[Humor] Kontaktanzeige mit Folgen Teil 1 DÜ Edited

Komödie, Satire, Parodie

[Humor] Kontaktanzeige mit Folgen Teil 1 DÜ Edited

Beitragvon Diavolo » 27.03.2015, 03:47

Liebe Schreibwerkstättler

Hier habe ich diesen ersten Teil von meiner Geschichte noch einmal, dank den Kommentaren von Blinky Bill, Flitzpiepe und Beatrice, überarbeitet. Vielleicht hat der eine oder andere noch eine Anregung oder Verbesserung dazu. Ich würde mich darüber freuen. Die nächsten Teile werde ich in den nächsten Tagen auch überarbeiten.

Es ist nie zu spät

Seit einer Ewigkeit stecke ich hier fest. Ich habe schon graue Haare. Meine Schönheit verblasst von Tag zu Tag mehr.

Finde ich noch eine Verehrerin, bevor ich zum 'Alten Eisen' gehöre? Ich könnte es mit einer Kontaktanzeige versuchen! Aber wie fange ich an? Wie wäre es mit meiner Alltagsroutine?

Jung und Alt flaniert an mir vorbei. Sie werfen nur einen kurzen Blick auf mich und hasten weiter. Nach acht endlosen Stunden kehrt schliesslich Ruhe ein, die aber nicht lange anhält. Durch die Hintertür kommt ein dunkles Monster und steckt seinen Rüssel überall rein, sein ohrenbetäubender Lärm durchdringt die Stille. Wenn es verschwindet, gehen die Lichter aus. Am nächsten Morgen fängt das Spiel wieder von vorne an. Sonnenstrahlen kitzeln mich wach. Schnell noch den Schlaf aus den Augen gewischt, bevor sich die Türen öffnen.

Nein, damit locke ich niemanden hinterm Ofen hervor. Vielleicht mit meiner Schönheit und meinen Vorzügen?

Schlankes, quadratisches Leichtgewicht, faltenlos, sanftmütig, feinfühlig, gute Laune ausstrahlend, weltoffen, kurze Haare, Knopfaugen, Stupsnase, große Ohren.

Habe ich zu viel verraten?

„Was suche ich?“:
Verständnisvolle, zärtliche Liebhaberin, die wie ich der Alltagsroutine entfliehen will. Für eine gemeinsame Zukunft.

So könnte es gehen.

Die Tage vergehen. Nichts passiert. Ich werde keines Blickes mehr gewürdigt. Enttäuschung macht sich breit und meine Hoffnung schwindet. Gelangweilt starre ich aus dem Fenster. Um mich herum wütet der tägliche Wahnsinn.

Warum kann man mich nicht einfach schlafen lassen?

Ich schalte ab und träume wie immer von Ländern, die mir fremd bleiben werden. Schnaubende Stiere und stolze Toreros tauchen plötzlich vor meinen Augen auf, bis Tränen meinen Blick vernebeln und ich rot sehe.

„Suchst du eine Liebhaberin oder einen Seelentröster? Hör auf zu heulen“, ermahne ich mich, während der Stierkämpfer mit der Muleta vor meiner Nase herum wedelt.

Bin ich ein Stier? Nur nicht provozieren lassen!

Als ich aufsehe, strahlen mich blaue Augen an. So hat mich noch niemand angesehen. Keine runterhängenden Mundwinkel, sondern ein Lächeln, das die kirschroten Lippen umspielt. Schamröte steigt mir ins Gesicht. Ein Traum in Rot unterstreicht ihre gut proportionierte Figur. Feingliedrige Hände befreien mich aus meinem Gefängnis. Ihre Finger, die mich drehen und wenden, fühlen sich zärtlich an.

In die könnte ich mich verlieben.

Hoffentlich stört sie sich nicht an meinen ergrauten Haaren, die ich verschwiegen habe. Eine weitere Drehung, jetzt ertastet sie meine blütenweiße Rückseite. Schmetterlinge lassen mich fliegen.
Ein letzter Blick zurück und meine Reise ins Unbekannte mit ihr beginnt. Ich kann mein Glück nicht fassen.

Meine Reisebegleiter

Im Dunkeln der Handtasche mache ich Bekanntschaft mit dem Portemonnaie, dem befleckten Notizbuch und dem Kugelschreiber mit der schwarzen Seele.
Die Vorstellungsrunde fängt an und ich erfahre den Namen meiner Verehrerin. Sie heißt Deborah.

Deborah, Deborah, das zergeht auf der Zunge.

Der Geldbeutel ergreift das Wort: „Ich heiße Money. Meine Jugendfreunde nannten mich Adonis, wegen meiner samtweichen Haut. Meine früher strahlenden Augen hat die Trauer getrübt.“

„Warum?“

„Gestern wurde ich gestopft wie eine Gans. Ich platzte wie immer aus allen Nähten. ‘Auf und Zu‘, steht danach auf dem Abspeckprogramm, deshalb sehe ich auch so abgegriffen aus. Keine Pause, nicht mal für ein Nickerchen.“

Das ist ja grausam!

„Ein letzter ungläubiger Blick in mein Inneres und die Tortur hat ein Ende. Zum Skelett abgemagert, treibt mich der Hunger fast in den Tod. Die wöchentliche Routine rettet mir das Leben."

An der wäre ich beinahe gestorben.

Das Notizbuch ist an der Reihe.
„Ich…“, weiter kommt es nicht. Der Kugelschreiber schneidet ihm sofort das Wort ab.
„Mein Name ist Stylo, mit Ypsilon, bitteschön. Ich bin der Schönste hier.“

‚Eingebildet‘ wohl der Vorname?!

Das Notizbuch bläht sich auf: „Hast du jemals in den Spiegel geschaut, du Lackaffe? Du bist ein Strich in der Landschaft!“

Jetzt geht‘s ans Eingemachte.

Der Großkotz lässt sich nicht aus der Reserve locken und doziert unbeirrt weiter: „Meiner Herrin immer treu ergeben - versteht sich von selbst - stehe ich schon Jahrzehnte in ihren Diensten. Als ihr Seelsorger erlöse ich sie von ihren dunklen Gedanken, damit sie ihren Frieden finden kann, um auf den rechten Weg zu kommen.“

„Vielleicht solltest du ihnen noch die 'Letzte Ölung' geben, bevor sie sich auf mir auskotzen und mich verschandeln?“, demonstrativ klappt sich das Notizbuch auf. Ich kann einen Blick in sein Inneres werfen und sehe schwarz.
„Mein Name ist übrigens Memory. Bis dieser Seelentröster in mein Leben trat, war ich unschuldig weiß. Wie ich ihn hasse. Dieser Kotzbrocken besudelt mich nicht nur, sondern kratzt auch noch auf mir herum. Damit will er vertuschen, dass er bei seinen schwarzen Schäfchen versagt hat.“

Wenn Blicke töten könnten wäre 'Eingebildet' jetzt gestorben.

„Stylo spielt Liebkind, schmeichelt sich bei Deborah ein. Ihre Wut lässt sie an mir aus, deshalb die vielen Eselsohren.“

„Wenn ich Zeit finde, bedauere ich dich mal. Für deine Gemeinheiten kratze ich dir beim nächsten Mal die Augen aus, darauf kannst du dich verlassen.“

„Es reicht! Hört endlich auf! Ich habe genug von eurem ständigen Gezeter! Das geht mir so was von auf die Nerven.“, unterbricht Memory die Auseinandersetzung.

Schade!

Stille breitet sich aus. Das Schaukeln lullt mich ein und ich behalte meine Geschichte für mich.


Mein neues Zuhause


Deborahs zärtliche Finger berühren mich. Mein Herz schlägt höher. Noch ein kurzes „Es war nett, euch kennenzulernen“, zu meinen neuen Freunden, dann strahlen mich lapislazulifarbene Augen an. Sie wirkt jetzt noch schöner. Schwarze Haare umrahmen ihre europäischen Gesichtszüge. Ich zwinkere ihr zu aber bevor ich vollends verschmachte, schaue ich mich um.

Wo bin ich?

Durchs Fenster sehe ich das Opera House. Segelboote, die unter der Harbour Bridge im blauen Wasser dümpeln und einen Luxusdampfer, der am Dock angelegt hat. Ich bin in Sydney.

War das meine erste Kreuzfahrt?

Ich werde auf Händen getragen. Beschwingte Töne dringen aus den Lautsprechern. Meine Ohren fühlen sich geschmeichelt. Deborah lächelt mich an, legt mich auf den Schreibtisch und setzt sich zu mir. Moschusduft vernebelt meine Sinne.

Jetzt hat sie endlich Zeit für mich.

Statt eines Tete à Tetes konzentriert sie sich auf den Bildschirm ihres Computers. Ich bin enttäuscht. Ihre Finger hacken wildgeworden auf die Tastatur ein.

Zum Glück lässt sie ihren Frust nicht an mir aus.

Die Zeiger der Uhr rücken unaufhaltsam weiter. Draußen ist es dunkel und im Schein der Schreibtischlampe sehe ich meine neue Liebe in einem neuen Licht. Beim Klingeln des Telefons hält sie inne.
„Hallo mein Schatz, wie geht es Dir?“, säuselt sie und kriecht fast in den Hörer.
„Ich dich auch. Bis gleich, ich freue mich.“

Schatz?!

Sie würdigt mich keines Blickes mehr. Im Rhythmus der Musik tanzen ihre Beine, durch die High Heels noch länger wirkend, in die Küche.

Wenn sie nicht sofort auftaucht, sterbe ich an Liebeskummer.

Mit einer Flasche Rotwein und zwei Gläsern in den Händen, kehrt meine Angebetete zurück. Sie zündet die Kerzen an und schüttelt die Kissen auf.
„You‘re the one that I want“ singt sie, als sie auf mich zukommt. Ihr Hüftschwung lässt mich fast erblinden.

I am loosing control.

Hier geht es weiter:

Teil 2: post516171.html#p516171

Teil 3: post516172.html#p516172

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen :D



[alteversion=]Liebe Schreibwerkstättler auch hier mal wieder ein Dienstagsübung von mir, aber nicht nur von mir allein, sondern auch von meiner Tante. Viel Spaß beim Lesen und wir freuen uns über Anmerkungen, Verbesserungsvorschläge, etc.

