[Nachd] Leben

Gesellschaft, Kritik, Philosophisches

[Nachd] Leben

Beitragvon Asieral » 08.10.2015, 21:22

Hallo,

das ist noch eine relativ frische (von heute) Arbeitsversion, also wird sich wahrscheinlich noch einiges ändern.. (So viele "!" wie in dem kurzen Text hab ich bisher glaube ich in den letzten 50 Seiten, eines anderen Werkes, nicht benutzt^^ Der Schreibstil ist also auch eher etwas experimentell angehaucht)..

nur würden mich vorab ein paar Sachen interessieren, um zu wissen, woran ich am meisten feilen/arbeiten sollte.

Also..:
Was kommt von der Thematik an den Leser rüber bzw wie wirkt der Erzähler.
Bzw. wie wirkt es insgesamt?
Es wäre besonders interessant für mich, zu erfahren, was von der Metaebene auch wirklich vom Leser so aufgenommen wird, wie es gedacht war. Als Autor weiß man ja, welche Aussage ein Text hat, nur kann es sein, dass man zu viele Gedankengänge weglässt, sodass die Aussage nicht mehr wirklich gut genug vom Leser gefunden werden kann.

Liebe Grüße
Asieral


Leben

Fahrkarten. Es gibt viele davon, aber diese eine, diese ganze spezielle, die braucht man eigentlich nicht. Denn es gibt nur eine Person auf der ganzen Welt, die einen daran hindern könnte, einzusteigen und mitzufahren. Diese eine Person ist ein jeder selbst.
Ich weiß noch, wie ich meine Fahrkarte wegwarf, sie dann aber verzweifelt suchte. Ja, was hab ich nicht alles durchsucht und wie sehr hab ich mich dafür verdammt, sie weggeworfen zu haben. Dann glaubte ich aber, dass ich sie zu Recht weggeworfen hätte. Oder eigentlich hätte ich sie verbrennen müssen. Ja, verbrennen!
Wer sie wegwirft, der hat sie gar nicht erst verdient. Zu dieser Zeit wusste ich nicht, dass man sie eigentlich nicht brauchte. Wie jeder andere glaubte ich, einer Erlaubnis zu bedürfen.
Oh hätte ich das doch nicht geglaubt!
Wie dumm ich mir jetzt vorkomme, so etwas wirklich, ja tatsächlich sogar tief im Inneren geglaubt zu haben. Es für richtig gehalten zu haben!
Wie Ankläger und Richter zugleich habe ich mich angeklagt, das kostbare Geschenk, das mir gnädigerweise verliehen wurde, von mir gerissen und in den Müll geschmissen zu haben. Schuldig! Schuldig, was anderes war ich nicht. Ja ich war schuldig. Ich bin schuldig.
Und dennoch. Ich weiß nicht, wie ich zu dem Entschluss kam. Aber da war sie auf einmal, diese Idee, nein dieses Gefühl.
Ich muss zugeben, es hat Jahre gedauert. Schließlich hatte ich mich selbst verurteilt. Zwangshaft. Ein Martyrium wollte ich erleiden und habe mich weggesperrt.
Ja aber dann war da dieses Gefühl und ich dachte mir: „Sollen sie mich doch festnehmen, mich in ein Verlies sperren. Ganz egal. Nein, mich hält niemand auf!“
Also rannte ich los. Der Zug stand noch da. Gleich, es waren nur ein paar Meter. Dann aber, begann er loszufahren und ich rannte. Ja! Ich rannte! Gleichwohl ein vernünftiger Mensch gesagt hätte: „Einen Zug einholen? Zu Fuß? Nein das schaffst du nicht“, rannte ich.
Noch war ich hinter ihm, jetzt schon auf gleicher Höhe. Ein Sprung.
Weg. Weg! Er war weg, einfach weg. In der Ferne konnte ich ihn noch am Horizont entschwinden sehen.
Heute weiß ich: Er war nie da gewesen.
Asieral
 
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Re: [Nachd] Leben

Beitragvon lilomartha » 09.10.2015, 19:15

Hallo liebe Asieral,

Also mal zu deinen Fragen:
Die Thematik kommt nicht zu 100% rüber. Ich habe die Karte jetzt so interpretiert, dass sie das Leben sein soll und das Prota sich sozusagen selbst aufgegeben hat, weil es dachte, es verdiene nicht zu leben und sich dann im letzten Moment umentschlossen hatte und zurück ins Leben wollte, es aber nicht schaffte, da der Zug abgefahren war? Dann hab ich aber nicht verstanden, wieso er nie da gewesen ist...dann dachte ch vielleicht habe ich es nur falsch interpretiert..

