[SciFi][erledigt] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

[SciFi][erledigt] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon Libelle » 04.04.2015, 18:56

Endlich habe ich wieder Zeit, mich meinem Roman zu widmen und wüsste gern ein paar Meinungen. Im Folgenden könnte ihr das erste Kapitel (977 Wörter) meines SciFi-Thriller-Dramas lesen. Seid ruhig kritisch!

Auch wenn ich den gesamten Roman natürlich nicht in dieses Forum spamme, wüsste ich trotzdem gern, ob ihr den Anfang interessant genug findet, um tendentiell weiterlesen zu wollen.

Der Titel ist natürlich nur der Arbeitstitel.

Erstmal erledigt, bis ich dat Teil überarbeitet habe. Danke an alle, die hier einen sinnvollen Kommentar hinterlassen haben.

*****************************************

Die Detonation verursachte einen ohrenbetäubenden Lärm, der den Flüchtenden einige Atemzüge lang orientierungslos machte. Von der Druckwelle zu Boden geworfen robbte er sich aus der Gefahrenzone. Um ihn herum spritzte der Schlamm auf. Kleine Steinsplitter trafen ihn wie Geschosse im Gesicht.
Orleando, wie er sich nannte, sah aus dem Augenwinkel eine Gestalt auf sich zurennen. Er hielt inne und zog den Kopf ein, als der Mann an ihm vorbeihetzte. Im Gegensatz zu Orleando trug er noch die kreischend gelbe Regenjacke der Gefangenen. Ein helles, leises Pfeifen mischte sich unter die fernen Schüsse und Schreie. Dann hörte Orleando einige Meter neben sich einen dumpfen Aufprall. Er brauchte nicht hinzusehen, um zu wissen, dass es den anderen erwischt hatte.
Mit geschlossenen Augen blieb Orleando liegen, beruhigte seinen Atem. Sein Herzschlag verlangsamte sich, während sich die Hintergrundgeräusche nach links verlagerten, wo sich die Baracken befanden. Bis fünfhundert zählte er, ehe er es wagte, den Kopf zu heben und sich vorsichtig umzuschauen. Er blinzelte den Schmutz aus den Augen. Seine Hände und Unterarme waren im schlammigen Untergrund versunken. Den stacheldrahtbewehrten Zaun hatte er zum Glück schon überwunden. Jenseits davon, in der Ferne, sah er den großen Wachturm und kleinere Gebäude, zwischen denen sich dunkle und gelbe Punkte hin- und herbewegten. Würden sie ihn bemerken, wenn er jetzt aufstünde? Es gab nichts, was Deckung bot, nur diese riesige grau-braune Ebene, die weitläufig von einem Wald umsäumt wurde.
Orleando wollte lieber nichts riskieren, deshalb kroch er die letzten zweihundert Meter vorwärts bis zum Dickicht. Zwischen den großblättrigen Stauden wagte er schließlich, sich aufzurichten. Seine Kleidung hatte sich komplett mit Wasser vollgesogen. Die ursprünglichen Farben waren nur noch zu erahnen. Wahrscheinlich hatte ihm diese unverhoffte Tarnung als Moormensch das Leben gerettet. Zügig streifte er durch den Staudenwald. Einfach nur vorwärts, weg von dem Arbeitslager.
Erst als es zu schon zu dämmern begann, erlaubte Orleando sich eine kurze Pause. Die tiefhängenden Wolken über ihm färbten sich dunkel, als hätte jemand Tinte darauf geträufelt. Der Staudenwald war einer felsige Landschaft gewichen, in der nur noch vereinzelt großblättrige Pflanzen wuchsen. In einer Spalte im von knorrigem Gestrüpp überwachsenen Untergrund versteckte Orleando sich, bis die Nacht hereinbrach.
Kleine Ansammlungen von Flechten verströmten ein dumpfes, bläuliches Leuchten hier und dort, eingekesselt von pechschwarzer Dunkelheit. Obwohl sie kaum Licht spendeten, konnte Orleando sich an ihrer unregelmäßigen Verteilung orientieren. Er wusste ziemlich genau, wo er sich befand und welche Richtung er einschlagen musste, um das überwachte Areal vollends zu verlassen.
Die Felsenlandschaft bildete nur den Vorläufer einer Hochebene, die Orleando schon seit Monaten vom Arbeitslager aus im Blick hatte. Dort oben in den dichten Wäldern würden ihn die Suchtrupps garantiert nicht aufspüren, weshalb er sie noch heute Nacht erreichen wollte. Mit steifen Gliedern kletterte er aus der Felsspalte. Die Nacht fühlte sich kühl und klamm an, doch wenigstens regnete es nicht. Er ignorierte die stechenden Schmerzen, die die zahlreichen Splitter in seinen Füßen, Knien und Unterarmen verursachten. Er wusste, dass er nur eine einzige Chance hatte, zu entkommen – und die war genau jetzt.
Seine stolpernden Schritte klangen merkwürdig dumpf auf dem Boden, ganz ungewohnt, nachdem er so lange Zeit immer nur das Schmatzen seiner Stiefel im Schlamm gehört hatte. Es kam ihm vor, als könnte dieses unrhythmische Tock, Tock-tock noch im kilometerweit entfernten Lager gehört werden. Aber vielleicht bildete er es sich auch nur ein. Vielleicht war es das Blut, das ihm in den Ohren pochte.
Wie war er nur in diese Lage geraten? Was hatte er falsch gemacht? War er nicht immer sehr vorsichtig gewesen, hatte immer alles minutiös geplant gehabt? Seine Vergangenheit als freier Mann schien ihm so fern, obwohl es erst wenige Monate zurücklag, dass das Raumschiff, in dem er als Reisender unterwegs war, entführt wurde. Der Überfall damals dauerte keine halbe Stunde.
Als Orleando das Arbeitslager erstmals betrat und seine Finger in den Schlamm grub, begriff er schnell, dass es kein Entkommen gab – dass er bis zum bitteren Ende Artefakte würde suchen müssen. Von da an beobachtete er alles, sämtliche Abläufe des Arbeitstages, vor allem aber die Routen der Wächterroboter und die Reichweite ihrer Geschosse. Dabei entging ihm nicht, dass auch andere Gefangene Fluchtpläne entwickelten – nicht zum ersten Mal und mit Sicherheit auch nicht zum letzten Mal. Anstatt sich ihnen anzuschließen, wartete er einfach, bis sie ihre amateurhaften Pläne in die Tat umsetzten, um dann seinen eigenen Versuch etwas abseits und vor allem allein zu wagen. Im Gegensatz zu den anderen war es ihm nun gelungen, sich bis fast ans Ende des bereits erschlossenen Areals durchzuschlagen.
»He, du …«, flüsterte es plötzlich aus der Dunkelheit.
Orleando erstarrte mitten im Schritt und drehte seinen Kopf ruckartig mit weit aufgerissenen Augen in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war. Irgendwo neben sich hörte er ein leises, rasselndes Atmen in der undurchdringlichen Finsternis. Er hielt den Atem an, lauschte nach verdächtigen Geräuschen. Wie viele Personen waren es? Freund oder Feind?
»Hallo?«, fragte die Stimme erneut. Es lag Unsicherheit, ein kurzes Zögern darin, was Orleando aufatmen ließ.
»Wer bist du?«, flüsterte er zurück, rührte sich jedoch nicht von der Stelle. Lautlos brachte er sich in Verteidigungsposition und hob die geballten Fäuste – für alle Fälle. Knirschende Schritte. Zu unregelmäßig für eine einzelne Person. Es waren zwei. Etwas berührte Orleando am Arm. Er konnte sich gerade noch zurückhalten, nicht sofort zuzuschlagen.
»Ich bin Jakobus«, sagte eine brüchige Stimme dicht neben ihm, so laut, als könnte sie die Nacht durchreißen. »Bist du auch aus dem Lager geflohen?«
Orleando ging nicht darauf ein, sondern fragte stattdessen: »Wer ist der andere?«
»Max«, antwortete dieser mit der dunklen, festen Stimme eines Anführers. Schwang da nicht sogar ein leicht amüsierter Unterton mit? »Du bist vorsichtig, das ist gut. Am besten schließt du dich uns an!«
Orleando fand es seltsam, nahezu ziellos in die Dunkelheit hineinzusprechen, fast so, als spräche er mit einer Wand. »Wieso sollte ich?«, entgegnete er misstrauisch. Ihm gefiel nicht, dass sie zu zweit waren.
Zuletzt geändert von Libelle am 12.05.2015, 11:37, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: [SciFi|Thrill] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon IPatricia » 04.04.2015, 19:32

Hey! :)

Also, erstmal finde ich deinen Anfang wirklich gelungen. Einfach schon aus dem Grund, dass man schön in die Handlung hinein geworfen wird und es sozusagen gleich losgeht. Ich mag das. Mit einer Detonation einzusteigen, finde ich eine gute Idee, das verursacht Spannung und man will auf jeden Fall wissen, was da vor sich geht. Gehen wir also Stück für Stück vor, ich greife mir nicht alles heraus, sondern nur einige Stellen.

