[FÜ] Katz und Maus

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[FÜ] Katz und Maus

Beitragvon Neee » 18.08.2015, 20:06

Hallo allerseits,
als ich diese Fingerübung entdeckt habe, ist mir die Idee zu diesem Text gekommen. Dem ein oder anderen mag der Aufbau aus der Kommunikationstheorie bekannt sein.
Ich bin gespannt auf eure Meinung. :)




Tina griff ins Leere. Wo sonst ihr Lieblingsfüller auf sie wartete, tanzten jetzt nur Staubflocken. Sie stutzte. Vorhin hatte sie das quietsch pinke Schreibgerät mit den Glitzertroddeln doch genau hier abgelegt. Dieser Füller begleitete sie schon seit der zweiten Klasse. Tom hatte schon mehrfach versucht, sie zum Wegschmeißen zu überreden. Er hatte ihr zum Hochzeitstag sogar einen auf Hochglanz polierten Wurzelholzfüllfederhalter mit der Inschrift „Tom und Tina – Die Zeit vergeht, die Liebe bleibt“ geschenkt.

Tom. Tina ballte die Fäuste. Tom war beleidigt gewesen, als er sie beim letzten Mal mit ihrem Lieblingsfüller statt seinem Geschenk schreiben gesehen hatte.

Tom musste ihn genommen haben. Es konnte gar nicht anders sein.

„Tom!“, bellte sie das Treppenhaus hinunter. Doch er antwortete nicht. Um diese Uhrzeit hatte er noch Fußballtraining. Jeden Montag und Mittwoch vergeudete er damit. Anstatt im Sommer mit ihr die Sonntage am Badesee zu verbringen, verbrachte Monsieur die Zeit lieber auf dem Platz. Als hätte seine Mannschaft je gewonnen! Und wenn, dann sicherlich nicht aufgrund seiner Leistung! Sie hatte Dreijährige gesehen, die mehr Ballgeschick besaßen.

Tina polterte die Treppe hinunter. Vielleicht hatte er den Müll noch nicht rausgebracht. Wann brachte Tom schon mal den Müll raus?

Sie klappte den Deckel des Müllbehälters hoch. Natürlich war er voll. Genauso wie der gelbe Sack. Aber ihr Glitzerfüller war nirgends zu sehen. Ihr Blick fiel auf das abgebrochene Brett vom Gewürzregal.
Hatte er eigentlich je schon mal etwas von dem gemacht, um das sie ihn gebeten hatte?
Das Gewürzregal war immer noch kaputt, der Rasen wuchs ihr bald über den Kopf und um dieses komische Knirschen der Wohnzimmertür hatte er sich auch nicht gekümmert. Die Steuererklärung war auch bald fällig. Natürlich hatte Monsieur sie noch nicht fertig. Immer machte er alles auf den letzten Drücker!

Er wusste genau, wie sehr sie das hasste. Genauso sehr, wie er hasste, wenn sie an seinen Schreibtisch ging.

Natürlich! Sein Schreibtisch. Dort hatte er ihren Füller bestimmt versteckt. Sie hastete in den ersten Stock in sein Arbeitszimmer und zog Schublade, um Schublade auf. Von ihrem Füller keine Spur. Tina hob seine Tastatur an, schob den Bildschirm beiseite, doch da war einfach nichts. Dieser clevere Mistkerl. Wo hatte er ihn nur versteckt?

Das Antlitz ihres Schwiegermonsters grinste ihr entgegen. Diese hinterhältige Intrigantin hatte ihr gerade noch gefehlt. Ständig mischte sich dieses Miststück in ihr Leben ein. „Wollt ihr die Vorhänge wirklich in Babyblau nehmen? Das passt doch gar nicht zu der schicken Vase davor, die ich euch geschenkt habe.“ Natürlich war Tom dann gleich ihrer Meinung. Immer hielt er zu seiner Mutter und nicht zu seiner Frau. Die Zeit vergeht, die Mutterliebe bleibt. Tina schnaufte. Wieso fiel sie nicht endlich mal tot um? Die lebte doch nur noch, weil der Teufel sie nicht mal in der Hölle haben wollte.