Es ist nie zu spät

Seit einer Ewigkeit stecke ich hier fest. Ich habe schon graue Haare. Meine Schönheit verblasst von Tag zu Tag mehr.
Finde ich noch eine Verehrerin, bevor ich zum 'Alten Eisen' gehöre? Ich könnte es mit einer Kontaktanzeige versuchen! Aber wie fange ich an? Wie wäre es mit meiner Alltagsroutine?
Jung und Alt flaniert an mir vorbei. Sie werfen nur einen kurzen Blick auf mich und hasten weiter. Nach acht endlosen Stunden kehrt endlich Ruhe ein, die aber nicht lange anhält. Durch die Hintertür kommt ein dunkles Monster und steckt seinen Rüssel überall rein, sein ohrenbetäubender Lärm durchdringt die Stille. Wenn es verschwindet, gehen die Lichter aus. Am nächsten Morgen fängt das Spiel wieder von vorne an. Sonnenstrahlen kitzeln mich wach. Schnell den Schlaf aus den Augen gewischt, bevor sich die Türen öffnen.
Nein, damit locke ich niemanden hinterm Ofen hervor. Vielleicht mit meiner Schönheit und meinen Vorzügen?
Schlankes, quadratisches Leichtgewicht, faltenlos, sanftmütig, feinfühlig, gute Laune ausstrahlend, weltoffen, kurze Haare, Knopfaugen, Stupsnase, große Ohren.
Habe ich zu viel verraten?
Was suche ich?:
Verständnisvolle, zärtliche Liebhaberin, die wie ich der Alltagsroutine entfliehen will. Für eine gemeinsame Zukunft.
So könnte es gehen.
Die Tage vergehen. Nichts passiert. Enttäuschung macht sich breit und meine Hoffnung schwindet.
Warum kann man mich nicht einfach schlafen lassen?
Gelangweilt starre ich aus dem Fenster. Um mich herum wütet der tägliche Wahnsinn. Ich schalte ab und träume wie immer von Ländern, die mir wahrscheinlich für immer fremd bleiben werden. Schnaubende Stiere und stolze Toreros tauchen vor meinen Augen auf. Als Tränen meinen Blick vernebeln, sehe ich rot.
„Suchst du eine Liebhaberin oder einen Seelentröster? Hör auf zu heulen“, ermahne ich mich, während der Stierkämpfer mit der Muleta vor meiner Nase herum wedelt.
Bin ich ein Stier? Nur nicht provozieren lassen!
Als ich aufsehe, strahlen mich blaue Augen an. So hat mich noch niemand angesehen. Keine runterhängenden Mundwinkel, sondern ein Lächeln, das die kirschroten Lippen umspielt. Schamröte steigt mir ins Gesicht.
Feingliedrige Hände befreien mich aus meinem Gefängnis, drehen und wenden mich voller Zärtlichkeit. Sie ist schlank und sportlich.
In die könnte ich mich verlieben.
Hoffentlich stört sie sich nicht an meinen ergrauten Haaren, die ich verschwiegen habe. Eine weitere Drehung, jetzt ertastet sie meine blütenweiße Rückseite. Schmetterlinge lassen mich fliegen.
Ein letzter Blick zurück und meine Reise ins Unbekannte mit ihr beginnt. Ich kann mein Glück nicht fassen.

Meine Reisebegleiter

Im Dunkeln der Handtasche mache ich Bekanntschaft mit dem Portemonnaie, dem befleckten Notizbuch und dem Kugelschreiber mit der schwarzen Seele.
Die Vorstellungsrunde fängt an und ich erfahre den Namen meiner Verehrerin. Sie heißt Deborah.
Deborah, Deborah, das zergeht auf der Zunge.
Der Geldbeutel ergreift das Wort: „Ich heiße Money. Meine Jugendfreunde nannten mich Adonis, wegen meiner samtweichen Haut. Meine früher strahlenden Augen tragen seit langem Trauer.“
„Warum?“
„Gestern wurde ich gestopft wie eine Gans. Ich platzte wie immer aus allen Nähten. ‘Auf und Zu‘, steht danach auf dem Abspeckprogramm, deshalb sehe ich auch so abgegriffen aus. Keine Pause, nicht mal für ein Nickerchen.“
Das ist ja grausam!
„Ein letzter ungläubiger Blick in mein Inneres und die Tortur hat ein Ende. Zum Skelett abgemagert, treibt mich der Hunger fast in den Tod. Die wöchentliche Routine rettet mir das Leben."
An der wäre ich beinahe gestorben.
Das Notizbuch ist an der Reihe.
„Ich…“, weiter kommt es nicht. Der Kugelschreiber schneidet ihm sofort das Wort ab.
Die haben das Heu nicht auf der gleichen Bühne. Das wird lustig.
„Mein Name ist Stylo, mit Ypsilon, bitteschön. Ich bin der Schönste hier.“
‚Eingebildet‘ wohl der Vorname?!
Das Notizbuch bläht sich auf: „Hast du jemals in den Spiegel geschaut, du Lackaffe? Du bist ein Strich in der Landschaft!"
Jetzt geht‘s ans Eingemachte.
Der Hochkotz lässt sich nicht aus der Reserve locken und doziert unbeirrt weiter: „Meiner Herrin immer treu ergeben - versteht sich von selbst - stehe ich schon Jahrzehnte in ihren Diensten. Als ihr Seelsorger finden ihre dunklen Gedanken bei mir den Frieden, den sie brauchen, um auf den rechten Weg zu kommen.“
„Vielleicht solltest du ihnen noch die 'Letzte Ölung' geben, bevor sie sich auf mir auskotzen und mich verschandeln?“ Demonstrativ klappt sich das Notizbuch auf. Ich kann einen Blick in sein Inneres werfen und sehe schwarz.
„Mein Name ist übrigens Memory. Bis dieser Seelentröster in mein Leben trat, war ich unschuldig weiß. Wie ich ihn hasse. Dieser Kotzbrocken besudelt mich nicht nur, sondern kratzt auch noch auf mir herum. Damit will er vertuschen, dass er bei seinen schwarzen Schäfchen versagt hat.“
Wenn Blicke töten könnten wäre 'Eingebildet' jetzt gestorben.
„Stylo spielt Liebkind, schmeichelt sich bei Deborah ein. Ihre Wut lässt sie an mir aus, deshalb die vielen Eselsohren.“
„Wenn ich Zeit finde, bedauere ich dich mal. Für deine Gemeinheiten kratze ich dir beim nächsten Mal die Augen aus, darauf kannst du dich verlassen.“
„Es reicht! Hört endlich auf! Ich habe genug von eurem ständigen Gezeter! Das geht mir so was von auf die Nerven.“
Schade!
Stille breitet sich aus. Das Schaukeln lullt mich ein und ich behalte meine Geschichte für mich.


Mein neues Zuhause


Deborahs zärtliche Finger berühren mich. Mein Herz schlägt höher. Noch ein kurzes „Es war nett, euch kennenzulernen“, zu meinen neuen Freunden, dann strahlen mich lapislazulifarbene Augen an. Sie wirkt jetzt noch schöner. Schwarze Haare umrahmen ihre europäischen Gesichtszüge. Ich zwinkere ihr zu und bevor ich vollends verschmachte, schaue ich mich um.
Wo bin ich?
Durchs Fenster sehe ich das Opera House. Segelboote, die unter der Harbour Bridge im blauen Wasser dümpeln und einen Luxusdampfer, der am Dock angelegt hat. Ich bin in Sydney.
War das meine erste Kreuzfahrt?
Ich werde auf Händen getragen. Beschwingte Töne dringen aus den Lautsprechern. Meine Ohren fühlen sich geschmeichelt. Deborah lächelt mich an, legt mich auf den Schreibtisch und setzt sich zu mir. Moschusduft vernebelt meine Sinne.
Jetzt hat sie endlich Zeit für mich.
Statt eines Tete à Tetes konzentriert sie sich auf den Bildschirm ihres Computers. Ich bin enttäuscht. Ihre Finger hacken wildgeworden auf die Tastatur ein.
Zum Glück lässt sie ihren Frust nicht an mir aus.
Die Zeiger der Uhr rücken unaufhaltsam weiter. Draußen ist es dunkel und im Schein der Schreibtischlampe sehe ich meine neue Liebe in einem neuen Licht. Beim Klingeln des Telefons hält sie inne.
„Hallo mein Schatz, wie geht es Dir?“, säuselt sie und kriecht fast in den Hörer.
„Ich dich auch. Bis gleich, ich freue mich.“
Schatz?!
Sie würdigt mich keines Blickes mehr. Im Rhythmus der Musik tanzen ihre Beine, durch die High Heels noch länger wirkend, in die Küche.
Wenn sie nicht sofort auftaucht, sterbe ich an Liebeskummer.
Bewaffnet mit einer Flasche Rotwein und zwei Gläsern, kehrt meine Angebetete zurück. Sie zündet die Kerzen an und schüttelt die Kissen auf.

„You‘re the one that I want“, singt sie als sie auf mich zukommt.
Ich begehre dich auch.
Ihr Hüftschwung lässt mich fast erblinden. I am loosing control.
[/alteversion]
Hier geht es weiter:

Teil 2: post516171.html#p516171

Teil 3: post516172.html#p516172

[alteversion=]b]Es ist nie zu spät[/b]

Seit einer Ewigkeit stecke ich hier fest. Ich habe schon graue Haare. Meine Schönheit verblasst von Tag zu Tag mehr.
Finde ich noch eine Verehrerin, bevor ich zum 'Alten Eisen' gehöre? Ich könnte es mit einer Kontaktanzeige versuchen! Aber wie fange ich an? Wie wäre es mit meiner Alltagsroutine?
Jung und Alt flaniert an mir vorbei. Sie werfen einen kurzen Blick auf mich und hasten weiter. Nach acht Stunden kehrt endlich Ruhe ein, die nicht lange anhält. Durch die Hintertür kommt ein dunkles Monster und steckt seinen Rüssel überall rein. Sein ohrenbetäubender Lärm durchdringt die Stille. Wenn er verschwindet, gehen die Lichter aus. Am nächsten Morgen fängt das Spiel von vorne an. Sonnenstrahlen kitzeln mich wach. Schnell den Schlaf aus den Augen gewischt, bevor sich die Türen öffnen.
Nein, damit locke ich niemanden hinterm Ofen hervor. Vielleicht mit meiner Schönheit und meinen Vorzügen?
Schlankes, quadratisches Leichtgewicht, faltenlos, sanftmütig, feinfühlig, gute Laune ausstrahlend, weltoffen, kurze Haare, Knopfaugen, Stupsnase, große Ohren.
Habe ich zu viel verraten?
Was suche ich?:
Verständnisvolle, zärtliche Liebhaberin, die wie ich der Alltagsroutine entfliehen will. Für eine gemeinsame Zukunft.
So könnte es gehen.
Die Tage vergehen. Nichts passiert. Enttäuschung macht sich breit und meine Hoffnung schwindet.
Warum kann man mich nicht einfach schlafen lassen?
Gelangweilt starre ich aus dem Fenster. Um mich herum wütet der tägliche Wahnsinn. Ich schalte ab und träume wie immer von Ländern, die mir fremd bleiben werden. Schnaubende Stiere und stolze Toreros tauchen vor mir auf, bis Tränen meinen Blick vernebeln und ich rot sehe.
„Suchst du eine Liebhaberin oder einen Seelentröster? Hör auf zu heulen“, ermahne ich mich, während der Stierkämpfer mit der Muleta vor meiner Nase herum wedelt.
Bin ich ein Stier? Nur nicht provozieren lassen!
Als ich aufsehe, strahlen mich blaue Augen an. So hat mich noch niemand angesehen. Keine runterhängenden Mundwinkel, sondern ein Lächeln, das die kirschroten Lippen umspielt. Schamröte steigt mir ins Gesicht.
Feingliedrige Hände befreien mich aus meinem Gefängnis. Ihre Finger, die mich drehen und wenden, fühlen sich zärtlich an. Sie ist schlank und sportlich.
In die könnte ich mich verlieben.
Hoffentlich stört sie sich nicht an meinen ergrauten Haaren, die ich verschwiegen habe. Eine weitere Drehung, jetzt ertastet sie meine blütenweiße Rückseite. Schmetterlinge lassen mich schweben. Ein letzter Blick zurück und meine Reise ins Unbekannte mit ihr beginnt. Ich kann mein Glück nicht fassen. Im Taumel des Hochgefühls vergesse ich Zeit und Raum.


