[SciFi][erledigt] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Re: [erledigt] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon MrMojo » 24.05.2015, 14:55

Warum sollte ich der Figur ausgerechnet im ersten Kapitel noch mehr Steine in den Weg legen?


Schlichtwegs um Spannung zu erzeugen. Es stand ja, dass die bisherigen Ausbruchsversuche alle gescheitert sind, also erhoffe ich mir als Leser, dass es dem Protagonisten zwar gelingt zu entkommen, aber nur mit Ach und Krach und dass er grosse Opfer aufbringen muss. Bis jetzt lief ja alles aalglatt, das macht die Szene nicht spannend und obendrein unglaubwürdig. Offenbar ist es sehr einfach, aus diesem Lager zu entkommen, wie konnten die anderen bloss daran scheitern?

Das »Abenteuer« beginnt ja jetzt erst.


Natürlich, doch das heisst nicht dass das erste Kapitel nicht spannend sein darf. Würde ich das Buch in der Buchhandlung/Bibliothek aus dem Regal nehmen (den der Titel ist echt gut!), und die erste Seite darin lesen, hätte ich es bereits zurückgelegt. Du kennst doch bestimmt diese Bücher, bei denen man ahnunglos anfängt nur um zu schauen wie es so ist, und dann liest man in einem Rutsch gleich die ersten paar Seiten durch, obwohl man eigentlich nur den ersten Abschnitt lesen wollte. Genau so fesselnd sollte das erste Kapitel sein, denn wenn mich das erste Kapitel enttäuscht, ist die Wahrscheinlichkeit schon mal kleiner, dass ich weiterlesen werde.

Oder muss das so sein, dass am Anfang noch mehr passiert?


Sollte, denn bisher hast du zu wenig aus dieser tollen Ausgangslage herausgeholt. Die Beispiele die ich in meinem letzten Post genannt habe, wie den Stacheldraht, Verletzungen, Entdeckung, etc.

Beachte also zwei Sachen: Schau dass der erste Konflikt (Orleando gegen die Wärter) spannender wird, die Flucht darf nicht so einfach sein, sonst ist der Konflikt zu schwach, um spannend zu sein. (Stell dir vor, Frodo und die Hobbits hätten es nach Bruchtal geschafft, ohne dass die Ringgeister sie ein einziges mal beinnahe erwischt hätten, ohne dass der alte Weidenmann sie beinahe zerquetscht hätte... langweilig nicht?) Eine gute dritte Komponente für den Konflikt sind die anderen Mithäftlinge (sind sie vertrauenswüridig? werden sie Orleando abstechen, um seine Verkleidung zu stehlen, oder werden sie sich zusammentun?), bis jetzt ging auch das viel zu problemlos über die Bühne.
Und die andere Sache wäre noch, ein wenig mehr von der Umgebung zu beschreiben, bisher habe ich kein lebhaftes Bild von der Landschaft im Kopf, ergo fühle ich mich nicht involviert.

Wenn du das beachtest, kannst du die Szene um einiges fesselnder machen! einen richtigen Pageturner sogar.

Und noch was:
Danke für deine Hinweise, auch wenn ich meine, eingangs geschrieben zu haben, dass ich das Kapitel derzeit am Überarbeiten bin.


Keine Ausreden mehr!
MrMojo
 
Beiträge: 10
Registriert: 23.05.2015, 22:08

Re: [erledigt] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon Libelle » 24.05.2015, 20:55

Das Problem an der Sache ist, dass eine weitere Figur (die Hauptfigur!) später den gleichen Fluchtversuch durchlebt und das dort alles wesentlich detaillierter beschrieben ist. Würde ich also am Anfang alle Ideen verballern, fungiert ein guter Teil des Romans nur noch als Einschlaflektüre bzw. variierter Abklatsch der ersten Seiten.

Als Autor habe ich also nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich akzeptiere, dass der Anfang nicht die allerspannenste Szene in der Literaturgeschichte ist und nicht jeden Leser vom Hocker haut, was eh ein Ding der Unmöglichkeit ist – dafür kann ich die Geschichte so entwickeln, wie ich es geplant habe. (Es ist keine hochspannende Action-Story, in der auf jeder Seite die Fetzen fliegen.) Ob mir das gelungen ist, werde ich anhand der Rückmeldung meiner Testleser sehen, sobald ich mit der Überarbeitung durch bin. Mir ging es jetzt in erster Linie darum zu erfahren, ob Leser tendentiell nach den 1000 Wörtern weiterlesen würden, um mehr zu erfahren.

Oder ich werfe den Roman über den Haufen, was bedeutet, dass ich den Orleando-Teil komplett rauskürze, da dieser meiner Meinung nach nur in der erstgenannten Konstellation seine Daseinsberechtigung hat.

Eine gute dritte Komponente für den Konflikt sind die anderen Mithäftlinge (sind sie vertrauenswüridig? werden sie Orleando abstechen, um seine Verkleidung zu stehlen, oder werden sie sich zusammentun?), bis jetzt ging auch das viel zu problemlos über die Bühne.

Das sind die ersten 1000 Wörter, da kann ich leider nicht alles reinquetschen. Die Landschaft und der Konflikt mit den Mitflüchtigen werden im nächsten O.-Kapitel zur Genüge ausgebaut.

Der Leser braucht von O. zudem nicht mehr zu wissen als die groben »Besonderheiten« dieser undurchsichtigen Figur, denn die sind für die letzte Hälfte des Romans wichtig, wenn O. auf die Hauptfigur trifft. Was mit irgendwelchen Wärtern ist und irgendwelchen Vorgeschichten, spielt keine Rolle für die Geschichte, deren Protagonist O. sowieso nicht ist. Der O.-allein-Handlungsstrang macht vielleicht 1/8 des Romans aus, wahrscheinlich weniger.
»Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten.«
Karl Kraus (1874 – 1936)
Benutzeravatar
Libelle
 
Beiträge: 534
Registriert: 17.11.2014, 14:25

Re: [erledigt] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon MrMojo » 24.05.2015, 22:11

Das sind die ersten 1000 Wörter, da kann ich leider nicht alles reinquetschen. Die Landschaft und der Konflikt mit den Mitflüchtigen werden im nächsten O.-Kapitel zur Genüge ausgebaut.


Nun, ich fürchte das klappt so nicht, was Hänslein nicht lernt, lernt Hans nimmermehr! Du musst versuchen, von Anfang an eine dichte, glaubwürdige Atmosphäre zu erzeugen, sonst wird aus dem nichts:
Leser tendentiell nach den 1000 Wörtern weiterlesen würden, um mehr zu erfahren.


Wer sagt denn, dass es nur 1000 Wörtern sein müssen? 1000 Wörter sind sehr kurz für ein Kapitel. Vorallem wenn man bedenkt, wie viel unausgeschöpftes Potential in dieser Szene steckt! Ich bin mir sicher dass du mit Leichtigkeit eine viel spannedere Szene machen kannst, ohne später irgendwas vorwegzunehmen. Lass doch den Protagonisten später eine andere Fluchtroute nehmen, z.B einen Tunnel graben.


Der Leser braucht von O. zudem nicht mehr zu wissen als die groben »Besonderheiten« dieser undurchsichtigen Figur, denn die sind für die letzte Hälfte des Romans wichtig, wenn O. auf die Hauptfigur trifft. Was mit irgendwelchen Wärtern ist und irgendwelchen Vorgeschichten, spielt keine Rolle für die Geschichte, deren Protagonist O. sowieso nicht ist. Der O.-allein-Handlungsstrang macht vielleicht 1/8 des Romans aus, wahrscheinlich weniger.


Und auch Nebencharaktere verdienen Hintergrundgeschichte und Seiten vom Autor, sonst bleiben sie für immer nur unglaubwürdige Statisten. Im echten Leben gibt es keine Nebencharakter, jeder ist in seinen Augen der Protagonist, und als Autor hast du die Macht in ihre Rollen zu schlüpfen. Wenn du Orleandos Story, Motivation und sein Wesen zu sehr vernachlässigst, wird sein späteres Auftauchen im Roman zu konstruiert wirken. Daher musst du den Leser mit Orleando leiden und mitfühlen (oder ihn hassen) lassen, einfach damit seine spätere Erscheinung vom Leser als glaubwürdig akzeptiert wird.


Wenn ich als Leser, dass hier auf dem Bucheinband lese
SciFi-Thriller-Drama

dann das erste kapitel lese und denke "meh" und dann die Gelegenheit habe den Autor zu fragen, wieso sein Thriller nicht spannend zu sein scheint und dann so eine Antwort erhalte
Entweder ich akzeptiere, dass der Anfang nicht die allerspannenste Szene

dann denke ich mir, das der Rest des Buches wohl ähnlich langweilig geschrieben sein dürfte. Was ja gar nicht der Fall sein muss, es entsteht bloss dieser Eindruck!


Ich habe das Gefühl, dass du das Gefühl hast, dass ich dein Werk niedermachen will. Wenn ich es als Buch gekauft hätte, dann würde ich es bestimmt tun. Doch da du ja daran arbeitest, bin ich einfach ehrlich und offen zu dir. Ich finde, aus klarer und ehrlicher Kritik, kann man viel mehr lernen als wenn man alles durch die Blume gesagt wird. Die positiven Aspekte hab ich ja bereits erwähnt. Dein Stil macht was her. Hast du vor, das Buch zu veröffentlichen?
MrMojo
 
Beiträge: 10
Registriert: 23.05.2015, 22:08

Re: [erledigt] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon Libelle » 24.05.2015, 23:16

Im Werkebereich der Schreibwerkstatt sollen die Texte nicht länger als 1000 Wörter sein. So steht es in den Regeln. Daher rege ich mich zugegeben ein wenig darüber auf, wenn jemand mir ausgerechnet das zum Vorwurf macht.

Deine Kritik finde ich ansonsten völlig in Ordnung, über Geschmack lässt sich streiten.

Das Buch schmeiße ich vielleicht als »experimentelles« SP-Werk auf den Markt. Aufgrund des krassen Genremixes und des nicht massentauglichen Themas (zwischenmenschliche Kommunikation) mache ich mir nicht die Mühe, einen Verlag dafür zu finden. Will eh keiner haben. Das Endprodukt wird vermutlich auch nur eine Handvoll Leser finden.

Wenn du das Buch kaufst, obwohl dir die Leseprobe schon nicht gefallen hat, tu ich das als Autor mit einem Schulterzucken ab. Fatal wäre es, wenn der Anfang superspannend wäre und der Rest der Geschichte vor sich hin dümpelt. Dann müsste ich mich fragen, wieso ich das Niveau nicht halten konnte.
»Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten.«
Karl Kraus (1874 – 1936)
Benutzeravatar
Libelle
 
Beiträge: 534
Registriert: 17.11.2014, 14:25

Vorherige

Zurück zu Science Fiction

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste