheibe. Nur knapp hatte sie den Eurocity-Zug eingeholt.


Ich hätte hier weniger salopp "an das Fenster" geschrieben, das kling für mich noch nicht zu kompliziert.
Einholen kann man nur einen Zug, der schon fährt. "Nur knapp hatte sie den Eurocity-Zug erwischt."

Cia verzog den Mund, als das Gewissen ihr einen Stich durch die Brust verpasste.


"Verpassen" passt irgendwie nicht. "Ihr Gewissen versetzte ihr einen Stich durch die Brust"?

Mit einem leisen, maschinellen Sausen öffnete sich die Glastür neben ihr.


"Sausen" ist für mich eher eine Bewegung, und kein Geräusch. Das war in der Ursprünglichen Bedeutung wie in "Sausen und Brausen" sicher einmal anders, aber für mein Gespür versteht das heute kaum noch jemand so.
Vielleicht "Zischen"? oder "rollendes Summen"? Schweirig. Das Geräusch der ICE-Türen würde ich als Zischen bezeichnen. Ist das beim Eurocity genauso? Oder klingen die mehr wie in der Regionalbahn?

Cia drehte den Kopf zur Seite und blickte entlang ihres schrägen Ponys zum Kontrolleur auf.


Das Bild funktioniert für mich nicht. "Entlang" des Ponys? Vielleicht liegt es daran, dass ich nie einen hatte ... in jedem Fall komme ich hier ins stolpern und versuche mir das geometrisch vorzustellen, und das geht schief. Zumindest bei mir.

Unter dichten Brauen und Schlupflidern sahen sie grünbraune Augen an.


Dieser Satz isoliert so die Augenpartie des Schaffners von ihm selbst. Ist das gewollt? Wenn nicht vielleicht "... sahen sie seine grünbraunen Augen an."?

Eine Schwere drückte sich auf Cia nieder und ließ sie nur mühsam die Lider öffnen.


"überkam Cia", oder "ließ sich auf ihr nieder"? "drückte sich auf sie nieder" klingt für mich irgendwie seltsam.

LG,
Alex
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Re: [Spannung]Jagd im Zug (1/2)

Beitragvon Aikaterini » 19.08.2015, 13:21

Vielen Dank AlexB, dass du dich meinem Text gewidmet hast :)

Deine Anmerkungen waren allesamt sehr hilfreich, vor allem werde ich "Mama" öfter durch "ihre Mutter" ersetzen.

Zum letzten Kommentar, ja ich erfinde gerne eigene Ausdrücke, manchmal sogar Wörter xD
Danke, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast. ;)

Noch ganz liebe Grüße
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Re: [Spannung]Jagd im Zug (1/2)

Beitragvon Twippie » 20.08.2015, 10:47

Aikaterini hat geschrieben:Hallo, liebe Autorenkollegen und Kritikwütige :wink:

Hier der Anfang meiner Thriller-Kurzerzählung, ich freu mich über jede Anmerkung.


Hallo liebe Aikaterini,

gerne versuche ich mich an einer Kritik zu dem ersten Teil deiner Kurzerzählung.

Eindruck:
Was mir gut gefallen hat, ist die Nähe zu deiner Protagonistin. Du gibst schön ihre Gedanken wieder.
Trotzdem stellst du die Szenerie bildlich dar, sodass man sie sich gut vorstellen kann.
Der Text lässt sich flüssig lesen, man bleibt fast nie hängen. Auch dafür ein großes Lob.
Mir fehlt in der ersten Passage nur ein wenig der Aufhänger, der die Spannung produziert.

Hier einie Vorschläge von meiner Seite:

Endlich ...


Den ersten "Satz" würde ich restlos streichen. Er vermittelt keine Handlung, stellt keine Person vor, wirft kaum Fragen auf (außer vielleicht: Warum endlich?). Ich finde, der Text funktioniert auch bestens ohne diesen Anfang, vor allem weil in den nächsten Sätzen die Situation gut geschildert wird.

Sie verkroch sich sogleich dicht ans Fenster und kühlte ihre heiße Stirn an der Scheibe.


Ein schönes Bild, das du da beschwörst. Sogleich würde ich aber streichen, weil es hier nur ein Füllwort ist.

