Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

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Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon Liberty » 26.06.2011, 20:28

Hallo :)

Diese kleine Übung hilft mir immer dabei, auf neue Ideen zu kommen.
Es ist eigenlich ganz simpel. Der Erste nennt 4 Worte - Eine Person, einen Ort, einen Gegenstand und irgendetwas Abstrakteres (also etwas nicht materielles). Mit diesen 4 Worten schreibt der Nächste eine Kurzgeschichte oder entwirft den Plot einer solchen. Dann nennt er wiederum 4 Begriffe, zu denen der Dritte etwas schreibt und so weiter.
Die Geschichten können lustig, ernst, gruselig, romantisch... sein, die Begriffe müssen nicht zusammenpassen, es geht ja um Kreativität :wink:
Ich hoffe, diese Übung gibt es noch nicht.

Okay, das hier wären die ersten Begriffe:

Person: Musiker
Ort: Einsame Insel
Gegenstand: Bleistift
Abstrakt: Strafe

Viel Spaß!

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Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon BurningSun » 26.06.2011, 20:40

Hmm, das klingt lustig, mal sehen ob ich es richtig verstanden habe.
Als Plot würde mir zu deinen Worten einfallen:
Ein Musiker auf Tournee wird zur Strafe für ein Drogenvergehen in ein Flugzeug nach Hause verfrachtet. Das Flugzeug stürzt ab und der Musiker landet allein auf einer einsamen Insel. Er findet dort Nahrung, Süßwasser und baut sich eine Hütte. In seiner Hosentasche findet er einen kleinen Bleistift, fats nur noch ein Stummel, mit dessen Hilfe er einen Song schreibt um nicht verrückt zu werden. Nach seiner Rettung wird dieser Song ein Welthit!

(Gehen als Personen auch Tiere?)
Person: Kassiererin
Ort: Museum
Gegenstand: Pappkarton
Abstrakt: Depression
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Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon Bella98 » 26.06.2011, 20:55

Uh das gefällt mir *o*

Ich schreib 'ne kleine, spontane Geschichte (zu klein um die als Übung posten zu können...^^)

Die Kassiererin stand in dem menschenleeren Museum. Ihre Schritte halten von den Wänden wider, als sie zu einem der Pappkartons schritt. Bis auf den Empfangstresen gab es nichts mehr, was bezeugte, dass das hier je ein Museum war. Ein Ort voller Freude und Zuversicht. Oft und gern hatte die Kassiererin ihn besucht. Er war ihr Schlupfwinkel gewesen, so komisch das auch klingen mochte. Doch nun strahlte er reine Depression aus, die auch die Kassiererin zu umfassen drohte, denn sie wusste, dass ihr letzter Zuschlupf nun keiner mehr war.

So, dann das nächste:

Person: Kind
Ort: Spielzeugladen
Gegenstand: Geisterfigur
Abstrakt: Freude

Viel Spaß (:
If I cannot move heaven, I will raise hell.
NaNoWriMo Vol. 5! :mrgreen:
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Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon Lammodel » 27.06.2011, 15:37

Coole Idee! Hier mein kleines Werk :wink:

In einer schummrigen Ecke hinter einem verwaschenen Vorhang des uralten Spielzeugladens auf der St. Georges Road stand die Geisterfigur seit Jahrzehnten unberührt. Ein fahles, fast bläulich wirkendes Licht fiel durch die verschmutzen Fenster. Kaum ein Kunde des ohnehin wenig besuchten Ladens verirrte sich in diesen unheimlichen Winkel des Geschäfts. Die hässliche Geisterfigur war eines unter vielen alten Spielsachen, die verstaubt irgendwann einmal dort abgestellt und vergessen worden waren. Doch eines unterscheidete sie von all den anderen Sachen: Vor über hundert Jahren wurde sie mit einem teuflischen Fluch belegt, der jedem das Grauen bis ans Ende seiner Tage bringen würde, der sie kaufte.
Plötzlich schob sich der Vorhang beiseite und ein wenig Licht flutete über das Regal. Im nächsten Moment streckte das kleines Mädchem seinen Arm nach der Geisterfigur aus und rief: „Mama, die will ich haben!“ Und die Geisterfigur wußte, dass sie dem Kind keine Freude bringen würde...
----------------------------------------------
Weil ich gerne ein Fiesling bin, mach ich es dem nächsten mal nicht ganz so leicht. Aber das fördert ja die Kreativität :D

Person: U-Boot Kommandant
Ort: Aquarium
Gegenstand: Kerze
Abstrakt: Hass
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Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon dragong » 27.06.2011, 18:28

Eine gute Idee, diese Übung! Ich poste meine Geschichte auch mal hier, sie erscheint mir zu kurz für einen eigenen Thread.


