[Tragik]Karin

Tragödien, Tragisches

[Tragik]Karin

Beitragvon Sartea » 07.03.2014, 17:04

Seid mir gegrüßt.

Die folgende Kurzgeschichte ist etwas älter und gehört zu meinen Favoriten. Ich bitte jeden geneigten Kritiker, sie auf Ausdruck- und Rechtschreibfehler abzutasten. Mein Problem ist vor allem die richtige Anwendung der Interpunktion und Konjugation. Aber auch andere Tipps und Hinweise sind willkommen.

Daneben interessiert mich eure persönliche Meinung. "Karin" entstand während einer langen, sehr emotionalen Beziehung und soll bei den Lesern dasselbe Gefühl auslösen, das ich damals oft empfunden habe:

Melancholie.


Karin

Evo I

Deine Stimme zittert ein wenig, als du dich am anderen Ende der Leitung meldest. Ich höre das, weil es typisch für dich ist, dass sie zittert. Ein Anderer würde das Zittern wahrscheinlich nicht bemerken. Wahrscheinlich würde er mir sogar unterstellen, dass ich mir das Zittern einbilde.

Dabei bilde ich es mir nicht ein. Es ist da.

»Wir können uns sofort treffen«, sagst du. »Mein Freund hat das Essen abgesagt. Er muss länger arbeiten. Er wird zurzeit regelrecht mit Arbeit überhäuft.«

Dieser Einstieg. Jede Tatsache hübsch aneinandergereiht und mit einer Ursache versehen. Es könnte mir Spaß machen an diesem schönen Gerüst herum zu rütteln. Bis es einstürzt.

Aber nicht heute.

»Sofort“, wiederhole ich und überlege, ob ich das schaffen könnte.

»Ja, ist es dir recht?« Deine Stimme zittert nach wie vor.

»Ja.«

Es ist mir nicht recht. Ganz und gar nicht. Ich bin gerade von der Arbeit gekommen und stinke nach Alltag und Routine. Zwei Kollegen, die sich am Drucker über den Rock der Praktikantin unterhalten. Danach stinke ich. Ich muss duschen und mich umziehen, wenn ich diesen Gestank loswerden will.

Ich blicke auf die Uhr, als du plötzlich auflegst.

Das ist typisch für dich. Das Zittern in der Stimme, das fluchtartige Trennen der Leitung. Ich weiß warum du das tust. Oder ahne es zu wissen. Ich lächle still in mich hinein und beginne mich auszuziehen. Ich habe genug Zeit, denn jetzt weiß ich, dass du dich verspäten wirst.

Evo II

Es ist kalt auf dem Parkplatz. Ich schlendere von Laterne zu Laterne und spiele ein kleines Spiel. In dem Spiel bin ich ein einsamer Wanderer, gefangen in einer dunklen, kalten Pflastersteinwüste. Nur die vereinzelten Lichtkreise, welche eine gütige Kraft des Universums verteilt zu haben scheint, vermögen mich zu wärmen und mir Kraft für die weitere Reise zu schenken. Ich zähle meine Schritte bis zum nächsten Lichtkreis, freue mich auf das Geschenk der Geborgenheit und merke nicht, wie dein Wagen ankommt.

Erst als ich Schritte höre, drehe ich mich um und sehe dich.

Du siehst großartig aus. Wie immer. Deine kleine wohl proportionierte Gestalt in einem hübschen Kleidchen und schwarzen provokativen Stiefeln. Darüber ein offener Mantel und ein weißer Schal, der locker um deinen schlanken Hals gewickelt ist. Deine Haare wehen im Wind. Du lächelst. Du bist in diesem Augenblick so unglaublich schön, dass ich weinen möchte. Aber ich tue es nicht, weil es schwierig wäre, dir dieses Weinen richtig zu erklären.

»Entschuldige bitte die Verspätung«, sagst du und streichst dir in einer gewohnten Bewegung deiner zierlichen Hand ein paar lästige Strähnen aus dem Gesicht. »Wartest du schon lange?«

»Nein.« Ich schüttle meinen Kopf, gehe auf dich zu und umarme dich, weil ich sehe, dass du frierst. »Ich wusste, du würdest später kommen.«

Das ist so typisch für dich. Das Zittern in der Stimme, das fluchtartige Trennen der Leitung, die Kleidung, die viel zu leicht für die Jahreszeit ist. Letzten Winter habe ich versucht dich zu überzeugen, dass dir weiße Rollkragenpullover stehen. Sie tun es wirklich und sind praktisch, weil sie alles Schöne an dir zum Vorschein bringen und du in ihnen nicht frieren musst. Du hast sie eine Zeit lang getragen. Dann warst du den Sommer über weg. Und jetzt trägst du sie nicht mehr.

»Wollen wir gehen?« flüstere ich.

Du nickst und wir gehen.

Evo III

Die Kneipe ist fast leer. Dennoch haben wir die hinterste und dunkelste Ecke genommen, trinken unser Bier und unterhalten uns.

Wir unterhalten uns auf unsere Weise. Eine Art Unterhaltung, die wir entwickelt haben weil du es notwendig gemacht hast sie zu entwickeln. Das ist kein Vorwurf. Ich genieße es, mit dir auf diese Weise zu sprechen. Es ist typisch für dich. Das Zittern in deiner Stimme, das plötzliche Trennen der Leitung, die für die Jahreszeit viel zu leichte Kleidung und dass wir nur über Belanglosigkeiten reden und uns nur über unsere Körpersprache die Wahrheit sagen.

Jedes Lächeln ist ein Zugeständnis, jede Berührung birgt eine Botschaft, jede Regung in deinen dunklen Augen spricht von deinen Gefühlen.

Ich werde dieses Spiel noch eine Weile genießen und dann anfangen dir Fragen über deinen Freund zu stellen. Dann wirst du nervös werden, deinen hübschen kleinen Kopf senken, eine Entschuldigung stammeln und gehen.

Das ist typisch für dich. So typisch, wie die Tatsache, dass wir uns wieder treffen werden.

+t
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Re: Karin

Beitragvon Dine » 10.03.2014, 09:58

Hallo Sartea!

Ich versuche es mal.
Ich bitte jeden geneigten Kritiker, sie auf Ausdruck- und Rechtschreibfehler abzutasten.

Okay, mal sehen. Bis jetzt ist mir nichts aufgefallen.

Daneben interessiert mich eure persönliche Meinung. "Karin" entstand während einer langen, sehr emotionalen Beziehung und soll bei den Lesern dasselbe Gefühl auslösen, das ich damals oft empfunden habe:


Nach einmal durchlesen, kann ich schonmal sagen, dass das ankommt. Vor allem die Zerissenheit des Autors.

Melancholie.


Ob es das ist, bin ich mir nicht sicher...


Karin

Evo I

Deine Stimme zittert ein wenig, als du dich am anderen Ende der Leitung meldest. Ich höre das, weil es typisch für dich ist, dass sie zittert. Ein Anderer würde das Zittern wahrscheinlich nicht bemerken. Wahrscheinlich würde er mir sogar unterstellen, dass ich mir das Zittern einbilde.


Auch wenn du hier kein Wort von einem Telefongespräch erwähnst, weiß ich das telefoniert wird. Und es spricht sehr viel intimes aus diesen Zeilen. Ich finde das schön, weil es so wenig Worte bedarf und trotzdem so viel aussagt.

Sie werden ja zurzeit regelrecht mit Arbeit überhäuft.«


Hier würde ich schreiben: "Er wird zurzeit ...Das "ja" würde ich weglassen.


Es ist mir nicht recht. Ganz und gar nicht.


Nur ein Vorschlag, anstatt der Verdoppelung:

Es ist mir ganz und garnicht recht.

Ich bin gerade von der Arbeit gekommen und stinke nach Alltag und Routine. Zwei Kollegen, die sich am Drucker über den Rock der Praktikantin unterhalten. Danach stinke ich. Ich muss duschen und mich umziehen, wenn ich diesen Gestank loswerden will.


Das gefällt mir. Überhaupt gefallen mir die Gedankengänge. Sie sind kurz und so aussagekräftig.

Ich blicke auf die Uhr. Es wird knapp.

»Dann bis gleich«, sagst du plötzlich und legst auf.


Ich würde diese letzte wörtliche Rede an den vorherigen Dialog ansetzen, weil du mit dem Gedankengang dazwischen dem Dialog den Speed nimmst. Man denkt, ihr habt schon aufgelegt und dann kommt plötzlich:
"Dann bis gleich,"



Evo II

Es ist sehr kalt auf dem Parkplatz. Ich schlendere von Laterne zu Laterne und spiele ein kleines Spiel. In dem Spiel bin ich ein einsamer Wanderer, gefangen in einer dunklen, kalten Pflastersteinwüste.
Nur die vereinzelten Lichtkreise, welche eine gütige Kraft des Universums verteilt zu haben scheint, vermögen mich zu wärmen und mir Kraft für die weitere Reise zu schenken.


Das ist schön geschrieben, aber ich bleibe hier hängen und denke darüber nach, was es bedeutet. Ich muss es öfter lesen und verstehe es nicht ganz.

merke nicht, wie dein Wagen ankommt.


Wenn er es nicht merkt, wieso erzählt er es dann? Ich glaube er darf ruhig merken, dass der Wagen kommt.

Erst als ich Schritte höre, drehe ich mich um und sehe dich.

Du siehst großartig aus, wie immer. Deine kleine wohl proportionierte Gestalt in einem hübschen Kleidchen und schwarzen provokativen Stiefeln. Darüber ein offener Mantel und ein weißer Schal, der locker um deinen schlanken Hals gewickelt ist. Deine Haare wehen im Wind. Du lächelst. Du bist in diesem Augenblick so unglaublich schön, dass ich fast weinen möchte. Aber ich tue es nicht, weil es schwierig wäre, dir dieses Weinen richtig zu erklären.


Ich finde diese Beschreibung wunderschön. Das er fast weinen möchte, zeigt die Zerissenheit in einer anderen Form. Denn eigentlich war er ja anfangs "nicht so begeistert" sie zu sehen. Ich weiß nicht ob man das Melancholie nennen kann. Auf jeden Fall spürt man die Ambivalenz des Protagonisten.



Das ist so typisch für dich. Das Zittern in der Stimme, das fluchtartige Trennen der Leitung, die Kleidung, die viel zu leicht für die Jahreszeit ist. Letzten Winter habe ich versucht dich zu überzeugen, dass dir weiße Kragenpullover stehen. Sie tun es wirklich und sind praktisch, weil sie alles Schöne an dir zum Vorschein bringen und du in ihnen nicht frieren musst. Du hast sie eine Zeit lang getragen. Dann warst du den Sommer über weg. Und jetzt trägst du sie nicht mehr.


Das zeigt auch, dass sie sich schon längere Zeit kennen. Ich finde das gut, wie du es zeigst, ohne es zu beschreiben, ohne Jahreszahlen zu benutzen oder dergleichen.

Wir unterhalten uns auf unsere Weise. Eine Art Unterhaltung, die wir entwickelt haben weil du es notwendig gemacht hast sie zu entwickeln. Das ist kein Vorwurf. Ich genieße es, mit dir auf diese Weise zu sprechen. Es ist typisch für dich. Das Zittern in deiner Stimme, das plötzliche Trennen der Leitung, die für die Jahreszeit viel zu leichte Kleidung und dass wir nur über Belanglosigkeiten reden und uns nur über unsere Körpersprache die Wahrheit sagen.


Hier widerholst du sehr stark.Das es typisch ist, das Zittern, die Kleidung...Stattdessen würde ich gerne wissen was das für eine Unterhaltung ist und was eure Art der Unterhaltung bedeutet. Hier beschreibst du eher, anstatt zu zeigen.

Jedes Lächeln ist ein Zugeständnis, jede Berührung birgt eine Botschaft, jede Regung in deinen dunklen Augen spricht von deinen Gefühlen.


Auch hier kann ich mit den Begriffen nicht viel anfangen. Stattdessen könntest du Zugeständnisse, Botschaften oder Gefühle erläutern, indem du zeigst, anstatt zu beschreiben.


Insgesamt finde ich den Text schön. Er sagt soviel aus, obwohl du wenig Worte benutzt. Gleichzeitig hätte ich mir mehr gewünscht. Ich weiß auch nicht. Ich finde es schwierig ihn zu beurteilen, weil er eine persönliche Erfahrung zu sein scheint.
Rechtschreibfehler sind mir nicht aufgefallen und ich finde den Ausdruck passend. Der Text liest sich einigermaßen flüssig. Nur einmal hatte ich wegen dem Gedankengang mitten im Dialog was zu meckern. Da wird irgendwie der Fluß unterbrochen.

Liebe Grüße, Dine.
Dine
 
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Re: Karin

Beitragvon Kunstmelodie » 10.03.2014, 19:20

Hallo!
Ich möchte hier auch mal meine Meinung abgeben, auch wenn ich Grammatik und Rechtschreibung außen vor lassen werde, da ich da selbst nicht so gut drin bin ;)

Sartea hat geschrieben:
Deine Stimme zittert ein wenig, als du dich am anderen Ende der Leitung meldest. Ich höre das, weil es typisch für dich ist, dass sie zittert. Ein Anderer würde das Zittern wahrscheinlich nicht bemerken. Wahrscheinlich würde er mir sogar unterstellen, dass ich mir das Zittern einbilde.
Dabei bilde ich es mir nicht ein. Es ist da.
Mich persönlich hat im ersten Moment die Anrede verwirrt, weil du den jungen Mann direkt so ansprichst. Muss man sich aber nur dran gewöhnen, dann geht das^^^An sich finde ich den Anfang nicht schlecht. Erst erschien er mir wie lästiger Infodump, aber durch den die nachfolgenden Sätze wirkt es dennoch ganz ansehnlich und baut in gewisser Art und Weise Spannung auf.

Sartea hat geschrieben: Das ist typisch für dich. Das Zittern in der Stimme, das fluchtartige Trennen der Leitung. Ich weiß warum du das tust. Oder ahne es zu wissen. Ich lächle still in mich hinein und beginne mich auszuziehen. Ich habe genug Zeit, denn jetzt weiß ich, dass du dich verspäten wirst.

Wieder wiederholst du, das dieses und jenes typisch für denjenigen ist. Finde ich persönlich unnötig. Es klingt in meinen Ohren eher so, als wollte die Person sich und anderen beweisen und zeigen, wie gut sie die andere Person kennt. Vielleicht würde ich den ersten Satz ersetzten durch ein "Was ich hatte ich denn anderes erwartet? Das Zittern in der Stimme...usw" Vielleicht nicht unbedingt besser, aber vielleicht verstehst du jetzt, was ich meine ;) Wieso weiß sie, das er sich verspäten wird?

Sartea hat geschrieben: Evo II

Ehrlich gesagt frage ich mich gerade, was das zu bedeuten hat? So was ähnlich wie Kapitel? o.0

Sartea"Es ist sehr kalt auf dem Parkplatz. Ich schlendere von Laterne zu Laterne und spiele ein kleines Spiel. In dem Spiel bin ich ein einsamer Wanderer, gefangen in einer dunklen, kalten Pflastersteinwüste. Nur die vereinzelten Lichtkreise, welche eine gütige Kraft des Universums verteilt zu haben scheint, vermögen mich zu wärmen und mir Kraft für die weitere Reise zu schenken. Ich zähle meine Schritte bis zum nächsten Lichtkreis, freue mich auf das Geschenk der Geborgenheit und merke nicht, wie dein Wagen ankommt.
Erst als ich Schritte höre, drehe ich mich um und sehe dich.

