[Expe]Jawohl, Herr General

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[Expe]Jawohl, Herr General

Beitragvon Asieral » 15.10.2015, 19:14

So.. eigentlich ist das nicht einmal ein "richtiges Werk", sondern eher etwas.... anderes^^.
Es wirkt daher vll auch etwas abstrus..
Wenn ich neue Charaktere entwickle ist das mitunter recht unterschiedlich und das jetzt ist sozusagen eine für mich neue Methode, mit der ich experimentiere. Dabei versuche ich, einen wichtigen Charakterzug zu nehmen und aus diesem eine mögliche Geschichte zu konstruieren, die daraus resultieren könnte, gleichwohl dies wenig mit der wirklichen Geschichte des Charakters zu tun hat; es ist also eher... naja wie auch immer
Also meine Hauptfrage ist eigentlich, wie die Charaktere wirken:



Der Herr General war im Urlaub gewesen. Bei seiner Rückkehr stellt er verwundert fest, dass sein Assistent und guter Freund A., sowie dessen Assistent K., auch ein Freund, wenn auch kein so guter wie A. nicht anwesend sind, obwohl sie es laut Dienstplan, den er ihm Kopf hat, er kennt die Arbeitszeiten seiner Untergebenen in und auswendig, genau hier, in der Kommandozentrale zu sein hätten. Nur Oberst P. ist auf seinem Posten. Eigentlich hätte er keinen Dienst.
Nach einem weiteren Moment der Verwunderung fragt er Oberst P. nach dem Verbleib der Vermissten.
„Aber Herr General, Sie wissen doch, ich habe ganz gewiss alles zu ihrer vollsten Zufriedenheit ausgeführt.“
Der Herr General verstand nicht.
„So sehen Sie doch, Herr General. Ich weiß von nichts, wenn sie es nur so wünschen. Ich bin ganz unwissend, von allem. Auch wenn es schon verwundern könnte, es war doch schließlich auch alles ganz offiziell, aber wie Sie wünschen.“
„Reden Sie schon Klartext mit mir, wo sind die beiden!“
„Tot, Herr General, tot.“
„Tot?“
„Jawohl, hingerichtet, 1. Klasse, gerade gestern. Es hatte sich ein bisschen aufgeschoben, da der Schafsrichter erkrankt war. Es wurde auch gar nicht besser mit dem Armen. Schließlich starb er noch vor den beiden Galgenvögeln.
Da sich kein Ersatz finden ließ, bin ich kurzerhand eingesprungen und habe persönlich die beiden da hingerichtet.“
„Was in aller Welt ist denn in Sie gefahren, Oberst ich bin nicht in Muße für derlei Scherze. Sagen Sie mir, wo sie sind, ich möchte sie sprechen.“

„Aber Herr General, ich scherze nicht, ganz gewiss nicht. Sie selbst gaben doch den Befehl. Hier, dort ist die Nachricht, sehen Sie nur.“
Der Oberst verwies auf ein Dokument, das das Siegel des Herrn Generals trug. Der Herr General konnte es nicht glauben, er war sich sicher diesen Befehl niemals gegeben zu haben. Gewiss, in letzter Zeit hatte er viele Todesurteile unterschrieben, selbst im Urlaub.
Der Oberst reicht ihm auch noch die Dokumentarbilder der Hinrichtung. Alles war fein säuberlich und äußerst penibel festgehalten worden.
Kein Zweifel, sie waren tot.
„Wie konnten Sie das tun? Es waren schließlich auch ihre Freunde!“
„Ganz gewiss waren sie es, es tat mir auch sehr, sehr leid. Aber Sie wissen doch, dass ich mich immer bemühe möglichst gewissenhaft in meiner Arbeit zu sein. Außerdem war es ein Befehl.“
„Ich habe ihn nicht gegeben, wie konnten Sie nur denken, dass ich so etwas befehlen auch nur könnte?“
„Aber Herr General, wer wäre ich den, ihre Befehle, oder gar Sie selbst anzuzweifeln. Sollte ich das jemals tun, so würden mein Pflichtbewusstsein und mein Gewissen mich alsbald in den Abgrund stoßen.
Irgendjemand muss sich einen Scherz erlaubt haben. Ein wahrer Schelm, derjenige dem es einfällt ihre Befehle zu fälschen. Ich werde eine Untersuchung einleiten, eine Kommission einsetzen! Verlassen Sie sich ganz auf mich. Ich werde alles zu Ihrer vollsten Zufriedenheit erledigen. Glücklicherweise ist nichts Ernstes passiert. Wer stellte sich vor, was geschehen wäre, wenn es Personen von Bedeutung getroffen hätte.
„Nichts Ernstes? Also ich muss doch bitten, nichts Ernstes! Aber sei´s drum.
Schaff mir ein Beil heran, nicht zu scharf aber auch nicht zu stumpf.“
„Sehr wohl, Herr General.“
Der fleißige Oberst eilte alsdann, ein Beil zu holen.
Er fand allerdings nur jenes, das bei Hinrichtungen 1. Klasse gebraucht wurde. Dieses war leider sehr scharf, sodass er es erst einmal bearbeiten musste.
Als er dieses dann stolz dem Herrn General präsentierte, sagte dieser:
„Sehr schön, ein gutes Beil, schlagen Sie sich damit sogleich den Kopf vom Leibe!“
„Jawohl, Herr General!“
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Re: [Expe]Jawohl, Herr General