Dunkelheit ließ das Gesicht des Kommandanten undeutlich werden, als er befahl, dass gegnerische Boot abzuschießen. Nur eine Kerze erhellte den Raum und warf undeutliche Schatten an die Wände. Die Stimme des Kommandanten war kalt, kalt vor Hass. Seiner Anordnung wurde augenblicklich Folge geleistet, und voller Genugtuung stieß der Kommandant seinen Arm in die Luft. „Wir haben sie, der Sieg ist unser“, verkündete ihn.
Hinter ihm öffnete sich die Tür. Das elektrische Licht wurde eingeschaltet und der Kommandant blinzelte, schnell zog er den Arm aus dem Aquarium. Das kaum handtellergroße Modell-U-Boot hielt er fest in der Hand umklammert, als müsste er es beschützen.
„Herr Lindental, was machen Sie denn hier?“ Die Schwester musterte den alten Mann, der immer wieder die eine Szene seiner Kriegsgeschichte nachspielte.
„Licht aus! Wir werden sie besiegen. ICH werde sie besiegen!“, sagte Herr Lindental. Immer noch schwang Hass in seiner Stimme mit, doch die Schwester wusste, es war nicht der Hass auf die Gegner, sondern auf das Durcheinander in seinem Kopf. „Ich werde sie besiegen“, wiederholte der verwirrte Mann noch einmal.
„Sicher werden Sie das“, antwortete die Schwester und führte Herrn Lindental zurück auf sein Zimmer. Das U-Boot hielt er fest umklammert.



Und die Vorgaben für den nächsten. Viel Spaß ;)

Person: verrückter Erfinder
Ort: Supermarkt
Gegenstand: Staubsauger
Abstrakt: Euphorie
Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben
(Franz Kafka)
All our dreams can come true, if we have the courage to pursue them. (Walt Disney)
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Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon Joleen » 10.07.2011, 08:30

Nun ja, ich versuche es einmal:

"Nein, mein Herr, sie können ihn nicht einfach mitnehmen!" Der Verkäufer konnte den Mann gerade noch abhalten, den Staubsauger ohne zu bezahlen aus dem Supermarkt zu ziehen. "Aber... Ich brauche doch einen Staubsauger!", meinte der Mann und in seinen Augen spiegelte sich die Überraschung wider.
"Trotzdem können Sie ihn nicht einfach mitnehmen. Zuerst müssen Sie bezahlen."
"Erlauben Sie mal! Ich brauche den Staubsauger nur für fünf Minuten, danach ist er wieder hier im Supermarkt, versprochen!"
Der Verkäufer sah sich suchend um. Seine Kollegen waren alle bereits beschäftigt und trotzdem wollte er diesen Mann loswerden. "Wer sind Sie?", fragte er. Er wusste einfach nicht, was er sagen sollte.
"Einstein."
Der Verkäufer wandte den Kopf und sah seinem Gegenüber kurz ins Gesicht. Ein Physikprofessor. Ein Erfinder. Der war doch verrückt!
"Einstein?"
"Ja, ich feiere demnächst mein Geburtstag."
"Dann wünsche ich ihnen alles Gute zum 131. Geburtstag!", brummte der Verkäufer. "Aber bezahlen mussen Sie den Staubsauger trotzdem!"
Der Verrückte lachte. "Nein, das muss ich nicht! Wissen Sie, ich leide an Euphorie!"
"Ja und?", fragte der Verräufer.
"Da wird mir alles bezahlt!"
------------


Person: 100jähriger Opa
Ort: Geburtstagsfest vom Enkel
Gegenstand: Chipstüte
Abstrakt: Überraschung
Life is the most difficult exam. Many people fail, because they try to copy others, not realizing that everyone has a different question paper.
Straight Roads do not make skillful drivers! Paulo Coelho

Die Schreibwerkstatt kommt wieder! Sag mir Bescheid!
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Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon Franzi1910 » 10.08.2011, 00:17

So, dass ist etwas neu für mich, da ich meist nur Gedichte schreibe, aber ich versuch mal mein Glück. Ist leider etwas lang geworden ^^
Da sie ziemlich lang geworden ist, und auch zum Thema Kindergeschichte passen könnte, habe ich sie hier nur verlinkt. (hoffe das ist ok so!?)

http://www.schreibwerkstatt.de/die-uberraschung-t31264.html




Next :

Person: Polizist
Ort: Zeitungsladen
Gegenstand: Wiener Würstchen
Abstrakt: Langeweile
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Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon Livina » 25.08.2011, 08:58

Eine schöne Idee! ^^
Dann will ich das auch einmal versuchen!

