Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Hier findest du haufenweise Übungsaufgaben, um immer frisch und in Schreibform zu bleiben.
Forumsregeln
Hier keine Übungen/Werke posten, nur in den Werkebereich linken!

FÜs darf jeder gerne selbst erstellen. Regeln gibt es eigentlich keine.
Vorschläge für DÜs können an den aktuellen DÜ-Ansprechpartner Lykos geschickt werden.

Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon Königskind » 13.08.2012, 14:58

Hallo zusammen,
Ich habe mich getraut! Hier meine Geschichte zum letzten Beitrag:

Ich bin angekommen. Hier wartet also mein Glück?
Ich steige aus dem Zug und fühle mich verloren. Menschen gehen an mir vorbei. Unbekannte Menschen. Alles hier ist Unbekannt. Ich fürchte mich vor dem Unbekannten. Wie soll ich mich hier zurecht finden, wo ich doch ganz allein bin...
Der Menschenstrom reißt mich mit. Ich kann gar nicht anders als zum Ausgang zu gehen. Wahrscheinlich muss ich auch da hin. Aber als ich den Bahnhof verlasse überkommt mich wieder die Panik. Ganz allein in einer fremden Stadt!
Ich kenne mich hier nicht aus, gleich muss ich jemanden fragen. Ich kann das nicht. Fremde Leute ansprechen... Ich hab das noch nie gekonnt. Vor dem Bahnhofsgebäude steht eine Bank. Auf dieser Bank sitzt ein kleines Kind. Als ich zu ihm herüber sehe winkt es. Langsam komme ich näher und setze mich. Ein Kind – mit dem kann ich reden. Kinder sind nichts Fremdes für mich. Ich war selbst einmal ein Kind.
Ich rede nicht. Aber ich merke, wie ich langsam ruhiger werde. Unbekannt ist mir diese Stadt? Na und? Dann muss ich sie eben kennen lernen! Das Kind holt etwas aus einem kleinen Rucksack. Die Tüte raschelt. Das Kind kann sie nicht öffnen.
„Soll ich dir helfen?“, frage ich und wundere mich über mich selbst.
Das Kind nickt nur. Ich öffne die Verpackung und gebe sie zurück. Eine Weile sitzen wir schweigend. Dann hält mir das Kind die Tüte wieder hin:
„Willst du einen Keks?“
Erst jetzt fällt mir auf, dass das Kind ganz alleine ist. Wo wohnt es und wo sind die Eltern?
Ich frage nicht. Wenig später kommt ein größeres Kind und nimmt das kleine Kind mit.
Schade, denke ich und merke wie die Einsamkeit mich wieder packt. Bewusst schüttle ich das Gefühl ab. Es gibt Kinder in dieser Stadt. Und Kekse. Und sicher gibt es hier auch das Glück!

Ist nur so ein kleiner Versuch...

Und jetzt schreibt mal was dazu:
Ort: vertrocknetes Bachbett
Person: Schornsteinfeger
Gegenstand: Wanderstab
Abstraktes: Wahrheit
Viel Spaß! :D
Königskind
 
Beiträge: 53
Registriert: 28.06.2012, 12:42
Wohnort: Nicht in einem Schloss, sondern da, wo mein ZUHAUSE ist!

Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon sarah307 » 23.08.2012, 01:36

Ein Kind. An sich sollte man meinen, Kinder sind anstrengend. Kinder nerven, Kinder wollen spielen, Kinder sind halt kindisch.
Das stimmt auch. Aber ein Kind kann auch ganz anders sein. So wie die 11-Jährige Luisa. Luisa ist ein Kind das adoptiert wurde, es tut ihr sehr weh, dass sie ihre leiblichen Eltern nicht kennt. Jeden Tag denkt Sie darüber nach, wie es wäre, wie es wäre nicht adoptiert zu sein. Sie weint. Sie weint viel. Ihre Adoptiveltern sind den ganzen Tag arbeiten und Sie ist ganz alleine. Sie frägt oft nach ihren Eltern, doch ihre Adoptiveltern wollen ihr nichts sagen, sie sei noch zu jung um es zu verstehen.
So will Sie auf eigene Faust ihre Eltern suchen und wissen, wieso Sie weggegeben wurde.
Und auch wenn Sie noch sehr jung war, wusste Sie genau: Sie wird ihre Eltern finden, auch wenn es das Letzte ist, was Sie in ihrem kurzem Leben tut.
Sie läuft zum Bahnhof, mit dem Bild ihrer Mutter, dass sie auf dem Speicher gefunden hatte.
Sie frägt jeden, jeden dem Sie begegnet. Keiner kennt ihre Mama. Weinend und niedergeschlagen setzt Sie sich auf die Treppen des Bahnhofskiosk. Völlig unerwartet kommt ein Mann, wie aus dem Nichts. Er lächelt und überreicht Ihr ein Glückskeks. Sie lächelte zurück und bedankte sich. Sie machte ihn auf, aß ihn und las den Zettel: Eine Person, die du sehr vermisst, wird auf dich warten.
Sie schloss die Augen.
Der Schmerz wurde nun größer. Sie glaubte daran, Sie glaubte an Schicksal und Sie glaubte daran, dass ihre Mama Sie vermisst- im Himmel.
Nun stand Sie auf, mit dem Zettel fest in der Hand, stellte Sie sich auf ein Gleis, schloss die Augen und entschied sich. Sie entschied sich zu sterben. Es würde ihr alles nehmen, aber gleichzeitig auch all das schenken was ihr fehlt.



Ort: Friedhof
Person: Zombie
Gegenstand: Luftballon
Abstraktes: Party
sarah307
 
Beiträge: 1
Registriert: 21.08.2012, 16:25

Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon beginner45 » 04.09.2012, 16:40

Musste es auch gleich mal versuchen, die anderen Geschichten laden förmlich dazu ein! :lol:

Der Zombie, der gerade vom Friedhof kam, kaufte sich am Kiosk einen Luftballon und ging strahlend, so gut das Zombies halt können, zu Frankensteins Party.
Dort freuten sich die übrigen Gäste, dass Zombie so einen schönen Luftballon mitgebracht hatte.
Der Kellner am Tresen aber, dem das Ding bei der Bestellung des Bloody Mary ständig im Gesicht baumelte, wurde langsam nervös.
Er atmete schwer und war kurz davor, den Luftballon zu zerplatzen.
Aber unser Zombie war schneller. Er schnappte sich seinen Drink, ging flotten Schrittes zu Dame seiner Wahl und legte mit ihr ne fesche Sohle aufs Parkett. Immer in seiner Pranke den bunten Luftballon.
Die Stimmung war großartig und Frankenstein hatte eine tolle Idee. Er nahm Zombies Luftballon, schmiss ihn in die Luft und alle staunten. Ahh und Ohh und Uhh.
Das Ding konnte fliegen. Alle hüpften und sprangen um ihn zu fangen, doch er flog weiter, stieg höher und höher.
Unser Zombie hatte miese Laune, hatte man ihn doch sein tolles Spielzeugs geraubt.
Die Party war für ihn gelaufen. Sauer stiefelte er davon, Richtung Heimat, dem Friedhof.

Auf dem Rückweg kam er wieder am Kiosk vorbei und? Nein, er kaufte keinen neuen Ballon, der Kiosk hatte zu.

