Krimi-Geschichte

Krimi-Geschichte

Beitragvon amyx » 19.01.2014, 00:11

Ich habe den groben Plan zu einer schnellen, wendungsreichen Geschichte mit Totschlag, Mord, Gewalt, Blut und natürlich Liebe. Ich weiß nicht, ob Krimi so richtig passt, oder Kurzgeschichte? Wie lang darf eine Kurzgeschichte sein? Muss in einem Krimi immer der Ermittler die Hauptperson sein? Ich stelle euch mal den ersten Teil vor, und hoffe auf hilfreiche Kommentare.

Blutrausch. 1

Er hatte sie beim Aussteigen aus der Bahn bemerkt. Er war ein Stück zur Seite gegangen, um sie vorbeizulassen. Und sie hatte ihm ein kleines, wildes Lächeln geschenkt. Eins, was man aufsetzt, um Beute zu machen.
Ich war überrascht, zögerte einen Moment zu lange. Bis ich ihr meinen Blick nachbefahl, hatte sie sich längst abgewendet und stiefelte durch das Bahnhofsfoyer nach draußen.Ich spürte Vanille-Duft in der Nase, konnte unmöglich von ihr sein, machte mich aber neugierig. Ich fing an zu traben, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Über den Bahnhofsvorplatz hinweg, wo sich ein kleiner Park anschloss. Sie hielt den Kopf schräg über hängenden Schultern, machte jetzt kleinere, feste Schritte in den Park hinein, stampfte ein paar mal, als wollte sie auf sich aufmerksam machen und die Stimmung anderer Anwesender testen. Doch der Park schien menschenleer, und mich hatte sie nicht bemerkt, obwohl ich schon viel zu dicht hinter ihr war.
Ein Auto scherte in den Wirtschaftsweg von Stadt & Grün, beschleunigte,raste auf die Absperrung am Spielplatz zu. Drehte mit quietschenden Reifen ein. Eine Tür sprang auf. Ich sah sie einknicken, sie taumelte etwas, unentschlossen, in welche Richtung sie sich wenden sollte, versuchte mit der Hand ihre Augen abzuschirmen, doch die Sonne schien nicht.
„Stehenbleiben!“, brüllte ein dicklicher Mann in Anzug und Trenchcoat, versuchte mit den ausufernden Bewegungen eines Schlittschuhläufers Tempo zu machen, dabei fuchtelte er mit einem schwarzen Ding in der Luft. In mir zog sich etwas zusammen: ' Was war das hier!?' Der Impuls abzuhauen überkam mich. Ich steuerte nach links und rauschte in die Frau, die plötzlich richtig schnell ihren Rückzug angetreten hatte. Wir stürzten beide zu Boden. „Lassen sie mich los!“, schrie sie und schlug gegen meinen Arm, aber ich wollte ihr nur hoch helfen, versuchte Schwung zu holen, als eine Hand mich an der Schulter packte und irgendetwas in mein Ohr schrie. Ich mag Hände auf meinen Schultern nicht, wenn sie mich von hinten fassen, wenn ich diesen Atem hinter mir rieche. Unkontrolliert schlug ich mit dem Ellbogen nach hinten.
Ein Geräusch wie das Abreißen eines Hähnchenschenkels, da ließ einer los und fiel direkt hin, ich hörte es, ehe ich es sah, dann gurgelte er nur noch, der Fettknochen. An seinem Adamsapfel hatte es wohl plopp gemacht, eine Vertiefung so groß wie ein Golfball. Er riß an seinem Schlipsknoten, am Hemdkragen, aber grobmotorisch, er war nicht mehr in der Lage zuzufassen. Jemand drückte mich zur Seite, entwand dem Zappelnden die Pistole und versuchte, die Innentaschen der Anzugsjacke zu durchsuchen, was bei den rudernden Bewegungen unmöglich war.' Müssen wir nicht Hilfe holen', durchzuckte es mich. Ich hatte es laut gesagt, und hatte sie wieder im Blickfeld. Da hatte sie den Pistolengriff schon gegen seine Schläfe geschlagen. 1,2,3 mal, wie man einen Fisch erschlägt, bis Ruhe war.
Für einen Moment sah sie mich an: „Verzeih mir!“, in grauen Augen großgeschrieben, ein kurzer Moment des Bedauerns, dass ich sie auf diese Art kennenlernen musste.
Vielleicht auch nur ein Reflex, um mich in ihren Bann zu ziehen, für eine kurze Pause, die sie zum Überlegen brauchte.
Sie fand einen Umschlag im Jackett , riss ihn mit konzentrierten Bewegungen auf - Fotos, schwarz-weiß Fotos. Beim Eintüten hörte auch sie die Sirene, wurde fahrig, „verschwinde!“ brüllte sie mich an. Ich wandte ihr den Rücken zu, hielt die Luft an, spürte, wie meine rechte Ferse zitternd gegen den Boden schlug – für eine Ewigkeit – dann hörte ich sie weglaufen.
Panik schoss in meine Brust, fast unmöglich Luft zu kriegen. Das würde sich alles aufklären, ein Irrtum, er konnte bei den Ermittlungen selbstverständlich helfen. Jetzt: Tränen, er fiel auf die Knie, ein Foto war aus dem Umschlag gefallen, ein kleines Lachen zirpte in seinem Bauchfell, als er das Haus auf dem Foto sah, und das kleine Mädchen davor.
Er musste jetzt helfen, und das hieß so schnell wie möglich zu verschwinden.