Der Polizist stand neben dem Zeitungsladen und starrte auf die Straße. "Mistwetter" grummelte er, als er einen Blick hoch zum Himmel warf. Seit mehr als einer Woche türmten sich graue Wolken übereinander, es war eisig kalt und schneite fast ohne unterlass. Zum Glück hatte der Schnee scheinbar beschlossen jetzt einmal einer kurze Pause zu machen. Mit der Zeitung unter dem Arm ging der Wachmann über den Bürgersteig, wobei er aufpassen musste, nicht auf dem Glatteis auszurutschen. Es hatte so viel geschneit, dass das streuen von Salz nichts mehr bewirken konnte - daher war es von der Stadt sogar verboten worden. Er sah auf seine Uhr - noch zwei Stunden, bevor er wieder auf die Wache gehen und einen warmen Kaffee trinken konnte. Genervt stieß er die Luft aus, die sofort einen weißen Nebel bildete. Kaum noch Menschen fuhren zu diesen Zeiten mit dem Auto, sogar der Bahn- und Luftverkehr stand hier wegen den vereisten Straßen still. Nur manchmal huschten dick eingemummte Gestalten um die Ecke und verschwanden in den Lebensmittelläden. Noch einmal seufzte der Polizist. Er fragte sich, warum jemand überhaupt Wache halten musste, das Dorf war noch nie ruhiger gewesen. Die Langeweile floss zäh durch die Straßen, nur ein paar Kinderbauten noch Schneemänner - die meisten hatten ihre schon seit über zwei Tagen fertig. Plötzlich hörte er ein Rufen hinter sich. Noch ehe er sich umgedreht hatte, huschte ein schwarzer Schatten an ihm vorbei. Er sah die Straße hinunter und bemerkte einen Mann, der vor seinem Würstchenstand stand und die Straße hinaufschrie. "Elender Dieb! Du reudiger Köter, komm sofort zurück!" Der Polizist drehte sich wieder um und sah den Schatten um die nächste Ecke verschwinden. Schnell holte er sein Funkgerät heraus, während er hinterherlief. "Diebstahl 2. Straße rechts" verkündete er um verfolgte den Schatten. Endlich gab es wieder etwas zu tun, beinahe greifbare Erwartung durchströmte ihn. Doch als er um die Ecke gebogen war, blieb er wie erstarrt stehen und sah auf den Übeltäter hinab. Einige Sekunden wurde sein Blick nur stumm erwiedert. Dann seufzte er, nahm erneut das Funkgerät und sagte: "Falscher Alarm. Mein Fehler." denn drehte er sich um, ging zu dem Würstchenstand und bezalte die Würchsten, die der Hund gestohlen hatte. Als Dank bekam er ein Wiener Würstchen geschenkt. Dann ging er zurück auf seinen Posten neben dem Zeitungsladen.

Ich hoffe, sie ist nicht zu lang geworden :oops:

Person: Prinzessin
Ort: Markt
Gegenstand: Besen
Abstrakt: Glück
Ich muss die Veränderung sein, die ich in der Welt sehen will.

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Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon paulwolter » 24.09.2011, 11:33

Liberty hat geschrieben:Hallo :)

Diese kleine Übung hilft mir immer dabei, auf neue Ideen zu kommen.
Es ist eigenlich ganz simpel. Der Erste nennt 4 Worte - Eine Person, einen Ort, einen Gegenstand und irgendetwas Abstrakteres (also etwas nicht materielles). Mit diesen 4 Worten schreibt der Nächste eine Kurzgeschichte oder entwirft den Plot einer solchen. Dann nennt er wiederum 4 Begriffe, zu denen der Dritte etwas schreibt und so weiter.
Die Geschichten können lustig, ernst, gruselig, romantisch... sein, die Begriffe müssen nicht zusammenpassen, es geht ja um Kreativität :wink:
Ich hoffe, diese Übung gibt es noch nicht.

Okay, das hier wären die ersten Begriffe:

Person: Musiker
Ort: Einsame Insel
Gegenstand: Bleistift
Abstrakt: Strafe

Viel Spaß!

Liberty


Hallo! Wenn Du Lust hast schau mal unter "Spannende Kurzgeschichten" - da habe ich gerade den ersten Teil einer auf diesen vier Worten basierenden Erzählung mit Namen "Schreib oder stirb!" eingestellt. Danke für die Anregung
Gruß
Paul
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Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon pampelsine » 12.01.2012, 13:30

Hallo, ich beziehe mich nun auf die vier Wörter von Livina, zu denen es noch keine Geschichte gab.
Ich finde, diese Wörter müssen ein Märchen ergeben. Hier ist es:

Es war einmal eine Prinzessin, die lebte mit ihrem Vater dem König und ihrer Mutter der Königin in einem wunderschönen Schloss in einem wunderschönen Märchenland. Sie hatte alles, was das Herz begehrte, spielte mit den Blumen und Tieren in ihres Vaters Garten. Mehr kannte sie nicht, und sie war von Herzen glücklich.
Jede Woche fuhren die Diener des Königs mit der großen Kutsche in die Stadt zum Markt. Morgens sah die Prinzessin die Kutsche leer davonfahren, und abends kehrte sie zurück, beladen mit allen Köstlichkeiten dieser Welt.
Oh, die Prinzessin, so glücklich sie auch war in ihrem wunderschönen Schlossgarten, begehrte doch sehr zu erfahren, wohin die Kutsche fuhr und woher all diese wundersamen Dinge kamen. Doch ihr Vater hatte ihr verboten, die Grenzen des Schlossgartens zu überschreiten.
Doch die Zeit schritt voran, und das ganze Glück, in dem die Prinzessin lebte, wurde langweilig und abgestanden, und sie konnte es gar nicht mehr aushalten. So schlich sie sich eines Tages beim Beladen in die Kutsche hinein und versteckte sich zwischen den leeren Fässern.
"Hei Ho", riefen die Kutscher, und der Wagen rumpelte los. Es ging über Stock und Stein, dröhnend unterhielten sich die Kutscher und lachten dabei; die Pferde wieherten, und zwischen den Fässern saß die Prinzessin, mit klopfendem Herzen, aber froh.
Sie hörte, wie der Wagen das Stadttor passierte; fremde Geräusche traten an ihr Ohr, und dann stand der Wagen still. Sie schaffte es, unbemerkt zu entkommen und war nun mitten in der Stadt auf dem Markt. Verwundert stellte sie fest, dass niemand sie beachtete; niemand erkannte in ihr die Prinzessin.
Sie lief über den Markt und durch die Gassen und genoss das Treiben der Menschen. Alle schienen beschäftigt zu sein, und sie war sehr neugierig, alles darüber zu erfahren.
In einer Seitenstraße fegte eine alte Frau die Straße und die Prinzessin sah ihr eine Weile zu. "Was stehst du hier herum und glotzt?", polterte die Alte. Die Prinzessin schaute sie an und nahm ihren ganzen Mut zusammen: "Würdest du mir zeigen, wie man fegt?" Die Alte war verwundert über das ungeschickte Mädchen, aber sie zeigte ihr doch, wie sie den Besen halten musste, und die Prinzessin fegte und fegte, wurde dabei immer geschickter, und ein Leuchten lag auf ihrem Gesicht.
Nun war es Abend geworden, der Markt war abgebaut, die Kutsche sicher längst wieder abgefahren. Die Prinzessin hatte sie ganz vergessen. Aber sie durfte bei der alten Frau schlafen, und sie wusste, sie würde nun eine ganze Woche Zeit in der Stadt haben, bis die Kutsche wiederkommen würde.

Meine 4 Worte für die nächste Geschichte:
Person: Friseurin
Ort: Bahnhof
Gegenstand: Zeitung
Abstrakt: Hoffnung
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Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon Schreibfreak » 05.02.2012, 05:59

Gute Idee! Mal sehen, wie ich das so hinkriege. :D

Da saß sie nun und starrte mit leeren Augen auf das Gleis. Es war schon 2.00 Uhr morgens und noch immer fuhren die Züge ohne Unterlass aus und ein. Der Bahnhof schlief nie. Sie wunderte sich, dass zu so früher Stunde schon Leute unterwegs waren. Menschen mit Hüten, in schwarzen Mänteln mit teuren Aktentaschen in den Händen oder mit vollbepackten Koffern und quengelnden, kleinen Kindern auf dem Arm. Menschen die weinend, lachend, nervös durch den Bahnhof hetzten entgegen einem Ziel, das die junge Frau nicht kannte, von dem sie nicht einmal wusste, wo es lag. Sie war Friseuse. Alle Termine hatte sie abgesagt und war aufgeregt los geradelt. Stundenlang hatte sie hoffnungsvoll am Bahnsteig gestanden und Ausschau gehalten. Schon lange war die Vorfreude aus ihr gewichen und hatte sie verlassen wie Luft, die aus einer Gummiente entweicht, in die man mit einer Nadel gestochen hat.
Eisen knirschte auf Eisen, wenn die rot bemalten Diesellokomotiven die Bremsen anzogen und schließlich zischend stehen blieben. Feuerdrachen, dachte die junge Frau, Ungeheuer sind das. Schon lange hatte sie die Hoffnung aufgegeben. Sie fragte sich, wie sie nur je hatte naiv genug sein können um zu glauben, es sei wahr.
Nein, sie wollte, sie konnte es nicht länger ertragen. Mit zittrigen Fingern streckte sie ihre Hände nach einer alten Zeitung am Boden aus. Sie war noch ganz weich vom Kaffee, den ein eiliger Beamter in den späten Abendstunden des vorigen Tages auf den dreckigen Asphalt hatte fallen lassen, anstatt den Becher wie beabsichtigt in den Papierkorb daneben zu werfen.
Sie versuchte ihre Augen mit den gestrigen Schlagzeilen von den gehetzten Blicken der Passanten zu verdecken, doch bevor sie mit ihren Fingern die durchnässten Seiten auseinander gezogen hatte, zerfiel das Papier bereits in ihren Händen. Immer weiter fuhren die Züge, liefen die Menschen, rannte die Zeit. Sie wirbelten vorbei wie namenlose Schatten, sie machten die junge Frau schwindelig, nahmen ihr den Atem, fraßen sie auf.
Da. Jemand rief ihren Namen. Verwirrt blickte sie auf und plötzlich erkannte sie das bekannte Gesicht durch den Staub auf sich zu eilen, vorbei an den Zügen, mitten durch die lauten Massen.
"Maja!", rief er tränenüberströmt. "Maja!" Die junge Frau sprang auf. Da war er. Er hatte es versprochen und er war zurückgekommen. Lachend stürzte sie auf ihn zu und warf sich ihm in die Arme. Und gemeinsam mit den Zügen, den Rufen und den Menschen zerschmolzen sie in einem Wirbel aus Farben und der Gewissheit, dass sie, egal was auch geschehen mochte, immer irgendwo ankommen würden.

