Kritik-Thread für Anfänge

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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon PrinzessinSelenia » 05.09.2015, 22:34

Dann poste ich hier auch mal den Anfang meines derzeitigen Projekts. Das ist der erste Absatz meiner Jugend-Fantasy Geschichte:

„Scht!“, zischte Brooke uns zu, „Seid verdammt nochmal leise.“
Ich gab mir grösste Mühe, aber es war wirklich schwer. Der Weg zu der kleinen Hintertür der Garage war mit Kies gefüllt. Im Gegensatz zu dem sorgfältig gepflegten Garten zur Strasse hin, in dem wunderschöne Blumen und kleine Bäume wuchsen, war der hintere Teil schmutzig und ungepflegt. Blätter und Äste lagen herum. Auf einem morschen alten Tisch lagen Steine, rostige Nägel und dreckiges Kinderspielzeug.
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon Illa » 22.09.2015, 10:55

Hallo liebe Schweibwütige,

dann traue ich mich auch einmal. Das ist der Anfang von meinem Kinder- und Jugendbuch und ich hadere noch mit mir, ob der Anfang nicht zu "grob" ist. Weniger für die Kinder, als für die Eltern :roll:

„Der ist hin!“ Ben stieß prüfend den Fuß gegen den kleinen leblosen Körper und wandte sich ab. Lavinia zitterte vor Wut. Sie hatte die Fäuste so fest geballt, dass sich ihre Fingernägel schmerzhaft in die Handflächen gruben. Wie ein dicker Klops lag der Schmerz in ihrer Magengrube. Ihre Wangen waren heiß und sie fühlte, wie unbändige Wut in ihr aufstieg. Sie hasste ihn, sie hasste ihn wirklich! Am liebsten würde sie ihm nachlaufen, ihn anschreien, treten, beißen und anspucken …, sie tat nichts davon. Lavinia stand nur da, mit hängenden Armen, unfähig sich zu bewegen oder etwas zu sagen. So schrecklich der Anblick auch war, sie konnte ihren Blick nicht von dem toten Körper abwenden. Im Augenwinkel sah sie Rupert auf seinem hässlich grünen Fahrrad davonfahren.


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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon Amilyn » 22.09.2015, 15:09

Finde mein (at)-Zeichen nicht (*grummel), also dann hier die un-hippe Methode:

an PrinzessinSelenia:
Ich finde den Anfang sehr gut. Du bekommst schon eine gute Atmosphäre hin, finde ich, und man kann schon einiges herauslesen: Es ist vermutlich dunkel, eine Gruppe von Leuten will also in eine Garage einbrechen (?), die Leute, denen die Garage gehört sind darauf bedacht, nach außen hin einen guten Eindruck zu machen (der gepflegte Vorgarten), doch in Wirklichkeit sind sie gar nicht so ordentlich.

Das einzige, das ich anders geschrieben hätte, wäre:

PrinzessinSelenia hat geschrieben:Ich gab mir grösste Mühe, aber es war wirklich schwer. Der Weg zu der kleinen Hintertür der Garage war mit Kies gefüllt.


Ich gab mir größte Mühe, aber es war wirklich schwer, denn der Weg zu der kleinen Hintertür der Garage war mit Kies gefüllt.

So wird es etwas deutlicher, warum es schwer ist, leise zu sein.

an Illa:
auch Dein Anfang gefällt mir gut. Dass das jetzt zu grob für Kinder/Jugendliche zu lesen ist, würde ich gar nicht mal sagen. Ich glaube, die lesen heutzutage noch ganz andere Sachen :wink:

Illa hat geschrieben:„Der ist hin!“ Ben stieß prüfend den Fuß gegen den kleinen leblosen Körper und wandte sich ab.


Mit dem Hinweis Kinderbuch, dachte ich hier direkt mal an: Oh Gott, ein kleiner lebloser Kinderkörper :shock: , aber was'n Quatsch (von mir) :doh: . Ist ja wahrscheinlich ein Hund, Frettchen, Eichhörnchen... (?)
Ansonsten würde ich jetzt gerne weiterlesen, es macht neugierig. Rupert kommt plötzlich noch ins Spiel, bzw. radelt weg, da würde mich interessieren, wer das ist, und warum er sich vom "Tatort" verkrümelt.
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon magico » 22.09.2015, 15:24

@Illa:

Kleine Frage vorab: Für welche Altersklasse schreibst du dieses Buch?
Neuester Artikel (30.11.): Das Gutmensch-Experiment: Ngana & Klaus

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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon Neee » 22.09.2015, 15:32

„Scht!“, zischte Brooke uns zu, „Seid verdammt nochmal leise.“
Ich gab mir grösste Mühe, aber es war wirklich schwer. Der Weg zu der kleinen Hintertür der Garage war mit Kies gefüllt.


