Liebe Gemeinde,

Humor, Freude, Spaß

Liebe Gemeinde,

 
Schon etwas älter, diese Zeilen. Lyrik finde ich immer sehr heikel, deshalb erstmal etwas unverfänglich Sarkastisches:



Liebe Gemeinde,

Wir haben uns heute hier eingefunden
Curricula Vitarum abzurunden

Rhetorische Fragen
Verbitten sich Klagen
Wo himmlische Geigen
Zu schweigen gebieten

Vor Gott, der Himmel und Erd‘ gemacht
Nach allem Mann und Frau geschafft
Gelobet sogleich gewissenhaft
In guten wie in schlechten Zeiten
Bis euch der Tod dahingerafft
Einander stets die Treu‘ zu halten

So will denn er, so will denn sie
In nomine Patris et filii
Et spiritus sancti, in Ewigkeit

Gesegnet seid

von Infant

Re: Liebe Gemeinde,

 
Hallo, infant, ich finde Dein Gedicht frech, sarkastisch und schön geschrieben, allerdings fehlt mir eine konkrete Aussage. Es ist nur eine Art Zustandsbeschreibung. Der Pfarrer, wie so oft, tritt als Zuchtmeister auf und verbittet sich jeden Zweifel. Hilfreich ist das für Niemenaden, auch Dein Gedicht nicht, wenn Du nicht noch eine Moral als Abschluss hinzu fügst. Herzliche Grüße, taff

von taff

Re: Liebe Gemeinde,

 
Hallo Infant,
Latein *jubel* Lateinlatein xD
Nein. In Ordnung, ich bleibe ernst.
Ich hab dein Gedciht mal wieder aus den Ecken hervorgekramt, unter anderem, weil ich, als sonst eher Epik und nicht Lyrikleser, den Titel ungewöhnlich fand (belehr mich eines besseren :])
Dein Gedicht liest sich flüssig und hat für mich einen angenehmen Stil.
Nur einmal holper ich und ich zeig dir einfach mal die Stelle, ohne einen VErbesserungsvorschlag machen zu können, weil ich lyrisch einfach unbegabt bin *seufz*
Infant hat geschrieben:Wo himmlische Geigen
Zu schweigen gebieten

Bei dir reimt sich auf unterschiedliche Art und Weise alles miteinander, du weißt was ich meine, doch hier holpert man meiner Meinung anch.
Mir ist doch ein Vorschlag eingefallen, aber bitte lach nciht:
Wo himmlische Geigen
befehlen zu schweigen
oder so ähnlcih, jedenfalls finde ich, dass das 'schweigen' an das Ende gesetzt werden sollte..
Na ja, aber das ist nicht weiter dramatisch.
Im Gegensatz zu taff finde ich schon, dass das Gedicht eine Moral hat, aber die breite ich hier nicht aus, falls ich falsch liege. Doch daran, an dem roten Faden oder wie auch immer, habe ich cnihts auszusetzen ;]
Gerne gelesen. ich mochte deine Sprache ^^

LIebe Grüße
Salimba

von Salimba Booh

Re: Liebe Gemeinde,

 
Hmm, ich fürchte fast, dass mein Text von dir, bester taff, doch ein bisschen plump interpretiert wurde. Ein eigener Deutungsansatz soll hier natürlich niemandem unvergönnt bleiben, aber ich lass mich auch ungern als schnöden Kirchenkritiker hinstellen. Der Pfarrer spielt für mich in dem Gedicht jedenfalls nicht mehr als eine Nebenrolle.

Nichts wäre leichter als "zu schweigen gebieten" in ein "gebieten zu schweigen" umzuschreiben, sodass sich der Text auch an dieser Stelle reimt, aber der Holperer war eigentlich beabsichtigt... Vielleicht ist er schlecht platziert? Ich weiß es nicht - mehr Feedback deshalb gern!

von Infant

Re: Liebe Gemeinde,

 
Hallo, infant, ich bitte um Pardon. Vielleicht habe ich in Dein Gedicht zuviel von meinen Gedanken mit hinein interpretiert, weil ich mich gerade in einer inneren Auseinandersetzung
mit der Amtskirche befinde. Mit lieben Grüßen, taff

von taff

Re: Liebe Gemeinde,

 
So ganz kann ich die Bedenken von taff aber auch nicht abstreiten.

Wenn dein Pfarrer nicht die Hauptrolle spielt. Wer spielt sie dann? Das Ehepaar das am Ende nur kurz erwähnt wird, selbst gar nicht zu Wort kommt?

Oder vielleicht sogar die Geigen?
Denn offenbar hast du durch die Nicht-Reimung versucht etwas aufzuzeigen. Aber was genau, das versperrt sich mir irgendwie.

Ich kann mir nur vorstellen, dass mit den himmlischen Geigen alle heutzutage Geistlichen gemeint sind, die versuchen alle Kritiker des Glaubens zum Schweigen zu bringen??
Vielleicht sogar Kritiker des, seit so vielen Generationen traditionellen, Ehegelübdes vor dem Pfaffen?

taff hat geschrieben:Vor Gott, der Himmel und Erd‘ gemacht
Nach allem Mann und Frau geschafft
Gelobet sogleich gewissenhaft
In guten wie in schlechten Zeiten
Bis euch der Tod dahingerafft
Einander stets die Treu‘ zu halten


Du schreibst das Ganze sehr absolut. Als eine Tatsache. Es ist einfach so dass wir von Gott gemacht sind. Punkt Ende.
In diesen Zeilen kommt der Pfarrer zur Sprache, bzw der Pfarrer stellvertretend wieder für alle Pfarrer und Geistlichen.

taff hat geschrieben:So will denn er, so will denn sie
In nomine Patris et filii
Et spiritus sancti, in Ewigkeit

Gesegnet seid


Auch hier wieder diese Endültigkeit. Der Pfarrer nimmt sich das Recht raus zu behaupten, dass sie will und das er will. (Normalerweise werden die Betroffenen ja erstmal gefragt).

Die Geistlichkeit stellt sich hier also über die "normale" Bevölkerung und sagt: Ihr wollt heiraten, ihr habt zu heiraten, das ist Gott gewollt, also seid ihr jetzt verheiratet, viel Spaß damit und Tschüß, die nächsten Bitte.

Ich denke die Kritik in deinem Gedicht wendet sich gegen den Akt des kirchlichen Heiratens. Nicht gegen das Heiraten an sich, sondern dagegen WIE diese abgehalten wird.
Um 13:00 Uhr heiratet das Paar Müller, der Pfarrer leiert seine predigt, alles klatscht und um 13:30 heiratet am gleichen Ort das Paar Schneider mit der gleichen Prozedur.
Dieses "husch, husch, wir müssen uns beeilen" kommt in deinem kurzen Gedicht und seiner Dynamik darin auch sehr gut ins Auge.

Die Kirche geht mit Ehepaaren um wie mit einem Produkt das über die Kasse gezogen wird, tütüt, verkauft. Finde ich eine sehr schöne Idee als Gedicht und du hast es auch gut zum Ausdruck gebracht (Wenn du es denn so gemeint hast)
Unter diesem Gesichtspunkt hätte ich das Gedicht eigentlich eher unter der kritischen Rubrik angesiedelt.

PS: Mit Trauerfeierund und Beerdigungen wird übrigens das gleiche Schindluder betrieben.

In diesem Sinne^^

von LaIntoccabile

Re: Liebe Gemeinde,

 
Danke für die Antwort! Ja, in der Tat wollte ich kein romantisches Bild von der kirchlichen Hochzeit zeichnen. Der Priester segnet gedankenlos ab. Das Paar selbst - so hatte ich eigentlich für mich unterstellt - ist selbstverständlich einverstanden mit ihrer Verheiratung, aber vielleicht war die Entscheidung überstürzt, das geb ich gern zu.
Um die Frage nach der Hauptperson zu beantworten, möchte ich der Einfachheit halber aber die Aufmerksamkeit auf das "lyrische Ich", einen Zuschauer richten, der nicht so weit außen vor stehen sollte, wie es offenbar rüberkommt... :)

von Infant