Mischen von Erzählformen / Perspektiven

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Mischen von Erzählformen / Perspektiven

Beitragvon [Lena] » 13.03.2013, 16:11

Hallo ihr Lieben

Ich hab alles erdenkliche zu meiner Frage bei "Suche" eingegen, jedoch kam nie ein Treffer raus, also eröffne ich hier mal ein neues Thema.,
Falls es das schon geben sollte, dann tut mir das leid xD

Also. Meine Frage ist:
Ich habe vor, einen Roman generell aus der Ich-Perspektive zu schreiben.
Aber:
Ich würde manchmal gerne zwischen zwei Personen hin und her switchen.
Einmal Protagonistin aus der Ich-Perspektive
und
Protagonist aus normaler Erzählweise.

Jetzt meine Frage.
Würde das komisch zu lesen sein?

Hier mal ein Beispiel.

Ich ließ mich stöhnend auf das Bett sinken und schlug die Hände über mein Gesicht. Wie zur Hölle sollte ich aus diesem Schlamassel wieder herauskommen?
Schnitt -> Beginn nächstes Kapitel
Er schloss die Zimmertüre hinter sich und ging den langen, kahlen Flur hinunter. Er wusste einfach nicht, was er von ihr halten sollte.
Manchmal würde er ihr einfach gerne ein Taschentuch in den Mund stopfen, nur um ihren andauernden Redeschwall zu stoppen. Doch dann waren da wieder diese Momente, in denen er sich wünschtel, die Augen schließen zu können und sich einfach nur auf den wunderschönen Klang ihrer Stimme konzentrieren zu können.


Alsooo..was sagt ihr? Kann man das so schreiben, oder wird das einfach zu verwirrend ?
Zuletzt geändert von Julestrel am 03.04.2013, 22:14, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Titel angepasst.
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Re: Mischen von Erzählformen

Beitragvon SophieGirly » 13.03.2013, 16:17

Meiner Meinung nach ist es nicht verwirrend außer du springst in einem Kapitel ständig von einer Person zur anderen. Aber wenn zb ein Kapitel aus der Ich Perspektive und das andere aus der Erzählform erzählt wird geht das. Ich kenne viele Bücher die so geschrieben sind.
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Re: Mischen von Erzählformen

Beitragvon Olaf53 » 13.03.2013, 17:39

Da kenne ich eine gute Lösung, die ich allerdings dem Lesen guter Romane entnommen habe. Der Plot ist eine Gliederung nach Handlungssträngen. Jeder Handlungsstrang beginnt mit einer anderen Person.

Die Ich-Form ist Geschmackssache. Ich verwende sie nicht, denn es klingt etwas danach, als ob ich eigene Erfahrungen verwerten würde. (Das ist eine Frage der literarischen Absicht).

Wenn du einen längeren Roman schreiben willst, dann würde ich dir das Mischen von Erzählformen und die Kombination von Handlungssträngen sogar ausdrückich empfehlen. Es sorgt für mehr Abwechslung und vermeidet Langeweile.
Die Frage bleibt offen, ob mein Krimi wirklich so eine gute Idee ist. Vielleicht kann ich auch anders.
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Re: Mischen von Erzählformen

Beitragvon Julestrel » 14.03.2013, 10:11

Jetzt meine Frage.
Würde das komisch zu lesen sein?

Es ist die ersten zwei oder drei Kapitel etwas gewöhnungsbedürftig, dann merkt man es jedoch nicht mehr direkt.

Brigitte Melzer hat das in mindestens einem ihrer Bücher gemacht, dass eine der beiden Perspektivenfiguren in der Ich-Form und die andere in der dritten Form erzählt hat. Dadurch hatte man den interessanten Effekt, dass die menschliche Protagonistin einem als Leser sehr nahe war, während der Engel ua.a. durch diese Perspektive aus der dritten Person mehr Abstand erhielt.


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Re: Mischen von Erzählformen

Beitragvon berwil » 14.03.2013, 17:27

Mir gefällt deine Wahl der Perspektiven.
Der Protagonistin kommt man so sehr nahe und kann ihre Gedanken und Gefühle gut nachvollziehen, während an auch etwas aus der Sicht der Protagonisten erfährt. Dabei kann man die beiden Perspektiven sehr gut auseinander halten, weil eben einmal "ich" und einmal "er".
Finde ich gut und lese ich auch gerne.
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Re: Mischen von Erzählformen

Beitragvon [Lena] » 14.03.2013, 17:32

Danke für eure Antworten.