Meine Reisebegleiter

Im Dunkeln der Handtasche mache ich Bekanntschaft mit dem wertvollen Geldbeutel, dem befleckten Notizbuch und dem Kugelschreiber mit der schwarzen Seele.
Die Vorstellungsrunde fängt an und ich erfahre den Namen meiner Verehrerin. Sie heißt Deborah.
Deborah, Deborah, das zergeht auf der Zunge.
Der Geldbeutel ergreift das Wort: „Ich heiße Money. Meine Jugendfreunde nannten mich Adonis, wegen meiner samtweichen Haut. Meine früher strahlenden Augen tragen seit langem Trauer.“
„Warum?“
„Gestern wurde ich gestopft wie eine Gans. Ich platzte wie immer aus allen Nähten. ‘Auf und Zu‘, steht danach auf dem Abspeckprogramm, deshalb sehe ich auch so abgegriffen aus. Keine Pause, nicht mal für ein Nickerchen.“
Das ist ja grausam!
„Ein letzter ungläubiger Blick in mein Inneres und die Tortur hat ein Ende. Zum Skelett abgemagert, treibt mich der Hunger fast in den Tod. Die wöchentliche Routine rettet mir das Leben."
An der wäre ich beinahe gestorben.
Das Notizbuch ist an der Reihe.
„Ich…“, weiter kommt es nicht. Der Kugelschreiber schneidet ihm sofort das Wort ab.
Die haben das Heu nicht auf der gleichen Bühne. Das wird lustig.
„Mein Name ist Stylo, mit Ypsilon, bitteschön. Ich bin der Schönste hier.“
‚Eingebildet‘ wohl der Vorname?!
Das Notizbuch bläht sich auf: „Hast du jemals in den Spiegel geschaut, du Lackaffe? Du bist ein Strich in der Landschaft!"
Jetzt geht‘s ans Eingemachte.
Der Hochkotz lässt sich nicht aus der Reserve locken und doziert unbeirrt weiter: „Meiner Herrin immer treu ergeben - versteht sich von selbst - stehe ich schon Jahrzehnte in ihren Diensten. Als ihr Seelsorger finden ihre dunklen Gedanken bei mir den Frieden, den sie brauchen, um auf den rechten Weg zu kommen.“
„Vielleicht solltest du ihnen noch die 'Letzte Ölung' geben, bevor sie sich auf mir auskotzen und mich verschandeln?“ Demonstrativ klappt sich das Notizbuch auf. Ich kann einen Blick in sein Inneres werfen und sehe schwarz.
„Mein Name ist übrigens Memory. Bis dieser Seelentröster in mein Leben trat, war ich unschuldig weiß. Wie ich ihn hasse. Dieser Kotzbrocken besudelt mich nicht nur, sondern kratzt auch noch auf mir herum. Damit will er vertuschen, dass er bei seinen schwarzen Schäfchen versagt hat.“
Wenn Blicke töten könnten wäre 'Eingebildet' jetzt gestorben.
„Stylo spielt Liebkind, schmeichelt sich bei Deborah ein. Ihre Wut lässt sie an mir aus, deshalb die vielen Eselsohren.“
„Wenn ich Zeit finde, bedauere ich dich mal. Für deine Gemeinheiten kratze ich dir beim nächsten Mal die Augen aus, darauf kannst du dich verlassen.“
„Es reicht! Hört endlich auf! Ich habe genug von eurem ständigen Gezeter! Das geht mir so was von auf die Nerven.“
Schade!
Stille breitet sich aus. Das Schaukeln lullt mich ein und ich behalte meine Geschichte für mich.


Mein neues Zuhause


Deborahs zärtliche Finger berühren mich. Mein Herz schlägt höher. Noch ein kurzes „Es war nett, euch kennenzulernen“, zu meinen neuen Freunden, dann strahlen mich lapislazulifarbene Augen an. Sie wirkt jetzt noch schöner. Schwarze Haare umrahmen ihre europäischen Gesichtszüge. Ich zwinkere ihr zu und bevor ich vollends verschmachte, schaue ich mich um.
Wo bin ich?
Durchs Fenster sehe ich das Opera House. Segelboote, die sich unter der Harbour Bridge im blauen Wasser tummeln und einen Luxusdampfer, der am Dock angelegt hat. Ich bin in Sydney.
War das meine erste Kreuzfahrt?
Ich werde auf Händen getragen. Beschwingte Töne dringen aus den Lautsprechern. Meine Ohren fühlen sich geschmeichelt. Deborah lächelt mich an, legt mich auf den Schreibtisch und setzt sich zu mir. Moschusduft vernebelt meine Sinne.
Jetzt hat sie endlich Zeit für mich.
Statt einem Tete à Tete konzentriert sie sich auf den Bildschirm ihres Computers. Ich bin enttäuscht. Ihre Finger hacken wildgeworden auf die Tastatur ein.
Zum Glück lässt sie ihren Frust nicht an mir aus.
Die Zeiger der Uhr rücken unaufhaltsam weiter. Draußen ist es dunkel und im Schein der Schreibtischlampe sehe ich meine neue Liebe in einem neuen Licht. Beim Klingeln des Telefons hält sie inne.
„Hallo mein Schatz, wie geht es Dir?“, säuselt sie und kriecht fast in den Hörer.
„Ich dich auch. Bis gleich, ich freue mich.“
Schatz?!
Sie würdigt mich keines Blickes mehr. Im Rhythmus der Musik tanzen ihre Beine, durch die High Heels noch länger wirkend, in die Küche.
Wenn sie nicht sofort auftaucht, sterbe ich an Liebeskummer.
Bewaffnet mit einer Flasche Rotwein und zwei Gläsern, kehrt meine Angebetete zurück. Sie zündet die Kerzen an und schüttelt die Kissen auf.


„You‘re the one that I want“, singt sie als sie auf mich zukommt.
Ich begehre dich auch.
Ihr Hüftschwung lässt mich fast erblinden. I am loosing control.[/alteversion]
Zuletzt geändert von Diavolo am 18.08.2015, 06:35, insgesamt 16-mal geändert.
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Re: Kontaktanzeige mit Folgen Teil 1 DÜ

Beitragvon BlinkyBill » 27.04.2015, 21:09

Diavolo hat geschrieben:Nach acht Stunden kehrt endlich Ruhe ein, die nicht lange anhält. D


Das würde ich etwas anders forumlieren. Es geht nämlich etwas zu schnell.

Nach 8 endlosen Stunken kehrte Endlich Ruhe ein. Ich war froh darüber, lange Zeit mich zu freuen hatte ich jedoch nicht. Kurz nachdem die Ruhe eingekehrt war, verschwand sie auch wieder

Diavolo hat geschrieben:Am nächsten Morgen fängt das Spiel von vorne an. Sonnenstrahlen kitzeln mich wach. Schnell den Schlaf aus den Augen gewischt, bevor sich die Türen öffnen.


War das was bisher geschah ein Traum? Es macht nämlich den Anschein als würde sie aufwachen. Sollte sie wirklich gerade aufgewacht sein, würde ich es etwas ausschmücken. Oder aber so formulieren, dass verständlich ist, dass es kein Traum ist.

Diavolo hat geschrieben:Schlankes, quadratisches Leichtgewicht, faltenlos, sanftmütig, feinfühlig, gute Laune ausstrahlend, weltoffen, kurze Haare, Knopfaugen, Stupsnase, große Ohren.


Die Beschreibung ist etwas zu ausführlich


Also zu ersten Abschnitt dann erst mal: Ich weiß noch nicht so genau worum es geht.
Manchmal macht es den Anschein, als würde die Protagnistin denken, was machen oder halt sprechen.
Die Unterschieden gehen nicht sehr deutlich hervor


Diavolo hat geschrieben: Die wöchentliche Routine rettet mir das Leben."


Warum?

Beim zweiten Abschnitt. Es wird sehr viel geredet aber nicht wer es sagt. Ich habe schon nach ein paar Sätzen nicht mehr gewusst, wer jetzt spricht. Das kann sehr nervig sein. Weil man den Text immer wieder und wieder liest um es endlich zu verstehen. Klar sollte nicht jedesmal "....", sagte Adonis. Stehen aber ab und zu wäre das gut. Oder eben Dinge wie sagte Er. Auch ist es nervig wenn ein Dialog dem nächsten folgt. Es wäre besser wenn kurze Sprechpausen sind und mal Dinge passierten wir. Er kratze sich am Kopf. Er verdrehte die Augen o.ä passiert

Diavolo hat geschrieben:dann strahlen mich lapislazulifarbene Augen an


Das Wort ist etwas zu kompliziert.

Diavolo hat geschrieben: Deborah lächelt mich an, legt mich auf den Schreibtisch


Auf den Schreibtisch? Er hat die Protagonstin auf den Schreibtisch gelegt? Das verstehe ich nicht so ganz.