Orleando, wie er sich nannte,[...]


Warum das? Heißt er etwa nicht Orleando? Denn das vermittelt mir diese Phrase. Dass er sich nur so nennt, aber tatsächlich nicht so heißt. Wenn das nicht der Fall ist, würde ich einfach schlicht Orleando sagen (Ich muss immer Orlando lesen und habe gleich den Herrn Bloom im Kopf :D ). Das würde auch den Satz vereinfachen.

Den maschendrahtbewehrten Zaun [...]


Du magst Adjektive, genau wie ich. :D
Ich persönlich mag das, weil man sich alles bildlich vorstellen kann, aber bei meinem eigenen Prolog, den ich vor Kurzem hier hochgeladen habe, durfte ich merken, dass das nicht jedem so geht. :D
Für mich persönlich könnte es so bleiben, aber wenn du einige, vor allem lange Adjektive reduzieren möchtest, dann könntest du schreiben: Den Zaun, der aus Maschendraht bestand (?), [...]
Ich weiß nicht einmal, was maschendraht"bewehrt" ausdrücken soll, und eigentlich habe ich einen recht großen Wortschatz. :D

die letzten zweihundert Meter


Streiche am besten die zweihundert. Das ist gar nicht so wenig, und wenn er die kriecht, dauert das länger, als er womöglich Zeit hat. Ich nehme an, er ist auf der Flucht. Außerdem finde ich eine solch genaue Zahl immer ein bisschen schwierig. Die letzten Meter reicht für mich völlig, das zerstört das Bild nicht.

[...]als hätte jemand Tinte darauf geträufelt [...]


Ich muss das einfach hervorheben, eine schöne Metapher! Ich liebe so etwas, das hat mir wirklich gut gefallen.

[...]von Flechten fluoreszierten [...]


Dieses Wort finde ich an dieser Stelle ein wenig unpassend. Ein sehr schönes Wort, für mich an diese Stelle aber einfach ein bisschen zu hochgestochen. Ist wahrscheinlich einfach persönlicher Geschmack.

Tock, Tock-tock


Ich glaube, das nennt man Lautmalerei, aber irgendwie stört das bei mir den Lesefluss. Ich würde da ein treffenderes Nomen wählen, dann liest es sich besser. Klopfen wäre da vielleicht recht passend.

minutiös geplant


Schon wieder ein sehr schönes Wort. Ich mag das wirklich, kann mich aber durch den Plot nicht ganz damit anfreunden. Es ist sehr spannend, flüssig zu lesen, und dann auf einmal sieht man dieses Wort, das irgendwie nicht so recht hineinzupassen scheint. Wie gesagt, vielleicht liegt es an mir. Ich hätte einfach geschrieben "genau geplant" oder meinetwegen auch "haargenau" oder eben "jede Minute genauestens durchplant".

Okay, das wäre es so weit mit den einzelnen Stellen.

Insgesamt hat es mir sehr gut gefallen. Man hat verstanden, dass die Hauptfigur auf der Flucht ist, aus einem Arbeiterlager entkommen ist und auch schon länger auf diesem Moment hingearbeitet hat. Es klingt sehr interessant, weil man wissen möchte, wie er dorthin gekommen ist, was dort alles geschehen ist und wie es jetzt weitergehen wird. Plotmäßig gibt es für mich nichts zu meckern. Auch deinen Schreibstil finde ich gut, bis auf diese zwei Kleinigkeiten bin ich auch über nichts gestolpert, das meinen Lesefluss gestört hätte. Manchmal waren die Sätze vielleicht für das Maß an Spannung zu lang, weil er ja auf der Flucht ist. Ein wenig mehr Emotionen wären vielleicht auch noch gut, obwohl du das schon wirklich gut beschrieben hast. Ich würde auf jeden Fall weiterlesen wollen!
Und wie gesagt verwendest du viele Adjektive, die manchmal zu lang waren (wie dieses eine mit dem Machendrahtzaun). Wie gesagt, ich persönlich mag das und ich mache das auch. Bei mir wurde es aber dreifach bemängelt, deshalb werde ich das Gefühl nicht los, dass viele Leute das genauso sehen werden. Ich finde es komisch, etwas zu kritisieren, das ich selbst mache, aber vielleicht sieht man so etwas bei anderen einfach besser, als bei einem selbst :D

In meinen Augen gute Arbeit. Man möchte mehr über die Hauptfigur erfahren und du hast dem Leser einen guten Einstieg ermöglicht. :)
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Re: [SciFi|Thrill] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon Libelle » 04.04.2015, 20:14

Großen Dank erst einmal für deine Antwort, IPatricia.

IPatricia hat geschrieben:Warum das? Heißt er etwa nicht Orleando? Denn das vermittelt mir diese Phrase.

Richtig. Er heißt nicht so.

Ich weiß nicht einmal, was maschendraht"bewehrt" ausdrücken soll, und eigentlich habe ich einen recht großen Wortschatz. :D

»Bewehrt« bedeutet laut Duden »mit Waffen, Anlagen o. Ä. zum Schutz gegen Angriffe versehen«. Der maschendrahtbewehrte Zaun ist also ein Zaun, an dem Maschendraht befestigt ist, und kein Zaun, der aus Maschendraht besteht. Da der Zaun später in der Geschichte noch einmal relevant wird, ist der Unterschied wichtig.

Aber ich seh gerade, dass ich eigentlich »Stacheldraht«, also »stacheldrahtbewehrt«, schreiben wollte. Voll peinlich. D:

Dieses Wort finde ich an dieser Stelle ein wenig unpassend. Ein sehr schönes Wort, für mich an diese Stelle aber einfach ein bisschen zu hochgestochen. Ist wahrscheinlich einfach persönlicher Geschmack.

Du bist ehrlich gesagt die allererste, die sie jemals über »hochgestochene« Worte bei mir beklagt hat.
Was wäre denn dein Alternativvorschlag?

Wie gesagt, ich persönlich mag das und ich mache das auch. Bei mir wurde es aber dreifach bemängelt, deshalb werde ich das Gefühl nicht los, dass viele Leute das genauso sehen werden. Ich finde es komisch, etwas zu kritisieren, das ich selbst mache, aber vielleicht sieht man so etwas bei anderen einfach besser, als bei einem selbst :D

Ich finde es völlig in Ordnung, dass du das kritisierst, auch wenn ich persönlich nicht das Gefühl habe, zu viele Adjektive benutzt zu haben. Zudem spielt es für mich keine Rolle, ob und wie du selbst schreibst, solange das, was du bei mir kritisierst, Sinn ergibt. Ich werde deine Anmerkungen auf jeden Fall im Hinterkopf behalten.
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Re: [SciFi|Thrill] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon Sasskia » 04.04.2015, 20:53

Hallo Libelle!

Auf geht's :mrgreen:

Die Detonation verursachte einen ohrenbetäubenden Lärm, der den Flüchtenden einige Atemzüge lang orientierungslos machte. Von der Druckwelle zu Boden geworfen robbte er sich aus der Gefahrenzone.


Detonation ist immer gut. Deshalb würde ich nach dem ohrenbetäubenden Lärm den Satz beenden.

Die Detonation verursachte einen ohrenbetäubenden Lärm. Von der Druckwelle zu Boden geworfen lag der Flüchtende eine Atemzüge lang orientierungslos im Schlamm. Kleine Steinsplitter trafen ihn wie Geschosse im Gesicht und das veranlasste ihn, so schnell wie möglich aus der Gefahrenzone zu robben.

Nur so als Vorschlag. Das "er sich" hab ich rot angemalt, weil er nur seinen eigenen Körper "robben" kann, keinen anderen sonst. Also robbt er aus der Gefahrenzone.

Im Gegensatz zu Orleando trug er noch die kreischend gelbe Regenjacke der Gefangenen


Statt "kreischend gelb" würde ich "signalgelb" schreiben.

Sein Herzschlag verlangsamte sich, während sich die Hintergrundgeräusche nach links verlagerten, wo sich die Baracken befanden.