amyx

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Re: Krimi-Geschichte

Beitragvon gargamel111 » 19.01.2014, 12:00

Hallo,
passt doch gut für den Sonntagmorgen, so ein Krimi. Da mach ich mich doch mal dran.

amyx hat geschrieben:Ich habe den groben Plan …

Hm, besser wäre natürlich, wenn der Plan nicht grob wäre, zumal Du ja schon angefangen hast zu schreiben.

amyx hat geschrieben:zu einer schnellen, wendungsreichen Geschichte mit Totschlag, Mord, Gewalt, Blut und natürlich Liebe.

Äh, ja, das ist vielleicht ein wenig zu viel auf einmal. Merkt man dann unten.

amyx hat geschrieben:Ich weiß nicht, ob Krimi so richtig passt, oder Kurzgeschichte? Wie lang darf eine Kurzgeschichte sein?

Na ja, zu lange sollte sie nicht sein. Außerdem hat sie auch sonst noch einige Merkmale, die sie eben als Kurzgeschichte ausweisen. Aber da es auch keine Vorgaben gibt, wie kurz ein Krimi sein darf, ist das eigentlich auch egal.

amyx hat geschrieben:Muss in einem Krimi immer der Ermittler die Hauptperson sein?

Nein, natürlich nicht. Auch das Opfer kann im Mittelpunkt stehen oder der Täter oder ein Zeuge.

Zum Text:

amyx hat geschrieben:Er hatte sie beim Aussteigen aus der Bahn bemerkt. Er war ein Stück zur Seite gegangen, um sie vorbeizulassen. Und sie hatte ihm ein kleines, wildes Lächeln geschenkt. Eins, dasman aufsetzt, um Beute zu machen.

Den Satz mit "Und" würde ich anhängen mit einem Komma, das er eine direkte Folge ist. "Was" hört sich komisch an.

amyx hat geschrieben: Ich war überrascht,

Ich auch, dass sich auf einmal die Erzählperspektive ändert.

amyx hat geschrieben:Bis ich ihr meinen Blick nachbefahl, hatte sie sich längst abgewendet und stiefelte durch das Bahnhofsfoyer nach draußen.Ich spürte Vanille-Duft in der Nase, konnte unmöglich von ihr sein, machte mich aber neugierig.

