Kritik-Thread für Anfänge

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Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon magico » 08.04.2014, 11:19

Hallo zusammen,

da nun in diesem Unterforum schon in verschiedensten Varianten und Ausuferungen über Anfänge (was gehört hinein - was nicht) diskutiert wurde, habe ich mir gedacht - ich er eröffne dieses Thread.
Habe ein wenig im Forum recherchiert und keinen vergleichbaren Thread gefunden (hoffe, es passt).

Um was geht es?

Jede/r kann seinen Anfang (oder mehrere Anfänge) hier präsentieren und der konstruktiven Kritik (der SWSler) aussetzen.

Wichtig (damit es nicht ausartet): Es sollte beim Anfang bleiben und nicht mehr als den ersten Absatz beinhalten.

Man liest ja immer wieder, dass der Anfang, einer der wichtigsten Teile für eine Geschichte ist. Somit kann der/die ein oder andere vielleicht noch ein wenig daran herumdoktern, damit es irgendwann (nahezu) perfekt wird. :mrgreen:

Also... viel Spaß und Erfolg! - magico
Zuletzt geändert von Julestrel am 11.04.2014, 08:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon magico » 08.04.2014, 11:25

Und da ich nicht nur große Reden schwingen möchte, hier auch gleich der erste Anfang. Ich hoffe auf rege Beteiligung und konstruktive Kritik. - Vielen Dank

Verärgert schmiss Philo seine Zimmertür zu. Warum glaubten seine Eltern ihm nicht? Er dachte sich so etwas doch nicht aus. Wenn er ihnen sagte, dass sich hinter der Lampe an der Decke ein Loch befindet, aus dem es seltsam geleuchtet hat und in dem sich etwas bewegte, bekam er nur zur Antwort: "Du hast einfach zu viel Fantasie. Dann schau doch nicht zur Decke, wenn du versuchst einzuschlafen."


Aus meinem aktuellen Kinder-/Jugendfantasy-Projekt.
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon cass » 08.04.2014, 12:26

In diesem Fall ohne Arbeit: Satz 1-3 ist okay. Nicht wirklich fesselnd, aber auch nicht abschreckend. Danach ist es eine aufgesetzte Erklärung für den Leser, die ich höchsten in der Ich-Form als Gedanken durchgehen lassen würde. Aber selbst dann ist es mir so zu nüchtern, emotionslos und umständlich/langatmig formuliert.
Zuletzt geändert von Julestrel am 11.04.2014, 08:35, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Absatz entfernt, der nach Beitragsteilung ohne Zusammenhang dastand.
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon FremdeAngst » 08.04.2014, 12:44

magico hat geschrieben:Und da ich nicht nur große Reden schwingen möchte, hier auch gleich der erste Anfang. Ich hoffe auf rege Beteiligung und konstruktive Kritik. - Vielen Dank

Verärgert schmiss Philo seine Zimmertür zu. Warum glaubten seine Eltern ihm nicht? Er dachte sich so etwas doch nicht aus. Wenn er ihnen sagte, dass sich hinter der Lampe an der Decke ein Loch befindet, aus dem es seltsam geleuchtet hat und in dem sich etwas bewegte, bekam er nur zur Antwort: "Du hast einfach zu viel Fantasie. Dann schau doch nicht zur Decke, wenn du versuchst einzuschlafen."


Aus meinem aktuellen Kinder-/Jugendfantasy-Projekt.

Da hält mich nichts davon ab, weiterzulesen. Abgesehen davon, dass ich eigentlich kein Fantasy und auch kein Kinder-/Jugendbuch lesen will.

Wenn er ihnen sagte, dass sich hinter der Lampe an der Decke ein Loch befindet, aus dem es seltsam geleuchtet hat und in dem sich etwas bewegte, bekam er nur zur Antwort:

Du wechselst mitten im Satz die Zeit. Ich bin mir nicht sicher, was du damit bezwecken willst. Ich vermute, es ist ein Gedankengang à la Was wäre wenn?, der müsste dann aber anders aussehen:
Wenn er ihnen sagte, dass sich hinter der Lampe an der Decke ein Loch befand, aus dem es seltsam geleuchtet hatte und in dem sich etwas bewegte, bekäme er nur zur Antwort: ...

Andernfalls, wenn er schon öfter auf dieses Leuchten hingewiesen hat und die Antwort regelmäßig so ausfiel, dann muss es "bekam" heißen und nicht "bekäme".

Natürlich bin ich gespannt darauf, was es mit diesem Leuchten auf sich hat. Da es Fantasy ist, wird es keine Halluzination des Jungen sein.
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon Shepkey » 23.08.2014, 18:11

Da ich glaube, dass ich dem oben nichts hinzufügen kann, poste ich hier mal einen Anfang einer vielleicht SciFi- oder Fantasy-Geschichte (von der ich nicht weiß, ob ich sie weiterschreiben werde). Es ist zwar mehr als ein Absatz, aber viel ist es nicht:

Küste von Hachal Gabreel, K'chum Berengan, 1750

Der Mond im stillen Meer gespiegelt, auf dem Holz ein Perlmuttfleck; im Ohr noch das Rauschen der Wasserfälle, wie fallender Kies oder Sturm; den dichten Dschungel jedoch ahnt man hier kaum mehr und auch kein Leben – keine Vögel, keine Fischer.

Er zeichnet eine Skizze in den Staub –

Er wartet auf den Morgen.

Vor langer Zeit ist eine Insel in das Meer gestürzt (das weiß er, denn er war dabei), und nur die Spitze seines Tempels ist noch zu sehen. Sie glitzert in der Sonne, neben dem, was man für sein Ebenbild hielt.

Aber die Götter heute sind andere. Man findet seinen Namen im Telefonbuch.
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon Träumerin25 » 23.08.2014, 18:30

Tut mir leid, aber muss noch einmal auf den vorigen Beitrag zu sprechen kommen.

Wenn er ihnen sagte, dass sich hinter der Lampe an der Decke ein Loch befindet, aus dem es seltsam geleuchtet hat und in dem sich etwas bewegte, bekam er nur zur Antwort:


Du wechselst mitten im Satz die Zeit. Ich bin mir nicht sicher, was du damit bezwecken willst.

Ich bin eher der Meinung, dass magico damit nichts besonderes bezweckt, sondern, dass die Zeit einfach wechseln muss, weil sonst die Logik nicht mehr stimmt. Ich gehe nämlich eher davon aus, dass Philo seinen Eltern von diesem Phänomen erst einmal erzählt hat. Wenn das so ist, dann ist der Rest auch richtig: 1. Das Loch ist ja schließlich immer noch da und verschwindet nicht einfach und 2. Es hat sich nur einmal etwas darin bewegt, jetzt aber NICHT MEHR. Das erlaubt den Gebrauch des Perfekts, wie ich finde.
Ob es nun "befindet" oder "befand" heißen muss, weiß ich nicht. Einerseits ist der Roman ja in der Vergangenheit geschrieben, andererseits existiert das Loch aber in der Gegenwart des Charakters, was durchaus das Präsens rechtfertig.

Hat noch jemand anderes Ideen, wie es richtig lauten könnte?
:nano: Mit Silence und Ashitaka durch den NaNo!!! :plotfeder:
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon inmutanka » 23.08.2014, 18:52

Hallo magico,

Verärgert schmiss Philo seine Zimmertür zu. Warum glaubten seine Eltern ihm nicht? Er dachte sich so etwas doch nicht aus. Wenn er ihnen sagte, dass sich hinter der Lampe an der Decke ein Loch befindet, aus dem es seltsam geleuchtet hat und in dem sich etwas bewegte, bekam er nur zur Antwort: "Du hast einfach zu viel Fantasie. Dann schau doch nicht zur Decke, wenn du versuchst einzuschlafen."


wieder mal die dippelschisserische Inmutanka. ;)

Dass sich in einem beleuchteten Loch in der Zimmerdecke etwas bewegt, macht neugierig. Trotzdem würde ich einiges ändern. (nörgel, nörgel - ich weiß)

- Verärgert schmiss Philo seine Zimmertür zu - *Verärgert* sagt nichts aus, dass er aufgebracht ist, zeigt, dass er die Tür zuwirft. Daher könnte m. M. n. *Verärgert* heraus. *schmiss* ist zwar schon gut, aber da könntest du noch massiver werden. Bsp: Philo knallte die Zimmertür zu.

