Konservative Elite

In diesem Unterforum findest du Hilfe bei jeglicher Art von Plot-Problemen.

Konservative Elite

Beitragvon Justin » 15.05.2015, 15:45

Hallo Liebe Schreibergemeinschaft,

ich suche ein Bisschen Hilfe/Inspiration für meine aktuelle Arbeit.

Ich tu mir schwer bei drei konkrete Elemente/Hintergrund/Gedanken und hoffe, das ich durch eure Input ein Bisschen weiter komme.

1. In meiner Geschichte gibt es eine Spezies, die sich von Energie ernähren. Sie sind Vampir-ähnlich aber sie werden nicht so verwandelt wie klassische Vampire durch einen Biss, sondern sie sind so geboren - Hießt Ihre Eltern und Großeltern und die ganze Familie sind "Vampire" - Nur sie nennen sich nicht Vampire sondern... Ja, da ist mein Problem. Wie sollen sie sich nennen? Bisher, da sie in Familiensippen und Clans leben, habe ich sie Clansmänner und Clansfrauen genannt - sie selber aber Claner genannt - so wie: "Wir Claner, sehen das nicht so." oder "Du weißt, dass die anderen Claner, dass nicht akzeptieren werden."

Da diese Claner aus dem nordischen/keltischen Raum stammen habe ich sie Clansmen genannt aber das ist alles unbefriedigend und ich suche einen neuen Name für sie. Nach wie vor werden sie von den Menschen "Vampire" genannt - aber so was sagen sie selber nicht.

2. Die Claner sehen sich als Naturverbunden - quasi als Teil der Natur - Wie Tiere - nicht gut oder böse, nicht besser oder schlechter als andere Tiere. Da sie Lebensenergie als Nahrung brauchen, gehen sie auf die Jagt. So wie ein Tiger auf die Jagt geht. Da sind keine böse Absichten von dem Tiger wenn er eine Antilope tötet. Natürlich würden die Antilope das anders sehen und sich vor dem "bösen" Tiger schützen wollen. Aber der Tiger hat auch eine natürliche Funktion - er töten nur die alten, schwachen und kranken Tiere, die sowieso nicht mehr lebenstüchtig sind und sterben würden... Eine Art Kreis.

Nun - welche Rechtfertigung könnte ein Claner haben wenn er jagt auf Menschen geht? - er will sich nur ernähren aber er jagt doch keine alte, schwache oder kranke Menschen - sondern die, die er sich schnappen kann.
Wie kann diese natürliche Funktion aus der Sicht des Claners aussehen?

3. Claner haben schlechte Erfahrung im Umgang mit Menschen - ich sagen nur Holzpflock! Dementsprechend, bleiben sie lieber unter sich und tarnen ihre wahre Identitäten als Claner. Da sie sehr alt werden können, haben sie auch im Laufe der Jahrhunderten auch großes Reichtum anhäufen können. Sie sind reich und wirtschaftlich mächtig geworden und das gibt ihnen auch das Gefühl der Gehobenheit. Sie sehen sich als Elite der Gesellschaft und schicken ihre Kinder auf Clan-eigene Schule, Internate und Universitäten, wo sie die Geschichte und Wertvorstellung der Clans lernen und ausleben. Quasi wie die Elite-Schulen, wo die Super-Reichen ihre Kinder hinschicken um sie auf das Leben als Super-Reichen vorzubereiten.
Wie könnte so was aussehen, wie können die Kinder sein, die wissen, ich gehöre zur Elite der Gesellschaft? Ich kann machen und tun was ich will? Ich genieße meine Privilegien, Ich bin was Besseres weil ich zum Ober-Schicht gehöre.