Person: Zahnarzt
Ort: Schönheitssalon
Gegenstand:Bonbon
Abstrakt: Experiment
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Albert Einstein
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Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon Myrila » 13.02.2012, 21:17

OKay :D

Er hastete den Bürgersteig entlang. Veilchenweg 7, 9, 11... Wo war denn nun schon wieder dieser verflixte Schönheitssalon? Er schüttelt verärgert den Kopf, rempelte eine ältere Frau an, rannte-ohne Rücksicht auf ihr empörtes Geschrei- weiter, immer an den abgerissenen Backsteinfassaden der Häuser entlang. Sein Blick schweifte umher. In dem Augenblick erhaschte er aus dem Augenwinkel ein pinkes Blitzen, er kam zu Stehen und ging zwei Schritte zurück. Ein wenig über dem nicht mehr ganz sauberen Fenster blinkte eine knallrosa Neonreklame, "Belleza" entzifferte er den verschnörkelten Schriftzug. Sein Blick fiel auf die Glastür vor ihm, auf der ebenfalls der Schriftzug zu lesen war, dann etwas höher zu einem blauen Schild. "Veilchenweg 23, endlich!", stöhnte er erleichtert auf und drückte die Tür auf.
Ein durchdringendes Läuten ertönte, als er den Salon betrat. Er schaute sich um, skeptisch.
Pinke und blaue Plastiksessel standen links und rechts vor großen, fleckigen Spiegeln,dazwischen zwei schwarze voll mit Kosmetikzeugs beladene Wägelchen.
Er schaute sich suchend um, etwas genervt, weil er natürlich wie immer warten muss.
Mit dem Arm auf die Theke gestützt, starrt er in die Luft, als er plötzlich zwei kühle Hände im Gesicht spürt und ihm die Sicht genommen wird. Er zuckt leicht zusammen. "Wer bin ich?", flüstert eine heisere Stimme, er spürt ihrem Atem im Nacken. Er gibt keine Antwort, sondern nimmt sie von den Augen und dreht sich langsam um. Wie bekannt ist ihm das Gesicht, das ihn da zärtlich anguckt, wie geliebt, und doch nur ein flüchtiger Augenblick in seinem Leben. Bisher. Doch das soll sich nun ändern. "Anna", beginnt er leise und wird dann lauter," Anna, ich will was ausprobieren." Er streicht ihre eine schwarze Strähne hinters Ohr, die aus ihrem Dutt gerutscht ist. Er blickt ernst in ihre blauen Augen, veilchenblau sind sie, und sie hält seinem Blick stand. Dann kichert sie. "So was wie ein Experiment?", fragt sie dann und lächelt belustigt. Doch die Lachfältchen erreichen ihre Augenwinkel nicht. Sie weiß, was er sagen will. Doch sie will es nicht hören, einerseits, doch andererseits so gern.
"Anna, ich halt das nicht mehr aus", bricht es aus ihm hervor, und sie runzelt die Stirn, weicht seinem Blick aus. Aber er macht weiter. " Ich...ich mach alles, was du willst, nur bitte lass uns...", unsicher bricht er ab.Sie schaut ihn noch immer nicht an, er hört nur ein leises Flüstern, fast nicht zu hören. "Hör auf. Hör auf.." Jetzt glaubt er schon ein Schluchzen zu hören. Er will ihr vorsichtig einen Arm auf die Schulter legen, doch sie stößt ihn fort. "Mach es nicht kaputt. Versprich nichts, was du sowieso nicht halten wirst!" Sie dreht sich weg, jetzt weint sie wirklich, leise.
Er setzt wieder an, will sie beruhigen, doch als würde sie es spüren, wirbelt sie wieder herum und legt ihm einen Finger auf die Lippen, behutsam.
Er gibt nach, lässt seine Worte unausgesprochen. Ein Lächeln breitet sich auf ihrem Gesicht aus, diesmal ist es echt."Gut, und jetzt entspann dich, ja? Wir machen uns einen schönen Tag, ok?" Er lächelt zurück und lässt sich widerstandslos zu einem der Sessel führen. Sie wuschelt ihm durchs dunkle Haar. "Lust auf Kino danach?", murmelt sie in sein Ohr. Er lächelt wieder, nickt. Aber es nagt an ihm. Warum versteht sie nicht, wie stark seine Gefühle für sie sind? Doch er verdrängt die Fragen, entspannt sich schließlich.
Am nächsten Tag verlässt er den Salon wieder, pfeifend, gut gelaunt wie noch nie. Ein bisschen wehmütig ja, dass er wieder zurückmuss, in seinen langweiligen, immer gleichen Alltag eines gut verdienenden, aber sich abschuftenden, verheirateten Zahnarztes, doch ihm bleibt immer der Lichtblick auf das letzte Wochenende des Monats.
Plötzlich spürt ein Hand auf seiner Schulter ruhen. "Warte, nicht so hastig", lacht sie, "kannst es wohl gar nicht mehr abwarten mich zu verlassen, was?" Er will was sagen, doch sie lässt ihn gar nicht erst zu Wort kommen. "Ist schon in Ordnung." Sie drückt ihm etwas Flaches in die geöffnete Hand. Es ist einer dieser furchtbar süßen, gefüllten Fruchtbonbons, in rotes Einwickelpapier verpackt. "Nur für Stammgäste unseres Salons", grinst sie und er bemerkt den pinken Schriftzug. " 'Belleza', stimmt, so heißt er ja.", murmelt er und denkt sich, was für ein Name. Ihr Lippenstift sieht auf einmal sehr schrill aus, schnell und schlampig aufgetragen, ihr Haar ungekämmt. Sie lächelt immer noch. "War schön.", sagt sie und beugt sich zu ihm vor, um ihm einen Kuss auf die linke Wange zu geben. Der Duft ihres billigen Parfums steigt ihm in die Nase. Er versteift es, sie merkt es, sagt aber nichts. Als sie sich wieder zurückzieht, lächelt sie weiter, das kennt sie schon.
Sie winkt ihm noch nach, während er die Straße schon entlangeilt, sich durch die Haare fährt,ohne zurückzublicken.
Ihr Blick ist traurig, wie immer an dem Sonntagmorgen des letzten Wochenendes im Monat und wie immer beugt sie sich zum Bürgersteig, um das rote Bonbon aufzuheben, das da liegt.
Vielleicht ist es besser so.