Hier ein Beispiel für die Unterschiedlichkeit der Sätze. Diese auslassen von Worten ist zudem gefährlich, weil die Kongruenz darunter leidet. In dem Fall wäre die Nase nicht von ihr. Und: Wenn der Duft nicht von ihr sein konnte, ihn aber neugierig machte, warum folgt er dann ihr und nicht derjenigen, von der der Duft kommt?

amyx hat geschrieben:Sie hielt den Kopf schräg über hängenden Schultern, machte jetzt kleinere, feste Schritte in den Park hinein, stampfte ein paar Mal, als wollte sie auf sich aufmerksam machen und die Stimmung anderer Anwesender testen.
Das Bild von hängenden Schultern und schrägem Kopf funktioniert irgendwie nicht bei mir.

amyx hat geschrieben:Doch der Park schien menschenleer, und mich hatte sie nicht bemerkt, obwohl ich schon viel zu dicht hinter ihr war.

Klingt nicht glaubhaft.

amyx hat geschrieben:. Eine Tür sprang auf. Ich sah sie einknicken, sie taumelte etwas, unentschlossen, in welche Richtung sie sich wenden sollte, versuchte mit der Hand ihre Augen abzuschirmen, doch die Sonne schien nicht.
Kongrueznz falsch, die Tür knickt nicht ein. Und das mit den Augen und der Sonne verstehe ich nicht.

amyx hat geschrieben:Ich steuerte nach links und rauschte in die Frau, die plötzlich richtig schnell ihren Rückzug angetreten hatte.

Klingt nicht glaubhaft.

amyx hat geschrieben:Wir stürzten beide zu Boden. „Lassen sie mich los!“,

Nein, das schrie sie sicher nicht. Sie ist auf der Flucht. Sie ist in Panik, weil sie ein Mensch mit einer Waffe verfolgt. Und sie ist so unkoordiniert, dass sie in den Trottel rennt, der ihr da nachgestalkt ist. Da hat sie keine Zeit für einen kompletten Satz.

amyx hat geschrieben:schrie sie und schlug gegen meinen Arm, aber ich wollte ihr nur hoch helfen, versuchte Schwung zu holen, als eine Hand mich an der Schulter packte und irgendetwas in mein Ohr schrie.
Das ist so ein Beispiel für einen schier endlosen Satz mit drei Handelnden und insgesamt sechs Handlungen.

amyx hat geschrieben:Ein Geräusch wie das Abreißen eines Hähnchenschenkels, da ließ einer los und fiel direkt hin, ich hörte es, ehe ich es sah, dann gurgelte er nur noch, der Fettknochen.
Und gleich noch einer. "Ich hörte es, ehe ich es sah", versteh ich nicht.

amyx hat geschrieben:Ich hatte es laut gesagt und hatte sie wieder im Blickfeld.
Kein Komma

amyx hat geschrieben:Da hatte sie den Pistolengriff schon gegen seine Schläfe geschlagen. 1, 2, 3 Mal, wie man einen Fisch erschlägt bis Ruhe war.
Noch ein Komma zu viel, dafür Blanks zu wenig bei den Zahlen.

amyx hat geschrieben:Für einen Moment sah sie mich an: „Verzeih mir!“,
Auch das sagt sie sicher nicht. Das sagt man zu jemanden, den man gut kennt.

amyx hat geschrieben:Sie fand einen Umschlag im Jackett , riss ihn mit konzentrierten Bewegungen auf - Fotos, Schwarz-weiß-Fotos.


amyx hat geschrieben:Beim Eintüten hörte auch sie die Sirene, wurde fahrig, „Verschwinde!“ brüllte sie mich an.


amyx hat geschrieben: ... spürte, wie meine rechte Ferse zitternd gegen den Boden schlug – für eine Ewigkeit –
Das ist mir zu poetisch, passt nicht in die Situation.

amyx hat geschrieben: Panik schoss in meine Brust, fast unmöglich Luft zu kriegen. Das würde sich alles aufklären, ein Irrtum, er konnte bei den Ermittlungen selbstverständlich helfen.