Danke im Vorfeld und ich bin auch gespannt was ihr für Ideen habt.
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Re: Konservative Elite

Beitragvon anby77 » 15.05.2015, 18:46

Hallo Justin,


Zum ersten Punkt: Zu einer in Clans strukturierten Gesellschaft würde es meiner Ansicht nach gut passen, wenn sie sich nach einem Stammvater oder einer Stammmutter benennen. Ob der tatsächlich gelebt hat oder mythologisch ist, spielt dafür nur eine untergeordnete Rolle. Vielleicht bietet der keltische Sagenschatz, jemanden, der sich dafür anbietet. Ich kenne Deine Claner und ihre Fähigkeiten nicht gut genug, um das einzuschätzen, aber wenn sie sich z.B. lange Zeit als Krieger verstanden haben, könnten sie sich auf Diarmiud Ua Diubhne oder einen anderen Fianna zurück führen.

bei Punkt zwei verstehe ich Dein Problem nicht. Wenn sie ihre Ernährungsweise für Teil der natürlichen Ordnung halten, ist das doch alle Rechtfertigung, die sie brauchen. Vor allem, wenn sie die Energie ausschließlich von Menschen (und nicht etwa Hunden oder Rindern) beziehen können, ist es eine Frage des Überlebens - die Vorstellung, dass sich jemand aus Skrupeln, die einzige ihm verfügbare Nahrungsquelle anzuzapfen, zu Tode hungert, finde ich absurd. Es gibt zwar Menschen, die aus moralischen Gründen, vegan leben, aber wenn es um Kartoffeln, Weizenkörner, Karotten oder Sojasprossen geht, haben die mit dem Töten auch keine Probleme mehr. Oder wie Brecht es ausgedrückt hat: Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral - in diesem Fall sogar noch wörtlicher als im ursprünglichen Kontext.

Und zum dritten Punkt: Wie die Ausbildung der Jugend abläuft, hängt wesentlich davon ab, wie sie Kinder der Claner im Vergleich zu Menschen altern. Wenn sie zwanzig Jahre lang wie fünfjährige Menschen aussehen, müssen sie von Menschen getrennt heran wachsen. Generell ist das mit langem Leben ein Problem, denn es erschwert den Clanern erheblich, sich in der menschlichen Gesellschaft zu bewegen. Um Fragen, warum sie nicht (bzw. wahrnehmbar langsamer als Menschen) altern müssen sie alle paar Jahre sämtliche Zelte abbrechen, untertauchen und mit einer neuen Identität von vorne anfangen; oder gleich darauf verzichten, sich irgendwo nieder zu lassen. Claninterne Schulen, Internate und Universitäten müssten unter diesen Voraussetzungen für Menschen unzugänglich, noch besser unsichtbar sein. Ich weiß nicht, wie viel Magie Du in Deiner Geschichte haben willst, aber ohne gehörige Portionen davon wird das schwierig. Einfacher wäre es, auf Gebäude zu verzichten die Ausbildung als Heim- bzw. Fern-Unterricht zu gestalten. Oder ganz modern via Internet (bzw. eines parallel dazu existierenden Claner-Intranets) virtuelle Klassenzimmer einzurichten.
Wenn das Altern zumindest in der Jugend vergleichbar schnell abläuft, wäre es meiner Ansicht nach sinnvoller, die Ausbildung an normalen Schulen ablaufen zu lassen. Denn wenn die Claner sich z.B. in der Welt der Politik oder der Hochfinanz bewegen sollen, brauchen sie, um überhaupt einen Fuß in die Tür zu bekommen, Referenzen (von dem Vitamin B, das man auf Kaderschmieden ansammelt, ganz zu schweigen), die sie auch Nicht-Clanern vorzeigen können - Zeugnisse einer geheimen Universität helfen da kein bisschen, egal wie gut die Ausbildung dort war.
Eventuell könnte man die beiden Formen auch mischen; die langsamer heranwachsenden Claner werden per Fern-Unterricht ausgebildet, und dann, wenn sie wie Anfang zwanzig aussehen auf die Elite-Universitäten der Menschen geschickt. Dazu müssten die Claner zwar Abiturzeugnisse fälschen und vielleicht ein paar eigene Leute an die richtigen Stellen bringen, aber es würde den Clan-Nachwuchs weiter bringen als ein Studium an einer Universität, von der Menschen nichts erfahren sollten.

Ich hoffe, das ist für Dich brauchbarer Input dabei.

Gruß

Anby
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Re: Konservative Elite

Beitragvon schreiberling » 15.05.2015, 19:33

Wie viel Kontakt haben denn diese Clan Mitglieder mit "normalen" Menschen. Leben die unter ihnen? Oder halten sie sich fern, treffen Menschen nur bei der Jagde?