Schön beschrieben, wie ich finde! Allerdings, wenn er nicht bemerkt, das der Wagen kommt, dann merkt er es wirklich nicht, oder? Anderseits, wenn die Treffen häufiger sind und er weiß, das sie mit dem Auto kommen wird...
Ich nehme mal ganz stark an, bei dem Mann handelt es sich um den am Telefon?


[quote="Sartea hat geschrieben: Das ist so typisch für dich. Das Zittern in der Stimme, das fluchtartige Trennen der Leitung, die Kleidung, die viel zu leicht für die Jahreszeit ist. Letzten Winter habe ich versucht dich zu überzeugen, dass dir weiße Kragenpullover stehen. Sie tun es wirklich und sind praktisch, weil sie alles Schöne an dir zum Vorschein bringen und du in ihnen nicht frieren musst. Du hast sie eine Zeit lang getragen. Dann warst du den Sommer über weg. Und jetzt trägst du sie nicht mehr.

Ah, ich beginne zu verstehen! Interessantes Stilmittel mit der Wiederholung! Jetzt sehe ich das ganze auch schon wieder ein wenig anders :D
Interssant finde ich hier dir den Sprung, ohne vorher dieses "Evo" davor zu schreiben. Sehr schön finde ich hier den Vergleich, das er es früher getragen hat, dann weg war und es nun nicht mehr trägt...das sagt so viel aus!

Sartea hat geschrieben:Wir unterhalten uns auf unsere Weise. Eine Art Unterhaltung, die wir entwickelt haben weil du es notwendig gemacht hast sie zu entwickeln. Das ist kein Vorwurf. Ich genieße es, mit dir auf diese Weise zu sprechen. Es ist typisch für dich. Das Zittern in deiner Stimme, das plötzliche Trennen der Leitung, die für die Jahreszeit viel zu leichte Kleidung und dass wir nur über Belanglosigkeiten reden und uns nur über unsere Körpersprache die Wahrheit sagen.

Ehrlich gesagt erinnert das mich jetzte gerade ein bisschen an das Spiel "ich packe meinen Koffer.."
Weiß noch nicht, ob ich das gut finde :lol:

Sartea hat geschrieben:Jedes Lächeln ist ein Zugeständnis, jede Berührung birgt eine Botschaft, jede Regung in deinen dunklen Augen spricht von deinen Gefühlen.

sehr sehr schön!!! Die Emotionen kommen richtig gut rüber!

Sartea hat geschrieben:Ich werde dieses Spiel noch eine Weile genießen und dann anfangen dir Fragen über deinen Freund zu stellen. Dann wirst du nervös werden, deinen hübschen kleinen Kopf senken, eine Entschuldigung stammeln und gehen.

Das muss ja jetzt der Mann sagen, richtig? Ich finde hier den Sprung der Perspektiven zu fließend. Ich dachte im ersten Moment, es wäre noch die Frau...

Sartea hat geschrieben:Das ist typisch für dich. So typisch, wie die Tatsache, dass wir uns wieder treffen werden.

Das ist mal ein richtig guter Schluss, der den Kreislauf der beiden richtig gut verdeutlicht!

Also alles in allem fand ich schon, dass deine Geschichte sehr von Emotionen geprägt ist. zwischendurch hatte die Geschichte meiner Meinung nach etwas zartes...
Auch gut gefallen hat mir die Aufteilung der Sätze. Das hat die Spannung hochgehalten und durch jeden neuen Absatz wurde einem die augenscheinliche Tragik der beiden bewusst.
Inhaltlich würde ich mal mutmaßen, das es um ein Liebespaar geht, das wieder aller Vernunft zusammen ist, oder aber eine hass-liebe zueinander hegt.

Liebe Grüße, hoffe du konntest etwas mit meinem Kommentar anfangen,
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Re: Karin

Beitragvon Sartea » 10.03.2014, 21:25

Hallo Dine,
Hallo Kunstmelodie,

ich danke euch für die Mühe, meinen Text zu kommentieren. Es ist sehr fesselnd für mich zu beobachten, wie unterschiedlich ein Text wahr- und aufgenommen werden kann. Erlaubt mir nun, auf eure Verbesserungsvorschläge und Kritikpunkte einzugehen.

Dines Kritikpunkte

Dine hat geschrieben:Nach einmal durchlesen, kann ich schonmal sagen, dass das ankommt. Vor allem die Zerissenheit des Autors.


Melancholie.


Dine hat geschrieben:Ob es das ist, bin ich mir nicht sicher...


Wirkt der Protagonist btw. der Autor tatsächlich zerrissen auf dich? Das ist interessant ...

Nun. Vielleicht. Eigentlich war er zum Zeitpunkt der Geschichte bereits über die Zerrissenheit hinaus und empfand viel eher eine Mischung aus Resignation, Schwermut und leisen Hohn über seine Situation.

Dine hat geschrieben:Hier würde ich schreiben: "Er wird zurzeit ...Das "ja" würde ich weglassen.


Der Vorschlag gefällt mir. Ich werde ihn übernehmen.

Dine hat geschrieben:Nur ein Vorschlag, anstatt der Verdoppelung:

Es ist mir ganz und garnicht recht.


Die Verdopplung empfinde ich an dieser Stelle als notwendig um der Aussage mehr Gewicht zu verleihen. Dennoch danke ich dir für den Verbesserungsvorschlag.

Dine hat geschrieben:Ich würde diese letzte wörtliche Rede an den vorherigen Dialog ansetzen, weil du mit dem Gedankengang dazwischen dem Dialog den Speed nimmst. Man denkt, ihr habt schon aufgelegt und dann kommt plötzlich:
"Dann bis gleich,"


Guter Punkt. Ich werde ein wenig herum basteln. Danke für den Hinweis.

Dine hat geschrieben:Das ist schön geschrieben, aber ich bleibe hier hängen und denke darüber nach, was es bedeutet. Ich muss es öfter lesen und verstehe es nicht ganz.


Das lese ich sehr gerne. :P Nein, ernsthaft. Was das bedeutet, oder bedeuten kann, ist eine Frage der Interpretation des Lesers. Es gibt hier keine richtige Botschaft die man heraus kriegen könnte.

Dine hat geschrieben:Wenn er es nicht merkt, wieso erzählt er es dann? Ich glaube er darf ruhig merken, dass der Wagen kommt.


Er hat es aber nun mal nicht bemerkt. ^^ Der Autor wollte hier darstellen, wie tief der Protagonist sich in seine eigene Gedankenwelt zu vergraben im Stande ist.

Dine hat geschrieben:Ich finde diese Beschreibung wunderschön. Das er fast weinen möchte, zeigt die Zerissenheit in einer anderen Form. Denn eigentlich war er ja anfangs "nicht so begeistert" sie zu sehen. Ich weiß nicht ob man das Melancholie nennen kann. Auf jeden Fall spürt man die Ambivalenz des Protagonisten.


Ich denke, ich weiß nun, wieso du dem Protagonisten Zerrissenheit unterstellst. Das ist sehr verständlich. Aber nicht richtig. Er wollte sie auf jeden Fall sehen. Aus dem Telefonat sollte hervor gehen, dass die Verabredung für den Abend bereits stand. Karin hatte nur gefragt ob es möglich wäre, sie vorzuziehen was dem Protagonisten nicht wirklich recht war.

