[Liebe]McPherson-Saga (4/20) ERGÄNZUNG

Liebe, Romantik, Sehnsucht

[Liebe]McPherson-Saga (4/20) ERGÄNZUNG

Beitragvon TanjaMerz » 17.11.2014, 21:45

Emilie musterte ihn, wie seine Lippen sich spöttisch und anziehend zugleich, zu einem Lächeln verzogen. „Du hast einfach die Angewohnheit, alles auf den Kopf zu stellen.“ Er ließ sich neben ihr fallen und streckte sich der Länge nach aus. „Nicht selten war das Schimpfen deiner Amme zu hören, weil du ihr entwischt warst.“
Emilie prustete los. „Ja, mit Fiona und Alexander umherzutollen war verlockender als in die Nähschatulle zu greifen. Die alte Mairi hat mir deshalb einmal ordentlich die Meinung gesagt: dass sie nicht wüsste, wie ich mich als Ehefrau später bewähren solle, ohne jegliches Interesse für Handarbeit und Hauswirtschaft und sie bei meiner großen Schande nicht dabei sein wolle.“
Iain lag auf dem Rücken und hielt sich den Bauch vor Lachen. „Tja, Em, die Tugend des Weibes wird immernoch an der häuslichen Bewährung gemessen.“ „Ich weiß.“ Sie verdrehte die Augen. „Schon die Griechen sagten, die Tugend der Frau sei nicht schwer zu bestimmen: sie bestehe darin, dass sie das Hauswesen wohl verwaltet, das vorhandene Gut erhält und -“ Den Rest würde sie sich verkneifen.
„Ihrem Manne gehorcht“, vervollständigte Iain den Satz mit Nachdruck. „Und wenn ich mich nicht irre, stammt diese Weisheit aus dem fünften Jahrhundert vor Christi Geburt.“
Was treibt dieser Mann eigentlich den lieben langen Tag, überlegte Emilie und drehte sich nach ihm um. Saß er in der Bibliothek ihres Vaters und stöberte in alten Schriften?
„Griechische Lektüre scheint nicht nach deinem Geschmack zu sein“, grinste er.
Wollte er sie auf den Arm nehmen? „Doch, allerdings. Aber meiner Ansicht nach ist es an der Zeit, unbrauchbare Stellen zu streichen.“
Iain lachte.
Emilie erinnerte sich: „Der heilige Bernhard von Clairvaux zum Beispiel verfasste die Lehre vom Haushaben. Die ist wirklich brauchbar! Er sagt: Höre denn und paß auf, dass, wenn in deinem Haus Verbrauch und Einnahmen gleich sind, ein unvorhergesehener Fall leicht den ausgewogenen Zustand durcheinander bringen könnte. Wer sich nachlässig benimmt, dessen Haus ist ruiniert.“ Sie gähnte. „Ich weiß recht gut, worauf es ankommt: Sparsamkeit und wohlüberlegtes Wirtschaften. Aber alle anderen Maßregelungen finde ich überflüssig.“
„So?“
„Ja. Eine Frau sollte ohnehin versuchen, so sparsam wie möglich zu kalkulieren. Es ist nicht nötig, sie jeglicher Selbstbestimmung zu berauben.“
„So denkst du. Ich aber kann dir eine Menge Beispiele nennen, wo das nicht gelingt. Manches Eheweib denkt ausschließlich daran, sich zu schmücken, um vor ihren Nachbarn und Verwandten zu prahlen. Und das leert die Goldtruhe ihres Gatten.“
Emilie stützte sich auf den Ellbogen und lehnte sich zu Iain hinüber. „Dann sollte jeder Mann sich nach einer vernünftigen Frau umsehen, die ein Heim zu führen weiß, anstatt ein Weib zu ehelichen, das er sein Lebtag züchtigen muß, weil ihrer Gefallsucht nicht anders beizukommen ist. Meinst du nicht?“
„Es ist die Aufgabe des Weibes, ihrem Manne gefällig zu sein. In Betragen und Erscheinung.“
Emilie schnaubte. „Ein unmündiges Weib ist euch auch sehr viel angenehmer.“
„Ich wollte auf etwas Bestimmtes hinaus, du kleiner Hitzkopf: Frauen werden darin unterwiesen, sich um ein ansehnliches Äußeres zu bemühen und die Welt einer Lady besteht nur aus diesem Grund aus teuren Stoffen und Kleidern, Schmuck und anderem Zierrat. Alles Dinge, die ein Vermögen kosten. Deshalb wird dieses Problem aber auch fortbestehen.“ Er zuckte die Schultern. „Die Tugend einer Lady bemisst sich nunmal an ihrem Gehorsam und den Regeln der feinen Sitte. Und da eine Dame einen Schleier zu tragen und höfliche Konversation zu pflegen hat, wird das auch von dir erwartet.“
Iain betrachtete die Wolken, die über den Himmel wanderten aber Emilie hatte das schalkhafte Blitzen seiner Augen sehr wohl bemerkt.
„Dann besitze ich eben keine Tugend“, schnaubte sie.
Er sah zu ihr herüber, doch sie tat, als würde sie das nicht interessieren.
„Em, lass dir darüber keine grauen Haare wachsen. Du bist bescheidener als jede Lady, die ich kenne. Und in der Heilkunst kennst du dich bestens aus.“
Emilie fragte sich, wieviele dieser wohl unbescheidenen Laidies schon seine nähere Bekanntschaft genossen hatten. War er doch auf den einen oder anderen Annäherungsversuch einer Besucherin eingegangen?
„Ich werde versuchen, Duncan von deinen Fähigkeiten zu überzeugen. Er hat dein Talent bisher unterschätzt.“
Emilie machte eine ungläubige Geste. „Du möchtest ihn beschwichtigen? Das wird nichts nutzen. Er ist zornig und das einzige, was ich dagegen tun kann, ist, mich nur recht willig nach seinen Bestimmungen zu richten und irgendeinen Laird zum Manne zu nehmen. Die Heilkunst interessiert meinen Vater wenig. Er weiß nichteinmal, dass ich jedesmal an den Spey reite, um unsere Vorräte an Heilkräutern aufzufüllen.“
„Em, sei gnädig. Duncan würde dir das nie sagen, deshalb sage ich es dir jetzt: dein Vater liebt dich über alles und er würde jedem den Kopf abschlagen, der es wagte, dir etwas anzutun.“
Sie betrachtete Iains Hals und die blonden Bartstoppel an seinem Kinn und fragte sich, wie es gewesen wäre, wenn er von sich gesprochen hätte.
Iain richtete sich auf. „Lass uns mit den Übungen beginnen.“
Sie stießen die angespitzten Haselruten in den Boden. Diese wurden zu provisorischen Zielen umfunktioniert und dazu benutzt, sie in Geschick und Präzision zu schulen.
Da sie sehr klein war, hatte Iain sie von Anfang an darauf trainiert, ihren Gegner an den unteren Gliedmaßen zu treffen.
Man muss die eigene Schwäche umkehren und sie als Stärke nutzen.
Diesen Satz konnte sie im Schlaf hersagen.
Nach dem Geschicklichkeitstraining reichte Iain ihr eine richtige Waffe. Ein halbes Jahr lang hatte er sie nur mit Holzschwertern üben lassen. Um ihre Armmuskeln zu stärken und Verletzungen zu vermeiden.
Jetzt durfte sie eine Waffe aus Stahl führen.
Sie standen sich auf der Wiese gegenüber, bereit, mit dem Kampf zu beginnen.
Der Wind wehte ihr sachte über die Wangen, hoch über sich hörte Emilie den spitzen Schrei eines Habichts. Leise drang das Rauschen des Waldes an ihr Ohr und das Breitschwert lag fest und schwer in ihrer Hand.
Wie immer, kurz vor dem Kampf, nahm sie die Umgebung mit übernatürlicher Schärfe wahr und fühlte sich so lebendig wie sonst nie.
Emilie atmete tief durch, umklammerte das Heft und stürmte auf ihren Gegner zu. Innerhalb weniger Augenblicke verdichtete sich ihre Wahrnehmung auf Iains Brust und die Bewegung seiner Arme.
Stahl schlug auf Stahl und das metallische Klingen der Waffen hallte über die Lichtung.
Iain parierte ihren Angriff mit Leichtigkeit. Seine Waffe blieb unter ihrem Hieb unbeweglich wie eine Steinmauer. Die Übungen mit ihr rangen seinem mächtigen Körper keine Anstrengung ab. Die Geräusche des Gefechtes wurden nur von seinen Kommandos durchbrochen.
Sie wagte einen Ausfallschritt. Er hielt stand.
„Jetzt zurück! Arm hoch!“
Sie war flink, doch Iain war trotz seines beachtlichen Gewichts erstaunlich leichtfüßig und als Krieger stets vorausschauend.
„Denk an die Deckung! Dein Gegner wird dich nicht verschonen, wenn du damit nachlässig bist.“
Iain simulierte drei gezielte Schläge gegen ihre Schulter. Dabei stimmte er seine Kraft genau auf sie ab. Trotzdem trat ihr der Schweiß auf die Stirn, während sie versuchte, ihn abzuwehren.
„Schneller!“
Sie parierte so gut sie konnte.
Ohne das Training mit den schweren Holzwaffen hätte sie den Übungen nicht im entferntesten standhalten können. Jeder Hieb kostete enorme Kraft.
Schließlich drückte Emilie ihre Waffe mit beiden Händen und aller Gewalt gegen Iains Klinge, bis dieser nachgab. Damit hatte sie ihn einige Augenblicke zurückgedrängt.
„Nicht aufgeben! Greif an!“ Iain machte eine einladende Geste.
Leicht gesagt. Iain sah immernoch so frisch aus wie heute Morgen. Sie hingegen gab sich alle Mühe, vor Erschöpfung nicht umzufallen.
Ihr war klar, weshalb die Männer es waren, die in die Schlacht zogen.Weshalb es ihnen zustand, zu befehlen: Sie waren stark. Sie hatten die Macht.
Aber das würde sie niemals zugeben.
„Los, Em! Keine Schwäche zeigen“, forderte er.
Sie ging zum Angriff über. Blitzschnell hebelte sie ihr Schwert um seines herum, brach Iains Deckung und zielte auf seine Flanke. Da war wieder das Blitzen seiner Waffe. Iain wehrte ab.
Emilie lief um ihn herum, Iain drehte sich mit ihr. Erneut ging sie auf ihn los.
„Halt den Rücken gerade!“
Er wich zur Seite aus. Sie stolpert von der eigenen Wucht nach vorne, konnte sich gerade noch auf ihre Waffe stützen.
„Gleichgewicht, Em! Hast du denn alles vergessen?!“
Sie wandte sich wieder um und kam auf ihn zu. „Gib dein Bestes, Iain“, rief sie ausgelassen. „Sonst muss ich Vater erzählen, dass deine Arme nur noch zum Viehhüten taugen!“
Er legte den Kopf in den Nacken und lachte aus vollem Halse.
TanjaMerz
 
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Re: McPherson-Saga (4/20) ERGÄNZUNG

Beitragvon Concorde » 24.11.2014, 00:25

Hallo Tanja,

ich kommentiere die beiden Teile in einem, weil sie ja eigentlich zusammengehören.

zum Inhalt:

Emilie und Iain treffen sich im Wald, wahrscheinlich im Geheimen, und diskutieren die Pläne ihres Vaters.
Emilie will sich nicht abfinden mit der Rolle, die ihr als Frau zugedacht ist, sie möchte kämpfen lernen, und ganz nebenbei ist sie in Iain verliebt.
Der letztere Umstand geht irgendwie unter. Du teilst es mir zwar mit, dass dies so ist, aber ich fühle es nicht. Die Sätze die sich auf ihre Verliebtheit beziehen stehen irgendwie ohne Zusammenhang im Raum.
zB.
Er ahnte nicht, dass seine Zärtlichkeiten ihr Herz zum rasen brachten.

ich sehe erstens keine Zärtlichkeiten (Schwertkampf, also bitte, das Pärchen hat ne seltsame Vorstellung von Romantik :mrgreen: ), zweitens habe ich nicht den Eindruck, dass Emilie mit Herzrasen oder anderen irrwitzigen Symptomen rumläuft. Sie wäre wahrscheinlich auch nicht annähernd kampffähig in diesem Zustand.
Für mich machen die beiden den Eindruck zweier Vertrauter, die sich schon lange kennen, die keine Geheimnisse voreinander haben, sich aufeinander verlassen können. Gute Freunde eben.
Wobei es durchaus nachvollziehbar wirkt, dass sich aus so einer tiefen Freundschaft zwischen mann und Frau einmal Liebe entwickelt, aber das musst du meiner Meinung nach anders aufziehen. Emilie ist wohl auch nicht die "typische" Frau die einem Mann zu Füßen liegt und ihn anschmachtet. Du könntest immer wieder mal einbauen was sie in seiner Gegenwart empfindet, dass sie seine Berührungen genießt
Ihr Wunsch, Iain zu heiraten, könnte auch darin begründet liegen, dass er der einzige Mann ist, der sie so akzeptiert, was sie ist, eine sozusagen "Freundschaft mit gewissen Vorzügen" anstrebt, und sie erst nach und nach kapiert, dass sie ihn tatsächlich liebt mit allem was dazugehört. Ich denke, dass so eine Entwicklung wohl auch ganz gut zu Emilies Charakter passen würde.

Er bemutterte sie immernoch wie damals,

ich glaube nicht, dass er dieses Mädchen bemuttern muss, und ich denke auch nicht dass er es vor hat. Wenn, dann sehe ich seine Rolle eher als die eines "großen Bruders" denn einer bemutternden Glucke.

Das Gespräch über diverses Schrifttum zu den Tugenden einer Frau könnte man unter Umständen etwas kürzen. Es wird mit weniger Sätzen auch schnell klar, wie weit Emilies Ansicht von der vorherrschenden Meinung abweicht.
Im Übrigen, weil es mir in anderen Kommentaren aufgefallen ist, würde ich dir raten, dich nicht drausbringen zu lassen von Argumenten, dass Frauen dies und jenes in der damaligen Zeit gar nicht durften/nicht die Möglichkeit dazu hatten/etc. Ein braves Mädchen, das sich in das Schicksal fügt, das ihr vorgegeben ist, ist für einen Roman eher langweilig, und genau die Tatsache dass Emilie so ein Querkopf ist, macht ihren Charakter so interessant. UND es gab in fast jeder Epoche Frauen die ihrer Zeit weit voraus waren. Es waren wenige, und sie hatten es nicht leicht, aber es gab sie.

Die Kampfszene finde ich cool. Überhaupt, mal ein Liebesroman mit einer taffen Frau die eine eher ungewöhnliche Rolle einnimmt, das gefällt mir extrem :D
Ihr war klar, weshalb die Männer es waren, die in die Schlacht zogen.Weshalb es ihnen zustand, zu befehlen: Sie waren stark. Sie hatten die Macht.

Ich glaube, dass Emilie darüber zwar nachdenkt, dies aber sofort wieder relativieren würde: denn schließlich würden Männer von Kindheit an auf ein Leben als Krieger vorbereitet und können den ganzen Tag trainieren, während sie ihre Zeit mit so unnützen Dingen wie Hauswirtschaft verplempern muss und sich heimlich zum Training im Wald treffen... Überdies glaube ich, dass sie nicht kämpfen lernen wollte wenn sie sich nicht sicher wäre, dass sie irgendwann mal ihren männlichen Gegnern ebenbürtig sein kann.

Bis jetzt finde ich deine Geschichte interessant. Du hast mal schon eine Menge Fragen aufgeworfen, und ne Menge Konfliktpotential geschaffen. Auch gespannt bin ich, zu erfahren, warum Emili unbedingt kämpfen lernen will, und ob sie eventuell noch die Gelegenheit hat, das Erlernte in einem echten Gefecht unter Beweis zu stellen. ich würde es ihr vergönnen, dann könnte sie ihrem Vater beweisen, dass Frauen auch für was anderes taugen als zum heiraten - hmm, da meldet sich wohl wieder die Emanze in mir :twisted: , wobei du da wahrscheinlich auch die Zielgruppe mitberücksichtigen musst für die du schreibst - die klassische Highlanderromanleserin ist wohl eher keine überdrehte Frauenrechtlerin die sich ab und zu ganz gern mit Jungs prügelt, und wird sich unter Umständen mit einer schwertschwingenden Emanze nicht so sehr identifizieren können als mit der typischen schmachtenden schwer verliebten Frau... Andererseits kann auch gerade die Tatsache, dass mit Klischees radikal gebrochen wird, zu unerwartetem Erfolg verhelfen...

Ich hoffe ich konnte dir irgendwie hilfreich sein.

LG Concorde :D
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Wer die Gesetze nicht kennt, bringt sich um das Vergnügen, gegen sie zu verstoßen.
(Jean Genet)
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