Töten sie Menschen immer wenn sie von ihnen trinken? Oder können sie sie auch nur "zivilisiert" ein bischen anknabbern und ihren Bedarf unauffällig auf viele Opfer verteilen die garnix mitbekommen und so unauffällig unter Menschen leben?

Haben sie evtl noch eine altnordische Religion beibehalten mit der sie ihr Verhalten rechtfertigen?
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Re: Konservative Elite

Beitragvon Alys » 15.05.2015, 19:56

Spontan denke ich bei dieser Beschreibung an Clan Ventru aus Vampire: The Masquerade. Oberschicht, elitär, gebildet, "was besseres" - nur der Kelten-Bezug fehlt.

Was ihrer Rechtfertigung betrifft:

Einerseits ist es, wie anby schon gesagt hat: sie haben genauso ein Recht auf Nahrung wie das Raubtier, das sein Opfer reisst. Nur das in ihrem Fall eben ihr Opfer der Mensch ist.

Andererseits: Falls sie aber z.B. auch die Alternative hätten, Tierblut zu trinken, dann könnten sie natürlich ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie Mensch statt Ratte verspeisen (wie Louis aus Interview with the Vampire).
Es kommt darauf an, als wie ebenbürtig sie Menschen sehen. So, wie die meisten Menschen problemlos Schwein essen, weil wir es als "unter uns" sehen, aber Gorilla niemals anrühren würden, weil "der ist ja wie wir."
Sie könnten auch z.B. bewußt nur von solchen Menschen trinken, die eh bald sterben (z.B. um ihnen den schrecklichen Krankheits-Tod zu ersparen), oder die Verbrechen begangen haben (damit wird der Vampir moralisch überhöht, aber er ist Richter und Exekutive in einer Person).

Was den Namen angeht finde ich Clansmen übrigens gar nicht so schlecht. :)
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Re: Konservative Elite

Beitragvon schreiberling » 15.05.2015, 20:01

Alys hat geschrieben:Was den Namen angeht finde ich Clansmen übrigens gar nicht so schlecht. :)



Englischer Begriff - für keltisch/germanische Vampire unpassend.


Ich würde sie eher wie einen Mafia-Clan sehen. Nennt sich dann nur "die Familie".
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Re: Konservative Elite

Beitragvon SmilingSeth » 15.05.2015, 21:10

Sacrebleu!
Dass sind doch keine Vampire, Vampire trinken Blut und nicht Energie.

Und wenn man die Vampire durch einen Pflock unschädlich macht, so ist das noch viel schlimmer, würde ich Energievampire entwerfen, würden sie sich stark vom klassischen Vampir unterscheiden.


Wegen dem Namen, Claner klingt nach Klansmen, was wieder nach dem KKK klingt, was wirklich furchtbar klingt.
Alys hat geschrieben:Spontan denke ich bei dieser Beschreibung an Clan Ventru aus Vampire: The Masquerade. Oberschicht, elitär, gebildet, "was besseres" - nur der Kelten-Bezug fehlt.

Oder Brujah, oder Toreador, oder Gangrel, alles so viel bessere Namen als Claner.
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Re: Konservative Elite

Beitragvon Alys » 16.05.2015, 10:18

SmilingSeth hat geschrieben:Dass sind doch keine Vampire, Vampire trinken Blut und nicht Energie.


Das kann man so pauschal nicht sagen. Der Klischee-Vampir trinkt Blut.
Aber es gibt genug Romane, wo Vampire sich von etwas anderem ernähren. Bei Moers "trinken" sie Gerüche, Gefühle oder Geräusche. Bei Aaronovitch gibt es Jazzvampire, die Musik in sich aufsaugen und darüber dem Musiker Lebensenergie entziehen. Warums sollten Justins Vampire also nicht von den Menschen Vampire genannt werden?
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Re: Konservative Elite

Beitragvon schreiberling » 16.05.2015, 10:38

Und auch im Volksglauben an Vampirerscheinuungen haben die Menschen nicht unbedingt an Blut trinken gedacht.
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Re: Konservative Elite

Beitragvon anby77 » 16.05.2015, 10:47

@Alys: Ich glaube, es ging SmilingSeth darum, ihr so geantwortet habt, als hättet ihr übersehen, dass Justins Claner gar kein Blut trinken. Alys hat Tierblut als moralische Alternative für sie ins Spiel gebracht. Aber für jemanden, der sich gar nicht von Blut ernährt, ist Tierblut von vorne herein keine Alternative. Justin ist, was die Ernährung seiner Claner betrifft, nichts sonderlich ins Detail gegangen, aber im Zweifelsfall ist das, als würde man einem Menschen, der mit der Vorstellung, dass er töten (lassen) muss, damit er leben kann, ein Problem hat, vorschlagen doch auf Steine und Plastik umzusteigen...
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Re: Konservative Elite

Beitragvon Alys » 16.05.2015, 17:17

Da hast Du Recht, anby.