Was das Weinen angeht, so sagt der Protagonist ja selbst, dass es schwierig sei es richtig zu erklären. Vielleicht ist an der Zerrissenheit-Theorie ja doch was dran.

Dine hat geschrieben:Hier widerholst du sehr stark.Das es typisch ist, das Zittern, die Kleidung...Stattdessen würde ich gerne wissen was das für eine Unterhaltung ist und was eure Art der Unterhaltung bedeutet. Hier beschreibst du eher, anstatt zu zeigen.


Die Art der Unterhaltung wird am Ende der Aufzählung durchaus erklärt. ;) Sie unterhalten sich nur über Belanglosigkeiten und sprechen niemals ernste Themen an. Nur ihre Körpersprache ist ehrlich. Vor allem was ihre Gefühle füreinander angeht.

Dine hat geschrieben:Auch hier kann ich mit den Begriffen nicht viel anfangen. Stattdessen könntest du Zugeständnisse, Botschaften oder Gefühle erläutern, indem du zeigst, anstatt zu beschreiben.


Ich denke nicht, dass konkrete Dialogstränge und Beschreibungen der Körpersprache, der Geschichte an dieser Stelle gut täten. Denke an ein Bild. Es ist statisch. Und kommt ohne Erläuterungen aus. Erst durch den Betrachter wird es lebendig.

Wenn man sich darauf einlässt, dann entstehen Kommentare wie dieser hier:

Dine hat geschrieben:Insgesamt finde ich den Text schön. Er sagt soviel aus, obwohl du wenig Worte benutzt. Gleichzeitig hätte ich mir mehr gewünscht.


Mit dieser Beurteilung machst du mir ein großes Kompliment.

Ich danke dir nochmal für deinen Kommentar, Dine.
Und wünsche dir einen schönen Abend.

Bis Bald
Sartea der Graue

Kunstmelodies Kritikpunkte

Kunstmelodie hat geschrieben:Hallo!
Ich möchte hier auch mal meine Meinung abgeben, auch wenn ich Grammatik und Rechtschreibung außen vor lassen werde, da ich da selbst nicht so gut drin bin ;)


Es sei dir verziehen. :mrgreen:

Kunstmelodie hat geschrieben:Mich persönlich hat im ersten Moment die Anrede verwirrt, weil du den jungen Mann direkt so ansprichst. Muss man sich aber nur dran gewöhnen, dann geht das^^^An sich finde ich den Anfang nicht schlecht. Erst erschien er mir wie lästiger Infodump, aber durch den die nachfolgenden Sätze wirkt es dennoch ganz ansehnlich und baut in gewisser Art und Weise Spannung auf.


Vielen Dank. Aber ich muss dich korrigieren. Die Geschichte ist aus der Sicht eines männlichen Protagonisten geschrieben. Diese Perspektive ändert sich zu keinem Zeitpunkt.

Kunstmelodie hat geschrieben:Wieder wiederholst du, das dieses und jenes typisch für denjenigen ist. Finde ich persönlich unnötig. Es klingt in meinen Ohren eher so, als wollte die Person sich und anderen beweisen und zeigen, wie gut sie die andere Person kennt. Vielleicht würde ich den ersten Satz ersetzten durch ein "Was ich hatte ich denn anderes erwartet? Das Zittern in der Stimme...usw" Vielleicht nicht unbedingt besser, aber vielleicht verstehst du jetzt, was ich meine ;) Wieso weiß sie, das er sich verspäten wird?


Die Wiederholungen des, für sie, Typischen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Mit jeder Wiederholung kommt eine Sache dazu. Es ist ein Stilmittel und soll zwei Dinge verdeutlichen: Dass der Protagonist Karin sehr gut kennt. Und dass sich seine Gedanken wie in einer Schleife ständig um sie drehen.

Ich frage mich wie du darauf kommst, dass die Erzählerperspektive zwischen Protagonist und Karin wechselt. Kannst du mir vielleicht Textstellen nennen, die dich zu einem solchen Schluss veranlasst haben?

Kunstmelodie hat geschrieben:Ehrlich gesagt frage ich mich gerade, was das zu bedeuten hat? So was ähnlich wie Kapitel? o.0


Ah, ja. *lach* Die Geschichte ist aus meiner RPG Zeit. Wir hatten damals keine Kapitel sondern Evos. Ich weiß bis heute nicht was das genau bedeuten soll. ^^

Kunstmelodie hat geschrieben:Schön beschrieben, wie ich finde! Allerdings, wenn er nicht bemerkt, das der Wagen kommt, dann merkt er es wirklich nicht, oder? Anderseits, wenn die Treffen häufiger sind und er weiß, das sie mit dem Auto kommen wird...
Ich nehme mal ganz stark an, bei dem Mann handelt es sich um den am Telefon?


Vielen Dank. ;)

Nun, er bemerkt ihre Schritte. So kann er im Nachhinein schließen, dass er durch seine Tagträumereien mal wieder die Realität verschlafen und nicht bemerkt hat, wie Karins Wagen auf den Parkplatz fuhr.

Ja, es handelt es um denselben Mann. Es würde den Mann am Telefon sehr stören, wenn Karin sich mit einem anderen Mann treffen würde. Ihren Freund zu ertragen war schon schlimm genug. *gg*

Kunstmelodie hat geschrieben:Ah, ich beginne zu verstehen! Interessantes Stilmittel mit der Wiederholung! Jetzt sehe ich das ganze auch schon wieder ein wenig anders :D


Und ich beginne deine Verwirrung zu verstehen. Ein Tipp: Lies dir die Geschichte ein mal ganz durch bevor du anfängst sie zu kommentieren. Viele Ungereimtheiten und Logiklücken schließen sich dann ganz von allein. ;)

Kunstmelodie hat geschrieben:Interssant finde ich hier dir den Sprung, ohne vorher dieses "Evo" davor zu schreiben. Sehr schön finde ich hier den Vergleich, das er es früher getragen hat, dann weg war und es nun nicht mehr trägt...das sagt so viel aus!


Die Evos grenzen in dieser Geschichte im Grunde nur die Orte des Geschehens voneinander ab: Wohnung, Parkplatz und Kneipe.

Es sagt sehr viel aus. *nick* Allerdings geht es bei dem Vergleich um Karin. Nicht um den Protagonisten.

Kunstmelodie hat geschrieben:Ehrlich gesagt erinnert das mich jetzte gerade ein bisschen an das Spiel "ich packe meinen Koffer.."
Weiß noch nicht, ob ich das gut finde :lol:


Vielen Dank für die Banalisierung dieser für mich sehr emotionalen Komponente. *lach*

Aber ja, du hast recht. ^^ Es ist wie das Spiel „ich packe meinen Koffer“. Ohne die Möglichkeit den Koffer weg zu legen. Während er immer schwerer wird.

Kunstmelodie hat geschrieben:sehr sehr schön!!! Die Emotionen kommen richtig gut rüber!


Vielen Dank. Das war meine Absicht.

Kunstmelodie hat geschrieben:Das muss ja jetzt der Mann sagen, richtig? Ich finde hier den Sprung der Perspektiven zu fließend. Ich dachte im ersten Moment, es wäre noch die Frau...


Vielleicht empfindest du die Sprünge der Perspektiven als zu fließend, weil es gar keine Sprünge gibt? :P

Kunstmelodie hat geschrieben:(...)Inhaltlich würde ich mal mutmaßen, das es um ein Liebespaar geht, das wieder aller Vernunft zusammen ist, oder aber eine hass-liebe zueinander hegt.


Gute Mutmaßung. Sowohl vor wie auch nach dem Komma.

Kunstmelodie hat geschrieben:Liebe Grüße, hoffe du konntest etwas mit meinem Kommentar anfangen,
Kunstmelodie :girl:


Deine Interpretationen haben mir zum Teil sehr gefallen und zum anderen haben sie mich ehrlich amüsiert.

