Hi,
Ich habe den Anfang einer kurzen Geschichte schon eine Weile liegen. Hatte sie ins Englische übersetzt und ein Drehbuch geschrieben. Dort ist es ein Nebenhandlungsstrang. Aber da mein Computer es gefressen hat, stehe ich jetzt wieder mit dem kurzen Anfang da, von dem alles aus ging. Vermutlich war sein Weg nicht der Richtige. Was fängt man mit so etwas an?
Vorüber (Arbeitstitel)
Und wenn ich mich jetzt umbrächte? Das haben sich sicherlich schon viele gefragt. Einige nur einmal. Ich würde offensichtlich niemanden vermissen. Jule würde mich finden. Was würde sie von mir denken? Schwächling. Dilettant. Schwein. Zurecht.
Ich habe einmal das Leben geliebt. Als Kind, als Jüngling, als Geliebter, als Vater, als Großvater. Und nun? Bin ich ein Totgeweihter. Ein Sterbender. Manche behaupten, dass man von Geburt an auf den Tod zugeht. Für mich waren es immer nur zwei Zäsuren, die geschahen. Einfach nur geschahen. Mehr nicht. Was hat das eine im Bereich des Anderen zu suchen? Nichts.
Jule. Seitdem sie sechszehn war, war sie nicht von meiner Seite gewichen. Die Dekaden verstrichen, veränderten, doch wir waren immer eins. Das soll ein Ende haben? Ein einsames, übrig gebliebenes Uns war nicht bildlich zu fassen. Wie konnte etwas sein, dass nicht vorzustellen war?
Die Zeit forderte nun ihren Tribut. Es war unausweichlich. Ich hatte mein ganzes Leben die Macht zu sagen, wann es Enden sollte und nun eilte das Ende mit unaufhörlichen Schritten auf mich zu. Die Gegenwart hatte sich verändert. Sie verging. Jeden Moment. Früher hatte es keine Zeit gegeben. Nur Zeiten, die sich wandelten. Aber stets waren wir Teil des Ganzen. Nun war es einfach ... vorüber.