Zu deinem Schreibstil:
Er gefällt mir, sehr sogar. Es lässt sich flüssig lesen, sogar laut und mir gefallen die kurzen Einschübe, die so eine Bestimmtheit im Denken des Protas auslöst. Schön gemacht.

Hier noch ein paar kleine Anmerkungen:

1 "Ja, was hab ich nicht alles durchsucht und wie sehr hab ich mich dafür verdammt, sie weggeworfen zu haben."
--> Ich würde das Ja weglassen.

2 "Wie dumm ich mir jetzt vorkomme, so etwas wirklich, ja tatsächlich sogar tief im Inneren geglaubt zu haben."
--> Nebensatz würde ich rauspacken, da der Sinn irgendwie gleich bleibt: Wie dumm ich mir jetzt vorkomme, so etwas wirklich geglaubt zu haben."

3 "Ja ich war schuldig."
--> Ja, ich war schuldig.

4 "Ja aber dann war da dieses Gefühl und ich dachte mir..."
--> ohne Ja

5 "Ja! Ich rannte!"
--> Immer dieses ja, gefällt mir nicht...vielleicht lieber: Und wie ich rannte!

6 "Weg. Weg! Er war weg, einfach weg."
--> Das ist dann doch schon ein "weg" zuviel des Guten ;-)

Ich hoffe ich konnte dir helfen

Lieben Gruß
lilomartha
 
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Re: [Nachd] Leben

Beitragvon Arya007 » 09.10.2015, 20:36

Hey Asieral,

also soweit ich das verstanden habe, geht es in deinem Text um eine verpasste Chance. Kann aber auch durchaus sein, dass ich mich irre.
An Sich gefällt mir dein Text sehr gut, nur ein paar kleine Sachen:
Asieral hat geschrieben:Ja, was hab ich nicht alles durchsucht und
Ich stolpere etwas über das Ja. Warum
nicht: Was habe ich nicht alles durchsucht und...

Asieral hat geschrieben:Ja ich war schuldig. Ich bin schuldig.

Hier würde ich auch das "ja" weglassen und eher sowas schreiben wie "Ich bin und war schuldig" Vier mal schuldig in einer Zeile ist mir ein bisschen viel

Asieral hat geschrieben:Weg. Weg! Er war weg, einfach weg.

Die Hälfte der weg's kannst du getrost streichen :dasheye:

Asieral hat geschrieben:Heute weiß ich: Er war nie da gewesen.

Dieser Satz ist einfach perfekt! Großes Lob!

Hoffe ich konnte Helfen
Lg Arya
I'll never give up 'cause even if it'll take years of work and thousand trys, it'll always worth it <3

das Leben ist eine Gutenachtgeschichte <3
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Re: [Nachd] Leben

Beitragvon Asieral » 10.10.2015, 13:25

Hallo ihr beiden und vielen Dank für eure Kommentare:)

Ich werde mal schauen, wie ich am besten das ein oder andere einarbeite.. Die Geschichte ist mir während einer Zugfahrt eingefallen und ich hatte auch jetzt noch nicht allzu viel Zeit, mich erneut mit den einzelnen Formulierungen auseinanderzusetzen. Hoffe aber, spätestens nächste Woche dazu zu kommen und vll eine überarbeite Version einzustellen.
Aber die ein oder anderen "ja"s oder "weg"s werden auf realtiv sicher weg sein, ja, das kann ich jetzt schon sagen. Weg!^^

