Kritik ertragen - Fällt es dir auch schwer?

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Kritik ertragen - Fällt es dir auch schwer?

 
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Kritik ertragen - Fällt es dir auch schwer?

Wie gehst du mit Kritik um?
Fällt es dir auch manchmal schwer sie anzunehmen?

von Jacky

 
Ich halte es mit Christian Morgenstern, der gesagt hat: "Für mich gibt es nur ein Mittel, um die Achtung vor mir selbst nicht einzubüßen: fortwährende Kritik."

In der Anfangszeit meiner Schreiberei habe ich teilweise vernichtende Kritik eingefahren; zum Großteil zu recht. Kein Wunder, versuchte ich mich doch im zarten Jünglingsalter (lang, lang ist's her ...) gleich an einer Allegorie der Wahrheit und Vergleichbarem. Wie überfordert ich mit solchen Themen war, brauche ich nicht extra zu sagen. Aus heutiger Sicht habe ich damals ohne es zu wissen die Herausforderung gesucht und meine Grenzen ausgelotet. Das finde ich gut, wenn man am Anfang steht. Oh, da fällt mir auf, heute mache ich im Grunde noch immer dasselbe ...

Ich habe mich stets bemüht, über alles vorurteilslos nachzudenken, vor allem das Persönliche auszuklammern, stattdessen das Sachliche voran und so das Beste daraus zu machen. Insofern möchte ich behaupten: Unter dem Strich hat mich all das stärker gemacht und meine Arbeiten professioneller.

Aus meiner langjährigen Erfahrung mit unterschiedlichster Kritik möchte ich zur Diskussion stellen, wie einfach das alles in Wirklichkeit ist:

1. "Positive" Kritik. Warum ist sie positiv? Weil sie mir schmeichelt? Wenn mir meine Oma in Unterpremstätten sagt, wie sehr ihr doch mein neueste Geschichte gefallen hat, klingeln bei mir die Alarmglocken. Sie liebt nur edelkitschiges Gesülze.

Es ist schlecht, wenn mir der falsche Mensch sagt, dass etwas gut gelaufen ist.

2. "Negative" Kritik. Warum ist sie negativ? Weil ich mich von der verletzlichen Seite gezeigt habe? Weil ich mich erwischt fühle? Weil es eben immer und überall "menschelt", also auch bei mir? Weil es was zu korrigieren (schlicht und einfach Arbeit) gibt? Weil sich mein innerer Schweinehund zuwenig gestreichelt fühlt?

Es ist gut, wenn mir der richtige Mensch sagt, dass etwas schlecht gelaufen ist.

3. "Schweigende" Kritik. Wir kennen sicher den Spruch: Man kann nicht nicht kommunizieren. Warum halten die die Klappe, die die Klappe halten ...?

Diese Form ist die übelste aller Kritiken, denn sie gibt uns rein gar nichts Brauchbares in die Hand.

Vernichtende Kritiken, als Gegenpol zu der "konstruktiven Kritik" des "geneigten" Lesers gibt es so sicher wie das Amen im Gebet. Nur: Sie wird nicht ausdrücklich artikuliert sondern findet sich vielmehr in der Reihe derer, die sich zu unseren Arbeiten gar nicht äußern. Auf einen, der uns sagt: "Vergiss den Scheiß!" kommen mindestens fünf, die uns jovial und unverbindlich auf die Schulter klopfen. Es ist ja auch viel angenehmer, jemandem etwas "Nettes" sagen zu dürfen. Und für uns Schreiberlinge ist es auch erquicklicher, ein paar Blumen in Empfang nehmen zu dürfen. Ist doch die ganze Welt eh so rau! Geht sogar mir so.

Ich habe bei meinem Roman "Ein Hund tritt in den Saal" mit 7 Betalesern gearbeitet, wobei ich darauf achtete, dass der soziale Hintergrund und das Bildungsniveau möglichst unterschiedlich waren. Ich bin gar nicht daran interessiert, bevorzugt Rückmeldungen von "geneigten" Kritikern zu erhalten, die sind sowieso in der Minderheit.

Für mich ist es interessanter zu erfahren, warum der nicht geneigte Kritiker nicht geneigt ist. Wie immer geht es um die Gründe. Bevorzugt die Rückmeldungen von Leuten einzuholen, die uns mit Samthandschuhen anfassen, ist nicht mein Weg. Ich bin ein Mann und nicht Direktor eines Streichelzoos. Ein literarisches Werk in die Welt zu entlassen heißt letzten Endes auch, sich damit abzufinden, dass man nicht alle Menschen glücklich machen kann. Also suche ich gar nicht mehr den Konens , dem alle zustimmen, denn den gibt es nicht.


zorro

von zorro

 
Hi!

