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Habe auf Anregung von ihalan die Gedanken von dem Protagonisten kursiv gesetzt. Ich hoffe, dass es dadurch deutlich genug vom Erzähler abgegrenzt ist.
Schon einmal Danke.
Kapitel I: Im 3. Jahrtausend, Q1.0
Normalität
Grrrroo... Grrrroo... Grrrrroo... Verschlafen und desorientiert griff Sven zu seinem Handy. Er drückte auf AUS und bemühte sich die Brennweite seiner Augen auf die kurze Distanz zum Display zu fokussieren.
16:34 Uhr, Donnerstag, 23-08-2008.
Während Sven an die Decke starrte bemerkte er einen winzigen, schwarzen Punkt. Eine kleine Spinne? Oder irgendein anderes Ungeziefer?
Es veränderte sich unmerklich. Wurde es größer? Scheiß' mir bloß nicht auf den Kopf! Sven lachte und stellte sich vor, wie ein Staubkorn von Spinnenkot durch die Luft flog. Dann ekelte er sich bei der Vorstellung, dass alle Staubkörner aus feinstem Spinnenkot bestehen würden.
Der schwarze Punkt wurde langsam zu einem deutlichen Fleck. Wie ein kleines Schwarzes Loch, das unaufhaltsam Materie aufsaugte und dadurch zu wachsen begann. Sven dachte an die sommerloch-füllenden Berichte über das LHC, welches in wenigen Wochen am CERN in Frankreich in Betrieb gehen würde. Es könnten aufgrund der immensen Energien, mit denen im größten Teilchenbeschleuniger der Welt, Mikropartikel aufeinander geschleudert werden sollten, mikroskopisch kleine schwarze Löcher entstehen. Soweit sie sich nicht wieder in Nichts auflösten, könnten sie immer größer werden und schließlich die gesamte Erde und das gesamte Sonnensystem verschlucken.
Sven wurde es ein wenig unheimlich und er musste sich bequemen von der Matratze aufzustehen. Er nahm sich seine Hose. Wie lange trug er diese schon? Zwei Wochen? Egal. Zog sie sich über und blickte wieder zur Decke hoch. Der Fleck wurde eindeutig größer, rührte sich aber nicht von der Stelle.
Zumindest blieb ihm genügend Zeit wegzurennen, falls es tatsächlich ein ... so ein Unsinn, ein schwarzes Loch. Aber viel schlimmer wäre es, wenn irgendein Siff aus der Wohnung oberhalb durch die Decke sickern würde. Der ekelhafte Horrorfilm letzte Woche, wie hieß er noch? Sven dachte kurz nach, bis ihm der Titel wieder einfiel: Black water, ja. Er zog die Bettdecken weg und stellte die Matratzen gegen die Wand, damit diese nicht schmutzig werden würden, soweit die Siff-Theorie zutreffen sollte. Was war ihm lieber, schwarzes Loch, oder Siff? Mhhh, egal. Sven entschloss sich erst einmal schnell zur Toilette zu gehen. Nach einem Zwölf-Stunden-Schlaf war die Blase voll, mehr als voll.
Er verließ das Schlafzimmer. In der geräumigen Wohnküche saß seine Freundin. Sie lag im Liegestuhl und blickte vom Laptop auf. Ein Lächeln begegnete ihm. Ein Lächeln, wovon es kein Zweites gab. Ein Lächeln, welches sagen wollte: 'der Messias, mein ein und alles, die Liebe in Person ist erwacht und schreitet durch das goldene Tor'. Sven konnte auf dieses Lächeln nicht angemessen reagieren. Das konnte er nie wenn er am frühen Abend noch halb verschlafen aus dem Bett kam. Er betrat die Diele und weiter ins Bad.
Trotz des seit vielen Stunden andauernden Harndrangs kam nur ein Bruchteil von dem heraus was angemessen gewesen wäre. Sven überlegte, ob es so etwas wie ein Überlaufventil in der Blase geben könnte. Wäre zumindest vorteilhaft, dachte er, ein Überlaufventil..., so etwas musste aber vorhanden sein, anders konnte es sich Sven nicht erklären.
Nach dem Betätigen der Wasserspülung griff er zur Zahnbürste. Wann war er das letzte Mal beim Zahnarzt gewesen? Vor sieben Jahren? Natürlich könnte er nach einem Zahnarztbesuch wieder normal auf beiden Seiten kauen. Aber welchen Preis würde er dafür bezahlen? Sven kannte viele Geschichten - zu viele Geschichten - über die Behandlungsmethoden von Zahnärzten. Zum Glück blieben die Schmerzen aber immer nur ein bis zwei Tage.
Sven wusch seine Hände und sein Gesicht, trocknete sich ab und betätigte beim rausgehen den Lichtschalter. Das Licht brannte weiter. Drei-, viermal, aber nichts passierte. Eigenartig. Hatte es etwas mit den neuen Energiesparlampen zu tun? Sven ging zurück durch die Diele. Hier brannte ebenfalls das Licht. Hatte er es eingeschaltet? Nein, ganz bestimmt nicht.
Seine Freundin saß nicht mehr im Liegestuhl, der Laptop noch eingeschaltet daneben. Sven ging zur offen stehenden Schlafzimmertüre.
„Guten Morgen, Savina.“
Savina reagierte aber nicht. Sie stand regungslos am Fenster, welches zum Lüften geöffnet war und starrte an die Decke.
Die Decke, der schwarze Punkt, der Fleck: Ein riesiger schwarzer Fleck! Mehr eine nichts-emittierende schwarze Masse stach aus der Zimmerdecke hervor. Nein, es war ganz bestimmt kein Siff von den Nachbarn. Etwas ging von dem Schwarzen Nichts aus. Das spürte Sven nun ganz deutlich. Es war keine Kälte, so wie man es vielleicht von einem Schwarzen Loch vermuten würde. Es war auch keine Hitze.
Hoffentlich war es keine radioaktive Strahlung. Radioaktive Strahlung wäre ganz übel gewesen. Dann wären sie beide kontaminiert und würden irgendwann Krebs bekommen. So unheimlich wie das Schwarze Nichts an der Decke wirkte, wäre es ein besonders böser Krebs geworden. Nein, es war nichts dergleichen. Zumindest fühlte es sich nicht danach an. Wie auch immer sich Radioaktivität anfühlen würde.
Wieso hier? Wieso in ihrer Wohnung, wieso in Hamburg? Wieso ausgerechnet hier? Der Tag hatte so schön begonnen: ausgeschlafen, erst einmal liegen geblieben..., und was konnte es für einen schöneren Tagesbeginn geben? Und jetzt so eine dumme Anomalie mitten in ihrem Schlafzimmer.
Das Schwarze Nichts veränderte sich. Mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar, aber die Gefühle, die es bei Sven und Savina auslöste wurden stärker.
Blanke Panik packte sie nun.