Den Einstieg find ich gut. Man weiß gleich: Dort schleichen zwei Personen und jeder kennt das Knirschen von Kies. Die Situation ist präsent, das Problem des Leiseseins auch.
Mich würde jetzt viel mehr ein Ziel, die Personen, oder der Konflikt der Geschichte interessieren. Einfach mehr zur gegenwärtigen Situation der Charaktere.
Stattdessen beginnst du eine Beschreibung der Umgebung. Das ist für mich ein Bruch zum vorigen Aufhänger.

PrinzessinSelenia hat geschrieben:Im Gegensatz zu dem sorgfältig gepflegten Garten zur Strasse hin, in dem wunderschöne Blumen und kleine Bäume wuchsen, war der hintere Teil schmutzig und ungepflegt. Blätter und Äste lagen herum. Auf einem morschen alten Tisch lagen Steine, rostige Nägel und dreckiges Kinderspielzeug.


Den ersten Satz hier, find ich so auch recht sperrig. So springt man vom Vorgarten zum Garten hinter dem Haus. Ich würde es auftrennen - erst den Charakter einen Blick in den Vordergarten, dann in den Hintergarten werfen lassen. Mag doch der Leser/die Leserin selbst den Kontrast finden.

Illa hat geschrieben:Der ist hin!“ Ben stieß prüfend den Fuß gegen den kleinen leblosen Körper und wandte sich ab. Lavinia zitterte vor Wut. Sie hatte die Fäuste so fest geballt, dass sich ihre Fingernägel schmerzhaft in die Handflächen gruben. Wie ein dicker Klops lag der Schmerz in ihrer Magengrube. Ihre Wangen waren heiß und sie fühlte, wie unbändige Wut in ihr aufstieg. Sie hasste ihn, sie hasste ihn wirklich! Am liebsten würde sie ihm nachlaufen, ihn anschreien, treten, beißen und anspucken …, sie tat nichts davon. Lavinia stand nur da, mit hängenden Armen, unfähig sich zu bewegen oder etwas zu sagen. So schrecklich der Anblick auch war, sie konnte ihren Blick nicht von dem toten Körper abwenden. Im Augenwinkel sah sie Rupert auf seinem hässlich grünen Fahrrad davonfahren.


Den ersten Satz find ich einen guten Aufhänger. Du schockst gleich zu Anfang mit einem leblosen Körper. Bevor man als Erwachsene/r einem Kind eine Geschichte präsentiert, sollte man sie vorher einmal komplett gelesen haben. Ich hab zwar mit Kindern nichts am Hut, aber ich würde die Geschichte wegen des Intros noch nicht ad acta legen. Für mich käme es im Folgenden darauf an, wie du weiter mit dem leblosen Körper verfährst und welche Rolle der Tod in der Geschichte spielt. Wäre es eine geeignete Geschichte, Kindern zu erklären, was tot sein ist, oder war der leblose Körper nur ein schmückendes Beiwerk? Hängt für mich auch davon ab, wie alt die Kinder sind, die damit unterhalten werden sollen und inwieweit sie mit dem Thema Tod schon in Berührung gekommen sind/sein könnten.

Den ersten farbig markierten Satz habe ich so schon häufiger gelesen. Hier verliert sich für mich etwas vom individuellen Anfang, weil schon viele AutorInnen diese Beschreibung genutzt haben. Auch die zweite Markierung mit der aufsteigenden Wut gibt's schon häufiger. Ich finde du vermischt im Folgendem die Beschreibung des Gefühls mit der Aussage darüber (s. auch "Show, don't tell").
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon Illa » 22.09.2015, 19:31

Vielen Dank für Eure Antworten. Ich werde versuchen die Fragen zu beantworten.

Der kleine leblose Körper ist der arme "Herr Pieps". Ein Wellensittich. Die beiden gehen davon aus, das Rupert ihn gekillt hat. Sie gehen ganz behutsam mit ihm um, packen ihn ein, nehmen ihn mit und werden ihn beerdigen. Natürlich gibt es Hürden.

Die Kinder in meinem Buch, sind Lavinia (11 Jahre), ihr kleiner Bruder Ben (6 Jahre) und Rupert (12-14 Jahre alt, genau weiß ich es noch nicht). Lavinia und Ben sind bisher sehr behütet aufgewachsen. Rupert ist der Sohn einer Freundin ihrer Mutter und Knall auf Fall bei ihnen eingezogen, ohne das die Erwachsenen über die Gründe mit den Kindern geredet haben. Rupert sagt auch nichts, fragt auch nicht nach seiner Mutter. Es bleibt lange offen, was der Grund dafür ist, dass Rupert nicht bei seiner Mutter sein kann.