Nur knapp hatte sie den Eurocity-Zug eingeholt.


In Deutschland hat man keine Chance, in einen schon losfahrenden Zug zu springen. Das Bild suggerierst du nämlich mit dem Satz. Vielleicht einfach austauschen mit: "erwischt".

Ruckelnd setzte sich die Bahn in Bewegung. Nachdem die letzten Passagiere ihr Gepäck verstaut und einen Platz gefunden hatten, klang auch das Stimmengewirr ab. Cia sah auf den Monitor am Bahnsteig und las die vorbeigleitenden Lettern: München Hbf 9:38. Sie lehnte sich in den Sitz zurück und beobachtete die Regenperlen, die dicht neben ihrem Gesicht auf dem Glas vorbeirollten. Bloß eine Stunde, dann bin ich in Kufstein bei Mama.


Eine sehr anschauliche Beschreibung, super!
Es liest sich auch wirklich nicht langweilig, nur fehlt für mich der Thrill hier, weil keine Gefahr über ihr schwebt und keine offenen Fragen bestehen.

Der nachfolgende innere Monolog ist echt toll geschrieben. Die Protagonistin hadert, wie sie ihrer Mutter das von ihrer Zukunftsplanung sagen soll. Das erzeugt auch Spannung. Liest sich aber auch noch nicht wirklich wie eine Thriller-Kurzgeschichte.

Mit einem leisen, maschinellen Sausen öffnete sich die Glastür neben ihr. Cia drehte den Kopf zur Seite und blickte entlang ihres schrägen Ponys zum Kontrolleur auf. Unter dichten Brauen und Schlupflidern sahen sie grünbraune Augen an. Die Falten in dem Gesicht wurden tiefer, als sich ein Schmunzeln unter dem Schnurrbart ausbreitete.


Jetzt passiert was! Auch sehr schön geschrieben.
Ich bin nur leicht über den markierten Satz gestolpert. Du verbindest die Brauen mit den Schlupflidern, was bei mir ein seltsames Bild erschaffen hat, bevor ich es mir korrekt vorgestellt habe. Das liegt vielleicht auch daran, dass beim ersten Lesen das Adjektiv auf beides bezogen werden könnte, rein sprachlich gesehen. Mein Vorschlag: eins davon streichen.

Ihr Versprechen, nicht als Mamas Vorzeigepuppe innerlich zu vermodern, sondern dem Schrei ihres Herzens zu folgen.


Meinem Empfinden nach liest sich der Satz schöner mit dem Komma, aber das ist Geschmackssache.

Plötzlich fiel dem Kontrolleur ihre Bahnkarte aus der Hand und auf den Teppichboden. Gleichzeitig bückten sie sich danach und stießen sich beinahe die Köpfe an.


Man könnte hier ein "und" ergänzen, um diesen doppelten Klang "aus der Hand auf den Teppichboden" zu vermeiden.

Lächelnd sah er sie an und streckte ihr die Karte entgegen. »Entschuldige, Cia.«
»Danke ...« Sie wollte seinen Namen sagen, als ihr zum ersten Mal auffiel, dass sie ihn nicht kannte, obwohl sie sich seit einem Jahr jede zweite Woche sahen. Ihr Blick hastete zu seinem Namensschild: Heinrich Kuhn. Bevor sie ihn aussprechen konnte, hatte er sich aufgerichtet und der Moment war vorbei.
Während sich der Kontrolleur an einen anderen Fahrgast wandte, umfasste Cia die Tasse ihrer Thermoskanne und schüttete den noch viel zu heißen Kaffee hinunter. Natürlich kannte Heinrich Kuhn ihren Namen, er las ihn schließlich jedes Mal auf ihrer Bahnkarte.


Während du am Anfang so schön ihren Monolog aufs Papier gebracht hast, fehlt es mir hier ein wenig. Die Namensnennung bietet doch so viel Stoff für Spannung! Lass sie doch ein wenig stutzen, woher er ihn kennt. Lass es ihr kalt den Rücken hinunterlaufen und sich Horrorszenarien vorstellen, bevor sie dann zu dem Schluss kommt: Natürlich weiß er den Namen, schließlich steht er auf der Bahnkarte.