Allerdings kann man durchaus die Frage in den Raum werfen, ob ein Wesen, das sich von der "Lebensenergie" von Menschen ernährt, nicht auch die "Lebensenergie" von Tieren, zumindest Säugetieren, anzapfen könnte. Ganz egal, ob das nun über Blutmagie funktioniert oder auf anderem Wege.
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Re: Konservative Elite

Beitragvon anby77 » 16.05.2015, 17:51

Welche Formen von Lebensenergie Justins Claner verdauen können und welche nicht, kann nur Justin festlegen. Das ändert aber nichts daran, dass "Die könnten Tierblut nehmen" die falsche Frage beantwortet. Das Tierblut zu "tierischer Lebensenergie" umzudeuten, ändert daran nichts auch nichts. Justin hat nämlich nicht gefragt: "Wie können meine Claner sich moralisch ernähren?" sondern: "Wie können sie die Jagd auf Menschen moralisch rechtfertigen?" Der Hinweis, sie könnten auf Tiere auszuweichen, lässt die Jagd auf Menschen weniger gerechtfertigt erscheinen, geht also in die Gegenrichtung dessen, was Justin sucht...
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Re: Konservative Elite

Beitragvon SmilingSeth » 16.05.2015, 18:22

Nun: Konservative, reiche Eliten, ergo reiche Mistsäcke die sich damit wohl an Darwin und der Gesellschaft des Überflusses orientieren, werden wohl ihre Jagd so rechtfertigen, in dem sie nur Jagd auf die untersten 10.000 machen.

Mein Einfall wäre, die Xi Xue Gui* machen Jagd auf Obdachlose und Menschen ohne materiellen Schutz. Somit haben sie auch ihre moralische Bankrotterklärung.
Im Grunde gibt es für das Verhalten der Energiesauger quasi keine moralische Rechtfertigung.

*
http://www.darkside-gs.de/html/vampire.html


@Alys;
Nicht ganz, nur einerseits ich finde diesen Background für Vampire die im Licht wandeln und Energie zehren wirr. Sozusagen diffus. Ich glaube nicht, dass es der Geschichte helfen würde, wenn sie ihre Claner als Energievampire darstellt.

Und andererseits wie von Anby erwähnt, ich könnte jetzt darauf anspielen: "Warum werden die Claner nicht Vegetarier und verspeisen die Lebensenergie von Bäumen?"
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Re: Konservative Elite

Beitragvon Alys » 18.05.2015, 08:40

Natürlich geht der Hinweis auf die Tiere in die Gegenrichtung von dem, was Justin sucht, das ist volle Absicht. Ob eine moralische Rechtfertigung hieb- und stichfest ist, überprüft man am besten, indem man sie von allen Seiten angreift und Alternativen für das hinterfragte Handeln anbietet.

Menschen sind biologisch gesehen Säugetiere. Man kann also durchaus fragen, warum sie im Gegensatz zu anderen Tieren die einzige Ernährungsquelle für die Claner darstellen.
Stellt sich dabei heraus, dass es einen guten Grund dafür gibt - nun, dann hat man die moralische Rechtfertigung für die Claner. Dann sind die Menschen die einzige Nahrungsquelle für die Claner, d.h. die Claner haben nur die Wahl, Menschen zu töten oder selbst zu verhungern.
Stellt sich aber heraus, dass die Lebensenergie von Menschen und Hausschweinen sich nicht unterscheidet, dann wird es schon schwieriger zu argumentieren, warum die Claner sich nur von Menschen ernähren.
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Re: Konservative Elite