- Warum glaubten seine Eltern ihm nicht? Er dachte sich doch so etwas nicht aus! - *nicht glauben* dafür gibt es bessere, positivere Ausdrücke, z. Bsp.: Warum sollte er lügen? Oder: Er sagte doch die Wahrheit

- Wenn er ihnen sagte, dass sich hinter der Lampe an der Decke ein Loch befindet, aus dem es seltsam geleuchtet hat und in dem sich etwas bewegte, bekam er nur zur Antwort: "Du hast einfach zu viel Fantasie. - das ist ein ziemlich langer Satz, in dem du nicht nur festhältst, dass er etwas behauptet (was du schon in den Sätzen davor sinngemäß drin hast), wo sich etwas befindet (Loch in der Decke hinter der Lampe), was er gesehen hat (leuchtet, bewegt sich etwas - wobei *etwas* überhaupt nichts aussagt) und zuletzt ihre Reaktion (sagten sie). Vllt.
Ein Licht leuchtete aus dem Loch in der Decke und wenn er genau hinsah, bewegten sich Schatten dahinter. Doch erzählte er es den Eltern, antworteten sie: "Du hast zu viel Fantasie" oder "Dann schau doch einfach nicht hin."

Zusammenhängend:

Philo knallte die Zimmertür zu. Warum sollte er lügen? Ein Licht leuchtete aus dem Loch in der Decke und wenn er genau hinsah, bewegten sich Schatten dahinter. Doch erzählte er es den Eltern, antworteten
sie: "Du hast zu viel Fantasie" oder "Dann schau doch einfach nicht hin."


LG
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon inmutanka » 23.08.2014, 19:49

Hallo Shepkey,

Der Mond im stillen Meer gespiegelt, auf dem Holz ein Perlmuttfleck; im Ohr noch das Rauschen der Wasserfälle, wie fallender Kies oder Sturm; den dichten Dschungel jedoch ahnt man hier kaum mehr und auch kein Leben – keine Vögel, keine Fischer.

Er zeichnet eine Skizze in den Staub –

Er wartet auf den Morgen.

Vor langer Zeit ist eine Insel in das Meer gestürzt (das weiß er, denn er war dabei), und nur die Spitze seines Tempels ist noch zu sehen. Sie glitzert in der Sonne, neben dem, was man für sein Ebenbild hielt.

Aber die Götter heute sind andere. Man findet seinen Namen im Telefonbuch.



An der Einleitung sind für mich genau 3 Sätze interessant, die mein Interesse wecken:

Vor langer Zeit ist eine Insel in das Meer gestürzt (das weiß er, denn er war dabei) Aber die Götter heute sind andere. Man findet seinen Namen im Telefonbuch.

Ich bin nicht gerade poetisch und kann auch mit Lyrik nichts anfangen - das vorweg.

Der Mond im stillen Meer gespiegelt, auf dem Holz ein Perlmuttfleck; im Ohr noch das Rauschen der Wasserfälle, wie fallender Kies oder Sturm; den dichten Dschungel jedoch ahnt man hier kaum mehr und auch kein Leben – keine Vögel, keine Fischer.


Für ein Gedicht, passt es (für mich!) nicht. Da ist (für mich) kein Rythmus etc. drin, was für mich ein Gedicht ausmachen würde. Aber wie gesagt, damit kenne ich mich nicht aus, ist nur mein Empfinden.

Für einen Text ist es (für mich!) zu abgehackt. Mir ist klar, dass du damit Stimmung/Atmosphäre schaffen willst. Ich bräuchte es nicht. Es würde mich zumind. nicht zum Weiterlesen reizen und für mich können diese Infos - soweit sie relevant sind - durchaus im nachfolgenden Text eingefügt werden.

Er zeichnet eine Skizze in den Staub –

Er wartet auf den Morgen.


Ein männlicher Jemand sitzt in der Nacht irgendwo herum und malt Staubbilder. - eine Info, die mich nicht berührt, weil ich a.) nicht weiß, wer der Jemand ist, b.) ich nicht weiß, was er skizziert (Bei einer Skizze gehe ich davon aus, dass es etwas Konkretes ist und nicht einfach wild Linien, Kreise, Zacken hingekrizzelt werden) c.) ich dir nicht ohne Erklärung abnehme, dass er in der Dunkelheit sieht, was er skizziert.