Dann jetzt etwas zum dritten Abschnitt. Ich habe erst so in der Mitte verstanden, dass die scheinbar in einem Zimmer sitzen und sich da scheinbar unterhalten. Ich war mit meinen Gedanken immer noch bei diesem Monster
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Re: Kontaktanzeige mit Folgen Teil 1 DÜ

Beitragvon Diavolo » 05.05.2015, 14:04

Hallo Blinky Bill

Endlich von mir eine Antwort auf Deinen Kommentar für den ersten Teil von 'Kontaktanzeige mit Folgen'. Ich danke Dir, dass Du diese Kurzgeschichte unter die Lupe genommen hast. :2thumbs:

BlinkyBill hat geschrieben:Das würde ich etwas anders forumlieren. Es geht nämlich etwas zu schnell.

Nach 8 endlosen Stunken kehrte Endlich Ruhe ein. Ich war froh darüber, lange Zeit mich zu freuen hatte ich jedoch nicht. Kurz nachdem die Ruhe eingekehrt war, verschwand sie auch wieder


Ich habe darüber nachgedacht, da das aber nicht für die wirkliche Kurzgeschichte wichtig ist, finde ich es ausreichend lang.

Noch ein kleiner Fehler deinerseits über die anderen lasse ich mich nicht aus endlich schreibt man klein, aber nicht so wichtig.

BlinkyBill hat geschrieben:Diavolo hat geschrieben:
Am nächsten Morgen fängt das Spiel von vorne an. Sonnenstrahlen kitzeln mich wach. Schnell den Schlaf aus den Augen gewischt, bevor sich die Türen öffnen.


War das was bisher geschah ein Traum? Es macht nämlich den Anschein als würde sie aufwachen. Sollte sie wirklich gerade aufgewacht sein, würde ich es etwas ausschmücken. Oder aber so formulieren, dass verständlich ist, dass es kein Traum ist.


Keine Anregung deinerseits, wie ich das ausschmücken soll. Schade, Aber auch diese Kürze gehört zu einer Kurzgeschichte, nicht zu einem Roman. Und was soll hier ein Traum sein, dass Spiel fängt vorn vorne an, Sonnenstrahlen kitzeln mich wach oder bevor sich die Türen öffnen?


Diavolo hat geschrieben:Schlankes, quadratisches Leichtgewicht, faltenlos, sanftmütig, feinfühlig, gute Laune ausstrahlend, weltoffen, kurze Haare, Knopfaugen, Stupsnase, große Ohren.

Die Beschreibung ist etwas zu ausführlich


Ach plötzlich, das gehört aber zu der Geschichte.

BlinkyBill hat geschrieben:Also zu ersten Abschnitt dann erst mal: Ich weiß noch nicht so genau worum es geht.
Manchmal macht es den Anschein, als würde die Protagnistin denken, was machen oder halt sprechen.
Die Unterschieden gehen nicht sehr deutlich hervor


Soll es auch, erzeugt das nicht Spannung?

BlinkyBill hat geschrieben: Die wöchentliche Routine rettet mir das Leben." Warum?


Weil in Australien wöchentlich die Löhne und die Zahlungen gemacht werden.

BlinkyBill hat geschrieben:Beim zweiten Abschnitt. Es wird sehr viel geredet aber nicht wer es sagt. Ich habe schon nach ein paar Sätzen nicht mehr gewusst, wer jetzt spricht. Das kann sehr nervig sein. Weil man den Text immer wieder und wieder liest um es endlich zu verstehen. Klar sollte nicht jedesmal "....", sagte Adonis. Stehen aber ab und zu wäre das gut. Oder eben Dinge wie sagte Er. Auch ist es nervig wenn ein Dialog dem nächsten folgt. Es wäre besser wenn kurze Sprechpausen sind und mal Dinge passierten wir. Er kratze sich am Kopf. Er verdrehte die Augen o.ä passiert


Leider ist es in dieser Situation, es ist dunkel nicht wirklich zu sehen, ob jemand die Augen verdreht oder sich am Kopf kratzt und wenn man Memory (Notizbuch), Stylo (Kugelschreiber) und Adonis (Geldbeutel) gelesen hat, sollte einem die Kombination, wer was sagt nicht sehr schwer fallen.

Diavolo hat geschrieben:dann strahlen mich lapislazulifarbene Augen an


Das Wort ist etwas zu kompliziert.

Aber es gibt es, blaue Augen kann jeder haben.

Diavolo hat geschrieben: Deborah lächelt mich an, legt mich auf den Schreibtisch


BlinkyBill hat geschrieben:Auf den Schreibtisch? Er hat die Protagonstin auf den Schreibtisch gelegt? Das verstehe ich nicht so ganz.


Vielleicht hast Du die ganze Geschichte nicht verstanden, denn es war eine Dienstagsübung geschrieben aus der Perspektive des Gegenstandes. Ich hoffe, Du hast noch weitergelesen, um zu verstehen, was es in Wirklichkeit ist.

BlinkyBill hat geschrieben:Dann jetzt etwas zum dritten Abschnitt. Ich habe erst so in der Mitte verstanden, dass die scheinbar in einem Zimmer sitzen und sich da scheinbar unterhalten. Ich war mit meinen Gedanken immer noch bei diesem Monster


Das unwichtige Monster ist nicht der Protagonist und auch nicht wichtig, es ist keine Gruselgeschichte. Das Monster ist, wenn Du es wissen möchtest ein Staubsauger, grins.

Ich hoffe, dass ich zu Deinem Verständnis beitragen konnte und wenn Du noch Lust hast, kannst Du ja auch noch die weiteren Folgen kommentieren, wenn Du die Geschichte verstehen willst.

Trotzdem noch mal Danke für Dein Bemühen

Liebe Grüße Diavoll
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Re: Kontaktanzeige mit Folgen Teil 1 DÜ

Beitragvon Flitzpiepe » 02.06.2015, 13:50

Hallo Diavolo und geheimnisvolle Tante,

euer Werk hat mehr Kommentare verdient, deshalb versuche ich mich mal. Habe wenig Kommentar-Erfahrung, deshalb bitte ich um Nachsicht. Auch wenn ihr zwei seid, wähle ich als Ansprache "du", weil mir das sympathischer ist.

Eins vorweg: Man merkt, dass hier jemand am Werk war, der nicht zum ersten Mal mit dem Schreiben zu tun hat. Sehr ansprechende Formulierungen, flüssig zu lesen, interessanter Aufbau. Ich lese los und staune. Wo bin ich eigentlich? Wer spricht? Und warum? Das ist ein kleiner Knackpunkt: Aus der Überschrift kann ich nicht erkennen, was hier Sache ist, dass es nämlich um eine Sache geht, einen Gegenstand, der seine Sicht präsentiert. Das erwähnst du erst in der Antwort an deinen ersten Kommentator, der zu Recht im Dunkeln tappt. Ich hätte mich beim ersten Lesen nicht so gewundert, wenn ich gewusst hätte, worauf ich mich einlasse. Ein paar einführende Worte hätten zumindest mir sehr geholfen.

Nun zum Text:

Jung und Alt flaniert an mir vorbei.


Wenn er verschwindet, gehen die Lichter aus.

Müsste "es" heißen, weil du zuvor nur vom Monster schriebst.

Sonnenstrahlen kitzeln mich wach.

Schöner Satz.

Schlankes, quadratisches Leichtgewicht, faltenlos, sanftmütig, feinfühlig, gute Laune ausstrahlend, weltoffen, kurze Haare, Knopfaugen, Stupsnase, große Ohren.

Aha, das ist also dein Ding. Aber warum quadratisch? Ich habe natürlich gelesen, was es ist, bevor ich mich ans Kommentieren machte. Ich kenne die eigentlich nur in rechteckig, obwohl es natürlich Sonderformen gibt.

Um mich herum wütet der tägliche Wahnsinn.

Schöner Satz.

Ich schalte ab und träume wie immer von Ländern, die mir fremd bleiben werden.

Das finde ich nicht stimmig. Streust du dem Leser absichtlich Sand in die Augen? Denn die eigentliche Bestimmung des Dings ist ja genau das Reisen. Oder weiß es das nicht? Oder hat es resigniert, weil es bereits seit Jahren festhängt?

„Suchst du eine Liebhaberin oder einen Seelentröster? Hör auf zu heulen“, ermahne ich mich, während der Stierkämpfer mit der Muleta vor meiner Nase herum wedelt.


Ein letzter Blick zurück und meine Reise ins Unbekannte mit ihr beginnt. Ich kann mein Glück nicht fassen. Im Taumel des Hochgefühls vergesse ich Zeit und Raum.

Den letzten Satz braucht es eigentlich nicht.

Der Geldbeutel ergreift das Wort: „Ich heiße Money. Meine Jugendfreunde nannten mich Adonis, wegen meiner samtweichen Haut. Meine früher strahlenden Augen tragen seit langem Trauer.“
„Warum?“
„Gestern wurde ich gestopft wie eine Gans. Ich platzte wie immer aus allen Nähten. ‘Auf und Zu‘, steht danach auf dem Abspeckprogramm, deshalb sehe ich auch so abgegriffen aus. Keine Pause, nicht mal für ein Nickerchen.“
Das ist ja grausam!
„Ein letzter ungläubiger Blick in mein Inneres und die Tortur hat ein Ende. Zum Skelett abgemagert, treibt mich der Hunger fast in den Tod. Die wöchentliche Routine rettet mir das Leben."
An der wäre ich beinahe gestorben.

Finde ich überflüssig. Mir würde es reichen, wenn Stift und Notizbuch reden. Die Aufgabe, dem Leser die Sicht von Gegenständen zu schildern, hast du wirklich erfüllt, fast schon über-erfüllt. Aber wie wehren, wenn einen die Kreativität küsst? :wink:

Die haben das Heu nicht auf der gleichen Bühne.

Seltsames Bild, wie passt das hier rein? Notizbücher und Stifte bringe ich weder mit Heu noch mit Bühne in Verbindung, auch nicht den geheimnisvollen Gegenstand.

Das Notizbuch bläht sich auf: „Hast du jemals in den Spiegel geschaut, du Lackaffe? Du bist ein Strich in der Landschaft!

Abführungszeichen fehlt.

Der Hochkotz

Wortschöpfung? Irritiert mich irgendwie.

Damit will er vertuschen, dass er bei seinen schwarzen Schäfchen versagt hat.“

Vertuschen: Herrlich in Bezug auf den Stift, den Teil mit den schwarzen Schäfchen verstehe ich nicht.

lapislazulifarbene Augen

Sehr schön, ein echter Zungenbrecher, wenn ich das laut lese. Allerdings bin ich zu ungebildet, um sofort eine Farbe zuzuordnen.

Segelboote, die sich unter der Harbour Bridge im blauen Wasser tummeln

Tummeln finde ich irgendwie abgedroschen, das kannst du besser.

Statt einem Tete à Tete

Nenn' mich altmodisch, aber ich kämpfe für den Genitiv. Also: Statt eines Tête-à-Têtes.

singt sie, als sie auf mich zukommt.


