Keine Prophezeiungen mehr – Bitte!

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Re: Keine Prophezeiungen mehr – Bitte!

Beitragvon Neniel » 31.05.2015, 18:25

Was hältst du von Prophezeiungen?
Interessantes Thema - aber ehrlich gesagt, ein wenig zu heftig formuliert im Titel.
Ich denke, Prophezeiungen können echt spannungs-erzeugend sein - es muss eben einfach passen. Eine "richtige" Prophezeiung ist für mich, wenn sie geheimnisvoll bleibt, aber am Ende hunderprozentig auf das Geschehen passt. Sie soll nicht irgendetwas vorweg nehmen, aber bestenfalls eine Befürchtung oder Hoffnung wecken. Beispiel "Das im Mai geborene Kind wird die Mondfinsternis nicht erleben." So, das im Mai geborene Kind: Welches? Im besten Fall geht es um mehrere. Mondfinsternis nicht erleben: Heißt, Kind kann vorher sterben. Oder es wird entführt und eingesperrt und bekommt daher nichts mit. Oder es geht am Flughafen verloren, landet im falschen Flieger und ist deswegen nicht rechtzeitig dort, wo die Finsternis sichtbar wäre. Ich finde, da zittert man als Leser dann etwas mit, man fragt sich "ohje, was passiert da nur", aber die Auflösung dazu kann so anders sein als das naheliegende: Das Kind stirbt vorher, und natürlich ist es für die Handlung wichtigere Kind. Nö, kann ja auch ein anderes sein, was aber wiederum Auswirkungen auf den ganzen Story-Verlauf hat.

Kommt in deiner Geschichte eine Prophezeiung vor?
In meinem "fertigen" Projekt nicht. In dem, an dem ich schreibe, ja. Allerdings bekommt der Leser sie nicht zu lesen, und der Prota, auf den sie zutrifft, wird erst gegen Ende erfahren, dass es die Prophezeiung gab.

Warum?
Weil ich sie als Spannungselemente haben wollte.

Und was würde passieren, wenn du die Prophezeiung weglassen würdest?
Die beiden Männer würden das Kind anders aufwachsen lassen, es vielleicht hassen, und dadurch würde sie nicht so geschützt sein und nicht die Dinge erlernen, die ihr später nützlich sein werden (auch wenn das die Männer nicht wussten). Die Prophezeiung ist also nur dafür da, damit die beiden Männer dem Mädchen ein Zuhause und Schutz geben. Zwar glauben sie auch, dass sie sterben wird, weswegen der eine Mann, bei dem sie lebt, sie später, nachdem er sie lieben gelernt hat wie eine Tochter, gar nicht mehr aus seiner Obhut geben möchte. Aber da die Prophezeiung nicht direkt den Tod ankündigt, ist diese Befürchtung am Ende unbegründet. Dennoch veranlasst sie ihn dazu, so zu reagieren, dass Konflikte gegeben sind und am Ende die Prophezeiung überhaupt zur Erfüllung kommt.

Welche Prophezeiung kennst du, die eine Geschichte erst so richtig gut gemacht hat?
Auf Anhieb fällt mir keine ein. Aber es muss welche gegeben haben, sonst würde ich Prophezeiungen nicht so toll finden.

Welche Prophezeiung kennst du, die eine Geschichte so richtig schlecht gemacht hat?
Auch da kann ich gerade kein explizites Beispiel geben, aber auch hier bin ich sicher, dass ich schonmal etwas gelesen habe, wobei ich dachte: Man, das hätte man besser machen können.
Aber da kann ich mich Saftkeks eigentlich anschließen. Solche expliziten Prophezeiungen nehmen zuviel vorweg, anstatt dass sie der Story gut tun.
Nicht Hass ist die Bestimmung eines Engels. Sondern Vergebung, Güte und Mitgefühl.. und manchmal vielleicht auch Traurigkeit.
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Re: Keine Prophezeiungen mehr – Bitte!