Vor langer Zeit ist eine Insel in das Meer gestürzt (das weiß er, denn er war dabei), und nur die Spitze seines Tempels ist noch zu sehen. Sie glitzert in der Sonne, neben dem, was man für sein Ebenbild hielt.

Aber die Götter heute sind andere. Man findet seinen Namen im Telefonbuch.


Nun zu den für mich interessanten Teil.
*vor langer Zeit* - da entsteht kein Bild. Es braucht keine genaue Zeitangabe, wie z. B. vor tausend Jahren etc. es würde schon genügen, wenn du schreibst: Noch vor Menschengedenken - oder: Zu einer Zeit, als die Sternbilder andere waren als heute - würdest du im Leser eine Vorstellung über den Zeitrahmen liefern.

*eine Insel* - ich denke, es handelt sich nicht um eine X-beliebige Insel, sondern um eine besondere Insel. Wenn du sie also nicht beim Namen nennen willst, dann würde ich zumindest *die Insel* schreiben.

*(das weiß er, denn er war dabei), * - das ist für mich eine sehr wichtige Info, die du durch die Klammer quasi zur Nebensache degradierst. Mensch - der Typ ist z. B. tausende von Jahre alt - da sind doch meine Lesersinne sofort alamiert wie die Schnurhaare einer Katze, wenn sie eine Maus erspürt. Also, keine Nebensache daraus machen, sondern eine Hauptsache. Noch besser, wenn du den *er* beim Namen nennst.

*und nur die Spitze seines Tempels ist noch zu sehen.* - hier bin ich etwas verwirrt. Aber der Reihe nach:
*Spitze* - ist es tatsächlich eine *Spitze*, wo wie bei einem gotischen Kirchturm oder einer ägyptischen Pyramide? Oder eher eine Kuppel oder ein flaches Sattel(?)dach, wie bei den griechischen Tempel? Bei *Spitze* hatte ich das Bild eines Kirchturms vor Augen, wie sie manchmal aus Stauseen ragen, wenn Dörfer überflutet wurden. Allerdings: ich weiß, dass es *flache Meere* gibt, die nur 10 - 15 m tief sind. Aber bei *Meer* habe ich zuerst das Bild eines vllt. 100 m tiefen Wassers vor mir, besonders, wenn das Meer eine ganze Insel verschlingt. Wenn da noch eine Tempelspitze herausragt, dann bräuchte ich in der einen (flaches Meer) oder anderen (warum es aus einem tiefen Meer noch zu sehen ist) Richtung eine Erklärung. - Nur mal so zur Überlegung.

*seines Tempels* - das ist der Punkt, der mich verwirrte. Ist mit *seine* die Insel gemeint? Oder der *Er*, der somit ein Gott ist?

*Sie glitzert in der Sonne* - ich weiß, ich bin ein böser Leser (deswegen wandern auch viele Bücher bei mir schon nach den ersten Seiten auf den *Tue ich mir nicht an*-Stapel): Warum glitzert die Spitze in der Sonne? Wenn der Tempel schon *lange Zeit* im Meer/Salzwassser steht, dann muss es ein besonderer Stoff sein, dass er nicht angegriffen/zerstört oder zumind. nicht beschlagen/von Algen/Mikroben überwuchert wird. Und bitte nicht mit dem Argument kommen: Die Spitze steht doch über dem Wasser! Es gibt hohen Wellengang/Stürme, Verdunstung uvm. - Also, hier konkret werden, aus was für einem Material die Spitze ist, damit ich dir das Glitzern abnehme.

*neben dem, was man für sein Ebenbild hielt* - auch hier verwirrst du mich wieder. Ich gehe davon aus, dass du eine Statue von dem *Er* meinst, er also als Gott verehrt wurde. Jetzt sprichst du davor nur von der Spitze, die aus dem Wasser ragt. Ragt nun auch ein Teil der Statue aus dem Wasser? Oder weiß *er* einfach, dass neben dem Tempel eine Statue von ihm stand? Wenn sie nicht zu sehen ist, würde ich abwägen, wie wichtig diese Info ist. Wenn du damit nur zeigen willst, dass *er* ein Gott ist/als Gott verehrt wurde, könntest du mit seinem Namen *arbeiten*.

