[SciFi]Kind der Liebe (1/3)

[SciFi]Kind der Liebe (1/3)

Beitragvon Azareon29 » 27.05.2014, 21:42

An diesem Nachmittag scheint die Sonne strahlend hell aus einem wolkenlosen Himmel auf den Salvation Square herunter. Ihr Licht spiegelt sich in der gläsernen Fassade des Dearborn Tower.
Ich laufe mit zügigen Schritten über den Square, versuche mich zu beeilen ohne zu rennen. Ich bin noch gut in der Zeit für meinen Termin, möchte aber nichts dem Zufall überlassen.
Ich steige die Treppen vor dem Tower hoch und lege den Kopf in den Nacken. Über mir ragt der Schädel des Armageddon auf, der in die Basis des vor einem Jahr wieder aufgebauten Tower integriert wurde. Trotz der Neonleuchten zwischen den Reisszähnen und den Drehtüren im Bereich der Uvula habe ich den atavistischen Eindruck, wie ein Idiot einem Untier in den Rachen zu spazieren.
Um meine Nervosität zu überspielen, überprüfe ich meine Ausrüstung. Presseausweis – vorhanden und aktuell. MP3-Recorder mit Hochfrequenzmikrofon – vorhanden und geladen. Reserve-MP3-Rekorder mit Hochfrequenzmikrofon – ebenfalls vorhanden und geladen. Einen solchen Termin kriegt man nur einmal und wenn ich ihn vermassele, kann mich nicht mal die Flucht in die Antarktis vor dem Zorn meines Chefredakteurs schützen.
Meine Checkliste ist beendet und ich betrete den Tower. Drinnen erklingt unterschwellige Aufzugmusik aus Wandlautsprechern. Im Foyer oder Atrium oder wie auch immer das heißt fällt mir sofort der über drei Stockwerke gehende Springbrunnen ins Auge. Wenig Zimmerpflanzen.
Fast könnte ich es für ein Einkaufszentrum halten – wären da nicht die schwer bewaffneten und gepanzerten Sicherheitskräfte. Firmeneigenes Personal, mit der neusten Technik an tödlichen und nicht-ganz-so-tödlichen Utensilien ausgerüstet. Sie bilden eine Schleuse vor den Aufzügen, durch die alle Angestellten kommen und gehen müssen.
Ich nähere mich ihrem Kordon. Als einer von ihnen seine Waffe auf mich richtet halte ich ihm meinen Presseausweis vor das glänzende Visier seines Helms. Er überprüft ihn ordentlich, macht einen Gegenvergleich mit der Datenbank und winkt mich dann kurz angebunden weiter.
Bevor ich an die Aufzüge gelange, muss ich durch einen Ganzkörperscanner. Ein originales Produkt der Firma. Diese Maschinen sind seit jeher in allen wichtigen Flughäfen der Welt im Einsatz und haben schon so manchen Terroranschlag vereitelt. Ich komme nicht gleich dran, vor mir müssen noch zwei Angestellte hindurch. Beide schwitzen heftig und sind sehr nervös. Der erste tritt in den Scanner. Die Prozedur dauert kaum fünf Sekunden. Ein grünes Licht leuchtet auf und der sehr erleichterte Angestellte begibt sich zu den Aufzügen.
Der zweite tritt hinein. Diesmal dauert es keine drei Sekunden, dann leuchtet der ganze Scanner rot und eine Sirene ertönt. Der Angestellte hat noch gar nicht begriffen, was passiert ist, da rammt ihm einer der Sicherheitskräfte einen Schockstab in den Rücken. Zuckend geht er zu Boden und wird von den Sicherheitskräften aus dem Foyer geschleppt.
Ein Sicherheitsmensch bedeutet mir herrisch, dass ich an der Reihe sei. Ich trete in den Scanner. Jetzt bin ich weniger nervös. Ich weiß genau, dass ihre Technik bei mir nichts finden wird.