I am loosing control.

Warum das Ding plötzlich Englisch spricht, verstehe ich nicht. Singt es auch? Vermutlich wieder eine Bildungslücke, weil ich das nicht einordnen kann.

Nun noch ein wenig streitbare Erbsenzählerei zum Schluss:

Schnell den Schlaf aus den Augen gewischt, bevor sich die Türen öffnen.


Schnaubende Stiere und stolze Toreros tauchen vor mir auf, bis Tränen meinen Blick vernebeln und ich rot sehe.


Schamröte steigt mir ins Gesicht.


Das sind alles Dinge, die dein Ding definitiv nicht kann. Weder das, was es tatsächlich darstellt, noch das, was es abbildet. Natürlich: Denken und sich verlieben kann es auch nicht, aber das betrifft ja das Innenleben. Sich die Augen wischen und heulen und rot werden abergehen mir persönlich zu weit und lenken von dem eigentlichen Ding zu sehr ab. Denn das würde man ja von außen sehen. Wie gesagt, dieser Kommentar-Teil ist streitbar und vielleicht überflüssig.

Fazit: Habe das Werk bisher gerne gelesen, sprachlich und handwerklich top, werde mich auch noch an die anderen Teile machen.

Gruß, Flitzpiepe
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Re: Kontaktanzeige mit Folgen Teil 1 DÜ

Beitragvon beatrice » 09.06.2015, 21:23

Hallo Diavolo,

geniale Idee, eine Geschichte aus dieser Sicht zu schreiben (ich will jetzt nicht spoilern, deshalb verrate ich nicht aus welcher). Ehrlich gesagt habe ich bis ganz zum Schluss gerätselt, welcher Gegenstand der Protagonist denn nun ist. Den ersten Teil habe ich gelesen und war zunehmend verwirrt, bis es irgendwann am Ende des ersten Teils Klick gemacht hat und ich nochmal von vorne begonnen habe, vieles war plötzlich einleuchtend und dann begann das Ratespiel. Es hat mir großen Spaß gemacht und ich finde auch dein Schreibstil passt zu dieser Sichtweise. Dass du das ganze in Abschnitte einteilst, die eigene Überschriften haben, fand ich ganz gut, so konnte man sich einen Überblick verschaffen und ist nicht gänzlich durch die ungewohnte Sichtweise verwirrt worden.
Leider habe ich heute keine Zeit mehr, mich noch den anderen beiden Teilen zu widmen, deshalb hier erstmal nur mein Kommentar zum ersten, in den folgenden Tagen kümmere ich mich aber noch um die anderen Teile. Habe sie beide bereits gelesen und hatte großen Spaß daran!



Seit einer Ewigkeit stecke ich hier fest. Ich habe schon graue Haare. Meine Schönheit verblasst von Tag zu Tag mehr.


Du führst einen ganz schön in die Irre! Trotzdem, wenn man jetzt den Sinn dahinter sieht, passt das sehr gut zusammen.

Finde ich noch eine Verehrerin, bevor ich zum 'Alten Eisen' gehöre?


Auch dass du die Käuferin als Verehrerin bezeichnest, ist originell.

Ich könnte es mit einer Kontaktanzeige versuchen! Aber wie fange ich an? Wie wäre es mit meiner Alltagsroutine?


So ganz genau habe ich noch nicht verstanden, warum du eigentlich eine Kontaktanzeige einbaust, ich war beim ersten Lesen noch davon überzeugt, dass der Protagonist tatsächlich ein ergrauter Herr ist, der nach einer Partnerin sucht und dementsprechend habe ich erst einmal nicht verstanden, wo denn eigentlich letztendlich seine Kontaktanzeige veröffentlicht wurde und mir ging das alles ein bisschen schnell und ich war verwirrt, aber beim zweiten Lesen fand ich die Passage stimmig! Toll, dass du hier bereits ein paar Hinweise gibst, was der Prota denn eigentlich ist. Dazu wiederum kann ich verstehen, dass er eine Kontaktaufzeige aufsetzen will, aber eigentlich findet das ja nur in seinem Kopf statt.

Durch die Hintertür kommt ein dunkles Monster und steckt seinen Rüssel überall rein. Sein ohrenbetäubender Lärm durchdringt die Stille.


Witzige Umschreibung für einen Staubsauger. Die beiden Sätze würde ich mit einem Komma aneinanderhängen.

Nein, damit locke ich niemanden hinterm Ofen hervor.


Diese Aussage würde ich klarer von seiner Alltagsbeschreibung abgrenzen. Entweder würde ich sie erst in den nächsten Absatz schreiben oder besser kennzeichnen, dass die Alltagsbeschreibung nun zu Ende ist.
Ein Versuch, habe es auch ein bisschen umgestellt:

     "Morgens kitzeln mich Sonnenstrahlen wieder wach. Schnell den Schlaf aus den Augen gewischt, bevor sich die Türen wieder öffnen und das Spiel von vorne beginnt.
Doch es ist jeden Tag das Gleiche. Nein, damit locke ich niemanden hinterm Ofen hervor.
Vielleicht versuche ich es mit meiner Schönheit und meinen Vorzügen?"

Schlankes, quadratisches Leichtgewicht, faltenlos, sanftmütig, feinfühlig, gute Laune ausstrahlend, weltoffen, kurze Haare, Knopfaugen, Stupsnase, große Ohren.
Habe ich zu viel verraten? Was suche ich?:


Erstmal eine einfallsreiche Beschreibung, das sieht tatsächlich nach Kontaktanzeige aus, da habe ich noch nicht erraten können, um was es sich handelt. Ich würde das "Was suche ich?" in die nächste Zeile setzen, damit auch hier klar ist, dass dein Prota weiterüberlegt.

während der Stierkämpfer mit er Muleta vor meiner Nase herum wedelt.


Ich glaube, du hast dich vertippt, es sollte wahrscheinlich "mit der Muleta" heißen.

Die Passage fand ich persönlich aber sehr schwierig zu verstehen. Träumt er von Fernen Ländern und denkt dabei an Stierkämpfer? Oder steht ein Tourist in der Montur eines Stierkämpfers vor ihm? Oder hat das ganze bereits mit Deborahs Aussehen zu tun, trägt sie rot?

Der Übergang zu Deborah ist deshalb auch ein bisschen plötzlich. Vielleicht könntest du noch ein wenig besser herausstellen, ob er das ganze jetzt nur träumt oder was davon denn echt ist. Auch könntest du den Gefühlsausbruch noch besser begründen, schließlichversucht er sich ja eigentlich abzulenken, plötzlich schießen ihm aber Tränen in die Augen und er sieht rot. Ich habe mich gefragt, warum so plötzlich. Vielleicht könntest du nochmal darauf eingehen, dass er sich alleine fühlt/ihn die gesamte Situation anödet und er sich Abwechslung wünscht und geschätzt werden will.

Ein Beispiel (dabei gehe ich davon aus, dass er das nur träumt)

     Ich schalte ab und träume wie immer von Ländern, die mir fremd bleiben werden. Schnaubende Stiere und stolze Toreros tauchen vor meinem inneren Auge auf, doch abschalten kann ich dadurch nicht. Tränen vernebeln meinen Blick, als ich daran denke, dass niemand mich dorthin begleiten wird. Vor meiner Nase wedelt der Stierkämpfer mit seiner Muleta hin und her, bis ich rot sehe. Bin ich ein Stier?
"Suchst du eine Liebhaberin oder einen Seelentröster? Hör auf zu heulen!" , ermahne ich mich, nur nicht provozieren lassen.

sondern ein Lächeln, dass die kirschroten Lippen umspielt.


ein Lächeln, das (welches) die kirschroten Lippen...

Ihre Finger, die mich drehen und wenden, fühlen sich zärtlich an.


Vielleicht eher etwas in die Richtung "behandeln mich zärtlich" oder "sind sanft zu mir", "gehen behutsam mit mir um" oder auch "feingliedrige Hände befreien mich aus meinem Gefängnis, drehen und wenden mich voller Zärtlichkeit/Sanftheit. Sie ist schlank und sportlich.."

Schmetterlinge lassen mich schweben.


Die Formulierung hat mich an dieser Stelle kurz stutzen lassen, ich finde "schweben" passt nicht zu Schmetterlingen, sie schwirren doch eher oder flattern. Vielleicht eher:
     Schmetterlinge flattern in mir auf und ab, lassen mich (fast) vom Boden abheben. Auf meinem Flug durch das Zimmer tanze ich vor Freude.

Das "ein letzter Blick zurück" würde ich klarer abgrenzen und in die nächste Zeile schreiben, deshalb habe ich eben auch den "Flug durch den Raum" eingefügt.

mit dem wertvollen Geldbeutel, dem befleckten Notizbuch und dem Kugelschreiber mit der schwarzen Seele.


Beim allerersten Lesen bin ich davon ausgegangen, dass du so verschiedene Personen charakterisierst. Das Gespräch war dadurch anfangs verwirrend, da ich nicht verstanden habe, wer was sagt. Beim zweiten Lesen war es dann allerdings klar.

Vielleicht würde ich anstatt "wertvoll" ein anderes Adjektiv verwenden (zB "prall") oder den Geldbeutel durch einen Nebensatz näher charakterisieren, in dem du beschreibst, dass er früher einmal wertvoll war. Du könntest auch anstatt Geldbeutel das Wort "Portemonaie" verwenden, das vielleicht an sich ein wenig teurer klingt.

Meine früher strahlenden Augen tragen seit langem Trauer.


Ich finde persönlich, dass das "tragen" hier nicht so gut passt. Vielleicht eher "hat die Trauer getrübt", "Meinen Augen hat die Trauer das Strahlen genommen" , "Seit langem ist das Strahlen aus meinen Augen verschwunden und hat der Trauer Platz gemacht".

Demonstrativ klappt sich das Notizbuch auf. Ich kann einen Blick in sein Inneres werfen und sehe schwarz.



Sehr schöne Stelle, hat mich zum Grinsen gebracht, auch der Dialog davor wirkt spritzig und ist dir gelungen!

Damit will er vertuschen, dass er bei seinen schwarzen Schäfchen versagt hat.“


Was genau meinst du eigentlich mit "schwarzen Schäfchen"?

Das geht mir so was auf die Nerven.


"das geht mir so was von auf die Nerven" heißt es doch, oder? Du hast das "von" vergessen.

Ich werde auf Händen getragen.


Geniale Doppeldeutigkeit!

säuselt sie und kriecht fast in den Hörer.



Die Formulierung ist auch echt top, da kann ich mir gut etwas darunter vorstellen!