Das wäre sicher leichter zu verkraften, wenn nicht kurz vor Ruperts überraschenden Einzug die Oma gestorben wäre. Rupert hat ihr Zimmer bekommen. Lavinia vermisst ihre Ome sehr und gibt Rupert am Anfang kaum ein Chance. Sie trauert, ist wütend und projeziert das alles auf Rupert. Er ist das Böse und ihm ist das egal. Der hat ganz andere Sorgen. Dazu kommt, dass sie bisher die Ältere war. Fast 6 Jahre älter als Benni, da hat man Privilegien. Jetzt ist sie plötzlich das "Zwischenkind". Nicht Fisch, nicht Fleisch. Weder die Kleine die verwöhnt wird, noch die Große die Privilegien hat, jedenfalls nicht mehr als Rupert.
Die Eltern von Lavinia und Ben sind sehr liebevoll aber eben nur Eltern (keine Psychologen) und sie haben wie jede Eltern, ihre eigenen Geschichten und sind ja auch gerade sehr gefordert, mit Trauer und der neuen Situation mit Rupert.

So und hier startet die Geschichte eigentlich erst und viel mehr möchte ich noch gar nicht erzählen. Es ist auf jeden Fall keine Geschichte für die ganz Kleinen. Und es wird nicht in dieser trübsinnigen Anfangsstimmung bleiben. Schon ab Seite 6, mit der Beerdigung von Herrn Pieps, wird es zwar besinnlich aber auch sehr heiter. Ich will ja Kinder nicht mit Depressionen ins Bett schicken :D
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon KleineLady1981 » 23.09.2015, 07:02

Hallo Illa.

„Der ist hin!“ Ben stieß prüfend den Fuß gegen den kleinen leblosen Körper und wandte sich ab.


Sie gehen ganz behutsam mit ihm um,


Lavinia (11 Jahre), ihr kleiner Bruder Ben (6 Jahre)


So rein vom Gefühl her, verspüre ich bei diesen Angaben einen Widerspruch. Als ich deinen Anfang gelesen hatte, fehlten mir diese Hintergrundinfos. Ich hatte Ben so bei 12-14 Jahren angesetzt und das Mädchen, Lavinia vielleicht bei 9 oder 10. Intuitiv und von der Art her, wie du schreibst. Deshalb bin ich jetzt doch etwas überrascht, dass es genau umgekehrt sein soll. Vom ersten Eindruck her schien es mir, als sei Lavinia sauer auf Ben, weil er mit dem Fuß gegen den toten Körper stößt und diesen doch recht gefühllosen Satz vom Stapel lässt. Rupert kommt ziemlich aus dem Nichts daher und lässt sich nicht wirklich zuordnen.

Der Satz "Der ist hin" kommt mir auch etwas komisch vor. Ich hab nicht viel Ahnung von Kindern, aber mein Neffe ist jetzt ungefähr in diesem Alter und ich bezweifle sehr stark, dass der so etwas sagen würde, wenn er einen toten Vogel findet, erst recht nicht, wenn er ihn gekannt hat.

Der Satz mit dem leblosen Körper mag ein schockierender Einstieg sein, würde mich aber jetzt nicht bei der Stange halten, weil es mir doch etwas zu plump daher kommt. Dafür ist mir der Schnitt zu hart, weil du gleich danach dich auf Lavinia konzentrierst. Ich würde, wenn es mein Anfang wäre, die ersten zwei Sätze streichen und bei "Lavinia zitterte vor Wut" anfangen. Das reicht als Hook völlig aus und du kannst dich über die Geschichte hinweg noch steigern. Das wäre schwieriger, wenn du gleich mit einem Paukenschlag anfängst. Du solltest den Leser erst ein wenig locken, bis er nah genug dran ist, dass die Falle zuschlagen kann :wink:

:2cents:

Federgruß
Kady
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon Illa » 23.09.2015, 10:04

Herzlichen Dank Kady.
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon Hyena » 24.09.2015, 08:50

Ich finde es, ehrlich gesagt, noch zu unkonkret. Ich würde von Anfang an erwähnen, dass es sich hier um den toten Herrn Pieps handelt, mich stört es, dass ich nicht sehe, was die Kinder sehen. Immerhin betrachte ich die Welt während der Geschichte durch ihre Augen, warum bin ich da am Anfang mit Blindheit gestraft? Kinder lesen zudem anders als Erwachsene, ich finde es gut, wenn in einem Kinderbuch nicht zu kryptisch schreibt, damit sie besser eintauchen können. Darum würde ich den toten Herrn Pieps gleich beim Namen nennen oder zumindest erwähnen, dass es hier um einen Wellensittich geht.