So, das wars, hoffentlich nicht zu lang :P

sodala -->
Person: Hofnarr
Ort: Mond
Gegenstand: Kaktus
Abstrakt: Sehnsucht

;)
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Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon Wildfire » 20.03.2012, 18:48

So, ich habe aus Myrilas Vorgaben mal ein Märchen gemacht :wink:

Vor vielen Jahren, in einer Zeit, die wir das dunkle Zeitalter nennen, herrschte hierzulande ein König. Der König ließ seine Untertanen schuften, bis sie vor Erschöpfung zu Boden sanken. Wenn ihm der Sinn nach einer Treibjagd stand, lud er seine Kumpanen, schwang sich aufs Pferd und hetzte das Wild durch die frisch bestellten Felder der Bauern. Selbst wenn die Ernte vor der Tür stand, scheute er nicht davor zurück, durch die wogenden Getreidefelder zu reiten und die Ähren niederzutrampeln. Wer es wagte, schlecht über ihn zu sprechen, der wurde nachts von den Schergen des Königs aus dem Bett gezerrt und verschwand für lange, lange Zeit. Man berichtet von Menschen, die ihre Familie erst auf dem Richtplatz ein letztes Mal zu Gesicht bekamen. Man muss sich diesen Herrscher vorstellen wie einen Kaktus: Er stach nach allen Seiten, bis keiner ihm mehr nahe kam - nur er selbst verspürte keinen Schmerz dabei.
Am Hof dieses Königs trugen Säulen aus weißem Marmor das Gemäuer, und kunstvoll gewebte Wandteppiche verhüllten die kühlen Mauern. An diesem Ort hatte der Hofnarr die traurige Aufgabe inne, dem grausamen Herrscher die Zeit zu vertreiben. Er riss Späße, schnitt Grimassen, sang heitere Lieder. Vor allem aber schlug er Räder, machte Purzelbäume und Kopfstände und manchmal, wenn ihm danach war, ging er auf den Händen. Beim Handstand konnte er die Welt auf dem Kopf sehen; das gefiel ihm. Sein ganzes Leben war erfüllt von der Sehnsucht, die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten, damit all das Leid und die Grausamkeit der Menschen nicht mehr so unerträglich waren.
Doch der Hofnarr war nicht mehr der Jüngste, und bei den Kunststücken schmerzten ihm die alten Knochen. Eines Abends dachte er, dass er bald nicht mehr turnen und springen könnte, und dass er die Welt nicht mehr auf dem Kopf sehen könnte, sondern so gewöhnlich und schonungslos wie alle Anderen. In diesem Moment überkam ihn eine große Traurigkeit. Doch als sein Blick zum Himmel schweifte, kam ihm eine Idee.

Am nächsten Morgen packte er seine sieben Sachen und verließ das Land. Er wanderte weit bis in die Berge, um den höchsten Gipfel zu erklimmen, der weit und breit zu finden war. Dort harrte er aus, zitternd und frierend, bis die Nacht hereinbrach. Dann sammelte er alle Kräfte in seinem müden Körper, und streckte seine Arme weit nach den tief hängenden Wolken aus. Weich waren sie, feucht und zerbrechlich. Zuerst fürchtete er, sie lösten sich unter der Wärme seiner Hand zu nichts als Wasserperlen auf. Aber als er die Füße vom Boden abstieß, da trugen sie ihn.
Er konnte nun ruhig die ganze Nacht durch weiterwandern. Durch die Wolken schimmerte das Mondlicht weiß und milchig. Weiter und weiter stieg der Hofnarr hinauf, und wenn er von Wolke zu Wolke kletterte und den Fuß behutsam aufsetzte, waren seine Knochen leicht und unbeschwert. Die Luft um ihn wurde kühl und kühler, und dünn und dünner, aber es störte ihn nicht. Eine Unbeschwertheit erfasste ihn, wie er sie nur in den frühsten Jahren seiner Kindheit gekannt hatte. Frei von der Welt, von den Menschen! Frei von den Knochen, die so kalt und brüchig waren. Sehnsucht nach Freiheit!
Der Morgen dämmerte schon, als der alte Narr den Mond erreichte. Wie er den Fuß aufsetzte, löste sich bröckelndes, helles Gestein und fiel in bodenlose Tiefe.
Erschöpf vom langen Weg wandte der Hofnarr sich um, wie ein Wanderer, der stolz den Pfad hinabsieht, den er erklommen hat. Und da, in der Ferne, weit hinter den Wolken – was war dort?
Eine kleine Erde. Der grausame König war nichts als ein Staubkorn auf einer blauen, strahlenden Kugel. Auf einmal sah der Hofnarr die Welt aus einem Blickwinkel, den kein Kunststück auf der Welt möglich machte. Leben und Tod, Schicksal und Glück, Scheitern und Erfolg, Liebe und Hass, Schöpfung und Zerstörung: Alles, was dem Leben eine Richtung gibt, war auf erleichternde Weise winzig und ganz weit weg von ihm.

...ups, ist das lang geworden :P

Die nächsten Vorgaben:
Person: Demenzkranker
Ort: Jahrmarkt
Gegenstand: Lakritz
abstrakt: das Nichts
Dann gab es eine Zeit der kontrollierten Unvernunft und Hingabe. Und Träume von Freiheit. (Stefan Daniel)
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Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon Kaftinchen » 15.04.2012, 10:22

Person: Demenzkranker
Ort: Jahrmarkt
Gegenstand: Lakritz
abstrakt: das Nichts

"Welch munteres Treiben! " ist mein erster Gedanke, als ich den Platz betrete. So viele Menschen und alle sind so fröhlich. So fröhlich, daß ich voller Vorfreude zu grinsen beginne.
Die Musik, die vielen Stände, ein Clown, der eine Traube bunter Luftballons in seiner linken Hand hält, und dieser wundervolle Geruch. Ich möchte am liebsten sofort loslaufen. Wo bleiben nur Mama und Papa? Haben sie etwa vergessen wie sehr ich mich auf meinen ersten Jahrmarktbesuch gefreut habe? Wahrscheinlich trödeln sie wieder herum. Wie immer. Ich kann es kaum noch erwarten endlich alles aus der Nähe anzusehen. Vielleicht ist es nicht so schlimm, wenn ich schon einmal vorgehe - aber sie sind ja auch selbst Schuld, wenn ich verloren gehe, wenn sie immer so langsam sind. Nur ein paar Schritte, mehr nicht.
Zum Glück hat mir Papa mein Taschengeld schon gegeben. Ich könnte Zuckerwatte kaufen, für uns alle. Mama würde sich sicher freuen, wenn ich sie damit überrasche. Und bis zum Stand sind es nur ein paar Meter, sicher werden sie mich sehen, wenn sie kommen. Der süße Duft hüllt mich schon nach den ersten Schritten ein, so wundervoll und da - wie lustig, ein Karussell. Die anderen Kinder auf den bunten Tieren quietschen. Das macht bestimmt riesigen Spaß. Schon stehe ich in der Schlange und warte ungeduldig darauf, das ich endlich aufsteigen kann. Das Karussel hält. Die Kinder steigen ab. Aufgeregt drücke ich dem Mann mein Geld in die Hand. Er lächelt. Ich will an ihm vorbei, aufsteigen, mich drehen und... Er hält mich fest - was soll das?
"Du bist zu alt!" sagt er. Ich muß kichern, Mama sagt auch immer, das ich viel zu groß bin für mein Alter. Vielleicht glaubt er, daß ich zu alt bin für das Kinderkarussell. Ich sage ihm, daß ich erst 8 bin und das dies meine erste Fahrt werden soll, doch er wird böse. Schimpft sogar mit mir. Ich soll verschwinden. Er schmeißt mein Geld in den Dreck. Warum ist er so gemein zu mir? Die anderen schauen mich vorwurfsvoll an. Wo bleibt Papa nur? Er würde dem Mann Bescheid sagen. Er würde dafür sorgen, das ich fahren darf. Doch ich finde die bekannten Gesichter nicht. Traurig hebe ich mein Geld auf und schleiche auf den Boden sehend davon. Immer ist keiner da, wenn man sie wirklich braucht. Jetzt bin ich auch noch in die falsche Richtung gelaufen und weiß gar nicht mehr wo der Eingang ist. Und daran ist nur dieser blöde Mann Schuld. Verflixt, jetzt werden sie mich bestimmt schon suchen. Papa wird böse sein. Alle Freude ist verschwunden. Lakritze! Ein ganzer Stand voller Lakritze. Schnell laufe ich hinüber. Bewundere die vielen Sorten und Formen. Das ist mal was anderes, als in dem Laden in der Ecke, wo es nur zwei Sorten gibt. Ich zeige der Frau welche ich möchte und sie packt alles in eine kleine Tüte. Ich gebe ihr mein Geld. Doch sie gibt mir die Tüte nicht. Sie lacht. Sie lacht mich aus.
"Für die Groschen kann ich ihnen nichts geben!" Ich schaue die Münzen an. Fünf glänzende Zehnpfennig-Münzen. Was ist falsch mit ihnen?
"August, gottseidank, ich habe dich gefunden!" Mama, endlich! Ich drehe mich um und die Frau lächelt mich erleichtert und freundlich an. Sie nimmt meine Hand, gibt der Frau ein seltsames Ding, erklärt ihr etwas von Demenzkranker, die Frau nickt verständnisvoll und wir gehen mit der Tüte davon. Vielleicht zahlt man auf dem Jahrmarkt mit besonderem Geld, denke ich noch, und was hat sie mit diesem selsamen Wort gemeint? Vielleicht eine Zauberformel, die Menschen freundlich werden läßt, die muß ich mir merken. Wie war das gleich? Demkrake? Menzkra? Ich muß mich erinnern, dann kann ich doch noch Karussellfahren, doch mit jedem Schritt versinke ich in dem seltsamen Nichts. Wer ist die Frau neben mir? Wo gehen wir hin? Und wo sind wir überhaupt? Ich finde keine Antwort. Das Nichts schnappt nach mir. Musik. Du kriegst mich nicht. Ich weiß es. Haha. Ich muß lachen. Jahrmarkt ist heut - mein erster Jahrmarkt. Das wird sicher lustig.
Ort: Wüste
Person: Buchhalter
Gegenstand: Socke
Abstrakt: Gerechtigkeit

Viel Spaß!
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Re: Mit 4 Worten zur Kurzgeschichte

Beitragvon Arlecchina » 10.05.2012, 19:01

Ich gehe durch die Stadt. Es ist schon spät und die Straßen sind leer. Ich muss zur Haltestelle und dann dauert es noch lange bis der Bus auch kommt. Scheiß Gammelstadt mit scheiß Busverbindungen. Ist ja nicht so, als wäre ich in 20 Minuten mit dem Auto zuhause. Tja, aber dafür muss man erstmal ein Auto haben... Oder einen Führerschein... Nu ja.
Ich laufe also und laufe und laufe. Und meine Gedanken schweifen umher. Aber nur kurz, denn schnell finden sie ihr Ziel: IHN. Ich habe ihn vor kurzem online kennen gelernt. Er ist Buchhalter. Hört sich öde an. Ist es aber nicht - sagt er. Und er scheint ein echt toller Typ zu sein, ich bin hin und weg von ihm. Bei Buchhaltern habe ich bisher immer an so Spießer gedacht. Aber er ist anders. Erst letztes Jahr hat er einen Trip durch die Wüste gemacht. Mit seinem Hund Tinkerbell. Tinkerbell ist eine Deutsche Dogge mit einer stadtlichen Widerristhöhe von 80cm. Er hat echt Humor finde ich! Und ich liebe Hunde. Gerade Doggen, meine absolute Lieblingsrasse. Aber ich darf in meiner Wohnung keinen Hund halten und das, obwohl er einen vernünftigen Namen bekäme und mit mir nicht tagelang durch die Wüste rennen müsste... Wo ist da bitte die Gerechtigkeit?
Oh. Ich schaue mich um. Ich bin an der Bushaltestelle vorbei gelaufen... Ich drehe um und gehe die 100 Meter zurück. Neben dem Fahrplan steht ein Mann, der offensichtlich schon das ein oder andere Bier zu viel hat, streckt mir seine Faust entgegen und sagt "Moächtest duuh diehse Sockö kaufän?" Und schaut mich fragend an. "Nur eine Millonen Euo!" Er macht die Hand auf und - tatsächlich er hat eine gammelige alte Socke in der Hand. Gott sei Dank, da kommt mein Bus.

Die nächten Worte:
Ort: Bahnhof
Person: kleines Kind
Gegenstand: Keks
Abstraktes: Glück
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