Also ich kann negative Kritik eigentlich gut ertragen und versuche daraus immer etwas für mich heraus zu ziehen. Wovon ich lernen kann - was ich besser machen kann usw.

Wobei ich da auch unterscheide. Kritik mit Begründung und Vorschlägen, wie man es anders/besser machen kann, finde ich sehr wichtig und nützlich. Nur daraus lernt man.
Kritik ohne jegliche Begründung ist für mich belanglos. Damit kann ich nichts anfangen. :roll:

Seltsamer geht mir Kritik nicht so nahe, wie wenn ich andere Geschichten, Fanfiktion usw. lese.
Und dort immer wieder staune, wie fantastisch diese Autoren ihren Ideen auf Blattpapier bringen! So fesselnd und der Schreibstiel einfach umwerfend. :shock: Das ich jedes Wort aufsauge und bestimmte Formulierungen anhimmele. Bild
Da schwebe ich immer in Bewunderung und Trübsinnigkeit.

Weil ich dann, nachdem ich wieder so wunderbare Texte gelesen habe, meinen erstmal paar Tage nicht ansehen mag. So schlecht ist dieser, im vergleich zu den anderen. Das macht mich mehr fertig als Kritik.
Ich denke dann immer – „Das wirst du nie so schaffen. An diese kommst du nie heran. Vergiss es einfach!“ :?

Naja dann brauche ich wieder Zeit, um diesen perfekten Schreibstiel zu vergessen, um mich erneut an meinen heranzuwagen. Vor allem kostet es Kraft, dann die Stimme in mir zum Schweigen zu bringen. Die mir zuflüstert – „du bist Sprachlich unbegabt“ - und sie hat leider recht.

Trotzt allen kann ich meine Finger nicht davon lassen, immer wieder andere Geschichten zu lesen. Dessen Wörter bei mir Höhenflüge versuchen, so genial sind diese. Ich liebe einfach diesen „besonderen - angehobenen“ Sprachgebrauch. Bild

Wer praktische Tipps hat zum erlernen solcher Ausdrucksweise/Sprache –immer her damit!
Theoretisch habe ich es einigermaßen begriffen, nur an der Umsetzung hapert es gewaltig! :evil:

Danke

Gruß

Saphir

von Saphir

 
Hm, ich versuche, das für mich eher in konstruktive und destruktive Kritik aufzuteilen.

Konstruktive Kritik, egal ob positiv oder negativ für mich, kann mir weiterhelfen, damit ich es beim nächsten Mal besser mache. Daraus kann ich lernen. Von daher beiße ich dann, wenn die negative konstruktive Kritik mal weh tut, die Zähne zusammen, schaue mir genau an, wieso derjenige es so sieht, und versuche es nachzuvollziehen, die Argumente zu verstehen und dann evt. dementsprechend zu verbessern. Bei konstruktiver Kritik gibt es somit auch nachvollziehbare Argumente, es wird nichts aus der Luft gegriffen, sondern anhand des Textes und evtl. Beispielen erläutert, was man meint. Die konstruktive Kritik hebt nicht nur Fehler hervor, sondern zeigt auch auf, was gut gelungen ist, um demjenigen, der kritisiert wird, Mut zu machen.

Die destruktive Kritik hingegen ist nur negativ. Im Grunde macht sie einfach nur alles schlecht, ohne Rücksicht auf Verluste, wie man so sagt. Sie hilft nicht, Fehler wirklich zu erkennen, sondern zieht über alles her, hebt nur schlechtes hervor, ohne unbedingt aufzuzeigen, wieso es schlecht ist. Sie ist zerstörerisch, und derjenige, der sie benutzt, will genau das, einfach nur zerstören.
Es gibt teilweise keine nachvollziehbaren Argumente, denn man will ja gar nicht, daß etwas verbessert wird, man will nur schlecht machen, evtl. seinen eigenen Frust an anderen auslassen.

Bisher habe ich hier keine ausgesprochen bösartige destruktive Kritik gelesen, und ich hoffe, daß das auch nie der Fall sein wird.

Gruß Feuergold ;-)

von Feuergold

 
Liebe/r/s Saphir,

solange Du Dich am Schreiben Anderer berauschst, wirst Du immer ein Problem haben.

Ich hatte einen Schulfreund, der ein wirklich guter Zeichner war. Was habe ich mir dessen Talent gewünscht! Als sich der eines Tages in einem florentinischen Museum die Originalzeichnungen von da Vinci und Michelangelo angesehen hat, fasste er den Beschluss, nicht mehr zu zeichnen. Begründung: So gut wird er nie sein und Mist gibt es sowieso genug. Kommt Dir das bekannt vor ...?

