Jona (Arbeitstitel) Kapitel 3, Teil 2/3

Jona (Arbeitstitel) Kapitel 3, Teil 2/3

 
Und es geht weiter mit Kapitel drei.
Ich musste leider etwas über das Tausend-Wort-Limit gehen. Ich war einfach nicht in der Lage zu entscheiden, wo ich kürzen könnte. :(

ErsterHier gehts zum Prolog.
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* * *

„Ob sie jetzt zurück sind, und uns kriegen wollen?“ fragte John panisch, als Schritte im Geäst der gefällten Bäume um sie herum zu hören waren.

Es war eindeutig nicht nur die Kühle des Herbsttages, die er jetzt bewusst durch seine nasse Kleidung wahrnahm, die seine Stimme zittern ließ.

Er trat hinter seinen Vater.

Dann hörten sie eine bekannte männliche Stimme aus dem schattigen Holz: „Dem Himmel sei dank, Mike, bin ich froh, dass es dir gut geht!“

Es war Bill, ein grauhaariger langjähriger Freund der Familie und Ex-Militär, der aus dem Schatten hervortrat. „Du kannst keine Minute allein gelassen werden, oder? In was für Ärger bist du diesmal hinein geraten?“

John fiel nicht ein riesiger Stein vom Herzen. Er rief erleichtert aus: „Onkel Bill! Du hast uns fast zu Tode erschreckt!“

Näher kommend, antwortete Bill: „Das war nicht so schwer, Sohn, wenn man bedenkt was hier los war.“

Mike konnte seine Erleichterung ebenfalls nicht verbergen. „Hey Bill, bist du hierher geflogen? Ich habe dich gerade vor ein paar Minuten angerufen.“

Vor ein paar Minuten? Bill musste grinsen. Er war schon besorgt gewesen, weil ihr unfreiwilliger Tauchgang ziemlich lange gedauert hatte, dann das Schwimmen zum Ufer – der Anruf war länger als nur „ein paar Minuten“ her. Da mit starker Unterkühlung zu rechnen war, kam bereits ein Boot mit warmen Decken her.

Aber er wollte nicht durch seine eigene Besorgtheit die Lage ernster erscheinen lassen als sie womöglich war, also fiel er in seinen „Palaver-Ton“ wie er es nannte, mit dem er oft erfolgreich Situationen entspannen konnte. So beiläufig wie möglich erzählte er: „Nun, ich war gerade auf dem Weg zu meinem eigenen Angelplatz ein paar hundert Meter weiter die Straße runter. Als ich den Knall gehört habe dachte ich sofort: "Das klingt als kommt es von Mikes Angelplatz. Ich muss mal nachschauen ob er aufs Dynamitfischen umgestiegen ist, wenn ja kann er mächtig Ärger bekommen." Also kam ich durch diesen Urwald hier her und sah wie ihr gerade beim Baden das Feuerwerk anseht.“

Nur kannten Mike und John diese Strategie bereits. Auch wenn sie bei John wirkte und er anfing zu grinsen, bei Mike wirkte sie nicht. Genervt fuhr er seinen Freund an: „Verdammt, Bill! Das ist nicht der richtige Augenblick für Witze! Wir haben gerade einen verdammten Bombenanschlag überlebt!“

Auch wenn Bill das schon vermutet hatte, als er den fast panisch anmutenden kurzen Anruf entgegengenommen hatte, traf es ihn doch beinahe wie eine Ohrfeige. „Was sagst du da? Das war ein Anschlag?“

Mike bestätigte es. „Ja doch. Die Kerle haben den Wagen geknackt und Bomben rein gelegt, Ich habe sie dann betäubt und in meinen Wagen gepackt, nachdem sie ihrem Auftraggeber telefonisch die Erledigung mitgeteilt hatten. Und dann muss ich an der Fernbedienung statt des Türschlosses versehentlich den Starter betätigt haben – und schon wurden Johnny und ich von der Druckwelle weggeblasen.“ Er konnte natürlich nicht zugeben, dass er den Knopf bewusst gedrückt hatte.

Er musste es auch nicht, Bill konnte es sich schon denken. Ärgerlich fuhr er Mike an: „Du wusstest dass sie angeheuert waren und hast zugelassen, dass sie durch ihre eigene Bombe draufgehen? Du Narr!“

Das brachte Mike in die Defensive. Also erwiderte er: „Bill, ich habe nur unser Leben verteidigt...“

Bill nickte und sagte dann ernst aber ruhig: „Wären diese Typen noch am Leben, könnten wir herausbekommen, wer sie angeheuert hat. Jetzt können wir nur raten, für wen sie gearbeitet haben. Oder auf unser Glück vertrauen, dass ihr Mobiltelefon nicht ganz zerstört ist, so dass wir eventuell ihre Anrufe zurückverfolgen können. Ihr beide jedoch müsst verschwinden, bis wir herausgefunden haben wer dahinter steckt. Ich glaube das ist der einzige Weg euch zu beschützen.“

Verwundert fragte Mike: „Verschwinden? Beschützen? Wovon sprichst du da?“ Seiner Meinung nach sprach sein älterer Freund gerade in Rätseln.