Alles in allem hat es mir gut gefallen. Weitere Kommentare werden folgen! Ich möchte nochmal betonen, dass das nur mein Eindruck und meine Meinung ist und hoffe ich konnte dir ein paar Anregungen geben!

Liebe Grüße,
Bea
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Re: Kontaktanzeige mit Folgen Teil 1 DÜ

Beitragvon Diavolo » 12.06.2015, 06:08

Hallo Flitzpiepe

Lustiger Name :P . Endlich komme ich dazu deinen Kommentar zu beantworten, der doch recht gut geworden ist, trotz deiner wenigen Erfahrung.

Flitzpiepe hat geschrieben:Ein paar einführende Worte hätten zumindest mir sehr geholfen.


Darüber werde ich mir noch Gedanken machen.

Flitzpiepe hat geschrieben:Wenn er verschwindet, gehen die Lichter aus.

Müsste "es" heißen, weil du zuvor nur vom Monster schriebst.


Da kann man sich streiten. Wenn man weiterhin vom Monster spricht ja, wenn man aber an den Staubsauger denkt, nein.

Flitzpiepe hat geschrieben:Sonnenstrahlen kitzeln mich wach.

Schöner Satz.


Danke :D

Flitzpiepe hat geschrieben:Schlankes, quadratisches Leichtgewicht, faltenlos, sanftmütig, feinfühlig, gute Laune ausstrahlend, weltoffen, kurze Haare, Knopfaugen, Stupsnase, große Ohren.

Aha, das ist also dein Ding. Aber warum quadratisch? Ich habe natürlich gelesen, was es ist, bevor ich mich ans Kommentieren machte. Ich kenne die eigentlich nur in rechteckig, obwohl es natürlich Sonderformen gibt.


Es gibt mehr quadratische in der Zwischenzeit. Und quadratisch gefällt mir besser wie rechteckig.

Flitzpiepe hat geschrieben:Um mich herum wütet der tägliche Wahnsinn.

Schöner Satz.


:D

Flitzpiepe hat geschrieben:Ich schalte ab und träume wie immer von Ländern, die mir fremd bleiben werden.

Das finde ich nicht stimmig. Streust du dem Leser absichtlich Sand in die Augen? Denn die eigentliche Bestimmung des Dings ist ja genau das Reisen. Oder weiß es das nicht? Oder hat es resigniert, weil es bereits seit Jahren festhängt?


Nein, ich bin kein Sandmännchen :oops: Es weiß, dass seine Bestimmung das Reisen ist, aber da es ja festhängt, kann es nur von fremden Ländern träumen.

Flitzpiepe hat geschrieben:Ein letzter Blick zurück und meine Reise ins Unbekannte mit ihr beginnt. Ich kann mein Glück nicht fassen. Im Taumel des Hochgefühls vergesse ich Zeit und Raum.

Den letzten Satz braucht es eigentlich nicht.


Darüber werde ich in einer stillen Stunde noch nachdenken. :idea:


Flitzpiepe hat geschrieben:Der Geldbeutel ergreift das Wort: „Ich heiße Money. Meine Jugendfreunde nannten mich Adonis, wegen meiner samtweichen Haut. Meine früher strahlenden Augen tragen seit langem Trauer.“
„Warum?“
„Gestern wurde ich gestopft wie eine Gans. Ich platzte wie immer aus allen Nähten. ‘Auf und Zu‘, steht danach auf dem Abspeckprogramm, deshalb sehe ich auch so abgegriffen aus. Keine Pause, nicht mal für ein Nickerchen.“
Das ist ja grausam!
„Ein letzter ungläubiger Blick in mein Inneres und die Tortur hat ein Ende. Zum Skelett abgemagert, treibt mich der Hunger fast in den Tod. Die wöchentliche Routine rettet mir das Leben."
An der wäre ich beinahe gestorben.

Finde ich überflüssig. Mir würde es reichen, wenn Stift und Notizbuch reden. Die Aufgabe, dem Leser die Sicht von Gegenständen zu schildern, hast du wirklich erfüllt, fast schon über-erfüllt. Aber wie wehren, wenn einen die Kreativität küsst?


Ja, immer diese küssende Kreativität, :oops:


Flitzpiepe hat geschrieben:Die haben das Heu nicht auf der gleichen Bühne.

Seltsames Bild, wie passt das hier rein? Notizbücher und Stifte bringe ich weder mit Heu noch mit Bühne in Verbindung, auch nicht den geheimnisvollen Gegenstand.


Das ist ein Ausspruch, wenn sich Leute untereinander nicht verstehen oder Zoff haben.

Flitzpiepe hat geschrieben:Das Notizbuch bläht sich auf: „Hast du jemals in den Spiegel geschaut, du Lackaffe? Du bist ein Strich in der Landschaft!

Abführungszeichen fehlt.


Wird eingebaut, genauso werde ich die anderen Schreibfehlerchen ausbessern. :flowers:

Flitzpiepe hat geschrieben:Der Hochkotz

Wortschöpfung? Irritiert mich irgendwie.


Das sagt man über jemanden, der die Nase ziemlich weit oben hat.

Flitzpiepe hat geschrieben:Damit will er vertuschen, dass er bei seinen schwarzen Schäfchen versagt hat.“

Vertuschen: Herrlich in Bezug auf den Stift, den Teil mit den schwarzen Schäfchen verstehe ich nicht.


Damit sind die Gedanken gemeint, die dann aufs Papier kommen.

Flitzpiepe hat geschrieben:lapislazulifarbene Augen

Sehr schön, ein echter Zungenbrecher, wenn ich das laut lese. Allerdings bin ich zu ungebildet, um sofort eine Farbe zuzuordnen.


Aus dem Internet: http://www.ruebe-zahl.deLapislazuli ist der Stein der Könige. Er öffnet die geistigen Dachkammern und verzaubert die Atmosphäre mit seinem hypnotisch blauen Licht.


Flitzpiepe hat geschrieben:Segelboote, die sich unter der Harbour Bridge im blauen Wasser tummeln

Tummeln finde ich irgendwie abgedroschen, das kannst du besser.


Flitzpiepe hat geschrieben:Statt einem Tete à Tete

Nenn' mich altmodisch, aber ich kämpfe für den Genitiv. Also: Statt eines Tête-à-Têtes.


Mache mir darüber Gedanken!

Flitzpiepe hat geschrieben:singt sie, als sie auf mich zukommt.


I am loosing control.

Warum das Ding plötzlich Englisch spricht, verstehe ich nicht. Singt es auch? Vermutlich wieder eine Bildungslücke, weil ich das nicht einordnen kann.


Die Harbour Bridge ist in Australien genauer gesagt in Sydney und da spricht man Englisch.
Flitzpiepe hat geschrieben:
Nun noch ein wenig streitbare Erbsenzählerei zum Schluss:

Schnell den Schlaf aus den Augen gewischt, bevor sich die Türen öffnen.


Schnaubende Stiere und stolze Toreros tauchen vor mir auf, bis Tränen meinen Blick vernebeln und ich rot sehe.


Schamröte steigt mir ins Gesicht.


Das sind alles Dinge, die dein Ding definitiv nicht kann. Weder das, was es tatsächlich darstellt, noch das, was es abbildet. Natürlich: Denken und sich verlieben kann es auch nicht, aber das betrifft ja das Innenleben. Sich die Augen wischen und heulen und rot werden abergehen mir persönlich zu weit und lenken von dem eigentlichen Ding zu sehr ab. Denn das würde man ja von außen sehen. Wie gesagt, dieser Kommentar-Teil ist streitbar und vielleicht überflüssig.


Werde auch darüber nachdenken.

Flitzpiepe hat geschrieben:Fazit: Habe das Werk bisher gerne gelesen, sprachlich und handwerklich top, werde mich auch noch an die anderen Teile machen.


Danke, :flowers: würde mich darüber freuen.

Liebe Grüße
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Re: Kontaktanzeige mit Folgen Teil 1 DÜ

Beitragvon Diavolo » 12.06.2015, 06:52

Liebe Bea

Auch Dir will ich heute auf Deinen Kommentar antworten.

beatrice hat geschrieben:geniale Idee, eine Geschichte aus dieser Sicht zu schreiben (ich will jetzt nicht spoilern, deshalb verrate ich nicht aus welcher). Ehrlich gesagt habe ich bis ganz zum Schluss gerätselt, welcher Gegenstand der Protagonist denn nun ist. Den ersten Teil habe ich gelesen und war zunehmend verwirrt, bis es irgendwann am Ende des ersten Teils Klick gemacht hat und ich nochmal von vorne begonnen habe, vieles war plötzlich einleuchtend und dann begann das Ratespiel. Es hat mir großen Spaß gemacht und ich finde auch dein Schreibstil passt zu dieser Sichtweise. Dass du das ganze in Abschnitte einteilst, die eigene Überschriften haben, fand ich ganz gut, so konnte man sich einen Überblick verschaffen und ist nicht gänzlich durch die ungewohnte Sichtweise verwirrt worden.


Danke :lol:

beatrice hat geschrieben:Leider habe ich heute keine Zeit mehr, mich noch den anderen beiden Teilen zu widmen, deshalb hier erstmal nur mein Kommentar zum ersten, in den folgenden Tagen kümmere ich mich aber noch um die anderen Teile. Habe sie beide bereits gelesen und hatte großen Spaß daran!


Vorab schon ein Blumensträußchen :flowers:

beatrice hat geschrieben:Seit einer Ewigkeit stecke ich hier fest. Ich habe schon graue Haare. Meine Schönheit verblasst von Tag zu Tag mehr.


Du führst einen ganz schön in die Irre! Trotzdem, wenn man jetzt den Sinn dahinter sieht, passt das sehr gut zusammen.


Ich glaube, das nennt man Spannungsaufbau :oops:

beatrice hat geschrieben:Finde ich noch eine Verehrerin, bevor ich zum 'Alten Eisen' gehöre?


Auch dass du die Käuferin als Verehrerin bezeichnest, ist originell.


:D Danke

beatrice hat geschrieben:Ich könnte es mit einer Kontaktanzeige versuchen! Aber wie fange ich an? Wie wäre es mit meiner Alltagsroutine?


So ganz genau habe ich noch nicht verstanden, warum du eigentlich eine Kontaktanzeige einbaust, ich war beim ersten Lesen noch davon überzeugt, dass der Protagonist tatsächlich ein ergrauter Herr ist, der nach einer Partnerin sucht und dementsprechend habe ich erst einmal nicht verstanden, wo denn eigentlich letztendlich seine Kontaktanzeige veröffentlicht wurde und mir ging das alles ein bisschen schnell und ich war verwirrt, aber beim zweiten Lesen fand ich die Passage stimmig! Toll, dass du hier bereits ein paar Hinweise gibst, was der Prota denn eigentlich ist. Dazu wiederum kann ich verstehen, dass er eine Kontaktaufzeige aufsetzen will, aber eigentlich findet das ja nur in seinem Kopf statt.