Umsonst argumentierte ich dagegen. Habe ich vielleicht aufgehört zu schreiben, nur weil ich mich mit Goethe und Shakespeare nicht vergleichen kann? Nein, es kümmert mich nicht. Ich wollte nie so werden wie Shakespeare oder Goethe, ich wollte immer nur so werden, wie ich, zorro, bin.

Also mach vielleicht eine Übung: Such Dir einen echt guten Satz aus Deinem Fundus, schreib ihn auf einen Zettel, den du in Augenhöhe auf die Tür Deines Zimmers klebst. Den himmelst Du dann an, möglichst regelmäßig, jeden Tag dreimal. Bevor Du Dich vom Zettel abwendest, sage: "Ich kann auch was, ich bin auch wer. Meine Geschichten / Gedichte haben eine Berechtigung, da zu sein."

Denn nur so ist es.

tschüss


zorro

von zorro

 
Ich persönlich hatte lange Zeit Probleme mit Kritiken an meinen Arbeiten, ich würde auch nicht sagen, dass das wirklich aufgehört hat. Aber so soll es schließlich sein, jemand, der die Angst nicht kennt, kann nie mutig sein und jemand, dem Kritik nicht weh tut, wie will er sagen können, welche Kritik gerechtfertigt ist und welche nicht? Oder gar andere Leute kritisieren?

Ich finde, Kritik soll weh tun, dazu ist sie da, aber sie sollte nicht verletzen. Zu etwas, das mir nicht gefällt, gehört immer auch etwas, das mir gefällt (es gibt immer was, außer bei den Teletubbies :evil: ). Hart zu sein, ist manchmal notwendig, sowohl als Kritiker, als auch als Kritisierter, aber wer immer hart sein muss, vergisst schnell, wie es war, sich einfach nur über einen Text zu freuen.

Die Werke von anderen Dichtern und Geschichtenerzählern erfüllen uns nur allzu oft mit Neid. Aber warum auch nicht, das ist das selbe Spiel zu anderer Musik. Ich würde jedem Autoren misstrauen, der nicht neidisch auf den Autor eines guten Buches ist, das er selbst nicht geschirieben hat.
Aber ich würde auch jeden Autoren bemitleiden, der sich davon blenden lässt.

Wie oft habe ich schon gewünscht, so schreiben zu können, wie manche der Autoren, von denen ich hier lese. Und wie blau vor Neid bin ich geworden, wenn ich wieder eine gelungene Geschichte, oder ein Gedicht gelesen habe, das so ähnlich, aber eben besser ist, als meine eigenen zögerlichen Versuche.

Ich werde meinen Neid nicht verleugnen, das ist nicht notwendig. Denn schon recht schnell, nachdem ich ihn mir eingestanden hate, bemerkte ich, dass er nicht alleine kam, sondern mehr und mehr von dem Gefühl aufrichtiger Freude für den Autor begleitet, dem diese Geschichte schließlich auch nicht fertig aus der Feder gesprungen ist.

Und solange ich noch Neid, Eifersucht, ohnmächtige Wut und ausufernde Freude gleichzeitig empfinden kann, weiß ich, dass ich noch ein Mensch bin :wink: .
Da muss man einfach seinen persönlichen Mittelweg finden, schätze ich. Außer gegen die Teletubbies, die gehören alle, alle ausgerottet :evil: :wink: .
Liebe Grüße
Jorenn

von Jorenn

 
Ich vertrete dabei im Endeffekt meinen Ansatz aus der Softwareentwicklung.
"Es ist eh alles falsch und es ist eh alles schlecht."
Sobald man das akzeptieren kann, ist man einen guten Schritt weiter, denn dann lautet das Ziel nicht mehr, gut zu sein, sondern vielmehr die Fehler und die Ekeligkeiten, die man kennt, soweit weg zu schieben, dass man entweder nicht mehr weiss, wo es falsch/schlecht ist oder aber weiss, dass man es nicht mehr so einfach weiter wegschieben kann.

Damit wird dann auch destruktive Krtiik wesentlich ertraeglicher. "Das ist eh alles doof" "Ja und? das wusste ich vorher schon?".