Ansonsten finde ich alles passend, bis auf den erwähnten Satz "Der ist hin", den ich auch keinem Kind in den Mund gelegt hätte, er klingt mehr nach einem abgebrühten Söldner. *g*
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon Amilyn » 24.09.2015, 09:50

"Der ist hin" finde ich z. B. für einen 6jährigen nicht außergewöhnlich. Da gibt es kleinere Kinder, die schlimmeres sagen. Außerdem finde ich den Ausdruck ganz witzig als ersten Satz. Aber das ist ja, wie so vieles, Geschmackssache :)

Es kommt aber auch drauf an, für welche Altersgruppe das Buch sein soll - eher 11jährige wie Lavinia oder eher 6jährige. Die 6jährigen kriegen durch Kindergarten und Schule einen Sprachgebrauch mit, da fällt dir manchmal nix mehr ein, aber die Bücher kaufen die Eltern... :wink:
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon Illa » 24.09.2015, 11:16

Hyena, danke Dir. Das habe ich mir auch überlegt und die Szene auch schon etwas umgeschrieben. Überhaupt überlege ich gerade, ob ich den Kindern nicht noch mehr an die Hand geben muss, vielleicht auch noch andere Perspektiven (zum Beispiel die von Rupert).

Wenn ich diese Geschichten erzähle, habe ich durchaus (ähnlich) erlebte Szenen vor Augen. Ich war viele Jahre heilpädagogische Pflegemutter in der Altersgruppe 0-14 Jahren. Die Kinder lebten zum Teil dauerhaft bei mir, andere nur vorübergehend, bis geklärt war, wie es weiter gehen kann. Wenn die Kinder zu mir kamen, wusste ich oft erst einmal nur ihren Namen und ihr Alter. Nicht was sie erlebt haben (bzw.nur grob, die aktuellen Ereignisse und meist auch nicht, wie lange sie bleiben werden.

Die Szene lief in Wirklichkeit so ab, dass meine 5-jährige Tochter ein nacktes Vogelküken im Garten aufhob, es mit ausgestrecktem Arm prüfend vor dem Gesicht baumeln lies, laut feststellte "der ist hin", und nach der Katze rief! Ihr armes Mütterlein, also Icke, hat sich vor Entsetzen die Ohren zugehalten und sich verkrümelt. Ich weiß daher nicht, ob die Katze das Vögelchen dann auch gefressen hat. Dazu gibt es keine Überlieferungen.
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon Tsaphyre » 24.09.2015, 11:41

Hallo,

nur kurz angemerkt: 'der ist hin' passt meiner Meinung nach sehr gut in den Mund eines 6-Jährigen. Und auch, dass er mit seinem Fuss gegen den Vogel stupst. Gerade kleinere Kinder können manchmal eine überrraschende Direktheit und sogar Grobheit an den Tag legen. Ich erinnere mich jedenfalls an diese Zeit noch sehr gut - blöde Jungs. :roll: :mrgreen: Und habe auch später Kinder in diesem Alter gekannt (die sind aber inzwischen schon fast erwachsen :wink: ).

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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon Dave82 » 05.10.2015, 13:08

Hallo zusammen,
auch wenn ich selber noch etwas den Anfang ändern möchte, bin ich auf Kritik von euch für meinen Anfang gespannt. Es soll ein Krimi werden und ich bin mir nicht sicher, wie ich den Anfang schreiben kann.
-----
Müde schleppte ich mich zum Badezimmer. Eigentlich wollte ich meinen Rausch von gestern Nacht ausschlafen, wir hatten endlich den Hirschmann-Fall abgeschlossen. Bis tief in die Nacht verhörte ich Dr. Jens Hirschmann. Um zwei Uhr nachts hat er in Anwesenheit seines Anwalts, Dr. Markus Bender, zugegeben, dass er seine Frau, Sarah Hirschmann, getötet hat. Sie hatte mit seinem besten Freund, Michael Krüger, eine Affäre. Nach dem Verhör und der Festnahme habe ich noch meine Kollegen zum Absacker eingeladen.
---
Ich bin für jede Kritik offen.