Wer konnte bei den Ermittlungen helfen? Der Irrtum?

amyx hat geschrieben:Jetzt: Tränen, er fiel auf die Knie, ein Foto war aus dem Umschlag gefallen, ein kleines Lachen zirpte in seinem Bauchfell, als er das Haus auf dem Foto sah und das kleine Mädchen davor. Er musste jetzt helfen, und das hieß, so schnell wie möglich zu verschwinden.
Das "jetzt" verstehe ich nicht. Wo und wann ist dieses "jetzt"? Und dann kommt das "jetzt" gleich einmal beim "helfen". Ein Foto war aus dem Umschlag gefallen - aber das kann er gar nicht erkennen, denn da rennt er schon. Außerdem ein Komme zu viel, eines zu wenig.

Insgesamt ist die Geschichte sehr schnell erzählt, an manchen Stellen vielleicht zu schnell. Da kommt der Leser nicht mit, weil Informationen fehlen. Was mir noch auffällt, dass der Aufbau der Sätze und die Länge schwanken. Mal kurz, stakkato, mal lang mit vielen Nebensätzen, leseunfreundlich. Das passt nicht zusammen.

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Re: Krimi-Geschichte

Beitragvon Feindesland » 19.01.2014, 16:10

Er hatte sie beim Aussteigen aus der Bahn bemerkt. Er war ein Stück zur Seite gegangen, um sie vorbeizulassen.

Zweimal "Er" nacheinander. Da würde ich ein "und" reinsetzen um daraus einen Satz zu basteln.

Und sie hatte ihm ein kleines, wildes Lächeln geschenkt. Eins, was man aufsetzt, um Beute zu machen.

Schön.

Ich war überrascht, zögerte einen Moment zu lange.

Jetzt bin ich auch überrascht. Warum der Sprung zum Ich-Erzähler? Das ist verwirrend.

nachbefahl

Ungewöhnlich. Aber nicht schlecht.

Ich fing an zu traben, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Über den Bahnhofsvorplatz hinweg, wo sich ein kleiner Park anschloss.

Ich weiß was du sagen willst. Aber die Sätze ergeben grammatikalisch keinen Sinn.

ausufernden Bewegungen eines Schlittschuhläufers Tempo zu machen

Das Bild finde ich gelungen.

Ein Geräusch wie das Abreißen eines Hähnchenschenkels

Schönes Bild.

1,2,3 mal, wie man einen Fisch erschlägt, bis Ruhe war.

Auch schön.

Das würde sich alles aufklären, ein Irrtum, er konnte bei den Ermittlungen selbstverständlich helfen. Jetzt: Tränen, er fiel auf die Knie, ein Foto war aus dem Umschlag gefallen, ein kleines Lachen zirpte in seinem Bauchfell, als er das Haus auf dem Foto sah, und das kleine Mädchen davor.
Er musste jetzt helfen, und das hieß so schnell wie möglich zu verschwinden.

Warum jetzt wieder 3. Person? Verstehe ich nicht.

Fazit: Ich finde das insgesamt noch unrund. Besonders die Wechsel der Erzählperspektive geben mir Rätsel auf.
Allerdings finde ich deine Bilder ziemlich gut. Ich denke da ist Talent zu erkennen. Aber wie gesagt noch unrund. Auch die Grammatik einiger Sätze ergibt für mich keinen Sinn. Du solltest am Ball bleiben.
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Re: Krimi-Geschichte

Beitragvon amyx » 22.01.2014, 22:08

Hallo gargamel111,
du hast die dir die Mühe gemacht meinen Text unter die Lupe zu nehmen, dafür erst mal Dank!
Ich denke, die meisten Kritikpunkte sind zutreffend. Ich habe den Fehler gemacht, eine Geschichte, die schnell und wendungsreich sein sollte, nicht nur schnell zu erzählen, sondern auch schnell zu schreiben.Dadurch wirkt Vieles wie aus der Hüfte geschossen, trifft nicht richtig den Punkt und ist nicht zu Ende gedacht.
Ich gehe jetzt nicht im einzelnen auf deine Kritikpunkte ein, sondern stelle demnächst eine überarbeitete Fassung in's Netz.
Das ist ja das Schöne an der SWS, dass man mehrere Versuche hat.
amyx

P.S.: Ich glaube, ich habe die Antwort nicht richtig unter deinem Beitrag positioniert, weiß nicht genau wie?
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Re: Krimi-Geschichte

Beitragvon CraX » 30.01.2014, 14:03

Hallo amyx,

Er hatte sie beim Aussteigen aus der Bahn bemerkt.