Ich hatte mir die "Aussageabsicht" oder zumindest einen Teil davon, ich möchte jetzt nicht auf alles zu genau eingehen, in etwa so gedacht (sollte jemand zufällig eine Idee haben, wie man das vll besser herausstellen könnte nur her damit^^):
Der Zug soll eine Art "Zug des Lebens" darstellen. Der Protagonist bzw./oder die Protagonistin (das will ich nicht festlegen) hat, wie auch schon vermutet wurde, glaubt, es nicht verdient zu haben, zu leben. Wobei der Lebensbegriff eine zentrale Rolle einnimmt (oder einnehmen sollte^^)

Wichtig ist mir zumindest, dass rauskommt, dass der allgemeine Glaube herrscht, man bedürfe einer Erlaubnis, um leben zu dürfen. Mit leben ist nicht bloßes Existieren, sondern leben in einem philosophischen Sinne gemeint.

Was das Ende der Geschichte angeht..:
Es gibt da mind. zwei(einhalb) mögliche Interpretationen, von denen ich mir erhoffe, dass der Leser zumindest auf eine davon kommen könnte.:
1. (Die etwas trostlosere/traurigere)
Wenn der Zug nie dagewesen ist, dann hatte das "protagonistische" Wesen eigentlich nie eine Chance darauf, das Ziel zu erreichen. Demnach hat vielleicht sogar niemand diese, da niemand einen Zug erreichen kann, den es gar nicht gibt, von dem man aber glaubte oder glauben wollte, dass er existiere. Damit wären wir beim Ausgangspunkt der Philosophie (nach Karl Jaspers), der eine innere Verzweiflung des Menschen und ein "Schuldsein/Schuldigfühlen" als tiefere Ursache der Zuwendung zur Philosophie durch den Menschen sieht.

2.1 (etwas optimistischer)
Das "protagonistische" Wesen (gibt es dieses Wort eigentlich? abgesehen davon, dass es durch die jetzige Benutzung "existent" wurde) hat vll eine falsche Vorstellung vom Leben gehabt. Und vielleicht ist das Leben kein Zug, in den man sich setzen und mitfahren kann. Vielleicht ist es passiv oder gar etwas, für das Fahrkarten verteilt werden könnten, sondern vielmehr etwas, was keiner Fahrkarte bedarf, da das Leben nicht aus einer Zugfahrt besteht, sondern aus dem "Rennen".

2.2
Hätte der Protagonist/die Protagonistin nicht geglaubt, dass es diesen Zug gäbe oder, dass sie/er diesen erreichen könnte, so wäre er/sie doch auch gar nicht losgelaufen. Wenn das Laufen, das Rennen, aber das Leben selbst ist (also etwas Aktives), dann bedeutet dies, dass das Leben erst einer Illusion, eines Traumes bedarf, um erreicht werden zu können.
Die Frage ist, wird der Mensch weiterlaufen können, wenn er merkt, dass sein Traum nichts weiter war als Illusion?

Das Bild des Zuges sollte im besten Fall also sowohl positiv als auch negativ gewertet werden. Falls das noch jemand lesen sollte, denkt ihr, dass man etwas davon rauslesen könnte?

Liebe Grüße
Asieral
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Re: [Nachd] Leben

Beitragvon sarjo » 10.10.2015, 22:50

Hi Asieral,

zuerst einmal, wie ich die Geschichte interpretiert habe.
Ich habe bei der Fahrkarte auch oft an das Leben gedacht, habe mich jedoch schlussendlich dazu entschieden, sie als die "Freiheit" zu interpretieren. Hätte mich sehr gefreut, wenn ich damit Recht gehabt hätte. :D Dazu empfand ich die Interpretation der Schlusspointe als zu passend. Mein Gedanke war nämlich, dass die Freiheit gar kein Zug sein könnte, da ein Zug etwas bestimmtes ist und die Freiheit etwas unbestimmtes ist. Weiterhin kann der Mensch nie wirkliche Freiheit besitzen, da sie eben diese unbestimmte Existenz besitzt. Die Freiheit ist sozusagen transzendent, während der Mensch nach empirischem Wissen strebt. Für den Protagonisten "war" der Zug daher "nie da gewesen."