*Aber die Götter heute sind andere* - Außer, dass es heute andere *Götter* gibt, sagt der Satz nichts aus. Konkreter wäre es, wenn du schreiben würdest: Heute verehrten die Menschen andere/neue Götter. Schon habe ich die Info.

*Man findet seinen Namen im Telefonbuch.* - meine so oft gestellte Frage: wer ist *man* ? Das Wort sagt nichts aus.
*seinen Namen* - wessen Namen meinst du? Die der *anderen Götter*? Dann musst du entweder oben von *Gott* - Einzahl - schreiben. Oder hier Mehrzahl verwenden: ihre Namen.

Hoffe, ich konnte dir weiterhelfen.

LG
Inmutanka
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon grit » 23.08.2014, 21:14

Allein schon die Erwähnung der Götter und des Telefonbuches in einem Satz machen mich neugierig.

"Seine Finger zeichnen Linien in den Sand", ist vielleicht glaubwürdiger als eine Skizze in der Dunkelheit, während er auf den Morgen wartet.
Ich würde die Klammer weglassen und einen extra Satz daraus machen.

Bei der Beschreibung am Anfang stört mich nicht der Ton an sich, sondern das "man". Da du uns gleich darauf eine einsame Person am Strand zeigst, wäre es für mich logischer, wenn du ihn das sehen lässt, es dem Leser gleichsam durch seine Augen zeigst, dann steht es nicht so abgehackt für sich allein, sondern hat gleich eine Beziehung zu deiner Figur.

D i e Insel mit seinem Tempel ist ins Meer gestürzt, nicht irgendeine Insel. Vielleicht kann man die Spitze / das Dach noch erahnen, wenn man weiß, dass dort einst der Tempel stand. ( Es kommt mir ein bisschen komisch vor, wenn die Insel ins Meer gestürzt ist, dass dann gerade der obere Teil, der doch zuerst gestürzt sein müsste, noch steht. Vielleicht hat das Meer die Insel verschlungen, das ist zumindest dann so vorstellbar.
Wenn er dabei war, dann hat er es gesehen. Dann kannst du das in ein starkes Bild und einen Satz packen, der den Leser mitreißt. Vielleicht kannst du dir dann den ersten Teil sparen.
Das hängt natürlich davon ab, in welchem Ton und Tempo du starten möchtest.

Bei mir kam der Aufhorch-Moment erst in deinem letzten Satz. Vielleicht zu spät für den Durchschnittsleser?
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon Shepkey » 24.08.2014, 23:21

Vielen Dank für die ausführlichen Kritiken!

Da ich hier das erste Mal einen Text eingestellt habe, antworte ich einfach mal auf Kritiken. Vielleicht rechtfertige ich mich zu stark, aber sinngemäß: es ist mein erster Tag ;)

Der erste Abschnitt sollte keine Lyrik sein. Sorry für den Sprachbastard also. (Ich bin mit der Interpunktion auch unzufrieden, sollte fließender sein.)

Ich habe das "man" zu "er" geändert; es ist wirklich passender (um ehrlich zu sein wusste ich an der Stelle noch nicht, dass es ihn gibt); und den Staub habe ich zu Sand geändert, weil es am Meer auch wesentlich logischer ist. Schiffe und Strände in feuchter Seeluft verstauben selten.
Wobei skizzieren in sehr hellen Mondnächten sicherlich möglich ist, denke ich.

Eine Insel, auf der (zufällig) einer seiner Tempel stand. Ich ändere es auf "eine Spitze", dann ist das vielleicht logischer? Und eine Spitze soll es tatsächlich sein, also ein Stab. Was reflektiert sind Wassertropfen. Aus der relativen Ferne, in der er sitzt, sieht man dann nur die Spitze glitzern.

