Kochen im Ferienhaus/2

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Kochen im Ferienhaus/2

 
Bevor es jedoch ans Kochen gehen kann – das mit den Spaghetti war ja nur ein Aufwärmen, wir jedoch schätzen die gesunde Küche mit frischen Zutaten, die ja hier in der Provence mit ihren speziellen Aromen besonders gut schmecken – also bevor es ans Kochen geht, die nächste Katastrophe: keine Schüssel zum Salatwaschen, keine Zitronenpresse, alle Messer stumpf.
Ich wasche den Salat in meiner Salatschleuder, die ich in weiser Voraussicht eingepackt habe. (Habe ich dabei je an mir gezweifelt?)
Das Fehlen der Zitronenpresse kräftigt zusätzlich die Muskeln meiner verbrühten Rechten, und zwei scharfe Messer standen bereits auf meiner Liste, also alles kein Problem.
Als ich jedoch das Gemüse aus dem Kühlschrank holen will, kommt mir das ganze Plastikregal entgegen, das auf der Gemüseschublade liegt, mitsamt offener Creme fraiche, angefangenem Himbeer-Joghurt und schwarzer Tapenade, was zu einer farblich interessanten Melange auf meiner Schürze verschmilzt.
Ach ja, der Kühlschrank! Er verdient diesen Namen eigentlich gar nicht, weil sich zwar arktische Gletscher an seinem Gefrierfach gebildet haben, der Raum darunter aber von einer südlichen Milde durchdrungen scheint. Ich könnte ihn ja mal abtauen! Zeit hätte ich ja. Aber habe ich nicht auch Urlaub?!

Bevor das Essen fertig ist, kommt das Kapitel Gewürze.
In jeder Fewo gibt es Gewürze von den Vorgängern. Diesmal sind es Salz, Pfeffer, Lorbeerblätter (schon herbstlich verfärbt), und Thymian im Plastiktütchen. Ohne Verfallsdatum. Schmeckt wahrscheinlich nur noch nach Heu. Früher habe ich mal gedacht, wozu Gewürze mitnehmen, im Süden gibt es das doch alles: Rosmarin, Thymian, Basilikum… Weit gefehlt! Auf den Märkten kann man hier allenfalls die Geschenkpackung von Herbes de Provence kaufen, das Tütchen zu 8 €. Sonst scheinen die Leute so was hier im eigenen Garten zu haben. Oder nicht zu verwenden. Ein böser Verdacht über die echte provenzalische Küche keimt in mir auf: was, wenn hier gar nicht mit Gewürzen und Kräutern gekocht wird?!
Aber ein Spaziergang in der Umgebung belehrt mich eines Besseren: Rosmarin, Thymian und Bohnenkraut wachsen hier wie Gras bei uns – und bei uns ist auch noch nie einer auf die Idee gekommen, Gras auf dem Markt zu verkaufen.
Aber zurück zur Küche. Wenn trotz erschwerter Bedingungen ein Essen gelungen ist und man sich nicht etwa erdreistet hat, einen anwesenden Backofen zu benutzen (sie funktionieren entweder nicht oder zu gut oder haben unerklärliche Symbole und keine Gebrauchsanweisung), dann kommt als letzte zu nehmende Hürde das Geschirr.
Gibt es überhaupt Suppenteller? Was könnte man sonst nehmen? Der Hundenapf scheidet aus, aber die Übertöpfe?
Für das Fehlen einer Suppenkelle haben wir nur noch ein müdes Lächeln übrig: schließlich kann man Suppe ja schütten und das Zielen haben wir mit den Jahren gelernt. Einmal haben wir mangels Eierbechern unsere Frühstückseier erfolgreich auf Schnapsgläsern balanciert!
Der Korkenzieher steht auch schon lange auf meiner Liste, seit wir mit Hilfe eines Kirschentsteiners den Korken eines Cote du Luberon rouge niedermetzeln mussten.
Aber haben Sie mal einen AOC-Wein aus einem, nein, zwei verschiedenen! Biergläsern getrunken?
Oder Espresso aus einem Kaffeebecher?
Klar, geht alles, aber irgendwann fragt man sich, warum man sich das eigentlich antut – im Urlaub???

von zolika