Hmm … Ich hoffe, dass ich dir damit jetzt nicht auf die Füße trete. Es war nicht negativ gemeint. ;)

Vielen Dank für deinen Kommentar, Kunstmelodie.
Ich wünsche dir einen angenehmen Abend.

Auf Wiederlesen
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Re: Karin

Beitragvon Kunstmelodie » 11.03.2014, 18:01

Hallo Sartea!
Gerne beantworte ich dir noch deine Fragen! ;)

Sartea hat geschrieben:
Ich frage mich wie du darauf kommst, dass die Erzählerperspektive zwischen Protagonist und Karin wechselt. Kannst du mir vielleicht Textstellen nennen, die dich zu einem solchen Schluss veranlasst haben?
Nunja, zb hier:
der Anfang ist doch alles Karin? Dann kommt die Szene mit der Laterne, die aus der Sicht des Protagonistin geschrieben ist. ...Moment Mal! Die erste Szene ist aus Sicht des Protagonisten!!! Mit Freund, also ist Karin am Telefon! Oh man...(ich habe das so gedacht gehabt, weil die Geschichte Karin heißt, daher hatte ich in mir festgesetzt, dass Karin der Name der Protagonistin ist, so wie denn der Name als Kapitelüberschrift verwendet wird, zumal über dem Wort der Person Karin noch das allgemeine Wort Melancholie steht... :roll: )
Jetzt habe ich es kapiert! Der Protagonist ist ein Mann und nicht Karin und es wird alles aus der Sicht des Protagonisten erzählt! :doh:
Ich dachte nämlich:
Karin ist die Protagonistin-Anfangsszene ist alles Karin-Dann kommt die laternenszene-das ist der Mann-Die Gedanken mit dem Rollkragenpullover: denkt Karin über den Mann-usw-"Envo" bezeichnet den Wechsel der Gedanken...oh man :D





Sartea hat geschrieben: Und ich beginne deine Verwirrung zu verstehen. Ein Tipp: Lies dir die Geschichte ein mal ganz durch bevor du anfängst sie zu kommentieren. Viele Ungereimtheiten und Logiklücken schließen sich dann ganz von allein. ;)

Ja, ich weiß. Normalerweise handhabe ich das auch so, nur ich hatte gestern eigentlich keine Zeit für den Kommentar und wollte den trotzdem machen, daher diese Vorgehensweise, tut mir leid :oops:

Keine Sorge, ich habe deine Antwort nicht negativ aufgefasst^^

Ganz liebe Grüße, dir auch noch einen schönen Tag!
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Re: Karin

Beitragvon Veniya » 01.04.2014, 16:01

Sei gegrüßt Sartea,

beim Stöbern bin ich auf diesen, deinen Text gestoßen und möchte ihn, obwohl er schon ein paar Tage alt ist, kommentieren.

Weil er mir gefällt, mich zum Nachdenken anregt und auf eine besondere Weise gleichzeitig tragisch und schön ist.

Mir gefällt sehr, dass der Erzähler Karin in der zweiten Person anspricht. Das ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig und erinnert mich eher an ein Gedicht, aber es gibt der Geschichte auch etwas Poetisches und betont die Nähe, die zwischen den beiden besteht. Generell empfinde ich die die Geschichte als sehr emotional.

Okay, dann versuche ich mich mal an einer Art Interpretation. Ich weiß nicht, ob ich gut darin bin und hoffe inständig, dass du mich anschließend nicht erwürgst. Ich würde nur gerne zeigen, wie die Geschichte auf mich wirkt, was für Gedanken und Fragen in meinem Kopf auftauchen, wenn ich sie lese. Das ist vielleicht an manchen Stellen etwas konfus und mit Sicherheit nicht immer das, was du aussagen wolltest, aber ich hoffe, du hast etwas Nachsicht mit mir.

Sartea hat geschrieben:Deine Stimme zittert ein wenig, als du dich am anderen Ende der Leitung meldest. Ich höre das, weil es typisch für dich ist, dass sie zittert. Ein Anderer würde das Zittern wahrscheinlich nicht bemerken. Wahrscheinlich würde er mir sogar unterstellen, dass ich mir das Zittern einbilden.

Dabei bilde ich es mir nicht ein. Es ist da.


Der Erzähler betont das Zittern, wiederholt es mehrfach. Es berührt ihn offensichtlich, so wie ihn die Frau am anderen Ende der Leitung berührt. Ich nehme an, er bezieht dieses Detail auf sich, die Wirkung, die er auf sie hat. Er betont, dass es ihm auffällt, während andere ihm womöglich unterstellen könnten, dass er es sich nur einbildet. Er sagt damit indirekt, dass er sie besser kennt als andere. Das gefällt mir.

Ich würde den zweiten Satz eventuell umstellen, weil mir der Nebensatz, den du mit dass einleitest, nicht so gut gefällt.
In etwa so, nur als Vorschlag:
Deine Stimme zittert ein wenig, als du dich am anderen Ende der Leitung meldest. Ich höre das, weil dieses Zittern typisch für dich ist. Ein Anderer würde das es wahrscheinlich nicht bemerken. Wahrscheinlich würde er mir sogar unterstellen, dass ich mir das Zittern einbilde.

Sartea hat geschrieben:»Wir können uns sofort treffen«, sagst du. »Mein Freund hat das Essen abgesagt. Er muss länger arbeiten. Er wird zurzeit regelrecht mit Arbeit überhäuft.«

Dieser Einstieg. Jede Tatsache hübsch aneinandergereiht und mit einer Ursache versehen. Es könnte mir Spaß machen an diesem schönen Gerüst herum zu rütteln. Bis es einstürzt.

Aber nicht heute.

»Sofort“, wiederhole ich und überlege (Komma) ob ich das schaffen könnte.


Schön, wie er ihre Worte interpretiert und dann die Kernaussage aufgreift. Sofort.

Auch das Bild mit dem Gerüst gefällt mir. Das Gerüst ihres Lebens, in dem er nur eine kleine Rolle zu spielen scheint, obwohl es emotional vielleicht eine große ist (sein könnte). Ein Gerüst, das ihn womöglich wütend macht, gegen das er aber nicht ankommt.

Sartea hat geschrieben:»Ja, ist es dir recht?« Deine Stimme zittert nach wie vor.

»Ja.«

Es ist mir nicht recht. Ganz und gar nicht. Ich bin gerade von der Arbeit gekommen und stinke nach Alltag und Routine. Zwei Kollegen, die sich am Drucker über den Rock der Praktikantin unterhalten. Danach stinke ich. Ich muss duschen und mich umziehen, wenn ich diesen Gestank loswerden will.


Wieder das Zittern. Sie weiß, dass sie ihm (und sich selbst) Unrecht tut, möchte ihn aber dennoch sehen, doch er muss sich in ihren Zeitplan einfügen. Und obwohl es ihm nicht recht ist, sagt er zu, weil ... er sie unbedingt sehen will? ... er das Zeitfenster nicht verstreichen lassen will? ... er die Gelegenheit nicht verpassen will? An dieser Stelle stellt sich mir die Frage, ob das immer so läuft. Ist es immer sie, die anruft? Zeit und Dauer des Treffens bestimmt. Weiß sie, dass er nicht ablehnen kann oder hat sie Angst, dass er irgendwann nicht mehr mitspielt? Vielleicht deswegen das Zittern?

Der Alltag mit den Kollegen ist gut umschrieben. Kurz und witzig auf den Punkt gebracht. Wie man sich eben so fühlt nach einem Tag in der Firma :D

Sartea hat geschrieben:Ich blicke auf die Uhr, als du plötzlich auflegst.