Wer ist ausgestiegen? Er? Sie? Es wird zwar gleich geklärt, sollte aber denke ich schon hier klar sein.

Und sie hatte ihm ein kleines, wildes Lächeln geschenkt. Eins, was man aufsetzt, um Beute zu machen.

Der erste Satz gefällt mir, der zweite nicht, er ist mir zu abgedroschen.

Im zweiten Absatz würde ich noch erklären, warum er es vorzieht, einer Unbekannten zu folgen und offenbar damit seinen Zug verpasst.

Auch die Frau würde ich mehr als durch ihre seltsame Art zu Stiefeln und Stampfen (und einem Duft, der einer ganz anderen gehört) beschreiben.


Ein Auto scherte in den Wirtschaftsweg von Stadt & Grün, beschleunigte,(Leerzeichen) und raste auf die Absperrung am Spielplatz zu.


Drehte mit quietschenden Reifen ein.

Gibt es so eine Beschreibung? Hört sich sehr seltsam an. Ich würde den Satz mit dem nächsten verbinden:
Die Reifen quietschten, der Wagen drehte sich und eine Tür sprang auf, noch bevor der Wagen zum stehen gekommen war.

Ich sah sie einknicken, sie taumelte etwas

Wenn jemand einknickt, sehe ich ihn im nächsten Moment am Boden. Also erst taumeln, dann einknicken, für mein Verständnis. Und warum taumelt sie eigentlich?

versuchte mit der Hand ihre Augen abzuschirmen, doch die Sonne schien nicht.

Unglücklich formuliert.
... als ob sie von der Sonne geblendet wurde.

Ich steuerte nach links und rauschte in die Frau, die plötzlich richtig schnell ihren Rückzug angetreten hatte.

Das ist etwas seltsam, dass er mit der Frau zusammenstößt, wenn er weglaufen will. Vorschlag. Er bleibt einen Moment noch so stehen und: Doch in diesem Moment hatte die Frau beschlossen, einen raschen Rückzug anzutreten und rauschte in mich hinein.

ich wollte ihr nur hoch helfen

Ne. Eigentlich wollte er gerade abhauen.

versuchte Schwung zu holen

zu welchem Zweck?

Ich mag Hände auf meinen Schultern nicht, wenn sie mich von hinten fassen, wenn ich diesen Atem hinter mir rieche.

Kann er im Freien bei dieser Action noch den Atem registrieren? Selbst wenn, dann geht es doch ein bisschen schöner:
... vor allem, wenn sie von solch einem (schlechten) Atem begleitet wurden.

Ein Geräusch wie das Abreißen eines Hähnchenschenkels, da ließ einer los und fiel direkt hin, ich hörte es, ehe ich es sah, dann gurgelte er nur noch, der Fettknochen.

Alles irgendwie schlampig formuliert.
„Das ließ einer los“ klingt so, als hätten ihn da mehrere gepackt?
„fiel direkt hin“ Was meinst du mit „direkt“?
... dann gurgelte der Fettknochen nur noch“, klingt ein bisschen besser. Beim letzteren werden bereits Unsympathie-Kundgebungen geäußert, obwohl der Erzähler überhaupt noch nicht weiß, was los ist.

Der ganze restliche Text purzelt weiter in diesem unausgereiften Stil vor sich her, dass ich eigentlich überall Vorschläge machen könnte und das wird mir jetzt ein bisschen zu viel.
Nur noch kurz:

plopp gemacht

Comicsprache würde ich vermeiden, wenn’s etwas ernsthaftes werden soll.