Und dennoch ... Irgendwie war er seltsam fließend über seine Lippen gekommen. Fast als würde er ihn jeden Tag aussprechen.


Super! Hier entsteht die von mir so sehnlichst erwartete Spannung!

Cia klemmte die kalten Hände unter ihre Achseln und schmatzte, um die Bitterkeit in ihrem Mund loszuwerden. Naja. Zumindest werde ich nicht einschlafen.


Hier fehlt mir ein wenig der Cliffhanger beim Ende der Passage. VIelleicht hätte man auch bei dem Blick des Kontrolleurs auf die Tasse und seinem Lächeln unterbrechen können.

Eine Schwere drückte sich auf Cia nieder und ließ sie nur mühsam die Lider öffnen. »Hm?«
Ihr Sichtfeld war verschwommen, wurde einzig durchzuckt von grellen Lichtstreifen. Mit leisem Brummen rieb sie sich die Augen und schluckte. Meine Zunge ist ganz pelzig. Oh, dieser widerliche Kaffee! Blinzelnd spähte sie in den Gang – und erstarrte am ganzen Körper.
Alle Sitze waren verlassen. Nicht einmal ein einzelnes Gepäckstück lag auf den Eisenstangen über den Rückenlehnen. Der leere Gang schien wie ein Abgrund zu gähnen und sich immer weiter in die Länge zu ziehen. Cias Atem und Herz stockten, als wagten sie es nicht die Stille zu durchbrechen.


Die Sequenz hat mir richtig gut gefallen. Sie wirft viele Fragen auf und ist hochspannend.
Da will man gleich wissen, wie es weitergeht.
"Mit leisem Brummen ...": Irgendwie bin ich hier kurz gestockt, weil man erst verstehen muss, dass sie selbst brummt. Aber das ist auch nur mein Empfinden gewesen.
"schien": Ich bin kein Fan von dem Wort, weil es die Aussage abschwächt. Warum lässt du es nicht einfach weg und sagst einfach, dass er sich in die Länge zieht?
"Atem und Herz": Hier würde ich mich für eins auf einmal entscheiden, weil es zwei so verschiedene Reaktionen sind. Oder jeder einen eigenen Satz spendieren.

Insgesamt mag ich deinen Stil total gerne. Mir gefällt deine Wortwahl, deine flüssige Erzählweise. Weiter so!
Twippie
 
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Re: [Spannung]Jagd im Zug (1/2)

Beitragvon unkompliziert » 20.08.2015, 15:54

Hallo Aikaterini,

ich möchte dir gerne meine Eindrücke als Leserin schildern.
Vielleicht hast du ja auch Lust einen Blick auf etwas von mir zu werfen, das würde mich sehr freuen.

Das Thema: eine Zugfahrt die zur Falle wird
Ich finde Züge als Setting super: es ist nicht so häufig, das Reisemotiv, verschiedene Personen auf einem Raum zusammengepfercht, mehr Bewegungsfreiheit als im Auto

Ein, salop ausgedrückt, psychopathischer Irrer.
Ich mag psychologische Aspekte und Studien in Geschichten extrem gerne. Ich hoffe, dass du bei deinem Sadist noch ein bisschen in die Tiefe gehst. Dass er nicht einfach ein Sadist ist, weil er ein Sadist ist, sondern was genau ihn dabei reizt: die Machtposition, einen Menschen an seine Grenzen zu bringen, Rachegelüste, jemand perfektes fallen zu sehen, die Welt zu testen, mit was er alles durchkommt, oder fühlt sich für ihn sowieso alles wie ein Computerspiel oder gar nicht so real an?, hat er irgendwelche pseudo-edlen Ziele, etc.

Es scheint in deiner Geschichte noch sehr gruselig zu werden, dass würde für mich als Leser oder Testleser hart sein, weil ich mich sehr einfühle und dann viel Gemetzel einfach nicht ertrage.

Aikaterini hat geschrieben:Endlich ...
Mit einem Seufzer ließ sich Cia in den dunkelblauen Sitz fallen, während die anderen Fahrgäste an ihr vorbeiströmten. Sie verkroch sich sogleich dicht ans Fenster und kühlte ihre heiße Stirn an der Scheibe.