Fünf Sekunden später ist es vorbei und ich darf mich zu den Angestellten gesellen, die auf den Aufzug warten. Mein Timing wäre fast perfekt zu nennen, denn gleich darauf öffnen sich die Lifttüren.
Zusammen mit sieben anderen dränge ich mich in den Aufzug. Als ich die Taste für mein Ziel drücke, kann ich die Verwirrung und Anspannung der anderen riechen. Kein Wunder, denn keiner von ihnen kann sich vorstellen, jemals freiwillig den Knopf für die oberste Etage zu drücken.
Der Dearborn Tower ist nur einige Stockwerke größer als der Taipeh 101. Alle Angestellten steigen unterwegs aus. Bald bin ich alleine auf dem Weg zur Endstation.
Der Aufzug setzt mich in einem großen, ovalen Vorzimmer ab. Alles ist in Pastelltönen gehalten.
Eine einsame Sekretärin sitzt hinter einem riesigen Schreibtisch und tippt etwas auf ihrem Computer. Sie sieht auf, als ich mich nähere. „Sie wünschen?“
Ich halte ihr meinen Presseausweis hin. „Colin Palmer vom World News Channel. Ich bin der Vier-Uhr-Termin.“
Sie lächelt. „Mister Dearborn erwartet Sie bereits. Warten sie, ich kündige Sie nur an.“ Sie drückt auf eine Taste.
„Ja, Jean?“, kommt es aus einem Lautsprecher.
„Mister Palmer ist hier, Sir“, sagt die Sekretärin.
„Wunderbar, schicken Sie ihn gleich rauf.“ Die Verbindung wird unterbrochen. Die Sekretärin drückt eine andere Taste und in dem Aufzug gegenüberliegenden Ende des Ovals öffnet sich eine verborgene Tür, hinter der eine Treppe nach oben sichtbar wird. Ich nicke der Sekretärin dankend zu und begebe mich auf die Treppe.
Über die Treppe gelange ich in ein Penthouse, dass sich nochmal über drei Stockwerke erstreckt. Durch eine Glastür kann ich eine Terrasse mit einem nierenförmigen Pool erkennen. Dann wird meine Aufmerksamkeit auch gleich von dem Mann in Anspruch genommen, der mit ausgestreckter Hand auf mich zukommt.
„Colin, mein lieber Junge! Da sind Sie ja endlich.“ Er schüttelt mir die Hand und legt mir im gleichen Zug fast väterlich den anderen Arm um die Schultern.
„Einen schönen guten Tag, Mister Dearborn“.
Er lacht. „Da haben Sie recht, mein Junge, da haben Sie völlig recht. Es ist wirklich ein guter Tag. Aber lassen Sie uns keine Zeit vergeuden.“ Er zieht mich mit und ich habe keine andere Wahl, als ihm nachzugeben.
Wir lassen uns auf einem U-förmigen Sofa nieder, inmitten eines Steingartens voller Schaukästen, die diverse Stücke moderner Kunst enthalten. Er bietet mir eine Erfrischung an, die ich zu seiner Zufriedenheit ablehne. Er dagegen gießt sich ein großes Glas Baileys on the Rocks ein und lehnt sich genüsslich zurück.
Während ich meine Ausrüstung aufbaue, beobachte ich ihn verstohlen, was ihm natürlich nicht entgeht.
Darius Dearborn. Selbst sitzend wirkt er wie ein Gigant. Stehend überragt er mich um einen Kopf. Er trägt einen maßgeschneiderten, ultramarinblauen Dreireiher. Sein Kopf ist völlig kahl, dafür hat er einen kastanienroten, buschigen Vollbart. Wache, intelligente, kühle Augen starren über einer markanten Hakennase in eine unbekannte Ferne.
Ich aktiviere den Recorder. „So, die Aufnahme läuft.“