Auf der anderen Seite muss man auch immer sehen, dass jeder Kritiker sich fuer das Werk interresiert, insbesondere interresiert er sich mehr, je genauer er sich das ganze anguckt. Wenn also das eigene Werk von mehreren Kritikern vollstaendig aueinandergerissen wird, ist das nur gut, da sich dann Leute dafuer interresieren. Deseweiteren hat man dann wieder Ansaetze, wo man Mist verschieben kann. :)


Zum dritten hat man mit diesem Ansatz das "Problem", dass man diese freundlichen Leute nicht mehr so gut ertragen kann. "Hey, das ist alles toll hier!" - "Wie? alles toll? Das geht doch gar nicht!" - "Doch, ich kann mir nichts weiter vorstellen" - "Ja, aber .... *confused*" ;)

MfG,
Bubble

von Bubblefish

 
Hallo!

Die Werke von anderen Dichtern und Geschichtenerzählern erfüllen uns nur allzu oft mit Neid.


Oh ja, das kenne ich nur zu gut. Manchmal verzweifle ich richtig gehend und denke mir, dass ich sowieso nie etwas halbwegs gutes zustande bekommen werde.
Gleichzeitig, wenn es mich nicht gerade in meinen dunklen Stunden erwischt, sind andere Werke für mich aber auch immer ein Ansporn, es zumindest zu versuchen.

Und was die Kritik betrifft: Ich bin ehrlich gesagt immer sehr dankbar, wenn dann Kritik kommt. Mir ist es auch lieber, wenn direkt gesagt wird, was Sache ist, auch auf die Gefahr hin, dass es weht tut, als wenn so um den heißen brei herumgeredet wird.
Ich kann mit Direktheit einfach viel mehr anfangen und bin dann auch sehr froh, weil ich Kritik als Chance begreife. Ich selbst kann ja unmöglich die Fehler in meinem Text sehen, schließlich kann ich da ja unmöglich objektiv herangehen. Und deshalb mag ich es, wenn ich andere darauf aufmerksam machen.

Und obwohl es natürlich schön ist, wenn andere das, was ich fabriziert habe, toll fanden, möchte ich immer noch die Kritik hören und seien es auch nur Kleinigkeiten (und seien es Kommafehler). Deshalb tendiere ich vielleicht auch ein bisschen dazu, mit Rechtschreibung und Kommas anzukommen. :oops:

Früher war es so, dass ich noch Probleme mit Kritik hatte. Ich kann auch nicht behaupten, dass ich auch jetzt alle Kritik umarmen möchte :D , aber Kritik anzunehmen fällt mir schon viel leichter und ich hoffe sehr, dass ich sie mittlerweile auch besser umsetzen kann.

lg
Larael

von Larael

Re: Kritik ertragen - Fällt es dir auch schwer?

 
Endlich der Blog, den ich gesucht habe!

Ich bin neu hier, habe aber schon Erfahrung auf anderen Seiten, die sich mit Schreiben beschäftigen, gesammelt. Dort habe ich bereits fleißig veröffentlicht und kommentiert und bin natürlich ebenfalls kommentiert worden.

Mit konstruktiver Kritik komme ich ganz gut zurecht, besonders wenn sie berechtigt ist. Auch wenn ich erst Mal meinem erbostem Ego sagen muss, es soll sich da gefälligst raus halten. :lol:

Konstruktive Kritik ist für mich deshalb besonders wichtig, weil da jemand mit frischem Auge mein eigenes Werk reflektiert und mir so eine neue Sichtweise darauf gibt. So versteh ich oft erst, was tue und wie ich das anstelle.

Und erst wenn ich verstehe, was ich tue, kann ich meine Mittel bewusst einsetzen und so gezielter meine Texte so manipulieren, dass sie ausdrücken, was ich will.

Was mir im Blog jedoch als fleißige Kommentar-Schreiberin fehlte war, dass man sich als Empfänger von Kritik auch immer bei den Kommentatoren für ihre gültigen Kritiken bedanken sollte. Ich schreibe „gültige Kritik“, weil das wertfrei ist. Auch wenn die Kritik für mich als Autorin nicht nützlich ist, weil ich vielleicht eine völlig andere Grundhaltung zu einem Thema habe, bedanke ich mich immer für die Mühe und den Zeitaufand, die eine andere Person betrieben hat, um mir ihre Meinung zu meinem Werk mitzuteilen.

Als Verfasserin von langen Kritiken ärgere ich mich oft, wenn ich nicht mal eine kleine Notiz des Autoren erhalte. Oft frage ich mich dann, ob der betreffende Autor meinen Kommentar überhaupt gelesen hab, oder ob ich beim Verfassen dieses Kommentares einfach eine Stunde meiner Zeit verschwendet habe. Das führte auch auf anderen Seiten dazu, dass ich mir erst gar nicht mehr die Mühe machte, zu kommentieren...

Lieben Gruß
suallenparker

von suallenparker