"Igitt!" entfährt es da dem München-Pendler in mir.
Nicht tragisch, aber ich würde mein Gesicht an keiner Stelle des Zuges reiben wollen. Persönliches Empfinden.
Aikaterini hat geschrieben:Nur knapp hatte sie den Eurocity-Zug eingeholt. Nochmal Glück gehabt.
Ruckelnd setzte sich die Bahn in Bewegung. Nachdem die letzten Passagiere ihr Gepäck verstaut und einen Platz gefunden hatten, klang auch das Stimmengewirr ab. Cia sah auf den Monitor am Bahnsteig und las die vorbeigleitenden Lettern: München Hbf 9:38.


Beim Lesen hatte ich den Eindruck, dass Cia später die richtige Haltestelle verpasst und zu weit fährt, während alle anderen Passagiere ausgestiegen sind.
Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass München ein Kopfbahnhof ist. Da kann man gar nicht durchfahren. -- Hast du die Verbindung rausgesucht? Müsste man nicht sogar in München umsteigen?

(Ich bin ein paar mal in Kufstein umgestiegen, habe aber nicht verfolgt ob und wohin der Zug sonst weitergefahren wäre.)
Aikaterini hat geschrieben:Sie lehnte sich in den Sitz zurück und beobachtete die Regenperlen, die dicht neben ihrem Gesicht auf dem Glas vorbeirollten. Bloß eine Stunde, dann bin ich in Kufstein bei Mama.
Bei dem Gedanken streifte sie unwillkürlich mit den Vorderzähnen über ihr Ring-Piercing in der Unterlippe. Mamas schneidende Stimme geisterte durch ihren Kopf. Wer wird dich mit diesem Metall im Gesicht als Musiklehrerin ernst nehmen?
Cia verzog den Mund, als das Gewissen ihr einen Stich durch die Brust verpasste.


Vorschlag: Als sie ihre Gewissenbisse wie Stiche in der Brust spürte.
Aikaterini hat geschrieben: Seit einem Jahr schon studierte sie in München und ließ Mama im Glauben, dass sie anschließend ins Lehramt überwechseln würde. In Wahrheit verbrachte sie ihre ganze Freizeit im Keller des Studentenwohnheims und übte mit ihrer Band. Als Leadsängerin durch Deutschland zu touren, war mittlerweile nicht mehr nur ein Traum, sondern ein festes Ziel.
Wie soll ich es ihr bloß sagen? Cia folgte mit der Fingerspitze der Tränenspur eines Regentropfens. Bislang hatte Mama noch nicht ein einziges ihrer selbstkomponierten Lieder gehört.


Noch frage ich mich, warum sie ihre Mutter nicht einfach mit ihrer Musik überzeugt. Die scheint ja einfach unwissend zu sein.
Vorschlag: "Bislang wollte Mama noch nicht ein einziges ihrer selbstkomponierten Lieder hören."
Dann wird die Spannung zwischen den beiden klarer und auch das die Mutter grundsätzlcih dagegen ist. Egal wie talentiert die Tochter ist.
Aikaterini hat geschrieben:Zum Teil konnte Cia sie verstehen. Papa hatte sie verlassen, da war sie selbst noch in den Kindergarten gegangen. Als alleinerziehende Mutter wollte Mama bloß das Beste aus ihr herausholen, damit sie niemals von einem Mann abhängig war. Sie hatte bereits schlucken müssen, als Cia ihr von ihrer Studienwahl erzählte hatte und sich damit die jahrelange Algebra- und Goethe-Büffelei als vergebliche Mühe erwiesen hatten.