Jedenfalls gefällt mir gerade diese Vieldeutigkeit deiner Geschichte. Man merkt ja auch, dass du dir einige Gedanken gemacht hast und nicht einfach nur leere Floskeln, wie in einem Horoskop, aufeinanderfolgen lässt. Mir gefällt von deinen drei Interpretationsmöglichkeiten die letzte definitiv am besten, da aus dieser eine weitere Fragestellung folgt. Dadurch gewinnt der Text noch einmal an Tiefe. Ich mag den Gedanken, dass der Mensch einer "Illusion" nachläuft. Musste direkt an den Film Matrix denken und mich fragen, ob ich diese Illusion lieber zerstören würde oder beibehalten möchte. Ich habe hier noch viele weitere Ideen, möchte aber lieber nicht den Rahmen sprengen. :D Ich denke damit hat dein Text auf jeden Fall das erreicht, was du wolltest, denn er hat mich zum nachdenken angeregt.

Ich würde jedoch an deiner Stelle versuchen mich auf eine Interpretationsmöglichkeit festzulegen. Man merkt, dass du dir beim Schreiben nicht sicher warst, was die finale Aussage deines Textes sein sollte. Ich hatte Probleme nachzuvollziehen, wie der Protagonist sich gerade fühlt. Im zweiten Absatz scheint mir der Protagonist sehr wütend zu sein, während er im dritten plötzlich eher ruhig und traurig ist.


Hoffe das konnte dir helfen
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Re: [Nachd] Leben

Beitragvon Heribertpolta » 11.10.2015, 07:46

Servus Asieral,

hier ein Kommentar für dich. Ich werde Überflüssiges und auch Doppler rot markieren. Vorschläge und Verbesserungen blau.


Fahrkarten. Es gibt viele davon, (Beispiele) aber diese eine, diese ganze spezielle, die braucht man eigentlich nicht. Denn es gibt nur eine Person auf der ganzen Welt, die einen daran hindern könnte, einzusteigen und mitzufahren. Diese eine Person ist ein jeder selbst.
Ich weiß noch, wie ich meine Fahrkarte wegwarf, sie dann aber verzweifelt suchte. Ja, was hab ich nicht alles durchsucht und wie sehr hab ich mich dafür verdammt, sie weggeworfen zu haben. Dann glaubte ich aber, dass ich sie zu Recht weggeworfen hätte. Oder eigentlich hätte ich sie verbrennen müssen. Ja, verbrennen!


WEnn man von verschiedenen Fahrkarten spricht, dann bietet sich eine rhythmische Aufzählung an. Ich selbst würde gleich vom Riesenradticket bis zur Bergbahn voll zuschlagen. ist aber Geschmackssache.
Das Wort weggwerfen würde ich nicht so oft verwenden. Im Internet oder im Bücherregal gibt es wunderbare Synonymwörterbücher.

Wer sie wegwirft, der hat sie gar nicht erst verdient. Zu dieser Zeit wusste ich nicht, dass man sie eigentlich nicht brauchte. Wie jeder andere glaubte ich, einer Erlaubnis zu bedürfen.
Oh (Komma) hätte ich das doch nicht geglaubt!
Wie dumm ich mir jetzt vorkomme, so etwas wirklich, ja (Komma) tatsächlich sogar tief im Inneren geglaubt zu haben (Semilolon oder Komma) Es für richtig gehalten zu haben!


Ich habe in diesem Absatz einige Füllwörter rot markiert, die für mich umgangssprachlich wirken und überflüssig sind. Diesmal hast du die Wörter glauben/geglaubt etwas viel verwendet.
Der Punkt im letzten Satz ist störend im Textrhythmus; er hat den Satz in der Mitte einfach unterbrochen...

Wie Ankläger und Richter zugleich (Komma) habe ich mich angeklagt, das kostbare Geschenk, das(s) mir gnädigerweise verliehen wurde, von mir gerissen und in den Müll geschmissen zu haben.


Dieser Satz ist in meinen Augen sehr verunglückt. Die Sache von "Richter und Ankläger" zugleich, ist ein merkwürdiger Vergleich; er wirkt etwas albern. Von mir gerissen ist auch nicht gut formuliert. Aber das größte Problem im Satz ist, dass du selbst der Ankläger bist, jedoch angeklagt wurdest. An einem solch unstimmigen Satz hängt sich der Leser auf, versucht ihn noch kurz zu verstehen - und klappt dann das Buch zu.

Schuldig! Schuldig, was anderes war ich nicht. Ja (Komma) ich war schuldig. Ich bin schuldig.
Und dennoch ( - ) Ich weiß nicht, wie ich zu dem Entschluss kam (Komma oder Semikolon) Aber da war sie auf einmal, diese Idee, nein (Komma) dieses Gefühl.
Ich muss zugeben, es hat Jahre gedauert. Schließlich hatte ich mich selbst verurteilt. Zwangshaft. Ein Martyrium wollte ich erleiden und habe mich weggesperrt.


Das zahlreiche Wiederholen von Schuldig ist stilistisch noch im Rahmen, glaube ich. "Und dennoch" ist meistens noch im Satz inbegriffen und wird nicht mit einem Punkt vom Rest weggetrennt. Auch beim eigentlich letzten Drittel des Satzes verstehe ich nicht, warum du hier einen Punkt setzt.Der Punkt ist für den Satz etwas Entgültiges, er beendet ihn! Das heißt, dass der Leser am Ende die Stimme senkt und schließt, nachdem alles zusammenhängend Erfahrbare im Satz vereint und gesagt wurde. Deine Satzzeichensetzung ist etwas unangebracht und stört den Lesefluss; außerdem verhindert sie massiv Rhythmus und Melodie.

Also rannte ich los. Der Zug stand noch da. Gleich (würde ich ihn erreicht haben), es waren nur (noch wenige) ein paar Meter. Dann aber, begann er loszufahren und ich rannte. (rannte doch vorher schon?) Ja! Ich rannte! Gleichwohl ein vernünftiger Mensch gesagt hätte: „Einen Zug einholen? Zu Fuß? Nein das schaffst du nicht“, rannte ich.


Tja, das ist etwas unfreiwillig komisch: welch ein Mensch ist sooo klug, einem vom Zug-fangen abzuraten? Mensch, muss der klug sein! Und diese Erkenntnis! Dass ein Zug unter Umständen schneller sein könnte! Yeah! :XD:

Nun, ich finde, der Text hat einen (scheinbar) philosophischen Ansatz. Entweder ich erkenne ihn nicht, weil ich nicht klug genug bin - oder - weil du ihn schreibtechnisch nicht klug umgesetzt hast. Beides ist möglich.
Du hast mit doppelungen versucht, die Geschwindigkeit des Textes voranzutreiben, das ist dir meistens gelungen. Allerdings waren einige Begriffe doch etwas zu oft vorhanden.

Mit deiner Zeichensetzung habe ich meine Schwirigkeiten. Ich lese zur Zeit oft Texte im Forum, die nur aus Punkten bestehen. KOmmas sind schon fast kaum noch zu finden. Das Semikolon, ein Zeichen, dass einst erfunden wurde, weil es sinnvoll ist, um einen Haupt- vom Nebensatz zu trennen, hat scheinbar ausgedient... - Nein, natürlich hat es eigentlich nicht ausgedient; es ist sogar noch nötig; aber das interessiert niemandem mehr. Die wenigsten Schreiberlinge lesen sich ihren Text nach der Fertigstellung laut vor und dadurch bekommt der Autor natürlich auch kein Rhythmusgefühl für den Text. Die Satzzeichen steuern dieses Regelmaß beim Vorleser; anhand der Zeichen wird der Satz in Noten gesetzt und gewissermaßen komponiert - so richtig nach Takt. UNd die Guten fügen ihm sogar eine Melodie hinzu, je nach KLang der Wörter.

Gern gelesen und Grüße.
Grüße,

Heribert Polta
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Re: [Nachd] Leben

Beitragvon Asieral » 11.10.2015, 09:30

Hallo sarjo und Heribertpolta

vielen Dank für eure Kommentare:)

@sarjo
Das ganze als Freiheit zu interpretieren ist gar nicht mal so weit, von denen Interpretationen, die ich mir gedacht hatte, zumal der Freiheitsbegriff und der philosophische Lebensbegriff, den ich hier verwende, nicht weit von einander entfernt sind.


@Heribertpolta

Einiger deiner Verbesserungsvorschläge, hatte ich mir sogar schon zur Verbesserung notiert. Jetzt weiß ich, dass meine Überlegungen, dass dies und das anders geschrieben werden sollte, richtig waren:) und hab noch einige andere Baustellen dazu bekommen(bzw die Orte davon; da waren sie ja auch ohne mein Wissen).


Bei einigen Füllwörtern bin ich mir aber noch nicht sicher, ob ich sie streichen werde, da so ein Wort wie "eigentlich" den Protagonisten charakterisieren soll.
Eigentlich zu sagen, bedeutet sich nicht vollkommen festzulegen, und solch eine Person ist der Protagonist; deswegen ist er auch in dieser Situation.
Der Protagonist schwankt und kann sich im Endeffekt doch nicht immer entscheiden, obwohl er sich dieses wünscht und manchmal auch schafft. Aber wie das mit Träumern, den Gefangenen zwischen zwei Welten ist, sie können sich selbst dann, wenn sie sich zur Abstoßung der einen Welt entschieden haben, doch nicht durchringen es vollständig zu tun; es bleibt immer ein Teil der anderen Seite vorhanden.
Von Dostojewski wird gesagt, er habe das Scheitern eines Träumers in "helle Nächte" geschildert; das mag zum Teil stimmen, aber ist auch eine Frage der Perspektive.


Tja, das ist etwas unfreiwillig komisch: welch ein Mensch ist sooo klug, einem vom Zug-fangen abzuraten? Mensch, muss der klug sein! Und diese Erkenntnis! Dass ein Zug unter Umständen schneller sein könnte! Yeah! :XD:

Dieser Teil sollte absichtlich etwas abstrus, vll auch komisch wirken. Zumindest ist solch eine Szene etwas, was laut Dostojewski nur in ganz bestimmten Situationen passiert, was eine weitere Interpretationmöglichkeit eröffnet, die näher an der Philosophie Dostojewskis (so wie sie von Reinhard Lauth interpretiert/dargelegt wurde) ist.


Mit deiner Zeichensetzung habe ich meine Schwirigkeiten. Ich lese zur Zeit oft Texte im Forum, die nur aus Punkten bestehen. KOmmas sind schon fast kaum noch zu finden. Das Semikolon, ein Zeichen, dass einst erfunden wurde, weil es sinnvoll ist, um einen Haupt- vom Nebensatz zu trennen, hat scheinbar ausgedient... - Nein, natürlich hat es eigentlich nicht ausgedient; es ist sogar noch nötig; aber das interessiert niemandem mehr. Die wenigsten Schreiberlinge lesen sich ihren Text nach der Fertigstellung laut vor und dadurch bekommt der Autor natürlich auch kein Rhythmusgefühl für den Text. Die Satzzeichen steuern dieses Regelmaß beim Vorleser; anhand der Zeichen wird der Satz in Noten gesetzt und gewissermaßen komponiert - so richtig nach Takt. UNd die Guten fügen ihm sogar eine Melodie hinzu, je nach KLang der Wörter.


Eigentlich bin ich jemand, der sehr gerne den Leserhythmus lenkt, allerdings geschieht das eher im letzten Arbeitsschritt, den ich hier zugegebenermaßen vergessen habe :oops: :oops:
Ich habe aber oft gesagt bekommen, ich solle doch anstatt eines Kommas oder eines Semikolons lieber einen Punkt setzen; vll liegt es auch daran.
Es gibt ja viele, die sich an Schachtelsätzen stören... aber, Schachtelsätze haben einen ganz eigenen Lesesrhythmus, wirken teilweise etwas rastlos, nur getrennt durch kurze Pausen, die zu kurz sind, um abzusetzen und den Leser somit wie den Protagonisten jagen.
Zumindest habe ich mir das so in der Vergangenheit gedacht.^^

Ach ja.. ist ein Semikolon nicht eig eher dazu gedacht gleichwertige Satzteile voneinander zu trennen? Nebensätze sind per Definition ja untergeordnet und somit nicht von der Regel zur Verwendung eines Semikolons betroffen.

Aber an dieser Stelle noch einmal ein Dankeschön für die ganzen Verbesserungsvorschläge:)

Liebe Grüße
Asieral
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