Beitragvon Ojinaa » 14.09.2015, 16:50

Prophezeihung rein als Spannungserzeuger ist wirklich lahm. Aber gerade in der Fantasy kann sowas handlungsauslösend oder handlungsprägend sein. Es könnte z. B. erklären, warum dem Typen, der am Anfang n Unterhose vor dem Fernseher sitzt, die Leite plötzlich zuhören oder gar folgen, obwohl er Schwachsinn erzählt oder tut.
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt. (Klaus Klages)
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Re: Keine Prophezeiungen mehr – Bitte!

Beitragvon Träumerin25 » 14.09.2015, 21:27

Kommt in deiner Geschichte eine Prophezeiung vor?
Ja.

Warum?
Weil meine gesamte Idee auf dieser Prophezeiung basiert.

Und was würde passieren, wenn du die Prophezeiung weglassen würdest?
Tjaa ... mal kurz nachdenken ... :thinking: - *rumms* *holper* *schepper*. Habt ihr das auch gehört? Ich glaube, mein Story-Gerüst ist gerade in sich zusammengefallen.

Welche Prophezeiung kennst du, die eine Geschichte erst so richtig gut gemacht hat? Was hältst du von Prophezeiungen?
Alsooo, nachdem ich mich bei den ersten Fragen eher kurz geäußert habe, nun hier die lange Fassung: Ich persönlich finde Prophezeiungen sehr spannend und interessant, einfach weil sie so viel Konfliktpotenzial bieten. Leider kann ich euch kein Beispiel nennen, in dem eine Prophezeiung schlecht umgesetzt wurde, aber dafür habe ich ein Beispiel für eine richtig gute Umsetzung.
Und zwar geht es um "Fluch der Karibik: Fremde Gezeiten" (Teil 4). In diesem Film geht es darum, dass Blackbeard von einer Prophezeiung vorausgesagt bekommt, dass er von der Hand eines einbeinigen Mannes sterben wird. Daraufhin setzt er Himmel und Hölle in Bewegung, um zur Quelle der ewigen Jugend zu gelangen, mit deren Hilfe er sich um einige Jahre langlebiger machen kann.
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So will er den einbeinigen Mann überleben und seinen Tod verhindern. Das Dumme an der ganzen Sache ist aber, dass der einbeinige Mann davon Wind bekommt und ebenfalls zur Quelle der ewigen Jugend segelt. Es gibt einen Finalen Kampf und am Ende stirbt Blackbeard durch den einbeinigen Mann beim Kampf um die Quelle der ewigen Jugend.

Das eigentlich Interessante daran ist für mich jedoch nicht die Propheizeiung selbst, sondern: Wieso treffen die Prophezeiungen immer genau dann ein, wenn der Prota sein Bestes gibt, um sie zu verhindern oder zu überlisten? Würde sie auch eintreffen, wenn er nichts tun würde? Kann man einer Prophezeiung überhaupt entfliehen?
Das sind die Dinge, die mich an Prophezeiungen so faszinieren. Und genau darum geht es auch in meinem Roman.
Prophezeiungen können ja auch eine zentrale Rolle spielen, ohne genau benannt zu werden, oder sogar ohne, dass der Prota davon weiß. Viel interessanter ist doch, wenn der Antagonist die Prophezeiung kennt und sie für seine Zwecke gegen den unwissenden Prota einsetzen will. Dann sind das Drama und die Spannung doch schon vorprogrammiert! Der Prota geht nichts ahnend in sein Abenteuer, verliert alles, was ihm jemals etwas bedeutete und muss am Ende erfahren, dass genau DAS von seinem Gegenspieler geplant war.
BÄM! In your face, Leser! Also wenn da die Spannung fehlen sollte, kann ich euch auch nicht mehr helfen.

Ihr seht also, ich stimme Jackys Artikel ganz und gar nicht zu, da Prophezeiungen ja nicht nur (wie hier auch schon öfters genannt wurde) nach Schema A aufgebaut sind und verwendet werden. Es gilt, sie richtig einzusetzen und etwas aus ihr zu machen. So kann sie nämlich sehr wirkungsvoll sein.

Mit dramatischen Grüßen
Träumerin25
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Re: Keine Prophezeiungen mehr – Bitte!