Ja, das findet nur in seinem Kopf statt. Der Titel dieser Geschichte heißt ja: Kontaktanzeige mit Folge, also muss ja auch eine Kontaktanzeige in der Geschichte vorkommen.
beatrice hat geschrieben:Durch die Hintertür kommt ein dunkles Monster und steckt seinen Rüssel überall rein. Sein ohrenbetäubender Lärm durchdringt die Stille.


Witzige Umschreibung für einen Staubsauger. Die beiden Sätze würde ich mit einem Komma aneinanderhängen.


Wird erledigt :D

beatrice hat geschrieben:Nein, damit locke ich niemanden hinterm Ofen hervor.


Diese Aussage würde ich klarer von seiner Alltagsbeschreibung abgrenzen. Entweder würde ich sie erst in den nächsten Absatz schreiben oder besser kennzeichnen, dass die Alltagsbeschreibung nun zu Ende ist.
Ein Versuch, habe es auch ein bisschen umgestellt:

     "Morgens kitzeln mich Sonnenstrahlen wieder wach. Schnell den Schlaf aus den Augen gewischt, bevor sich die Türen wieder öffnen und das Spiel von vorne beginnt.
Doch es ist jeden Tag das Gleiche. Nein, damit locke ich niemanden hinterm Ofen hervor.
Vielleicht versuche ich es mit meiner Schönheit und meinen Vorzügen?"


Werde in einer stillen Stunde darüber nachdenken, aber zuerst ein Danke für den Versuch.

beatrice hat geschrieben:Schlankes, quadratisches Leichtgewicht, faltenlos, sanftmütig, feinfühlig, gute Laune ausstrahlend, weltoffen, kurze Haare, Knopfaugen, Stupsnase, große Ohren.
Habe ich zu viel verraten? Was suche ich?:


Erstmal eine einfallsreiche Beschreibung, das sieht tatsächlich nach Kontaktanzeige aus, da habe ich noch nicht erraten können, um was es sich handelt. Ich würde das "Was suche ich?" in die nächste Zeile setzen, damit auch hier klar ist, dass dein Prota weiterüberlegt.


Werde ich machen, ist eine gute Idee :D

beatrice hat geschrieben:während der Stierkämpfer mit er Muleta vor meiner Nase herum wedelt.


Ich glaube, du hast dich vertippt, es sollte wahrscheinlich "mit der Muleta" heißen.


Ja, soll ja vorkommen :roll:


beatrice hat geschrieben:Die Passage fand ich persönlich aber sehr schwierig zu verstehen. Träumt er von Fernen Ländern und denkt dabei an Stierkämpfer? Oder steht ein Tourist in der Montur eines Stierkämpfers vor ihm? Oder hat das ganze bereits mit Deborahs Aussehen zu tun, trägt sie rot?


Ja, er träumt von Fernen Ländern und Stierkämpfer. Nein, es steht kein Tourist vor ihm als Stierkämpfer. Es soll auf Deborah hinweisen.
beatrice hat geschrieben:Der Übergang zu Deborah ist deshalb auch ein bisschen plötzlich. Vielleicht könntest du noch ein wenig besser herausstellen, ob er das ganze jetzt nur träumt oder was davon denn echt ist. Auch könntest du den Gefühlsausbruch noch besser begründen, schließlichversucht er sich ja eigentlich abzulenken, plötzlich schießen ihm aber Tränen in die Augen und er sieht rot. Ich habe mich gefragt, warum so plötzlich. Vielleicht könntest du nochmal darauf eingehen, dass er sich alleine fühlt/ihn die gesamte Situation anödet und er sich Abwechslung wünscht und geschätzt werden will.

Ein Beispiel (dabei gehe ich davon aus, dass er das nur träumt)

     Ich schalte ab und träume wie immer von Ländern, die mir fremd bleiben werden. Schnaubende Stiere und stolze Toreros tauchen vor meinem inneren Auge auf, doch abschalten kann ich dadurch nicht. Tränen vernebeln meinen Blick, als ich daran denke, dass niemand mich dorthin begleiten wird. Vor meiner Nase wedelt der Stierkämpfer mit seiner Muleta hin und her, bis ich rot sehe. Bin ich ein Stier?
"Suchst du eine Liebhaberin oder einen Seelentröster? Hör auf zu heulen!" , ermahne ich mich, nur nicht provozieren lassen.



Auch darüber mache ich mir Gedanken in einer stillen Stunde, aber danke für das Beispiel und den Kommentar dazu. :2thumbs:

beatrice hat geschrieben:sondern ein Lächeln, dass die kirschroten Lippen umspielt.


ein Lächeln, das (welches) die kirschroten Lippen...


:doh: Wird geändert.

beatrice hat geschrieben:Ihre Finger, die mich drehen und wenden, fühlen sich zärtlich an.


Vielleicht eher etwas in die Richtung "behandeln mich zärtlich" oder "sind sanft zu mir", "gehen behutsam mit mir um" oder auch "feingliedrige Hände befreien mich aus meinem Gefängnis, drehen und wenden mich voller Zärtlichkeit/Sanftheit. Sie ist schlank und sportlich.."



beatrice hat geschrieben:Schmetterlinge lassen mich schweben.


Die Formulierung hat mich an dieser Stelle kurz stutzen lassen, ich finde "schweben" passt nicht zu Schmetterlingen, sie schwirren doch eher oder flattern. Vielleicht eher:
     Schmetterlinge flattern in mir auf und ab, lassen mich (fast) vom Boden abheben. Auf meinem Flug durch das Zimmer tanze ich vor Freude.

Das "ein letzter Blick zurück" würde ich klarer abgrenzen und in die nächste Zeile schreiben, deshalb habe ich eben auch den "Flug durch den Raum" eingefügt.


Auch das in einer stillen Stunde, aber erst einmal ein Dankeschön

beatrice hat geschrieben:mit dem wertvollen Geldbeutel, dem befleckten Notizbuch und dem Kugelschreiber mit der schwarzen Seele.


Beim allerersten Lesen bin ich davon ausgegangen, dass du so verschiedene Personen charakterisierst. Das Gespräch war dadurch anfangs verwirrend, da ich nicht verstanden habe, wer was sagt. Beim zweiten Lesen war es dann allerdings klar.

Vielleicht würde ich anstatt "wertvoll" ein anderes Adjektiv verwenden (zB "prall") oder den Geldbeutel durch einen Nebensatz näher charakterisieren, in dem du beschreibst, dass er früher einmal wertvoll war. Du könntest auch anstatt Geldbeutel das Wort "Portemonaie" verwenden, das vielleicht an sich ein wenig teurer klingt.


Das ist einleuchtend und wird geändert. :lol:

beatrice hat geschrieben:Meine früher strahlenden Augen tragen seit langem Trauer.


Ich finde persönlich, dass das "tragen" hier nicht so gut passt. Vielleicht eher "hat die Trauer getrübt", "Meinen Augen hat die Trauer das Strahlen genommen" , "Seit langem ist das Strahlen aus meinen Augen verschwunden und hat der Trauer Platz gemacht".


Da hat mich der Film: 'Wenn die Gondeln Trauer tragen', inspiriert. Werde es mir aber noch mal überlegen.

beatrice hat geschrieben:Demonstrativ klappt sich das Notizbuch auf. Ich kann einen Blick in sein Inneres werfen und sehe schwarz.

Sehr schöne Stelle, hat mich zum Grinsen gebracht, auch der Dialog davor wirkt spritzig und ist dir gelungen!


:D :D

beatrice hat geschrieben:Damit will er vertuschen, dass er bei seinen schwarzen Schäfchen versagt hat.“


Was genau meinst du eigentlich mit "schwarzen Schäfchen"?


Die Gedanken, die aufs Papier fließen.

beatrice hat geschrieben:Das geht mir so was auf die Nerven.


"das geht mir so was von auf die Nerven" heißt es doch, oder? Du hast das "von" vergessen.


:oops:

beatrice hat geschrieben:Ich werde auf Händen getragen.


Geniale Doppeldeutigkeit!

säuselt sie und kriecht fast in den Hörer.


Die Formulierung ist auch echt top, da kann ich mir gut etwas darunter vorstellen!


:D :D

beatrice hat geschrieben:Alles in allem hat es mir gut gefallen. Weitere Kommentare werden folgen! Ich möchte nochmal betonen, dass das nur mein Eindruck und meine Meinung ist und hoffe ich konnte dir ein paar Anregungen geben!


Ich danke Dir für Deine Mühe und ich kann Dir versichern, dass Du mir doch einige Anregungen geben konntest, die ich mir dann auch wirklich überlege und verbessern werde.

Ganz liebe Grüße
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Re: Kontaktanzeige mit Folgen Teil 1 DÜ Überarbeitet

Beitragvon Diavolo » 27.06.2015, 05:47

Liebe Schreibwerkstättler

Endlich ist es geschafft und ich habe den ersten Teil, dank den Denkanstössen und sehr hilfreichen Kommentaren von Blinky Bill, Flitzpiepe und Beatrice überarbeitet. Dafür noch mal recht herzlichen Dank :flowers: :flowers: :flowers:
Ich hoffe nur, das ich es nicht verschlimmbessert habe. Würde mich daher freuen über eure Kommentare, falls es so wäre. :oops:

Liebe Grüße
Diavolo
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Re: Kontaktanzeige mit Folgen Teil 1 DÜ Überarbeitet

Beitragvon beatrice » 06.07.2015, 10:44

Lieber Diavolo,

Ich finde du hast deinen Text definitiv verbessert und nicht verschlimmbessert. Dein Text besitzt eine klare Struktur, durch die Abtrennung der Gedanken habe ich viel besser die Übersicht behalten. Beim Aufbau springst du nicht, sondern führst einen Gedanken nach dem anderen aus. Es gefällt mir sehr gut, was du daraus gemacht hast! :wink:

Beim Lesen sind mir ein paar Kleinigkeiten aufgefallen, über die ich dir unten meine Meinung geschrieben habe, jedoch nichts, was mich aus dem Lesefluss gebracht hat.

Das ist mir aufgefallen:

Nach acht endlosen Stunden kehrt endlich Ruhe ein, die aber nicht lange anhält


Endlos, endlich, das wirkt auf mich fast wie eine Wortwiederholung. Wie wäre es wenn du das endlich mit schließlich ersetzt?


Was suche ich?:


Ich würde entweder "Was suche ich?" schreiben oder "Das suche ich:".