Aber ihren lieben Sohn und ihre reizende Schwiegertochter besuchte sie jedes Weihnachten. Natürlich nur, um an allem rumzunörgeln. Der Braten war zu trocken, ihr Bettlaken roch seltsam und der Wein war verkorkt. „Pah, der hat nur komisch geschmeckt, weil ich reingespuckt hab“, sagte Tina mit grimmiger Genugtuung in den Raum hinein. Das hat man davon, wenn man seine reizende Schwiegertochter ständig reizt.

Seit Jahren schon, versuchte diese grässliche Frau, Tina durch Toms Ex-Freundin zu ersetzen. Natürlich mochte das Schwiegermonster die lieber. Das war schließlich genau so ein verlogenes Miststück.

Letzte Ostern hatte sie ja sogar ein Essen im edelsten Restaurant der Stadt für Tom und seine Ex organisiert. Tina war krank gewesen und ja, das musste sie sich eingestehen, das war ihr gerade recht gekommen, um das Mutterbiest sehen zu müssen. Wie hübsch das Schwiegermonster sich das ausgedacht hatte. Auf einmal bekam sie Rückenschmerzen, aber Tom „solle nur allein hingehen. Wäre doch schade um die Reservierung. Sie habe auch schon Marion Bescheid gesagt, damit er nicht alleine sei.“

Und Tom, dieser rehäugige Naivling? Der ist natürlich drauf reingefallen. Ihr hat er dann beteuert, dass das ja alles gar nicht so schlimm gewesen wäre, dass Tina gar nicht eifersüchtig zu sein brauche, dass der Lippenstift am Kragen nur von einer Umarmung sei…

Damals hatte sie ihm geglaubt. Seine Ex-Freundin war doch immer überschminkt. Aber stimmte das wirklich? Marion war schließlich genau so ein manipulatives Biest wie seine Mutter. Ein bisschen Wein, ein wenig die guten alten Zeiten hochleben lassen. So musste es gewesen sein. So hatte dieses Miststück ihren Mann verführt!

Tina knallte die Tür von Toms Arbeitszimmer zu. Sie hielt kurz inne. Das waren seine Schlüssel in der Haustür. Sie stürmte die Treppe hinunter.

„Hallo schönste Frau der - “, wollte Tom sie begrüßen.

„DAS KANNST DU DIR SONSTWOHIN SCHIEBEN! ICH LASS MICH SCHEIDEN, DU DRECKSKERL!“
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Re: [FÜ] Katz und Maus

Beitragvon Diavolo » 19.08.2015, 14:02

Hallo Neee

Ich habe deinen noch nicht kommentierten Text entdeckt und mich gefragt, warum das denn? Denn als ich ihn las, ging es ohne holpern bis zum Schluss und ich finde es gut, was du aus der Fingerübung gemacht hast. Ich habe trotzdem noch ein paar Anmerkungen zu deinem Text, wenn es dir recht ist.

Neee hat geschrieben:Tina griff ins Leere. Wo sonst ihr Lieblingsfüller auf sie wartete, tanzten jetzt nur Staubflocken.



Hier würde ich ein Komma setzen nach Leere, denn sonst wirkt der erste Satz abgehackt und es gehört doch zusammen.

Neee hat geschrieben:quietsch pinke


Darunter kann ich mir nichts vorstellen, erinnert mich eher an eine Quietschende. Aber nur meine Empfindung.

Neee hat geschrieben: Tom hatte schon mehrfach versucht, sie zum Wegschmeißen zu überreden.


Hier komme ich beim Lesen ein bisschen aus dem Rhythmus. Vielleicht besser oder anders:

Tom hatte schon mehrfach versucht sie zu überreden ihn wegzuschmeißen.

Neee hat geschrieben:Er hatte ihr zum Hochzeitstag sogar einen auf Hochglanz polierten Wurzelholzfüllfederhalter mit der Inschrift „Tom und Tina – Die Zeit vergeht, die Liebe bleibt“ geschenkt.


Dann würde ich hier nicht mit 'Er hatte' anfangen, sondern mit 'Zum Hochzeitstag. Auch fehlen hier ein Doppelpunkt und Kommas, aber ich bin kein Kommaspezialist. Doppelpunkt hinter 'Inschrift und Komma nach bleibt"

Neee hat geschrieben:Tom.