"Das Beste für jemanden wollen" klingt fürsorglicher, als "Das Beste aus jemandem rausholen". Letzteres klingt wie etwas was ein Agent, Sporttrainer oder Tourmanager machen würde.
Ich würde entweder schreiben, dass die Mutter nur das Beste für ihre Tochter will. Oder besser einfach kürzen und es dabei belassen, dass die Mutter verhindern möchte, dass ihr Kind später von einem Mann/Lebenspartner abhängig ist.
Generell würde ich diesen Teil über Mama und Papa streichen, weil er für deine eigentliche Geschichte keine Funktion hat. Du hast Cia bereits vorgestellt als eine Tochter fürsorglicher, aber übervorsichtiger/konservativer Eltern. Sie selbst ist intelligent (genug zum studieren) und ein Freigeist.
Das kleine bisschen Familien- und Schülergeschichte bringt nichts so viel Neues und Außergewöhnliches. Es wäre nur dann wichtig, wenn Mama und Papa später noch einen Auftritt haben.

Aikaterini hat geschrieben:Cia kramte aus ihrem Rucksack die Thermoskanne hervor, klappte das Kunststofftablett herunter und schenkte sich eine Tasse dampfenden Kaffee ein. Allein der Gedanke einzuschlafen und sabbernd im Sitz zu hängen, ließ sie frösteln.


Weichei.
Aikaterini hat geschrieben: Sie hasste jeglichen Kontrollverlust.


Verklemmtes Weichei.
Das ist später für den Sadisten sicher wichtig. Aber bis jetzt hatte ich mir Cia als coole Mischung als kultivierter Studentin und Punk Girl vorgestellt.
Jetzt ist eher ein überbehütetes Püppchen. Sabbern, niesen und pupsen ist nicht elegant aber kein Weltuntergang.
Aikaterini hat geschrieben:Aus dem Grund saß sie auch immer in einen der hinteren Reihen, so dass sie freie Sicht auf den Gang des Wagons hatte.
Mit einem leisen, maschinellen Sausen


"Sausen" ist für mich eine Geschwindigkeit, aber kein Geräusch.
"Zischen" oder "schleifendes Geräusch" hätte ich vielleicht versucht.
Aikaterini hat geschrieben: öffnete sich die Glastür neben ihr. Cia drehte den Kopf zur Seite und blickte entlang ihres schrägen Ponys zum Kontrolleur auf. Unter dichten Brauen und Schlupflidern sahen sie grünbraune Augen an. Die Falten in dem Gesicht wurden tiefer, als sich ein Schmunzeln unter dem Schnurrbart ausbreitete.
Cia erwiderte es und reichte ihm den Fahrschein zusammen mit der Bahnkarte. Seit Beginn ihres Studiums kannte sie den Kontrolleur. Ganz gleich wie voll der Zug war, er begegnete ihr stets mit unveränderter Freundlichkeit. In all der Zeit hatte er nur einmal einen persönlichen Kommentar abgegeben, als sie ihr Lippenpiercing frisch hatte stechen lassen. Das passt nicht zu deinen Rehaugen, gingen ihr die Worte nochmals durch den Kopf.
Gedankenverloren sog Cia ihre Unterlippe ein und genoss den Geschmack des Metalls auf der Zunge.


Vorschlag: "Gefühl" nicht Geschmack.
Piercings sind aus Chirurgen Stahl oder Silber. Ich wage zu behaupten, beides gibt keine Teilchen ab, schmeckt also nach nichts.
Rost würde man schmecken. Aber dazu muss es halt rosten.
Aikaterini hat geschrieben:Weder der Kontrolleur noch Mama wussten, dass dieses Piercing das geheime Emblem ihrer Rebellion war.


Mmh... Ist es nicht ein Cliche, dass Teenies mit Tatoos und Piercings rebellieren und provozieren?
Bei den zurückhaltenden Mädchen ist es weniger wild, mit einem Glitzersteinchen, silber Ring oder Steißtatoo.
Aikaterini hat geschrieben:Ihr Versprechen nicht als Mamas Vorzeigepuppe innerlich zu vermodern, sondern dem Schrei ihres Herzens zu folgen.


Schön! Der Ausdruck im Satz gefällt mir sehr gut.

