Klamotten

Hier können Weltenbastler ihre eigene Welt erschaffen. Wenn du beim Welten bauen Unterstützung brauchst z.B. Namen für Charaktere, Orte, Wesen etc. suchst, ist hier der richtige Ort.

Klamotten

Beitragvon Mefla » 26.09.2015, 16:48

Hallo an alle! :D

Jeder, der eine eigene Welt bastelt, kommt auch irgendwann an den Punkt, an dem man sich Gedanken über die Kleidung machen muss. Bei den Prota-/Antagonisten ist das meistens ja noch einfach, da man von ihnen eine grobe Vorstellung hat und sie wahrscheinlich in irgendeiner Weise besonders designen will.
Schwieriger wird es dann schon, wenn man sich dann an das gemeine Volk wendet. Schließlich soll die Bevölkerung möglichst normal aussehen. Doch was ist "normal"? Die klassische T-Shirt-Jeans-Kombi geht ja auch nicht in jeder Geschichte. :wink:

Deshalb würde ich hier gerne ein paar Fragen zum Diskutieren stellen:

Macht ihr euch Gedanken um soetwas oder überlasst ihr es der Vorstellung des Lesers?
Wo holt ihr euch Inspiration?
Achtet ihr auf Ästethik, Einfachheit oder Funktionalität?
Stimmt ihr die Kleidung auf die Umgebung ab oder umgekehrt?
Übernehmt ihr Bilder aus dem Internet (also allgemeingültige Quellen, z.B. Gemälde aus dem Mittelalter) oder erschafft ihr grundsätzlich alles selbst?
Wie viele Details baut ihr ein, falls überhaupt?
Und zu guter Letzt: Welche Ratschläge habt ihr für Neulinge?

Ich freue mich schon auf eure Antworten :D
Vielleicht hilft es ja dem Ein oder Anderen sogar!

LG Mefla
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Re: Klamotten

Beitragvon Ankh » 26.09.2015, 18:05

Ich denke, das kommt auf das Setting an. Bei einem Fantasyroman stellt man sich z.B. automatisch vor, dass alle mittelalterliche Kleidung tragen (oder was immer sich der Leser so unter "mittelalterlicher Kleidung" vorstellt). Beschreiben muss der Autor Kleidung mMn nur, wenn es irgendwie wichtig ist; z.B. bei einem Mann, der sich als einfacher Handwerker ausgibt, dessen Kleidung aber aus teuren Stoffen ist, ist das sicher irgendwann plotrelevant. Ansonsten kann man natürlich auch Kleidung beschreiben, um eine Szene zu erzeugen; insofern beschreibt man vielleicht das edelsteinbesetzte Kleid der Königin, um ihren Reichtum darzustellen, aber nicht die Sackleinen des Bauers am Wegesrand bis ins Detail.
Interessant ins Kleidung eigentlich nur dann, wenn sie irgendwie von der Norm abweicht. Wenn in der Dönerbude ein Typ im alten Bademantel steht ist das auf jeden Fall erwähnenswert, dass der Typ hinter der Theke Jeans und ein weißes T-Shirt trägt dagegen nicht.
Was ich auf keinen Fall tun würde, ist bei jeder Figur, die auftritt, eine Inventur des Kleiderschrankes zu machen. Das ist nicht nur unnötig, sondern auf Dauer auch ermüdend.


Wie viele Details baut ihr ein, falls überhaupt?

Wenn ich Kleidung beschreibe, dann deswegen, weil sie den Figuren in der Umgebung auffällt. In so einem Fall versuche ich, mit möglichst wenigen Worten ein Bild zu erzeugen. Das können durchaus kleinere Details sein, aber wenige und solche, die ins Auge springen. Dass eine Figur eine Augenklappe trägt ist z.B. erwähnenswerter, als ob seine Hose Knöpfe oder einen Reißverschluss hat. Welche Farbe seine Schuhe haben ist nur interessant, wenn er der einzige ist, der zum Staatsempfang in roten Turnschuhen kommt. Wenn ich mich gleichzeitig gar nicht über die Farbe seines Hemdes äußere, dann wird der Leser einfach annehmen, dass er (bis auf die Schuhe) genauso gekleidet ist wie jeder andere im Saal, das brauche ich nicht extra erwähnen. Um solche Details mache ich mir auf jeden Fall Gedanken, weil ich damit natürlich auch gleichzeitig die Figur charakterisiere - bzw. umgekehrt, ich weiß, wie die Figur so ist und überlege mir, wie sich das unter anderem in seiner Kleidung äußert.

Achtet ihr auf Ästethik, Einfachheit oder Funktionalität?