Beitragvon anby77 » 18.05.2015, 18:46

In biologischen Begriffen zu denken, wenn es um "Lebensenergie" geht, scheint mir ein wenig fehl am Platz. Lebensenergie ist eher ein magisches als ein wissenschaftliches Konzept. Solange nicht definiert ist, wie das mit "von Lebensenergie ernähren" funktioniert, ist es nicht möglich, da zu moralischen Bewertungen zu kommen. Man kann nur willkürlich Bedingungen erfinden.
Justins Vergleich mit Tigern läuft darauf hinaus, dass die Claner ihre Jagd auf Menschen irgendwie mit ihrem Platz in der Natur begründen sollen. Das Problem dabei ist: Solange man nicht an irgendwelche Götter glaubt, ist "die Natur" eine blinde Kraft, die nicht denkt und nicht plant. Tiger existieren nicht, weil die Natur eine Kraft gebraucht hat, die den Bestand von Antilopen im Zaum hält (wobei; im Verbreitungsgebiet der verschiedenen Tigerarten leben eher Hirsche als Antilopen, aber das ist je eher Nebensache), sie existieren, weil sie sich an ihre ökologische Nische angepasst haben.
Nun haben aber die meisten Kulturen sich Schöpfungsmythen erdacht, in denen die Welt mehr oder planvoll entsteht, und alles darin seinen von höheren Mächten zugewiesenen Platz hat. Aber das sind mehr oder weniger willkürliche Erfindungen, die aufgrund ihrer langen Tradition zu Religionen verfestigt und unsere Kulturen geprägt haben. Ich kann mir nur sehr bedingt vorstellen, dass die Claner Schöpfungsmythen und Religionen der Menschen übernommen haben, denn sie enthalten nichts, was ihre eigene Existenz erklären und ihr eine Rolle in der Welt zuschreiben würde. Deshalb wäre es sehr naheliegend, wenn sie ihre eigenen Mythen und Glaubenssysteme entwickelt hätten, in denen nicht der Mensch die Krone der Schöpfung ist, sondern sie selbst. Die Mythen und Glaubenssystem könnten, sollten vielleicht sogar ähnlich wie bei uns im Verlauf der Zeit von rationaleren und wissenschaftlicheren Denkmustern überformt worden sein. Aber das heißt nicht, dass sie ihre Wirkmächtigkeit und Relevanz dafür, welchen Platz sie für sich selbst in der Welt sehen, verlieren.

Über die Moral der Ernährung nachzudenken, ist ein relativ neuer Trend, der meiner Ansicht nach erst aufgekommen ist, als Menschen im großen Stil von den Erzeugungsbedingungen von Nahrung entfremdet wurden. Das merkt man einigen der Behauptungen, die von Veganern aufgestellt werden an - z.B. der, dass eine tierfreie Ernährung mehr Menschen versorgen könnte als eine mit Fleisch und Milchprodukten. Das basiert auf zwei Fehlschlüssen: Erstens der Annahme, dass alle landwirtschaftlichen Flächen als Ackerland nutzbar sind (was nicht stimmt; viele Flächen sind tatsächlich nur als Weide nutzbar) und zweitens der Annahme, dass eine direkte Nahrungskonkurrenz zwischen Menschen und ihrem Vieh besteht. Vom Mais z.B. können wir Menschen nur die Körner essen (und bei vielen Sorten auch das nur, nachdem sie per Nixtamalisation aufbereitet wurden), für Viehfutter wird die ganze Pflanze gehäckselt und siliert. Das heißt: Vieh macht Ressourcen für die menschliche Ernährung nutzbar, die sonst nicht genutzt werden könnten. Flächen als Weide zu nutzen, anstatt sie brach liegen zu lassen, und das was vom Mais (oder vom Soja) übrig bleibt, nachdem man die für Menschen nutzbaren Anteile entnommen hat, an Vieh zu verfüttern, ist effizienter als der Verzicht auf Vieh. Aber ich schweife ab; Der Punkt ist die Entfremdung der Herkunft unserer Nahrung. Wir wachsen mit Nahrung auf, die in recht abstrakter Form daher kommt. Vielen Lebensmitteln sieht man die Grundprodukte aus denen sie bestehen nicht an. So wie man einer Nudel die Weizenpflanze nicht ansieht, sieht man einem Fischstäbchen oder Leberwurst den Fisch bzw. das Schwein nicht an. Die Erkenntnis, dass für das Fischstäbchen und die Wurst Tiere sterben und für die Nudel nicht, kommt bei uns oft relativ spät im Leben, in einer Zeit, in der sich unsere Moralempfinden bereits relativ weit entwickelt hat. Unter diesen Vorzeichen ist die Erkenntnis, dass fürs Essen Tiere sterben, ein Schock, der das Denken einen Kindes/Jugendlichen stark beeinflussen kann. Das war früher anders; da war der Umstand, dass Essen töten heißt etwas, dass Kinder von klein auf gelernt haben. Die Eltern meiner Mutter haben Kaninchen gehalten, geschlachtet und gegessen und mein Vater hat in der Nachkriegszeit echten Hunger erlebt und ist deshalb noch bevor er eingeschult wurde, mit seinem Vater losgezogen, um den Speisezettel mit Igeln und dergleichen aufzubessern. Für die war "da stirbt was, damit ich essen kann", keine schockierende Erkenntnis, die in ein moralische Dilemma mündet, sondern ein Fakt des Lebens, wie z.B. die Tatsache, dass Dinge, die nicht festgehalten werden, zu Boden fallen.
Ich vermute, dass es für Justins Claner ähnlich ist. Lebensenergie kann man (vermute ich zumindest) nicht in Plastikfolie hüllen und in ein Supermarktregal legen. Das heißt: Die Entfremdung zum Nahrung, die für uns die Erkenntnis, dass Fleisch den Tod von Tieren bedeutet, nach hinten verschiebt und moralische Dilemmata herbei führt, gibt es bei den Clanern nicht. Dass ihre Nahrung von Menschen kommt, ist für sie (wieder vermutlich) eine nicht-ausblendbare Tatsache des Lebens, die in ihr Denken gebrannt wird, bevor sie reif genug sind, die ersten moralischen Erwägungen zu entwickeln.
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Re: Konservative Elite