LG, Dave
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon Schnuddel » 05.10.2015, 13:49

Hallo Dave

Müde schleppte ich mich zum Badezimmer. Eigentlich wollte ich meinen Rausch von gestern Nacht ausschlafen,

Also, mit den beiden Sätzen hast du den Leser schon aus dem Text geworfen. Entweder man wird neugierig, ob dein Prota das immer im Badezimmer macht, oder man denkt sich: Hä? :lol:
Das Wort eigentlich signailisiert, dass der Prota vorhatte zu schlafen, da jetzt aber nichts draus wird. Ich als Leser will daraufhin wissen, warum er jetzt nicht schläft und empfinde den Infodump, wie der Abend vorher verlaufen ist, als eher störend. :wink:

Solche Informationen kannst du wesentlich lebendiger rüberbringen, wenn du sie in die Handlung mit einbaust - und es wird für den Leser spannender.

Nach dem Verhör und der Festnahme habe ich noch meine Kollegen zum Absacker eingeladen.

Ich denke, erst kommt die Festnahme und dann das Verhör.

Ich zeige dir, was ich meine (nur ein Schnellschuss) : Ein bleiches Gesicht starrte mir mit roten Augen aus dem Spiegel entgegen. Der letzte Klare heute abend hätte nicht sein müssen. Die Zeiger auf der Badezimmeruhr verschwammen vor meinen Augen: 4.30 Uhr.
Bis zwei Uhr nachts hatte es gedauert. Dr. Hirschmann erwies sich als zäher als gedacht. Aber um zwei Uhr hatten wir ihn endlich weichgekocht.
Ich ließ heißes Wasser ins Becken laufen. Sollte ich mich noch rasieren? Nachdenklich betrachtete ich das Rasiermesser. Er hatte seine Frau kaltblütig umgebracht. Daran konnte auch sein Anwalt, Dr. Markus Bender, nichts mehr ändern.

So in der Art, damit die Infos nicht ganz so trocken rüberkommen. :wink:
Ich hoffe, du kannst was damit anfangen. Ist nur ein Vorschlag, wie ich das schreiben würde. :wink:

Lg Schnuddel
Was sich leicht liest, war harte Arbeit.
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon Vaerson » 05.10.2015, 14:14

Dave82 hat geschrieben: Müde schleppte ich mich zum Badezimmer. Eigentlich wollte ich meinen Rausch von gestern Nacht ausschlafen, wir hatten endlich den Hirschmann-Fall abgeschlossen. Bis tief in die Nacht verhörte ich Dr. Jens Hirschmann. Um zwei Uhr nachts hat er in Anwesenheit seines Anwalts, Dr. Markus Bender, zugegeben, dass er seine Frau, Sarah Hirschmann, getötet hat. Sie hatte mit seinem besten Freund, Michael Krüger, eine Affäre. Nach dem Verhör und der Festnahme habe ich noch meine Kollegen zum Absacker eingeladen.


Zu viele Namen, zu viel Hirschmann. Es kann auch erst einmal der Anwalt bleiben, es kann auch erst einmal seine Frau sein und man muss zu diesem Zeitpunkt auf keinen Fall den Namen des Liebhabers wissen. Wenn sie wichtig sind, dann wird es bessere Momente geben, um sie vorzustellen.

Hüte dich insgesamt vor Wortwiederholungen:
"Bis tief in die Nacht verhörte ich Dr. Jens Hirschmann. Um zwei Uhr nachts hat er in Anwesenheit seines Anwalts" - klingt ungeschickt. Aber ich kenne das Problem selbst. Bis gestern stand noch folgendes in meinem Text: "Verzeiht, doch ihr stehlt uns unsere Zeit; Ausgerechnet die Abendzeit und [...]" :shock:
Lies es einfach laut, dann verschwinden diese Passagen bald.

Außerdem ist es etwas grummelig - Sicher, es ist ein Krimi: Trotzdem hat der Ermittler am letztem Tag einen Fall gelöst. Vielleicht spricht auch nur mein Hang aus mir, mit recht leichtherzigen Charakteren zu beginnen: Aber mir fehlt etwas. Zum Beispiel, dass die Nacht fröhlich war, oder ausgelassen. Es kann immer noch grummelig bleiben, der Ermittler unter seinem Rausch leiden, aber er könnte trotzdem mit einem gewissem Maß an Freude, oder Stolz zurückblicken, die in diesem Anfang noch nicht enthalten ist.

Aber lass dich nicht entmutigen: Es wirkt etwas unerfahren - Aber das vergeht. Schreib den Anfang um, oder schreib einfach weiter; die Unerfahrenheit verschwindet (aber die Kritik wird IMMER bleiben ;-) ). Ich würde ja sagen: Schreib weiter - Aber ich sehe gar keine Alternative. Also lass den Kopf nicht hängen :D
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