Kriegsverwundung "gesucht"

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Kriegsverwundung "gesucht"

Beitragvon tian075 » 24.10.2015, 16:55

Für eine Parallelweltgeschichte suche ich eine typische Kriegsverwundung ggf. durch Schusswaffen, die den Protagonisten ungefähr drei Monate oder mehr ins Lazarett bringt und danach den Kriegseinsatz für ihn beendet. Er soll allerdings keine bleibenden Schäden davongetragen haben.

Zeit: Mitte des 20. Jahrhunderts

Hat jemand eine Idee?
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Re: Kriegsverwundung "gesucht"

Beitragvon Krümmelmonster » 25.10.2015, 17:27

Das relativiert sich ganz auf dein Setting, wie weit diese Leute mit der Medizin sind (eine Parallelwelt kann weiter sein, aber auch zurück).

Eine Schussverletzung in der Schulter kann ihn ein paar Wochen ins Lazarett bringen. Genau so wie im Bein oder im Brustkörper. Wenn es dich scheiße erwischt, kann dich auch eine Stichwunde, Fußbrand oder Gefrierbrand ins Lazarett bringen - für einige Wochen. Wie lange er liegt, hängt vom Soldaten (eher stark? Jemand der eigentlich nicht in den Krieg will und länger krank spielt? Jemand der seine Kameraden unterstützen will? Etc.) und vor allem vom Krieg ab. Im zweiten Weltkrieg lag praktisch niemand drei Monate im Lazarett - dafür hatte man überhaupt nicht genug Betten.

Aber wie oben erwähnt ist auch das Setting relevant - in der Sahara kriegst du keinen Gefrierbrand, im kältesten Winter ist Malaria eher unwahrscheinlich.
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Re: Kriegsverwundung "gesucht"

Beitragvon Maggi1417 » 25.10.2015, 17:30

Das Szenario finde ich auch schwierig. A) der lange Lazarettaufenthalt. B) Eine so lange Rekonvaleszenz ohne bleibende Schäden C) Warum er ohne bleibende Schäden nicht wieder zurück geschickt wird.

Wenn du mit bleibenden Schäden nur funktionelle Einschränkungen meinst, dann könnte ich mir eventuelle noch großflächige Verbrennungen vorstellen, obwohl natürlich auch die ab einer bestimmten Ausprägung mehr als nur ein kosmetisches Problem sind.
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Re: Kriegsverwundung "gesucht"

Beitragvon Schnuddel » 25.10.2015, 18:36

Wenn es keine Schußverletzung sein muss, sondern auch etwas anderes, was in der Mitte des 20. Jahrhunderts ja gegeben ist, reicht eine Granate, oder zwei.
Gesetz den Fall, neben deinem Prota explodiert eine Granate, kann es ihm den Arm oder das Bein soweit verletzen, dass es nicht mehr zu retten ist. Auf jeden Fall wäre für den Betreffenden der Krieg beendet.

Du könntest in einer Parallelwelt eine Prothese anpassen lassen, oder dein Charakter ist stark genug, sein Schicksal zu meistern und als einarmiger Held weiterzumachen, der das gar nicht unbedingt als bleibenden Schaden betrachtet. Das wäre zumindest mal ein Charakter, der dir nicht so häufig über den Weg läuft. :wink:

Im zweiten Weltkrieg lag praktisch niemand drei Monate im Lazarett - dafür hatte man überhaupt nicht genug Betten.

Das ist ein kühne Behauptung, deren Quelle ich gerne hätte. :wink: Soweit ich weiß, wurden schwer verletzte Frontsoldaten weit ins Hinterland und befriedete Gebiete verlegt, um sie auszukurieren.

Ansonsten muss ich den Vorrednern Recht geben. Eine so lange Rekonvaleszenz ohne bleibenden Schaden wüsste ich jetzt auf Anhieb nicht.
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Re: Kriegsverwundung "gesucht"

Beitragvon anby77 » 25.10.2015, 19:25

Mein Opa hat jahrzehntelang mit einem Metallsplitter im Bein gelebt. Der konnte chirurgisch nicht entfernt werden, weil die Gefahr, dabei ein großes Blutgefäß (oder war es eine wichtige Nervenbahn?) zu verletzen zu groß war. Da er das allerdings erstens als Zivilist (bzw. kriegswichtiger Arbeiter) abbekommen hat und er zweitens aufgrund einer Infektion noch transportunfähig, als die Amerikaner kamen, weiß ich nicht, wie sich das auf seine Kriegsverwendbarkeit ausgewirkt hat. Aber ich denke, das ist ein glaubhafter Grund, um jemanden nicht an die Front zurück zu schicken. Um allerdings auf drei Monate Lazarett zu kommen, müssten sich zu der Verletzung noch irgendwelche Komplikationen gesellen; das kann eine Wundinfektion sein (Antibiotika standen Mitte des 20. Jahrhunderts nur in begrenzten Mengen zur Verfügung), das könnte aber auch eine Seuche (Cholera, Typhus...) sein, die aufgrund mangelnder Hygiene im Lazarett umgeht. So etwas beutelt heftig, und da wäre es durchaus denkbar, dass die Figur zwar einen zivilen Alltag stemmen und deshalb nach Hause entlassen wird, aber bis Kriegsende nicht wieder fit genug für den Fronteinsatz wird. Natürlich nur, wenn der Krieg nicht mehr allzulange dauert, und ein befreundeter, zu Gefälligkeitsgutachten bereiter Truppenarzt würde natürlich auch helfen, den armen Teufel aus dem Krieg raus zu halten.
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Re: Kriegsverwundung "gesucht"

Beitragvon tian075 » 26.10.2015, 13:15

Hallo,

vielen Dank für die Antworten. Ich merke doch, dass ich in Teilen von falschen Voraussetzungen ausgegangen bin. Die Geschichte sollte ungefähr zwei Jahrzehnte nach diesem Ereignis spielen. Die Kriegsverletzung dient nur als Hintergrund für den Protagonisten. Die drei Monate waren insofern nur ein grober Richtwert, der sich daran orientierte, dass mein Opa drei Monate oder noch länger wegen TB im Lazarett verbrachte - wenn ich mich recht erinnere - und müssen nicht sein.

Fragen wir mal anders: Wie lange dauert etwa die Heilung bei einem Schuss in die Brust, wenn keine weiteren Komplikationen auftreten?
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Re: Kriegsverwundung "gesucht"

Beitragvon DeamonicDream » 30.10.2015, 17:49

Hallo,

ich grabe das Thema mal wieder aus und hoffe dir noch helfen zu können.
Ein Schuss in die Brust ist kein leichtes Thema. Je nachdem wo der Protagonist getroffen wird kann es zu erheblichen Komplikationen kommen.
Gerade im Brustkorb liegt das Herz und die Lunge, wodurch natürlich, das Herz-Kreislaufsystem und das Lungensystem gesteuert wird.
Wird also eine dieser stellen getroffen, so wird es mehr als schwierig diese Verletzungen zu kurieren. Besonders, wenn das Herz, oder eine der Herzvenen getroffen wird. Aber ich denke, dass weißt du bereits.

Hinzu kommt noch, mit welchem Kaliber und aus welcher Entfernung geschossen wird. Aber davon habe ich keine Ahnung. Ich weiß lediglich, dass es Kaliber und Munition gibt, die nur einen Schuss abfeuert, oder Schrot, was streut.
Des weiteren musst du bedenken, dass die Kugel entweder durchgeht, oder nicht. Geht die Kugel nicht durch, so wird es natürlich auch wieder schwieriger die Wunde zu versorgen. Eine Kugel aus einer Wunde zu entfernen sollte aber nicht übermäßig lang dauern.

Und ein Bruch braucht, wenn es schlecht läuft, bis zu zwölf Wochen ehe es heilt. Im guten Fall kann es bis zu sechs Wochen dauern. Bei Kindern, oder im jungen Erwachsenenalter von vier bis zu acht Wochen.

Wenn ich etwas empfehlen müsste würde ich sagen, dass ein Schuss in die Brust sehr ungünstig ist. Da sollte es lieber eine unempfindliche Stelle an der Schulter oder am Oberarm sein. Dadurch sollten keine bleibenden Schäden entstehen, insofern der Protagonist richtig behandelt wird, und die Utensilien nicht unhygienisch sind. (Infektion, Entzündungen etc.)
So müssten also "nur noch" die Haut sich regenerieren, sowie der betroffene Muskel wieder zusammenwachsen, abgesehen vom Knochen. Der Arm wäre nicht komplett lahm gelegt, aber es würde doch sehr weh tun ihn zu bewegen.
Ich hoffe ich konnte dir, trotz der ungenauen Informationen irgendwie helfen.
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Re: Kriegsverwundung "gesucht"

Beitragvon Krümmelmonster » 31.10.2015, 03:04

Abend,

ein Schuss ohne Komplikationen in der Brust - da musst du echt ein unglaubliches Glück haben. Auf jedenfall werden Blutgefäße getroffen und zerstört - von Rippen und dem Sternum, welche alle Splittern können mal abgesehen. Viel wahrscheinlicher ist, dass dein Charakter daran stirbt oder noch weiterhin Komplikationen dadurch hat. Ins Lazarett bringen tut es ihn, ja. Aber komplikationslos? Eher nicht, nein.

MÜSSEN es denn drei Monate sein? Mal sorum gefragt. Wenn es einfach nur ist "mein Prota soll eine schwere, aber vollkommen ausgeheilte Kriegsverletzung haben" kannst du ihm ja auch was einfacheres mitgeben.

Ansonsten (ich weiß nicht ob es bereits erwähnt wurde) Verbrennungen sind auch nicht ohne. Aber da sind einerseits die psychischen Schäden sehr hoch, aber auch die körperlichen. Neben Narbengewebe können auch Infektionen auftreten, Unempfindlichkeit der betroffenen Region und/oder Einschränkungen des Bewegungsapparates
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Re: Kriegsverwundung "gesucht"

Beitragvon Aradir » 01.11.2015, 02:00

Also ich könnte mir durchaus vorstellen, dass jemand mit einem schönen Brust- oder gar Bauchtreffer erstmal (lebend) ins Lazarett kommt. Dann wird er operiert, braucht dann selbst im günstigsten Fall eher Wochen als Tage bis er aus dem Krankenhaus rauskann. Ein Bekannter von mir hatte eine Blinddarm-OP, eine richtige Brot-und-Butter-Sache heutzutage und der lag danach trotzdem erstmal vier Tage auf Beobachtung im Krankenhaus (oder sogar noch länger?). Mit einer ordentlichen Wunde dürfte das eher länger sein.
Und dann kann man mit einer fetten Wundinfektion durchaus noch Monate im Krankenhaus verbringen, selbst heutzutage ist das nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Generell ist es einerseits immer kritisch von Kugeln getroffen zu werden, aber andererseits halten Menschen auch verdammt viel aus. Im 2. WK schnellte beispielsweise die Zahl der vierfach Amputierten massiv in die Höhe, u.a. wegen der fortgeschritteneren Medizin.
Das Ding ist dann nur, dass jemand mit einer Verwundung ohne Folgeschäden natürlich wieder an die Front geschickt wird. Jedenfalls ist der Krieg für ihn dann nicht vorbei.
Also, da musst du dich entscheiden: Entweder bleibende Schäden oder er muss danach wieder zurück zu seiner Einheit.
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Re: Kriegsverwundung "gesucht"

Beitragvon MissPelled » 11.11.2015, 10:11

Ein Nackenschuss, so nennt man die Verletzungen im Bereich des Militärs, wenn man eine Kugel in den Nacken bekommt. Ist eigentlich eine tötliche Verletzung. Kann aber mit viel Glück überlebt werden. Die Kugel verfängt sich dann zwischen der Nackenmuskulatur (muss sehr ausgeprägt sein) und den 5. und 6. Halswirbel. Habe ich selber schon gesehen solche Verletzungen, die dauern lange, da sie mit schweren Blutverlust einher gehen und vor allem aber schwierig heilen. Operationen an der Halswirbelsäule sind riskant. Meist muss für den Heilungsprozess die Wirbelsäule versteift werden. Je nach Verletzung der Wirbel ist allerdings eine vollständige Genesung möglich. Ausschluss aus dem aktiven Dienst erfolgt, wegen der wiederholten Verletzungsgefahr, durch einen Schlag, Sturz oder so was in der Art. Und nein, man ist nicht zwangsläufig querschnittgelähmt. Solange das Rückenmark nicht verletzt ist, passiert in der Richtung nichts.
Aufenthaltszeit im KH oder Lazarett circa 8 bis 9 Wochen,je nach Verletzung, völlig Bettruhe und anschließende wieder mobilmachung ( Reha heute)
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