1,2,3 mal, wie man einen Fisch erschlägt,

Ich denke, solche Zahlen schreibt man aus - und dann siehst du vielleicht, warum es nicht so schön formuliert ist.

Jetzt: Tränen, er fiel auf die Knie, ein Foto war aus dem Umschlag gefallen, ein kleines Lachen zirpte in seinem Bauchfell, als er das Haus auf dem Foto sah, und das kleine Mädchen davor.
Er musste jetzt helfen, und das hieß so schnell wie möglich zu verschwinden.

Den letzte Teil verstehe ich überhaupt nicht mehr. Heult der Typ jetzt und warum. Ein zirpendes Lachen im Bauchfell? Und wieso muss er jetzt wem helfen? Und das alles nur, weil ihm eine unbekannte Frau beim Aus- oder Einsteigen ein zweideutiges Lächeln geschenkt hat?

Ein bisschen mehr auf Kommas und auch Leerzeichen achten.
Lieber auch Mal ein paar Tagen liegen lassen und selber noch Mal drüber schauen, bevor du es reinstellst.
Alles in allem in meinen Augen ein noch sehr unausgegorener Stil. Ich hoffe, du bist jetzt nicht böse. :?
Die wahren Abenteuer sind im Kopf und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.
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Re: Krimi-Geschichte

Beitragvon amyx » 30.01.2014, 17:35

Lieber CraX,
ich bin nicht böse über deine Kritik. Freue mich über jeden, der sich die Zeit nimmt, meine Krimigeschichte zu reflektieren.
Ich muss mich wiederholen: mit vielen Punkten deiner Kritik bin ich einverstanden, ich habe die Geschichte durch Schnellschreiben schnell machen wollen. Das ist mißglückt.
Aber, ich muss einen Stil für die Geschichte finden und etwas schnoddrig und comic-mäßig soll die Sprache schon klingen.
Ich gehe jetzt deine Kritik nicht Punkt für Punkt durch, da ich die Zeit nicht dafür finde. Ich werde demnächst eine überarbeitete Version in's Forum stellen.
Allerdings steigt durch die Vielzahl der Kritiken auch mein Anspruch, es besser zu machen! Hoffe, das blockiert mich nicht.

Glück auf!

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Re: Krimi-Geschichte

Beitragvon amyx » 30.01.2014, 17:50

Hallo Feindesland,
ich bin mit den Mechanismen des Forums noch nicht vertraut. Weiß also auch nicht, wie ich einen Kommentar an deine Kritik anschließe, wenn schon eine weitere Rezension darunter steht. Ich versuch's mit "Antwort erstellen" und hoffe, es erreicht dich.
Kritik habe ich reichlich bekommen, allerdings meist zu recht. Schön fand ich, dass du auch Positives hervorgehoben hast. Das macht mir Mut, es weiter zu versuchen.
Bitte nicht ärgern, wenn ich deine Kritik nicht Punkt für Punkt durchgehe, die Zeit reicht momentan nicht.
Ich werde demnächst eine überarbeitete Fassung ins Netz stellen, in der ich die Verbesserunsvorschläge einarbeiten möchte.

Vielen Dank

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Re: Krimi-Geschichte

Beitragvon Maleus » 11.03.2014, 10:30

Hallo amix,

es gibt keine verbindliche Festlegung zur Länge einer Kurzgeschichte. Als Daumenwert könnte man sich an max. 50 Seiten orientieren. Unverbindlich, aber irgendwo dort könnte eine Kurzgeschichte als Erzählung empfunden werden. Hängt aber auch von Inhalt und Gestaltung ab.

Damit kommen wir zu den wichtigsten Schlagwörtern. Inhalt und Gestaltung. Zu beiden gibt es gewisse Anforderungen, die sich in deiner Geschichte nicht erfüllt finden.

in einem Satz zusammengefasst versteht man unter einer Kurzgeschichte grundsätzlich den fokussierten Ausschnitt aus etwas Größerem. Stellt man sich als Ausgangsbasis eine Geschichte von vielleicht 450 Seiten vor, so könnte die Kurzgeschichte einen Tag oder auch nur eine Stunde aus dieser Geschichte beleuchten. Z. B. aus Sicht einer Figur, der in der eigentlichen Geschichte keine große Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Dieser Ausschnitt sollte jedoch erzählenswert sein; eine Voraussetzung, die entweder vom Ereignis selbst oder durch die Umsetzung erfüllt werden kann.