Da reihen sich definitiv zu viele "sich" aneinander. Wenn er seinen Atem beruhigt, wirkt sich das doch auch auf den Herzschlag aus, oder? Dann kannst du diesen Teilsatz auslassen und ein "sich" ist weg.

Während der Lärm nun von den links hinter ihm befindlichen Baracken kam, zählte er bis fünfhundert ...
Ich frag mich, ob es für die Geschichte wichtig ist, aus welcher Richtung die Geräusche kommen?
Kann er nicht ohne diese Info weiterrobben?

Erst als es zu schon zu dämmern begann, erlaubte Orleando sich eine kurze Pause.


Du magst das "Sich" :wink:
Erst, als es schon zu dämmern begann, rastete er kurz.

Danach dürfen sich die Wolken färben. :wink:
Staudenwald ... was ist das eigentlich? Eine Ansammlung von staudenartigen Pflanzen oder gibt es das auf diesem Planeten?

Kleine Ansammlungen von Flechten fluoreszierten ein dumpfes, bläuliches Leuchten hier und dort, eingekesselt von pechschwarzer Dunkelheit. Obwohl sie kaum Licht spendeten, konnte Orleando sich an ihrer unregelmäßigen Verteilung orientieren.


Leuchtpflanzen, cool.
Wikipedia sagte dazu:
Fluoreszenz ist jedoch dadurch gekennzeichnet, dass sie nach dem Ende der Bestrahlung rasch (meist innerhalb einer Millionstel Sekunde) endet. Bei der Phosphoreszenz hingegen kommt es zu einem Nachleuchten, das von Sekundenbruchteilen bis hin zu Stunden dauern kann.


Wenn du statt "fluoriszierenden" Pflanzen eine neue Spezies erfindest, die ohne Lichtquelle in der Dunkelheit für ... hm ... drei bis vier Stunden nachleuchten kann, löst du das Problem der Physik.

Vielleicht war es das Blut, das ihm in den Ohren pochte.


Pocht das tatsächlich in den Ohren? Rauscht es nicht eher?
Das Herz würde pochen. Allerdings nicht in den Ohren.

Seine Vergangenheit als freier Mann schien ihm so fern, obwohl es erst wenige Monate zurücklag, dass das Raumschiff, in dem er als Reisender unterwegs war, entführt wurde.


Dass du dieses so entscheidende Ereignis in einem Satz abhandelst, gefällt mir nicht.
Seine Vergangenheit als freier Mann schien ihm so fern, obwohl er erst vor wenigen Monaten eingesperrt worden war.

Und jetzt - was ist passiert? Er plant gerade seine weitere Reiseroute, und bämm ... Überfall!

Als Orleando das Arbeitslager erstmals betrat und seine Finger in den Schlamm grub, begriff er schnell, dass es kein Entkommen gab – dass er bis zum bitteren Ende Artefakte würde suchen müssen.


Wieso? Woran hat er das erkannt? An der Griffigkeit des Schlammes? Ich will das auch wissen!

Von da an beobachtete er alles, sämtliche Abläufe des Arbeitstages, vor allem aber die Routen der Wächterroboter und die Reichweite ihrer Geschosse.


Vielleicht ein Punkt nach "beobachtete er alles. Sämtliche Abläufe ...."
Alles ist so ein starkes Wort. Das beinhaltet jedes winzige Detail.

Irgendwo neben sich hörte er ein leises, rasselndes Atmen in der undurchdringlichen Finsternis.


Durch "undurchdringliche" Finsternis kann er nicht gehen. Hast du schon versucht, dich in einem wirklich stockdunklen Raum zu orientieren? Geht nicht!
Abgesehen davon, was ist mit den Leuchtpflanzen geschehen?

... rasselndes Atmen in der Dunkelheit ist auch beängstigend genug.


Fazit:

Dein Schreibstil gefällt mir gut, die Spannung ist da, das Interesse auch! :dasheye:
Bis auf einige Kleinigkeiten, wobei dies ja nur mein persönlicher Geschmack ist, fand ich dein erstes Kapitel wirklich gut geschrieben.


Liebe Grüße aus Wien

Sasskia :girl:
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Re: [SciFi|Thrill] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon Libelle » 05.04.2015, 00:05

@Sasskia
Auch an dich ein großes Danke, dass du dich mit meinem Text auseinandergesetzt hast. Insbesondere deine Anmerkung zum »sich« sind sehr hilfreich für mich. Bisher ist mir das nie aufgefallen.

Danke auch für deinen Einwand bezüglich der Fluoreszenz, meinte eigentlich Biolumineszenz.

Deine informationsbezogenen Einwände lasse ich mir noch einmal durch den Kopf gehen. In der ursprünglichen Version haben sich zwei Probeleser über Infodump beschwert, so dass ich dias Ganze eingedampft und auf kommende Kapitel verschoben habe.

Hast du schon versucht, dich in einem wirklich stockdunklen Raum zu orientieren? Geht nicht!

Man orientiert sich mit anderen Sinnen. Nach dem Geruch, Wärme, Gefühl, Geräuschen, Haptik.

Bioluminiszierende Flechten sind keine Glühbirnen. Außer dem schwachen Schimmern erkennst du nicht viel. Jedenfalls nicht in meinem Roman. Der Protagonist orientiert sich insofern an ihnen, als dass sie ihm Unebenheiten abzeigen.

Ich hatte mir das so vorgestellt, dass der Typ die ganze Zeit gefühlt gerade ausläuft und dann die Geräusche hört. Natürlich richtet er seinen Körper in die entsprechende Richtung aus, um den potentiellen Feind besser abwehren zu können. Weiterhin versucht er, in seinem Kopf eine Art Lageplan entstehen zu lassen, indem er die Geräusche lokalisiert.

Blinde machen es mit ihrem Stock genauso. Es gibt sogar blinde Radfahrer. Allerings bedarf es dazu Übung, die der Protagonist natürlich nicht hat. Aber ein ungefähres Bild entsteht auch für ihn. Es spielt keine Rolle, ob er ein allgemeines Hell-Dunkel wahrnimmt, wenn er daraus keine relevanten Informationen (außer Licht an/aus) beziehen kann.
Zuletzt geändert von KleineLady1981 am 05.04.2015, 09:42, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Bezug auf gelöschten Antwortkommentar entfernt
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Re: [SciFi|Thrill] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon neleabels » 07.04.2015, 23:53

Ich würde diesen Text auf jeden Fall weiterlesen - die Einleitung bringt einen sofort in die Situation und man weiß als Leser sofort, wo man ist und was auf einen zukommt. Ich mag die Detonation - aber ich hätte auch gerne gewusst, was da eigentlich explodiert ist. Werfen die Lagerwachen mit Granaten nach den Flüchtlingen? Und wenn woher kommen in dieser Moorlandschaft eigentlich die Steinsplitter?

Ich finde auch die Idee mit den Gefangenen gut, die gleichzeitig ihre Ausbrüche planen. Woher weiß Orleando davon? Wenn er ihre Aktionen mitbekommt, sie "amateurhaft" nennt, und die Lagerwachen übertölpelt werden, hieße das doch eigentlich, dass die Hauptfigur irgendwelche speziellen Fähigkeiten haben muss, vielleicht eine Agentenausbildung? Ist das so? Wenn ja, würde ich da den einen oder anderen Hinweis fallen lassen, als Anreißer für die spätere Erzählung. Wenn nicht, dann würde ich mir eine etwas genauere Erklärung wünschen, warum Orleando Erfolg hat und die anderen nicht.

Dass die Figur andere Flüchtlinge trifft und diese sich sofort mit ihm verbünden, finde ich nicht so unwahrscheinlich. Immerhin könnten die anderen ja auch seine Flucht mitbekommen haben - die Schießerei war ja laut genug. :)

Was ich mir allerdings noch mehr gewünscht hätte, ist eine Beschreibung der Landschaft - so wie sie in diesem Exzerpt gezeichnet ist, könnte sie eine x-beliebige feuchte Landschaft auf der Erde sein. Aber es sollte doch eigentlich Science Fiction sein. Wo ist die Fremdartigkeit? Könnte man seltsame Gerüche oder Farben wahrnehmen?

Ansonsten noch einige sprachliche Anmerkungen:

Libelle hat geschrieben: die kreischend gelbe

Es gibt schon den Ausdruck "schreiend gelb". Ich würde entweder den nehmen oder eine ganz andere Metapher.

Kleine Ansammlungen von Flechten verströmten ein dumpfes, bläuliches Leuchten hier und dort, eingekesselt von pechschwarzer Dunkelheit.