Dass es in einem Nebensatz steht, ist beabsichtigt. Es soll nicht wirken wie: Achtung! Achtung! Ein Gott! Ein Gott!, sondern es ist ein ganz langweiliger, noch eigenschaftloser Jemand, der auch ein Gott ist. Es ist nicht offensichtlich und soll sich in den Text einschleichen. (Dass das für einen Anfang vielleicht unpassend ist, sehe ich ein :D)

"Aber die Götter sind andere" wird geändert zu: "Heute betet man zu anderen Göttern" oder ähnlichem.
Man ist bzgl. dem Telefonbuch tatsächlich jeder Beliebige (zumindest jeder, der in einem Telefonbuch blättern und ggf. auch lesen kann), da auch der ehemals angebetete Gott ein Beliebiger geworden ist. Ich hoffe, dass man dadurch, dass nur eine Person aufgetaucht ist, darauf schließen kann, dass es sich um den Manngott handelt, der da gerade im Sand pult? :D

Also, danke noch mal! Ich muss genauer schauen, denke ich. Und bitte nicht steinigen, falls ich mich zu sehr gerechtfertigt habe --- nach den beiden Beiträgen habe ich nur selbst noch einmal sortieren müssen, hinter was ich stehe und hinter was nicht.
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon magico » 25.08.2014, 09:26

Der Mond im stillen Meer gespiegelt, auf dem Holz ein Perlmuttfleck; im Ohr noch das Rauschen der Wasserfälle, wie fallender Kies oder Sturm; den dichten Dschungel jedoch ahnt man hier kaum mehr und auch kein Leben – keine Vögel, keine Fischer.


Wenn du mit Lyrik beginnen möchtest - okay. Es wirkt abgehackt (sicher beabsichtigt), wie Erinnerungsfetzen oder Sekunden-Bilder, welche schnell hintereinander gezeigt werden.

Er zeichnet eine Skizze in den Staub –


Staub und Sand wurde ja schon erwähnt und auch die Skizze. Aber eine Skizze ist in diesem Zusammenhang viel zu technisch. Vorher Lyrik und dann technisches Zeichnen? :|

Vor langer Zeit ist eine Insel in das Meer gestürzt (das weiß er, denn er war dabei), und nur die Spitze seines Tempels ist noch zu sehen. Sie glitzert in der Sonne, neben dem, was man für sein Ebenbild hielt.


Ich würde auch die Klammern entfernen. Und wer hält hier was für sein Ebenbild, wenn er doch nur noch ein beliebiger Telefonbuchinhalt ist?

Aber die Götter heute sind andere. Man findet seinen Namen im Telefonbuch.


Erinnert mich ziemlich an das hier: Die Lucifer-Chroniken


Grüße - magico
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon Justin » 12.03.2015, 20:55

Schon lange Eingeschlafen, aber sonst finde ich die Idee hier gut. Hier mein Anfang zu einer Kurzgeschichte:

Es ist Samstag, 17:39 Uhr.

Schlangen bilden sich vor dem Bistro. Die Kunden sind nach dem zermürbenden Einkauf froh endlich aus der Kassenschlange zu kommen und einen Hotdog und Cola für zwei Euro zu ergattern. Alles nur wohl durchdachte Strategie. Ein positives Bild des Einkauferlebnisses soll in Erinnerung bleiben. Es herrscht Gedränge und Tumult an der Getränkestation. Annette lächelt dennoch freundlich und füllt die leeren Rostzwiebeln zum hundertsten Mal an diesem Tag auf. Sie wischt über die mit Ketchup verschmierte Theke. „Gurkenscheibe habe ich gerade aufgefüllt“, erklärt sie zwei Kinder und wünscht einer anderen Kundin einen guten Appetit. „Keine Ursache“, sagt sie beruhigend einen älteren Mann, der gerade seine Getränke umkippte. „Ich mache das gleich weg. Sie können sich einen frischen Becher an der Kasse holen.“ Eine angenehme Melodie verkündet eine Durchsage aus dem Lautsprecher:

„Liebe Kunden. Die kleine Emma möchte aus dem Kinderparadies abgeholt werden. Danke.“
You can observe a lot just by watching.
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon magico » 13.03.2015, 09:42

Hallo Justin,

zunächst das Technische, dann der Inhalt:

Schlangen bilden sich vor dem Bistro. Die Kunden sind nach dem zermürbenden Einkauf froh (Komma) endlich aus der Kassenschlange zu kommen und einen Hotdog und Cola für zwei Euro zu ergattern.


Vorschlag:

Lange Schlangen bilden sich vor dem Bistro. Die Kunden sind nach ihrem zermürbenden Einkauf froh, endlich von der Kasse loszukommen und einen Hotdog plus Cola für zwei Euro zu ergattern.
(Keine Wiederholung von "Schlange", ein "und" weniger.)

Alles nur wohl durchdachte Strategie.