Das ist typisch für dich. Das Zittern in der Stimme, das fluchtartige Trennen der Leitung. Ich weiß (Komma) warum du das tust. Oder ahne es zu wissen. Ich lächle still in mich hinein und beginne mich auszuziehen. Ich habe genug Zeit, denn jetzt weiß ich, dass du dich verspäten wirst.


Wieder interpretiert er ihr Verhalten. Das fluchtartige Trennen der Leitung. Was glaubt er zu wissen? Warum weiß er, dass sie sich nun verspäten wird? Kennt er sie so gut? Hat es solche Telefonate/Treffen schon so oft gegeben? Hat sie womöglich wirklich nicht damit gerechnet, dass er zustimmen wird und muss sich nun vorbereiten, duschen, umziehen, schminken, wieder umziehen, abschminken, noch einmal umziehen ... Was Frauen eben so tun, wenn sie aufgeregt sind vor einem Date?

Das ahne würde ich durch glaube ersetzen. Oder: Oder ich ahne es zumindest.

Sartea hat geschrieben:Es ist sehr kalt auf dem Parkplatz. Ich schlendere von Laterne zu Laterne und spiele ein kleines Spiel. In dem Spiel bin ich ein einsamer Wanderer, gefangen in einer dunklen, kalten Pflastersteinwüste. Nur die vereinzelten Lichtkreise, welche eine gütige Kraft des Universums verteilt zu haben scheint, vermögen mich zu wärmen und mir Kraft für die weitere Reise zu schenken. Ich zähle meine Schritte bis zum nächsten Lichtkreis, freue mich auf das Geschenk der Geborgenheit und merke nicht, wie dein Wagen ankommt.


Ein schönes Bild. Ein Spiel, das zeigt, wie er sich fühlt. Zwei Leben. Eins mit ihr und eins ohne sie. Schön umschrieben, ohne klischeehaft zu wirken. Gefällt mir. Ich kann mich gut in ihn hineinversetzen.

Das sehr würde ich weglassen.

Sartea hat geschrieben:Erst als ich Schritte höre, drehe ich mich um und sehe dich.

Du siehst großartig aus, wie immer. Deine kleine wohl proportionierte Gestalt in einem hübschen Kleidchen und schwarzen provokativen Stiefeln. Darüber ein offener Mantel und ein weißer Schal, der locker um deinen schlanken Hals gewickelt ist. Deine Haare wehen im Wind. Du lächelst. Du bist in diesem Augenblick so unglaublich schön, dass ich fast weinen möchte. Aber ich tue es nicht, weil es schwierig wäre, dir dieses Weinen richtig zu erklären.


Kontrast: klein, hübsch, Kleidchen - lässt mich an etwas Zartes denken, zerbrechlich wie ein Kind. Und dann: schwarze provokative Stiefel. Eine brisante Mischung :D

Interessant: Er will ihr seine Gefühle nicht zeigen. Will er nicht, dass sie weiß, wie sehr er sie begehrt? Macht ihn das verletzlich? Oder würde sie ihn nicht verstehen?

Den ersten Satz würde ich teilen, um den zweiten Abschnitt zu betonen: Du siehst großartig aus. Wie immer.

Das fast würde ich weglassen.

Sartea hat geschrieben:»Entschuldige bitte die Verspätung«, sagst du und streichst dir in einer gewohnten Bewegung deiner zierlichen Hand ein paar lästige Strähnen aus dem Gesicht. »Wartest du schon lange?«

»Nein.« Ich schüttle meinen Kopf, gehe auf dich zu und umarme dich, weil ich sehe, dass du frierst. »Ich wusste, du würdest später kommen.«

Das ist so typisch für dich. Das Zittern in der Stimme, das fluchtartige Trennen der Leitung, die Kleidung, die viel zu leicht für die Jahreszeit ist. Letzten Winter habe ich versucht dich zu überzeugen, dass dir weiße Kragenpullover stehen. Sie tun es wirklich und sind praktisch, weil sie alles Schöne an dir zum Vorschein bringen und du in ihnen nicht frieren musst. Du hast sie eine Zeit lang getragen. Dann warst du den Sommer über weg. Und jetzt trägst du sie nicht mehr.


Zierliche Hand, gewohnte Bewegung, das Frieren. Schöne Details. Er hat einen Blick dafür. Sieht sie, als bestünde sie aus diesen vielen kleinen Elementen, die ihm gefallen, die ihm vertraut sind. Wie ein Bild, das man erst wirklich begreift, wenn man ganz nah herangeht.

Schön: Er macht sich Sorgen um sie.

Ich würde Rollkragenpullover schreiben. Meinst du doch, oder?

Sartea hat geschrieben:»Wollen wir gehen?« flüstere ich.

Du nickst und wir gehen.


Er flüstert. Schön! Passt zur Stimmung.

Sartea hat geschrieben:Die Kneipe ist fast leer. Wir haben dennoch die hinterste und dunkelste Ecke genommen, trinken unser Bier und unterhalten uns.


Würde ich umformulieren: Dennoch haben wir… / oder: Dennoch sitzen wir in der hintersten und dunkelsten Ecke.

Sartea hat geschrieben:Wir unterhalten uns auf unsere Weise. Eine Art Unterhaltung, die wir entwickelt haben (Komma) weil du es notwendig gemacht hast sie zu entwickeln. Das ist kein Vorwurf. Ich genieße es, mit dir auf diese Weise zu sprechen. Es ist typisch für dich. Das Zittern in deiner Stimme, das plötzliche Trennen der Leitung, die für die Jahreszeit viel zu leichte Kleidung (Komma) und dass wir nur über Belanglosigkeiten reden und uns nur über unsere Körpersprache die Wahrheit sagen.


sie zu entwickeln würde ich eventuell weglassen. Ich denke, du wolltest es so betonen, aber ich finde, es klingt etwas holprig.

Um die Wiederholung von unterhalten/Unterhaltung zu vermeiden, würde ich schreiben: Wir reden auf unsere Weise.

Wieder kommt ein Element hinzu: Das Reden über Belangloses. Er charakterisiert sie über sich wiederholende Reaktionen, über ihr Verhalten, wenn sie mit ihm zusammen ist. Ich frage mich, ob er sie wirklich kennt. Vielleicht glaubt er nur, sie zu kennen, denn womöglich ist sie nicht sie selbst, wenn sie mit ihm zusammen ist. Oder ist sie es nur dann?

Sartea hat geschrieben:Jedes Lächeln ist ein Zugeständnis, jede Berührung birgt eine Botschaft, jede Regung in deinen dunklen Augen spricht von deinen Gefühlen.


Schön beschrieben. Das Prickeln, dass sich unter Verliebten abspielt, verdeckt von einem belanglosen Gespräch. Schöne Vorstellung.

Sartea hat geschrieben:Ich werde dieses Spiel noch eine Weile genießen und dann anfangen dir Fragen über deinen Freund zu stellen. Dann wirst du nervös werden, deinen hübschen kleinen Kopf senken, eine Entschuldigung stammeln und gehen.

Das ist typisch für dich. So typisch, wie die Tatsache, dass wir uns wieder treffen werden.


Jetzt wird sie wieder zu dem zarten, zerbrechlichen Wesen. Macht er sie dazu? Ist es der Zwiespalt, in den er sie bringt? In den sie sich selbst bringt, indem sie ihn liebt? Zeigt er, wie er sie sieht, indem er sie verniedlicht? Erscheint sie ihm hilflos, unreif, womöglich sogar unmündig?

Wieder typisiert er sie. Im Grunde ebenso wie sich selbst. Das Ganze liest sich wie ein immer wiederkehrender Traum, aus dem man nicht aufwachen will, der einen aber jedes Mal unbarmherzig in die Realität zurückbringt.