Beitragvon Samis » 15.10.2015, 21:22

Hallo Asieral,

ich kann nicht beurteilen, ob dein Experiment zur Charakter- und oder Story-Findung geglückt ist, aber den vorliegenden Text finde ich gelungen – gefällt!

Falls dir ein paar Vorschläge zur Abrundung willkommen sind, bitte.

Der Herr General war im Urlaub gewesen. Bei seiner Rückkehr stellt er verwundert fest, dass sein Assistent und guter Freund A., sowie dessen Assistent K., auch ein Freund, wenn auch kein so guter wie A. nicht anwesend sind, obwohl sie es laut Dienstplan, den er ihm Kopf hat, er kennt die Arbeitszeiten seiner Untergebenen in und auswendig, genau hier, in der Kommandozentrale zu sein hätten.


Das Ding ist schon sehr lang und dadurch unübersichtlich. Mir blieb es versagt, ihn beim ersten lesen komplett zu erfassen und verstehen. Das ist vielleicht etwas zu viel vom Leser verlangt, gleich zum Auftakt einen solchen Brocken zu schlucken. Da könnte manch einer die Lust verlieren und abwinken, ehe es überhaupt richtig los geht.


Nur Oberst P. ist auf seinem Posten. Eigentlich hätte er keinen Dienst.

... hätte er Dienstfrei. (Geschmacksache)




„So sehen Sie doch, Herr General. Ich weiß von nichts, wenn sie es nur so wünschen. Ich bin ganz unwissend, von allem. Auch wenn es schon verwundern könnte, es war doch schließlich auch alles ganz offiziell, aber wie Sie wünschen.“

Das klingt schon recht wirr, ist aber wohl so gewollt.



„Reden Sie schon Klartext mit mir, wo sind die beiden!“


Hier würde ich ein wenige ergänzen und kürzen. Und am Ende sollte trotz des Befehlston ein Fragezeichen stehen. „Nun reden Sie schon Klartext, wo sind die beiden?“



Da sich kein Ersatz finden ließ, bin ich kurzerhand eingesprungen und habe persönlich die beiden da hingerichtet.


Auch nur eine Kleinigkeit, aber persönlich nach hinten zu schieben fände ich wohlklingender.

Da sich kein Ersatz finden ließ, bin ich kurzerhand eingesprungen und habe die beiden persönlich hingerichtet.



„Was in aller Welt ist denn in Sie gefahren, Oberst ich bin nicht in Muße für derlei Scherze. Sagen Sie mir, wo sie sind, ich möchte sie sprechen.“


In Muße sein ist mir noch nicht untergekommen. Kann man das so sagen?



Der Herr General konnte es nicht glauben, er war sich sicher diesen Befehl niemals gegeben zu haben.

Nach sicher sollte ein Komma stehen, oder?



Gewiss, in letzter Zeit hatte er viele Todesurteile unterschrieben, selbst im Urlaub.


Unterzeichnet fände ich hier treffender.



„Ich habe ihn nicht gegeben, wie konnten Sie nur denken, dass ich so etwas befehlen auch nur könnte?“


Das auch rumpelt an dieser Stelle gewaltig, oder täusch ich mich?



Wer stellte sich vor, was geschehen wäre, wenn es Personen von Bedeutung getroffen hätte.


Stelle sich einer vor, was geschehen wäre, ...



Die Schlusspointe ist gut, würde vielleicht aber noch besser funktionieren, käme sie etwas flotter daher. So wird es leicht vorhersehbar und verliert an Wirkung.


Beste Grüße,
Samis
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Re: [Expe]Jawohl, Herr General

Beitragvon Ojinaa » 10.11.2015, 13:54

Du wolltest wissen, wie die Charaktere wirken. Also:
Der General wirkt abgestumpft – das bisschen "Ensetzen", das in seinen Wort durchschimmert, reicht nicht für mehr und auch seine Suche nach Antwort auf "… mein Befehl? Nein! Wie ist das möglich?“ fällt sehr schwach aus.
Der Oberst wirkt … nunja … wie eine reine Karrikatur. Das ist kein echter Mensch, sondern nur ein Werkzeug für diese Pointe.
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt. (Klaus Klages)
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