Inhaltlich leider nicht konsequent: Erst klingt es, als wäre Mama eigentlich eine ganz liebe, und möchte nur nicht, dass ihre Tochter später mal von einem Ekel abhängig ist. Und Cia weiß das. Jetzt macht sie sich plötzlich Sorgen, dass Mama vor allem mit ihr angeben will. Als Vorzeigepuppe.
Eine klare Linie wäre mir da lieber.
Aikaterini hat geschrieben:Plötzlich fiel dem Kontrolleur ihre Bahnkarte aus der Hand auf den Teppichboden. Gleichzeitig bückten sie sich danach und stießen sich beinahe die Köpfe an.
Lächelnd sah er sie an und streckte ihr die Karte entgegen. »Entschuldige, Cia.«
»Danke ...« Sie wollte seinen Namen sagen, als ihr zum ersten Mal auffiel, dass sie ihn nicht kannte, obwohl sie sich seit einem Jahr jede zweite Woche sahen. Ihr Blick hastete zu seinem Namensschild: Heinrich Kuhn. Bevor sie ihn aussprechen konnte, hatte er sich aufgerichtet und der Moment war vorbei.
Während sich der Kontrolleur an einen anderen Fahrgast wandte, umfasste Cia die Tasse ihrer Thermoskanne und schüttete den noch viel zu heißen Kaffee hinunter. Natürlich kannte Heinrich Kuhn ihren Namen, er las ihn schließlich jedes Mal auf ihrer Bahnkarte. Und dennoch ... Irgendwie war er seltsam fließend über seine Lippen gekommen. Fast als würde er ihn jeden Tag aussprechen.


"selbstverständlich" fände ich besser statt "fließend". Cia ist ein so kurzer Name, da hat man fast keine Chance sich zu verhaspeln.
Aikaterini hat geschrieben:Cia verzog das Gesicht beim bitteren Geschmack, der sich in ihrem Rachen ausbreitete. Mit verkniffener Miene sah sie in die leere Tasse. Hab es wohl etwas zu gut gemeint heute.
Heinrich Kuhn drehte sich um und sie beeilte sich ihre Grimasse zu glätten. Sein Blick ruckte


Vorschlag: "huschte" statt "ruckte". Rucken ist mir für eine Augenbewegung zu holprig.
Aikaterini hat geschrieben:zu ihrer Tasse. Das bekannte Schmunzeln breitete sich unter seinem Schnurbart aus, dann widmete er sich dem nächsten Fahrgast.
Cia klemmte die kalten Hände unter ihre Achseln und schmatzte, um die Bitterkeit in ihrem Mund loszuwerden. Naja. Zumindest werde ich nicht einschlafen.

Eine Schwere drückte sich auf Cia nieder


Das klingt recht unbeholfen.
Vorschlag: "Ein Gefühl der Schwere", "Schläfrige Benommenheit", "Benommenheit und Schwindel", "Das Gefühl aus dem Tiefschlaf aufzuwachen", "Desorientiertheit"
Aikaterini hat geschrieben: und ließ sie nur mühsam die Lider öffnen. »Hm?«
Ihr Sichtfeld war verschwommen, wurde einzig durchzuckt von grellen Lichtstreifen.


Sie ist so erledigt, dass sie nicht gleich klar sehen kann. Aber das beschriebene Bild kann ich mir nur schlecht vorstellen oder wie es zustande kommt.
Vorschlag: "Merkwürdig verschwommen sah sie ihre Umgebung. Die Lichter erschienen ihr quälend grell."
Aikaterini hat geschrieben:Mit leisem Brummen rieb sie sich die Augen und schluckte. Meine Zunge ist ganz pelzig. Oh, dieser widerliche Kaffee! Blinzelnd spähte sie in den Gang – und erstarrte am ganzen Körper.
Alle Sitze waren verlassen. Nicht einmal ein einzelnes Gepäckstück lag auf den Eisenstangen über den Rückenlehnen. Der leere Gang schien wie ein Abgrund zu gähnen und sich immer weiter in die Länge zu ziehen. Cias Atem und Herz stockten, als wagten sie es nicht die Stille zu durchbrechen.


Nicht "als". Sie wagt es ja *tatsächlich* nicht.

Ich hoffe, es war etwas hilfreiches dabei. Auch wenn zwei Schriftsteller immer einen unterschiedlichen Geschmack haben werden!
Den nicht-hilfreichen Rest vergiss einfach!

Ich fand diesen Teil deiner Geschichte sehr spannend und würde gerne weiterlesen.
Dein Schreibstil war mir auf den ersten Blick sympatisch und er ließt sich für mich sehr flüssig.