In gewisser Weise spielt er mit ihr, versucht sie zu charakterisieren, ihre Reaktionen abzuschätzen, vorherzusehen, glaubt sie zu kennen/durchschaut sie. Gleichzeitig spielt er mit seinen Gefühlen. Die Frage, die sich mir stellt: Würdigt er sie herab, indem er sie auf diese typischen Eigenschaften reduziert? Nimmt er ihre Beweggründe ernst? Weiß er, wer sie wirklich ist?

Was ist das für eine Liebe? Das die Geschichte unter "traurige Geschichten" eingeordnet ist, wohl keine, die glücklich enden konnte. Aber lebt sie von dem Verborgenen, in dem sie stattfindet. Würde sie ihn reizen, wenn sie nicht so unerreichbar für ihn wäre? Und was ist er für sie? Die Erfüllung einer heimlichen Sehnsucht? Eine Liebe, die sie nicht wagt zu leben?

Und: Obwohl er sie so gut zu kennen glaubt: Kennt er sie wirklich? Weiß er um ihre Gefühle zu ihrem Freund? Interessiert er sich dafür? Haben sie jemals darüber gesprochen, dem Traum zu entkommen?

Insgesamt sehr gefühlvoll beschrieben. Eine Tragik, die zum Nachdenken anregt. Auch die Form gefällt mir sehr gut, die klare Einteilung in Szenen lässt an ein Theaterstück denken.

Liebe Grüße
Veniya
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Re: Karin

Beitragvon Sartea » 04.04.2014, 01:38

Hallo Veniya,

vielen lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Um dich zunächst zu beruhigen: Ich erwürge Menschen nicht wegen ihrer Gedanken. Und auch nicht aus anderen Gründen. Du kannst also beruhigt sein und bist willkommen, ungeniert deine Meinung zu äußern. ;)

Doch nun zu deinen Fragen und Anregungen:

Veniya hat geschrieben:
Der Erzähler betont das Zittern, wiederholt es mehrfach. Es berührt ihn offensichtlich, so wie ihn die Frau am anderen Ende der Leitung berührt. Ich nehme an, er bezieht dieses Detail auf sich, die Wirkung, die er auf sie hat. Er betont, dass es ihm auffällt, während andere ihm womöglich unterstellen könnten, dass er es sich nur einbildet. Er sagt damit indirekt, dass er sie besser kennt als andere. Das gefällt mir.



Deine Interpretation gefällt mir ausgesprochen gut. Der Erzähler ist ein sehr besitzergreifender Mensch und es fällt ihm schwer Karin nicht zu 100% für sich beanspruchen zu können. Deswegen haben solche kleine Zugeständnisse, wie das Zittern in ihrer Stimme, große Bedeutung für ihn.

Veniya hat geschrieben:
Ich würde den zweiten Satz eventuell umstellen, weil mir der Nebensatz, den du mit dass einleitest, nicht so gut gefällt.
In etwa so, nur als Vorschlag:
Deine Stimme zittert ein wenig, als du dich am anderen Ende der Leitung meldest. Ich höre das, weil dieses Zittern typisch für dich ist. Ein Anderer würde das es wahrscheinlich nicht bemerken. Wahrscheinlich würde er mir sogar unterstellen, dass ich mir das Zittern einbilde.



Das ist eine Überlegung wert. Ich teste mal wie es liest. Danke für den Verbesserungsvorschlag.

Veniya hat geschrieben:
Schön, wie er ihre Worte interpretiert und dann die Kernaussage aufgreift. Sofort.

Auch das Bild mit dem Gerüst gefällt mir. Das Gerüst ihres Lebens, in dem er nur eine kleine Rolle zu spielen scheint, obwohl es emotional vielleicht eine große ist (sein könnte). Ein Gerüst, das ihn womöglich wütend macht, gegen das er aber nicht ankommt.



Sehr schön. ^^

Der Erzähler stört sich außerordentlich daran. Nicht so sehr wegen seiner eher kleinen Rolle darin, sondern vielmehr weil er der Meinung ist, dass Karin sich damit selbst belügt. Der Erzähler ist überzeugt davon, dass Karin sich aus falschen Gründen an ein Leben klammert, das nicht zu ihr passt und unterstellt ihr Heuchelei und Willensschwäche, da sie jede Unzulänglichkeit auf ihrem Lebensweg einfach schön redet.

Veniya hat geschrieben:
Wieder das Zittern. Sie weiß, dass sie ihm (und sich selbst) Unrecht tut, möchte ihn aber dennoch sehen, doch er muss sich in ihren Zeitplan einfügen. Und obwohl es ihm nicht recht ist, sagt er zu, weil ... er sie unbedingt sehen will? ... er das Zeitfenster nicht verstreichen lassen will? ... er die Gelegenheit nicht verpassen will? An dieser Stelle stellt sich mir die Frage, ob das immer so läuft. Ist es immer sie, die anruft? Zeit und Dauer des Treffens bestimmt. Weiß sie, dass er nicht ablehnen kann oder hat sie Angst, dass er irgendwann nicht mehr mitspielt? Vielleicht deswegen das Zittern?



Sehr viele Fragen. Sehr viele gute Fragen.

Der Erzähler will sie auf jeden Fall sehen. Jedes Treffen ist ihm kostbar. Obwohl diese Treffen gar nicht so selten sind. Und nein, es läuft nicht immer so ab. Karins Anruf ist eher eine Ausnahme. Sie treffen sich regelmäßig. Zu fest vereinbarten Zeiten. An fest definierten Orten. Am besten kann man es glaube ich mit wiederkehrenden Ritualen umschreiben. Nur sehr selten (zum Beispiel wenn Karins Freund das geplante Essen absagt) weichen sie vom gewohnten Muster ab.

Deine letzten Fragen sind für mich sehr schwierig zu beantworten. Ich nehme an, dass Karin sehr genau weiß, dass der Erzähler niemals nein sagen würde. Sie ist keine besonders starke Persönlichkeit aber klug und sensibel. Ihre Stimme zittert nicht aus der Befürchtung den Erzähler zu vergraulen. Sie zittert wegen der inneren Zerrissenheit.

Veniya hat geschrieben:
Der Alltag mit den Kollegen ist gut umschrieben. Kurz und witzig auf den Punkt gebracht. Wie man sich eben so fühlt nach einem Tag in der Firma :D



Gehörst du etwa ebenfalls zu den Bürosklaven? ^^

Veniya hat geschrieben:
Wieder interpretiert er ihr Verhalten. Das fluchtartige Trennen der Leitung. Was glaubt er zu wissen? Warum weiß er, dass sie sich nun verspäten wird? Kennt er sie so gut? Hat es solche Telefonate/Treffen schon so oft gegeben? Hat sie womöglich wirklich nicht damit gerechnet, dass er zustimmen wird und muss sich nun vorbereiten, duschen, umziehen, schminken, wieder umziehen, abschminken, noch einmal umziehen ... Was Frauen eben so tun, wenn sie aufgeregt sind vor einem Date?



Ja, er kennt sie sehr gut. Ihre Persönlichkeit, ihre Schwächen und Stärken, ihr Verhaltensmuster und ihren gesamten Tagesablauf. Ich weiß, das klingt ein Bisschen krank. Aber der Erzähler ist auch keine besonders gesunde Person. Xd

Karin hat sehr starke Schuldgefühle wegen der Affaire, denn genau darum handelt es sich. Mal mehr mal weniger stark spürt sie eine Diskrepanz zwischen dem was sie tun will und dem was sie tun sollte. Wenn dieses Gefühl zu stark wird, ist ihre erste Reaktion immer die Flucht. Aber sie kommt immer wieder zurück. Der Erzähler weiß also (oder glaubt es zu wissen), dass es nach der Fluchtreaktion eine ganze Weile dauern sollte bis Karin den inneren Kampf gegen ihr Gewissen verliert und sich doch noch zum Treffen aufmacht.