Beitragvon HannahRiddle » 14.09.2015, 22:06

Kommt in deiner Geschichte eine Prophezeiung vor?
Nein.
Welche Prophezeiung kennst du, die eine Geschichte erst so richtig gut gemacht hat? Was hältst du von Prophezeiungen?
Die Prophezeiung(en) aus Harry Potter.
Gut, die aus dem dritten Teil von Trelawney kann man nicht zu 100% ernst nehmen, aber das mit dem "großen schwarzen Hund" war ja beispielsweise gar nicht mal so falsch und hat für mich als Leser der Geschichte etwas Spannung geschenkt.
Die andere große Prophezeiung aus den Harry Potter - Büchern, in der es um den Auserwählten geht, finde ich absolut genial, da sie auch auf Neville hinweisen könnte und Snapes Hass für Neville irgendwie auf der Prophezeiung aufbaut.
Ich höre jetzt einfach mal auf, bevor ich nach Hogwarts abdrifte.
Kurz: Ich habe an Prophezeiungen, die ein bisschen rätselhaft sind, sich irgendwie erfüllen und vergleichsweise kurz sind,nichts auszusetzen.
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Re: Keine Prophezeiungen mehr – Bitte!

Beitragvon Irrlichtwinter » 14.10.2015, 06:38

Auch wenn der Thread schon ewig alt ist, muss ich trotzdem noch meinen Senf dazu geben, weil Prophezeiungen ein Thema sind, dass mir sehr nahe steht.

Und im Grunde genommen bin ich auch der Meinung, dass Prophezeiungen einer Geschichte den Wind aus den Segeln nehmen können, wenn sie das Ende vorausnehmen. ABER:
Ich denke trotzdem, dass Prophezeiungen spannend sein können. Und das auf verschiedene Arten.

Einerseits fand ich es schon immer interessant, wenn die Handlung versucht, eine Prophezeiung zu verhindern. Sollte das nun die Prophezeiung vom Ende der Welt sein, oder nur, dass dem Protagonisten etwas schlimmes zustößt. In meinen Augen wird der Protagonist hier gezwungen, sich mit seiner eigenen Ansicht zum Schicksal und seinem eigenen Einfluss auf das Schicksal auseinanderzusetzen. Es hängt vom Autor ab, ob das 'Schicksal' abzuwenden ist oder nicht, aber solange offen bleibt, wie es ausgeht, finde ich, die Spannung bleibt erhalten.

Und die zweite interessante Anwendungsweise für Prophezeiungen (die ich in einem meiner eigenen Projekte versuche umzusetzen) ist diejenige Prophezeiung, die nicht wirklich 'Schicksal' ist, sondern nur deswegen Gewicht hat, weil die Gesellschaft, in der sie ausgesprochen wurde, an sie glaubt.
Dies sei am Beispiel meines Projektes erläutert: Das Ganze spielt in einer Fantasy-Welt. Ein (bedingt hellsichtig begabter) junger Mann hat einige Prophezeiungen gemacht, die nach seinem Tod total aus dem Kontext gerissen werden und das Grundgerüst einer Rebellion gegen das herrschende System bilden. Aufgund dieser (eigentlich nicht validen) Prophezeiungen entführen die Rebellen Kinder, um sie zu 'Kriegern der Prophezeiung' heranzuerziehen. (Im Endeffekt war die Prophezeiung Quatsch, und der folgende Bürgerkrieg hat in seinem Ausgang nichts mit der Prophezeiung gemein... Aber die Prophezeiung war die Motivation.)
Die Geschichte selber handelt mehr von den Figuren als von der Prophezeiung. Aber ich denke, dass ist es eben auch, was ich interessant an Prophezeiungen finde: Welche Konsequenzen sie im Leben der Protagonisten hinterlassen. Findet eine Figur in der Prophezeiung eine Inspiration und Kraftquelle? Oder entscheidet die Figur statt dessen, sich gegen das Schicksal aufzulehnen? Treibt die Prophezeiung eines furchtbaren Schicksals sie in die Verzweiflung?
In der Hinsicht sind Prophezeiungen für mich nur eines unter vielen Plotmitteln.
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