Beitragvon Alys » 19.05.2015, 11:02

Da kommen wir langsam sehr weit vom eigentlichen Thema weg. :)

Ob der Vergleich von Lebensenergie mit biologischen Grundlagen für Justin hilfreich ist kann nur er entscheiden.

Egal ob es für ihn hilfreich ist oder nicht: es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass die Claner sich als die Krone der Schöpfung betrachten - wie jede Kultur, die sich bereits so weit entwickelt hat, dass sie Schöpfungsmythen hat. (Das erinnert sehr an die Quallen-Geschichte in Daniel Quinns Ishmael.) Dieses Selbstverständnis der Claner erklärt gut, warum sie für sich moralisch das Recht in Anspruch nehmen, mindere Entwicklungsformen wie den Menschen als Nahrungsquelle zu nutzen.
Es erklärt aber nicht, warum sie sich nur von Menschen ernähren. Falls es in Justins Universum überhaupt alternative Nahrungsquellen gibt, dann wäre es für mich schon eine interessante Frage, warum sie sich auf Menschen spezialisiert haben. Gerade, weil die Menschen vermutlich die am zweithöchsten entwickelte Spezies sind.

@ auf Moral basierende Speisegebote:
Da stimme ich Dir nicht zu, dass dieser Trend neu ist und und mit der Entfremdung von der Nahrungserzeugung korreliert.
Fast jede Religion und Kultur kennt Nahrungsgebote, die auf ein moralisches Konstrukt zurückgehen - und damit meine ich nicht nur die klassischen Fastengebote, die gerne heute zynisch mit "Ja klar, wenn ein Nahrungsmittel knapp (oder gefährlich) ist, dann ist es leicht, den Verzicht zum religiösen Gebot zu stilisieren" abgetan werden. Viele Speisengebote sind gerade positiv formuliert und fordern den Menschen auf, bestimmte Nahrungsmittel zu sich zu nehmen: weiße Speisen im Candomblé, Mais bei fast allen südamerikanischen Indios, Ghee im Hinduismus... Der Mensch hat sich schon immer und in jeder (höheren) Kultur Gedanken über die Moral seines Essens gemacht. Die aktuelle vegane Welle ist nur eine weitere Ausprägung davon, und es ist abgesehen davon sehr grob verallgemeinert, allen Veganern die gleichen Motive für ihr Handeln zu unterstellen.

Warum hast Du Nixtamalisation verlinkt?
Alys
 
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