Veniya hat geschrieben:
Das ahne würde ich durch glaube ersetzen. Oder: Oder ich ahne es zumindest.



Der Vorschlag mit dem „glaube“ gefällt mir. Wird übernommen.

Veniya hat geschrieben:
Ein schönes Bild. Ein Spiel, das zeigt, wie er sich fühlt. Zwei Leben. Eins mit ihr und eins ohne sie. Schön umschrieben, ohne klischeehaft zu wirken. Gefällt mir. Ich kann mich gut in ihn hineinversetzen.



Deine Interpretation ist sehr interessant und passend. Dennoch: Nein. ;)

Veniya hat geschrieben:
Das sehr würde ich weglassen.



Dieses Wort begleitet mich in all meinen Texten. Egal wie beharrlich ich versuche es auszumerzen, taucht es doch immer wieder auf. Danke für den Hinweis.

Veniya hat geschrieben:
Kontrast: klein, hübsch, Kleidchen - lässt mich an etwas Zartes denken, zerbrechlich wie ein Kind. Und dann: schwarze provokative Stiefel. Eine brisante Mischung :D

Interessant: Er will ihr seine Gefühle nicht zeigen. Will er nicht, dass sie weiß, wie sehr er sie begehrt? Macht ihn das verletzlich? Oder würde sie ihn nicht verstehen?



Sie würde ihn nicht verstehen. Nun gut. Das denkt er zumindest. Im Nachhinein glaube ich, dass vieles anders (besser) gelaufen wäre, wenn der Erzähler Karin nur etwas mehr zugetraut hätte.

Veniya hat geschrieben:
Den ersten Satz würde ich teilen, um den zweiten Abschnitt zu betonen: Du siehst großartig aus. Wie immer.

Das fast würde ich weglassen.



Gekauft!

Veniya hat geschrieben:
Zierliche Hand, gewohnte Bewegung, das Frieren. Schöne Details. Er hat einen Blick dafür. Sieht sie, als bestünde sie aus diesen vielen kleinen Elementen, die ihm gefallen, die ihm vertraut sind. Wie ein Bild, das man erst wirklich begreift, wenn man ganz nah herangeht.

Schön: Er macht sich Sorgen um sie.



Er macht sich zu viel Sorgen. Er denkt zu viel nach. Immer. Das ist der Fehler.

Veniya hat geschrieben:
Ich würde Rollkragenpullover schreiben. Meinst du doch, oder?



Ja. ^^ Danke für die Korrektur.

Veniya hat geschrieben:
Würde ich umformulieren: Dennoch haben wir… / oder: Dennoch sitzen wir in der hintersten und dunkelsten Ecke.



Das „Dennoch“ zuerst zu setzen ist sicher nicht verkehrt. Ich teste wie es sich liest.

Veniya hat geschrieben:
sie zu entwickeln würde ich eventuell weglassen. Ich denke, du wolltest es so betonen, aber ich finde, es klingt etwas holprig.

Um die Wiederholung von unterhalten/Unterhaltung zu vermeiden, würde ich schreiben: Wir reden auf unsere Weise.



Beides gute Vorschläge. Aber die Betonung und die Wiederholung an dieser Stelle sind durchaus gewollt. ;)

Veniya hat geschrieben:
Wieder kommt ein Element hinzu: Das Reden über Belangloses. Er charakterisiert sie über sich wiederholende Reaktionen, über ihr Verhalten, wenn sie mit ihm zusammen ist. Ich frage mich, ob er sie wirklich kennt. Vielleicht glaubt er nur, sie zu kennen, denn womöglich ist sie nicht sie selbst, wenn sie mit ihm zusammen ist. Oder ist sie es nur dann?



Dem Erzähler gefällt die Vorstellung, dass Karin nur sie selbst ist wenn sie bei ihm ist. Ob das wirklich so ist, vermag ich nicht zu sagen.

Veniya hat geschrieben:
Jetzt wird sie wieder zu dem zarten, zerbrechlichen Wesen. Macht er sie dazu? Ist es der Zwiespalt, in den er sie bringt? In den sie sich selbst bringt, indem sie ihn liebt? Zeigt er, wie er sie sieht, indem er sie verniedlicht? Erscheint sie ihm hilflos, unreif, womöglich sogar unmündig?



Es ist ein Zwiespalt. Aber sie trägt daran eine ebenso große Mitschuld wie der Erzähler. Vielleicht sogar mehr als nur eine Mitschuld. Immerhin hat sie die ganze Sache begonnen.

Veniya hat geschrieben:
Wieder typisiert er sie. Im Grunde ebenso wie sich selbst. Das Ganze liest sich wie ein immer wiederkehrender Traum, aus dem man nicht aufwachen will, der einen aber jedes Mal unbarmherzig in die Realität zurückbringt.



*nick* Das finde ich sehr schön.

Veniya hat geschrieben:
In gewisser Weise spielt er mit ihr, versucht sie zu charakterisieren, ihre Reaktionen abzuschätzen, vorherzusehen, glaubt sie zu kennen/durchschaut sie. Gleichzeitig spielt er mit seinen Gefühlen. Die Frage, die sich mir stellt: Würdigt er sie herab, indem er sie auf diese typischen Eigenschaften reduziert? Nimmt er ihre Beweggründe ernst? Weiß er, wer sie wirklich ist?



Halt. Der Erzähler ist ein sehr pragmatischer Mensch. Er beherrscht sein Umfeld indem er es auf seine Grundprinzipien reduziert, die immer dieselben sind. Dass er das mit Karin ebenso macht ist kein Akt der Herabwürdigung. Er hat nie gelernt mit Problemen solcher oder anderer Art anders fertig zu werden.

Veniya hat geschrieben:
Was ist das für eine Liebe? Das die Geschichte unter "traurige Geschichten" eingeordnet ist, wohl keine, die glücklich enden konnte. Aber lebt sie von dem Verborgenen, in dem sie stattfindet. Würde sie ihn reizen, wenn sie nicht so unerreichbar für ihn wäre? Und was ist er für sie? Die Erfüllung einer heimlichen Sehnsucht? Eine Liebe, die sie nicht wagt zu leben?



Die Frage „Was ist er für sie“ hat der Erzähler nie befriedigend beantworten können. ^^

Veniya hat geschrieben:
Und: Obwohl er sie so gut zu kennen glaubt: Kennt er sie wirklich? Weiß er um ihre Gefühle zu ihrem Freund? Interessiert er sich dafür? Haben sie jemals darüber gesprochen, dem Traum zu entkommen?



Er hat darüber gesprochen. Immer und immer wieder. Und sie hat abgelenkt oder ist geflüchtet. Er glaubt sie gut zu kennen. Aber das hat nicht besonders viel geholfen.

Veniya hat geschrieben:
Insgesamt sehr gefühlvoll beschrieben. Eine Tragik, die zum Nachdenken anregt. Auch die Form gefällt mir sehr gut, die klare Einteilung in Szenen lässt an ein Theaterstück denken.



Ich muss dir noch Einmal für deinen Kommentar danken, Veniya. Du stellst sehr viele Fragen. Und es sind sehr gute Fragen darunter. Tut mir Leid, dass ich zum Ende hin so einsilbig geworden bin. Ich kann nicht auf alle Fragen eingehen. Zum größten Teil weil ich die Antworten gar nicht kenne.

Und zum anderen Teil, weil ich sie sehr gut kenne. Und keine Lust darauf habe sie mir wieder ins Bewusstsein zu holen.

Ich wünsche dir eine gute Nacht.
Sarte der Graue
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