Kenn ich dich nicht irgendwoher? [10]

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Kenn ich dich nicht irgendwoher? [10]

Beitragvon Jacky » 05.01.2008, 15:27

Nutze dieses Thema um über folgenden Beitrag aus meinem Blog zu diskutieren:
Kenn ich dich nicht irgendwoher?

Welche besonderen Merkmale hat dein Charakter?
Wie gehst du sicher, dass deine Leser deinen Charakter wiedererkennen, auch ohne, dass du ihn beim Namen nennst?
Du hast in jedem Augenblick die Freiheit zu entscheiden was wichtig ist und wie du darauf reagierst.

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Re: Kenn ich dich nicht irgendwoher? [10]

Beitragvon Biene » 02.04.2009, 16:30

An dem Punkt knabbere ich seit einer Weile. Das Ding ist, ich finde einfach keine Merkmale. Ich hab auch schon rumüberlegt, was die Leute kennzeichnet, die ich kenne, aber da find ich auch nix. Das ist furchtbar unpraktisch, ich finde den Punkt nämlich echt hilfreich. Nur, außer "dunkle Haare", "klein & dünn" und "grüne Augen" hat beispielsweise meine Protagonistin keine Auffälligkeiten, auch nicht vom Kleidungsstil her. Und genau das hab ich bei allen meinen Charas. Gibt's da einen Trick? Helft mir bitte mal ein bisschen auf die Sprünge! Wie macht ihr das?
Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du nicht scheitern könntest?
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Re: Kenn ich dich nicht irgendwoher? [10]

Beitragvon Jacky » 02.04.2009, 17:24

Biene hat geschrieben:Ich hab auch schon rumüberlegt, was die Leute kennzeichnet, die ich kenne, aber da find ich auch nix.

Das glaub ich dir nicht 8)

Hier ein paar Fragen um dir "auf die Sprünge zu helfen":
Kleidung, Schmuck und Frisur:
  • Besitzt du ein Schmuckstück, dass du jeden und jeden und jeden Tag anziehst? Vielleicht einen Ring oder eine Kette, den du von einem Lieben Menschen bekommen hast?
  • Trägst du eine Haarspange?
  • Hast du eine irgendwie "auffällige" Frisur? Vielleicht einen Pferdeschwanz, einen Flechtzopf oder Strähnchen?
  • Besitzt du ein liebstes Kleidungsstück, das du besonders gerne trägst? Vielleicht eine kurze Hose, einen gestreiften Rock, ein paar Stulpen?
  • Hast du eine Band von der du Fan bist und ständig T-Shirts vom letzten Konzert trägst?
  • Wie sieht's mit Makeup aus? Glitzernagelack, dicker schwarzer Lidstrich (gibt's auch bei Männern), knallroter Lippenstift?
  • Hast du immer eine Uhr dabei, dein Handy, einen MP3-Player, ein Buch, ein Notizbuch, einen Stift?
  • Hast du ein Tattoo, ein Piercing, ein Muttermal, eine Narbe?
  • Was für Schuhe trägst du? Ich glaub es war Sherlock Holmes, der dir nach einem Blick auf die Schuhe alles über einen Menschen sagen konnte.

(Lästige) Gewohnheiten:
  • Kaust du ständig Kaugummi?
  • Schnalzt du häufig mit der Zunge?
  • Hast du besonders trockene Haut, viele Pickel, immer dreckige Fingernägel, riechst du nach Schweiß, duftest du nach Parfum?
  • Zwinkerst du beim Ja sagen immer besonders heftig mit den Augen?
  • Ziehst du in bestimmten Momenten deine linke Augenbraue hoch?
  • Fährst du dir mit der Zunge über die Lippen wenn du nervös bist?
  • Räusperst du dich ungewöhnlich oft?
  • Summst du wenn deine Hände beschäftigt sind?
  • Knackst du mit den Fingern?
  • Sagst du in jedem zweiten Satz "keine Ahnung" (oder etwas ähnliches)?
  • Fällst du deinen Freunden sofort um den Hals wenn du sie siehst oder begrüßt du sie mit küsschen-links-küsschen-rechts?
Gar nichts dabei?
Dann geh die Fragen noch einmal von vorne durch und beantworte sie für jeden einzelnen deiner Freunde. Immer noch nichts?
Okay, du machst es mir schwer? :P Dann probier es noch mal mit deiner Familie, nicht nur deine Eltern und Geschwister, sondern auch die verschrobenen Onkel, Tanten und Großeltern die du schon seit zwei Jahrzehnten nicht mehr gesehen hast. Was ist mit deinen Lehrern, deinen Vorgesetzten, Mitarbeitern, Nachbarskindern, oder den Menschen denen du täglich in der Bahn begegnest und jedem, der dir sonst so einfällt? Immer noch nichts dabei?