Ich find es lustig, oder? Beginner45

Ort: Schuppen
Person: Redner
Gegenstand: Stiefel
Abstraktes: Lüge
Lies dich in andere Welten und dein Alltag wird erträglicher sein!
Benutzeravatar
beginner45
 
Beiträge: 37
Registriert: 01.09.2012, 09:23
Wohnort: unweit von Dresden

Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon Blu-Lily » 25.11.2012, 12:31

Die Kombination finde ich toll, da ist mit direkt was zu eingefallen. :)


"Und ich bin ein Redner!", sagte er in einer aufrechtstehenden geraden Stellung mit angehobenem Kinn. Den linken Arm hinter seinem Rücken versteckt und den rechten Arm nach vorne gestreckt, seine Hand zu einer Schaufel gebildet. Er stand in der Mitte eines Schuppen, umgeben von Heu, einer alten Leiter und alten morschen Lattenroste, die man hier abgelagert hatte.
Selbstsicher wiederholte er diesen Satz ein paar Mal, jedes Mal noch ein wenig mehr von sich überzeugt. Ja, er war ein Redner, ein hervorragender, ein schmeichelnder, ein gewinnender und einer, der große- ja sogar tobende- Mengen überzeugen konnte.
"Ja", würde er sagen, wenn er nun ein Publikum hätte, "die Kunst zu Reden ist durchaus etwas, was nicht jedem gegeben ist, aber umso wertvoller ist diese Gabe, wenn man sie besitzt. Und bei aller Wahrheit! Ich habe sie. So spreche ich für jeden von euch. Denn braucht es nicht jemanden, der die Worte spielen lassen kann, um Ziele zu erreichen?"
Sein gebügeltes weißes Hemd mit edlen Manschettenknöpfen betonte sein Unterfangen, das wusste er.
Er nickte bekräftigend.
"Drum soll es sein, wie ich es euch sage!"
Er lächelte charmant. Ach, welch Segen war ihm gegeben, dass er alleine durch das Reden jedes mögliche Vorhaben in die Tat umsetzen konnte! Dass er jegliche noch so harte Überzeugungsarbeit leisten konnte!
Vorsichtig, aber bestimmt, strich er sein kurzes gegeltes Haar nach hinten. In jeglicher Hinsicht strahlte er Symphatie aus.
Ein dumpfer Knall ertönte. Er erschrack und hörte Motorengeräusche eines Traktors außerhalb der Scheune.
"Mensch, beeil dich darin", hörte er jemanden rufen.
Plötzlich bemerkte er, dass er eine Mistgabel in der Hand hielt, sah an sich herunter und erblickte alte dreckige löchrige Stiefel an seinen Füßen.
Er seufzte. Das weiße gebügelte Hemd war nichts weiter als ein blau-grünes Flanelhemd, das schon etliche Male gestopft worden war und nur noch die Hälfte der ursprünglichen Knöpfe besaß.
"Ja, ich bin ein Redner", sagte er, "und das ist nichts als eine Lüge."

So hier meine Begriffe:
Ort: Park
Person: Anwalt
Gegenstand: Löffel
Abstraktes: Neid
Meine Tränen pflanzte ich in einem Bett voller Dornen und das obwohl ich sie behütet haben wollte.
Benutzeravatar
Blu-Lily
 
Beiträge: 25
Registriert: 19.08.2010, 22:57
Wohnort: NRW

Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon Zeltan » 09.02.2013, 20:11

Meine Güte... Lang her, dass jemand bei dieser Übung mitgemacht hat... Nun dann wage ich mich dran ^^

Mitte des 18. Jahrhunderts, als die Reichen noch geizig und die Armen arm dran waren, gab es einen jungen Mann. Seine Familie war steinreich! Sie war so reich, dass sie es sich leisten konnte fünf Kinder in die Welt zu setzen und jedes davon studieren zu lassen! Der Mann stand stets im Schatten seiner vier älteren Geschwister und dies bekam er oft zu spüren. Auch von seiner Mutter bekam er nie sehr viel Aufmerksamkeit. Nur sein Vater, war an seinem Wohl interessiert. Oft gingen sie gemeinsam im Park spazieren und unterhielten sich, doch nicht heute, denn sein Vater war gestorben... Er wollte noch einmal frische Luft schnappen, sich noch einmal an all die vielen schönen Momente erinnern, ehe er sich zur Verlesung des Testaments aufmachte.
Beim Anwalt seiners Vaters angekommen, begann diese auch schon. Der eine bekam das Geld, der andere das Haus, der andere die Firma und der letzte bekam die Felder. Für ihn selbst blieb nichts übrig, außer einem silbernen Löffel und einem Zettel. Er hatte sich über seine Situation nie beklagt und doch überkam ihn nun ein Gefühl des Neids. Eigentlich nahm er an, dass das Verhältnis zwischen ihm und seinem Vater besser und mehr wert als ein Silberlöffel gewesen wäre, doch anscheinend hatte er sich geirrt. Ruhig und unauffällig wollte er den Raum verlassen, ehe ihn der Anwalt aufhielt, ihn zur Seite nahm und darauf hinwies, dass sein Vater darauf bestanden habe, dass sein jüngster Sohn den Zettel lesen solle. Der junge Mann vergaß einen Augenblick lang seinen Neid und öffnete den Zettel. "Grab unter dem Stein, des ältesten Baums" stand dort geschrieben und er machte sich auf den Weg.
Im Garten seines Vaters angekommen suchte er zunächst nach dem ältesten Baum, der Platane. An seinen Wurzeln lag ein großer weißer Stein, den er sogleich zur Seite rollte. Mit dem Löffel begann er zu graben. Dies tat er so lang, bis er auf etwas Hartes stieß: Ein Diamant! Er grub weiter und holte neun weitere heraus. Der letzte war in einem Zettel umwickelt, den er sogleich auspackte und das auf dem Zettel geschriebene las: "10 Diamanten sind nun dein mein Sohn, doch überlege: Brauchst du wirklich alle 10?" Oft hatte er sich mit seinem Vater über die armen Leute unterhalten, diejenigen die für sie arbeiteten, die dafür sorgten, dass sie selbst nicht arbeiten mussten und oft kamen sie zu dem Schluss, dass diese das Geld viel nötiger hätten. Entschlossen verkaufte der junge Mann neun der Steine und spendete das Geld den Armen und Weisen. Den im Zettel umwickelten behielt er, jedoch nicht aus eigennutz, sondern als Gedenk an seinen Vater.

Für den nächsten:
Ort: Waschküche
Person: Zauberkünstler
Gegenstand: Münze
Abstraktes: Trauer
Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Wenn du also wenig schreiben aber viel erzählen willst, dann schreibe bildhaft. ;)
Zeltan
 
Beiträge: 162
Registriert: 17.12.2012, 23:47
Blog: Blog ansehen (1)

Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon Lymaera » 28.02.2013, 21:16

Hallo zusammen,
dann versuche ich es mal mit:

Ort: Waschküche
Person: Zauberkünstler
Gegenstand: Münze
Abstraktes: Trauer


Es war dunkel und feucht in dieser Waschküche und der Duft von zu viel Weichspüler lag in der Luft.
Gedankenverloren saß der alte Zauberer auf einer der Waschmaschinen und ließ die abgegriffende Münze zwischen seinen Fingern hin und her wandern. Man konnte fast nicht mehr erkennen, welche Seite mal Kopf und welche Zahl sein sollte.
Über die Jahrhunderte hinweg hatte sich die Münze schon im Besitz seiner Familie befunden und durch die ständige Reibung aller Hände wurde sie ganz flach und blank gerieben.
Es war schon lange her, dass man seine Künste hatte sehen wollen. Im Zeitalter von Handys, Internet und Computern konnte er keine Kinder mehr mit seinen Tricks begeistern.
Wer wollte schon einen alten Zauberer sehen, der mit ein wenig Rauch und Kawumm ein niedliches Kaninchen aus dem Hut zauberte? Niemand mehr.
"Kopf oder Zahl?"
Was hätte er darum gegeben, wieder in glänzende Kinderaugen blicken zu können und das Raunen und Staunen aus den kleinen Mündern zu hören?
"Kopf oder Zahl?"
Er ließ seine Beine gegen das kalte Metall der Maschine baumeln und spürte die Vibrationen, die die leere Trommel bei jedem Schlag an seinen Körper abgaben.
"Ich muss mich entscheiden! Kopf oder Zahl?"
War seine Zeit denn gekommen? Musste er sich wirklich von seinem Lebenstraum verabschieden und der Realität ins Antlitz blicken?
Was blieb ihm als alten Mann anderes übrig, als sich seinem Schicksal zu ergeben? Er wusste, er konnte nicht mehr länger in seiner kleinen Mietwohnung bleiben, nicht ohne Hilfe. Er würde die Rechungen nicht mehr bezahlen können, dann würde man ihm den Strom abstellen und ehe er sich versah, würde er auf der Straße landen.
Nein! Das konnte nicht sein! Das durft nicht passieren!
Nicht ihm, nicht dem ehemals so großen Hondini!
"Kopf oder Zahl? Es ist soweit!"
Und mit einem gezielten Schwung seines Daumens, schnippte er die Münze in die Luft.
Sie flog hoch, drehte sich mehrmals um ihre eigene Achse und das blanke Metall glänzte silbrig im fahlen Schein des wenigen Tageslichts.
"Ich wähle Zahl!"
Und mit einem leisen "Ping" landete die Münze auf dem Boden. Die Ziffer auf der Oberseite.
***
"Guten Morgen, Frau Meier, haben Sie das auch schon mit dem alten Hondini gehört?"
"Ja, Frau Schneider, ist das nicht schrecklich? Er soll einfach so umgefallen sein!"
"Stellen Sie sich das mal vor! In der Waschküche! Tot umgekippt! Und ich bin so froh, dass ich an diesem Tag nicht da runter gegangen bin. Ich habe meinen Waschtag auf nächste Woche verlegt."
"Und wer hat ihn dann da unten gefunden?"
"Stellen Sie sich vor, der Hausmeister. Der hat vielleicht einen Schreck gekriegt."
"Da sagen Sie was! Aber vielleicht wars besser so? Der Alte hat doch sowieso nicht mehr so gekonnt."
"Das denke ich auch. War bestimmt besser so. Aber ich weiß nicht, ob ich nochmal allein in die Waschküche gehen kann. Machen Sie´s gut, gell?"
"Ja, danke, schönen Tag Ihnen!"

So und meine Wünsche sind:
Ort: Hinterhof
Person: Jogger
Gegenstand: Gin Tonic
Abstraktes:Wut
Schreibblockaden sind nur Pausen des Geistes, in denen alle neue Eindrücke verarbeitet und zu neuen Ideen umgewandelt werden.
Lymaera
 
Beiträge: 42
Registriert: 12.11.2010, 17:31
Wohnort: in der Pfalz

Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon Anne_Shi » 14.03.2013, 13:45

Leider war ich so verpeit und habe eine Geschichte zum letzten Post auf der Vorseite geschrieben. Ich poste sie hier einfach mal, aber keine Sorge, auch zu dem letzten Post auf dieser Seite habe ich mir dann noch was einfallen lassen.
Ort: Bahnhof
Person: kleines Kind
Gegenstand: Keks
Abstraktes: Glück


Ich war nie ein Freund von Wartehallen, diesem sinnlosen Rumgestehe in unpersönlichen, immer kalten Räumen. Doch dieser Bahnhof toppt alles. Wasser tropft von der Decke, in meinen Kragen und vor meine Füße. Es stinkt nach Leere und Langweile. Die Menschen sind alt und müde. Und in der Ecke steht dieses kleine Kind, mit seinen roten Backen und strahlt inmitten dieser Tristesse so viel Neugier und Lebensfreude aus, dass es uns Alten unsere Verwelktheit noch viel schmerzlicher vor Augen führt.

Ich bemerke, dass ich das Kind schon einer Weile anstarre und ein Schreck durchfährt mich, als es mit einem labbrigen Keks in der Hand auf mich zustapft. „Da!“, sagt es und drückt mir den Keks in die Hand. Ich möchte wegrennen, fühle mich noch unwohler als zuvor, doch das Kind kichert und klammert sich an mein Bein. Hilflos und ergeben in mein Schicksal beiße ich ein winziges Stück vom Keks ab, er ist viel zu süß und doch – wie ich hier so stehe, mit dem Keks in meiner Hand und dem Kind an meinem Bein, in meinem alten, dreckigen Trenchcoat, glühe ich plötzlich innerlich vor Glück über die Absurdität des Lebens.
Anne_Shi
 
Beiträge: 4
Registriert: 13.03.2013, 18:27

Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon Anne_Shi » 14.03.2013, 13:48

So - und jetzt zu:
Ort: Hinterhof
Person: Jogger
Gegenstand: Gin Tonic
Abstraktes: Wut


Der Jogger lief mit kraftvollen Schritten durch die nebelkalte Nacht. In Gedanken ging er seinen nächsten Einbruch durch. Gleich würde er in die Hoopstraat einbiegen und seinen verhassten Vermieter – diesen Aasgeier von Mensch – um einen hässlichen, aber wertvollen Wandteller erleichtern. Katzengleich schlich er durch den engen Gang, der von der belebten Hauptstraße zum kleinen Hinterhof des grauen Mietshauses führte. Das Haus war heute menschenleer, soviel wusste der Jogger und er sprang leichtfüßig von den Mülltonnen auf das Mäuerchen, zog sich auf die Fensterbank des ersten Stockes und hebelte in Sekundenschnelle das Fenster aus. Ohne ein Geräusch zu machen landete er auf dem weichen Teppich und ging zielstrebig zum angrenzenden Raum. Alles ging lächerlich einfach, doch gerade als er mit dem Teller unter dem Arm wieder aus dem Fenster steigen wollte, hörte er ein leises Hüsteln. Irritiert sah er sich um. Dort im Dunkeln entdeckte er eine zierliche alte Frau, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Sie saß in einem Schaukelstuhl, hielt ein Glas in der Hand und lächelte ihn süffisant an. „Möchten sie auch einen Gin Tonic?“, frage sie ihn und schwenkte das Glas, dass die Eiswürfel klirrten, „ich brauche Gesellschaft“. „Ich habe besseres zu tun“, antwortete er, seine Stimme zitterte vor Wut: nun hatte er eine Zeugin. Schnell stieg er wieder aus dem Fenster und zurück auf der Hoopstraat verfluchte er sich selbst: Er würde sich eine neue Wohnung suchen müssen...