Ohne die Fragen seines um Jahrzehnte jüngeren Freundes zu beachten, holte Bill sein Mobiltelefon heraus und machte einen Anruf. „Hi, hier Deacon.“ Scheinbar wusste der Gesprächspartner sofort etwas mit dem Namen anzufangen. Bill hatte auch viele Freunde – und selbst Mike hatte schon ab und zu dieses „Hi, hier Deacon“ gehört. Bill nickte nur, dann fuhr er fort: „Wir haben zwei neue Kandidaten für das Programm. [...] Ein Vater mit einem minderjährigen Kind. [...] Seht zu, dass sie zusammen bleiben, solange es funktioniert [...] Bis dann.“

Man konnte die Gegenseite natürlich nicht hören – aber er oder sie schienen zu wissen was gemeint war. Anders als Mike. Ahnungslos fragte der: „Was für ein Programm meinst du, Bill? Wie sollen wir verschwinden?“

Bill schaute Mike an. Sollte sein junger Freund echt nicht verstanden haben? Er stöhnte auf wegen so viel Unwissenheit. „Wenn diese Typen nicht aufkreuzen,“ sagte er, „wissen ihre Bosse, dass sie versagt haben und wir hinter ihnen her sind. Und sie werden es wieder versuchen. Darum lassen wir euch beide offiziell durch diese Explosion sterben, und ihr bekommt andere Identitäten.“ Er schüttelte den Kopf darüber, dass er das Einfachste erklären musste. Aber er wollte sicher gehen: „Hast du außer mir noch jemanden angerufen?“

Mike starrte ihn überrascht an. „Wann denn? Nach meinem Anruf bei dir landeten wir ja schon im See. Aber ich würde gern Emily anrufen. Ich weiß, ich kann ihr vertrauen.“

Bill nickte: „Ja, du kannst Emily vertrauen, aber du kannst sie nicht anrufen. Wie ich gerade versucht habe dir zu erklären: Ihr beide seifd vorhin bei dieser Autoexplosion gestorben. Also werde ich Emily anrufen. Ich kenne sie auch gut genug, um ihr zu vertrauen. Aber zuerst müssen wir auf die Kollegen warten, die ich eben angerufen habe. Keine Sorge, die sind auf unserer Seite.“

Langsam wurde es wirklich kalt durch die nasse Kleidung, und dass das Lager völlig unter Geäst vergraben war, half auch nicht. Mit blauen Lippen fragte John: „Onkel Bill - warum betonst du das so? Ich meine: unsere Seite?“

Bill schaute kurz auf den See und nickte erleichtert. Die beiden Websters würden nicht mehr lange frieren. Dann lächelte er den Jungen an, und erklärte ihm: „Nun, mein Junge, leider scheint es so, dass es drei Seiten innerhalb aller öffentlichen Dienste und Firmen gibt: die korrupte Seite, die sich kaufen lässt, die kriminelle Seite, die auch vor Diebstahl und Mord nicht zurückschreckt - und die ehrliche Seite, zu der auch dein Dad und ich gehören.“

John nickte. So ehrlich fühlte sich der Teenager jedoch im Moment nicht. Was sollte jetzt mit dem echten Johnny werden, wie würde er mit der Situation klarkommen, ab jetzt dauerhaft Joanna zu sein? Mit dieser Entwicklung hatten die Zwillinge doch nie gerechnet, als sie mit ihrem Tausch anfingen, und dann die Skinsuits anzogen. Der Junge seufzte schwer. „Also gibt es jetzt kein Zurück mehr“, fasste er mit Grabesstimme zusammen.

In diesem Moment legte ein Schlauchboot an. Ein älteres Paar, das als Jäger gekleidet war, stieg aus und begrüßte Bill wie einen alten Bekannten.

Die Frau ging allerdings noch einmal kurz zurück und holte große Badehandtücher und warme Decken aus einer Kiste an Bord, die sie Mike und John brachte. „Hier, rubbelt euch erst mal ab,“ sagte sie. „Warme Kleidung gibt’s dann später.“

Sie, ihr Partner und Bill halfen den in die Decken gewickelten Websters an Bord, und das Schlauchboot fuhr los.


* * *

von eighthdwarf