Falls keiner deiner Charaktere irgendetwas in dieser Richtung hat, dann musst du dir vielleicht noch ein wenig Gedanken in dieser Richtung machen, ihre Gewohnheiten, Macken und Einstellung zu den Dingen herausfinden. Am schönsten sind Macken die auf ihre Einstellung schließen lassen. Nimm die Biolatschen als Ausdruck der Ökobewusstseins, nur um ein ausgelatschtes Beispeil zu nehmen :D

Ich hoffe ich konnte dir helfen
lg
Jacky ;)
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Re: Kenn ich dich nicht irgendwoher? [10]

Beitragvon Elia » 07.04.2009, 20:54

Hallo!
Also so richtig kann ich damit leider nichts anfangen. Ich meine, im Grunde ist das ein wirklich guter Tip, aber ich glaube nicht, dass er in meiner Geschichte funktionieren würde. Meine Charaktere zeichnen sich vor allem durch ihre Verhaltensweisen aus. Wenn also aus dem Hintergrund eine scharfe Stimme sagt: "Du hast Angst. Deshalb geht es nicht.", dann weiß der Leser sofort, wer das gesagt hat. Einfach, weil die Stimme scharf ist, aber auch durch die Wortwahl. Ein anderer meiner Charaktere hätte den selben Sinn einfach anders formuliert: "Mädchen, Mädchen! Was machst du dir auch immer für Gedanken dabei?" Meine Charaktere haben sich entwickelt, ohne dass ich mir jemals Gedanken über sie machen musste. Sie waren plötzlich einfach da und hatten ihren eigenen Kopf. Deshalb musste ich ihnen auch nie irgendwelche äußeren Merkmale andichten. Und dass mein Hauptcharakter immer schwarze Kleidung trägt, weiß der Leser zwar, aber es ist definitiv nicht sein Erkennungsmerkmal. Deshalb (keine Ahnung, vielleicht ist das ja in einem anderen Blog erwähnt, dann bitte einfach ignorieren) würde ich diese Erkennungsmerkmalsgeschichte unbedingt um solche Dinge erweitern: Wortwahl, Tonfall, Bewegungsabläufe. Auch, dass jemand mehr mit den Händen als mit dem Mund spricht, ist ein Erkennungsmerkmal. Oder dass jemand immer aufgeregt ist oder laut schnauft, wenn er redet.
Ich würde auch gar nicht so lange darüber nachdenken, welchen Schmuck mein Charakter tragen könnte oder ob er eine Uhr hat. Vielmehr glaube ich, dass sich die Charaktere sowas von ganz alleine aussuchen. Dass man sich den Chara vorstellt und sieht, wie er gerade auf die Uhr schaut. Bzw. würde ich mich halt fragen, was mein Chara so tut, wenn er alleine ist oder wie er redet, also in welchem Tonfall und ob er dabei die Hände in den Taschen hat, wild herumfuchtelt oder sie ruhig vor dem Körper hält.
Deshalb meine Meinung zu dem Blog: Der Tipp ist gut, ist mir aber zu eindimensional auf das Äußere gerichtet.
Ein Buch ist wie ein Spiegel, aus dem kein Apostel herausgucken kann, wenn ein Affe hineinguckt.
- Georg Christoph Lichtenberg
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Re: Kenn ich dich nicht irgendwoher? [10]

Beitragvon Wwjd » 04.12.2012, 19:02

Du hast gesagt, das besagte 3 Eigenschaften sich durch die ganze Geschichte ziehen sollen. Spontan würde ich sagen es käme doch ein wenig seltsam, wenn ich erwähne, dass sich der Protagonist nervös auf den Lippen herumkaut.
Und wenn Sandmans Uhr auch immer wieder erwähnt wird, würde ich mir als Leser viel zu viel Gedanken um diese Uhr machen.
Ich finde es eine schöne Idee, weiß aber nicht wie man sie in der richtigen Dosis einsetzten kann.
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Re: Kenn ich dich nicht irgendwoher? [10]

Beitragvon Jacky » 08.12.2012, 13:55

Naja, es kommt drauf an, wenn das Lippe-Kauen eben eine blöde Angewohnheit ist, dann kommt sie natürlich häufiger vor. Und wenn die Uhr von Herr Sandman ein wichtiges Merkmal ist (weil er oft drauf guckt und weil sie teuer war und ...) dann wird auch die häufiger vorkommen.

Ehrlich gesagt verstehe ich nicht so ganz genau wo dein Problem liegt. Denn im aktuellen Teil geht es ja mehr darum sich erst mal über den Charakter klarzuwerden. Denn nur wenn du solche Dinge weißt (Lippe-Kauen/Uhrenfetischist/...) können sie nachher (ganz automatisch) unterschwellig in der Geschichte vorkommen.

Hilft dir das weiter?
lg
Jacky ;)
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Re: Kenn ich dich nicht irgendwoher? [10]

Beitragvon Wwjd » 10.12.2012, 13:04

Muss noch abwarten... vielleicht entwickelt sich alles von selbst, wenn ich erst mal schreibe...
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Re: Kenn ich dich nicht irgendwoher? [10]

Beitragvon Wwjd » 20.12.2012, 14:35

Nachtrag:

Ich lese gerade Frank Schätzings "Limit" und hab festgestellt, dass das mit der Wiederholung tatsächlich funktioniert. Bin gespannt, ob ich es selbst auch umsetzten kann.
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Re: Kenn ich dich nicht irgendwoher? [10]

Beitragvon Lykos » 23.10.2013, 21:36

Hi :D
Der Schriftsteller der das am Besten umsetzt, ist meiner Meinung nach George R.R. Martin. Er führt hunderte (nicht übertrieben) Charaktere ein, und bei den wichtigen behält man immer den Überblick.
Gut, wer welche Wache schiebt vergisst man, aber die häufiger Vorkommenden - wie auch immer er es schafft - merkt man sich.
Ich denke ein sehr hilfreiches Mittel, dass er einsetzt, sind eben diese "Marker", die du beschreibst.
Lennisters? Alle blonde Haare.
Robert? Fett, Säufer, Hurenbock.
Der Robert von der Ehr? Kleines Kind mit Epillepsie
Der Bluthund? Halbes Gesicht ist eine Brandnarbe.
Stannis? Der kalte König, den niemand liebt, aber der espektiert wird.
Tyrion? Kleinwüchsig.
Arya? Klein, schmal, kaut immer auf der Lippe :P
Varys? Eunuch, der immer alles weiß.

Wie man schon rauslesen kann, finde ich, dass Marker manchmal auch im Charakter liegen können. Aber mit den Markern hab ich auch so meine Probleme... wir sollten mal nen Sammelthread machen.
Lg,
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Re: Kenn ich dich nicht irgendwoher? [10]

Beitragvon eighthdwarf » 30.10.2013, 11:53

Ich glaube, meine Chara Ivy dürfte überall auffallen, wo sie hingeht. Nicht nur wegen ihren knallrot gefärbten Haaren, sie trägt auch gern knallig bunte Kleidung - solange die Farben zum Rot ihrer Haare passen. :mrgreen:

Jona dagegen fällt eher durchs Skateboardfahren und ihr burschikoses Auftreten auf als durch ihr Aussehen. :dasheye: Und wenn sie nervös ist oder unsicher, verschränkt sie ihre Arme und fängt an, sich an den Oberarmen zu kratzen.
Story-Ideen sind auch nur Menschen: Manche harmonieren so, als wären sie für einander geschaffen, manche leben nebeneinander her - und manche schlagen sich gegenseitig tot, wenn man sie zusammen in einen Raum steckt.
=3
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Re: Kenn ich dich nicht irgendwoher? [10]

Beitragvon TallyLC » 02.03.2015, 22:54

Ich persönlich musste bei diesem Punkt nicht allzu lange nachdenken. :D
Meine Protagonistin trägt am rechten Handgelenk viele verschiedene bunt zusammengestellte Armbänder aus verschiedenen Ländern. Außerdem hat sie eine helle, eher kindliche Stimme.
Wie ist das bei euch? :)
Man erkennt den Autor aus der Schrift vielleicht deutlicher als aus dem Leben. -Johann Wolfgang von Goethe
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Re: Kenn ich dich nicht irgendwoher? [10]

Beitragvon Daimachos » 04.03.2015, 02:14

Jeder Mensch hat irgendwelche Macken, Gewohnheiten, Äußerlichkeiten die ihn "brandmarken". Warum sollte das mit Charakteren in Geschichten anders sein? Sie sind doch auch Menschen oder zumindest vermenschlichte Wesen, welcher Art auch immer.
Der Unterschied zwischen etwas was man direkt beobachten kann und etwas Geschriebenem besteht darin, dass man die Geschichte im Falle des Schreibens über den Umweg "Buchstabe" erfährt. Der Leser muss sich das Bild mühsam selbst im Kopf malen/aufbauen und da helfen ihm besonders gut Merkmale, die geschickt vom Autor übertrieben werden. Nur so viel, dass sie besser im Gedächtnis bleiben. Das mag zwar nicht überall klappen, aber ich wage zu behaupten dass es sehr, sehr oft klappt. :girl: Das Markante ist halt immer das Fantastische. Natürlich immer abhängig vom Kontext.
Ich rate jedem der sich nicht sicher ist wie das wirkt, ob er übertrieben oder untertrieben hat, sich einen Testleser zu suchen, der sich traut, ernstgemeinte Kritik zu äußern, was häufig nicht leicht ist!

Liebe Grüße
Daimachos
Liebe Grüße Daimachos
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Re: Kenn ich dich nicht irgendwoher? [10]

Beitragvon Justin » 16.06.2015, 16:08

Meine Protagonistin trägt immer Röckchen, hohe Schuhe und Zöpfe - sie steht auf das Girlie-Look. Nebenbei hat sie ein gestörte Verhältnis zu der Zeit und prüft andauernd ihre unzählige Agenden und Notizbücher, dass sie Nichts vergessen hatte oder verpasst. Als ständiger Begleiter hat sie immer Cosima- ihr Chiwawa dabei - dementsprechend hat sie auch immer eine Tasche - meistens mehre Taschen dabei wo sie ihre ganze Plunder mit sich schleppen kann.
You can observe a lot just by watching.
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