Und ich bin gespannt, was ihr hieraus macht:
Ort: Sommerwiese
Person: Beoncey Knowles
Gegenstand: Kaugummi
Abstraktes: neugierig
Anne_Shi
 
Beiträge: 4
Registriert: 13.03.2013, 18:27

Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon David93 » 19.03.2013, 00:33

Nette Geschichte :)
Mein Versuch:

Ihre Augenlider wurden von der Sonne durchleuchtet und sie sah nur noch ein Meer aus grellen orange, gelb und rot. Sie bewegte ihre Pupillen, um Bewegung in das Meer zu bringen. Es entstand ein wunderschönes Lichtspiel. Das Gras kitzelte auf der Haut und die Sonnenstrahlen wärmten ihr Gesicht. Beoncey liebte den Sommer. Sie lag auf der Wiese hinter ihrer Grundschule. Es war Pause und sie konnte die Kinder auf dem Schulhof spielen hören. Sie wollte jetzt nicht mit ihren Freunden spielen, sondern die Zeit alleine geniessen. Beoncey öffnete die Augen. Die Sonne blendete sie, sodass sie ihre Hand vor das Gesicht halten musste. Im Schatten ihrer Hand konnte sie den Himmel erkennen. Dieser erstreckte sich in einem knalligen Blauton über sie. Eine einzelne Wolke schwebte einsam in der blauen Leere. "Die sieht aus wie ein Kaugummi.", ertönte eine Stimme neben ihr. Beoncey schreckte auf und sah sich überrascht um. Ein Junge aus einer Nebenklasse saß bei ihr und lächelte sie an. Sie hatte ihn nicht kommen hören. "Wie ein Kaugummi?", fragte sie verwirrt. "Die Wolke. Ich finde die sieht aus wie ein zerkautes Kaugummi." Beoncey schaute ihn fragend an. Nach einer Weile fragte sie: "Sieht nicht jede Wolke aus wie ein Kaugummi?" Der Junge stutzte: "Normalerweise schauen die anderen Kinder in den Himmel und sehen Giraffen, Lokomotiven oder Schafe. Ich hab' noch nie von jemandem gehört, der ein Kaugummi gesehen hat. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir sie gesehen haben. Sowas ist bestimmt selten." Was ein selbstsamer Junge, dachte Beoncey, aber sie musste lächeln. "Ich heiße Jake und du?" "Beoncey... Beoncey Knowles." Jake schaute schüchtern zu Boden und holte eine Packung Kaugummi aus seiner Tasche. "Das sind zu viele für mich alleine. Möchtest du auch eins?" Sie lächelte. Das wird ein besonders toller Sommer, dachte Beoncey.


Person: Blinder
Ort: Rummelplatz
Gegenstand: Brille
Abstrakt: Verständnis
David93
 
Beiträge: 13
Registriert: 23.01.2012, 11:14

Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon SurferSmurf » 23.03.2013, 05:03

David93 hat geschrieben:Person: Blinder
Ort: Rummelplatz
Gegenstand: Brille
Abstrakt: Verständnis


Ok, ich versuchs mal :)

Max wusste, dass er sich seinem Ziel näherte. Das vergnügte schreien der Kinder wurde immer lauter und die Gerüche von Schokofrüchten und Zuckerwatte konnte er mit jedem Schritt besser auseinander halten.
Seinen Blindenstock vor sich her schiebend, orientierte er sich im Dunkeln, obwohl die vor einiger Zeit geläuteten Glocken die Mittagszeit angekündigt hatten. Er wusste genau, wo er sich befand, denn auch wenn er nie die Umgebung um ihn herum gesehen hatte, hatte er doch eine genaue Karte von dieser vor seinem inneren Auge.
Plötzlich stieß er mit seinem Blindenstock auf einen Gegenstand, direkt vor ihm. Komisch, dachte er sich, ich kann mich nicht daran erinnern, dass hier auch die letzten Male schon ein Hindernis war.
Behutsam näherte er sich dem ihm unbekannten Objekt mit seinen Fingern und erfühlte kaltes Metall. Das Metall hielt eine waagerechte, glatt geschliffene Platte auf Brusthöhe.
Ein Stehtisch, vermutete Max. Vorsichtig erfühlte er die Dinge, die achtlos auf dem Tisch liegen gelassen worden waren. Obwohl er wusste, dass er mit seinen Fingern bei solchen Aktionen meistens nur in Ketchup landete, hatte er immer das Bedürfnis, ihm unbekannte Gegenstände zu ertasten.
Max konnte ein zusammengeknülltes Papier und einige kalte Pommes ausmachen, doch als er sich gerade abwenden wollte, stieß er mit seinem Ärmel auf einen weiteren Gegenstand. Behutsam hob er diesen hoch und betastete ihn. Er erkannte, dass es eine Brille war, denn auch sein älterer Bruder trug eine. Die Erklärungen von ihm, dass man mit Hilfe einer Brille Dinge schärfer sieht, hatte Max nie verstanden. Er ersetzte in Gedanken das Wort schärfer dann immer in besser, was auf die Bestätigung seines Bruders hin auch annähernd korrekt war.
Plötzlich wurde ihm die Brille aus der Hand gerissen. "Du Dieb, das ist meine Brille", wurde Max von einer tiefen Männerstimme angeschrien, "sie wird dir nichts nützen, auch mit ihr wirst du niemals sehen können!"


Person: Geist
Ort: Schloss
Gegenstand: Buch
Abstraktes: Freude
SurferSmurf
 
Beiträge: 30
Registriert: 19.03.2013, 16:21

Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon Fantaisiste » 25.03.2013, 17:48

Ich möchte es dann auch mal versuchen... die Aufgabe hat mich so gereizt, dass ich beschlossen habe, diesem Forum auch mal einen Versuch zu geben und mich tatsächlich zu registrieren :)

Schöne Geschichte, da über mir. Mir gefällt sehr, wie du 'Verständnis' angewandt hast und es öffnet ein wenig die Augen.. irgendwie traurig, aber eine gute Geschichte/ Umsetzung.

Person: Geist
Ort: Schloss
Gegenstand: Buch
Abstraktes: Freude


Klingt herausfordernd. Ich versuch es einfach mal;