Viele Grüße
Unki
unkompliziert
NaNoWriMo 2015
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Re: [Spannung]Jagd im Zug (1/2)

Beitragvon Aikaterini » 22.08.2015, 12:34

Hallo liebe oder lieber Unkompliziert,

erst mal vielen Dank für deine Anmerkungen, viele Vorschläge werde ich beherzigen. :D

An manchen Stellen möchte ich gerne näher eingehen:

Ich hoffe, dass du bei deinem Sadist noch ein bisschen in die Tiefe gehst. Dass er nicht einfach ein Sadist ist, weil er ein Sadist ist, sondern was genau ihn dabei reizt: die Machtposition, einen Menschen an seine Grenzen zu bringen, Rachegelüste, jemand perfektes fallen zu sehen, die Welt zu testen, mit was er alles durchkommt, oder fühlt sich für ihn sowieso alles wie ein Computerspiel oder gar nicht so real an?, hat er irgendwelche pseudo-edlen Ziele, etc


Da hast du absolut Recht, das ist sehr wichtig bei einem Thriller, das macht den Reiz aus bei einem Psychopathen. Und genau deshalb bin ich auch im Laufe der Geschichte näher darauf eingegangen.

Es scheint in deiner Geschichte noch sehr gruselig zu werden, dass würde für mich als Leser oder Testleser hart sein, weil ich mich sehr einfühle und dann viel Gemetzel einfach nicht ertrage.


Sensibilität ist unverzichtbar für einen Schriftsteller, um sich wirklich in den Horror seiner Charaktere einfühlen zu können, deswegen sehe ich das als positive Eigenschaft.

Beim Lesen hatte ich den Eindruck, dass Cia später die richtige Haltestelle verpasst und zu weit fährt, während alle anderen Passagiere ausgestiegen sind.
Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass München ein Kopfbahnhof ist. Da kann man gar nicht durchfahren. -- Hast du die Verbindung rausgesucht? Müsste man nicht sogar in München umsteigen?


Ich glaub hier bist du etwas durcheinander gekommen. Cia fährt von München weg, in Richtung Kufstein. Natürlich hab ich die Verbindung recherchiert, Kufstein kannte ich bis dato nicht einmal. Teilweise hab ich die Strecke sogar auf Google-Earth verfolgt :wink:

Generell würde ich diesen Teil über Mama und Papa streichen, weil er für deine eigentliche Geschichte keine Funktion hat.


Oh doch, halt sie ;) Bei meinen Geschichten versuch ich, dass zum Schluss der Kreis sich schließt. Vor allem dieser Teil wird sogar für das Ende der Erzählung nochmals aufgegriffen.

Verklemmtes Weichei.
Das ist später für den Sadisten sicher wichtig. Aber bis jetzt hatte ich mir Cia als coole Mischung als kultivierter Studentin und Punk Girl vorgestellt.
Jetzt ist eher ein überbehütetes Püppchen. Sabbern, niesen und pupsen ist nicht elegant aber kein Weltuntergang.


Das ist gut, dass du so denkst, denn ein Charakter braucht Schwächen. Wenn ich sie ohne Makel, ohne Eigenarten gemacht hätte, würde sie unnatürlich, schlichtweg unmenschlich wirken. Das ist hier also ganz bewusst gewählt
Du kennst das vielleicht aus Büchern und Filmen, die du gerne magst, dass die Charaktere mit den Meisten Ecken und Kanten dir irgendwie am meisten am Herzen gewachsen sind.
Es gibt zum Beispiel Leute, die schüttelt es allein beim Gedanken, kurz die Stirn an die Scheibe eines Zuges abzustützen ;D Verstehst du, was ich meine?

Mmh... Ist es nicht ein Cliche, dass Teenies mit Tatoos und Piercings rebellieren und provozieren?


Das mag stimmen, aber es hängt immer davon ab, was man aus einem Klischee macht. Und das Piercing ist nicht nur für die Charaktervorstellung da, sondern wird eine Wende in die Geschichte einleiten.

Vielleicht hast du ja auch Lust einen Blick auf etwas von mir zu werfen, das würde mich sehr freuen.