Dieser Tom steht so verlassen im Raum, vielleicht ein Ausrufe- oder Fragezeichen?

Neee hat geschrieben:Tom. Tina ballte die Fäuste. Tom war beleidigt gewesen, als er sie beim letzten Mal mit ihrem Lieblingsfüller statt seinem Geschenk schreiben gesehen hatte.

Tom musste ihn genommen haben. Es konnte gar nicht anders sein.

„Tom!“, bellte sie das Treppenhaus hinunter.


Hier hat es mir zu viele Toms im Text :oops:

Neee hat geschrieben:Um diese Uhrzeit hatte er noch Fußballtraining.


Warum bellt sie dann nach ihm, wenn sie es doch weiß?

Neee hat geschrieben:Sie hatte Dreijährige gesehen, die mehr Ballgeschick besaßen.


Hier würde ich noch ein 'schon' vor die Dreijährigen einbauen.

Aber den Teil mit seiner Fussballleidenschaft würde ich noch umschreiben, ich verstehe, wie das sich anfühlt, aber es könnte spannender rüber kommen.

Neee hat geschrieben:Müllbehälters


Vielleicht hier besser Müllcontainers, denn Müllbehälter hat man doch eher in der Wohnung.

Neee hat geschrieben:Aber ihren lieben Sohn und ihre reizende Schwiegertochter besuchte sie jedes Weihnachten


Hier hat sich ein Tippfehler eingeschlichen, es müsste heißen: jede

Neee hat geschrieben:„Pah, der hat nur komisch geschmeckt, weil ich reingespuckt hab“, sagte Tina mit grimmiger Genugtuung in den Raum hinein.


Da würde ich einen Absatz vorher und nachher machen und vielleicht die Zeit bestimmen, wann das passiert ist, vielleicht mit einmal

Im letzten Teil hat es mir dann noch zu viele Schwiegermonster.

Aber ansonsten ein guter Ansatz für eine sicher gute Geschichte. Es waren nur meine Gedanken zu deinem Text und vielleicht kannst du davon etwas gebrauchen, ansonsten ab in die Große Tonne.

Liebe Grüße
Divavolo
Wie viele Leute schreiben und schreiben und auf dem Papier steht immer nichts!
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Re: [FÜ] Katz und Maus

Beitragvon Neee » 24.08.2015, 09:43

Hallo Diavolo und vielen Dank für dein Feedback. :D
Ich hab noch einige Fragen hierzu.

Mein Startsatz:
Ich hatte den ersten Satz abgetrennt, damit die "Leere" mehr hervorsticht. Aber die Startprobleme seh ich auch. Der Anfang "stottert".
Mal gucken, was mir da noch einfällt.

Tom hatte schon mehrfach versucht, sie zum Wegschmeißen zu überreden.


Hier komme ich beim Lesen ein bisschen aus dem Rhythmus. Vielleicht besser oder anders:

Tom hatte schon mehrfach versucht sie zu überreden ihn wegzuschmeißen.


Mit meiner Konstruktion hatte ich versucht, gerade diese beiden "zu"-Erweiterungen zu vermeiden. :D Das macht es für mein Empfinden zäh. Da muss es noch eine schönere Formulierung geben... :thinking:

Bei den vielen Toms geb ich dir absolut recht. Jetzt, wo du es geschrieben hast, stechen sie fürchterlich hervor. ^^

Um diese Uhrzeit hatte er noch Fußballtraining.


Warum bellt sie dann nach ihm, wenn sie es doch weiß?


Weil sie aufgeregt ist. Ihr Lieblingsfüller ist weg. Da vergisst sie kurzzeitig, dass er gar nicht da ist.


Sie hatte Dreijährige gesehen, die mehr Ballgeschick besaßen.

Hier würde ich noch ein 'schon' vor die Dreijährigen einbauen.


Ein "schon" ist für mich eine unnötige Abschwächung. Sie ärgert sich über ihn. Er kann sowieso nicht gut spielen, soll er es doch sein lassen.