Felicians Körper glitt über die einzelnen Steine, die den Weg säumten. Seine milchig-scheinenden Arme hingen lustlos hinab, sein Kopf und seine Schultern deutlich gesenkt. Seine Augen waren leicht geschlossen - doch was machte das schon? Seine Farben hatten sich damals im Angesicht des Todes verloren, ebenso wie der Rest seines Körpers. Er hatte es sich nie zu erträumen gewagt, doch Geister gab es tatsächlich. Und das Leben eines solchen war grauenhaft. Früher, als lebender Junge, hatte er sich immer vor diesen grotesken, seltsamen Kreaturen gefürchtet und am Ende eines jeden Filmes, an dem das Gute - in diesem Fall die Lebenden - schlussendlich gesiegt hatte, erleichtert aufgeatmet. Doch jetzt wusste er, dass Geister nicht grausam waren, dass all dies nur Fassade war, Fassade, um zu vergessen, was der Realität entsprach - ohne Farbe schien doch alles trist, nicht wahr? Wo war dann seine Farbe hin? War er auf ewig dazu verdammt, trist und freudlos durch das Leben zu streichen? Stets darauf bedacht, einen unvorsichtigen Menschen zu sehen und ihn erschrecken zu können, weil es das einzige war, was ihn von dieser Öde ablenken könnte; ein Verfahren, dass Hoffnung zu schenken nicht fähig war? Viel zu selten kamen Menschen vorbei.
So strich Felician wie ein Schatten zwischen den Bäumen hindurch - und in gewissem Sinne war er auch ein Schatten, ein Schatten seiner selbst -, traurig, die Lust, jeden Tag auf's Neue zu beginnen, schon längst verloren. Bis sein Blick, der bis dahin achtlos auf den Boden gerichtet war, auf einen annähernd rechteckigen Gegenstand stieß. Ab und an flog etwas Weißes auf, vom Wind getrieben. Konnte es sich dabei um Seiten handeln, war der Gegenstand gar ein Buch? Zurückgelassen von einem der Menschen, achtlos auf dem Gras abgelegt und vergessen - tatsächlich! Neugierig des fremden Gegenstands wegen schwebte Felician langsam darauf zu, sein Interesse mit jedem Schritt - nun, nicht wirklich Schritt, aber ihr versteht - wachsend.
Das Buch lag aufgeschlagen auf dem Boden. Er konnte nicht sehen, welches Thema es behandelte und worum es ging, aber er konnte sich hinabbeugen und die Seite lesen, die aufgeschlagen war. Etwas Besseres hatte er in seinem tristen Leben - welches genau genommen kein Leben war - eh nicht zu tun.
Während Felician die Zeilen entlang ging, begannen seine farblosen Augen zu leuchten. Seine Finger krampften sich zusammen und entspannten sich wieder, die Aufregung, die sich beim Lesen einstellte, wurde größer und größer. Was erfasste sein Geist da? Ganz unvorstellbare Dinge wurden auf dieser Seite erläutert, von einem Gespenst war die Rede - ja, gar wie er selbst! - und ein Schloss wurde erwähnt. Ein Gespenst auf einem Schloss! Zwar wusste Felician die Handlung nicht, doch so viel konnte er herausfiltern, es wurde von einem Gespenst erzählt, das auf einem Schloss wohnte, einem großen, prachtvollen, und das die tagtäglichen Touristen zu erschrecken versuchte. Welch wunderbare Lebensvorstellung war das! Es mochte ihm vielleicht nicht möglich sein, die Seiten umzublättern und mehr zu erfahren, doch eines ging Felician in den Kopf und anschließend nicht mehr aus dem Sinn - das konnte er auch! Warum hatte er es nicht längst schon getan, warum hatte er sich mit diesem leblosen Wald zufrieden gegeben? Auf, auf in neue Welten, ein neues Leben - Leben? - würde begingen, gar zauberhaft!
Mit neuem Glanz in den Augen und voller Freude im Körper erhob er sich, wandte sich von dem Buch und allem anderen Vertrauten des Waldes ab, und machte sich auf den Weg, ein solches Schloss auszumachen. Oder etwas anderes, alles, nur nicht diesen Wald - oh, was hatte er lange für diese Idee gebraucht.

Person: Grundschulmädchen (ca. 8 )
Ort: Verlassener Pausenhof
Gegenstand: Alte Photographie
Abstraktes: Wahrheit
Fantaisiste
 
Beiträge: 2
Registriert: 25.03.2013, 17:12

Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon wizzart » 26.03.2013, 18:25

Wollte mich auch einfach mal versuchen; ) hoffe es ist nicht zu lang oder öde geworden oder so, ist mein erster Anlauf überhaupt mal etwas zu schreiben=p


Sehnsüchtig blickte Jana aus dem Fenster, wo der Pausenhof einsam und verlassen vor ihr lag. So gerne wäre sie einfach aus dem Klassenzimmer in das wilde Schneetreiben gerannt, und hätte einen Schneeengel auf der kaum berührten Schneedecke hinterlassen, oder sich zusammen mit den anderen Mädchen eine wilde Schneeballschlacht mit den Jungen geliefert, doch all das war ihr heute nicht vergönnt.
Heute morgen noch hatte die Direktorin über Lautsprecher angekündigt, die große Pause müsse wegen des starken Schneesturms ausfallen. Stattdessen waren sie alle gezwungen zur Pause hinunter in die Turnhalle zu gehen.
Eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit war das.
Frau Berens, ihre Klassenlehrerin, wusste doch wie sehr sie die Turnhalle hasste. Nicht weil sie ungern Sport machte, nein, sie ging sogar sehr gerne zum Tanzen und Turnen. Was sie nicht mochte, war die Turnhalle. Um dorthin zu gelangen musste sie tief in die Kellerräume der Schule gehen, weit unter die Klassenräume, und sogar noch eine Etage tiefer als die Kindertagesstätte im ersten Untergeschoss, wo sie als kleines Kind immer gewesen war.
Dort gab es wenigstens an einer Seite noch Fenster, da die Schule am Hang eines Hügels gebaut worden war. Nicht jedoch in der Turnhalle. Ohne die blasse elektronische Beleuchtung war es dort unten im Keller stockfinster, und was noch viel schlimmer war, es gab nur noch die Heizungsräume darunter, dort wo nie ein Schüler hingehen durfte.
Das Pausenklingeln schreckte sie aus ihren Gedanken auf.
Das war einfach nicht fair.
Ganz langsam packte sie die Schulsachen in ihren Rucksack. Je länger sie brauchte, dachte sie, desto länger könnte sie den unangenehmen Gang in den Keller aufschieben.
Vielleicht sogar lang genug um garnicht erst hinunter gehen zu müssen.
Als Jana sich wieder umschaute war die Klasse bereits leer. Sogar Frau Berens war schon gegangen und hatte sie nichteinmal bemerkt.
Das war ihre Chance.
Sie schnappte sich ihren Rucksack und ging in den Flur hinaus. Am anderen Ende des Ganges fiel gerade die schwere Brandschutztür hinter ihrer Lehrerin ins Schloss. Sie hatten ihr Fehlen immernoch nicht bemerkt, dachte Jana ein wenig verbittert. Dennoch war sie froh unbemerkt geblieben zu sein.
Langsam ging sie den Flur entlang, um ja nicht zu den anderen aufzuschließen. Während sie am Treppenhaus vorbeihuschte hörte sie das dumpfe Hallen hunderter Kinderstimmen aus den tiefen Katakomben emporsteigen, und einen Augenblick lang überlegte sie ernsthaft, ob sie nicht doch hinuntergehen sollte, wischte den Gedanken jedoch schnell beiseite.
Jetzt nur noch ein paar Meter.
Als sie um die nächste Ecke bog stand sie vor der großen verglasten Tür zum Pausenhof. Draußen schneite es noch heftiger als zuvor, und als sie die Tür aufdrückte, wehte ihr ein eiskalter Wind entgegen.
Mitten auf dem Pausenhof ließ sie sich rücklings in den Schnee fallen und begann sofort wild mit den Armen zu rudern. Der Schnee kitzelte in ihrer Nase, wannimmer eine heftige Windböe ihr ins Gesicht schlug, doch das machte ihr nichts aus.
Als sie fertig war, stand sie auf um ihr Werk zu betrachten. Zwar konnte sie kaum etwas sehen, weil ihre Augen vor kälte tränten, doch einen Schneeengel konnte sie nochimmer beurteilen, und dieser hier war perfekt, dachte sie mit einem breiten Grinsen.
Ein plötzliches Klicken brachte sie wieder in die Gegenwart zurück.
"Na, junges Fräullein, das hat Spaß gemacht, oder?"
Hinter ihr stand der alte Hausmeister mit einer wahrscheinlich ebenso alten Fotokamera in den Händen, doch noch ehe ihr eine Antwort einfiel fuhr er fort.
"Möchtest du nicht auf einen Tee mit reinkommen? Dir muss doch richtig kalt sein, so klatschnass wie du bist."
"Mir ist überhaupt nicht kalt!", bibberte sie trotzig.
"Na, das kann ich sehen." lachte der Hausmeister, während er Jana und ihr Werk betrachtete. "Das ist wirklich ein schöner Schneeengel, junge Dame", fügte er lächelnd hinzu, "Nun komm, drinnen ist es warm, und bei einem guten Tässchen heißem Früchtetee lässt sich der Schnee doch auch gut genießen."
Als er sich umdrehte, folgte Jana ihm. Zunächst widerwillig, dann jedoch, als sie merkte wie kalt ihr wirklich war, aus freien Stücken.
"Ähm...", begann sie zögerlich, "werde ich jetzt Ärger bekommen, weil ich alleine draußen war?"
"Ach was, mach dir deswegen mal keine Sorgen, junges Fräullein."
Im Büro des Hausmeisters hängte sie ihre Jacke über die Heizung und setzte sich auf den großen Drehstuhl während sie auf den Tee wartete, als ihr plötzlich etwas einfiel.
"Wieso haben sie mich vorhin eigentlich fotografiert?", fragte Jana, als der alte Mann mit zwei Tassen Tee und einem Zuckerstreuer aus der Küche kam.
"Das will ich dir gerne sagen", lachte er und holte ein dick eingebundenes Fotoalbum hervor.
"Du musst wissen, jedes Jahr gibt es ein oder zwei Tage wie diesen, an denen es wie wild schneit, und die große Pause ausfällt. Und jedes Jahr gibt es auch ein oder zwei Kinder, die lieber rausgehen und einen Schneeengel machen wollen anstatt mit dem Strom in die Turnhalle zu schwimmen. Die Direktorin versucht es jedes Jahr aufs neue das zu unterbinden, nur um ja keine Schwierigkeiten mit euren Eltern zu bekommen, doch jedes Jahr gibt es einige Kinder wie dich, die ihrer eigenen Nase folgen, und soweit du mich fragst, ist das auch gut so."
Er blätterte eine Weile, bis er ein altes halb verblichenes Foto von einem Mädchen und einem Schneeengel fand. Darunter stand in feiner Schrift die Jahreszahl Neunzehnhundertdreiund-sechzig geschrieben.
"Carpe Diem heißt das Motto, nutze den Tag, denn wozu soll das Leben gut sein, wenn man
nicht jeden Tag so lebt und erlebt, wie man es sich wünscht?"