Was veranlasste den Autor zum erzählen des im Mittelpunkt stehenden Ereignisses? Was wollte er vermitteln? War es witzig, tragisch, unerwartet? Antworten, die deine Geschichte schuldig blieb. Die nächste unerfüllte Anforderung ist der fehlende Mittelpunkt. Es gibt keine fassbare Figur. Es gibt nur „ich, den dicken Mann im Trenchcoat, usw. Kein Name, kein Bild und auch sonst kein Hinweis auf einen tragenden Charakter. Deine Gesichte bietet nur die Wiedergabe einer konfusen Handlung an einem charakterlosen Ort.

Eine schwierige Anforderung an die Kurzgeschichte besteht darin, den Lesern mit wenigen Worten ein möglichst präzises Bild von der Figur, Ort der Handlung und der gewollten Aussage zu ermöglichen. Davon fand ich in deinen Zeilen nichts. Die Kurzgeschichte muss zwar nicht alle der üblichen sechs Fragen beantworten, aber doch schon so viel, dass der Leser im Idealfall mit der Möglichkeit aus der Geschichte entlassen wird, über die geschilderten Ereignisse hinaus zu denken. Und weil die Kurzgeschichte nicht viel Raum für ausufernde Beschreibungen bietet, wird sie gewöhnlich aus größerer Distanz erzählt – aber doch nahe genug, um den Fixpunkt klar zu vermitteln. Die Figur und dem tragenden Ereignis oder Umstand, der dir erzählenswert erschien. Wenn ich schrieb, dass die Kurzgeschichte keinen Raum für ausufernde Beschreibungen bietet, dann beinhaltet das auch detaillierte Einzelhandlungen, es sei denn, sie wären das tragende Element. Doch das konnte ich hier nicht erkennen. Im Idealfall entlässt die Kurzgeschichte den Leser mit der Möglichkeit über das Erzählte hinaus zu denken. Der strukturelle Aufbau entspricht dem Standard des Romans, nur halt deutlich weniger ausführlich, aber mit ausreichend vermitteltem Fixpunkt (einer greifbaren Figur) und einer nachvollziehbaren Aussage – welche mit der Antwort auf einen Teil der üblicher Weise zu beantwortenden Fragen übereinstimmt. Aus all diesen Gründen machte es keinen Sinn, auf Details wie Formulierungen usw. einzugehen. Durch sie allein wird die Geschichte handwerklich nicht an Charakter gewinnen.

Es grüßt Maleus
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Re: Krimi-Geschichte

Beitragvon Disiro » 14.08.2014, 19:42

Hallo amyx
Eine Kurzgeschichte hat keinen Richtwert, sollte aber meiner Meinung nach nicht länger als zweieinhalb Buchseiten lang sein. Und in einer Kurzgeschichte Totschlag, Mord, Gewalt, Blut UND Liebe unterzubringen und sie mit den gegebenen Faktoren flüssig und aufschlussreich aufzubauen, ist ein bisschen viel verlangt.
Leider muss ich sagen, dass man zumindest hier im ersten Teil das "Grobe" in deinem Plan bemerkt hat.

Er hatte sie beim Aussteigen aus der Bahn bemerkt. Er war ein Stück zur Seite gegangen, um sie vorbeizulassen. Und sie hatte ihm ein kleines, wildes Lächeln geschenkt. Eins, was man aufsetzt, um Beute zu machen.