* wohldurchdacht = ein Wort

Ein positives Bild des Einkauferlebnisses soll in Erinnerung bleiben.


* Einkaufserlebnisses
Allgemein wirkt der Satz sehr holprig. Ich würde "Es" voranstellen: Es soll ein positives Bild des Einkaufserlebnisses in Erinnerung bleiben.

Es herrscht Gedränge und Tumult an der Getränkestation.


Hier würde ich es wiederum genau umgekehrt machen: An der Getränkestation herrscht großes Gedränge und Tumult.

füllt die leeren Rostzwiebeln zum hundertsten Mal an diesem Tag auf.


* Röstzwiebeln mit "ö"
Füllt sie die Zwiebeln wirklich zum hundertsten Mal auf oder ist es nur gefühlt das hundertste Mal? :wink:

Gurkenscheibe habe ich gerade aufgefüllt“, erklärt sie zwei Kinder


* Gurkenscheiben (Mehrzahl)
* Kindern

„Keine Ursache“, sagt sie beruhigend (zu?) einen älteren Mann, der gerade seine Getränke umkippte.


* zu einem älteren Mann, der gerade seine Getränke umgekippt hat. (Zeitform!)

„Liebe Kunden. Die kleine Emma möchte aus dem Kinderparadies abgeholt werden. Danke.“


Ich würde eher ein "Vielen Dank" vermuten. Außerdem werden diese Ansagen meist sofort wiederholt. Nach dem Motto: "... ich wiederhole: Die kleine Emma möchte bitte von ihren Eltern aus dem Kinderparadies abgeholt werden."

Ach ja, das "Bitte" und die Eltern fehlen auch in dem Satz.


So ... nun zum Inhalt:

Es ist die Beschreibung einer Alltagssituation. Samstag bei Ikea? Für mich persönlich der absolute Horror, aber ich nehme nicht an, dass du daraus eine Schauergeschichte machen möchtest. :mrgreen:
Du möchtest durch diese Szene "Annette" einführen und zeigst sie als hilfsbereite, devote Arbeiterin. Mir stellt sich die Frage, ob sie wirklich so ist oder ob sie einfach die beste in ihrem Job sein möchte, d.h., dass sie eigentlich sehr ehrgeizig ist und diese Arbeit nur macht, um bspw. ihr Studium zu finanzieren.
Ich habe natürlich keine Ahnung, wie es dann weitergehen soll, ob es ein gesellschaftskritischer Text ist oder ob es eine Liebesgeschichte wird. Wie gesagt, ich weiß nur ziemlich sicher, dass es keine Horrorstory wird. :wink:
Alles in allem dümpelt es ein wenig vor sich hin und reißt einen nicht unbedingt von den Socken. Aber man bekommt sofort eine gewisse Sympathie für Annette. (resultierend aus der Aversion gegen die Kunden) Das ist ja schonmal was.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig helfen.


Grüße - magico
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon Samira-Jessica » 12.07.2015, 18:31

Nur, damit ich das richtig verstehe (da mir dieses Thema jetzt schon ein paar Mal aufgefallen ist ... ), das ist keine FÜ, in der man das Schreiben von Kritiken "üben" kann?

Das hab ich bis jetzt nämlich angenommen, bis mir das mit den Anfängen aufgefallen ist, wobei ich dann ehrlich gesagt nicht wirklich verstehe, warum das Thema als Fingerübung gilt.
Schöne Grüße Samira-Jessica
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Re: Kritik-Thread für Anfänge

Beitragvon magico » 13.07.2015, 10:57

Samira-Jessica hat geschrieben:Nur, damit ich das richtig verstehe (da mir dieses Thema jetzt schon ein paar Mal aufgefallen ist ... ), das ist keine FÜ, in der man das Schreiben von Kritiken "üben" kann?

Das hab ich bis jetzt nämlich angenommen, bis mir das mit den Anfängen aufgefallen ist, wobei ich dann ehrlich gesagt nicht wirklich verstehe, warum das Thema als Fingerübung gilt.


Die Admins haben es in diese Kategorie verschoben, da es sich um "Teamhandwerk" handelt.
Du kannst also einen deiner Anfänge hier vorstellen und beurteilen lassen bzw. selbst die Anfänge anderer beurteilen.
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