Seine Augen zwinkerten dem Mädchen aufmunternd zu.
"Deshalb passe ich jedes Jahr auf diese Kinder auf, die sich heimlich hinausstehlen um ihrem eigenen Herzen zu folgen, ich biete jedem eine warme Tasse Tee an, und erzähle jedem irgendwann die selbe Geschichte. Und ich mache von jedem Kind ein Erinnerungsfoto für dieses Album, damit ich durch ihre lachenden Gesichter immer wieder an die einzig wichtige Wahrheit erinnert werde, wie glücklich es einen im Leben macht, seinem eigenen Herzen zu folgen."
Es klingelte zum Pausenende.
"Hier, junge Dame", der alte Mann nahm das halb verblichene Bild aus dem Album und reichte es ihr lachend, "behalt ruhig das Foto deiner Mutter. Und nun husch zurück ins Klassenzimmer, bevor jemand dein Fehlen bemerkt."
Freude strahlend bedankte sie sich, und dann rannte Jana auch schon los, dem Rest eines schönen Schultages entgegen.


Person: Admiral
Ort: Gefängniszelle
Gegenstand: Zitrone
Abstraktes: Sehnsucht
wizzart
 
Beiträge: 1
Registriert: 26.03.2013, 17:15

Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon meg2012 » 09.02.2014, 13:29

Person: Admiral
Ort: Gefängniszelle
Gegenstand: Zitrone
Abstraktes: Sehnsucht

- Ich hab das etwas freier ausgelegt. Hoffe, das stört niemanden. Damit es hier mal weiter geht -

"Du sollst nicht immer den Abfluss mit deinem Vogelfutter verstopfen", brüllte meine Mutter die Treppe hoch. "Das war ich nicht!" brüllte ich zurück "Und außerdem ist das Müsli!"
"Komm gefälligst runter und mach das sauber!"
Ich knallte die Zimmertür wieder zu und wartete, bis ich meine Mutter unten aus dem Haus gehen hörte. Sie lief mit dem Hund, wahrscheinlich wollte sie die Nachbarin besuchen.

Ich schlich mich runter und sah mir die Sauerei in der Spüle an. Das war eindeutig nicht meine Schuld. Da hatte einer den Behälter vom Schokoladenkuchen und die Brotdose abgespült, bevor er sie in den Geschirrspüler gestellt hatte. Mein Vater vielleicht. Vielleicht auch meine Mutter selbst. Ich lies das Wasser drüber laufen und die Krümel verschwanden. So eine Aufregung wegen nichts.

Nicht nur das, meine Mutter hatte sich ihren Saft gepresst. Die Schalen von Orange, Zitrone und Grapefruit hatte sie einfach dort liegen lassen. Aber mich brüllt sie an. Das werde ich ihr später noch vorhalten. Aber jetzt erst mal raus aus diesem Irrenhaus. Ja, es war mein zu Hause, aber manchmal fühlte es sich an, wie ein Gefängnis und meine Mutter war die Gefängniswärterin.

Ich nahm meine Kamera und machte mich auf die Jagd nach dem nächsten Falter auf meiner Liste. Dem Admiral. Als ich die Bläulinge und den Feuerfalter fotografierte, hatte ich noch einen vorbei fliegen sehen. Aber im Moment, obwohl es schönes Wetter war, nichts. Es gab Falter, die schwerer zu fotografieren sein würden, als der Admiral. Wie oft hatte ich den Falter genau hier im Garten auf meinen weißen Gartenstühlen sitzen sehen. Oder dort drüben auf der Mauer. Er sonnte sich, starrte mich an. Aber jetzt versteckte er sich vor mir. Ob es an den Katzen lag? Oftmals hatte ich einen Admiral mit ausfransten Flügeln gesehen. Oftmals die Katzen festgehalten, geschimpft und verjagt, wenn ich sah, dass sie auch der Jagd nach Schmetterlingen waren. Es war nur eine Übung für sie - und ein willkommener kleiner Leckerbissen.

Für mich aber waren diese Falter ein Weg zum Erfolg. Mein Fotobuch sollte alle wichtigen Falter in der Gegend abbilden. Die Fotos mussten gut werden. Vielleicht würde mich das endlich als Fotografin bekannt machen. Mir mehr Aufträge einbringen. Vielleicht würde ich damit einen Preis gewinnen, zum Beispiel diese Ausrüstung für Tierfotografen.

Da plötzlich sah ich den Admiral über mir hinweg fliegen. Über die Mauer. Was war dort bloß, was die Falter dorthin lockte? Früher waren sie in unserem Garten gewesen. Was solls. Es war die erste heiße Spur, also lief ich auf die Straße und betrat Nachbars Grundstück. Dort war um diese Zeit niemand zu Hause. Wo war der Admiral? Ich lies die Augen schweifen. Dann entdeckte ich ihn. Er saß auf einem Stein, sonnte sich. Einen Schritt schleichend auf ihn zu, doch sehr scheu geworden, flog er sofort weiter, als ich mich näherte.

Nun saß er auf einem der Mirabellenbäume und labte sich am Nektar einer von Wespen angefressenen, noch am Baum hängenden Frucht. Auf dem Boden tummelte sich ein Knäuel Wespen auf dem zahlreichen Fallobst. Dort waren noch mehr Falter. Noch ein Pfauenauge, ein paar Zitronenfalter und mehrere Admirale. Das war also die Antwort. Bei uns gab es dieses Jahr kein überreifes Obst. Meine Mutter hatte Marmelade gekocht. Sie hatte einen Anflug übermäßiger Aktivität bekommen und meinte, man könne nicht immer so viel verschwenden.