Die Idee, seine Fussballleidenschaft und das Leiden, das er damit bei ihr schafft, auszubauen find ich gut. Eventuell kann ich so auch mehr Gegengewicht zum Schwiegermonster schaffen.

Müllbehälters


Vielleicht hier besser Müllcontainers, denn Müllbehälter hat man doch eher in der Wohnung.


Müllbehälter war schon beabsichtigt. ^^ Sie schaut ja auch in selbigen in der Küche, nicht in einen Müllcontainer draußen.
Kannst du mir hier näher erläutern, was bei dir den Eindruck eines Müllcontainers erweckt hat?

Aber ihren lieben Sohn und ihre reizende Schwiegertochter besuchte sie jedes Weihnachten

Hier hat sich ein Tippfehler eingeschlichen, es müsste heißen: jede


Nee, das war kein Tippfehler. In meinem Sprachgebrauch, ist Weihnachten neutrum, bei duden.de auch. Bist du hier von die Weihnacht drauf gekommen?

Im letzten Teil hat es mir dann noch zu viele Schwiegermonster.


Nimmt dir das Schwiegermonster zu viel Platz ein oder kommt dir das Wort zu häufig vor?

Liebe Grüße
Nee
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Re: [FÜ] Katz und Maus

Beitragvon Diavolo » 27.08.2015, 16:49

Hallo Neee

Ich versuche dir Antworten auf deine Fragen zu geben.

Neee hat geschrieben:Ich hatte den ersten Satz abgetrennt, damit die "Leere" mehr hervorsticht


Aber die Leere bekommt mit dem Zusammenhang mehr Sinn und damit auch mehr Aussagekraft.

Neee hat geschrieben:Mit meiner Konstruktion hatte ich versucht, gerade diese beiden "zu"-Erweiterungen zu vermeiden. Das macht es für mein Empfinden zäh. Da muss es noch eine schönere Formulierung geben...


Vielleicht findest du eine andere Lösung, mich stört es beim Lesen nicht.

Neee hat geschrieben:Weil sie aufgeregt ist. Ihr Lieblingsfüller ist weg. Da vergisst sie kurzzeitig, dass er gar nicht da ist.


Ich kann nicht glauben, dass sie wegen dem Lieblingsfüller, vergisst, dass er nicht da ist und alle seine anderen negativen Seiten.

Neee hat geschrieben:Ein "schon" ist für mich eine unnötige Abschwächung. Sie ärgert sich über ihn. Er kann sowieso nicht gut spielen, soll er es doch sein lassen.


Ok, hört sich besser an, aber hier würde ich noch ein 'lieber' einfügen:

Er kann nicht gut spielen, soll er es doch lieber sein lassen.

Neee hat geschrieben:Müllbehälter war schon beabsichtigt. ^^ Sie schaut ja auch in selbigen in der Küche, nicht in einen Müllcontainer draußen.
Kannst du mir hier näher erläutern, was bei dir den Eindruck eines Müllcontainers erweckt hat?


Ja, denn ich kenne im Haus nur Abfalleimer aber keine Müllbehälter. In der Küche meistens unter dem Spülbecken, wenn man die Türe öffnet, geht die Klappe auf. :oops:

Neee hat geschrieben:Nee, das war kein Tippfehler. In meinem Sprachgebrauch, ist Weihnachten neutrum, bei duden.de auch. Bist du hier von die Weihnacht drauf gekommen?


Für mich hört sich das wirklich schräg an, aber ich habe auch schon langem keinen Umgang mit dem neuen deutschen Duden.

Neee hat geschrieben:Nimmt dir das Schwiegermonster zu viel Platz ein oder kommt dir das Wort zu häufig vor?


Das Wort kommt mir zu häufig vor.

So, ich hoffe, ich kann bald deine überarbeitete Version und die Fortsetzung lesen.

Liebe Grüße

Diavolo
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Re: [FÜ] Katz und Maus

Beitragvon Neee » 28.08.2015, 17:01

Dankeschön für deine Erläuterungen. ^^

Die Überarbeitung wird noch eine Weile auf sich warten lassen. Für mich muss der Text jetzt erstmal wieder ruhen. Mit mehr zeitlichem Abstand fällt mir die Korrektur leichter. :)
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