Ich komme darauf zurück. :D

Nochmals vielen Dank
und liebe Grüße
Aikaterini
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Aikaterini
 
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Re: [Spannung]Jagd im Zug (1/2)

Beitragvon jansenbusch » 11.09.2015, 14:56

Bin etwas spät auf deinen Text gestoßen, aber vielleicht hilft dir ja eine weitere Einschätzung.
Was mir gefallen hat:
- Idee: Frau wacht in leerem Zug auf.
- Die szenischen Beschreibungen, schöne Details (die Stirn an der Scheibe kühlen, Kunstofftablett runterklappen und Kaffee einschenken, Piercing)
- Vereinzelte schöne Bilder (Tränenspur eines Regentropfens)
- Nähe zur Protagonistin.
- Kurzer Abriss ihrer Familie
- Der Wechsel von Gedanken und Situationsbeschreibung
- Die Beschreibung der Protagonistin ohne äußerliche Beschreibung (bis zu dem "entlang ihres schrägen Ponys"). Entweder keine Beschreibung, oder vollständiger, oder mit einem zentralen Merkmal. Und das ist das Unterlippenpearcing schon, da brauchts keinen Pony mehr (Abgesehen davon stellte ich mir eine jugendliche Rockgöre nicht mit einem Pony vor...).

Was stilistisch verbessert werden könnte:
- Die ein oder andere "schwülstige" Beschreibung weglassen ("Eine Schwere drückte sich auf Cia nieder")
- Nie "plötzlich" schreiben. Entweder es passiert "plötzlich", oder eben nicht. Aber dem Leser mit "plötzlich" (sowieso kein schönes Wort) darauf aufmerksam machen, dass jetzt was "plötzliches" passiert, ist schwach. (Stichwort "make it happen" )
- "Da war sie selbst noch in den Kindergarten gegangen". Tun mit "ist/war" etc. ist holprig. Einfacher wäre "da ging sie noch in den Kindergarten". Und wenn dann kommt "aber das Plusquamperfekt": Es reicht, einen Ausflug in die Vergangenheit mit einem Plusquamperfekt einzuläuten, wie es schon geschieht: "Papa hatte sie verlassen" (und bitte nicht "Papa". Welche rebellierende Rockgöre nennt ihren Vater "Papa"). Genauso bei "Sie hatte bereits schlucken müssen..." Das reicht.

Wo ich Probleme habe:
- Handlungslogik: Kein Fahrkartenkontrolleur spricht Kunden mit dem Vornamen an. KEINER. Und kaum einer fährt immer die gleiche Strecken. Glaub mir, ich kenn mich da aus. Wenn der Kontrolleur der Bösewicht wird, dann reicht es wenn sie ihn ein paar mal gesehen hat, oder gerade so wiedererkennt.
- Ein Unterlippen-Pearcing mag ein Zeichen einer Rebellion sein, aber gewiss kein geheimes.
- "Ihr Versprechen, nicht als Mamas Vorzeigepuppe zu vermodern". Vermodern ist gut, aber WEM verspricht sie das?
- Super Einstieg, bis "dann bin ich bei Mama". Dieses "Mama" macht ALLES kaputt. Schlagartig ist Cia keine Leadsängerin einer Band mehr, die rebelliert, etwas erlebt oder erleben wird, sondern ein unreifes Kind.
- Innere Dialoge (die kursiven) braucht es nicht und wirken eher hilflos. Mindestens die Hälfte in diesem Text können ersatzlos gestrichen werden, die andere Hälfte als Gedankenbeschreibung eingebaut werden (sie überlegte..., dachte sie... erinnerte sie sich...) Beispiel: "Sie hörte die schneidende Stimme ihrer Mutter, wer sie denn mit Metall im Gesicht als Musiklehrerin ernst nehmen würde" oder "Das passe nicht zu ihren Rehaugen, hatte er gesagt" (abgesehen davon, dass ein Fahrkartenkontrolleur das NIE sagen würde...)

Insgesamt halte ich das aber für einen guten Einstieg, deutlich besser als vieles was man gedruckt lesen muss.
jansenbusch
 
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