Die Katzen waren mir neugierig hinterher gelaufen und beobachteten das Gewusel interessiert aus einiger Entfernung. Heute schienen sie zu träge zum jagen zu sein. War das das ideale Motiv? Ein Falter mit seinem Rüssel in einer überreifen Mirabelle? Ich schlich mich an, holte alles aus dem Zoom raus, was ging. Das hatte den Nachteil, dass das Bild zu verwackeln drohte. Ich konnte mir nun mal keine bessere Ausrüstung leisten. Für Falter muss man auch schnell sein. Einen Moment sind sie hier, dann sind sie fort.

Doch der Nektar der überreifen Früchte machte sie betrunken. Ich hätte Glück haben können. Der Admiral saß an einer Stelle, an der nicht viel Licht hinkam. Ich stellte die Lichtempfindlichkeit höher. Die ersten Fotos wurden nichts. Ich machte so lange weiter, wie der Admiral auf dem Baum blieb. Das Licht war mal da, war mal weg. Wolken zogen vorbei. Der Falter wechselte die Früchte. Die Katzen blieben ruhig. Ich sah aus dem Augenwinkel meine Mutter zurück kehren. Ich hatte das Programm auf Serienfoto gestellt, um nichts zu verpassen. Dann verschwand das Licht ganz und es hatte keinen Sinn mehr. Dicke Wolken bedeckten den Himmel jetzt, es sah nach Gewitter aus.

Ich drehte mich um. Meine Mutter war neugierig schauend stehen geblieben. "Na, machst Du wieder Fotos?" fragte sie. Ich nickte. "Ich versuche den Admiral zu fotografieren". Sie warf einen Ast in den Garten und der Hund jagte hinterher. "Na hoffentlich wird bald mal was draus. Du hast ja schon so viele Fotos gemacht. Irgendwann muss das ja mal zu was führen, oder?"
"Ja", sagte ich. Dann gingen wir hinein und aßen Kuchen.

Es schien so, als könnte ich mit nichts, was ich machte, jemals richtigen Erfolg haben. Wenn ich etwas machte oder eine Idee hatte, gab es Dutzende, die aus dieser Idee schon längst ein tolles Projekt gemacht hatten. Wenn ich gerade mal den Plan aufgestellt hatte, etwas zu tun, verdienten andere schon Geld damit. Und wenn ich mit meinem Projekt fertig war, war es für alle anderen schon veraltet. Ich konnte einfach nichts richtig machen. Es war nie gut genug. Auch diesmal würde es wohl nicht mehr werden als ein privates kleines Fotobuch, dessen Druck ich selbst bezahlen würde. Meine Sehnsucht nach Anerkennung verlief im Sande. Ich würde meiner Mutter niemals beweisen können, dass ich es drauf hatte.

Person: Journalistin
Ort: Dachboden
Gegenstand: Notizblock
Abstraktes: Lüge
Immer mit der Ruhe
Benutzeravatar
meg2012
 
Beiträge: 10
Registriert: 27.02.2012, 17:21
Wohnort: nordfriesland
Blog: Blog ansehen (2)

Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon LoriPecuretho » 17.02.2014, 23:48

weiter geht's :) Ist etwas lang geworden, aber ist ja auch nur eine Übung.

Person: Journalistin
Ort: Dachboden
Gegenstand: Notizblock
Abstraktes: Lüge



„Lass uns ein Geheimnis suchen“, sagte Tony zu Tim. Die beiden saßen auf dem Fußboden im Gästezimmer von Tonys Großmutter. Das Gästezimmer hieß zwar noch Gästezimmer, wurde aber seit ein paar Jahren nur noch als Spielzimmer für Tony genutzt.
„Ein Geheimnis? Was für ein Geheimnis denn?“, wollte Tim wissen.
„Na, irgendein Geheimnis eben. Ich will nämlich mal Journalistin werden. Und Journalisten müssen immer Geheimnisse suchen und darüber berichten. Weißt du nicht mehr, das hat doch Frau Hubmüller letzte Woche in der Schule erzählt.“ Tony stellte sich das ungeheuer spannend vor. Sie hatte genau aufgepasst und sich das schwierige Wort eingeprägt. Von einer in-ves-ti-ga-ti-ven Journalistin war in einer Geschichte die Rede gewesen.
„Und so was willst du machen?“ Tim fand, das hörte sich eher anstrengend an.
„Ja, klar. Und zwar jetzt. Schließlich muss ich früh anfangen, wenn ich einmal richtig gut werden will. Ich weiß auch schon, wo wir suchen können.“
„Okay…und wo soll das denn sein? Und wieso überhaupt wir?“ Tim war wenig begeistert. Er wusste schon lange, dass er später einmal Tierarzt werden würde. Wozu also irgendwelche Geheimnisse suchen?
„Wir gehen auf den Dachboden. Da erlaubt Oma mir nie, rauf zu gehen. Da muss es also ein Geheimnis geben!“ Schon war sie los gelaufen. „Jetzt ist die perfekte Zeit. Gerade läuft Omas Lieblingsserie. Da verlässt sie das Wohnzimmer höchstens, wenn es brennt. Wir haben 30 Minuten. Nur leise müssen wir sein.“

Nachdem Tony die Dachluke am Haken aufgezogen hatte, konnte Sie die Treppe herunter ziehen. Das hatte sie schon ein paar Mal bei der Großmutter beobachtet.
Einen kleinen Moment zögerte sie noch, oben war es doch sehr dunkel und die Leiter war recht schmal, aber sie gab sich entschlossen einen Ruck und kletterte schnell nach oben. Tim kam zögernd nach. Oben angekommen schalteten sie das Licht an und eine einzelne, recht schwach leuchtende Glühbirne erhellte den kleinen staubigen Raum ein wenig. Die Decke war sehr niedrig, aber Tim und Tony konnten noch aufrecht stehen. Tim musste niesen. „Und wo willst du jetzt nach deinem Geheimnis suchen?“

Tony sah sich um. Im Raum standen ein alter Esstisch mit vier Stühlen, ein Heimtrainer, der noch relativ unbenutzt aussah, ein Garderobenständer lag in einer Ecke und außerdem gab es viele Kisten mit unterschiedlichen Aufschriften. Doch Tonys Blick war auf einen anderen Gegenstand geheftet. Hinten an der Wand stand ein verschlossener Sekretär. Tony wurde von dem Möbelstück magisch angezogen. Wenn jemand etwas verstecken wollte, dann in diesem Schreibtisch.

Sie rüttelte an dem lackierten Schließfach. Es war fest verschlossen. Enttäuscht wandte sie sich ab. Tim aber schaute sich das Schloss genauer an. Langsam fragte er: „Tony, gibst du mir mal deine Haarspange, bitte?“ Tony reichte sie ihm. Er bog sie etwas auseinander, stocherte in dem Schloss herum und mit einem „Klack“ öffnete sich die Klappe. Tony staunte. „Woher kannst du das denn?“
„Hab ich mal in einem Film gesehen. Das wollte ich schon immer mal ausprobieren...“ Tim wurde ein bisschen rot und lenkte schnell ab: „Jetzt lass uns doch mal sehen, was hier so drin ist.“
Die beiden gingen die Inhalte des Sekretärs durch und beförderten neben einigen Schreibutensilien drei Gegenstände zu Tage, die sie sich näher ansehen wollten.
Es waren ein Foto, ein Notizblock und ein kleines Säckchen aus Samt.