Enttäuschung macht sich breit und meine Hoffnung schwindet.
Warum kann man mich nicht einfach schlafen lassen?


Der Sprung von der missglückten Kontaktanzeige auf das Schlafen lassen ist vielleicht ein bisschen zu plötzlich. Es ist nicht die schwindende Hoffnung, die ihn wachhält, wenn ich das richtig verstanden habe.

Vielleicht könntest du noch einen Satz einfügen und auf die Menschen eingehen, die an ihm vorbeilärmen ohne ihn zu beachten.

Oder ist der Satz als Überschrift für den nächsten Teil gedacht?
Vielleicht würde ich die Reihenfolge ändern:

"Enttäuschung macht sich breit und meine Hoffnung schwindet.
Gelangweilt starre ich aus dem Fenster. Um mich herum wütet der tägliche Wahnsinn. Warum kann man mich nicht einfach schlafen lassen?"

während der Stierkämpfer mit der Muleta vor meiner Nase herum wedelt.


Ich glaube du könntest das mit einer anderen Konjunktion verknüpfen und damit den Hinweis auf Deborahs Kleid deutlicher herausstellen.

"ermahne ich mich, doch der Stierkämpfer wedelt immer noch mit der Muleta vor meiner Nase herum."

Sie ist schlank und sportlich.


Im Abschnitt und auch im Satz zuvor gehst du ins Detail. Du beschreibst ihr Lächeln, ihre feingliedrigen Hände, beides stellt seine Bewunderung heraus.
Danach kommt "nur" ein sachliches "schlank und sportlich."
Aber dieser Satz ist der Letzte vor "in die könnte ich mich verlieben."

Entweder würde ich noch einen neuen Aspekt, irgendeine Besonderheit Deborahs, benennen, sodass er schließlich gar nicht mehr anders kann, als sich in sie zu verlieben, oder den Satz ganz herauslassen.
Einiges an Überzeugungskraft bietet ihre Zärtlichkeit zu ihm im Satz davor, weshalb du das "schlank und sportlich" gar nicht mehr bräuchtest.

Du könntest "schlank und sportlich" auch einfach mit anderen Worten umschreiben.

Zum Beispiel:

"Gehüllt ist sie in einen Traum aus Rot, der ihre gertenschlanke Figur betont."

Am besten irgendetwas, was an deinen Schreibstil von oben anknüpft und die Bewunderung deines Protas noch steigert.

Deborah, Deborah, das zergeht auf der Zunge.


Das hat mir schon beim letzten Mal richtig gut gefallen, habe ich aber glaube ich nicht erwähnt.

Der Geldbeutel ergreift das Wort: „Ich heiße Money. Meine Jugendfreunde nannten mich Adonis, wegen meiner samtweichen Haut. Meine früher strahlenden Augen tragen seit langem Trauer.“
„Warum?“
„Gestern wurde ich gestopft wie eine Gans. Ich platzte wie immer aus allen Nähten. ‘Auf und Zu‘, steht danach auf dem Abspeckprogramm, deshalb sehe ich auch so abgegriffen aus. Keine Pause, nicht mal für ein Nickerchen.“


Hier ist jetzt viel deutlicher, wer spricht und was passiert! Schön!

Der Hochkotz


Als ich gegoogelt habe, habe ich das Wort nicht finden können. Ich denke, es heißt "Großkotz".

Als ihr Seelsorger finden ihre dunklen Gedanken bei mir den Frieden, den sie brauchen, um auf den rechten Weg zu kommen.“


Ich denke, dass Deborah durch ihn auf den richtigen Weg kommt, nicht jedoch die dunklen Gedanken.
Vielleicht könntest du den Satz ein wenig umstellen oder auch zwei Sätze daraus machen:

"Als ihr Seelsorger erlöse ich sie von den dunklen Gedanken, damit sie den Frieden findet, den sie braucht, um auf den rechten Weg zu kommen."

oder

"Als ihr Seelsorger vertraut sie mir ihre dunkelsten Gedanken an. Kein Sterbenswörtchen verliere ich über sie, damit Deborah, von ihnen befreit, den Frieden findet, um auf den rechten Weg zu kommen."

oder

"'Deborah vertraut mir alles an, damit sie den Frieden findet, den sie braucht, um auf den rechten Weg zu kommen. Als ihr Seelsorger erlöse ich sie von den dunklen Gedanken."

Natürlich wäre es wichtig auch auf den Übergang zu achten, das heißt, du müsstest mit den "dunklen Gedanken" enden, damit Memory darauf eingehen kann.

„Es reicht! Hört endlich auf! Ich habe genug von eurem ständigen Gezeter! Das geht mir so was von auf die Nerven.“


Zuerst dachte ich, dein Protagonist meldet sich hier zu Wort. Vielleicht könntest du kennzeichnen, dass Money das sagt?

Ich zwinkere ihr zu und bevor ich vollends verschmachte, schaue ich mich um.


Vielleicht anstatt des "und" ein "aber"?

Durchs Fenster sehe ich das Opera House. Segelboote, die unter der Harbour Bridge im blauen Wasser dümpeln und einen Luxusdampfer, der am Dock angelegt hat. Ich bin in Sydney.
War das meine erste Kreuzfahrt?



Es gefällt mir, dass du darauf noch näher eingegangen bist!

Mehr habe ich gar nicht auszusetzen! Ich freu mich auf die Verbesserung des zweiten und dritten Teils.

Mach's gut und liebe Grüße,

Bea
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
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beatrice
 
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Re: Kontaktanzeige mit Folgen Teil 1 DÜ Überarbeitet

Beitragvon Diavolo » 10.07.2015, 11:36

Hallo beatrice

beatrice hat geschrieben:Ich finde du hast deinen Text definitiv verbessert und nicht verschlimmbessert.
:)

Danke, dass du noch einmal über meinen Text geschaut hast.

beatrice hat geschrieben:Endlos, endlich, das wirkt auf mich fast wie eine Wortwiederholung. Wie wäre es wenn du das endlich mit schließlich ersetzt?


Das werde ich sicher noch ändern.

beatrice hat geschrieben:Ich würde entweder "Was suche ich?" schreiben oder "Das suche ich:".


Das ist eine Überlegung wert.

beatrice hat geschrieben:Der Sprung von der missglückten Kontaktanzeige auf das Schlafen lassen ist vielleicht ein bisschen zu plötzlich. Es ist nicht die schwindende Hoffnung, die ihn wachhält, wenn ich das richtig verstanden habe.

Vielleicht könntest du noch einen Satz einfügen und auf die Menschen eingehen, die an ihm vorbeilärmen ohne ihn zu beachten.

Oder ist der Satz als Überschrift für den nächsten Teil gedacht?
Vielleicht würde ich die Reihenfolge ändern:

"Enttäuschung macht sich breit und meine Hoffnung schwindet.
Gelangweilt starre ich aus dem Fenster. Um mich herum wütet der tägliche Wahnsinn. Warum kann man mich nicht einfach schlafen lassen?"


Auch das schaue ich mir bei der zweiten Überarbeitung an.

beatrice hat geschrieben:Ich glaube du könntest das mit einer anderen Konjunktion verknüpfen und damit den Hinweis auf Deborahs Kleid deutlicher herausstellen.

"ermahne ich mich, doch der Stierkämpfer wedelt immer noch mit der Muleta vor meiner Nase herum."


Noch eine gute Idee :)

beatrice hat geschrieben:m Abschnitt und auch im Satz zuvor gehst du ins Detail. Du beschreibst ihr Lächeln, ihre feingliedrigen Hände, beides stellt seine Bewunderung heraus.
Danach kommt "nur" ein sachliches "schlank und sportlich."
Aber dieser Satz ist der Letzte vor "in die könnte ich mich verlieben."

Entweder würde ich noch einen neuen Aspekt, irgendeine Besonderheit Deborahs, benennen, sodass er schließlich gar nicht mehr anders kann, als sich in sie zu verlieben, oder den Satz ganz herauslassen.
Einiges an Überzeugungskraft bietet ihre Zärtlichkeit zu ihm im Satz davor, weshalb du das "schlank und sportlich" gar nicht mehr bräuchtest.

Du könntest "schlank und sportlich" auch einfach mit anderen Worten umschreiben.

Zum Beispiel:

"Gehüllt ist sie in einen Traum aus Rot, der ihre gertenschlanke Figur betont."

Am besten irgendetwas, was an deinen Schreibstil von oben anknüpft und die Bewunderung deines Protas noch steigert.


Auch das werde ich mir dann genauer ansehen.

beatrice hat geschrieben:Als ich gegoogelt habe, habe ich das Wort nicht finden können. Ich denke, es heißt "Großkotz".


Ist wahrscheinlich Dialekt, aber werde das in Großkotz umwandeln.

beatrice hat geschrieben:Ich denke, dass Deborah durch ihn auf den richtigen Weg kommt, nicht jedoch die dunklen Gedanken.
Vielleicht könntest du den Satz ein wenig umstellen oder auch zwei Sätze daraus machen:

"Als ihr Seelsorger erlöse ich sie von den dunklen Gedanken, damit sie den Frieden findet, den sie braucht, um auf den rechten Weg zu kommen."

oder

"Als ihr Seelsorger vertraut sie mir ihre dunkelsten Gedanken an. Kein Sterbenswörtchen verliere ich über sie, damit Deborah, von ihnen befreit, den Frieden findet, um auf den rechten Weg zu kommen."

oder

"'Deborah vertraut mir alles an, damit sie den Frieden findet, den sie braucht, um auf den rechten Weg zu kommen. Als ihr Seelsorger erlöse ich sie von den dunklen Gedanken."

Natürlich wäre es wichtig auch auf den Übergang zu achten, das heißt, du müsstest mit den "dunklen Gedanken" enden, damit Memory darauf eingehen kann.


Oh, so viele Vorschläge, da muss ich über die Bücher.

beatrice hat geschrieben:Zuerst dachte ich, dein Protagonist meldet sich hier zu Wort. Vielleicht könntest du kennzeichnen, dass Money das sagt?


Werde ich machen :)

beatrice hat geschrieben:Vielleicht anstatt des "und" ein "aber"?


Auch das ist gut, werde ich ändern :)

beatrice hat geschrieben:Mehr habe ich gar nicht auszusetzen! Ich freu mich auf die Verbesserung des zweiten und dritten Teils.


Danke für deine Mühe und ich fand, eigentlich schade, dass es nicht noch mehr auszusetzen hatte :D, denn deine Kommentare haben Hand und Fuss. Die Überarbeitung folgt demnächst auch für die anderen Teile.

Ich danke dir dafür mit einem :flowers:

Liebe Grüße
Diavolo
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