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Re: Kind der Liebe (1/3)

Beitragvon AnTBensOr » 28.05.2014, 19:34

Jo Azareon!

Mein standartisierter Hinweis: alles folgende ist subjektiv, also selektiere es nach Gutdünken und übernimm, was dir gefällt - den Rest ignorier.

Um meine Nervosität zu überspielen(,) überprüfe ich meine Ausrüstung.


Einen solchen Termin kriegt man nur einmal und wenn ich ihn vermassele(,) kann mich nicht mal die Flucht in die Antarktis vor dem Zorn meines Chefredakteurs schützen.


Drinnen erklingt unterschwellige Zahnarztmusik aus Wandlautsprechern.

Zahnarztmusik ist eine nette Bezeichnung, die ich ehrlich gesagt so nicht kenne. Du kannst sie gerne benutzen, jedoch möchte ich dir nahelegen, dass ich mir unsicher bin, wie ich diesen Begriff deuten soll. Als Aufzugmusik? Vgl Stanley Parable: http://www.youtube.com/watch?v=BZldeQ6JSJo
Oder als ein abstruses Soundgemisch aus Bohrmaschinen und krächzenden, vor Schmerz schreienden Patienten?

Das Foyer[,] Atrium oder wie auch immer das heißt[,] wird von einem über drei Stockwerke gehenden Springbrunnen beherrscht.

Ich habe den Satz ein wenig umformuliert, da für meinen Geschmack zwei "oder" hintereinander nicht sehr geschickt sind.
"Beherrscht" habe ich markiert, weil ein Springbrunnen normalerweise kein Recht auf eine Regentschaft hat. Ich denke du meinst, dass er die Blicke auf sich zieht, dominant im Foyer ist, nicht wahr? Dann versuch es doch mal mit "dominant", "sticht hervor" oder "fällt ins Auge". Mir ist schon aufgefallen, dass du teilweise ausgefallene Begriffe benutzt (Bsp: "atavistisch", "Ovula"), deswegen fällt umso mehr auf, wenn die Wörter ungeschickt benutzt werden.
Selbstverständlich ist dies Geschmackssache, und du solltest primär deinen Geschmack berücksichtigen.

Sie bilden ein Spalier vor den Aufzügen, durch die alle Angestellten kommen und gehen müssen.

"Spalier" hört sich gut an, wobei ich diesen Begriff nicht kenne und erst einmal nachschlagen musste. Das Bild, was ich intuitiv hatte, war aber besser als die eigentliche Bedeutung. Siehe selbst: https://de.wikipedia.org/wiki/Spalier
Nun habe ich leider keine Ahnung, was dieser "Spalier" darstellen soll.

Konvulsiv zuckend geht er zu Boden und wird von den Sicherheitskräften aus dem Foyer geschleppt.

Wieder ein hochgestochenes Wort, dass ich nachschlagen musste. Ich denke, dass "zuckend" reichen würde, besonders wenn du dir diese Synonyme hier einmal ansiehst: http://de.wiktionary.org/wiki/konvulsiv
Demnach würrdest du nämlich ein Wort mit seinem Synonym beschreiben, dem weißen Schimmel ähnlich.

Ein Sicherheitsmensch bedeutet mir herrisch, dass ich an der Reihe sei.

Der Sicherheitsmensch wirkt plump gegenüber den anderen Begriffen, die du verwendest.

Der Dearborn Tower ist nur einige Stockwerke größer als der Taipeh 101. Alle Angestellten steigen vorher aus. Bald bin ich alleine auf dem Weg zur Endstation.

Es geht mir ausschließlich um den zweiten Satz. Beim Lesen des Wortes "vorher" habe ich darauf gewartet, dass mir gesagt wird, vor was die Angestellten aussteigen. Im Zusammenhang mit dem vorherigen Absatz macht es Sinn, aber dann ist der Zeilenumbruch vielleicht nicht so geschickt gewählt.

„Mister Dearborn erwartet sie bereits. Warten sie, ich kündige sie nur an.“ Sie drückt auf eine Taste.

"sie" in diesem Fall groß schreiben. Auch wenn die Sekretärin eine kaltschnäuzige Stöckelschwester ist: zur formellen Höflichkeit ist sie verpflichtet.

„Ja, Jean?“, kommt es aus einem Lautsprecher.

Oftmals benutztest du ein Komma hinter dem Satzzeichen in der wörtlichen Rede und dem Gänsefüschen. Ich glaube, dass dies nicht unbedingt notwendig ist, also kannst du es vielleicht weg lassen. In diesem Falle wäre es vielleicht nicht schlecht, "kommt" mit "ertönt" zu ersetzen.

„Colin, mein lieber Junge! Da sind sie ja endlich.“

Siehe oben!

„Einen schönen guten Tag, Mister Dearborn“, sage ich.

In diesem Fall ist eindeutig, aus wessem Munde dieser Satz kommt, weswegen ich mich dazu verführt sehen würde, dass plumpe "sage ich" weg zu streichen. Wenn du es behalten möchtest, dann sehe ich auch kein Problem darin, würde dir nur nahe legen, es eventuell mit einem schönere Wort zu ersetzen.

„Da haben sie recht, mein Junge, da haben sie völlig recht. Es ist wirklich ein guter Tag. Aber lassen sie uns keine Zeit vergeuden.“

Siehe oben!

Wir lassen uns auf einem U-förmigen Sofa nieder, inmitten eines Innensteingartens aus Schaukästen.

Innensteingarten ist vielleicht überflüssig, immerhin ist von keinem Open-Air Büro die Rede, weswegen dieser Garten ergo überdacht sein wird.
Ich möchte dir kurz schildern, wie ich den "Innensteingarten aus Schaukästen" in meinem inneren Auge interpretiere: ich sehe steinerne Schaukästen, die irgendetwas beinhalten, vielleicht Steine - oder Mineralien, um Hank nicht zu nahe zu treten. Diese Schaukästen sind um das gesamte U-förmige Sofa angesiedelt, und zwar so, wie es bei einem Steingarten der Fall ist: zwar ordentlich, aber dennoch eine "Form" von Natürlichkeit anstrebend, demnach vielleicht ein wenig schief hingesetzt, dekorativ mit ihrer Umgebung "kommunizierend".
Ganz sicher bin ich mir jedoch nicht, ob dies deine Intention ist.

Er dagegen gießt sich ein großes Glas Baileys on the rocks ein und lehnt sich genüsslich zurück.

Ich bin kein großer Anglizist, aber ich denke, dass bei "on the Rocks" der Fels groß geschrieben wird. Machen die Engländer manchmal so, bei manchen Album-Covern setzen sie sogar das "T" vom "the" groß, aber ansonsten immer klein. Ich würde es in diesem Fall jedoch groß schreiben, da diese Bezeichnung sonst vom Schriftbild ziemlich mickrig rüber kommt.


Nun denn, genug über minimale Rechtschreibfehler und ein zwei Stil-Rutscher gejammert. Mir hat der ganze Text im Großen und Ganzen gefallen, wobei ich nicht ganz von deiner Schreibweise überzeugt bin. Du hast dir viel Zeit gelassen, diesen Platz zu beschreiben, bevor dein Protagonist den ominösen Dearborn Tower betritt - ich finde es ein wenig überflüssig, aber das ist mein persönlicher Geschmack und immerhin kann ich nicht sagen, ob die beschriebenen Elemente nicht doch noch wichtig sind.

Ist mir im Nachhinein noch aufgefallen:
Firmeneigenes Personal, mit der neusten Technik an tödlichen und nicht-ganz-so-tödlichen Utensilien ausgerüstet.

VS
Auch ein firmeneigenes Produkt, diese Maschinen sind seit jeher in allen wichtigen Flughäfen der Welt im Einsatz und haben schon so manchen Terroranschlag vereitelt.

Diese beiden Sätze haben eine große Distanz zwischen sich, weswegen das "auch" nicht direkt auf das "firmeneigene Personal" hinweist. Hinzu kommt, dass das Personal auch kein "Produkt" darstellt, auch wenn es "firmeneigen" ist.

Eine kleine Anmerkung zum Hochfrequenz-Mikrophon. Der Begriff hat mich stutzig gemacht, da ich mich ernsthaft fragte, wofür er das Ding braucht, denn ich stellte mir darunter ein Mic vor, mit dem man Frequenzen über 20k Hertz aufnehmen kann. Nur gehe ich nicht davon aus, dass Dearborn ein Kastrat ist und seine Tiefen in der Stimme verloren hat. Denn ein Mikrofon nimmt grundsätzlich ein breites Spektrum an Frequenzen auf. Meist hapert es bei den Tiefen, aber hohe Frequenzen sind kein Problem, besonders nicht bei Mikros von Reportern. Diese sorgen meist sogar dafür, dass besonders hohe Frequenzen tuschiert werden, da diese unangenehme Störgeräusche erzeugen können.
Dann noch was zum mp3-Rekorder: ich weiß nicht, in welcher Zeit deine Geschichte spielt, da sie jedoch im Bereich Science Fiction angesiedelt ist, könnte mp3 ein wenig veraltet sein. Dieses Soundformat benutzt man gerne, um Lieder auf seinem Smartphone etc. zu speichern, da es ein sehr kompaktes Format ist. Dies ist jedoch gleichzeitig das Manko, denn dadurch, dass die Frequenzen komprimiert werden, geht die Qualität verloren und das Risiko, dass die ganze Aufnahme zerstört wird, weil ein kleiner Datensatz korrumpiert ist, ist zu hoch, als das ein (professioneller) Reporter dieses Risiko eingeht. Da nimmt man lieber stabilere Formate, wie zum Beispiel .wav.

An sich ist aus diesem kurzen Ausschnitt fasst nichts über deine Story zu erfahren. Ich kann dir deswegen nur meine Eindrücke schildern, keine Meinung: es geht um einen Reporter, der einer großen Story hinterher ist, die offensichtlich etwas mit einem großen Magnaten zu tun hat - namentlich Mister Dearborn - der ein Mensch ist, dem viele Individuen an den Kragen wollen - sonst hätte er kein Sicherheitspersonal, dass rigoros durchgreift, wenn nur ein kleiner Verdacht aufkommt. Aber hier wird es hypothethisch! Anscheinend spielt die Geschichte in einer Zukunft, wo es mit der Erde - oder ist es ein anderer Planet? - bergab geht, zwar langsam, aber sicher. Um dagegen zu wirken, versuchen Journalisten wie Palmer, irgendwelche Wahrheiten ans Tageslicht zu befördern.
Weitere Hypothesen, die ich nun bringen könnte, wären einfach zu fantastisch, da du mehr als Grundlage nicht lieferst - klar, wegen der 1000 Wörter Begrenzung, meine Güte, über diese Regel kann ich mich wirklich aufregen!

Dann noch etwas zu deinem Erzähler, mit dem du dir eine Herausforderung gesetzt hast: Ich-Erzähler in der Gegenwart sind ein schweres Kaliber. Du kannst ausschließlich von dem Erzählen, was gerade passiert - niemals, was an einem anderen Ort vonstatten geht! - , den Protagonist selber weder beschreiben noch distanziert auf seine Gefühlswelt eingehen - auch das tolle Element, retrospektiv von Geschehnissen zu berichten, kannst du nur bedingt einsetzen.
Ich habe dies auch einmal versucht. Schlussendlich kamen dann 500 Seiten raus, bei denen mir der Ich-Erzähler unheimlich auf den Sack ging, die ich nun alle wieder umschreibe. Und glaub mir: da lohnt es sich, lieber noch einmal drüber nachzudenken.
Aber ich will dir den Ich-Erzähler nicht madig machen, benutz ihn ruhig, nur sei dir der Probleme bewusst!

Schlussendlich: netter Text, defintiv ein guter Anfang, liest sich gut, wobei die teilweise... sagen wir... "würzige" Kürze deiner Sätze mit den komplexen Worten kollidiert - aber dies ist pure Geschmackssache. Defintiv würde mich die Handlung interessieren, jetzt, wo ich die Einleitung gelesen habe.

Ansonsten: freue mich, von Teil 2 und 3 zu lesen!

Viele Grüße,
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Re: Kind der Liebe (1/3)

Beitragvon Azareon29 » 28.05.2014, 21:45

@AnTBensOr

Hallo,
habe deine Korrekturen in einigen Punkten umgesetzt.


Zahnarztmusik ist eine nette Bezeichnung, die ich ehrlich gesagt so nicht kenne. Du kannst sie gerne benutzen, jedoch möchte ich dir nahelegen, dass ich mir unsicher bin, wie ich diesen Begriff deuten soll. Als Aufzugmusik?

Ja, damit war Aufzugmusik gemeint. Ich kenne diese Musik auch von Zahnärzten. Wird immer im Wartezimmer gespielt.

Der Sicherheitsmensch wirkt plump gegenüber den anderen Begriffen, die du verwendest.
Das ist Absicht.

"sie" in diesem Fall groß schreiben. Auch wenn die Sekretärin eine kaltschnäuzige Stöckelschwester ist: zur formellen Höflichkeit ist sie verpflichtet.
Darüber habe ich zahlreiche widersprüchliche Angaben erhalten. Vom Gefühl her würde ich es auch groß schreiben.

Eine kleine Anmerkung zum Hochfrequenz-Mikrophon. Der Begriff hat mich stutzig gemacht, da ich mich ernsthaft fragte, wofür er das Ding braucht, denn ich stellte mir darunter ein Mic vor, mit dem man Frequenzen über 20k Hertz aufnehmen kann. Nur gehe ich nicht davon aus, dass Dearborn ein Kastrat ist und seine Tiefen in der Stimme verloren hat. Denn ein Mikrofon nimmt grundsätzlich ein breites Spektrum an Frequenzen auf. Meist hapert es bei den Tiefen, aber hohe Frequenzen sind kein Problem, besonders nicht bei Mikros von Reportern. Diese sorgen meist sogar dafür, dass besonders hohe Frequenzen tuschiert werden, da diese unangenehme Störgeräusche erzeugen können.
Dann noch was zum mp3-Rekorder: ich weiß nicht, in welcher Zeit deine Geschichte spielt, da sie jedoch im Bereich Science Fiction angesiedelt ist, könnte mp3 ein wenig veraltet sein. Dieses Soundformat benutzt man gerne, um Lieder auf seinem Smartphone etc. zu speichern, da es ein sehr kompaktes Format ist. Dies ist jedoch gleichzeitig das Manko, denn dadurch, dass die Frequenzen komprimiert werden, geht die Qualität verloren und das Risiko, dass die ganze Aufnahme zerstört wird, weil ein kleiner Datensatz korrumpiert ist, ist zu hoch, als das ein (professioneller) Reporter dieses Risiko eingeht. Da nimmt man lieber stabilere Formate, wie zum Beispiel .wav.

Ich kenne mich mit Mikrofonen und Aufnahmetechnik nicht so gut aus. Das Hochfrequenzmikrofon klang wie etwas, dass Gespräche auch bei mieser Akustik gut aufnehmen könnte.
Zeitlich spielt die Story etwa zwanzig Minuten in der Zukunft: mehr oder weniger das gleiche Tech-Level wie wir, bis auf einige Dinge, die (noch) nicht existieren.

So, werde dann mal die Tage Teil Zwei posten.

MfG
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Re: Kind der Liebe (1/3)

Beitragvon AnTBensOr » 28.05.2014, 22:49

Jo Azareon,

"sie" in diesem Fall groß schreiben. Auch wenn die Sekretärin eine kaltschnäuzige Stöckelschwester ist: zur formellen Höflichkeit ist sie verpflichtet.

Darüber habe ich zahlreiche widersprüchliche Angaben erhalten. Vom Gefühl her würde ich es auch groß schreiben.

Tatsächlich? Ich bin mir eigentlich sicher, dass man, wenn man eine fremde Person in einem Brief anschreibt, sie, ihr und euch groß schreibt, genauso bei wörtlicher Rede. Dies ist auch eine Sache der Differenzierung zwischen "sie" bei zum Beispiel "Es ist zu kalt für sie." und "Sie" in "Ist es zu kalt für Sie?" (also im zweiten Fall, dass eine "Respektperson" angesprochen wird.)

Ich kenne mich mit Mikrofonen und Aufnahmetechnik nicht so gut aus. Das Hochfrequenzmikrofon klang wie etwas, dass Gespräche auch bei mieser Akustik gut aufnehmen könnte.

Mmh, habe darüber nachgedacht, aber "miese Akustik" ist theoretisch ein dehnbarer Begriff, der nicht von bestimmten Frequenzen abhängig ist. Wie dem auch sei, war nur eine Anmerkung von mir, da ich nicht erwartet habe, dass er damit einen ganz normalen Menschen interviewen will.

Zeitlich spielt die Story etwa zwanzig Minuten in der Zukunft: mehr oder weniger das gleiche Tech-Level wie wir, bis auf einige Dinge, die (noch) nicht existieren.

Interessant! Bin gespannt auf Teil 2! Und besonders, was der Titel "Kind der Liebe" mit dieser Story zu tun hat.

Viele Grüße,
AnTBensOr
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Re: Kind der Liebe (1/3)

Beitragvon Iroko » 13.06.2014, 10:59

Hallo Azareon,

irgendwie hat mich der Titel so gefesselt, dass ich mir das Ganze jetzt mal durchgelesen habe. Mir sind (wahrscheinlich aufgrund der Vorkritiker) keine Rechtschreib- oder Grammatikfehler aufgefallen.

Jedoch sind mir diese Fachbegriffe sehr wohl aufgefallen, die wohl jeder nachschlagen musste. Mmh. Jetzt kann man sich darüber streiten, ob das gut oder schlecht ist. Ich würde es jedoch vorziehen, einfachere Begriffe zu nutzen. Standardleser, die nicht irgendwelche Lexika auswendig lernen, werden mir wohl zustimmen. Die Wörter würde ich auf jeden Fall ändern (musst du natürlich nicht, ist nur mein persönliches Empfinden). Konträr dazu steht die Umgangssprache
siehe:
nicht-ganz-so-tödlichen Utensilien
kein Wunder
u. Ä..
Das passt einfach nicht, wenn der Protagonist einerseits so hochgestochen redet und andererseits umgangssprachlich. Da würde ich mich besser auf eine Sache einigen.