Als erstes besahen sie sich das Foto. Zu sehen waren zwei Männer mittleren Alters, die Arm in Arm standen und in die Kamera strahlten. „Das da links ist Opa“, erkannte Tony. Die Mütze hat er immer noch. Den anderen kenne ich nicht. Bestimmt ein alter Schulfreund oder ein Arbeitskollege.“
Dann schlugen sie den Notizblock auf. Sie entdeckten ein paar Zeichnungen und einige Adressen, in kindlicher Handschrift geschrieben. „Bestimmt hat das meiner Mama gehört“, sagte Tony. Sie blätterte eifrig weiter. Plötzlich stockte sie. „Schau mal, ein Brief! Den hat meine Mama geschrieben. Da war sie…“ Tony blickte auf das Datum und rechnete: „…acht Jahre. So alt wie ich heute!“ Sie las den Brief vor:

Hallo Mama, heute ist es wieder ganz schlimm. Sie streiten sich schon den ganzen Tag. Sie hassen sich. Wenn ich ins Zimmer komme, tun sie so, als wäre nichts, aber ich bin doch nicht blöd. Gerd lächelt mich dann immer an und fragt, wie es mir geht. Aber er lacht dann nicht wirklich. Ich mag ihn. Er spielt immer mit mir Monopoly und lässt mich auch manchmal heimlich abends mit fernsehen, wenn Mutter nicht da ist. Ich finde es furchtbar, dass ich Mutter zu ihr sagen muss. Sie will es unbedingt. Aber du bist doch meine Mama! Sie ist zwar meistens freundlich zu mir, aber ich mag sie trotzdem nicht. Manchmal schreit sie mich plötzlich an, wenn ich etwas falsch gemacht habe.
Morgen nehmen mich Gerd und sein Freund Michael mit zu einer Ausstellung. Das wird bestimmt lustig. Wenn Michael dabei ist, macht es immer Spaß.
Ich wäre aber trotzdem viel lieber wieder bei dir. Bei dir und Papa.


Tim schaute Tony fragend an. „Verstehst du das alles?“ Tony runzelte die Stirn. „Nein. Also, ja, teilweise. Ich weiß, dass meine Mama von Oma und Opa adoptiert wurde, als sie sechs war, weil ihre richtigen Eltern gestorben sind. Allerdings verstehe ich nicht, was da über Oma steht. Sie soll Mama angeschrien haben? Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Sie ist immer so lieb. Mit Opa habe ich sie auch noch nie streiten gesehen. Die beiden verstehen sich so gut! Mama sagt immer, sie sind das perfekte Paar. Und meine Mama nennt Oma auch immer ‚Marianne’. Nicht ‚Mutter’.“ Auch Tim konnte sich Tonys Oma nicht schreiend vorstellen. Sie war gerade zu ihnen Kindern immer sehr nett und war sogar ruhig geblieben, als sie einmal versehentlich Traubensaft über den neuen Teppich vergossen hatten. „Hmmm… vielleicht haben die beiden sich einfach mit der Zeit besser verstanden. Und deine Oma hat irgendwann akzeptiert, dass sie von ihrer Tochter Marianne genannt wird.“ „Könnte sein.“, meinte Tony. „Ich frag sie gleich mal.“

Da fiel ihr Blick auf das Samt-Säckchen. „Lass uns erstmal da rein schauen. Das sieht aus, als wäre da etwas Schweres drin.“ Sie öffnete das Säckchen und holte etwas heraus. Tony strahlte ob dieses fantastischen Fundes. Es war ein großer, glitzernder, funkelnder Edelstein. „Ich wusste es“, sagte Tony. „Ich wusste, dass wir hier etwas finden!“ Tim betrachtete staunend den Stein. „Wow, der ist ja riesig! Aber meinst du nicht, dass es einen Grund gibt, dass der hier versteckt war?“
In dem Moment hörten sie ein Knarren hinter sich und fuhren herum.

„Was macht ihr beide denn hier?“ Marianne steckte den Kopf durch die Luke.
Tim sah sie schuldbewusst an. Doch Tony lief direkt mit dem Fund zu ihrer Großmutter. „Schau mal, Oma, was wir gefunden haben!“, rief sie. „Einen echten Edelstein!“ Marianne besah sich den Stein. „Oh, tatsächlich. Der gehört deiner Mutter. Wir waren mal auf einer Messe für Halbedelsteine. Dort durfte sie sich einen aussuchen. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie sie gestrahlt hat, als sie ihn in der Hand hielt. Anscheinend hat sie ihn gut aufbewahrt. Aber was macht ihr eigentlich hier? Antonia, du weißt doch, dass du hier nicht hoch darfst!“

„Was, wenn ihr die Treppe herunter gefallen wärt? Wenn das deine Mutter hört…“ Marianne versuchte, Tony streng anzuschauen, doch wie meistens bei ihrer Enkelin gelang es ihr nur halbherzig. „Nun kommt aber mit runter, ihr seid ja voller Dreck. Ich wollte euch gerade Pfannkuchen machen.“ „Oh, lecker, Pfannkuchen!“, Tim war schon auf dem Weg zur Treppe. Tony hielt noch einen Moment inne, den Stein noch in der Hand. „Den nehme ich Mama mit, da freut sie sich bestimmt.“ „Ganz bestimmt“, stimmte Marianne zu. Tony ließ eine Sache aber keine Ruhe: „Du, Oma? Ich wollte unbedingt ein Geheimnis finden. Jetzt habe ich zwar den Stein, aber kein Geheimnis… Meinst du, ich finde noch eins?“ Marianne musste lächeln. „Aber natürlich, Tony. Das ganze Leben ist voller Geheimnisse. Und du wirst noch ganz viele davon entdecken.“

Tony wirkte zufrieden und machte sich auf den Weg zur Treppe, den Stein in der Hand. Als sie schon halb runter geklettert war, fiel ihr noch etwas ein: „Hast du denn auch ein Geheimnis, Oma?“ Marianne lachte. „Ich? Natürlich nicht. Was sollte ich denn schon für ein Geheimnis haben?“ Tony lächelte ihre Oma an, hüpfte unten auf den Boden und lief in Richtung Küche. Ihre beiden anderen Funde hatte sie bereits vergessen.

Marianne sah sich noch einmal um, bevor sie den Dachboden verließ. Da fiel ihr ein Foto ins Auge, das auf dem Boden lag. Sie erkannte ihren Mann und Michael. Gedankenverloren betrachtete sie das Foto. Michael… wie lange war er schon nicht mehr in ihrem Leben. Doch das war gut so. Sie steckte das Foto ein und ging zur Treppe. Eines Tages würden sie auch Tony die Wahrheit sagen. In ein paar Jahren, wenn sie alt genug war. Marianne zupfte ihre Perücke gerade, an die sie sich in den letzten Jahren schon so gewöhnt hatte und machte sich auf den Weg in die Küche, um den Kindern Pfannkuchen zu machen.


Und die neuen Begriffe:

Person: Meerjungfrau
Ort: Sandbank
Gegenstand: Muschel
Abstraktes: Verwandlung
Try to be a rainbow in someone's cloud.
Benutzeravatar
LoriPecuretho
 
Beiträge: 78
Registriert: 10.02.2014, 17:40

Vorherige

Zurück zu Fingerübungen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste