Kochen im Ferienhaus (1/2)
Jedes Jahr fahre ich wieder gern in Urlaub. Warum bloß?
Während ich die Küchenutensilien zusammenpacke, hängt immer eine dunkle Vorahnung über mir wie der giftige Dunst von verkohltem Essen. Das sollte mir eigentlich Warnung genug sein!
Ich habe eine Liste.
Eine Liste der Sachen, die ich mitnehmen muss, um mich vor dem größten Frust zu bewahren.
„Die Suppe ist nicht angebrannt!“ war in meiner Herkunftsfamilie ein running gag, der von meiner Großmutter stammte, als sie einmal mit heroischer Miene eine verunglückte Blumenkohlsuppe auftischte.
Diese Parole scheint mir in den Genen zu liegen, wenn ich jedes Mal wieder jene Düsternis verscheuche, die sich beim Durchgehen meiner Liste einschleicht.
Einen Quirl! Zwei scharfe Messer!!
Wieder bin ich voller guter Vorsätze.
Diesmal werde ich es schaffen!
Diesmal werde ich auch unter erschwerten Bedingungen Erlesenes auf den Tisch bringen.
Pustekuchen!
Ein Urlaub im Ferienhaus, zudem noch in der Provence, scheint nicht für uns gedacht zu sein. Mein Mann, der sich jeden Sommer unter meinen Flüchen duckt, meint, Ferienhäuser seien etwas für reiche Leute. Für solche, die jeden Abend essen gehen. Für ein günstiges Menu muss man hier schon 25 € pro Person rechnen, ein ungünstiges kostet 46 und ein richtig teures mitunter über 100 €. Wenn wir also bescheiden wären, müssten wir zu zweit etwas über 700 € in zwei Wochen nur für die warme Mahlzeit berappen, unser Urlaubsgeld gibt das nicht her und die FeWo kostet auch nicht eben wenig.
Also kochen wir – von zwei, drei Events abgesehen – jedes Jahr selbst, stark gewürzt mit Kraftausdrücken, derer ich mich hinterher schämen müsste.
Dieses Mal ist es ein relativ geschmackvoll eingerichtetes Appartement im Luberon, auf den ersten Blick sieht alles nett und gepflegt aus, sogar die Kunstdrucke an den Wänden sind ausnahmsweise nicht von ortsansässigen Künstlern: Cezanne, Van Gogh, passt alles.
Da knufft mich mein Mann in die Seite und deutet auf das Schwein in der Nische, das feist lächelnd mit übereinander geschlagenen Beinen und einer Chiantiflasche im Arm über dem Bett thront. Was will uns der Hausherr damit sagen? „Nur Schweine trinken hier italienischen Wein“, lautet die Deutung meines Gatten.
Der vorsichtige Blick in die Küche weckt Hoffnungen: ein Backofen! Ob der wohl tut? Ein Gasherd mit vier! vier!! Flammen.
Schnell noch ein warmes Essen nach der zwölfstündigen Fahrt – Spaghetti mit Fertigsauce - und schon geht es los:
Der Wasserhahn geht verkehrt rum auf – und zu, so dass meine abgehärteten Hausfrauenhände in den folgenden zwei Wochen den letzten Schliff bekommen. Bis 60° vertrage ich jetzt alles und ich erwäge, mich nächstes Jahr bis zur 100°-Grenze vorzutasten.
Der Herd: ja, alle Brennstellen funktionieren, aber die vorne links nur ganz besonders gut, so dass die erste Portion Speck, die ich anderntags darauf brate, anfängt zu stinken. Oder liegt das an der Teflonpfanne? Die soll man ja nicht so heiß werden lassen, heißt es immer. Aber es ist die einzige benutzbare, die anderen Pfannen haben verdächtige schwarze Stellen, die schon beim Anblick Augenkrebs hervorrufen.
Dafür hat die Teflonpfanne ähnliche Bodenschwellen wie die Dorfstrasse unweit unseres Häuschens, wo wir immer hören können, ob ein Auto rechtzeitig bremst oder nicht. Meine Crêpes werden dank dieser Schwellen schwer zu wenden sein, weil sie in der Mitte schon fast schwarz und außen noch flüssig sind.
Auch die Töpfe sind ein Kapitel für sich. Es gibt nur ganz große, in denen man locker für acht Personen Gulasch machen könnte und ganz kleine, die zum Kochen von zwei Frühstückseiern gerade noch brauchbar sind. Dazwischen gibt es nichts. Also entweder in der endlosen Weite des 8-Personen-Topfs ein wüstenartiges Kochbiotop (sehr flüssigkeitszehrend) in Kauf nehmen oder (wir sind ja kreativ!) für jede Person in einem extra Töpfchen kochen.