Ob sie passend, ästhetisch, einfach oder funktional ist hängt ganz vom Charakter ab. Würde er etwas einfaches tragen? Liebt er funktionale Kleidung? Hat er eine seltsame Vorstellung von Ästhetik? Dementsprechend sieht seine Kleidung aus. Sie muss ja nicht mir gefallen, sondern dem Charakter, und die haben mitunter ganz andere Vorlieben als ich. Das gilt sowieso nicht nur für Kleidung, sondern auch für den Haarschnitt, die Musikvorlieben und die Lebensphilosophie.

Stimmt ihr die Kleidung auf die Umgebung ab oder umgekehrt?

Auch hier gilt, stimmt der Charakter seine Kleidung auf die Umgebung ab? Ich habe in meiner Geschichte z.B. einen Angestellten, der sehr individuelle Vorstellung hat, was seine Dienstuniform angeht. Natürlich hat das Auswirkungen auf sein Verhältnis zu seinen Vorgesetzten. Also beeinflusst der Charakter die Kleidung, und die Kleidung wiederum die Handlung. Wenn du das nicht möchtest, dann muss sich der Charakter eben unauffällig/angepasst kleiden.

Wo holt ihr euch Inspiration?
Übernehmt ihr Bilder aus dem Internet (also allgemeingültige Quellen, z.B. Gemälde aus dem Mittelalter) oder erschafft ihr grundsätzlich alles selbst?

Ich denke, jeder wird, bewusst oder unbewusst, von irgendetwas inspiriert. Das kann ein mensch sein, der vor mir in der Straßenbahn sitzt oder ein Bild, über das ich im Internet stolpere. Oder eine Kombination, die aus verschiedenen Quellen in meinem Kopf entsteht. Die Frage ist, wie viel ich dann davon hinschreibe; s.o. den Part mit den charakteristischen Details. Ich nehme mir auf keinen Fall ein Bild von einem Outfit und beschreibe es dann bis ins Detail.

Und zu guter Letzt: Welche Ratschläge habt ihr für Neulinge?

Wie wäre es mit einer Fingerübung? Schau dir die Menschen in deiner Umgebung an. Oder wenn du Science Fiction oder Fantasy schreibst, dann entsprechende Bilder oder Filme. Sammle ein oder zwei Details, die ins Auge springen. Und dann schreib eine Beschreibung der ganzen Figur in einem einzelnen Satz. Gib diese Beschreibung einem Freund und frag ihn, ob er sich die Figur vorstellen kann. Sie wird wahrscheinlich vor seinem geistigen Auge nicht so aussehen wie deine Quelle, aber das ist auch nicht wichtig. Wichtig ist, ob er für sich, ausgehend von deinen Details, die Figur sozusagen "fertigzeichnen" kann. Irgendwann entwickelst du ein Gefühl dafür, wie du mit ganz wenigen Worten ein konkretes Bild erzeugst. Z.B. sagt "ein mittelgroßer Mann in einer blauen Jeans" praktisch gar nichts sagt, während "eine zierliche Blondine in einem dünnen Trägerhemdchen" mit genausovielen Worten schon ein einigermaßen detailliertes Bild hervorruft. Es ist dann gar nicht mehr nötig, ihre restliche Kleidung bis zu den Socken zu beschreiben, so etwas ergänzt der Leser dann ganz allein.
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Re: Klamotten

Beitragvon Ketzer » 26.09.2015, 18:29

Die Beschreibung eines Kleidungsstückes sollte, wenn sie ausschweifender ist, auch einen Zweck erfüllen und bietet sich regelrecht an, um Informationen an den Leser weiterzugeben.

Beispiel:
In GRR Martins Song of Ice and Fire (ewig her, dass ich es gelesen habe) ist die Figur Dany in der Fremde unterwegs. Dort tragen die Frauen einer bestimmten Kultur immer Kleidung, die den Stoff an einer Brust ausspart, so dass sie dort nackt ist. Das sagt alleine durch die Kleidungsbeschreibung schon etwas über den Umgang mit Sexualität in dem Volk aus. Es ist also nicht einfach nur eine Beschreibung der Kleidung, sondern erfüllt im Rahmen der Erzählung auch noch den Zweck das Volk zu charakterisieren.
Genauso wäre es zB, wenn man einen POV-Charakter hat und nur beschreibt, welche Kleidungsstücke ihm auffallen - zB, wenn man einen Dieb als POV-Charakter hat, der nur auf Wertsachen achtet, um zu sehen ob Beute zu machen ist.

Kurz gesagt: Man sollte nicht nur einfach nur beschreiben, sondern sich auch immer fragen, welchen Zweck die Beschreibung erfüllt. Aber das gilt prinzipiell für alle Beschreibungen, nicht nur für Szenen.

Ansonsten schließe ich mich Ankhs Beitrag an.
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