Ich denke, ich werde es einfach mal versuchen und abwarten, was dabei dann rauskommt.
Ich finde es nur immer Schade, wenn eine Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird (Und darin schreib ich nunmal am liebsten xD) und man so wenig über die anderen Personen erfährt, so wenig von deren Gefühlen, deshalb wollte ich mal mischen.
Mal abwarten, was da dann dabei rauskommt xD
LG
Lena
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Re: Mischen von Erzählformen

Beitragvon Nachtwache » 14.03.2013, 18:05

In dem Buch Assassini hat Gifford das auch gemacht, ist sogar extra bei wikipedia erwähnt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Assassini
Zuletzt geändert von Ballater am 24.03.2013, 17:24, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Rechtschreibung korrigiert
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Re: Mischen von Erzählformen

Beitragvon zickzack » 15.03.2013, 19:28

Hi Lena.
Das Gleiche habe ich im Moment auch vor. Mir geistert da so eine Geschichte im Kopf rum mit zwei Protagonistinnen. Die eine werde ich aus der Ich-Perpektive schreiben, um die es auch mehr gehen wird und die Zweite aus der Sie-Perspektive. Das wird am Anfang abwechselnd sein, als ein Kapitel die eine, dann die andere. Schwierig wird es erst wenn sie dann zusammen treffen...
Ich denke mal, das wird schon zu lesen gehen. Habe auch schon Bücher in dieser Form gelesen, von daher muss das Konzept ja aufgehen. :wink:
LG Zickzack
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Re: Mischen von Erzählformen

Beitragvon LadyOfTigers » 15.03.2013, 20:41

Liebe Lena,

Ich habe dasselbe mit meinem nun fertigen Roman gemacht, d.h. immer wieder zwischen Ich- und Er-Perspektive gewechselt. Dabei habe ich aber darauf geachtet, dass die Ich-Perspektive mehr Kapitel kriegt, da sie ja die Hauptperson darstellt. Für den Anfang mag das verwirrend sein, aber man gewöhnt sich an diesen Perspektivwechsel sehr schnell. :wink:

Grüsse,
Lady
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Re: Mischen von Erzählformen

Beitragvon ManiaChris » 17.03.2013, 04:33

Es gibt genügend Bestseller, die diese Methode anwenden, auch ich benutze sie. Es ist auch ziemlich einleuchtend: Wenn man in der Ich-Perspektive schreibt, ist es zwar klar, dass es einen ganz bestimmten Charakter gibt, der am wichtigsten ist, aber trotzdem wird es nach einiger Zeit einseitig, immer nur aus der Sicht eines einzigen Charakters zu lesen. Das ist zum Beispiel der Fall bei The Hunger Games (dt. die Tribute von Panem). Zwar ein klasse Buch, aber meiner Meinung nach hätten ein paar Perspektivwechsel (z.B. zu Peeta oder Gale) nicht geschadet.

Es ist also nicht nur völlig okay, ich würde es auch bei Benutzung der Ich-Perspektive persönlich empfehlen.
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Re: Mischen von Erzählformen

Beitragvon cass » 17.03.2013, 07:39

Machbar ist es auf jeden Fall, wie die anderen schon ausgeführt haben. Ich finde allerdings , dass die Frage sein muss: Braucht die Geschichte die beiden Perspektiven? Ich bin in 99 % der Fälle der Meinung, dass die Geschichte es nicht gebraucht hätte. Und der Autor es sich dadurch sehr einfach macht.
Es ist deutlich schwieriger die relevanten Infos auch ohne Perspektivwechsel an den Leser zu bringen.
Ich finde mehrere Perspektiven grundsätzlich eher ätzend und ärgere mich meistens, wenn ich unbemerkt wieder so ein Buch erwischt habe. Aber das ist natürlich nur mein persönlicher Geschmack.
Momentan lese ich ein Projekt gegen, bei dem mich die zwei Perspektiven überzeugen, weil sie für einen der Spannungsbögen und eine Nebenhandlungens unerlässlich sind. Oder das bis jetzt zu sein scheinen. Da sind es allerdings zwei Ich-Perspektiven und die Figuren gleichberechtigte Hauptfiguren.

Just :2cents:

Lg cass
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Re: Mischen von Erzählformen

Beitragvon Nachtwache » 19.03.2013, 08:57

ManiaChris hat geschrieben: [...] Wenn man in der Ich-Perspektive schreibt, ist es zwar klar, dass es einen ganz bestimmten Charakter gibt, der am wichtigsten ist, aber trotzdem wird es nach einiger Zeit einseitig, immer nur aus der Sicht eines einzigen Charakters zu lesen. [...]


Den Satz würde ich so nicht uneingeschränkt stehen lassen wollen. Wenn mir auch grad kein hundert Prozent passendes Beispiel einfällt, so scheint es mir doch denkbar, ein Buch aus der ich-Perspektive zu schreiben, ohne das "ich" der Protagonist bin/ist; sondern in der Form, dass "ich" den Prota erlebe/erlebt. Ansatzweise ist das in Agatha Christies "Mord im Pfarrhaus" aus der "Miss Marple"-Reihe umgesetzt.
kuckst du hier:
http://www.hilfreich.de/mord-im-pfarrhaus-glanzstueck-von-agatha-christie_8521
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Re: Mischen von Erzählformen

Beitragvon Drachenkind » 19.03.2013, 11:58

Nachtwache hat geschrieben: Wenn mir auch grad kein hundert Prozent passendes Beispiel einfällt, so scheint es mir doch denkbar, ein Buch aus der ich-Perspektive zu schreiben, ohne das "ich" der Protagonist bin/ist; sondern in der Form, dass "ich" den Prota erlebe/erlebt.

Oh, da kenne ich ein gutes Beispiel: Sherlock Holmes ist zum Großteil aus Watsons Sicht in der Ich-Perspektive geschrieben, bis auf ein paar Geschichten aus Sherlocks POV. Der Vorteil liegt dabei darin, dass man gerade nicht weiß, was Sherlock denkt und gemeinsam mit Watson sieht, wie Sherlock den Fall löst und die Teile zusammensetzt. Und jemand von Sherlocks Intellekt käme als POV Charakter wahrscheinlich wahnsinnig arrogant und unausstehlich rüber, weil er alles direkt erkennt, alle richtigen Schlussfolgerungen zieht und auch von seinen Fähigkeiten überzeugt ist. Watson gibt dem ganzen dann etwas bodenständigeres, menschlicheres - und lässt Sherlock gleichzeitig mysteriöser wirken.

Um zum Thema zurückzukehren, finde ich, dass an einem Wechsel der Erzählformen nichts auszusetzen ist, solange er von der Handlung her motiviert ist. Also in dem Sinne, wie cass schon meinte, dass auch wirklich eine zweite Perspektive notwendig ist.
Ich lese zwar gerne aus verschiedenen Perspektiven, aber denke auch, da sollte man nicht verschwenderisch sein. Ich liebe z.B. "Das Lied von Eis und Feuer" - aber da wurde klar mit Perspektiven übertrieben (24 POV-Charaktere, Epiloge und Prologe nicht mitgezählt - gut, ein paar davon sind inzwischen tot, aber um die 20 lebende dürften es immer noch sein...) Irgendwann blickt man da einfach nicht mehr durch und es wird zu verworren, weil es natürlich dann auch etliche Handlungsstränge gibt...
Bei zwei Perspektiven ist die Gefahr der Verwirrung da nicht so groß, aber man sollte dennoch überlegen, ob man die andere Perspektive wirklich braucht oder es nicht auch möglich wäre, dass alles irgendwie mit einer Perspektive zu lösen.

Liebe Grüße
Drachenkind
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Erzählperspektive bei mehreren Handlungssträngen?

Beitragvon OLenn » 20.08.2014, 11:28

Hallo an Alle :D ,

ich schreibe / arbeite an einen Roman, jedoch komme ich mit der Erzählperspektive nicht klar!
Eine ältere Frau erzählt von ihren Erlebnissen. Dafür würde ich gerne den Ich-Erzähler nehmen. Jedoch gibt es da noch zwei andere Handlungsstränge, die auftauchen und welche für die Story wichtig sind. Diese sollten auch erzählt werden, aber wenn ich den Roman in der Ich-Form schreibe, geht es nicht, da die Frau ja nicht weiß was da passiert. Als müsste ich es als Allwissender-Erzähler schreiben.

Wie könnte man das Problem lösen? Könnte man irgendwie beide Arten verbinden? Wie löst ihr solche Situationen? :thinking:

Danke für eure Hilfe! :beckon:
Richard Castle "Es gibt immer eine Story, man muss sie einfach nur finden."
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Re: Mischen von Erzählformen / Perspektiven

Beitragvon Julestrel » 20.08.2014, 11:40

Hallo OLenn,

ich habe deine Frage mal an ein bereits existierendes Thema angehängt. Da solltest du auch schon einige Antworten finden :)


Julestrel
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