Ich finde solche Sätze, bei denen eine oder gar mehrere Partizipialkonstruktionen an einen Hauptsatz angehängt werden, immer ein wenig holperig. (Und außerdem, kann man ein Leuchten einkesseln?) Vielleicht wäre ein ganz normaler Satz eleganter? "Kleine Ansammlungen von Flechten verbreiteten ein bläuliches Leuchten, das an kleine Lichtinseln inmitten eines Meeres pechschwarzer Dunkelheit erinnerte."

unrhythmische

Vorsicht mit Fremdworten - "arhythmische".

Ansonsten - schön, hoffentlich gibt es mehr zu lesen! :)

Nele
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Re: [SciFi|Thrill] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon Libelle » 08.04.2015, 01:40

@Nele

Großen Dank auch für deine Anmerkungen. Es freut mich, dass sich so viele Leutchen mit meinem Text auseinandersetzen.

Orleando ist an sich ein ziemlicher Normalo. So lernt ihn der Leser am Anfang der Geschichte kennen. Dass die Typen zu zweit sind, missfällt ihm weniger wegen Misstrauens als aus einem gänzlich anderen Grund. Da ich noch zwei, drei Kapitelchen hochladen wollte, gehe ich da nicht näher drauf ein, weil’s sonst zu viel gespoilert wäre.

Die Umgebung beschreibe ich später (im letzten Part des Buches) in aller Ausführlichkeit. Im Augenblick flieht Orleando und hat keine Zeit, die Sinneseindrücke auf sich einprasseln zu lassen und den Leser damit zu beglücken.

Es gibt keine super-außergewöhnlichen Pflanzen oder gar Aliens in diesem Roman. SciFi spielt eine untergeordnete Rolle. Die Geschichte geht eher in Richtung Thriller. Das eigentliche Hauptthema ist die zwischenmenschliche Kommunikation in der fernen Zukunft und das Menschsein in einer technikbasierten, raumfahrenden Gesellschaft, die keinen Bezug mehr hat zu ihren »Wurzeln«. Klingt »wichtig«, wirkt aber in der Geschichte anders. Hoffentlich.

"Kleine Ansammlungen von Flechten verbreiteten ein bläuliches Leuchten, das an kleine Lichtinseln inmitten eines Meeres pechschwarzer Dunkelheit erinnerte."

Das klingt viel zu schön für diese Szene. Ich hatte eher die Absicht, die Bedrohlichkeit der alles erdrückenden Dunkelheit zu beschreiben. Insofern fand ich »eingekesselt« ganz passend, da sich das schwächliche Licht nicht ausbreitet, sondern gedrungen wirkt.

Danke auch für den Hinweis auf unrhythmisch/arrhythmisch. Da sich deine Verbesserung gut in die Satzmelodie einpasst, recherchiere ich das mal nicht weiter, auch wenn ich der Meinung bin, dass eingedeutschte Variante mit der Vorsilbe »un-« hier passend klingt, da ähnlich zum »a(r)-«. (Im Gegensatz zu »unreal«/»irreal«, wo das u und das i lauttechnisch nicht so dicht beieinander liegen.)
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Re: [SciFi|Thrill] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon szymzicke » 21.04.2015, 13:19

Oh, wo fange ich an? :D
Zunächst mal: Hallo! Das ist mein erster Kommentar zu einem Werk, deswegen vergebe man mir, wenn ich etwas falsch angegangen bin :) (Ich habe übrigens nicht alle Kommentare anderer User durchgelesen, sondern nur das Kapitel. Ich wollte unvoreingenommen vorgehen :) )
Der Textausschnitt war richtig fesselnd, hat mich sofort mitgerissen, obwohl ich sonst nicht so viel SciFi lese.
Am Anfang hast du schön Schwung reingebracht mit der Action, dem kleinen Chaos was mein inneres Auge sofort projizierte. Das ist übrigens eine Sache dir mir auch sehr gut gefallen hat - deine Geschichte hat mich so angeregt, dass ich direkt den Schauplatz vor Augen hatte und sofort in die Geschichte eintauchen konnte.
Während des ersten und zweiten Lesens sind mir aber ein paar Sachen aufgefallen, die ich gerne kommentieren würde. Oft sind das Sätze, die ich einfach anders geschrieben, oder die ich gerne anders gelesen hätte.

Im Gegensatz zu Orleando trug er noch die kreischend gelbe Regenjacke der Gefangenen.

"grelle gelbe" oder "neon gelbe" könnte ich verstehen, aber kreischend stößt mir hier etwas auf. Mein erster Gedanke war einfach "Farben kreischen nicht".

Den stacheldrahtbewehrten Zaun hatte er zum Glück schon überwunden. Jenseits davon, in der Ferne, sah er den großen Wachturm und kleinere Gebäude, zwischen denen sich dunkle und gelbe Punkte hin- und herbewegten.

Zum ersten Satz: Wann? Wie? - Den Satz könnte man vielleicht mit dem folgenden kombineren: "Jenseits des schon von ihm überwundenen Stacheldrahtzauns sah er in der Ferne den großen Wachturm..." Das wirkt nicht so, als das man sich dann sofort die Frage stellt, wie er das geschafft hat, sondern als sein es Nebensache und man ließt weiter. Bei deinem Satz habe ich mich dagegen halt gefragt - Was heißt zum Glück? Ist dabei was schief gelaufen? Ich beschäftige mich dann im Hinterkopf damit und muss den Gedanken erst beiseite schieben bevor ich weiterlesen kann.

Die tiefhängenden Wolken über ihm färbten sich dunkel, als hätte jemand Tinte darauf geträufelt.

Das ist ein schönes Bild! Gefällt mir gut wie du das beschreibst und es lässt direkt ein tolles Bild in meinem Kopf entstehen.

In einer Spalte im mir würde "des ... Untergrunds" besser gefallen von knorrigem Gestrüpp überwachsenen Untergrund versteckte Orleando sich, bis die Nacht hereinbrach.

In und im sind sich für meinen Geschmack zu nah und stören die Harmonie des Satzes. ich muss aber zugeben, dass meine Lösung mir auch nicht so gut gefällt :)

Kleine Ansammlungen von Flechten verströmten ein dumpfes, bläuliches Leuchten hier und dort, eingekesselt von pechschwarzer Dunkelheit.

Den Teil "hier und dort" würde ich streichen, irgendwie klingt das für mich etwas nach Lückenfüller und passt auch nicht zu dem restlichen Schriftbild.

Wie war er nur in diese Lage geraten?

Das erscheint mir als Versuch, den Leser neugierig zu machen. Dennoch frage ich mich unweigerlich: Müsste der gute Orleando nicht ziemlich genau wissen, wie er dahin gekommen ist? Es sei denn, er war ohnmächtig oder so...

Was hatte er falsch gemacht? War er nicht immer sehr vorsichtig gewesen, hatte immer alles minutiös geplant gehabt?

Diese beiden Fragen wiederum regen mein Interesse deutlich an. Nur das "gehabt" stört meinen Lesefluss etwas. Das könnte man ebenfalls weglassen.

Der Überfall damals dauerte keine halbe Stunde.

Abgesehen von dem doppelten Leerzeichen vor "keine" ist das eine knappe Zusammenfassung der Ereignisse (das finde ich gut, es verschafft erst mal einen Überblick), allerdings könnte man den Satz auch zu "Der Überfall hatte damals keine halbe Stunde gedauert." umstellen.

Als Orleando das Arbeitslager erstmals betrat und seine Finger in den Schlamm grub, begriff er schnell, dass es kein Entkommen gab – dass er bis zum bitteren Ende Artefakte würde suchen müssen.

Hier kommt jetzt ein Zeitenwechsel (so kommt es mir zumindest vor), der besser durch einen Absatz/eine Leerzeile gekennzeichnet werden müsste. Da du aber danach wieder in der Vergangenheit weiterschreibst, würde ich "Als Orleando das Arbeitslager erstmals betreten hatte..." vorschlagen. Über den (Pseudo-)Zeitwechsel bin ich nämlich beim ersten Lesen richtig gestolpert :)

Wie viele Personen waren es? Freund oder Feind?

Da du vorangehend von Personen sprichst (auch, wenn Orleando keine Ahnung hat wie viele), könntest du eher "Freunde oder Feinde?" oder "Waren sie freundlich oder feindlich gesinnt?" schreiben.