Ich würde die Geschichte (bis jetzt) auch noch gar nicht in das Sci-Fi Genre setzen, da mir jetzt noch absolut nichts aufgefallen ist, das von heute abweicht (weiß nicht, ob es diesen Tower gibt). Wahrscheinlich wird sich das in den folgenden Teilen noch herauskristallisieren. Auch wer oder was das "Kind der Liebe" ist, bleibt schleierhaft, was nicht schlimm ist. Jedoch klingt mir die ganze Geschichte in Kombination mit dem Titel eher wie eine Romanze als eine Sci-Fi Geschichte.

Ich finde es aber sehr gut, dass du 1. in der Ich-Perspektive schreibst (ich liebe Ich-Perspektive) und 2. alles im Präsens schreibst. So kommt es mir irgendwie so vor, als würde ich in der Geschichte sein (war wahrscheinlich auch so bezweckt, oder?). Da sehe ich absolut kein Problem und das kann, meines Erachtens, so gelassen werden.

Insgesamt finde ich die Geschichte, trotz kleiner Schwächen, bis jetzt ziemlich spannend und ausgeklügelt und freue mich auf das, was im nächsten Teil passiert.
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Re: Kind der Liebe (1/3)

Beitragvon Azareon29 » 13.06.2014, 18:08

Hallo Iroko,


Jedoch sind mir diese Fachbegriffe sehr wohl aufgefallen, die wohl jeder nachschlagen musste. Mmh. Jetzt kann man sich darüber streiten, ob das gut oder schlecht ist. Ich würde es jedoch vorziehen, einfachere Begriffe zu nutzen. Standardleser, die nicht irgendwelche Lexika auswendig lernen, werden mir wohl zustimmen. Die Wörter würde ich auf jeden Fall ändern (musst du natürlich nicht, ist nur mein persönliches Empfinden). Konträr dazu steht die Umgangssprache
siehe:

nicht-ganz-so-tödlichen Utensilien

kein Wunder

u. Ä..
Das passt einfach nicht, wenn der Protagonist einerseits so hochgestochen redet und andererseits umgangssprachlich. Da würde ich mich besser auf eine Sache einigen.

Tja, wie erkläre ich das am besten? Dieses Stilmittel, dass der Protagonist einerseits so hochgestochen redet und andererseits umgangssprachlich, manchmal sogar im gleichen Satz, entspricht eben sehr meinen persönlichen Vorlieben(soll heißen, ich finde es zum Totlachen :mrgreen: ).
Das drückt es sehr gut aus.

Ich würde die Geschichte (bis jetzt) auch noch gar nicht in das Sci-Fi Genre setzen, da mir jetzt noch absolut nichts aufgefallen ist, das von heute abweicht (weiß nicht, ob es diesen Tower gibt). Wahrscheinlich wird sich das in den folgenden Teilen noch herauskristallisieren. Auch wer oder was das "Kind der Liebe" ist, bleibt schleierhaft, was nicht schlimm ist. Jedoch klingt mir die ganze Geschichte in Kombination mit dem Titel eher wie eine Romanze als eine Sci-Fi Geschichte.

Nein, diesen Tower gibt es so garantiert nicht 8) .
Davon abgesehen: wie ich an anderer Stelle erwähnte, tue ich mich mit Titeln immer schwer. Entweder nehme ich den Twist schon vorweg, oder mir fällt nur etwas sehr Abgedrehtes ein.

Ich finde es aber sehr gut, dass du 1. in der Ich-Perspektive schreibst (ich liebe Ich-Perspektive) und 2. alles im Präsens schreibst. So kommt es mir irgendwie so vor, als würde ich in der Geschichte sein (war wahrscheinlich auch so bezweckt, oder?). Da sehe ich absolut kein Problem und das kann, meines Erachtens, so gelassen werden.

Das ist nicht die erste Story, die ich in diesem Genre schreibe. Beim letzten Mal verwendete ich zwar nicht die Ich-Perspektive, schrieb aber auch alles im Präsens. Insofern hast du recht, das war so bezweckt. 8)

Insgesamt finde ich die Geschichte, trotz kleiner Schwächen, bis jetzt ziemlich spannend und ausgeklügelt und freue mich auf das, was im nächsten Teil passiert.

Freue mich auf deine baldige und konstruktive Kritik.


MfG
Azareon
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