Satzbau ein wenig seltsam, denn am Ende vom zweiten Satz müsste eher ein Komma stehen, wenn ein "und" folgen soll. "Er hatte sie beim Aussteigen aus der Bahn bemerkt. Er war ein Stück zur Seite gegangen, um sie vorbeizulassen. Dafür hatte sie ihm ein kleines, wildes Lächeln geschenkt." würde so meiner Meinung nach besser passen.

Ich war überrascht,


Wie bereits meine Vorredner gesagt haben, mit dem Wechseln der Erzählperspektive sorgst du für unnötige Verwirrung. Mag schon sein dass das manche Autoren gerne anwenden, aber für mich persönlich ist es eine Gratwanderung.

Ich spürte Vanille-Duft in der Nase, konnte unmöglich von ihr sein, machte mich aber neugierig.


Abgehackter Satz, liest sich nicht gut...und, Ich "spürte" einen Duft in der Nase? Gegenvorschlag: "Ich nahm einen Vanille-Duft wahr, der aber unmöglich von ihr sein konnte. Dennoch machte er mich neugierig."

Ich fing an zu traben, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Über den Bahnhofsvorplatz hinweg, wo sich ein kleiner Park anschloss.


Wieder ein etwas komischer Satzbau. Vorschlag: "Ich fing an zu traben, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Sie ging über den Bahnhofsplatz hinweg, direkt in den kleinen, angrenzenden Park."

und mich hatte sie nicht bemerkt, obwohl ich schon viel zu dicht hinter ihr war.


Dann muss sie aber wirklich tief in Gedanken versunken und in Eile sein, um nicht zu merken das er "viel zu dicht" hinter ihr war.

Ein Auto scherte in den Wirtschaftsweg von Stadt & Grün, beschleunigte,raste auf die Absperrung am Spielplatz zu. Drehte mit quietschenden Reifen ein. Eine Tür sprang auf. Ich sah sie einknicken, sie taumelte etwas, unentschlossen, in welche Richtung sie sich wenden sollte, versuchte mit der Hand ihre Augen abzuschirmen, doch die Sonne schien nicht.


Musste es dreimal lesen, um mir die Szene vorstellen zu können. Allerdings sollte das "Drehte mit quietschenden Reifen ein." hinter einem Komma stehen.

„Stehenbleiben!“, brüllte ein dicklicher Mann in Anzug und Trenchcoat, versuchte mit den ausufernden Bewegungen eines Schlittschuhläufers Tempo zu machen, dabei fuchtelte er mit einem schwarzen Ding in der Luft. In mir zog sich etwas zusammen: ' Was war das hier!?' Der Impuls abzuhauen überkam mich.


Diese Szene gefällt mir gut!

und rauschte in die Frau, die plötzlich richtig schnell ihren Rückzug angetreten hatte. Wir stürzten beide zu Boden. „Lassen sie mich los!“, schrie sie und schlug gegen meinen Arm, aber ich wollte ihr nur hoch helfen, versuchte Schwung zu holen, als eine Hand mich an der Schulter packte und irgendetwas in mein Ohr schrie.


Hier hast du den Leser auch "richtig schnell" verwirrt. Er rauscht in die Frau, aber er reißt sie ja nicht vorsätzlich zu Boden, geschweige denn das er sie festhält, wieso ruft sie dann er soll sie loslassen?


Alles in Allem wirkt der Text überhastet geschrieben, Satzzusammenhänge muss man sich teilweise aus dem Hut zaubern um es zu verstehen, und grammatikalisch ist es stellenweise auch sehr fragwürdig.
Einfach nochmal in Ruhe hinsetzen, überarbeiten. Und du musst dir immer vor Augen halten, dass du, als Autor der Geschichte, zwar schon den nächsten und übernächsten Schritt weißt, der Leser aber nicht. Für einen ersten Teil ist hier viel zu viel Information drin die den Leser sehr verwirrt.
Hoffe du bist mir nicht böse.

LG, Disiro
Zufälle existieren nicht. Immer wenn wir Menschen uns etwas nicht erklären können, bringen wir den Zufall ins Spiel und sind somit aus dem Schneider.
(Sabine Thiesler, "Der Kindersammler")
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