»Ich bin Jakobus«, sagte eine brüchige Stimme dicht neben ihm, so laut, als könnte sie die Nacht durchreißen. »Bist du auch aus dem Lager geflohen?«

Welche anderen Gründe könnte es denn geben, verdreckt und geheimnisvoll in der Dunkelheit umherzuschleichen, fernab der Zivilisation? So hört sich die Frage einfach redundant an, vor allem da Orleando darauf noch nicht mal eingeht. Was ist also der Zweck der Frage?

Orleando fand es seltsam, nahezu ziellos in die Dunkelheit hineinzusprechen, fast so, als spräche er mit einer Wand.

Was ist eigentlich mit den blauen Flechten? Es wirkte so, dass diese zumindest etwas Licht spenden würden. Gibt es auch keinen Mond (oder mehrer?), keine Sterne? Also ich finde, richtig pechschwarz und so dunkel dass man NICHTS mehr sieht, das kann es nur innerhalb von Gebäuden werden. Außerdem stehen die Personen "dicht neben" ihm und er wird sich vermutlich anhand von Geräuschen vorstellen können, wo sie in etwa stehen.


Insgesamt finde ich den Text sehr ansprechend, du vermittelst die Flucht gut und wirfst gleichzeitig genug (aber nicht zu viele) Fragen auf, die mich (als Leser) neugierig machen (oder bei der Stange halten :D ).
Wie anfangs erwähnt hatte ich direkt Bilder von Schauplätzen vor Augen während ich die Geschichte gelesen habe. Ich habe also beim erneuten Lesen auch mal drauf geachtet, woran das liegt... aber ich kanns dir leider nicht sagen. Denn durch die Flucht hatte Orleando ja nicht so viel Zeit, sich alles detailliert anzusehen und zu beschreiben. Trotzdem wurde mir einfach durch die Szene ein Bild vermittelt und das finde ich wirklich klasse, das habe ich nicht immer bei Büchern (ist dann oft ein Grund es weiterzulesen, bzw. es wegzulegen, wenn ich einfach keine bildliche Beziehung aufbauen kann).

Danke für das Kapitel, es war sehr anregend!

Liebe Grüße!
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Re: [SciFi|Thrill] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon Libelle » 26.04.2015, 15:22

@szymzicke

Danke erst einmal, dass du dir für meine Geschichte Zeit genommen hast. Mir ist jede ehrliche Meinung dazu wichtig und es spielt (für mich) keine Rolle, ob das deine allererster Kommentar zu einem Werk ist.

»Kreischendgelb« kannst du als Personifikation betrachten. Wenn der Typ mit seiner Jacke über das Feld flitzt, schreit das Gelb quasi: »Hier bin ich, hier bin ich!« Da er im nächsten Moment abgeknallt wird, finde ich »knallgelb« unpassend, da ihn ja nicht das Gelb tötet, sondern jemand anders.

Bei deinem Satz habe ich mich dagegen halt gefragt - Was heißt zum Glück? Ist dabei was schief gelaufen?

Das ist ein guter Hinweis. Ich bin mir hier zurzeit unsicher, da der eigentliche Protagonist des Romans (nicht Orleando) im letzten Part des Buches quasi ausführlich das erlebt, was Orleando gerade tut. Würde ich jetzt Orleandos Flucht im Detail beschreiben, wäre es doppeltgemoppelt. Aber ich behalte deine Anmerkung trotzdem mal im Hinterkopf.

Den Teil "hier und dort" würde ich streichen, irgendwie klingt das für mich etwas nach Lückenfüller und passt auch nicht zu dem restlichen Schriftbild.

Ich versuche beizeiten eine andere Lösung zu finden. Wie nele/neleabels richtig verstanden hat, handelt es sich um kleine Lichtinseln (finde das Wort aber zu schön für die Atmosphäre). Nicht der ganze Boden ist überdeckt, sonst könnte Orleando ja die Schattenumrisse der beiden Typen sehen.

Müsste der gute Orleando nicht ziemlich genau wissen, wie er dahin gekommen ist?

Nein, weiß er nicht. Um ein wenig zu spoilern: Im Weltall tuckern irgendwelche Typen rum, die kleinere Schiffe auf abgelegenen »Routen« überfallen, um die Menschen zu entführen und auf diesem Planeten als Sklaven zu halten. War nix Persönliches gegen Orleando, der hat einfach nur Pech gehabt. Was Orleando überhaupt auf diese abgelegenen Routen gebracht hat, erfährt der Leser nicht, aber er kann es im Laufe der Handlung erahnen, wenn er die Figur näher kennenlernt.

Welche anderen Gründe könnte es denn geben, verdreckt und geheimnisvoll in der Dunkelheit umherzuschleichen, fernab der Zivilisation?

Könnte auch ein Lageraufseher sein. Oder ein Typ aus dem Dorf, das Orleando zu finden hofft. (Kommt in der nächsten Orleando-Szene vor, die ich aber nicht hochgeladen habe.)

Die Flechten verströmen nur ein vages Licht. Kennst du diese Leuchtsticker? Die erhellen dir ja auch nicht den Raum, sondern schimmern nur so vor sich hin. Es gibt keine Sterne und keinen Mond, denn der Himmel ist wolkenverhangen, auch in der Nacht, die mittlerweile eingebrochen ist.
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Re: [SciFi|Thrill] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon ThetaHelion » 10.05.2015, 15:10

Hallo liebe Libelle, hier wie versprochen mein Feedback. Rechtschreibung und Grammtik lasse ich außen vor, da du dir das bis zur Endfassung sicher ohnehin noch einmal anschauen wirst. Ich schildere einfach einmal meine Gedanken, die ich während des Lesens so habe und versuche zu erklären, wie das Geschriebene in meinem Kopfkino ankommt. Vielleicht hilft dir ja das ein oder andere davon.

Die Detonation verursachte einen ohrenbetäubenden Lärm, der den Flüchtenden einige Atemzüge lang orientierungslos machte. Von der Druckwelle zu Boden geworfen robbte er sich aus der Gefahrenzone. Um ihn herum spritzte der Schlamm auf. Kleine Steinsplitter trafen ihn wie Geschosse im Gesicht.


Okay, schlammiger Boden, wahrscheinlich auch stellenweise felsiger Untergrund, klingt nach Gefechtsfeld.

Orleando, wie er sich nannte, sah aus dem Augenwinkel eine Gestalt auf sich zurennen. Er hielt inne und zog den Kopf ein, als der Mann an ihm vorbeihetzte. Im Gegensatz zu Orleando trug er noch die kreischend gelbe Regenjacke der Gefangenen. Ein helles, leises Pfeifen mischte sich unter die fernen Schüsse und Schreie. Dann hörte Orleando einige Meter neben sich einen dumpfen Aufprall. Er brauchte nicht hinzusehen, um zu wissen, dass es den anderen erwischt hatte.


Orleando - klingt nach Pflanze, scheint kein sonderlich harter Kerl zu sein, wenn er sich so einen weichen Namen gibt. Es sind also mehrere. Ungewöhnliche Reaktion, dafür dass jemand auf mich zurennt, aber er rennt ja ohnehin weiter. Kreischend Gelb klingt nach signalgelb, vielleicht auch neongelb. Regenjacke - Moment, Schlamm? Regnet es? Hat es geregnet? Egal, Gefangene also. Flucht, Ausbruch. Einer wird erschossen.

Mit geschlossenen Augen blieb Orleando liegen, beruhigte seinen Atem. Sein Herzschlag verlangsamte sich, während sich die Hintergrundgeräusche nach links verlagerten, wo sich die Baracken befanden. Bis fünfhundert zählte er, ehe er es wagte, den Kopf zu heben und sich vorsichtig umzuschauen. Er blinzelte den Schmutz aus den Augen. Seine Hände und Unterarme waren im schlammigen Untergrund versunken. Den stacheldrahtbewehrten Zaun hatte er zum Glück schon überwunden. Jenseits davon, in der Ferne, sah er den großen Wachturm und kleinere Gebäude, zwischen denen sich dunkle und gelbe Punkte hin- und herbewegten. Würden sie ihn bemerken, wenn er jetzt aufstünde? Es gab nichts, was Deckung bot, nur diese riesige grau-braune Ebene, die weitläufig von einem Wald umsäumt wurde.


Wer unter solchen Bedingungen seinen Atem und Herzschlag unter Kontrolle bekommt, scheint sich damit auszukennen. Baracken sind also weiter weg, die Gefechtsgeräusche verlagern sich. Orleando scheint sich also auf freier Fläche zu befinden, Details unbekannt. Wenn ich schon nicht hinschaue und für eine Weile toter Mann spiele, würde ich meine restlichen Sinne, hier wohl vorrangig das Hören, auf meine Umgebung lenken und nicht zählen. Ich würde vielleicht eher auf meinen Instinkt hören oder ein mir sinnvoll erscheinendes Signal zum Anlass nehmen, etwa abflauenden Gefechtslärm, um den Kopf zu heben.

Orleandos Flucht scheint schon etwas länger anzudauern, denn er befindet sich offensichtlich nicht mehr im Lager, wenn er den Lagerzaun bereits hinter sich gebracht hat. Wie hat er das überhaupt geschafft? Egal, es ging halt irgendwie, vielleicht Loch im Zaun durch die Detonation. Er ist außerhalb des umzäunten Bereiches und entdeckt jenseits davon Wachturm und kleinere Gebäude - also innerhalb des Lagers?! Dunkle und gelbe Punkt sind wahrscheinlich Gefangene und Wächter oder Gefangene mit und ohne Regenjacken - genauer nicht zu bestimmen. Okay, jetzt kommt die Bestätigung - freies Feld, aber in Waldnähe.

Orleando wollte lieber nichts riskieren, deshalb kroch er die letzten zweihundert Meter vorwärts bis zum Dickicht. Zwischen den großblättrigen Stauden wagte er schließlich, sich aufzurichten. Seine Kleidung hatte sich komplett mit Wasser vollgesogen. Die ursprünglichen Farben waren nur noch zu erahnen. Wahrscheinlich hatte ihm diese unverhoffte Tarnung als Moormensch das Leben gerettet. Zügig streifte er durch den Staudenwald. Einfach nur vorwärts, weg von dem Arbeitslager.


Kluge Entscheidung in tiefester Gangart zu bleiben. Respekt, 200 Meter auf diesem Untergrund ist kein Pappenstiel. Großblättrige Stauden? Plantage? Außerirdische Vegetation? Igitt, komplett durchgeweicht - wird sicher schön kalt sein. Apropos Temperatur - bislang unbekannt, mal weiterschauen. Komplett vollgeschlammt, nachvollziehbar. Moment "Moormensch"? Klingt seltsam.

Erst als es zu schon zu dämmern begann, erlaubte Orleando sich eine kurze Pause. Die tiefhängenden Wolken über ihm färbten sich dunkel, als hätte jemand Tinte darauf geträufelt. Der Staudenwald war einer felsige Landschaft gewichen, in der nur noch vereinzelt großblättrige Pflanzen wuchsen. In einer Spalte im von knorrigem Gestrüpp überwachsenen Untergrund versteckte Orleando sich, bis die Nacht hereinbrach.


Dämmern? Abend oder Morgen? Wolken färben sich dunkel, also wohl eher Abend. Die Flucht war also bei Tage. Hinter dem Wald wieder weitgehend offenes Gelände. Felsiger Untergrund mit Spalten, spärliche Vegetation. Es ist Abend, man darf erwarten, dass der Einbruch der Nacht nicht so lange dauern sollte. Trotzdem in klatschnasser Kleidung, ohne offensichtliche Schwierigkeiten zu warten, deutet auf einen harten Kerl.

Kleine Ansammlungen von Flechten verströmten ein dumpfes, bläuliches Leuchten hier und dort, eingekesselt von pechschwarzer Dunkelheit. Obwohl sie kaum Licht spendeten, konnte Orleando sich an ihrer unregelmäßigen Verteilung orientieren. Er wusste ziemlich genau, wo er sich befand und welche Richtung er einschlagen musste, um das überwachte Areal vollends zu verlassen.


Dumpfes Licht. Mhm, stumpf für matt, aber dumpf für eine Farbe? Wahrscheinlich schwach. Sonst stockfinster. Offenbar waren Wald und Ebene hier doch noch Teil des Lagers bzw. in Sichtweite. Wusste er nun genau wo er war, weil er sich an den Leuchtflechten orientieren konnte oder weil er schon einmal an diesem Ort war?

Die Felsenlandschaft bildete nur den Vorläufer einer Hochebene, die Orleando schon seit Monaten vom Arbeitslager aus im Blick hatte. Dort oben in den dichten Wäldern würden ihn die Suchtrupps garantiert nicht aufspüren, weshalb er sie noch heute Nacht erreichen wollte. Mit steifen Gliedern kletterte er aus der Felsspalte. Die Nacht fühlte sich kühl und klamm an, doch wenigstens regnete es nicht. Er ignorierte die stechenden Schmerzen, die die zahlreichen Splitter in seinen Füßen, Knien und Unterarmen verursachten. Er wusste, dass er nur eine einzige Chance hatte, zu entkommen – und die war genau jetzt.


Also bewaldete Hochebene voraus, allerdings in tiefster Nacht. Kein Regen, aber kühl und feucht. Egal wie hart der Kerl ist, seine Klamotten müssten immer noch pitschnass sein und ihn zunehmend an den Rand einer Unterkühlung bringen. Die Suchtrupps scheinen recht primitiv ausgerüstet zu sein - keine Nachtsicht, kein Infrarot, keine Fahrzeuge, keine Luftunterstützung, keine Spürhunde, kein Bewegungsmelder oder Peilsender an oder in den Gefangenen. Halbherzig oder nicht anders möglich - Hauptsache er ist sich sicher, dass er mögliche Verfolger derart leicht abschütteln kann - oder trauen die sich nur nicht dort hin? Gibt's da Gefahren?

Seine stolpernden Schritte klangen merkwürdig dumpf auf dem Boden, ganz ungewohnt, nachdem er so lange Zeit immer nur das Schmatzen seiner Stiefel im Schlamm gehört hatte. Es kam ihm vor, als könnte dieses unrhythmische Tock, Tock-tock noch im kilometerweit entfernten Lager gehört werden. Aber vielleicht bildete er es sich auch nur ein. Vielleicht war es das Blut, das ihm in den Ohren pochte.


Mhm und auf dem felsigen Untergrund könnte der möglicherweise langsam antrocknende und abblätternde Schlamm eine hübsch verräterische Spur hinter ihm bilden. In jedem Fall hat er schon eine beachtliche Entfernung zurückgelegt und hört das Blut in den Ohren rauschen oder den Puls pochen oder doch das Blut pochen?

Wie war er nur in diese Lage geraten? Was hatte er falsch gemacht? War er nicht immer sehr vorsichtig gewesen, hatte immer alles minutiös geplant gehabt? Seine Vergangenheit als freier Mann schien ihm so fern, obwohl es erst wenige Monate zurücklag, dass das Raumschiff, in dem er als Reisender unterwegs war, entführt wurde. Der Überfall damals dauerte keine halbe Stunde.


Er wird ruhiger. Zeit für erste Gedanken. Oha, also möglicherweise nicht ganz unberechtigt im Lager. Was hatte er eigentlich minutiös geplant oder vielleicht sogar akribisch? Könnten Einbrüche oder Diebstähle gewesen sein, vielleicht auch Überfälle. Möglicherweise kein Goodguy. Raumschiff. Entführung. Hm, bleibt Zwangsarbeiter als weitere Option.

Als Orleando das Arbeitslager erstmals betrat und seine Finger in den Schlamm grub, begriff er schnell, dass es kein Entkommen gab – dass er bis zum bitteren Ende Artefakte würde suchen müssen. Von da an beobachtete er alles, sämtliche Abläufe des Arbeitstages, vor allem aber die Routen der Wächterroboter und die Reichweite ihrer Geschosse. Dabei entging ihm nicht, dass auch andere Gefangene Fluchtpläne entwickelten – nicht zum ersten Mal und mit Sicherheit auch nicht zum letzten Mal. Anstatt sich ihnen anzuschließen, wartete er einfach, bis sie ihre amateurhaften Pläne in die Tat umsetzten, um dann seinen eigenen Versuch etwas abseits und vor allem allein zu wagen. Im Gegensatz zu den anderen war es ihm nun gelungen, sich bis fast ans Ende des bereits erschlossenen Areals durchzuschlagen.


Okay, also Zwangsarbeit. Artefaktsuche. Wächterroboter! Klingt nun doch nach höherer Technologie und da reicht es tatsächlich aus, sich im Wald zu verstecken? Typisches Verhalten. Schwachstellen im Ablauf ermitteln. Moment, Reichweite der Geschosse? Schießen die Wächterroboter häufiger? Ach hier, andere planen ebenfalls Ausbrüche, wahrscheinlich sind während Orleandos Gefangenschaft schon einige Fluchtversuche gescheitert. Die anderen sind also Amateure, er offenbar nicht. Aus dem abseits und allein ist wohl dann doch nichts geworden. Hat sich wohl eine bessere Gelegenheit geboten. Gefangenenaufstand? Angriff von außen? Orleando war also Einzelgänger. Über mehrere Monate. Wohl ein überaus harter Kerl.

»He, du …«, flüsterte es plötzlich aus der Dunkelheit.
Orleando erstarrte mitten im Schritt und drehte seinen Kopf ruckartig mit weit aufgerissenen Augen in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war. Irgendwo neben sich hörte er ein leises, rasselndes Atmen in der undurchdringlichen Finsternis. Er hielt den Atem an, lauschte nach verdächtigen Geräuschen. Wie viele Personen waren es? Freund oder Feind?
»Hallo?«, fragte die Stimme erneut. Es lag Unsicherheit, ein kurzes Zögern darin, was Orleando aufatmen ließ.


Ah, da ist jemand mit guten Augen. Oder eher guten Ohren. Muss sich zumindest sicher sein, wen er da anflüstert.

»Wer bist du?«, flüsterte er zurück, rührte sich jedoch nicht von der Stelle. Lautlos brachte er sich in Verteidigungsposition und hob die geballten Fäuste – für alle Fälle. Knirschende Schritte. Zu unregelmäßig für eine einzelne Person. Es waren zwei. Etwas berührte Orleando am Arm. Er konnte sich gerade noch zurückhalten, nicht sofort zuzuschlagen.
»Ich bin Jakobus«, sagte eine brüchige Stimme dicht neben ihm, so laut, als könnte sie die Nacht durchreißen. »Bist du auch aus dem Lager geflohen?«


Ich bin mir im Moment der vorherrschenden Bedingungen überhaupt nicht bewusst. Es ist stockfinster. Keine Lichtquellen, offenbar nicht einmal Sternenlicht. Der andere scheint ihn nur zu hören, keiner weiß so recht wo der andere sich befindet, mit Ausnahme der ungefähren Richtung der Stimme. Trotzdem wird er dann am Arm berührt - zufällig gestreift, gezielt berührt? Die brüchige laute, in der Situation wohl sogar unangemessen laute, Stimme ist mir rätselhaft.

Orleando ging nicht darauf ein, sondern fragte stattdessen: »Wer ist der andere?«
»Max«, antwortete dieser mit der dunklen, festen Stimme eines Anführers. Schwang da nicht sogar ein leicht amüsierter Unterton mit? »Du bist vorsichtig, das ist gut. Am besten schließt du dich uns an!«
Orleando fand es seltsam, nahezu ziellos in die Dunkelheit hineinzusprechen, fast so, als spräche er mit einer Wand. »Wieso sollte ich?«, entgegnete er misstrauisch. Ihm gefiel nicht, dass sie zu zweit waren.


Orleando der Einzelgänger. Sind ihm die Fremden aus dem Lager bekannt? War er ihnen bekannt? Zeichnete einen Anführer eine dunkle, feste oder eher eine ruhige, bestimmte Stimme aus? Woher das Angebot? Wie war das Verhältnis der Gefangenen im Lager untereinander? Konnte man anderen so ohne Weiteres vertrauen?

Ich finde die Einleitung gut und würde mit Sicherheit auch weiterlesen, aber da ist noch einiges an verschenktem Potential. Bislang liest sich die Flucht recht beliebig. Du startest mitten in der Action und man ist schon beinahe enttäuscht, dass da nicht mehr passiert, man vielleicht auch den Grund für das Gefecht erfährt, auch wenn es nur Orleandos Spekulation ist. Das Gefecht allein bietet jede Menge Raum, um mir als Leser mehr Details der Umgebung und deren Besonderheiten einfließen zu lassen und Orleando vielleicht sogar bei der Flucht zu helfen (etwa Löcher im Zaun durch das Gefecht). Ein Ausbruch bei Tag ist ungewöhnlich, die Sicherheitsvorkehrungen wirken lückenhaft.

Fragen die ich auf den folgenden Seiten des Buches gern beantwortet wissen würde, wären beispielsweise Dinge wie: Lohnt sich die Flucht überhaupt? Aus dem Lager rauszukommen ist nur der erste, vielleicht sogar einfachste Schritt der Flucht. Wohin dann? Gibt es in der Umgebung Möglichkeiten zu überleben, dauerhaft unterzutauchen und nicht mehr als Gefangener erkannt zu werden?
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Re: [SciFi|Thrill] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon Libelle » 12.05.2015, 00:35

Hallo ThetaHelion,

erst einmal danke auch an dich fürs Lesen. Du hast ja echt eine Menge geschrieben. Damit hatte ich gar nicht gerechnet, dafür freue ich mich umso mehr. :)

Mit deinen Einschätzungen und Gedanken liegst du ganz richtig. Bis auf die Sache mit der Trockenheit und der Unterkühlung. Die Welt ist sehr nass-feucht und relativ warm. Unterkühlung wird also eher keine Rolle spielen.

Halbherzig oder nicht anders möglich - Hauptsache er ist sich sicher, dass er mögliche Verfolger derart leicht abschütteln kann - oder trauen die sich nur nicht dort hin? Gibt's da Gefahren?

Nicht anders möglich, genau. Die Verfolger trauen sich dort nicht hin, das Risiko und der Aufwand sind zu groß. Wegen Gefahren und wegen etwas anderem, das erst auf den nächsten Seiten Erwähnung findet.

Mit dem »beliebig« gebe ich dir recht. Jedoch war es hier eher meine Intention, die Einleitung unterhaltsam zu schreiben und nicht unbedingt innovativ. Aber vielleicht fällt mir ja noch was Nettes ein, um das »verschenkte Potential« zu beheben. Ist halt ein kleines Dilemma: Entweder ich bring bei den ersten Abschnitten irgendwas Krass-Innovatives und kann dafür meine folgenden Ideen in die Tonne kloppen, oder ich lasse diesen unterhaltsamen und dafür relativ beliebigen Anfang stehen, der meiner Meinung nach einen guten Kontrast zu dem eher Unerwarteten auf den Folgeseiten bildet.

Die ursprüngliche Version war sicherlich besser dahingehend, dass man sehr viel über die Welt erfahren hat mit zig Begründungen – wieso, weshalb, warum. Ein oder zwei meiner Testleser haben sich über einen regelrechten Infodump beklagt, was ich absolut nachvollziehen kann. 1000 Wörter sind leider zu wenig, um es allen Lagern recht zu machen :/
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Re: [SciFi|Thrill] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon Schmatrix » 12.05.2015, 01:42

Hallo,

da auf viele Dinge schon eingegangen wurde möchte ich nur auf ein paar Punkte eingehen, die mir im wesentlichen aufgefallen sind:

Mit geschlossenen Augen blieb Orleando liegen, beruhigte seinen Atem. Sein Herzschlag verlangsamte sich, während sich die Hintergrundgeräusche nach links verlagerten, wo sich die Baracken befanden. Bis fünfhundert zählte er, ehe er es wagte, den Kopf zu heben und sich vorsichtig umzuschauen. Er blinzelte den Schmutz aus den Augen. Seine Hände und Unterarme waren im schlammigen Untergrund versunken. [...]


Hier fehlt mir ein bischen die Information über die Situation nachdem er bis funfhundert gezählt hat. Finden immer noch Kämpfe statt? Oder ist Ruhe im Lager? Haben sich die Kämpfe entfernt oder sind sie näher gekommen?
Erst war ich stutzig, dass er überhaupt so lange zählt. Fünfhundert ist nicht gerade wenig. Hatte er einen Grund dazu, z.B. weil die Kämpfe anhalten, oder ist er einfach nur sehr vorsichtig?

Den stacheldrahtbewehrten Zaun hatte er zum Glück schon überwunden. Jenseits davon, in der Ferne, sah er den großen Wachturm und kleinere Gebäude, zwischen denen sich dunkle und gelbe Punkte hin- und herbewegten.


Hier wird mir die Umgebung nicht ganz klar. Schaut er zurück ins Lager, das von einem Zaun umgeben ist und wo sich die Wachtürme und Personen befinden? Oder befinden sich Turm und Menschen außerhalb des Zaunes, also quasi als ein weiteres Hindernis auf seiner Flucht?

Als Orleando das Arbeitslager erstmals betrat und seine Finger in den Schlamm grub, begriff er schnell, dass es kein Entkommen gab – dass er bis zum bitteren Ende Artefakte würde suchen müssen. Von da an beobachtete er alles, sämtliche Abläufe des Arbeitstages, vor allem aber die Routen der Wächterroboter und die Reichweite ihrer Geschosse. Dabei entging ihm nicht, dass auch andere Gefangene Fluchtpläne entwickelten – nicht zum ersten Mal und mit Sicherheit auch nicht zum letzten Mal.


Irgendwie widerspricht er sich hier selbst. Erst sieht er kein Entkommen und sein Leben beendet, dann beginnt er Fluchtpläne zu schmieden. Grob zusammengefasst klingt das wie

Es gab kein Entkommen. Also versuchte er zu entkommen.

Kann vielleicht auch nur mein persönlicher Eindruck sein. Ich würde den ersten Satz so ändern:

Als Orleando das Arbeitslager erstmals betrat und seine Finger in den Schlamm grub, begriff er schnell, dass er von hier entkommen musste, wenn er nicht bis zum bitteren Ende Artefakte würde suchen müssen.

Insgesamt ist die Geschichte sehr gut zu lesen. Zu Beginn viel Action und wenig Informationen, was für mich den Einstig etwas erschwerte. Dann wird es spannend, bis zu dem Punkt wo er sich im Staudenwald befindet. Hier flacht die Spannungskurve langsam ab, da die offensichtliche Bedrohung vorüber ist und es folgen ein paar Hintergrundinformationen, die wiederum Interesse nach mehr wecken. Anschließend wirds wieder spannend, als die beiden Fremden auftauchen. Das Ende hat mir besonders gefallen, weil ich bei anderen Mitgefangenen eher an etwas Positives (Stichwort: Mitstreiter) gedacht hätte, als an eine potentielle neue Bedrohung, die mir hier durch Orlandos Misstrauen vermittelt wurde.

Viele Grüße,
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Re: [SciFi|Thrill] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon Libelle » 12.05.2015, 11:35

Als Orleando das Arbeitslager erstmals betrat und seine Finger in den Schlamm grub, begriff er schnell, dass er von hier entkommen musste, wenn er nicht bis zum bitteren Ende Artefakte würde suchen müssen.


Danke, Schmatrix. Das ist ein sehr wichtiger Hinweis, der mir so gar nicht aufgefallen ist. Werde ich auf jeden Fall ändern.

Aber auch danke für deine anderen Anmerkungen. Ich dachte eigentlich, dass ich das mit den 500 längst rausgekürzt hätte … Dafür wollte ich eh eine andere Lösung finden. Gut, dass du nochmal drübergestolpert bist.
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Re: [erledigt] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon MrMojo » 23.05.2015, 23:23

Für den Einstieg in den Roman hast du eine solide Szene gewählt. Jedoch etwas zu schnell erzählt.
Der Titel ist gut.
Der Schreibstil ist auch gut.
Beim Namen Orleando hingegen kommen mir Assoziationen wie "Künstler, Träumer, Schwuchtel, Weichei" in den Sinn. Finde ich unpassend. Du schreibst ja, dass es ein Tarname sein, ich vermute um seine Idendität im Straflager geheim zu halten. Doch ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Weichei wie Orleando eine Woche in einem knallharten Arbeitslager überlebt, ohne von den Gefangenen zerfleischt zu werden. Natürlich bedeutet sein Name nicht dass er tatsächlich ein Waschlappen ist, doch da ich nur seinen Namen kenne, kommt mir sofort dass in den Sinn. Zumal, seinen Mitgefangen wahrscheinlich auch. Er braucht einen härteren Tarnnamen.

Ein Logikfehler:
Die Felsenlandschaft bildete nur den Vorläufer einer Hochebene, die Orleando schon seit Monaten vom Arbeitslager aus im Blick hatte.


Sofern das Arbeitslager nicht auf einem Gipfel liegt oder auf den Wolken schwebt, kann ich mir nicht vorstellen dass er vom Arbeitslager Sicht auf eine Hochebene hat. Doch Arbeitslager neigen dazu, viel Platz zu brauchen und liegen daher selber auf Ebenen. Wenn dem so ist, was ich stark vermute, macht der folgende Satz keinen Sinn mehr:
weshalb er sie noch heute Nacht erreichen wollte

Denn dann hätte er sie bereits im Lager erreicht.

Die Nacht fühlte sich kühl und klamm


Klamm ist unpassend.

die zahlreichen Splitter in seinen Füßen, Knien und Unterarmen


Also hat er Splitter in den Knien, aber nicht Unter und Oberschenkel? abgesehen davon, Knien und Arme sind führ gewöhnlich aufgeschürft, Splitter und Kratzer hat man in den Händen und Kratzer im Gesicht. An den Füssen nur blasen, sofern er nicht barfuss unterwegs ist.

ass er von hier entkommen musste


Entkommen ist er ja schon, jetzt versucht er nicht nochmal erwischt zu werden!

Wie war er nur in diese Lage geraten? Was hatte er falsch gemacht? War er nicht immer sehr vorsichtig gewesen, hatte immer alles minutiös geplant gehabt? Seine Vergangenheit als freier Mann schien ihm so fern, obwohl es erst wenige Monate zurücklag, dass das Raumschiff, in dem er als Reisender unterwegs war, entführt wurde.


Diese Gedanken sind völlig fehl am Platz, darüber hat er sich die Wochen/Monate/Jahre im Lager den Kopf zerbrochen, doch jetzt ist Action angesagt! Die Gefahr ist ja noch lange nicht vorbei. Wenn schon dann ist er euphorisch, im Angesicht seiner neugewonnenen Freiheit und besorgt, diese wieder zu verlieren. Doch bestimmt ist er nicht nachdenklich oder hat Selbstzweifel.

Der Dialog am Schluss wirkt zu wenig gespannt, man spürt das Misstrauen und die Nervosität eigentlich hegen sollten. Bis jetzt wirkt es so als ob sich 10 Jährige zum Fussbalspielen verabreden. Du schreibst ja dass Orleando extrem misstrauisch ist, doch das kommt bei den anderen zwei nicht rüber. Wenn sie gar nicht misstrauisch sind, so wäre das noch unglaubwürdiger.

Abgesehen davon musst du deinem Protagonisten mehr Steine in den Weg legen. Er bleibt im Stacheldraht stecken, er muss sich im Gebüsch verstecken und beobachtet dabei die Wachen, er wird be- oder angeschossen, er verstaucht sich den Knöchel etc. Wenn alles wie am Schnürchen läuft, kommt Langeweile auf. Und es wirkt unglaubwürdig.

Insgesamt musst du dir drei Sachen zu Herzen nehmen: Langsamer erzählen (Langsamer ≠ langweiliger, wie viele meinen) vor allem in Anbetracht der Tatsache dass du einen Roman füllen willst, mehr Hindernisse in der Handlung, Ungereimtheiten und Unglaubwürdigkeit vermeiden.

Stil ist wie gesagt gut, an dem musst du nicht viel feilen.

Könnte durchaus was werden.
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Re: [erledigt] Karriere im Weltraum (AT, Kapitel 1)

Beitragvon Libelle » 24.05.2015, 14:16

@MrMojo

Danke für deine Hinweise, auch wenn ich meine, eingangs geschrieben zu haben, dass ich das Kapitel derzeit am Überarbeiten bin.

Sorgen darüber, den Roman zu füllen, mache ich mir nicht, denn er ist bereits abgeschlossen und umfasst um die 550k Anschläge. (Muss nur noch ein paar Szenen schreiben, die ich schon angelegt, aber aus Faulheit noch nicht ausformuliert habe. Werden also um die 600k Anschläge.)

Warum sollte ich der Figur ausgerechnet im ersten Kapitel noch mehr Steine in den Weg legen? Ich hielt es für sinnvoller, dem Leser einen knappen Einstieg zu geben, so dass er einen groben Überblick über die Situation bekommt. Das »Abenteuer« beginnt ja jetzt erst. (So hatte ich mir das jedenfalls gedacht.) Oder muss das so sein, dass am Anfang noch mehr passiert?

Das Arbeitslager (nicht Strafgefangenenlager) liegt in einer Art Tal oder niedrigen Ebene, an dessen einer Seite sich in einiger Entfernung eine höhere Ebene erhebt. Die andere Richtung einzuschlagen bleibt der Figur verschlossen, außerdem hat sie ein ungefähres Ziel, das hinter der Hochebene liegt. Was genau es mit dem Lager auf sich hat, erfährt man irgendwann in den folgenden Kapiteln.

Wieso findest du klamm unpassend?

Über die anderen Details, die du angesprochen hast, werde ich mir trotzdem noch einmal Gedanken machen.
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